Mittwoch, 01.04.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
01.04.2020 In Spiegel online erklärt der Medizinstatistiker Gerd Antes, warum die Zahlen zur Corona-Krise, die überall diskutiert werden, total unzuverlässig sind. In der taz spricht die Biologin Simone Sommmer über die spezifische Gefahr, die von Wildtieren ausgeht. In der SZ spricht der Psychoanalytiker Eckhard Frick über einen der schrecklichsten Aspekte der Krise, das einsame Sterben der Menschen. Die Auswirkungen der Krise auf den Buchmarkt sind drastisch, berichtet das Börsenblatt. Außerdem: Die SZ fragt, wie es mit dem Jüdischen Museum in Berlin weitergeht.
Efeu - Die Kulturrundschau
01.04.2020 Die NYTimes hofft angesichts der neuen Choreografien des Alltags auf eine Rückkehr in unsere Körper. In der taz schreibt der serbische Schriftsteller Ivan Ivanji über Corona in Serbien. Außerdem beklagt die taz die diskursive Einengung. Die SZ rät zum Eskapismus mit Eric Rohmers Sommerfilmen: Wirksamer als alle Antidepressiva gegen Lagerkoller. Und Renzo Piano ruft dazu auf, wenn das alles vorbei ist, die Museen zu stürmen.
Bücherschau des Tages
01.04.2020 Die FAZ taucht erst mit Abdulla Qodiriys Roman "Die Liebenden von Taschkent" in das Usbekistan des 19. Jahrhunderts ein und dann mit Mojca Kumerdej "Chronos erntet" ins Österreich der Renaissancezeit, wo sie sich mit einem bumsfidelen Fürstbischof amüsiert. Die taz schwelgt mit Marlene Dietrich "Im Licht der Zeit" der goldenen Zwanziger. Dlf Kultur lernt mit Sy Montgomery ein Schwein zu lieben. Die SZ lernt mit Scott McClanahans "Sarah", was moderne Liebe ist. Die FR empfiehlt, unruhigen Fünfjährigen "Seepferdchen sind ausverkauft" vorzulesen.
Donnerstag, 02.04.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
02.04.2020 "Leben darf nicht gegen Leben abgewogen werden", sagt der ehemalige Bundesverfassungsrichter Hans-Jürgen Papier in der SZ zum Thema Triage. In der Zeit wendet sich der italienische Premier Giuseppe Conte ans deutsche Publikum und fordert eine gemeinsame europäische Anstrengung. Libération zeigt, warum die Angaben über Todesfälle in Frankreich und Italien untertrieben sind. NZZ und taz berichten über evangelikale Superspreader in Brasilien und Südkorea.
Efeu - Die Kulturrundschau
02.04.2020 In der SZ erzählt Dirigent Yoel Gamzou von seinem Projekt "7 Deaths of Maria Callas", in dem Marina Abramović und Willem Dafoe die Todesart von sieben Bühnenfiguren der Callas zeigen: vom Ersticken bis zum Tod durchs Messer. Die FAZ stellt das neue Viertel vor, das irgendwann mal auf dem Gelände des Tegeler Flughafens entstehen soll: für wohnungssuchende Menschen, Start-ups und Fledermäuse. Auf ZeitOnline erklärt der Hamburger DJ Lars Schmedeke, warum Freiberuflern eine Infektion mit dem Coronavirus derzeit mehr bringen würde als die Staatshilfen. In Frankreich hat sich rund um die Corona-Tagebücher von Schriftstellern eine Debatte über Klassenunterschiede entwickelt, berichtet der Freitag.
Bücherschau des Tages
02.04.2020 Die Rezensenten liegen heute Bram Stoker zu Füßen: Die große kommentierte "Dracula"-Ausgabe beweist der NZZ, wie sehr das Böse in seiner Formenvielfalt gebraucht wird. Die FAZ erlebt mit Stokers Erzählung "Der Zorn des Meeres" eine Schreckensnacht mit Liebe, Pflicht und Schmuggel an der schottischen Ostküste. Die SZ folgt Paolo Rumiz auf einer Rundreise durch die Benediktiner-Klöster Europas. Dlf Kultur tritt mit Michael Stavaric eine Exoplanetenmission an, bei der Inuit eine nicht unwichtige Rolle spielen.
Freitag, 03.04.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
03.04.2020 Wenn Solidarität ausbleibt, wäre es das Ende der EU, schreibt die in Italien lebende Schriftstellerin Helena Janeczek in der SZ. Immerhin scheint sich in der EU einiges zu regen, notiert die taz. In Zeit online erläutert der Staatsrechtler Tonio Walter das kaum zu lösende Dilemma der "Triage". Laut Guardian fürchten in Ungarn Journalisten, die zu Corona recherchieren, ins Gefängnis gesteckt zu werden.
Efeu - Die Kulturrundschau
03.04.2020 Im Freitag erklärt der Schriftsteller Leif Randt seinen Wunsch, an einer kybernetisch geregelten Planwirtschaft mitzuwirken. Die NZZ erzählt, wie sie Beethoven lieben lernte. Auf ZeitOnline erklärt der Filmemacher Savaş Ceviz, warum er einen Film über einen Pädophilen machen wollte. In der SZ sagt Schaubühnenleiter Thomas Ostermeier schon mal das Ende der Solidarität nach Corona voraus. In der FAZ spricht Thomas Struth über das kollektive Unbewusste des städtischen Raums.
Bücherschau des Tages
03.04.2020 Der Dlf-Kultur erfährt von dem italienischen Schriftsteller und Naturwissenschaftler Paolo Giordano, wie die Coronakrise unser Leben verändert. Die taz lernt dank Ronny Blaschke die weltweiten Propagandamechanismen im Fußball kennen. Die SZ verfällt mit den sinnlichen Gedichten von Sujata Bhatt dem Duft der Stinkrose. Die FAZ erkundet mit der Archäologin Jodi Magness die Festung Masada. Und die FR flaniert mit Irina Liebmann „Die Große Hamburger Straße“ entlang.
Samstag, 04.04.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
04.04.2020 In der taz erzählt der Schriftsteller Barbaros Altuğ, wie er versucht, offizielle türkische Geschichtsnarrative zu sprengen. Die SZ schließt sich Hans Ulrich Obrist an, der im Guardian New-Deal-Programme für Künstler forderte. FAZ und Filmdienst befürchten: Die Krise besiegelt das Ende des Kinos. Die Vogue schneidert Haute Couture im Homeoffice nach. NZZ und SZ feiern den modernen Raffael. Und alle trauern um Bill Withers, den zornigen Sozialrealisten.
9punkt - Die Debattenrundschau
04.04.2020 In der SZ wundert sich Juli Zeh, warum eigentlich niemand über Bewegungsfreiheit oder Schulpflicht diskutieren will. In Tel Aviv funktioniert das Prinzip Dafka nicht mehr, erzählt Sarah Stricker. Christoph Höhtker fragt in der NZZ, wer jetzt noch die Schweiz beneidet. Annie Ernaux auf France Inter und Georg Kremnitz im Standard beklagen den Rückbau der Gesundheitssysteme, der Spanien, Italien und Frankreich im Zuge der Austerität abverlangt wurde.
Bücherschau des Tages
04.04.2020 Die FAZ freut sich über Farbenpracht und Raffinesse, mit der das italienische Autorenkollektiv Wu Ming in von der Französischen Revolution erzählt. Wie Pomp zum Herrschaftsinstrument wurde, lernt sie von Bart van Loos Geschichte "Burgund". Die taz lässt sich vom Foundational Economy Collective die "Ökonomie des Alltagslebens" erklären. Mikael Niemi verrät ihr in seinem Samen-Krimi "Wie man einen Bären kocht". Die Welt feiert Brendan Simms Hitler-Biografie.
Montag, 06.04.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
06.04.2020 In Libération schlägt der Soziologe Michel Wieviorka eine Art politische Graswurzelbewegung vor, um die politische Zukunft nach Corona zu denken. Die Corona-Krise ist ein Triumph für Viktor Orban, schreibt Gergely Márton, ehemals Redakteur von Népszabadság, in der taz. Thomas Gebauer von "Medico International" fordert in der taz eine "kosmopolitische Solidarität", denn die Krise droht sich nun in armen Ländern zuzuspitzen. Die Autorin Katherine Funke bestätigt das in der SZ für Brasilien. Auch Observer-Kolumnist Kenan Malik findet eine Solidarität, die sich nur auf die "Community" bezieht, nicht ausreichend.
Efeu - Die Kulturrundschau
06.04.2020 In Österreich beginnt heute die Maskenpflicht: Der Standard weiß: Schon bei schamanischen Riten war der Glaube an ihre magische Kraft zentral. Die SZ folgt mit Begeisterung dem Online-Parcours, mit dem die Akademie der Künste durch John Heartfields Leben führt. Die FR würde Raffael noch mehr verehren, wenn er in seine Schule von Athen auch Frauen gelassen hätte. Die Welt vermisst Rainald Goetz. Der Tagesspiegel empfiehlt Eskapismus-Fluff von Dua Lipa.
Bücherschau des Tages
06.04.2020 Der FR bleibt das Lachen über Kerstin Hensels tragikomischen Roman "Regenbeins Farben" im Halse stecken. Der DlfKultur lernt von Frank Dikötter alles über das Geschäft der Despoten, unbegreiflich bleibt ihm trotzdem, warum ein Volk einen Diktator duldet. Der Dlf kann sich J.M. Coetzees rätselhaftem Roman "Der Tod Jesu" auch nicht in Gänze erklären, erliegt aber der spröden Schönheit seiner Sprache. Und die FAZ liest neue Krimis, unter anderem von Davide Longo und Xavie-Marie Bonnot.
Dienstag, 07.04.2020
Magazinrundschau
07.04.2020 Jeden Tag ein Werk von Beethoven stellt Slipped Disc vor. Bill Buford schwingt für den New Yorker die Rasierklinge zwecks Scarification eines Baguettes. Lidove noviny erinnert an die einst weltberühmten böhmischen Gitarren. In der London Review lernt Neal Ascherson: Informationen sind königliches Eigentum. Der Guardian sieht eine Rückkehr der Konzentrationslager auf der ganzen Welt. Dem Rolling Stone wird heiß im Meer. Die New York Times sucht das Cannabis für den besten Trip.
9punkt - Die Debattenrundschau
07.04.2020 Corona-Bonds oder ESM? Eine EU ohne Großbritannien ist denkbar, aber eine ohne Italien nicht, mahnt Timothy Garton Ash im Guardian. Die SZ schlägt ein originelles Ausstiegsszenario aus der Kontaktsperre vor: Ladies first, denn sie sind ja weniger gefährdet. In der FR unterstützt Jürgen Habermas die Maßnahmen gegen die Corona-Krise. In der Welt erklärt Deborah Feldman, warum die gemäßigten Juden in Israel jetzt die Ultraorthodoxen überzeugen müssen, sich der Krise gemäß zu verhalten.
Efeu - Die Kulturrundschau
07.04.2020 In der FAZ erzählt die Schriftstellerin Angela Bubba vom erschöpfenden Kampf ihrer Mutter, die als Krankenschwester in Kalabrien arbeitet. In der taz erkennt Michael Wildenhain die Fragilität des Menschen. In der NZZ knallt Regisseur Nicolas Stemann dem europäischen Bürgertum seine Verachtung entgegen. Die SZ hört Jazz aus Chicago. Und die Zeit empfiehlt, eine persönliche Lav-Diaz-Retrospektive.
Bücherschau des Tages
07.04.2020 Schwer und dunkel wie ein Meteorit liegt der Faksimileband von Werner Riegels und Peter Rühmkorfs Literaturzeitschrift "Zwischen den Kriegen" vor der ehrfürchtigen SZ. Von Philip Manow lernt sie, wie der Plebs nun doch noch die Bastionen der repräsentativen Demokratie stürmen konnte. Die FAZ folgt Grey Owl auf den Pfaden der Wildnis in die Antimoderne. Der DlfKultur träumt mit Patricia Schultz von ausgedehnten Kulturreisen. Die taz fliegt derweil mit Daniela Comani über 360 Städte dieser Welt.
Mittwoch, 08.04.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
08.04.2020 Natürlich gibt es auch heute so gut wie kein anderes Thema: Eugen Ruge verhaftet in Zeit online die üblichen Verdächtigen, die Globalisierung und den Kapitalismus. In der taz kritisiert der Politologe Martin Unfried anderseits gerade die lokale Reaktion auf ein Phänomen, das global ist. Die EU hat versagt, konstatiert politico.eu. Aber einer weiß zum Glück Bescheid, und das ist Giorgio Agamben in der NZZ: "Man muss wohl sagen, dass die Menschen an nichts mehr glauben - außer an das nackte biologische Leben, das es um jeden Preis zu retten gilt."
Efeu - Die Kulturrundschau
08.04.2020 Die taz blickt beim Amsterdamer Dokumentarfilmfestival in den Maschinenraum von Algeriens Demokratie. Der Freitag besingt das Kino als öffentlichen Ort. Die SZ ahnt das Ende der Türklinke. Die FAZ wirft einen Blick in den Georg-Kolbe-Nachlass. Die Zeit bemerkt an der Debatte um Till Lindemann, wie ungleich die moralische Empfindlichkeit zwischen Pop und Literaturbetrieb verteilt ist. In der Jungle World fragt Berthold Seliger, warum die Öffentlich-Rechtlichen nicht mal junge Bands und neue Musikerinnen zeigen statt der immergleichen Rockrentner.
Bücherschau des Tages
08.04.2020 Die NZZ vertieft sich in Brendan Simms' gut tausendseitige neue Hitler-Biografie. Dlf Kultur bewundert den wendungsreichen magischen Realismus in Tea Obrehts Roman "Herzland". Die Zeit nähert sich fasziniert dem exzessiven Radikalismus Leon Bloys und vertieft sich dann in die "Aufzeichnungen eines Serienmörders", der unter Alzheimer leidet. Die taz probt den Ausstieg mit Harriet Köhlers "Gebrauchsanweisung fürs Daheimbleiben". Die FAZ erkundet mit Tessa Hadleys Roman "Zwei und zwei" das fragile Gleichgewicht eines Ehepaars.
Donnerstag, 09.04.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
09.04.2020 Wie soll ein Staat "Social Distancing" verordnen, wenn ein Drittel der Bevölkerung weniger als 44 Euro im Monat zum Leben hat, fragt der ägyptische Autor Khalid al-Khamissi in der SZ. Auch in Amerika sind es vor allem die Ärmsten, und damit oft Schwarze, die an Covid-19 sterben, notiert Zeit online. In Weißrussland wird das Virus mit den Methoden der ruhmreichen Sowjetunion behandelt, berichtet die taz: einfach leugnen. In der Türkei gibt der Staat den Bürgern keine Hilfe, sondern bittet selbst um Spenden, schreibt Bülent Mumay in der FAZ. China spielt sich als Musterknabe auf - aber gerade China war eigentlich vorbereitet und hat darum umso schmählicher versagt, ruft Matthias Küntzel im Perlentaucher.
Efeu - Die Kulturrundschau
09.04.2020 Die NZZ findet in Corona-Zeiten Trost und Erleuchtung in Godfrey Reggios Experimentalfilm-Klassiker "Koyaanisqatsi". "Lest! Lest! Lest! Lest Boccaccio", rät dagegen der Kulturphilosoph Robert Harrison. Zeit online entkommt dem Schrecken der Isolation mit Tocotronic. Monopol bewundert die perfekt ausgeleuchteten Körper Robert Mapplethorpes. Architectural Digest besucht die 1968 von Sergio Los und Carlo Scarpa erbaute, zartrosa glühende "Casa Tabarelli". Der Tagesspiegel liest sich im Multimedia-Onlinemagazin Präposition fest. Hört auf mit dem Streamen, ruft die taz den Theatern und der nachtkritik zu.
Bücherschau des Tages
09.04.2020 Dlf Kultur sucht mit Deepa Anapparas "Detektiven vom Bhoot-Basar" zwischen Garküchen und Slums nach verschwundenen Kindern. Die SZ zieht es allen Dämonen zum Trotz mit Philip Pullman "Ans andere Ende der Welt". Die FAZ geht mit Fred Pearces "Fallout" auf nukleare Welttour und entwickelt Empathie mit den farbigen Kreisen von Martin Panchaud.
Samstag, 11.04.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
11.04.2020 Sollen sich die Alten in freiwillige Quarantäne begeben? Die taz zitiert Stimmen, die das fordern - auch weil ihre Generation den Klimawandel zu verantworten hätte. Auch über China wird gestritten: Der Guardian zeichnet das Versagen der Behörden in den ersten Wochen nach, aber der Mediziner Paul Robert Vogt warnt in einem viel retweeteten Artikel in der Mittelländischen vor "dümmlichem China-Bashing". Die Rolle der Medien in der Krise ist ebenfalls umstritten. Steven Pinker rät in der NZZ trotz allem zu Optimismus und zur Schulung des Kopfes.
Efeu - Die Kulturrundschau
11.04.2020 Vogue feiert die Jungfrau in Valentino Couture. In der FAZ freut sich Städel-Direktor Philipp Demandt über den Erfolg der digitalen Angebote seines Museums. In der FR erklärt dagegen der Intendant der Frankfurter Oper Bernd Loebe, über Streaming noch nachdenken zu müssen. Die FAZ porträtiert den syrischen Schriftstelller Khaled Khalifa. Im Freitag erklärt Nora Gomringer, warum sie für die Veröffentlichung des Vergewaltigungsgedicht von Rammstein-Sänger Till Lindemann ist. Die Musikkritiker hören das neue Album der Strokes.
Bücherschau des Tages
11.04.2020 Beeindruckt liest die FR Mario Vargas Llosas neuen Roman "Harte Jahre", der die Politik der USA in Lateinamerika am Beispiel Guatemalas kritisch beleuchtet. Die taz empfiehlt T.C.Boyles Erzählungsband "Sind wir nicht Menschen" als Lese- und Denkstoff für die Krise. FAZ und Welt freuen sich über J. M. G. Le Clezios neuen Roman "Alma".
Dienstag, 14.04.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
14.04.2020 Arundhati Roy spricht in der SZ über die Armen in Indien, die, auch ohne an Covid-19 erkrankt zu sein, die ersten Opfer der Krise sind. Der Philosoph Martin Seel fordert in der SZ angesichts der Krise eine Politik der "eingestandenen Ungewissheit". Die Ruhrtriennale war in Verruf geraten, weil sie Israelboykotteuren ein Forum verschaffte, nun lädt sie den Israelboykotteur Achille Mbembe zur Eröffnungsrede im August ein, berichtet das Blog Mena-Watch. Bei heise.de erklärt Julia Reda, warum sie ihren Kampf gegen Uploadfilter fortsetzt.
Efeu - Die Kulturrundschau
14.04.2020 Die SZ beobachtet entgeistert, wie Hamburg die schönsten Pläne für das Grasbrook-Quartier in der Elbe versenkt. In der FR plädiert der Architekt Jürgen Engel für den Erhalt der Frankfurter Bühnen: Der Bau kann bleiben, wenn die Intendanz geht. In der FAS erzählt die chilenische Dichterin Andrea Brandes, wie sie im Gefängnis Poesie lehrte. Im Freitag spricht Roberto Saviano über seine Serie "ZeroZeroZero" und den Kokainhandel. Die Berliner Zeitung erkundet die Ikonisierung der Maske. Und die taz lernt von Gernot Wieland, wie man beim Nachstellen von Kristallen die Traurigkeit vertreibt.
Magazinrundschau
14.04.2020 Longreads folgt nächtelang einem japanischen Unbekannten durch die Straßen Tokios. In der Johannesburg Review of Books erklärt der Schriftsteller Nuruddin Farah, warum er in Afrika eine Anomalie ist mit seinem Infragestellen der Traditionen. In The Atlantic sieht Aatish Taseer in Indien mit dem Säkularismus auch seine Staatsbürgerschaft flöten gehen. Die Boston Review zieht für Corona Lehren aus dem Kampf gegen Aids in den USA und die Cholera in Hamburg. La vie des idees trauert um den europäischen Traum. Die New York Times erlebt eine Epiphanie mit Weird Al.
Bücherschau des Tages
14.04.2020 Der DlfKultur erinnert sich mit dem französischen Reporter und Kolonialismuskritiker Albert Londres an das "Afrika, in Ketten". Von Kate Devlins "Turned on" lernt er, dass der markt für Sexroboter bisher nur männliche Nutzer kennt. Als den Untergang der Illusionen erlebt der Dlf Tea Obrechts Roman "Herzland", der von der Eroberung Arizonas erzählt. Und die taz lauscht gebannt, wenn Marion Poschmann in der Mongolei die Elemente fragt.
Mittwoch, 15.04.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
15.04.2020 Heute beraten Bund und Länder über mögliche Lockerungen der Kontaktsperren. Es werden eine Menge Positionen in die Debatte geworfen: Die Riffreporter, eine wissenschaftsjournalistische Website, nehmen die Vorschläge des Virologen Hendrick Streeck zu einer Öffnung schon jetzt auseinander. Aber auch die vorsichtigeren Vorschläge der Leopoldina zu einer Öffnung, die mit den Schulen beginnt, stoßen auf Kritik: Was ist mit den Frauen, fragt Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin im Tagesspiegel. Übrigens war es gerade die Schließung der Schulen, nicht die Kontaktsperre, die etwas gebracht hat, wendet heise.de ein.
Efeu - Die Kulturrundschau
15.04.2020 In der Berliner Zeitung erinnert der Maler Mark Lammert an Heiner Müllers "Krieg der Viren". Die taz begegnet im Kunstverein Braunschweig dem schwarzen Aufklärer Anton Wilhelm Amo, der sich 1734 gegen Descartes stellte. Der Standard ahnt das Ende einer auf Besuchermassen zielenden Museumspolitik. Der Tagesspiegel erinnert daran, dass zur hygienischen Moderne auch die grüne und aufgelockerte Stadt gehört.
Bücherschau des Tages
15.04.2020 Dlf Kultur versinkt begeistert in einem reich bebilderten Band über Mode und Revolution. Die FAZ folgt angeregt Stefan Schweizer von den Hängenden Gärten Babylons bis zur grünen Architektur heute. Die taz wandert staunend mit Paul Scruton durch die Außenbezirke Berlins. Die SZ erlebt einen kosmischen Generationenkonflikt mit den "Paper Girls".
Donnerstag, 16.04.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
16.04.2020 Die taz begrüßt die ersten Schritte zur Lockerung in Deutschland, die FAZ erzählt, wie Frankreich auch bei der Lockerung an seinem Zentralismus scheitert. Bei den "großzügigen Hilfen" für Soloselbständige erweist sich so langsam die allerüblichste Bürokratie - besonders wenn es dann um Hartz IV geht, berichtet die SZ. In Tagesspiegel und SZ erklären Infektionsforscher, warum es Herdenimmunität erst in 25 Jahren geben wird. In der NZZ erzählt der Blogger Florian Ngimbis, wie in Kamerun gegen Corona gekämpft wird. Die Republik beleuchtet die wirtschaftliche Lage der NZZ.
Efeu - Die Kulturrundschau
16.04.2020 Der Tagesspiegel feiert den tschechischen "Tenore di grazia" Petr Nekoranec, der so unnachahmlich französisch singt. Die SZ hört den Pianisten Daniil Trifonov, der seine Isolation in der Dominikanischen Republik für ein Konzert nutzt (nur online, versteht sich). Die FAZ untersucht die Matrix des Erotischen in der Musik. Der Freitag hört Klaus Buhlerts Hörspiel zu Thomas Pynchons Klassiker "Gravity's Rainbow" - knallende Champagnerkorken und tuckernd ölige Sherman-Tank-Motoren inklusive. Die taz würdigt die verstorbene französische Filmemacherin Sarah Maldoror.
Bücherschau des Tages
16.04.2020 Die FAZ lässt sich von Eva Maria Leuenbergers Assonanzen, Alliterationen und Reimen den Verfall des menschlichen Körpers nahe bringen. Die Zeit begeistert sich für Nicole Flatterys Debüt um acht Frauen mit entgleisten Gefühlswelten. Dlf Kultur empfiehlt Mary MacLanes autobiografischen Roman von 1921, "Ich erwarte die Ankunft des Teufels", als Manifest weiblicher Selbstermächtigung. Die SZ bespricht eine Reihe von Krimis, darunter den neuen John Grisham.
Freitag, 17.04.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
17.04.2020 Stirbt eventuell angesichts der neuen Liebe zu den Regierungen nun auch der Rechtspopulismus am Coronavirus? In Westeuropa ist er geschwächt, in Osteuropa gestärkt, beobachten taz und Libération. Sehr viel wird über Überwachung und Information diskutiert: Yuval Noah Harari will in der SZ eine App, aber auch eine Überwachung der Regierungen, die sie einführen. Peter Pomerantsev möchte den Internetkonzernen in der Krise ihre Algorithmen wegnehmen. Ungerecht behandelt fühlen sich in den unterschiedlichen Feuilletons außerdem: Unternehmer, Kulturschaffende, Frauen.
Efeu - Die Kulturrundschau
17.04.2020 In der taz erklärt der Musiker Moses Sumney: Einsamkeit macht produktiv. Die Welt probiert, welche Getränke zu welchen Streamingangeboten passen (Gin Tonic zum Ballett). In der FR schlägt der Theatermacher Kay Voges vor, Theater nicht zu streamen, sondern einfach mit digitalen Mitteln zu machen. Dezeen bewundert den Brutalismus in China. Die FAS streamt sich durch Netflix in Nigeria.
Bücherschau des Tages
17.04.2020 Die NZZ liest Mary McLanes Tagebuch von 1900 als "rebellisches Manifest" gegen Moral und Depression und verliebt sich in das Garstige und Gemeine von Ottessa Moshfegh. Dlf Kultur lernt das Warten mit Kathy Zarnegin und amüsiert sich prächtig, wenn Franz Orghandl und Theresa Strozyk behutsam schildern, wie der kleine Leo zu Jennifer wird. Die SZ erfährt von Charles King, wie das moderne Amerika entstand. Hingerissen surfen FAZ, SZ, taz und FR mit Klaus Buhlerts Hörspiel-Inszenierung der „Enden der Parabel“ 14 Stunden lang auf der pynchonesken Welle des ausufernden Erzählens.
Samstag, 18.04.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
18.04.2020 Die SZ entdeckt mit Hassan Sharif den Künstler, der die künstlerischen Moderne in die arabischen Emirate holte. In der taz erklärt die Choreografin Ligia Lewis, was "schwarze Fugitivität" bedeutet. In der Literarischen Welt wehrt sich Leila Slimani gegen den Vorwurf, sie sei bourgeois. Die taz blickt mit Satya Sai Maitreya in die Seele des idealen Gesamtkaliforniers. In der Kreiszeitung macht sich Rajko Burchardt wenig Sorgen um Hollywood nach Corona. Und in der NZZ erklären Herzog und de Meuron, wie man lebenswerte Krankenhäuser baut.
9punkt - Die Debattenrundschau
18.04.2020 Alexander Kluge erkennt in der SZ die Reparaturbedürftigkeit der modernen Gesellschaft. In der Welt fürchtet Byung-Chul Han die biopolitische Disziplinargesellschaft und das Ende des Liberalismus. In der NZZ erzählt Mansura Essedin, wie Corona in Ägypten zum Stigma wird. Die FAZ wird wohl künftig den Wald meiden, in dem sich Prepper und Urbanophobiker tummeln. Für Aufregung sorgt außerdem die ungeklärte Finanzierung der Heinsberg-Studie. Und in Koblenz steht der erste Kriegsverbrecherprozess gegen einen syrischen Folterer bevor.
Bücherschau des Tages
18.04.2020 Die taz hat großen Spaß, wenn Oyinkan Braithwaite in ihrem Roman „Meine Schwester, die Serienmörderin“ mit toxischer Männlichkeit abrechnet. Mit Birgit Birnbacher blickt sie in den Mikrokosmos Bewährungshilfe. Die Welt staunt über die Aktualität von Martha Gellhorns Reportagen aus den Sechzigern bis Achtzigern und freut sich über ein schillerndes „Mantel-und-Degen-Stück“ von Mario Vargas Llosa. Die FAZ lernt von dem Vasall des Reims, Andreas Reimann, wie man mit Sonetten Widerstand leistet.
Montag, 20.04.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
20.04.2020 Im Standard begeistert sich Sybille Berg eher weniger für die Disziplin, mit der wir die Abschaffung freiheitlicher Rechte erdulden. Die taz probiert Theater auf Telegram aus. Im Tagesspiegel erinnert Wolfgang Emmerich an Paul Celans feines Sensorium für das Nibelungische bei den Deutschen. Die NZZ bemerkt, dass wenigsten Cy Twombly die Sehnsucht nach Süden in der Moderne aufrecht erhielt. FAZ und FR freuen sich aufs digitale Lichter-Filmfest. Und vom WHO-Spendenkonzert nehmen die Kritiker immerhin etwas gute Laune mit.
9punkt - Die Debattenrundschau
20.04.2020 Viel Streit um Achille Mbembe, dem in der Welt, der Jüdischen Allgemeinen und von Felix Klein, dem Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, Antisemitismus vorgeworfen wurde. Mbembe ist laut SZ fassungslos: Nie würde er das Apartheidsystem in Südafrika mit dem Holocaust vergleichen. Für Jürgen Kaube in der FAZ ist Mbembe mindestens ein "Nanoantisemit". In der SZ erinnert der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte daran, dass das angeblich so verschwenderische Italien Nettozahler in der Union ist und fordert Eurobonds. Politico rechnet nach, warum die Corona-Sterberate in Belgien so hoch ist.
Bücherschau des Tages
20.04.2020 Der DlfKultur schlendert vergnügt mit Annett Gröschner zu "Berliner Bürger*stuben", mit Abstechern zu Kleingärten und Volksbühne. Außerdem genießt er noch einmal mit Lift, City und Karat die ganze Traurigkeit "Östlich der Elbe". Der Dlf nimmt es freudig mit Reto Hännys Romanmonster "Sturz" auf. Die FAZ jubelt über Klaus Pohls unsentimentale Erinnerungen an Peter Zadeks Hamlet-Inszenierung in Allstar-Besetzung. Außerdem lauscht sie Cord Riechelmanns "Krähen".
Dienstag, 21.04.2020
Magazinrundschau
21.04.2020 Der Guardian erzählt, wie Saudi-Arabien mit viel Geld Indonesien islamisiert. In Lidove noviny erzählt der 92-jährige Pavel Kohut aus reichlicher Erfahrung, wie man mit Krisen umgeht. Der New Yorker begutachtet das Ergebnis von Trumps Rückzug aus Syrien. La vie des idees erzählt, wie polnische Regierung und katholische Kirche zusammenarbeiten, um Frauenrechte auszuhebeln. Die London Review beobachtet die Chinesen, die seltsame westliche Sitten studieren. Vanity Fair betrachtet den Hai an Jack Dorseys Fersen.
Efeu - Die Kulturrundschau
21.04.2020 In der taz setzt David Lau die Diskussion ums Streaming in der Kultur fort und fordert den freien Zugriff: Endlich Bolschoi-Ballett sehen! 54books beklagt die auch analoge Untervergütung im Literaturbetrieb. In der SZ spricht Wolfgang Tillmans von der coronabedingten Dynamik nach oben und seiner Solidaritätsaktion für die queere Szene. Die FAZ tröstet sich mit Jonas Mekas. Der Tip will den Mäusebunker retten.
9punkt - Die Debattenrundschau
21.04.2020 Heute beginnt in Frankfurt ein Prozess gegen einen IS-Anhänger, der ein fünfjähriges jesidisches Mädchen ermordete. Die Frage wird unter anderem sein, ob die Verbrechen der Islamisten gegen die Jesiden einen genozidalen Charakter hatten, schreiben Düzen Tekkal und Alexander Schwarz in der FAZ. Der Streit um Achille Mbembe geht weiter: Die Ruhrbarone zitieren einen Text, wo Mbembe die internationale Isolierung Israels fordert. Die taz erklärt, warum die österreichischen Boulevardzeitungen Kanzler Kurz so lieben: Er schaltet Anzeigen! Laut Netzpolitik und Zeit online wird weiter über eine Corona-Tracking-App gestritten.
Bücherschau des Tages
21.04.2020 Für die SZ stürzt sich Hanns Zischler freudig in das Berlin der Handwerker, Grisetten und Polizeispitzel, das der Kommunist Ernst Dronke in seiner Reportage von 1846 beschreibt - und zwar mit Feuer. Die FAZ erinnert sich mit Renate Schostack an die Fräuleins der jungen Bundesrepublik. Die taz lobt noch einmal Hubertus Butins Recherche "Kunstfälschung". Und der DlfKultur kostet schon mal Maylis de Kerangals "Porträt eines jungen Kochs" vor.
Mittwoch, 22.04.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
22.04.2020 Die SZ starrt in Istanbul auf 440 Paar schwarze Pumps von Frauen, die 2018 in der Türkei von Männern getötet wurden. Die Schriftstellerin Leona Stahlmann zeigt sich in der FAZ ganz bestrickt von Catherine Robbe-Grillet, einem waschechten Libertin. Wir müssen einsehen, dass das Kino tot ist, sagt Regisseur Paul Schrader in Vulture, will aber trotzdem feiern. Auch für die Bühne der Zukunft sieht es mau aus: Küssen auf Abstand? Wie soll das gehen, fragt der Tagesspiegel. Und sehr notwendig in diesen Wochen: Die Beastie Boys auf Youtube.
9punkt - Die Debattenrundschau
22.04.2020 Eine gute Nachricht in der Coronakrise: Der menschlichen Fähigkeit zum fröhlichen Schwadronieren hat das Virus bisher nicht geschadet. Wir bringen einige der gedankenreichsten Auszüge: Ist es der Kult des Marktes, der Menschen dazu bringt, in der Krise Opfer von den Alten zu verlangen, fragt Thomas Assheuer in Zeit online. Heinz Bude freut sich im Tagesspiegel, dass nun auch Soziologen eine Welt mitgestalten können, in der "nicht mehr Freiheit die große Formel sein kann". Richard David Precht schlägt in der FR eine Amazon-Steuer vor. Und laut Gusel Jachina in der Berliner Zeitung hat die Welt gerade eine "Impfung gegen Aggression" erhalten.
Bücherschau des Tages
22.04.2020 Die FAZ amüsiert sich mit einem verschwundenen Ehemann in Michelle Winters kanadischem Roman "Ich bin ein Laster". Die SZ kämpft sich durch Mario Vargas Llosas der Realität nachempfundenen Politkrimi "Harte Jahre", fängt aber in der Mitte des Buchs Feuer. Die taz empfiehlt ein "Wörterbuch der Gegenwart".
Donnerstag, 23.04.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
23.04.2020 In der Zeit antwortet Achille Mbembe auf seine Kritiker und bleibt bei seiner Position zu Israel. Er will auch kein "Nachbeten von Katechismusartikeln ohne Überzeugung". Ebenfalls in der heute so reichhaltigen Zeit konstatiert der Psychiater Hans-Ludwig Kröber, dass das Attentat von Hanau eher als "finaler psychotischer Amoklauf denn als ein ideologisch motivierter Terroranschlag" zu sehen sei. Und nochmals die Zeit bringt erste neue Archivfunde über Papst Pius XII. und den Holocaust. Laut Meedia wird inzwischen intensiv Über Pressesubventionen nachgedacht. Die Verleger sind dafür, fragt sich nur wie. Die FAZ betrachtet schon mal das österreichische Modell.
Efeu - Die Kulturrundschau
23.04.2020 In der taz beschreibt Annett Gröschner das Verhältnis der DDR zu Kolonialismus und Rassismus. Domus erinnert an die Gründung von Brasilia vor sechzig Jahren. Tagesspiegel, taz und FAZ denken über die Zukunft des Kinos nach, sofern es noch eine hat. In der FR plädiert Katharina Hacker für Renovierung statt Neubau der Städtischen Bühnen Frankfurt. Die FAZ besucht eine Ausstellung mit kleinen Geheimnissen der sowjetischen Untergrundkultur. Die Zeit fragt: Wozu brauchen wir noch radikale Kunst?
Bücherschau des Tages
23.04.2020 "Heute ist Mittwoch" für die FAZ, die mit David Albaharis Roman in einem Strudel aus politischer Gewalt, Schuld und Sühne in Titos Jugoslawien versinkt. Dass Georges-Arthur Goldschmidt, wenn er "Vom Nachexil" erzählt, immer wieder unverbrauchte Wörter für Angst, Schmerz und Lust findet, lässt die FR staunen. Die SZ lobt Wolfgang Wills lebendig erzählte Geschichte des Peloponnesischen Krieges. Dlf Kultur amüsiert sich mit Oyinkan Braithwaites Krimi über "Meine Schwester, die Serienmörderin".
Freitag, 24.04.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
24.04.2020 "Die Auswirkungen von Corona sind nicht banal, sondern im Guten wie im Schlechten ein Spiegelbild unserer engen Vernetzung und Abhängigkeit ", sagt der Historiker Andreas Möller in der NZZ. Die taz setzt uns anlässlich eines Prozesses gegen zwei syrische Folterknechte über das "Weltrechtsprinzip" in Kenntnis. Die Islamwissenschaftlerin Susanne Schröter nimmt in der FAZ das Feindbild des "alten weißen Mannes" auseinander. Im Tagesspiegel schreibt die Historikerin Susanne Spahn über russische Desinformation in der Corona-Krise. Le Monde recherchiert zu den Tausenden von Toten in französischen Pflegeheimen.
Efeu - Die Kulturrundschau
24.04.2020 Die Berliner Zeitung wirft der Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres vor, die Leiter der Staatlichen Ballettschule nicht gegen Verleumdungen zu verteidigen. ArtReview folgt einer Einladung zur Morgendämmerung im Berliner Gropiusbau. In der FR erklärt der rumänische Schriftststeller Radu Vancu, warum jetzt der Moment ist, Schischkin, Okudjava, Gaddis und Proust zu lesen. Die SZ faltet sich eine Wohnung. Die taz stellt das neue Cybertheater vor.
Bücherschau des Tages
24.04.2020 Die FAZ lässt sich von Friedemann Bartu Skurriles, Kauziges und Kritisches über die NZZ erzählen. Die NZZ genießt derweil in kleinen Dosen Gedichte von Lina Fritschi und führt heitere Selbstgespräche mit Philippe Jaccottet. Die SZ kehrt mit Kristin Höller ins spießige Elternhaus zurück und empfiehlt Kinderbücher: Mit Paul Shiptons charmanter Wanze macht sie den heimischen Garten unsicher. Die FR findet mit Sara Paretsky „Altlasten“ in einem amerikanischen Raketenlager. Und Dlf-Kultur entdeckt mit Laure Adler die legendäre Charlotte Perriand.
Samstag, 25.04.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
25.04.2020 Erste Lockerungen. Die Berliner drängeln sich in Parks. Endlich wieder Wegbier trinken! Unterdessen geht die Krise weiter. Die taz erzählt vom Sterben in Zeiten von Corona in Ecuador bei 34 Grad im Schatten. Le Monde recherchiert, wie Frankreich bei der Bewältigung der Krise wieder über seinen Zentralismus stolperte. Die FAZ vergleicht Sterblichkeitsstatistiken, an denen Deutschland nicht teilnimmt. Und in der NZZ attackiert Giorgio Agamben den Papst. Außerdem: Achille Mbembe ist nur Symptom für ein antirassistisches Denken, das sich keinen Begriff vom Antisemitismus machen will, schreiben Meron Mendel und Saba-Nur Cheema vom Frankfurter Anne-Frank-Zentrum in der taz.
Efeu - Die Kulturrundschau
25.04.2020 Friedrich Christian Flick zieht seine Kunstsammlung aus Berlin zurück. Glücklich macht das nur die Investoren der CA Immo AG, die Kunstkritiker sind vom Abzug der Sammlung ebenso entsetzt wie seinerzeit von ihrer Ankunft. Die NZZ spiegelt sich in den Hauts-de-France in einem Betonbunker der Nazis. Zeit online hört die Krise der Männlichkeit im Rap von Ufo361. Die FAZ hat genug von den Entschuldigungsstrategien für deutsche Kriegsverbrechen in der Serie "Das Boot". Die Berliner Zeitung freut sich auf das Theatertreffen, auch wenn es in diesem Jahr im Internet stattfindet.
Bücherschau des Tages
25.04.2020 Die NZZ durchstreift mit Andrzej Stasiuk die Beskiden (mit Abstechern nach Kasachstan, Kirgisien und Tadschikistan). Die taz begibt sich auf Deutschlandreise mit Thomas Wolfe. Die Welt durchlebt mit Volker Ullrich fünf Tage im Mai 1945. Dlf Kultur schaut dem einfachen Leben des Felice im Tessiner Bleniotal zu.
Montag, 27.04.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
27.04.2020 In der FAZ benennt Jan-Werner Müller das doppelte Dilemma der amerikanischen Qualitätsmedien in Bezug auf Trump. In Zeit online spricht die Anthropologin Shalini Randeria über globale Ungleichheiten in der Coronakrise. In China legt die Coronakrise den Rassismus gegen Afrikaner frei, berichtet der Guardian. Agamben und Sloterdijk erleiden in ihren Äußerungen zu Corona einen "Schiffbruch mit Zuschauer", diagnostiziert die FAS.
Efeu - Die Kulturrundschau
27.04.2020 Die FAS betont, dass nicht nur der Berliner Mäusebunker abgerissen werden soll, sondern auch das Potsdamer Rechenzentrum. Die NZZ bewundert Jan van Eycks zeitlos faszinierenden Genter Altar. Etwas gelangweilt betrachten FR und Tagesspiegel den Filmpreisregen für Nora Fingscheidts "Systemsprenger": War es noch Harmoniebedürfnis oder schon Eintönigkeit? Große Trauer herrscht über den Tod des schwedischen Schriftstellers Per Olov Enquist. Berthold Seliger erinnert in der Jungen Welt an Karl Amadeus Hartmanns Dachau-Sonate "27. April 1945".
Bücherschau des Tages
27.04.2020 Der DlfKultur jubelt über den Band "Bilderatlas Mnemosyne", der Aby Warburgs Arbeiten zum europäischen Bildgedächtnis rekonstriert. Die SZ erkundet mit Heidi und Hans-Jürgen Kochs Band "Thank You, Mouse" das Leben als Versuchstier. Die taz lauscht mit David Rothenberg den Berliner Nachtigallen. Der Dlf atmet auf: Léon Bloys klerikale Giftmischerei wirkt nicht mehr. Und die FAZ versinkt im neuen Band von Philip Pulmans Dark-Materials-Saga.
Dienstag, 28.04.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
28.04.2020 In der SZ erklärt die Philosophin Eva Weber-Guskar, warum pluralistische Ansätze die besten sind, um eine Krise zu bekämpfen. In La Règle du jeu weigert sich Bernard-Henri Lévy kategorisch, dem Virus Sinn zu geben. Politico.eu beobachtet, wie China Druck auf Europa ausübt, um seine Version der Corona-Geschichte durchzusetzen. Die NZZ fragt, warum Stalin das Gerücht von Hitlers Weiterleben verbreitete, obwohl er wusste, dass er tot ist. Die Welt fragt, ob das mit der dezentralen Corona-App wirklich so eine gute Idee war. Und im Perlentaucher schreibt Lazlo Kornitzer einen zornigen Brief an Ursula von der Leyen.
Efeu - Die Kulturrundschau
28.04.2020 Die FAZ lernt mit dem Fotografen Akinbode Akinbiyi, langsam wie ein Dieb durch die Straßen von Lagos, London und Berlin zu streifen. epd-Film erinnert an die große, aber angemessene Verzweiflung bei Rainer Werner Fassbinder. Die taz blickt auf die Lücke, die das virtuelle Theatertreffen markieren wird. Zum Tod von Suhrkamps Cheflektor Raimund Fellinger schreiben Andreas Maier in der FAZ und Ralf Rothmann in der SZ.
Magazinrundschau
28.04.2020 Die New York Review of Books bestaunt Werke des Sowjetrealismus, die schon Matisse imponierten. Eurozine beschreibt das Geschäftsmodell osteuropäischer Klickfabriken. Die New York Times hofft auf panvirale Impfungen im Kampf gegen Corona. En attendant Nadeau studiert Rimbaud und die Commune. Bloomberg begibt sich in die Post-Lockdown-Hölle von Wuhan. Walrus schildert eine Erziehung zur Orgasmusfähigkeit.
Bücherschau des Tages
28.04.2020 Die FAZ jubelt über verlegerische Großtat: Die Übersetzung von Simon Ravens Upperclass-Saga um den homosexuellen Major "Fielding Gray". Die SZ schluckt beim Lesen von Cécile Wajsbrots Dystopie "Zerstörung", in der eine totalitäre Macht Kultur und öffentliches Leben auslöscht. Die taz kommt mit dem letzten Band von Irvine Welshs Trainspotting-Trilogie auf ihre Kosten. Und der DlfKultur entdeckt die ganz Größe Christoph Meckels in seinen Prosaminiaturen "Eine Tür aus Glas, weit offen".
Mittwoch, 29.04.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
29.04.2020 Welt und Tagesspiegel blicken auf das deutsch-italienische Verhältnis - und vor allem auf die Taubheit der deutschen Politik und Gesellschaft für die Stimmung in Italien. In der Zeit wird über die innerdeutschen Wirkungen der Corona-Politik gestritten. In der Washington Post ist Margaret Sullivan bestürzt, dass sich die großen amerikanischen Medien auch in der Coronakrise nicht aus dem Bann Donald Trumps lösen können. Die taz erzählt von einem bitteren Krieg innerhalb der queeren Szene in Marokko. Und in der Türkei macht der oberste Boss der Religionsbehörde laut Deniz Yücel in der Welt die Schwulen für Corona verantwortlich.
Efeu - Die Kulturrundschau
29.04.2020 Der Standard erinnert an die kulturbolschewistische Bombe, die Bertolt Brecht vor siebzig Jahren über Österreich zündete. Die SZ wagt den Ausbruch aus dem Videostream und spaziert mit Elfriede Jelinek im Ohr durch Oberhausen. Die NZZ vermisst die aus der Kunstgeschichte gekickten Surrealistinnen. Der Freitag blickt auf Berlins vor dem Abgrund taumelnden Clubs. Und in der Deutschen Welle fordert Kurzfilmtage-Leiter Lars Henrik Gass schon mal eine geregelte Musealisierung des Kinos.
Bücherschau des Tages
29.04.2020 Der Dlf bewundert die Präzision, mit der Mary Gaitskill in ihren Stories "Bad Behaviour" seziert. Die SZ geht auf die Knie vor dem Denkmal, das Anne Weber der Resistance-Kämpferin Anne Beaumanoir aus Versen errichtet. Der FR gefällt die sanfte, menschenfreundliche Note in Birgit Birnbachers Roman "Ich an meiner Seite". Die taz freut sich über die Wiederauflage von Edgar-Pierre Jacobs' Gentlemen-Helden "Blake und Mortimer".
Donnerstag, 30.04.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
30.04.2020 Der Guardian erzählt, wie die Idee der "Herdenimmunität" die britische Regierung zunächst in die falsche Politik trieb. In Le Monde fordern Künstler Subventionen bis zum Herbst nächsten Jahres. In der taz schreibt der Politologe und Europa-Aktivist Alberto Alemanno: "Das große Hindernis für die Fähigkeit der EU, Probleme zu lösen, sind unsere nationalen politischen Systeme." In der SZ schreiben Khaled al-Khamissi und Orhan Pamuk über den Islam und die Viren. In Spiegel online fordert Tagesspiegel-Herausgeber Sebastian Turner Subventionen für die Lokalpresse.
Efeu - Die Kulturrundschau
30.04.2020 Die taz porträtiert die 73-jährige Experimentalfilmemacherin Helga Fanderl, die seit den achtziger Jahren ausschließlich mit Super-8-Film arbeitet. Die nachtkritik baut eine digitale Theaterwelt um die Inszenierungen herum. In der FR erklärt das Mannequin Michelle Elie die transformierende Kraft der Kleider von Rei Kawakubo. Der Tagesspiegel beobachtet das Wettrennen um die Corona-Bestseller. Die Welt warnt Kunst und Künstler: mehr Geld vom Staat macht euch stumm.
Bücherschau des Tages
30.04.2020 Die FAZ lernt viel aus Wolfgang Emmerichs Buch "Nahe Fremde" über die manigfaltigen Destruktivkräfte der Deutschen, die Paul Celans Leben zerstörten. Mit großem Vergnügen liest sie außerdem Susanne Gregors Roman über drei Freundinnen, die "Das letzte rote Jahr" in der Tschechoslowakei erleben. Der Dlf amüsiert sich mit Deepa Anapparas Debütroman über sie Kinderdetektive vom Bhoot-Basar.