Mittwoch, 01.10.2008
Heute in den Feuilletons
01.10.2008 In der taz sucht die Historikerin Brigitte Hamann nach Erklärungen für den Rechtsruck in Österreich: War es das Absenken des Wahlalters auf 16 Jahre? PD Smith erzählt in 3quarksdaily von einem "Faust" mit Niels Bohr, Wolfgang Pauli und Paul Ehrenfest in den Hauptrollen. Die SZ bewundert einen philosophischen diable de l'amour bei Arte. Ebenfalls in der SZ verkündet der britische Philosoph John Gray: Die Ära der amerikanischen Führung ist vorbei.
Bücherschau des Tages
01.10.2008 Höchstes Lob erfährt Peter Longerichs Himmler-Biografie in der Zeit: ein Meilenstein der Forschung. Harte Arbeit war die Lektüre von John C. G. Röhls letztem Band seiner Biografie Wilhelms II. für SZ und Zeit. Ein Standardwerk sei es aber in jedem Fall, versichern die erschöpften Rezensenten. Die FR rühmt die überwältigende literarische Qualität der serbischen Literatur im neuen Schreibheft. Die NZZ vertieft sich in das Liebesdrama "Meine total wahren und überhaupt nicht peinlichen Memoiren mit genau elfeinhalb".
Im Kino
01.10.2008 Kein großer Wurf, aber ein großer Spaß ist die Spionagekomödie "Burn After Reading" der Coen-Brüder. Mit einer seltsamen Kombination aus Bollywood, Eishockey und Esoterik versucht Mike Myers in "Der Love Guru" sein Comeback.
Donnerstag, 02.10.2008
Heute in den Feuilletons
02.10.2008 In der FR beschreibt Seyla Benhabib den Weg der Türkei in eine post-nationalistische demokratische Gesellschaft. Die NZZ staunt über den Dünkel von Horace Engdahl. Rechtskonservativ findet Peter Weibel in der Welt den Kult um Künstler. Felix Schwenzel staunt in Wirres.net über die völlige Ahnungslosigkeit bei einer Podiumsdiskussion über Google. Die SZ denkt über Roman-Adaptionen auf deutschen Bühnen nach.
Bücherschau des Tages
02.10.2008 Zwei ausgezeichnete Debütromane werden heute besprochen: Die NZZ beobachtet gebannt, wie eine
20-jährige schlagfertige und trinkfreudige
Barkeeperin aus
Manchester durch
Gwendoline Rileys Roman "Cold Water" taumelt. Die FAZ hängt an den Lippen einer
17-jährigen Deutschrussin, die sich in
Alina Bronskys Roman "Scherbenpark" (
Leseprobe) mit
schnoddrigem Stakkatoton einem Aussiedlerghetto behauptet. Weiter empfiehlt die FAZ ein Buch über die
Linkspartei. Die SZ leidet mit
verwirrten Vätern.
Bücherbrief
02.10.2008 Der große Schmöker zur DDR-Vergangenheit, eine Dreiecksgeschichte in der Türkei, ein subtiler Comic über den Nahostkonflikt, Lenin revolutioniert die Schweiz, eine Kulturgeschichte des alten Chinas und ein Band über arabische Typografie - die alles und mehr in den Büchern des Oktobers.
Montag, 06.10.2008
Heute in den Feuilletons
06.10.2008 Die NZZ will es nicht recht glauben: Michel Houellebecq und Bernard-Henri Levy sollen Verfemte sein? In der Welt erzählt ein anonymer Banker über die persönlichen Vorzüge seines Jobs. In der FR antwortet Necla Kelek auf Seyla Benhabib: Die Frage ist nicht, wo Frauen in der Türkei mit Kopftuch, sondern wo sie ohne hindürfen. Die SZ zeichnet italienische Debatten über Faschismus und Widerstand nach.
Bücherschau des Tages
06.10.2008 Die FAZ scheitert freudig mit Leonard Cohens "Buch der Sehnsüchte" an zenbuddhistischer Affektbeherrschung. Ratlos bereichert fühlt sich die SZ von Andrzej Stasiuks Reiseskizzen "Fado". Auch Christian Schmidts Reisebericht aus China "Allein unter 1,3 Milliarden" kann sie empfehlen.
Medienticker-Archiv
06.10.2008 Zimmermann, der alte Medienwichser - Brigitte Mohn soll Bertelsmann-Chefin werden - FAZ-Relaunch-Jahrestag - Was Google macht, ist illegal - Steve Jobs Herzinfarkt erste große Ente des Bürgerjournalismus - Wenn Consulter bloggen: Ein Notfall in der Mediaclinique - Kaffeekränzchenrhetorik + Suff, Schläge und Scheinheilige.
Dienstag, 07.10.2008
Magazinrundschau
07.10.2008 Schützt die Spekulanten vor sich selbst, fordert die New York Review of Books mit George Soros. Nepszabadsag fordert staatlich finanzierte Arbeitsplätze, damit Roma arbeiten lernen. In La vie des idees erklärt der Historiker Roger Chartier, wie ungeschützt das Buch schon vor der Erfindung des Internets war - im Mittelalter etwa. Für Indien ist Bollywood, was Dante für Italien war, meint Outlook India. Der Economist ahnt, wie sich die Musikindustrie retten wird. In Standpoint lächelt der Tenor Ian Bostridge über den Rebellionsgestus der Popmusik.
Heute in den Feuilletons
07.10.2008 In der Welt erzählt Hans Christoph Buch, warum Daniel Ortega seinen Revolutionsdichter Ernesto Cardenal verfolgen lässt. In der NZZ erzählt Ulf Erdmann Ziegler von einem Video-Vampir. Die FR würdigt den türkischen Dichter Nazim Hikmet. Zuckerfest ist nicht religionsfeindlich, erklärt die taz AKP-Chef Erdogan. Die SZ prostet Violetta auf Gleis 9 zu.
Bücherschau des Tages
07.10.2008 Geradezu glücklich macht Dieter E. Zimmer die SZ mit seinem Buch über Nabokov "Wirbelsturm Lolita". Die NZZ ist fasziniert von Ramiro Pinillas Roman aus dem Spanischen Bürgerkrieg "Der Feigenbaum". Die FR lobt Nazim Hikmets großen Roman "Die Romantiker". Viel dicke Hose bekommt die taz in Bushidos Autobiografie zu spüren.
Post aus Istanbul
07.10.2008 Soll man an der Frankfurter Buchmesse teilnehmen oder macht man damit Propaganda für die AKP? In der Türkei, Ehrengast der diesjährigen Frankfurter Buchmesse, streiten die Schriftsteller über diese Frage. Einige haben zum Boykott der Buchmesse aufgerufen. Aber diesmal verläuft der Graben nicht einfach zwischen Kemalisten und Islamisten.
Medienticker-Archiv
07.10.2008 Hunter S. Thompsons "Angst und Schrecken im Wahlkampf" - Vom unbezahlbaren Nutzen werbefreier öffentlich-rechtlicher Sender! - Der süßliche Geruch der Verwesung: Rafael Chirbes' "Krematorium", das Buch der Woche - Gratiszeitungen: Sturm im Blätterwald - US-Magazine: Die besten Cover 2008 - Hammer-Wein: Bottleplot-Blog - Die Klickwährung: Geblockt oder abgezockt?
Mittwoch, 08.10.2008
Heute in den Feuilletons
08.10.2008 Auf welt.de erzählt Corinna Ponto, wie sie die Ermordung ihres Vaters in der "Beckmann"-Talkshow erlebte. Und Stephan Krawczyk schreibt über das Nachleben der DDR. Für die NZZ ist Volker Perthes nach Tschetschenien gereist. In der FAZ reagiert Gerhard Schulze auf Hans-Ulrich Wehlers Gesellschaftsgeschichte: Gleiche Chancen für alle bedeuten noch nicht Glück.
Bücherschau des Tages
08.10.2008 Spannende Bücher heute: Die NZZ begibt sich mit Karl Schlögels "Terror und Traum" in das Moskau des verfluchten Jahres 1937. Die FAZ empfiehlt als sehr erkenntnisfördernd Gerd Koenens Buch über Che Guevara "Traumpfade der Weltrevolution". Die SZ liest eine brillant komponierte Geschichte der Sklaverei "Schwarzes Amerika".
Im Kino
08.10.2008 Die Brüder Dardenne verlassen für ihren neuen Film "Lornas Schweigen" das Städtchen Seraing und erzählen eine Kriminalgeschichte aus der Ökonomie der Gegenwart. Ganz von vorgestern dagegen ist die Komödie "House Bunny", die ein weibliches Nerdkabinett in die Häschenschule schickt.
Medienticker-Archiv
08.10.2008 Zukunft des Journalismus - Peter Handkes mythischer Mikrokosmos und der Thomas-Mann-Literaturpreis - Sex, Geld, Schönheitswahn und schlechtes Fernsehen - Steampunk meets real world meets virtual world - Dmitri Medwedew, der neue Videoblogger - All about the Benjamins: Oh du schreckliche Krisenzeit + Wie soll ein Hartz IV-Empfänger Fairtrade-Schokolade kaufen?
Donnerstag, 09.10.2008
Heute in den Feuilletons
09.10.2008 Die NZZ stellt bei der chinesischen Diskussion über den Milchskandal eine neue Offenheit fest. In der Zeit fordert Slavoj Zizek angesichts der Finanzkrise unser aller kalte Entschlossenheit. Die Berliner Zeitung notiert, dass Bernd Eichingers RAF-Film an den Kinokassen zu floppen scheint: Der Entmythologisierungs-Mythos verpufft.
Bücherschau des Tages
09.10.2008 Tief beeindruckt ist die FAZ von Susan Chois Roman "Reue", der kraftvoll und feinfühlig zugleich eine Geschichte von Verbrechen und Strafe erzählt. Die NZZ folgt Jonas Bengtsson gefesselt durch den Roman "Aminas Briefe" und in Dänemarks Parallelgesellschaften. Loben kann sie auch Yasar Kemals Roman "Die Hähne des Morgenrots". Die FR wandert mit Kerstin Ekman durch die Literaturgeschichte des Waldes.
Medienticker-Archiv
09.10.2008 Alles frisch, alles umsonst: Wie Blogs die Popwelt aufmischen - Der Blogger ist im Mainstream angekommen: Nein, natürlich nicht in Deutschland - Online-Start-up: Das tägliche Biest ist da - NET-Metrix: Newsnetz enttäuscht, Facts stürzt ab - Buchpreisbindung gilt auch für E-Books - Gebührenfinanzierte Volksverdummung (?) + Schwarzer Montag, Schwarzer Dienstag, schwarzer ...
Virtualienmarkt
09.10.2008 Der Buchmessen-Hype um die neuen Lesegeräte verdeckt, dass die Zukunft des Buchs schon längst begonnen hat. Aber es sind noch viele faszinierende Fragen offen - und die des Preises ist nur eine davon. Am Ende könnte sich das Buch im Netz auflösen wie eine Träne im Ozean
Meldungen
09.10.2008 Der Literaturnobelpreis geht in diesem Jahr an den Franzosen Jean-Marie Gustave Le Clezio.
Freitag, 10.10.2008
Heute in den Feuilletons
10.10.2008 "Schal", "edle Langeweile", "taghelle Mystik", "Chefgerontologen", "Experte für Ureinwohner", "fleißiger Schreiber", "Don't know who you're talking about", "intelligenzfeindlich, antiurban", "Das ist doch schön". Die Reaktionen auf den Nobelpreis für JMG Le Clezio fallen bestenfalls lauwarm aus. Die taz würdigt die leuchtenden Skijacken im Werk Peter Doigs. In der Welt warnt Oliver Stone: Die Ära Bush ist noch längst nicht vorbei! In der FAZ verteidigt Ralf Dahrendorf die Amerikaner.
Bücherschau des Tages
10.10.2008 Hellauf begeistert ist die SZ vom knalligen Furor in Urs Allemanns Gedichten "im kinde schwirren die ahnen", geradezu verzaubert von seinem Baseldütsch. Als furios hingeworfenen Roman fängt sie auch Johannes Frieds Geschichte "Das Mittelalter" auf. Die FR versinkt in Ahmet Hamdi Tanpinars Roman "Das Uhrenstellinstitut". Die FAZ liest Leonardo Paduras Roman aus dem rumseligen Havanna "Der Nebel von gestern".
Medienticker-Archiv
10.10.2008 Blogger, das "verantwortungslose Wesen" - Blogmonitor.de: Rivva Light - Kiki oder: Wie man den ersten+letzen Click generiert! - Buch-Branche hat keine Angst vor Wirtschaftsflaute - Wie Verleger die Amazon-Marktmacht knacken wollen - Der Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung! - Spaßguerilla von rechts + Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen.
Samstag, 11.10.2008
Heute in den Feuilletons
11.10.2008 In der Welt streiten Gottfried Honnefelder und Helge Malchow über Sinn und Unsinn von Gastländern der Buchmesse. Die Türkei entdeckt ihr multikulturelles Erbe, schreibt die NZZ. In Eren Güvercins Blog bekennt Feridun Zaimoglu: Ich gehöre der Gegenaufklärung an. Im Tagesspiegel findet die Pianistin Mitsuko Uchida das Gute und Reine nicht bei Mozart. In der FR beschreibt Noam Chomsky den Neoliberalismus als effektive Waffe gegen Demokratie. Die FAZ starrt entgeistert auf einen somnambul stierenden, bemalten Strizzi. Die SZ lauscht Kent Naganos naturgetreuer Imitation einer Schlittenhundenmeute.
Bücherschau des Tages
11.10.2008 Die FAZ fühlt sich mies bei der Lektüre des Briefwechsels zwischen Wolfgang Koeppen und seiner Frau Marion - als gucke sie durchs Schlüsselloch. Die NZZ ist total erschlagen von Uwe Tellkamps DDR-Endzeitroman "Der Turm". Die taz erwartet, dass Corry Guttstadts Buch über "Die Türkei, die Juden und den Holocaust" einige Diskussionen auslösen wird. Dankbar verschlingt sie auch Robert Starks Thriller "Fragen Sie den Papagei".
Montag, 13.10.2008
Heute in den Feuilletons
13.10.2008 Alle sind sehr aufgeregt: Marcel Reich-Ranicki hat bei der Verleihung des Fernsehpreises einen Eklat ausgelöst. Wir bringen das Video. Elke Heidenreich stellt in der FAZ ihren Job zur Disposition: "Von mir aus schmeißt mich jetzt raus." Die FR plädiert für das afrikanische Kino. Die NZZ befasst sich mit Sklaverei im Islam. In der Welt plädiert Burkhard Spinnen für die Verhaftung der Banken. In der Financial Times erklärt der deutsch-isländische Schriftsteller Kristof Magnusson, wie es in Island zur Krise kam.
Bücherschau des Tages
13.10.2008 Für ein Ereignis und dazu sehr amüsant hält die FAZ das Buch "Majakowskis letzte Liebe", in dem Francine du Plessix Gray über die letzte Affäre des Revolutionsdichters mit ihrer Mutter schreibt. Ein neues Bild der Mafia verdankt sie Petra Reski und ihren Erzählungen von "Paten, Pizzerien und falschen Priestern". Die SZ vergibt höchstes Lob an Diarmaid MacCulloch gewaltigen Band "Die Reformation 1490-1700".
Essay
13.10.2008 Die Deutsche Welle kann gar nicht zu chinafreundlich sein, sonst würde sie in China nicht zensiert. Aber der Offene Brief des "Autorenkreises der Bundesrepublik" gegen die China-Berichterstattung der Deutschen Welle ist nur ein Beleg für die Ignoranz der deutschen Medien gegenüber China.
Medienticker-Archiv
13.10.2008 Was das ZDF nicht zeigte und die Nachwehen über die "hirnlose (TV)-Scheiße" - Wie viele Super-Stars verkraften wir noch? - Deutschland ohne Denker? - Klatschkommentator seines Lebens: Günter Grass und seine unterhaltsame "Box" - Weiber sind Menschen wie Männer - Für Osama stimmen bei der US-Briefwahl - Abmahnung als Kunstform des Zeitgeistes - Buchmesse: Partys, Preise, Erschöpfung + Sachbücher des Monats.
Dokumentation
13.10.2008 In einem Offenen Brief an den Bundestag und die Deutsche Welle protestieren 65 Chinawissenschaftler, Publizisten und Politiker gegen Forderungen, die China-Berichterstattung der Deutschen Welle unter Aufsicht zu stellen: "Das angestrebte Ziel ist offenkundig die Unterbindung jeder um Differenzierung bemühten öffentlichen Kommunikation über die Entwicklung Chinas". Wir dokumentieren den Brief.
Dienstag, 14.10.2008
Magazinrundschau
14.10.2008 Der Observator Cultural stellt mit Stelian Tanase einen der Weltmeister im Geschichtenerzählen vor. In ResetDoc verkündet der ägyptische Blogger Wael Abbas sein Credo. In der Lettre erzählt eine Russin, wie sie im Straflager aufwuchs. In Esquire beschreibt Michail Chodorkowski die russische Nomenklatura als Prozess der natürlichen Vernichtung. In Dissent erzählt Carlos Fraenkel, wie er Philosophie in Indonesien lehrte. In Elet es Irodalom blickt Laszlo Varga vom anderen Ende auf die Wende. Im Guardian singt Margaret Atwood ein Loblied auf Alice Munro. Walrus besucht Josef Skvorecky. Przekroj stellt Jacek Dukaj, den neuen Stanislaw Lem vor. Der Economist wittert ein Großes Geschäft.
Heute in den Feuilletons
14.10.2008 taz und FR kommentieren die Buchpreisentscheidung für Uwe Tellkamp recht wohlwollend. Richard Wagner ist in der Achse des Guten zumindest froh, dass nicht die Diskursdiktatur gewonnen hat. Die Welt weiß: Das Kindle wird kommen. Und das Buch wird sich auflösen wie eine Träne im Ozean, meint der Perlentaucher. Die FR fürchtet, dass das Versagen des Marktliberalismus die Korruption in Afrika fördert. Und die Finanzkrise wirkt sich jetzt auch auf das Verlagswesen aus - Stroemfeld wurde der Kredit gekündigt.
Bücherschau des Tages
14.10.2008 Großes Lob vergibt die FAZ an Klaus Kreisers Biografie des türkischen Republikgründers und Kulturrevolutionärs Atatürk. Die NZZ bestaunt die Kunstfertigkeit von Volker Brauns "Machwerk" und findet Christian Hallers Dreiecksgeschichte "Im Park" sehr überzeugend. Die heutigen Literaturbeilagen von FR und SZ werden wir in den nächsten Tagen auswerten.
Link des Tages
14.10.2008 Uwe Tellkamp erhält den Deutschen Buchpreis 2008 für seinen Roman "Der Turm". Hier alle Romane, die auf der Longlist standen, und Links zu den Kritiken (werden ständig aktualisiert).
Medienticker-Archiv
14.10.2008 Über Literaturkritik in den alten und neuen Medien - FTD, Welt, FAZ: Schlachtschiffe in der Zeitenwende - Gericht setzt Google Hörner auf! - Obama ist ein iPhone! - Comics als Einstiegsdroge - Der gewichtigste, gewagteste und gelungenste Roman - Milan Kundera widerspricht - Videoüberwachung im toten Winkel: 400.000 Augen zudrücken - Dire Straits.
Essay
14.10.2008 Klar ist doch, dass die Fusion von Kritik und Werbung inzwischen sehr weit fortgeschritten ist. Ein Blick auf den Zustand der Literaturkritik in den aktuellen Leitmedien
Link des Tages
14.10.2008 Aus aktuellem Anlass stellen wir nochmal unser Dossier zur Kundera-Affäre von 2008 online: Der Schriftsteller Milan Kundera soll 1950 den Kurier des amerikanischen Geheimdienstes Miroslav Dvoracek an die Polizei verraten haben. Dvoracek hat dafür 14 Jahre im Arbeitslager geschuftet. Dies berichtet der Historiker Adam Hradilek im tschechischen Magazin Respekt. Das slowakische Internetmagazin Salon hat den Artikel auf Englisch ins Netz gestellt. Milan Kundera hat derweil alle Vorwürfe heftig bestritten.
Mittwoch, 15.10.2008
Heute in den Feuilletons
15.10.2008 Das tschechische Magazin Respekt wirft Milan Kundera Verrat vor. Die Welt feiert die angeblich schneidende Verachtung Uwe Tellkamps fürs Proleten- und Kleinbürgertum. Die taz stellt den neuen Eigentümer des Aufbau-Verlags vor. Die NZZ spielt Liquiditätspoker. In der SZ extemporiert Ulrich Beck schon mal über den tieferen historischen Sinn der Finanzkrise. Die FAZ fürchtet vorauseilende Kooperationsbereitschaft der Buchverlage mit dem Netz.
Bücherschau des Tages
15.10.2008 Die NZZ verfällt dem Spiegelspiel und der Lebensweisheit von Bruno Steigers Aufzeichnungen "Fenster in der Luft". Die SZ spürt in Joachim Fests Essays "Flüchtige Größe" die Sympathie des Konservativen für das Halbseidene. Die FAZ studiert Niklas Luhmanns Brevier über die "Liebe". Für die heute erschienenen Literaturbeilagen der FAZ und der taz werden wir noch einige Tage brauchen.
Essay
15.10.2008 Der Vorwurf des Verrats gegen Milan Kundera wird den Blick auf sein Werk nun für immer prägen, wie zur Strafe für einen Autor, der den Konnex zwischen Werk und Biografie stets von sich wies. Wir drucken einen Kommentar Martin Simeckas, des Chefredakteurs der tschechischen Zeitschrift Respekt, nach.
Im Kino
15.10.2008 Die Fortsetzung von "Hellboy" setzt mehr auf Getöse als auf unschuldigen Pulp-Spaß: viel Sehenswertes bietet sie dennoch. Mit mehr als dreißig Jahren Verspätung findet ein großartiges Unikum in (ein paar) deutsche Kinos: Derek Jarmans in lateinischer Sprache gedrehter Debütfilm "Sebastiane"
Medienticker-Archiv
15.10.2008 Buchmarkt im Umbruch - Die Buchmesse und die Digitalisierung - Messe im Hörfunk - Wolfram Schütte über den selbstbejubelten Zeit-Literatur-Eventauftritt: Der Moment der (Un)Wahrheit - Das deutsche TV-Management möchte eine Armutserklärung abgeben! - Wie das Fernsehen Autoren vernichtet: Ein Insiderbericht - Booker Prize für Aravind Adiga + Geschwärzter Romy-Schneider-Roman.
Donnerstag, 16.10.2008
Heute in den Feuilletons
16.10.2008 Alle sind hoch zufrieden mit dem neuen Booker-Preisträger Aravind Adiga. In der taz versichert die Kunsthistorikerin Sarah Thornton: Kunsttrophäen sind gute Investitionsobjekte. Die SZ wünscht sich mehr Autoritäten. Die Zeit porträtiert den sizilianischen Mafiajäger Giuseppe Linares. Die FAZ prophezeit: künftig gibt's Sozialprogramme statt Kultur.
Bücherschau des Tages
16.10.2008 Völlig in den Bann geschlagen ist die
Zeit von
Murathan Mungans Roman "Tschador", seiner Wucht und atemlosen Verlorenheit. Die
Wucht einer Offenbarung haben ihr die Gedichte "Namen der Sehnsucht" von
Nazim Hikmet beschert. Die
FR begeistert sich für
Elif Shafaks Großstadtsinfonie "Der Bonbonpalast" (hier eine
Lesepreobe) und kann auch
Christopher Clarks Biografie "Wilhelm II." sehr empfehlen. Hingerissen folgt die
FAZ Peter Orner in die
Wüste Namib und durch seinen Roman "Die Wiederkehr der Mavala Shikongo".
Link des Tages
16.10.2008 Vorgestern abend wurde die Frankfurter Buchmesse eröffnet. Ehrengast ist in diesem Jahr die Türkei. Hier einige der interessantesten Veranstaltungen.
Dokumentation
16.10.2008 Aktualisiert am 21.10. In den letzten Monaten ist die China-Berichterstattung der Deutschen Welle unter Beschuss geraten. In dem Streit geht es vor allem um die stellvertretende Leiterin der China-Redaktion der Deutschen Welle, Danhong Zhang. Ihr wird vorgeworfen, die Kommunistische Partei Chinas zu freundlich zu beurteilen. Hier eine Chronologie der Debatte mit Links zu den verschiedenen Artikeln und Offenen Briefen.
Medienticker-Archiv
16.10.2008 Googeln auf Kassenrezept? - Pressefreiheit und Knebelverträge: Ins rechte Licht gerückt - Was tut sich auf dem Zeitungsmarkt? - Finanzkrise im Fernehen: Wellness statt Wissen - Scientology: Ein cruiseliger Verein - Comic-Autor Art Spiegelman: "Die Deutschen sind so besessen wie ich" - Buchmesse live im Internet: Journalisten und ihre Bücher + Sven Regener on Blog: Bobo und Kindl.
Freitag, 17.10.2008
Heute in den Feuilletons
17.10.2008 Die NZZ berichtet von einer Fatwa saudi-arabischer Kleriker gegen die populäre Seifenoper "Noor", in der sich Muslime bei Wein und vor der Ehe lieben. Außerdem erklärt Steinunn Sigurdardottir, wie Gordon Brown Islands Finanzwelt den Todesstoß versetzte. Die Welt greift das Drama um Milan Kundera auf und berichtet von einem Entlastungszeugen. Die taz schildert, wie die Finanzkrise das türkische Kulturleben trifft. Und die FR bestaunt die hohe Kunst, Rauchverbote zu umgehen.
Bücherschau des Tages
17.10.2008 "Mehr kann man in einem Buch nicht lesen": Fasziniert und voller Bewunderung folgt die SZ Richard Dawkins durch sein Mammutwerk zum "Ursprung des Lebens". Auch Jürgen Neffes Biografie "Darwin" kann sie sehr empfehlen. Die FAZ liest Marica Bodrozics Gedichte "Lichtorgeln". Die FR versinkt in Sabahattin Alis Roman "Die Madonna im Pelzmantel".
Medienticker-Archiv
17.10.2008 Wolfram Schütte über Milan Kundera - Kleinverleger auf der Buchmesse - Fernsehen ist wie eine Teflon-Pfanne: jede Kritik prallt ab - Zeit-Magazin intern: Gaschke nervt Martenstein - Zoff in den Wahrheitsschmieden: Wen der PR-Dackel verbellt - So nutzen die Deutschen Internet, Zeitung und Fernsehen + Sven Regener on Blog: Schlappe-Seppel im "Switzerland".
Samstag, 18.10.2008
Heute in den Feuilletons
18.10.2008 In der Welt verteidigt Rolf Schneider Milan Kundera: Nicht alle Geheimdienstakten seien zuverlässig. Was, wenn die Vorwürfe gegen Kundera stimmen?, fragt Wolfram Schütte im Titel-Magazin. Im Salon Magazin schreibt Ivan Klima über Kundera. Die FR besucht die neue Moschee in Duisburg. In der NZZ beschreibt Alena Wagnerova - ohne Bezug auf Kundera - Aufstieg und Fall der tschechischen Kulturelite. In der taz setzt Schorsch Kamerun alle Einflüsse auf null. Die SZ erinnert an die Vergewaltigungen deutscher Frauen durch Sowjetsoldaten.
Bücherschau des Tages
18.10.2008 Geradezu ergriffen ist die SZ von Sabahattin Alis deutsch-türkischem Liebesdrama "Die Madonna im Pelzmantel". Die FAZ stellt die brasilianischen Buddenbrooks vor: eine Jute-Dynastie im Manaus. Betonen möchte sie, dass Philippe Claudels Geschichten "Der Junge, der in den Büchern verschwand", nicht rührselig sind. Die FR ist sehr beeindruckt von Slavenka Drakulics Essay "Leben spenden" über den Willen, Gutes zu tun.
Montag, 20.10.2008
Heute in den Feuilletons
20.10.2008 Die NZZ untersucht die Vorwürfe gegen Milan Kundera und sein schwieriges Verhältnis zur alten Heimat. Und Sonja Margolina erzählt, wie der KGB sie im Jahr 1984 als IM anwerben wollte. Die Welt findet Oliver Stones Biopic über George W. Bush überraschend sanft. Der FAZ wurde bei Anselm Kiefers Friedenspreisrede ein wenig unheimlich.
Bücherschau des Tages
20.10.2008 Ausgesprochen mulmig wurde es der FAZ bei Lektüre von Lars Reppesgaards Krakenstudie "Das Google-Imperium". Von Tom Karasek hat sie gelernt, wie sich mit der Generation Golf ein kultureller Neokonservatismus profilierte. Die SZ ist begeistert, wie Enzo Traverso in seinem Buch "Im Bann der Gewalt" den Antifaschismus rehabilitiert.
Medienticker-Archiv
20.10.2008 Glanz & Elend zum 5. Geburtstag - Acht Ohrfeigen für den Online-Journalismus (von Stefan Niggemeier) - Schweizer Big-Brother-Awards - Buchtrailer auf YouTube: Ran an die Zielgruppe - Die Kiefer-Rede in der ARD - Pop-Kultur für Frauen: Missy Magazin's ohne emanzipatorische Kampfansage im Eigenverlag - Zierliche Mädchen im quantentheoretischen Partisanenkrieg + Klage gegen Gott gescheitert.
Essay
20.10.2008 Das eigentliche Problem der heutigen Literaturkritik ist ihr denunziatorischer Grundton. Eine Antwort auf Felix Philipp Ingold.
Dienstag, 21.10.2008
Magazinrundschau
21.10.2008 Im Nouvel Obs erklärt Olivier Roy, warum Fundamentalisten jeder Couleur Kultur ablehnen. In Atlantic feiert Andrew Sullivan das goldene Zeitalter des Journalismus. In ADN cultura fordert Paolo Coelho, im Umgang mit dem Internet von den britischen Piraten zu lernen. Für Commentary ist die Finanzkrise staatsgemacht. Für den Economist ist der Fall Kundera nur ein Tröpfchen in einer Giftwolke.
Heute in den Feuilletons
21.10.2008 FR, SZ und FAZ befassen sich weiterhin mit der Finanzkrise. Die taz und die Welt setzen sich mit Jörg Haiders Homosexualität auseinander, die ein Gutes hatte: Wenigstens gegen Schwule hat er nie etwas gesagt. Die Berliner Zeitung berichtet über eine Kritik chinesischer Dissidenten an der Haltung deutscher China-Experten zum Land.
Bücherschau des Tages
21.10.2008 Ein Meisterwerk der europäischen Erzählkunst weiß die NZZ anzupreisen: Peer Hultbergs Roman "Die Stadt und die Welt", der die Biografien von immerhin 300 Bewohnern der dänischen Stadt Viborg erzählt. Die FR kann gar nicht genug von Annett Gröschner über Berlin lesen und empfiehlt sehr ihr neues Buch "Parzelle Paradies". Die FAZ ist sehr beeindruckt von Najem Walis Roman "Jussifs Gesichter".
Medienticker-Archiv
21.10.2008 Reich-Ranicki gibt in "Bild" TV-Tipps und Grass wirft ihm Heuchelei vor - Österreichs New York Times - Zeitungen müssen sich im Web mehr trauen - Internet überholt Zeitung als Info-Quelle - Bürgerjournalismus im Netz: Realität, die nicht verschwindet - 1.000 Seiten Wikipedia zum Anfassen - YouTube-User überwachen US-Wahl + Zum Tod von Christa Reinig: Papier ist ungeduldig.
Mittwoch, 22.10.2008
Heute in den Feuilletons
22.10.2008 Die NZZ berichtet über Proteste von Historikern gegen einen EU-Beschluss zur Erinnerungspolitik. Um EU-Politik geht's auch in der taz: Um in europäische Online-Bibliotheken aufgenommen zu werden, muss man lange genug tot sein. In der Welt sieht Niall Ferguson zwar das Ende Chimerikas, aber nicht des amerikanischen Jahrhunderts gekommen. Vaclav Havel kommentiert in Respekt die Kundera-Affäre.
Bücherschau des Tages
22.10.2008 Die FAZ lernt in Barbara Bronnens Roman "Liebe bis in den Tod", wie fatal Güte sein kann. Die NZZ freut sich sehr über den ukrainischen Lyrikband "Der Klang von Sonnenklarinetten". Auch die neuübersetzten Gedichte des Aussteigers Robinson Jeffers "Die Zeit, die da kommt" kann sie empfehlen. Mit Interesse liest sie auch Jon Savages Geschichte der Jugend "Teenage". Die SZ liest Briefe von Anna Seghers.
Medienticker-Archiv
22.10.2008 Chancengleichheit ist eine Illusion - Links und lebensfroh: Zum Tod von Vittorio Foa - Unverklärter Zugriff auf die Wirklicheit: Ingo Schulze im Porträt - PR-Sprech in Klartext: Ein Wörterbuch für Journalisten - Ende des Bloggens - Immer die gleiche Leier: Blogger vs. Journalisten - Politisches Äquivalent zum Deutschen Fernsehpreis - Wie viele Leute schauen eigentlich zu? + US-Aktion saubere Sprache.
Im Kino
22.10.2008 Wie zwei Freunde einander nichts mehr zu sagen haben, zeigt mit dem Gespür für Nuancen Kelly Reichardts gefeierter Independent-Film "Old Joy" mit Bonnie Prince Billy Wild Oldham in der Hauptrolle. Außerdem kommt Pasolinis "Salo oder Die 120 Tage von Sodom", einer der umstrittensten und wichtigsten Filme der Siebziger, wieder in die Kinos.
Donnerstag, 23.10.2008
Heute in den Feuilletons
23.10.2008 Die SZ ist sich nicht klar über den Fall Kundera: Er ist es vielleicht nicht gewesen, und wenn doch, hätte er vielleicht seine Pflicht getan. Im Freitag nimmt György Dalos Kundera in Schutz, ob er's war oder ob er's nicht war. Milan Kundera verlangt unterdes eine Entschuldigung von Respekt. Die NZZ erhofft sich Hilfe in der Finanzkrise von der asiatischen Denkungsart. Die FR will keine verordnete Vergangenheit. Elfriede Jelinek bringt eine Glossolalie zum Tod Jörg Haiders.
Bücherschau des Tages
23.10.2008 Die
FAZ erzählt die Geschichte des polnischen Autors
Miroslaw Nahacz, seiner fatalen Vorliebe für
Joy Division und seines Romans "Bombel". Die
SZ ist hingerissen von dem
hellen, knappen Sarkasmus in
Aravind Adigas Roman "Der weiße Tiger" (hier eine
Leseprobe). Geradezu atemlos lässt
Jean-Francois Vilars Krimi "Die Verschwundenen" die
Zeit zurück, die außerdem die revolutionäre Frankfurter
Hölderlin-Ausgabe preist.
Mord und Ratschlag
23.10.2008 In "Citizen Sidel", dem zehnten Teil von Jerome Charyns grandioser fantasmagorischer Saga ist Isaac Sidel auf dem Sprung zur Vizepräsidentschaft und kämpft mit seiner Glock und einer zugelaufenen Ratte namens Raskolnikow gegen das Böse, um sein Leben und natürlich die mythische Geliebte Anastasia.
Medienticker-Archiv
23.10.2008 Volker Brauns "Machwerk oder Das Schichtbuch des Flick von Lauchhammer" - Yasar Kemal: Literatur ist auch eine Waffe - Alles war besser! Ein Blick in die TV-Annalen beweist es - Woche der Frauenzeitschriften - Zeitungsauflagen: Die Tricksereien der Verlage - Print-Retter gesucht! - Werbung im Netz: Es geht doch! - Wie das Schachspiel seine Unschuld verlor + Abgesetzt: Elke Heidenreichs "Lesen!".
Link des Tages
23.10.2008 Ein Dementi reicht nicht aus. Milan Kundera soll seine Version der Geschichte erzählen, denn Iva Militka und Miroslav Dvoracek verdienen die Wahrheit
Freitag, 24.10.2008
Heute in den Feuilletons
24.10.2008 Elke Heidenreich hatte sich Marcel Reich-Ranicki an die Brust geworfen, aber der fängt sie mit einigem Aplomb nicht auf - und bietet dem ZDF statt dessen seine Mithilfe bei der Suche nach einer NachfolgerIn an. Denn, ja, sie ist gefeuert. Die Zeitungen sind sehr aufgeregt. Auch die Verleger machen sich Sorgen. Bernard-Henri Levy verteidigt in Le Point Milan Kundera.
Bücherschau des Tages
24.10.2008 Als finstere Erzählung über Gier, Gewalt und Wahn genießt die SZ Massimo Carlottos Krimi "Die dunkle Unermesslichkeit des Todes". Die FAZ entdeckt Romain Garys Autobiografie "Frühes Versprechen" wieder. Auch Holm Friebes und Thomas Ramges partisanischer Wirtschaftstheorie "Marke Eigenbau" kann sie viel abgewinnen. Als Buch für alle lobt die FR Michael Pauens und Gerhard Roths Band "Freiheit, Schuld und Verantwortung".
Medienticker-Archiv
24.10.2008 Digitalisierung und kein Ende: Der Hype um die E-Books - Reader, go home! - Amerikanische Kriegsklage - Schau mal in die Kugel, Kleines: Täglich grüsst das "Datenpannen-Murmeltier" - Großbritannien will "Geistiges Kapital" sichern - Das Prinzip Gottschalk - Schwarz-Weiß macht die Träume grau? - Internet-Fernsehen: Tamedia steigt bei Zattoo ein + Der Verleger liebste PR-Frau.
Samstag, 25.10.2008
Heute in den Feuilletons
25.10.2008 Das Dokument, auf dem die Anschuldigungen gegen Milan Kundera beruhen, ist echt, berichtet l'Express. In Le Monde protestieren die Historiker Pierre Nora und Krzysztof Pomian gegen eine Vorverurteilung Kunderas. In der Berliner Zeitung beschreibt Hubertus Knabe die Massenvergewaltigungen durch sowjetische Soldaten nach dem Krieg als systematisch verübte Verbrechen. In der SZ erklärt Werner Herzog, warum das Feuilleton so elend ist. In der FAZ staunt Daniel Kehlmann über einen ungeliebt Gelesenen.
Bücherschau des Tages
25.10.2008 Gut ausgerüstet mit der Anthologie "Barocke Gärten der Literatur" erkundet die NZZ die spannungsvolle Synthese von Natur und Künstlichkeit. Die taz fühlt sich mit Nasr Hamid Abu Zaids und Hilal Sezgins Buch "Mohammed und die Zeichen Gottes" bestens gewappnet für eine Begegnung mit dem dogmatischen "Copy-and-Paste" Islam. Die FAZ lacht Tränen über Tilman Ramstedts Roman "Der Kaiser von China".
Link des Tages
25.10.2008 Die Kundera-Affäre schlägt Wellen. In Tschechien wird jetzt gleich die Schließung der tschechischen Gauck-Behörde gefordert.
Montag, 27.10.2008
Heute in den Feuilletons
27.10.2008 In der NZZ beklagt der südafrikanische Autor Ivan Vladislavic den literarischen Braindrain in Afrika. In der FR will der Soziologe Sighard Neckel die Werte der Bänker ernstnehmen. Die Welt hat schon Connie Walthers RAF-Film "Schattenwelt" gesehen, in dem ein Opfer zurückschießt. Die taz bringt eine dylanologische Sensation. Die FAZ begleitet die russischen Oligarchen durch die Finanzkrise.
Bücherschau des Tages
27.10.2008 Schlichtweg grandios findet die FAZ die mal aberwitzigen, mal bitterbösen Reportagen des Polen Mariusz Szczygiel aus dem tschechischen "Gottland". Dass es so schlecht um die deutsch-französischen Beziehungen bestellt ist, wie Peter Sloterdijk in seiner "Theorie der Nachkriegszeiten" behauptet, möchte sie nicht glauben. Die SZ folgt Enrique Sanchez Abulis zynischem Killer "Torpedo" durch das New York der dreißiger Jahre..
Medienticker-Archiv
27.10.2008 Ein ökologisches Kettensägenmassaker - Die Qualität der Medien ist intermedial: Jenseits von Google, Teleprompter und Karaoke - Wir verscherbeln die Heidenreich: Eine Kolumne - Warum will der Spiegel nicht, was der Guardian kann? - Popkultur-Ausverkauf: Radar-Magazin schafft?s nicht - Krisenfest: Buch und Bildschirm - Jean Amery: Denker ohne Weltvertrauen.
Dienstag, 28.10.2008
Magazinrundschau
28.10.2008 Das neue slowakische Internetmagazin Salon übersetzt Artikel von Miroslav Kusy, Rudolf Chmel und Gaspar Miklos Tamas zu den gespannten Beziehungen zwischen Ungarn und der Slowakei. In Portfolio ruft Netscape-Miterfinder Marc Andreessen den Zeitungen zu: Stellt sofort die Printausgabe ein. In Le Point prophezeit Emmanuel Todd die Rückkehr von Marx und Bonaparte. Die polnischen Zeitungen berichten über den Fall Kundera. Das TLS stellt einen militanten prokapitalistischen Literaturkritiker vor. In der Weltwoche spricht Paul Scheffer über die Chancen der Einwanderungsgesellschaft.
Heute in den Feuilletons
28.10.2008 Der chinesische Dienst der Deutschen Welle online ist wesentlich regimefreundlicher als die deutschen Inhalte über China, berichtet Deutschlandradio: "Es entsteht der Eindruck, es handelt sich um zwei verschiedene Medien, die sich womöglich bekämpfen." FR und taz haben einer Konferenz über die berühmte Kafka-Konferenz in Liblice zugehört. Die FAZ sagt Nein! zur Wirtschaftskrise. Im Tagesspiegel klagen drei Bundeskulturminister a.D. über die Auswüchse des Föderalismus.
Bücherschau des Tages
28.10.2008 Die NZZ ist begeistert von der hohen Beschreibungskunst, die Claude Simon in "Der blinde Orion" an den Tag legt. Die FR versucht die Bedeutung von Dietmar Daths "Abschaffung der Arten" abzuschätzen. Die SZ stellt politische Bücher für Kinder und Jugendliche vor, darunter Güner Yasemin Balcis "Arabboy".
Medienticker-Archiv
28.10.2008 Random-House und Googles Book Search: Folgen für den Buchmarkt? - Deletionpedia: Wikipedia-Friedhof für gelöschte Artikel - Wolfram Schütte über die 42. Internationalen Hofer Filmtage - Stinkegeld: Ein Statement von Uve Schmidt - Internet-TV: Chaos und Party - Bauer sucht Buch: Nachfolger für "Lesen!" + Du cannedst mich mal.
Mittwoch, 29.10.2008
Heute in den Feuilletons
29.10.2008 Die Feuilletons wenden auch heute ihren ganzen Sachverstand den Finanzmärkten zu. Die FR liest George Soros' jüngstes Buch über den Crash und lernt, dass Märkte politisch sind. Alle besprechen Erwin Wagenhofers Dokumentarfilm "Let's Make Money". Gawker meldet, dass die ersten Zeitungen in den USA ihr Erscheinen auf Papier einstellen. In der Berliner Zeitung widerspricht der Historiker Bert Hoppe der These, die Massenvergewaltigungen nach 1945 seien von der sowjetischen Führung geduldet worden.
Bücherschau des Tages
29.10.2008 Als neuen Georg Lukacs empfiehlt die FR George Soros und sein Buch "Das Ende der Finanzmärkte und deren Zukunft" als eine der aufregendsten Lektüren unserer Zeit. Die NZZ liest mit Bewunderung, aber auch mit Grauen Peter Longerichs Biografie "Heinrich Himmler". Die SZ feiert Johannes Gelichs Camus-Adaption "Der afrikanische Freund". Die taz begrüßt einen Band über "1968 in Jugoslawien".
Medienticker-Archiv
29.10.2008 Der Erzbischof und das Kapital - Brüder, zu Aldi, zur Freiheit!: Marat/Sade in Hamburg - Online-Journalismus: Voller Überraschungen - Guangzhou am Sonntagmorgen - E-Mail an Elke: Gottschalk & Heidenreich - Die Weltbibliothek im Netz - Krimis werden am liebsten gekauft - Musikfernsehen: Was man bei MTV und Viva vermisst - Digitales Vergessen: Wo sind all die Beiträge hin? - Wir werden dümmer.
Im Kino
29.10.2008 Ein echtes Ereignis: Im Berliner Arsenal ist fast das komplette Werk des philippinischen Filmemachers Lav Diaz in der weltweit ersten Retrospektive zu sehen. Der Mann dreht heute die aufregendsten Filme der Welt.
Post aus Prag
29.10.2008 Das tschechische Magazin Respekt bleibt bei seinen Vorwürfen gegen Milan Kundera. Bei Kundera entschuldigen will es sich nicht.
Donnerstag, 30.10.2008
Heute in den Feuilletons
30.10.2008 Im Tagesspiegel behauptet Gregor Gysi: Die DDR war antizionistisch, aber nicht antisemitisch. Die Bonner CDU dagegen war vielleicht für Israel - aber antisemitisch. Die NZZ verreißt Sherry Jones' frühislamische Schmonzette über Aisha. Die FR stöhnt: lieber sinkende Börsenkurse als Jeff Koons. Die taz ist einigermaßen entsetzt über die "Sch'tis": unraffiniertes Regionalküchenprodukt. In der SZ wird die Finanzkrise dekonstruiert oder so.
Bücherschau des Tages
30.10.2008 Großartig und wunderbar wüst findet die Zeit Denis Johnsons Vietnamkriegsroman "Ein gerader Rauch". Die NZZ präsentiert das sonderbarste und ergreifendste Buch der Schweizer Literatur: Giovanni Orellis Roman "Walaceks Traum". Die SZ feiert Wilfried N'Sondes Migrantenroman "Das Herz der Leopardenkinder". Die FAZ kann Juri Andruchowytschs Erinnerungen "Geheimnis" empfehlen.
Medienticker-Archiv
30.10.2008 Vor 70 Jahren - Kulturstaatsminister: Tanz auf dem föderalen Vulkan - Jose Saramago: Ach was, ich habe ein dickes Fell! - Bleierne Stadt: Berlin-Comic als Pflichtlektüre - eBooks lesen wie auf Papier - Was weiß ein Wissen über sich? Zum Umgang mit unserem Denken - Surfen wie in China - Recycling statt Recherche - Georg Stefan Troller: Die Kunst des Interviews + Wahlcomputern bei den Simpsons.
Freitag, 31.10.2008
Heute in den Feuilletons
31.10.2008 In der Jungle World prangert die Turkologin Corry Guttstadt das feige Verhalten der Türkei im Holocaust an. In der Welt diagnostiziert David Owen: Blair litt am Hybris-Syndrom. In der FAZ erklärt John McWhorter, warum er Hip-Hop für politisch überschätzt hält. In der SZ erklärt Joachim Kaiser, warum er Alfred Brendel keineswegs für überschätzt hält. Im Tagesspiegel antwortet Michael Wolffsohn auf Gregor Gysi.
Bücherschau des Tages
31.10.2008 Als resolute Verteidigung des
Liberalismus begrüßt die
NZZ Ulrike Ackermanns Essay "Eros der Freiheit". (hier eine
Leseprobe). Die
SZ freut sich, wie anrührend und komisch
Stefan Merrill Block in seinem Debüt "Wie ich mich einmal in alles verliebte" über
Alzheimer schreibt. Sehr überzeugend findet die
FAZ, wie Jose Manuel Prietos in "Rex" Russland als
postsozialistische Operettenmonarchie schildert. Die
FR genießt "Peymann von A - Z".
Medienticker-Archiv
31.10.2008 Sprachliste für Wendezeiten - Zur Unzeit versöhnt? Kirche und Kapital - Malcolm McLaren und der große Punk-Schwindel - Kultur ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit - Marat und die Millionäre - Reichspogromnacht: Keine gemeinsame Erklärung des Bundestags - Sarkozy, selbsternannter Retter der französischen Medien - Wenn alles schon wieder abwärts geht: Thomas Buddenbrook zur Finanzkrise.