Dienstag, 01.12.2009
Magazinrundschau
01.12.2009 In Eurozine plädiert der slowenische Dichter Ales Debeljak für die Vermischung der Kulturen. Umberto Eco sekundiert in Le Monde. The Nation porträtiert den salvadorianischen Autor Horacio Castellanos Moya, der wiederum in Babelia erklärt, warum es 200 Jahre nach der Unabhängigkeit einer Reihe von lateinamerikanischen Staaten nichts zu feiern gibt. Polityka legt die Polen auf die Couch. La vie des idees liest ein Buch über die Resistance und die Juden. Amerikaner lesen mehr als Europäer, kontert der Historiker Peter Baldwin im Merkur. Und in der The New York Review of Books macht Robert Darnton zwei kühne Vorschläge für ein neues Book Settlement.
Heute in den Feuilletons
01.12.2009 Die NZZ sieht das Schweizer Minarett-Verbot auch als Blamage für den Journalismus. Im Tagesspiegel schreibt der Historiker Hamed Abdel-Samad: "Die Muslime sind zu empfindlich." In der FAZ erklärt Jürg Altwegg, warum er sich bei der Abstimmung enthielt. In der taz wirft Beate Klarsfeld den Deutschen mangelnde Aufarbeitung ihrer Geschichte vor. In der FR erklärt Toni Negri, was an der Demokratie faschistisch ist.
Bücherschau des Tages
01.12.2009 Die SZ lernt in dem Briefwechsel von Rilke mit Eva Cassirer eine Mäzenin kennen, die Bewunderung nicht blind machte. Paul Veynes Buch über die "Kunst der Spätantike" empfindet sie als Wohltat, räumt er doch endlich auf mit dem Vorurteil von einer stilistisch verkümmerten Epoche. Die FR wandert mit Gerhard Roth durch Wien. Die FAZ forscht mit einem Koch nach Spuren des Menschenhandels im Londoner "Hotel Imperial". Die NZZ durchlebt das 20. Jahrhundert mit der Familie Mirski in "Moskau. Bel Etage".
Medienticker-Archiv
01.12.2009 Wolfram Schütte über Henry James' "Benvolio" - Ilija Trojanow: Migration als Heimat - Peter Sloterdijk: Manifest zum neuen Zeitgeist - Mysteriöser Tod des Autors Leonid Dobycin - "Mit Stallgeruch und Bonhomie": Hellmuth Karasek zum Tod von Erich Böhme - Das Philosophische Quartett: Warum Benedikt XVI. so "grottenschlecht" ist + Mit David Wagner trifft an der Supermarktkasse die Popliteratur auf die Hohe Minne.
Mittwoch, 02.12.2009
Heute in den Feuilletons
02.12.2009 Laut Tagesspiegel fordert Bernd Neumann ein amerikanisches Gesetz gegen Google Books. In der Welt kritisiert Tariq Ramadan das Schweizer Minarettverbot, aber auch das schüchterne Auftreten der Schweizer Muslime. Die FAZ bringt eine Liebeserklärung an Peter Doherty, auch wenn er über das Deutschlandlied nicht richtig informiert war. Und die SZ scheint versuchten Mord an Juden schon viel weniger befremdlich zu finden, wenn er surrealistisch gemeint ist.
Bücherschau des Tages
02.12.2009 Die SZ liest mit ungebrochener Faszination Aribert Reimanns Biografie des antisemitischen Spontis Dieter Kunzelmann. Enorme Begabung bescheinigt sie Patrick Hofmann für seinen sinnenfrohen Debütroman "Die letzte Sau". Mit Interesse liest die FAZ die anthropologische Studie "Heimat Mensch" von Christoph Antweiler, die gegen den Kulturrelativismus die Universalien stellt, die alle Kulturen eigen sind.
Mord und Ratschlag
02.12.2009 In seinem Roman "Tokio im Jahr Null" lässt David Peace neben allen anderen Untätern auch noch einen Serienmörder umgehen. Das ergibt einen einzigen Albtraum. Die Frage ist allerdings: wessen?
Medienticker-Archiv
02.12.2009 Über die Zukunft von Wikipedia - Content-Revolution? Rattenrennen um Klicks & Honorare: Bei AOL sollen Roboter Redakteure steuern - Überraschung: Google News unterstützt Verlage bei Paid Content - Stefan Niggemeier meint: Jeder Journalist habe drei blöde Sachen bei Google stehen - 25 Jahre 3sat: Die Sache mit Koch und Kellnern + Stefano Scodanibbios: Der Kontrabass-Revolutionär, der den Löwen streichelt.
Im Kino
02.12.2009 In seinem Spielfilmdebüt "Tulpan" versetzt Sergey Dvortsevoy nicht nur seine Figuren, sondern auch uns auf recht atemberaubende Weise in die Hungersteppe von Kasachstan. In "Whatever Works" laufen Woody Allens Boulevardtheaterfiguren mal wieder am Schnürchen durch einen Pointenparcours in einer Märchenwelt namens Manhattan.
Redaktionsblog - Im Ententeich
02.12.2009 Dass es linken Antisemitismus gibt, hat sich inzwischen sogar bis in die Linke herumgesprochen. Und doch ist es bis heute bestürzend, wie asymmetrisch die Wahrnehmung der Öffentlichkeit ist. Gerät eine Institution wie die Kirche in Verdacht, dann ist das Rauschen in den Blättern groß: Aber so empörend Benedikts XVI. Abwiegeln ist - wen repräsentieren schon die Piusbrüder? Weit weniger Interesse erregte fast gleichzeitig der postkoloniale Stand-up-Comedian Dieudonné, der vor einem johlenden Massenpublikum den Holocaustleurgner Robert Faurisson mit einem selbstgeschaffenen Pres für political incorrectness auszeichnete.
Donnerstag, 03.12.2009
Heute in den Feuilletons
03.12.2009 Das Stadtschloss kann gebaut werden. Die Welt ist froh, denn der Entwurf ist gut. Arianna Huffington attackiert in einer langen Rede Rupert Murdoch. Wie macht man aus Buchstabensuppe eine Deutsche Digitale Bibliothek?, fragt die SZ. In der NZZ fragt Hamed Abdel-Samad, warum der Islam nicht zur Moderne findet. Die Zeit rettet die Welt, wird aber ganz grün dabei.
Bücherschau des Tages
03.12.2009 Verstörende Erkenntnismomente verdankt die Zeit Maxim Billers Selbstporträt "Der gebrauchte Jude". Außerdem fällt ihr auf, wie verliebt Peter Sloterdijk in seinen "Philosophischen Temperamente" über Sartre schreibt. Die FAZ lernt aus Bartholomäus Grills afrikanischen Fußballreportagen "Laduuuuuma!" von der magischen Kraft verdorrter Pavian-Arme. Die NZZ stellt Radka Denemarkovas Roman "Ein herrlicher Flecken Erde", der offenbar kein historisches Tabu unberührt lässt. Die SZ ist entzückt vom boshaften Witz in Fredinando Galianis "Nachrichten vom Vesuv".
Medienticker-Archiv
03.12.2009 Verfassungsschutz-Comic und sein Held Andi - Mitmach-Internet: Das Web 2.0 hat seine besten Tage hinter sich - Paid Content: YouTube plant kostenpflichtige Inhalte oder Die Illusion vom Paid Content - Joseph Conrad: Das Leben der Dichter - Hans Henny Jahnn: Ein seltsamer Fall - Blogblick: Wenn Piraten das Minarett entern - DVD-Edition: Der beglückende Flug der Sahnetorte + Woody Allen hatte nie etwas mit einem Mädchen aus den Südstaaten.
Karikaturen und Cartoons
03.12.2009 Der Ruf der Berge.
Freitag, 04.12.2009
Heute in den Feuilletons
04.12.2009 Cory Doctorow erklärt im Harvard Business Manager, wie er Geld verdient, indem er seine Bücher kostenlos ins Netz stellt. Die Welt annonciert den nächsten Bestseller: Rolf Bauerdicks Roman "Wie die Madonna auf den Mond kam". Microsoft wird Zeitungen keine Inhalte abkaufen, um Google auszustechen, meldet die Financial Times. Die FR lotet den stärksten Ausdruck von Freiheit aus. Im Blog Mobylives erfahren wir, dass Roberto Bolano ein Lichtenberg-Verehrer war. Und Google hat jetzt ein Wörterbuch.
Bücherschau des Tages
04.12.2009 Als Monument der Kulturgeschichte preist die FR den Briefwechsel zwischen Siegfried Unseld und Thomas Bernhard, wobei letzterer eine eher unrühmliche Rolle übernimmt: die der armen Sau, die sich immer wieder wie ein Schwein verhält. Die FAZ stellt Nuruddin Farahs neuen Somalia-Roman "Netze" vor. Die SZ liest Paul Beattys Berlin-Buch "Slumberland" und erlebt mit Chen Jianghong die Kulturrevolution "An Großvaters Hand".
Medienticker-Archiv
04.12.2009 ... aber alles verwandelt sich: Dirk Pilz über die Neubewertung der Religion in der Philosophie - 75 Jahre: Erich Ohsers "Vater und Sohn" - Ein trauriger, bitterer Abend mit Pete Doherty - Wie viel verdient Google mit Zeitungs-Content? - Microsoft an Murdoch: Danke, aber nein danke - NRW lockert Medienfusionsrecht - Integrationsdebatte: "Islamfeindlichkeit kommt nicht vom Rand" + Für Jazzfans: Leise rieselt der Schnee aufs Klavier.
Karikaturen und Cartoons
04.12.2009 Vorschlag zur Güte.
Samstag, 05.12.2009
Heute in den Feuilletons
05.12.2009 Die Berliner Zeitungen arbeiten sich an einer traurigen Sensation ab: Das Deutsche Symphonieorchester soll unter dem Dach des Rundfunksinfonieorchesters eingeschmolzen werden. Die taz badete in Licht - und zwar ausgerechnet in Wolfsburg. Die Welt ist froh über ein Urteil, das die Leser elektronischer Bücher in Bibliotheken zwingt, weiterhin handschriftlich zu exzerpieren. In der FR bekennt der FR-Verleger Neven Dumont, dass ihm Google nicht behagt. Die SZ geht d'accord mit Wired: Dem Internet ein Friedensnobelpreis.
Bücherschau des Tages
05.12.2009 Ganz großer Gesellschaftsroman über die Bonner Republik, ruft die FAZ nach Lektüre von Jochen Schimmangs "Das Beste, was wir hatten". Die NZZ liest sich vergnügt durch drei Bücher aus der Oulipo-Werkstatt, darunter Georges Perecs hinreißende Geschichte "Über die Kunst seinen Chef anzusprechen und ihn um eine Gehaltserhöhung zu bitten". In der taz liest Detlev Claussen ein ganz hervorragendes Buch zur Globalisierungskritik: "Vom Imperialismus zum Empire".
Montag, 07.12.2009
Heute in den Feuilletons
07.12.2009 In der Kulturpolitik werden die Messer gewetzt, fürchtet Christina Weiss in der Welt anlässlich der geplanten Abschaffung des Deutschen Symphonieorchesters. Auch die SZ ist empört. Carta meldet: Wer einen Computer, aber keinen Fernseher hat, wird künftig die volle GEZ-Gebühr bezahlen müssen. Die FR porträtiert das größte Medienunternehmen der USA: Comcast. Im Christian Science Monitor kommentiert Ayaan Hirsi Ali das Schweizer Minarettverbot.
Bücherschau des Tages
07.12.2009 Als Buch zum Volksentscheid empfehlen heute SZ und FAZ den schnörkellos-aufklärerischen Band "Moscheen in Deutschland" von Bärbel Beinhauer-Köhler und Claus Leggewie. Sehr spannend findet die SZ auch Marc Hujers Biografie von Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger. Die FAZ liest außerdem noch einmal den Gedichtband "Monovassia" von Jannis Ritsos.
Medienticker-Archiv
07.12.2009 Mit Macht auf Sendung - "Nichts als die Welt": Ein literarisches Panorama der Weltgeschichte - Der Lauf der Dinge: Über die "Frequenzen" des Clemens Setz - Online-Journalismus: Raus aus der Gratisfalle - Emotionaler Kapitalismus: Eine notwendige Sozialtechnik - Schrecken aus dem braunen Sumpf: Enthüllung über den Dutschke-Attentäter + Abschied von der "Turteltaube": Zum Tod von Alfred Hrdlicka.
Karikaturen und Cartoons
07.12.2009 Glücksregen.
Dienstag, 08.12.2009
Magazinrundschau
08.12.2009 Im Wilson Quarterly liebt der Ökonom Tyler Cowen sein Multitasking. Prospect kennt die Monster der Linken. Der Boston Globe entdeckt mit James C. Scott das neue Shangri-La in den Bergen "Zomias". Die Weltwoche empört sich über die Kritik an der Minarett-Abstimmung. Im Nouvel Obs macht sich Pierre Nora Gedanken über den Bestseller. New Criterion weiß, warum die Preise für Pop-Art nicht sinken. NZZ-Folio untersucht Chicken Nuggets. Al Ahram fragt: Was will der politische Islam? Walrus bedauert das erste Opfer von C-58. In Resetdoc erklärt Joseph Massad, den arabischen Homosexuellen zu einer Erfindung des Westens.
Heute in den Feuilletons
08.12.2009 In der Welt empfiehlt Wolf Lepenies gegen die Krise einen guten Balzac. Marek Janowski soll das neue Berliner Superorchester leiten, aber er will gar nicht, meldet der Tagesspiegel. Die Blogs reiten auf der Google Wave mit Echtzeitsuche ins All. Die Berliner Zeitung berichtet: Bertelsmann wird jetzt Buchhändler. In der taz reicht Südkorea Nordkorea die Medikamente. FR und FAZ bringen Herta Müllers Nobelvorlesung: "Hast du ein Taschentuch, fragte die Mutter jeden Morgen am Haustor..."
Bücherschau des Tages
08.12.2009 Die NZZ feiert Eileen Changs bitter-intensiven und sehr sarkastischen Roman über das China der Bodenreform "Das Reispflanzerlied". Empfehlen kann sie auch Juri Andruchowytschs gesammelte Gedichte "Werwolf Sutra". Gern gefallen lässt sich die SZ William Boyds Krimi um einen Klimaforscher im Kampf gegen die Pharma-Industrie "Einfache Gewitter". Für die heute erschienenen Beilagen von SZ und FR werden wir noch einige Tage brauchen.
Medienticker-Archiv
08.12.2009 Frank A. Meyer interviewt Henryk M. Broder - Online-Journalismus: Mitten in der Evolution - Im Mediengewitter ratlos: Schirrmachers seelisch-geistiges Wohlbefinden - Claude Shannon: Auf die Einräder Ihr Medienphilosophen! - Musik-Streamingdienst: Apple kauft Lala - Handkes Arbeit am Mythos des Jetzt - Sloterdijk: Auch Denker sind Menschen + Eine der schärfsten Volten der bundesrepublikanischen Geistesgeschichte.
Karikaturen und Cartoons
08.12.2009 Der Wind dreht.
Mittwoch, 09.12.2009
Heute in den Feuilletons
09.12.2009 SZ und FR erzählen die Geschichte der iranischen Künstlerin Parastou Forouhar, die im Iran festgenommen wurde, weil sie an ihre ermordeten Eltern erinnern wollte. In der taz erklärt Herta Müller, was Literatur in der Unterdrückung bedeuten kann. Laut Ars technica wird die kanadische Musikindustrie verklagt - weil sie es mit den Urheberrechten nicht so genau nahm. In der FR fordert Heinrich August Winkler ein neues Verständnis von Gerechtigkeit bei der SPD. Eine Berliner Diskussion zum Minarettverbot stößt überall auf Kritik.
Bücherschau des Tages
09.12.2009 Sehr spannend und sehr überzeugend findet die NZZ Mark Mazowers gesamteuropäischen Beschreibung von "Hitlers Imperium". Sehr instruktiv findet die FAZ William Polks "Aufstand", und von Willa Cathers Roman "Schatten auf dem Fels" lässt sie sich gern ins Quebec des 17. Jahrhundert versetzen. Die SZ liest F.C. Delius' Roman über Konrad Zuse "Die Frau, für die ich den Computer erfand".
Medienticker-Archiv
09.12.2009 Frank Schirrmacher und der Kulturpessimismus: Sascha Lobos Gegenrede - Lit.Cologne und das Zentralkomitee der deutschen Literatur - Buchclub-Überlebensstrategie: "Zeilenreich" und Wohlfühleinkauf und die gemischten Gefühlen der Verlage - Google will die Weltherrschaft, aber wovor hat Google eigentlich Angst? - Abo-Modelle: Springers Pay-Offensive und "Schüttel' mich nackich" - Angriff auf dpa: ddp kauft AP Deutschland + GEZ-Pflicht für PC, Smartphone & Co.?
Karikaturen und Cartoons
09.12.2009 Retten Boni das Betriebsklima?
Im Kino
09.12.2009 Mit angenehmer Lässigkeit karriolt Ruben Fleischers inspirierte Horror-Komödie "Zombieland" durch die zeitgenössische Genrelandschaft. Zoltan Pauls "Unter Strom" versucht sich an einer deutschen Screwballkomödie und landet in einem Ferienhaus voller herumflatternder Irrer.
Donnerstag, 10.12.2009
Heute in den Feuilletons
10.12.2009 Im Freitag äußert sich Claude Lanzmann bestürzt über das Desinteresse an antisemitischen Ausschreitungen gegen seinen Film "Warum Israel". Im Tagesspiegel spricht sich der ehemalige DLR-Intendant Ernst Elitz für eine Haushaltsgebühr statt GEZ aus. In der Zeit befasst sich Jürgen Habermas mit Michael Tomasellos "Ursprüngen der menschlichen Kommunikation". In der FR wird Nicholson Baker vor lauter Google ganz blümerant. FAZ und SZ berichten von einer Diskussion rumäniendeutscher Autoren über die Securitate - einer outete sich als Spitzel.
Bücherschau des Tages
10.12.2009 Die Zeit bekennt sich zu ihrer Tolstoi-Sucht, die Rosemarie Tietze mit ihrer Neuübersetzung der "Anna Karenina" noch verschlimmert hat. Höchstes Lob erhält auch Michael Tomasellos Studie über "Die Ursprünge der menschlichen Kommunikation". Entdeckerlust weckt bei der FAZ Carl Heinrich Mercks "Sibirisch-amerikanisches Tagebuch aus den Jahren 1788-1791", und auch Milena Wazecks Studie über "Einsteins Gegner" kann sie empfehlen. Die SZ preist Michael Maars Buch "Proust Pharao".
Medienticker-Archiv
10.12.2009 Alan N. Shapiro: Mit Warp-Antrieb durch die Kritische Theorie - Islam-Debatte: Aufklärer, Schönredner, Prediger und die Rolle der Journalisten - Das Aggro-Jahrzehnt: Der Soundtrack von Hartz IV - Flache Lektüren für digitale Gehirne: Vom Ansehensverlust des Buches - Schneller Wechsel: Hubert Burda übergibt Vorstandsvorsitz - Lieber teuer: Wie der Spiegel von den Anzeigen loskommen will + Die Nobelpreisträgerin als Kind.
Essay
10.12.2009 "Die rumänische Revolution ist das wichtigste historische Ereignis meines Lebens." Mircea Cartarescu über seine Romantrilogie "Orbitor", das absurde Leben im Kommunismus und das Fortwirken der Securitate. Ein Cargo-Interview.
Karikaturen und Cartoons
10.12.2009 Scheichs auf Skiern.
Essay
10.12.2009 Die liberale Idee gilt den Deutschen als kalt und kalkulatorisch. Ein Irrtum: individuelle Freiheit kann sich nur entfalten, wenn sie ihre irrationale Seite einbegreift. Und nur ihr Widerstand gegen die Trägheit der Masse führt aus der Krise
Freitag, 11.12.2009
Heute in den Feuilletons
11.12.2009 In der SZ prangert Navid Kermani die westliche Spielart des Fundamentalismus an, die sich zum Beispiel im Schweizer Minarettverbot äußert. In der FAZ wendet sich Necla Kelek gegen einen Zeit-Artikel Gerhard Schröders, der mehr Toleranz für den Islam forderte. Die FAZ muss auch feststellen, dass viele Klimaskeptiker Trotzkisten waren. Die FR berichtet über das immer noch ziemlich aktive Gespenst der Securitate. Spiked Online prangert eine Klimaschutzinitiative an, die kleine Afrikaner verhüten will.
Bücherschau des Tages
11.12.2009 Merde pour la poesie: Die FAZ freut sich sehr über Ulrich Horstmanns Buch "Die Aufgabe der Literatur", dass den literarischen Verweigerern von Rimbaud bis Koeppen ein Denkmal setzt. Als Einführung in die Phänomenologie kann die SZ Lambert Wiesings "Das Mich der Wahrnehmung" sehr empfehlen.
Medienticker-Archiv
11.12.2009 ... des Qualitätsjournalismus: Peter Frey wird neuer ZDF-Chefredakteur, Reality-TV-Voyeurismus bei Pro7 und wir wollen das Fernsehen zurück - Zwei streitlustige Juden: Henryk M. Broder trifft Maxim Biller - Peter Glasers analoger Abend - Annäherung an Heinrich Böll - Mehr als Alpendudler: Austropop weltberühmt in Österreich + Userleben: Ein Tag im Internet.
Karikaturen und Cartoons
11.12.2009 Und dann auch noch vor Weihnachten...
Samstag, 12.12.2009
Heute in den Feuilletons
12.12.2009 Die FR fragt sich, ob es in Rumänien eigentlich je eine Revolution gegeben hat. In der Welt erklärt der Philosoph Robert Spaemann, wie undemokratisch Demokratie sein kann. Die taz reist mit Popjournalisten nach Palästina. Zeit online diskutiert lebhaft übers Filesharing. In der NYRB ruft Michael Massing zu Google rüber: Gebt was zurück! Im Tagesspiegel glaubt Gerhardt Csejka nicht, dass Werner Söllner mit seinen Berichten an die Securitate jemandem geschadet hat. In den Blogs fragt Richard Wagner, was Eva Demski mit ihrer despektierlichen Bemerkung über deutsch-rumänische Emigranten gemeint hat. Die NZZ fürchtet den Niedergang deutscher Museen. Die FAZ stellt eine Buchreihe über "Werte der deutschen Heimat" vor. In der SZ erklärt Tony Judt die jüdische Identität für eine Fiktion.
Bücherschau des Tages
12.12.2009 Als wahre Schatzhöhle preist die begeisterte FAZ die Marcel-Proust-Enzyklopädie von Luzius Keller. Mit großem Interesse liest sie auch die gesammelten journalistischen Schriften des Gossenliteraten Jörg Fauser. Die taz lässt sich am Beispiel Venedig die Eskalation der Globalisierung erklären. Und die FR klappt enttäuscht eine Biografie des großen Verlegers S. Fischer wieder zu.
Montag, 14.12.2009
Heute in den Feuilletons
14.12.2009 Die SZ ruft den Fundamentalisten der Aufklärung ins Gewissen: Die Religionsfreiheit war zuerst da. In der Berliner Zeitung konstatiert die Politologin Naika Forouta: 70 Prozent der Musliminnen in Deutschland tragen kein Kopftuch. In der Welt erklärt Monika Maron, warum sie keine Angst vorm Internet hat. FR und FAZ feiern Oliver Reeses Frankfurter "Phädra"-Inszenierung. In der FAZ spricht auch Werner Söllner über seine IM-Zeit. Aufregung im Netz: Google baut ein eigenes Handy.
Bücherschau des Tages
14.12.2009 Die FR empfiehlt sehr Johann Lippets "Das Leben einer Akte", in dem der rumäniendeutsche Lyriker von der Lektüre seiner Securitate-Akten berichtet. Sehr gut gefallen hat der SZ Roman Grafs "Herr Blanc", in dessen Leben erst gar nichts, dann 45 Jahre lang fast nichts passiert. Die FAZ liest Salamon Dembitzers beklemmende Flüchtlingsgeschichte "Visum nach Amerika" und Alexander Demandts Biografie Alexander des Großen.
Medienticker-Archiv
14.12.2009 Alfred Neven DuMont fordert staatliche Hilfe für das Kulturgut Zeitung - Generation Web 2.0 und die Folgen - Studie: Die deutschen Paid-Content-Muffel - Richtungswechsel: Zeit-Herausgeber Naumann wird Cicero-Chef - Watchblog für Presserechtsverfahren: Einsamer Kampf eines Gerichtreporters - Internet in China: Digitale Denunziation - 34 Gigabyte: Der tägliche Informationskonsum eines Amerikaners.
Dienstag, 15.12.2009
Magazinrundschau
15.12.2009 Vanity Fair sucht den Superpartner. Elet es Irodalom liest neue Essays von Imre Kertesz. Outlook India beklagt die Korruption im Journalismus. Der New Yorker liest eine neue Koestler-Biografie. Die nächste Revolution bricht in Frankreich aus, glaubt Nepszabadsag. Der Spectator begegnet auf einer Kostümparty einer Vagina dentata. In The New Republic feiert Moshe Halberthal die sublime Bescheidenheit Amartya Sens.
Heute in den Feuilletons
15.12.2009 Die FR erklärt die Dialektik heutiger Kapitalismuskritik in deutschen Stadttheatern. Man kann Klimaskeptiker sein und trotzdem kein Geld haben, antwortet Novo auf Attacken der FAZ. Im Iran sind zwölf Schwule zum Tode verurteilt worden - aber es entsteht auch eine Schwulenbewegung, melden die Gay City News. In der FAZ schreibt Andreas Maier eine Hommage auf Parastou Forouhar.
Bücherschau des Tages
15.12.2009 Die NZZ freut sich über eine neue Übersetzung von Gunnar Gunnarssons schicksalhafter Kriminalgeschichte "Schwarze Vögel". Ins Schwärmen gerät sie über Durs Grünbeins Essays "Die Bars von Atlantis". Die FAZ lässt sich von Charlotte Birnbaum auf den Geschmack von Pasteten bringen, gern auch mit Marzipan und Pfauhoden gefüllt. Als Manifest gegen die Fahrlässigkeit liest sie Bernard Stieglers Schrift "Von der Biopolitik zur Psychomacht".
Medienticker-Archiv
15.12.2009 Interview mit Peter Schaar zum Vorratsdatenstreit - NRW: Ministerin sperrt WDR-Seite - Tumult: Twitter legt den Niedersächsischen Landtag lahm - WikiLeaks: Enthüllungsportal in der Diskussion - Fotobeweis: Freischreiber-Aktion entlarvt Freien-Anteil - Politik-Einfluss beim ZDF: Krach im Fernsehrat - Huffington Post testet neue Werbeplattformen - Such mich: Suchen in Websites ist von gestern.
Karikaturen und Cartoons
15.12.2009 Eingebung.
Mittwoch, 16.12.2009
Heute in den Feuilletons
16.12.2009 Die SZ bringt eine chinesische Rede Martin Walsers mit einer Hommage auf den Kollegen Mo Yan. Die Welt erklärt Internet-Abstinenz zum Luxusgut. Die Blogs diskutieren über den Vorstoß einiger Springer-Zeitungen, die online nur noch im Bezahlabo zu lesen sind (oder durch die Google-Hintertür). Die taz bringt ein Dossier zum Thema Vorratsdatenspeicherung. Die Kritiker sind beeindruckt von James Camerons 3D-Spektakel "Avatar". (Aktualisiert)
Bücherschau des Tages
16.12.2009 Die FAZ schluckt ein bisschen schwer an Palmi Ranchevs Geschichten "Ein bisschen Glück für später", die hart am bulgarischen Alltag entlang erzählen: Hier gibt es nur Verlierer. Geistvoll und ertragreich findet die NZZ Felix Philipp Ingolds russische Kulturgeschichte "Die Faszination des Fremden". Die FR rühmt B. K. Tragelehns knorrige Shakespeare-Übersetzung "Maß für Maß".
Medienticker-Archiv
16.12.2009 Wolfram Schütte über Botho Strauss' "Vom Aufenthalt" - Weißrussland: Die Journalistin Irina Chalip bekommt Mordrohungen - Schlammschlacht der US-Zeitungsriesen - BGH gewichtet Pressefreiheit höher als Resozialisierung - E-Books: Ausweitung der Amazon-Zone - Bildung: Augenwischerei beim Bildungsgipfel? - Ab November 2010: Elektronischer Personalausweis kommt.
Virtualienmarkt
16.12.2009 Wenn es um die Kultur im Internet geht, dann soll es meist der Staat als Großer Regulator richten. Genauer gesagt der Nationalstaat. Vor allem Europa scheint sich von den einstigen universalistischen Vorstellungen des WorldWideWebs zu verabschieden.
Karikaturen und Cartoons
16.12.2009 Was gibt's da nicht zu verstehen?
Im Kino
16.12.2009 James Cameron setzt in seinem Hyper-Spektakel "Avatar" die Logik der Avatare gegen die Logik der Cyborgs. Und Spike Jonze lässt Max, den Helden aus Maurice Sendaks Kinderbuchklassiker "Wo die wilden Kerle wohnen", im Land seiner Fantasie auf eine zottelige Depri-Truppe stoßen.
Redaktionsblog - Im Ententeich
16.12.2009 Seit vorgestern sind einige regionale Inhalte des Onlineauftritts des Hamburger Abendblattes nur noch für zahlendes Publikum einsehbar. Über dieses Thema hat bereits Stefan Niggemeier in seinem Blog berichtet.
Donnerstag, 17.12.2009
Heute in den Feuilletons
17.12.2009 Die Zeit erzählt die haarsträubende Geschichte des einstigen Doyens der Musikwissenschaft Hans-Heinrich Eggebrecht - Jahre nach seinem Tod stellt sich heraus, dass er an der Ermordung von 14.000 Juden auf der Krim beteiligt war. In der Welt fordert Peter Sloterdijk eine Homöotechnik. Ars technica deckt die Kungeleien der Regierung Obama mit den Verwerterindustrien auf. In der NZZ ruft Brigitte Kronauer die Natur an. Die FAZ fragt: Wie antisemitisch ist Godard?
Bücherschau des Tages
17.12.2009 Einfach nur hinreißend findet die SZ die Schauspielerin (und Godards spätere Frau)
Anne Wiazemsky, die sich in "Jeune Fille" an ihren ersten Film mit
Robert Bresson erinnert (hier eine
Leseprobe). Jean-Michel Palmiers
Benjamin-Biografie lobt sie ebenfalls in den höchsten Tönen (noch eine
Leseprobe). Der Zeit beweist
Alan Pauls mit seinem Roman "Die Vergangenheit", dass es kein philosophischeres Thema als die
Liebe gibt. Die FAZ liest
Tim Davys' Kuscheltier-Krimi mit Tiefgang "Amberville".
Medienticker-Archiv
17.12.2009 Die Simpsons werden 20 - Qualität unter Druck: Weihnachtswünsche an das Internet - Interview: Springer-Chef Mathias Döpfner kritisiert Verleger - Der Fall Stefan N.: Vom Alpha- zum Aggro-Blogger - 34 GB täglich: 3,6 Zettabytes sind nicht genug - Vorratsdaten-Diskussion: Kritisch, aber nicht kritisch genug + Securitate-Verstrickungen: Die Landsmannschaft der Banater Schwaben und Werner Söllner.
Karikaturen und Cartoons
17.12.2009 Existieren Menschen?
Redaktionsblog - Im Ententeich
17.12.2009 Ist Jean-Luc Godard Antisemit?, fragt die FAZ heute. Nun ja, 1977 war er es jedenfalls, wenn man diese Passage aus einem hier dokumentierten Brief an den palästinensischen Lyriker Elias Sanbar liest. Godard denkt über das Foto eines "Muselmanen" nach. So nannte man in den KZ verhungernde Insassen im letzten Stadium. Auf französisch ist das Wort absolut identisch mit dem Wort für "Muslim" - nämlich "musulman". Nach einer dunklen Passage über ein "Urbild des jüdischen Volkes" schreibt Godard:
Freitag, 18.12.2009
Heute in den Feuilletons
18.12.2009 Ahmadinedschad (oder irgend so einer) hat Twitter gekapert. Techcrunch legt eine Nachtschicht ein und analysiert. Was ist, wenn Google auf die Idee kommt, sein Telefon zu verschenken?, fragt Gizmodo. Ilja Braun erklärt in irights.info, wie und warum die VG Wort im Netz eigentlich nicht so richtig funktioniert, außer für die Verlage. Die SZ lässt sich von einem wächsernen Pesttoten in Neapel über die Gegenwart informieren.
Bücherschau des Tages
18.12.2009 Als Generalangriff gegen die iranischen Verhältnisse versteht die SZ Amir Hassan Cheheltans radikalen Roman "Teheran Revolutionsstraße". Mit Hans Christoph Buch reist sie "Um die Welt in acht Nächten". Die NZZ preist Osamu Tezukas Manga-Horrorthriller "Kirihito" als Schwellenwerk zu seiner reiferen Phase.
Medienticker-Archiv
18.12.2009 Wolfram Schütte über Martin Provosts biografische Film-Phantasie "Seraphine" - Fast Flip: Google bastelt an der Zukunftszeitung - "Freibiermentalität", "Web-Kommunismus": Warum man mit Holzhammer-Sprüchen keinen Paid Content etabliert - Polnischer Pressemarkt: Zentralorgan statt Toilettenpapier - Godard im Heimkino - Endlose Ausdehnung des Zelluloid: Kinogeschichten in Gedichten + Psychoanalyse des Neuen Testaments.
Karikaturen und Cartoons
18.12.2009 Das Muster wird deutlich.
Samstag, 19.12.2009
Heute in den Feuilletons
19.12.2009 In der Welt prangert Juli Zeh unsere selbstgewählte intellektuelle Legasthenie an. Im Tagesspiegel erklärt Stepan Russ-Mohl den Zeitungen: Die Hölle im Netz sind die anderen. Die taz swingt in einem Buchladen in Venice Beach. Die SZ erklärt den Skyscraper Index, an dem sich der Stand einer Wirtschaftskrise ablesen lässt. Die FAZ kritisiert das geringe Interesse der Niederländer für die Massaker in ihren ehemaligen Kolonien.
Bücherschau des Tages
19.12.2009 Hellerfreut ist die SZ von Henry James' Erzählungen "Benvolio", die bisher nicht in deutscher Übersetzung vorlagen. Die taz ist ganz verzaubert von Urs Widmers burleskem Roman "Herr Adamson". Mit Freude nimmt die FAZ Ulrich Bechers wiederaufgelegten abgrundtief schwarzen Roman "Murmeljagd" von 1969 auf. Empfehlen kann sie auch die Schriftstellerinnen-Porträts "Leidenschaften". Und der FR aus der Seele spricht Katrin Hartmann, die in "Ende der Märchenstunde" mit der Bionade-Spießeridylle der Lohas abrechnet.
Montag, 21.12.2009
Heute in den Feuilletons
21.12.2009 Die Welt ist entsetzt über die späten Enthüllungen zur Vergangenheit des Musikwissenschaftlers Hans Heinrich Eggebrecht. Die taz hat ein wunderbares Last-Minute-Weihnachtsgeschenk gefunden: Reportagen aus 2.500 Jahren. Aus Anlass des Demjanjuk-Prozesses erinnert der Tagesspiegel an den Aufstand von Sobibor. Ein Gutes hat das Scheitern des Klimagipfels doch, meint die Achse des Guten: Der Sudan bekommt keine Entschädigung für Maßnahmen gegen den Klimawandel. Die FAZ hört Bach. Ach, und Peter Sloterdijk fordert nach Kopenhagen ein konstruktiv diabolisches Denken.
Bücherschau des Tages
21.12.2009 Die SZ lernt von Bragi Olafsson Roman "Der Botschafter", was für ein hartes Pflaster Island für Lyriker ist. Schaurigschön findet sie, wie John Cheevers mit dem "Schwimmer" das Ungeheure in die amerikanische Ostküsten-Idylle einbrechen lässt. Die FAZ bewundert die Nüchternheit und Lakonie, mit der Jerzy Bielecki in seinen Memoiren von Auschwitz erzählt. Und die taz versinkt in dem 2500 Jahre umfassenden Reportagenband "Nichts als die Welt".
Medienticker-Archiv
21.12.2009 Michael Schmidt-Salomons "Jenseits von Gut und Böse" - Jahrzehnt des Hoaxing: Unglaublich, aber falsch - Henryk M. Broder und Kopenhagen: Land unter in Tappenbeck - Einen Ansatz für die Zukunft des Paid Contents kennt Robin Meyer-Lucht - Ist Google doch böse? Suchmaschinenkonzern in Frankreich wegen Urheberrechtsverletzung verurteilt - Frank Schirrmachers "Schwellenjahr 2010": Die Echtzeit wartet schon.
Dienstag, 22.12.2009
Magazinrundschau
22.12.2009 Wired erzählt, wie James Cameron den Lucas haut. Im Nouvel Obs fetzen sich Alain Finkielkraut und Alain Badiou über Immigration und nationale Identität. Tygodnik Powszechny stellt den Künstler Miroslaw Balka vor. Warum untergrabt ihr die Demokratie?, fragt Andras Bozoki seine Landsleute in Elet es Irodalom. Im The New Statesman erklärt Leo McKinstry, warum die Bombardierung von Coventry eine Inspiration für die britische Luftwaffe war. Die Künstlerin Marina Abramovic erklärt in ArtNews welche Folgen es hat, wenn man nie von Mutter geküsst wird.
Heute in den Feuilletons
22.12.2009 Die Welt verliebt sich in schöne Schweine, keineswegs aber in architektonische Visionen der zugigen Mitte Berlins. In Carta plädiert der Schweizer Blogger Ronnie Grob für mehr direkte Demokratie - in Deutschland. In der Achse des Guten fordert Henryk Broder mehr Geld für ehemalige Zwangsarbeiter. In der SZ kritisiert Dirk von Gehlen den bloß kulturkonservativen Umgang mit dem Internet in Deutschland. Die Zeit baut Christoph Schlingensief einen grünen Hügel für sein Festspielhaus in Burkina Faso.
Bücherschau des Tages
22.12.2009 Die FAZ reibt sich vor Freude die Hände über Peter Henischs Roman "Der verirrte Messias", den sie besonders zu dieser Jahreszeit empfehlen kann. Mitgerissen hat sie auch Edna Mazyas Roman "Über mich sprechen wir ein andermal". Als wuchtig, finster und schwindelerregend preist die NZZ Yiyun Lis Roman über die Kulturrevolution "Die Sterblichen". Die SZ erlebt mit Vladimir Nabokovs Kommentar zu Puschkins "Eugen Onegin", wie Literatur aus Literatur hervorgeht. Und die FR liest Ror Wolf.
Medienticker-Archiv
22.12.2009 Details zu Googles Editions - Ländliche Robinsonade mit Schatzinsel: Wolfram Schütte über Pauline de Bok - Der Spion, der Zeitungen liebt: Ex-KGB-Agent will Independent kaufen - Im Dienst der Securitate? Gespräch mit Richard Wagner - Gratis & gebührenfinanziert: Tagesschau als App - Martin Suter über "Lila, Lila": Zwischen E- und U - Mordslaune im Krimiland: Der deutsche Regionalkrimi boomt - Online-Journalismus: Umsonst ist zu billig.
Karikaturen und Cartoons
22.12.2009 Meiner ist der Stärkste.
Essay
22.12.2009 Aktualisierung vom 25. Dezember, 8 Uhr: Liu Xiaobo ist zu elf Jahren Gefängnis verurteilt worden. // Auch wenn die deutschen Feuilletons es kaum zur Kenntnis nehmen: Dem bekanntesten chinesischen Dissidenten, Liu Xiaobo, drohen 15 Jahre Haft. Aktualisierung vom 23. Dezember. Das Urteil fällt am Freitag. Stainless Steel Mouse solidarisiert sich.
Mittwoch, 23.12.2009
Heute in den Feuilletons
23.12.2009 Im Freitag beschwört Alexander Kluge die Entstehung des Netzes aus dem Geist der Quanten. Reuters berichtet, dass der Prozess gegen Liu Xiaobo begonnen hat. Laut CNN wird das Urteil für Freitag erwartet. In der FAZ beschreibt Ernest Wichner den Zustand Rumäniens zwanzig Jahre nach 89 als unberechenbar. Die FR studiert ein Killer-App für das Iphone. Die FAZ bringt außerdem nochmal eine ganze Seite zum Fall Hans Heinrich Eggebrecht.
Bücherschau des Tages
23.12.2009 Ihre helle Freude hat die FAZ an Serhij Zhadans "Hymne der demokratischen Jugend", die alle ukrainischen Schlitzohr-Klischees auf die Spitze treibt. Sehr plausibel erscheint der NZZ, wie Diane Meur in "Die Lebenden und die Geister" die Geschichte einer galizischen Familie erzählt - aus der Sicht des Gutshauses. Die SZ besinnt sich mit G.K. Chesterton.
Medienticker-Archiv
23.12.2009 Hundert Jahre Samuel Beckett - Der Millionenirrtum: Murdochs Sky-Tick - Clamotten & Altpapier: C&A kauft Zeitungen - Digitale Gesellschaft: Der Krieg um das Internet - Schirrmachers "Payback" oder Der Mensch als Goethes Zauberlehrling? - Feldpost aus Afghanistan: Bundeswehr schikaniert SZ Magazin + Die Bibel und ich: A. J. Jacobs, der auszog, das Buch der Bücher wörtlich zu nehmen.
Im Kino
23.12.2009 In seiner Hamburg-Komödie "Soul Kitchen" will Fatih Akin das Leben selbst zeigen: Blut, Schweiß, Fritten und die zarten Hände einer Chiropraktikerin. Und mit "Bright Star" hat Jane Campion einen Kostümfilm über die sehr befristete Liebe des Dichters John Keats zu seiner Nachbarin Fanny Brawne gedreht.
Donnerstag, 24.12.2009
Heute in den Feuilletons
24.12.2009 Der Prozess gegen Liu Xiaobo dient dem chinesischen Regime dazu, die Grenzen des Dissenses neu festzulegen, meint die New York Times. Die SZ bekräftigt ihre Minderheitenposition gegenüber der Achse des Guten. In der NZZ ruft Fatih Akin: keine Angst vor Freiheit! In der FR erinnert sich Arno Widmann an seine letzte Begegnung mit Rudi Dutschke vor dreißig Jahren. Suhrkamp kommt nach Berlin, weil dort die klugen Leute sind, sagt Ulla Berkewicz in der Berliner Zeitung. Die Welt bringt eine Weihnachtsgeschichte von Sibylle Lewitscharoff. Und damit wünscht auch der Perlentaucher: Frohe Weihnachten!
Bücherschau des Tages
24.12.2009 Als Weihnachtslektüre etwas spät, trotzdem sehr nachdrücklich preist die NZZ Swetlana Geiers grandiose und so frische Neuübersetzung von Dostojewskis "Der Spieler". Sehr intensiv setzt sie sich auch mit Nabokovs Kommentar zu Puschkins "Eugen Onegin" auseinander. NZZ und FAZ sind hingerissen von Friederike Mayröckers Gedichten "dieses Jäckchen (nämlich) des Vogel Greif", deren Sprache ganz wunderbar klirrt und flimmert und vibriert. Auf ein geteiltes Echo stößt Barbara Hoffmeister bei FAZ und SZ mit ihrer Biografie des Verlegers S. Fischer, der heute vor 150 Jahren geboren wurde - und mit Vorliebe internationale Autoren herausgab, auf deren Werken kein Copyright lag.
Medienticker-Archiv
24.12.2009 Digitaler Wandel: Der Mensch verschmilzt immer mehr mit dem Internet: Kino + TV übers Netz und per Web macht die Jagd auf Schnee noch mal so viel Spass - ARD-Apps vs. Verleger: Viel Lärm um nichts - Yahoo-Deutschlandchef Terry von Bibra: Paid Content ist keine Lösung - Ungepflegte Langeweile: Die unangenehmsten Kulturerscheinungen - Sibylle Berg dichtet Besinnliches. Frau Müller träumt von Weihnacht + Quiz: Wie Dichter drehen und wenden.
Dienstag, 29.12.2009
Magazinrundschau
29.12.2009 In der New York Review of Books schreibt Tony Judt über seine ALS-Erkrankung. Im Merkur beschreibt Wolfgang Ullrich einen neuen Künstlertypus: den Auftraggeber. Der Economist erzählt, wie Fans Harry Potter weiterschreiben. In Prospect erklärt Cristian Mungiu, warum man über den Kommunismus lachen muss. In Nepszabadsag denkt Peter Nadas über die Krise in Ungarn und ihr mögliches Ende nach. Im NouvelObs erklärt Francis Ford Coppola, warum DVDs kostenlos sein sollten. Eurozine führt ein in die Literatur Litauens.
Heute in den Feuilletons
29.12.2009 In der FR erklärt die tschechische Mezzosopranistin Magdalena Kozena den feinen Unterschied zwischen Romantik und Barock. Für die FAZ liest Viktor Jerofejew einen Roman des hochrangigen Funktionärs Jurjewitsch Surkow. Die linke taz lässt sich von einem Theologen die Grenzen zulässiger Religionskritik ziehen.
Bücherschau des Tages
29.12.2009 Ein echtes Ereignis feiert die SZ: Die Edition von Jacob Burckhardts gewaltiger "Geschichte des Revolutionszeitalters", die sie ein Staunen lehrte, das sich zum Schaudern steigerte. Die FR lobt Reinhard Kaiser-Mühleckers Roman "Magdalenaberg" als zutiefst österreichisch, nur ohne Schimpftiraden. Für die NZZ geht Dagmar Leupolds gewagter Roman "Die Helligkeit der Nacht" bestens auf. Und die FAZ liest mit nach nachlassender Begeisterung Dietmar Daths neuesten Roman "Sie schläft".
Karikaturen und Cartoons
29.12.2009 Alles unter Kontrolle.
Mittwoch, 30.12.2009
Heute in den Feuilletons
30.12.2009 In der Zeit rappt Clemens Meyer das Jahr 2009 in den Orkus, Navid Kermani hat eine optimistische Vision für den Iran, und laut Ulrich Beck kommt es 2010 zu sozialen Unruhen (mindestens aber zu Tarifverhandlungen). In der FR weiß William Forsythe, dass er nichts weiß. In Island soll eine Informationsfreizone eingerichtet werden, meldet die taz. In der Welt erzählt der Jazzbassist Eberhard Weber, warum er mit einem Kaugummi unterm Schuh doch lieber in die Charite ging.
Bücherschau des Tages
30.12.2009 Die FAZ goutiert Corrado Augias' "Geheimnisse Roms" jedenfalls mehr als die FR Sarah Khans "Gespenster von Berlin" - oder genauer: Diese Gespenster kommen dem Rezesenten manchmal doch bedenklich nah. Für die Zeit bespricht Friedrich Wilhelm Graf die große "Geschichte der Reformation" von Thomas Kaufmann. Die NZZ feiert Patrick Leigh Fermors klassische karibische Reisereportage "Der Baum des Reisenden".
Im Kino
30.12.2009 John Sayles hat mit "Casa de los Babys" einen hervorragend besetzten Film zum Thema Adoptionstourismus gedreht - nach sechs Jahren ist er nun in (wenigen) deutschen Kinos zu sehen. Und Sony hat es für nötig erachtet, ein Remake des Horror-Halbklassikers "The Stepfather" zu produzieren.
Redaktionsblog - Im Ententeich
30.12.2009 Eine geradezu unglaubliche, aber durch ein Video belegte Szene erzählt Mina Ahadi vom Zentralrat der Ex-Muslime auf der Website des Humanistischen Pressedienstes.
Demonstranten haben in der iranischen Stadt Sirjan eine Hinrichtung verhindert und die beiden (bereits bewusstlosen) Delinquenten vom Galgen abgeschnitten: "Um neun Uhr bekomme ich dann diese Nachricht: Mina, die Menschen waren sehr entsetzt, von Anfang an gab es eine Demonstration und schließlich haben einige diese Jugendlichen gerettet und mitgenommen.
Ich bin überglücklich, denke aber zugleich, das ist nicht wahr, wie haben sie das gemacht?
Donnerstag, 31.12.2009
Heute in den Feuilletons
31.12.2009 In der NZZ erzählt Alfred Brendel die unglaubliche Geschichte der britischen Pianistin Joyce Hatto, die die Musikkritiker zu Narren machte. Das Blog Under the Jacaranda Tree übersetzt Reaktionen chinesischer Intellektueller auf das Urteil gegen Liu Xiaobo. In der FR unterhalten sich Timothy Garton Ash und Evan Williams über Gerüchte, Revolutionen und Technologie. Die taz sieht in die Zukunft und erblickt den Popislam, der gar nicht wehtut. Die Welt rühmt die Kühnheit der Theaterautorin Felicia Zeller. Die SZ erklärt, was die iranischen Frauen aus der Revolution gegen den Schah gelernt haben. Und damit wünscht der Perlentaucher: Guten Rutsch!
Bücherschau des Tages
31.12.2009 Glücksspiel ist der Ursprung des Kapitalismus, aber auch der sich nach allen Seiten absichernde Versicherungsmathematik, lernt die FAZ aus Keith Devlins
"Pascal, Fermat und die Berechnung des Glücks". Von Dieter Niemeyer lässt sie sich erzählen, wie eine Familie mit Aids lebt. Die FR begibt sich in Feridun Zaimoglus "Hinterland" und kommt leicht verknotet, aber doch ganz glücklich wieder raus.