Dienstag, 01.11.2022
Magazinrundschau
01.11.2022 Die Führungslosigkeit der iranischen Protestbewegung ist nicht nur ein Problem, sondern auch eine Chance, beobachtet Azadeh Moaveni in der LRB, die außerdem eine Hommage auf Stuart Hall bringt. Die New York Times blickt auf den Klimawandel und kommt dabei ganz ohne Moralinsäure aus. En attendant Nadeau porträtiert den Diaristen Jura Rjabinkin, der im Alter von 16 Jahren bei der Blockade von Leningrad starb. In Gentlemen's Quarterly hadert Alan Moore mit der Rezeption seiner Comics.
9punkt - Die Debattenrundschau
01.11.2022 Netzpolitik und The Intercept schildern das Ausmaß der Handyüberwachung im Iran, die DemonstrantInnen in Lebensgefahr bringen kann. Der Kampf gegen das Kopftuch im Iran und der Kampf für das Kopftuch in westlichen Gesellschaften sind eigentlich dasselbe, behaupten der Soziologe Eric Fassin und die Historikerin Joan W. Scott im NouvelObs. Die NZZ erklärt, warum sich linke Intellektuelle in Frankreich um den Antisemitismusvorwurf keine Sorgen machen. Die FAZ beteuert: In den Neuen Ländern demonstriert nur eine kleine Minderheit.
Efeu - Die Kulturrundschau
01.11.2022 Die Berliner Zeitung bewundert das großstädtische Bewusstsein, das Charlottenburgs Kulturbürgertum in Anne Schönhartings Fotografie an den Tag legt. In der Zeit erzählt Daniel Barenboim, wie seine schönsten Illusionen über die Musikalität der Welt platzten. Die FAZ spürt auf dem Jazzfest in Frankfurt das Feuer des kulturpolitischen Widerstands. Der Tagesspiegel feiert die Unbekümmertheit und Geduld des "Heimat"-Regisseurs Edgar Reitz, der heute neunzig wird. Schon um ausufernde Genderdiskurse einzubinden, rät die NZZ wieder zur Krawatte.
Medienticker
01.11.2022 Fusionsvorhaben von Random House und Simon & Schuster vor Gericht gescheitert - Andrea Breth wird siebzig: Friedrich Schiller hat ihr einen Brief geschrieben - NSU-Akten veröffentlicht: Rechtliche Konsequenzen für Böhmermann? - USA: Widerstand gegen Bücherverbote bzw. Bibliotheken wehren sich - Gedichte aus Guantánamo - Gespräch mit Edgar Reitz, dem Chronisten deutscher Alltagsgeschichte, zu seinem heutigen 90. Geburtstag + Hörbuch: Gespräche mit Exil-Wissenschaftlern.
Bücherschau des Tages
01.11.2022 Die FAZ liest deprimiert Patrick Radden Keefes Buch "Imperium der Schmerzen" über die fatale Opioidkrise der USA: Nicht mal als interessante Schurken taugt die Pharma-Familie der Sacklers, die einfach nur geldgierig und zynisch waren. Auch Martin Herzogs Geschichte der Einsatztruppe "GSG 9" kann sie empfehlen. Die taz liest Pierre Charbonniers Ideengeschichte zu "Überfluss und Freiheit". Die FR freut sich über die Bergung von Brigitte Reimanns Roman "Die Denunziantin". Und der Dlf bewundert Psychologie und Sinnlichkeit in Peter Nadas' "Schauergeschichten
Mittwoch, 02.11.2022
Efeu - Die Kulturrundschau
02.11.2022 In der SZ blickt der ukrainische Filmregisseur Oleg Senzow auf die verdammten neunziger Jahre zurück. Der Standard bewundert in Salzburg die Extravaganz des Fotografen Samuel Fosso. Etwas nüchterner erkundet die taz das Zusammenspiel von Farben und Formen im Josef-Albers-Museum in Bottrop. Die NZZ erörtert Ökologie und Ökonomie des Holzbaus. Außerdem erlebt die taz beim "Handke-Project" in Prishtina eine aufgeheizte Stimmung wie im Fußballstadion. Der Klassikbetrieb bleibt konservativ und frauenfeindlich, schimpft die SZ mit Blick auf die derzeitige Postenvergabe.
9punkt - Die Debattenrundschau
02.11.2022 Der schwule Autor Ilja Danischewski erzählt in der FAZ, dass es nach einem Gesetz für Homosexeuelle praktisch unmöglich geworden ist, noch in Russland zu leben. Russland bleibt gefährlich, auch wenn es den Krieg in der Ukraine verliert, warnen die PolitologInnen Andrea Kendall-Taylor und Michael Kofman in Foreign Affairs. In FAZ kann Herausgeber Jürgen Kaube nichts mit den Verteidigern der festklebenden Klima-Aktivisten anfangen, auch nicht mit Patrick Bahners. Und auf Gandhi können sich die Aktivisten auch nicht berufen, ergänzt Arno Widmann in der FR.
Medienticker
02.11.2022 Bob Dylans Philosophie des modernen Songs + ein Gespräch mit Wolfgang Niedecken über das Buch & die CD - Paul Maar über seine neuen (bisher unveröffentlichten) Reiseerinnerungen und Gedichte "Ein Hund mit Flügeln" - Antisemitismus im Internet: Wer stoppt den Hass? + dpa startet neue Faktencheck-Allianz.
Bücherschau des Tages
02.11.2022 Die FAZ stößt mit Dmitry Glukhoskys Grotesken das Tor zur russischen Hölle auf. Von Mooses Mentula lernt sie, wie man mit einem Schildkrötenpanzer und einem Beutel voller Bücher sein Leben neu ordnet. Mit angehaltenem Atem liest die SZ die Autobiografie von Gunilla Palmstierna-Weiss, deren Leben einem Bühnenstück glich. Von Juri Andruchowytsch erfährt sie, was Westradio in den Seelen der jenseits des Eisernen Vorhangs Geborenen auslöste. Dlf Kultur und SZ sind mindestens irritiert nach der Lektüre von Bob Dylans heute weltweit erscheinender "Habilitationsschrift".
Donnerstag, 03.11.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
03.11.2022 Friedensnobelpreisträgerin Olexandra Matwijtschuk schlägt in der FAZ Kriegsverbrechertribunale jetzt vor - und zwar vor Ort. 40 Prozent der Deutschen glauben zumindest "teil teils", dass die Nato Russland so lange provoziert hat, dass Russland in den Krieg ziehen musste", hat eine Umfrage herausgefunden, in den Neuen Ländern sind es 59 Prozent. In der FAZ möchte Eugen Ruge die Russen nicht dämonisieren, sondern mit ihnen verhandeln. In der Zeit fordert Navid Kermani, die Atomverhandlungen mit dem Iran zu stoppen. In der SZ möchte Heinz Bude sein neoliberales Ich loswerden.
Efeu - Die Kulturrundschau
03.11.2022 Die taz lässt sich beeindrucken von Pamela Meyer-Arndts Filmdoku über die "Rebellinnen" Tina Bara, Cornelia Schleime und Gabriele Stötzer, die in der DDR gegen alle Widerstände ihre Kunst machten. Der Tagesspiegel erinnert sich in einer Bonner Opern-Ausstellung wehmütig an die Zeiten, als Oper noch in erster Linie Uraufführung war. Die FAZ bewundert die präzise choreografierte Unfertigkeit von David O. Russells Filmkomödie "Amsterdam". Die Zeit blickt traurig auf Kanye West.
Medienticker
03.11.2022 Aktualisiert: Die Nominierten des Prix Goncourt; der in diesem Jahr an Brigitte Giraud für ihren bei Flammarion erschienenen Roman "Vivre vite" geht, in dem sie den Tod ihres Mannes bei einem Motorradunfall im Jahr 1999 thematisiert - Treffen von ukrainischen & deutschen Schriftstellern - Dmitry Glukhovsky im Gespräch aus dem Exil über die Situation in Russland - Wie schreiben über die Vergangenheit? Gespräch mit Ursula Krechel über Geschichte & poetische Einbildungskraft - Über Christoph Zuschlags "Einführung in die Provenienzforschung" - - Tom Buhrows Reform-Rede über die Zukunft von ARD+ZDF und spricht sich für eine "tabulose Richtungsdebatte" aus + November-Bestseller.
Bücherschau des Tages
03.11.2022 Zeit und Welt sind per Du mit Bob Dylan, nachdem er ihnen die Songs vorgespielt hat, die ihm am meisten bedeuten. Die FR räumt lieber mit Pulp-Frontmann Jarvis Cocker den Dachboden auf, während die NZZ kaum Tarantinos Tsunami entkommen kann. Die FAZ streift mit einem siamesischen Zwillingspaar durch das Skopje der Achtziger und bittet mit einem frühen Pynchon um "Erbarmen in Wien". Die SZ entdeckt mit Edmund Edel den "neuen Westen". Und Dlf Kultur jagt mit Lucky Luke vegane Ganoven.
Freitag, 04.11.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
04.11.2022 Olaf Scholz reist heute nach China. Das Handelsblatt weist nach, dass die KP Chinas in deutschen Unternehmen mit regiert. Claudia Roth sucht laut SZ nach einem Cache-Sexe für den Bibelspruch am Humboldt-Forum. War Tom Buhrows Rede über die Öffentlich-Rechtlichen eine Bombe? Hier herrscht Uneinigkeit. Und die Journalisten streiten auch über eine andere Frage: soll man Twitter verlassen? Oder soll man es nicht so ernst nehmen?
Efeu - Die Kulturrundschau
04.11.2022 Wie politisch eine gelbe Kuh und ein roter Engel sein können, lernt die FAZ in der Chagall-Ausstellung der Frankfurter Schirn. Wie unästhetisch eine politisch höchst korrekte Ausstellung über "Die grüne Moderne" sein kann, lernt die taz im Kölner Museum Ludwig. Die SZ schreibt um den Goncourt-Preis für Brigitte Giraud herum. Tagesspiegel und taz werfen in einer Studie zur Nazi-Vergangenheit des Berlinale-Gründers Alfred Bauer auch einen Blick auf den Mikrokosmos der jungen Bundesrepublik. Zeit online empfiehlt das Werk der britischen Soulband Sault - doch muss man sich mit dem Herunterladen beeilen.
Medienticker
04.11.2022 Aktualisiert: ZDF: 100 Millionen Euro für jüngere Zielgruppe - Dietmar Dath über Stephen King, wie dieser Elon Musk anrempelt - "Literatur hat ein einziges Zuhause, und das ist die Welt": Büchner-Preisträgerin Emine Sevgi Özdamar im Gespräch - Klebende Klimaaktivisten: Die Verhöhnung von Demokratie und Rechtsstaat - Tom Segevs Jerusalem Ecke Berlin: Erinnerungen eines weltberühmten Historikers - DDR-Doku Rebellinnen: Fotografieren war eine Art Widerstand + TV+Hörtipps für das Wochenende.
Bücherschau des Tages
04.11.2022 Die FAZ freut sich mit Gabriele Stötzer, dass der Atem der Erfurter Kunstszene länger ist als der der Stasi. Die FR streift mit Michael Kumpfmüllers modernem Jesus vergnügt durch das Berlin der Gegenwart. Mussolinis ganzes "Schmierentheater" erkennt die SZ in Emilio Lussus Augenzeugenbericht zum "Marsch auf Rom". Der Dlf verdankt der slowenischen Autorin Jela Krecic das amüsante Porträt eines "aufgeklärten Machismo". Und Dlf Kultur lernt Tom Segev in dessen Erinnerungen auch als skeptischen Historiker kennen.
Samstag, 05.11.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
05.11.2022 Die Financial Times erzählt, wie die ukrainische Bevölkerung im Gebiet von Cherson von den Besatzern drangsalisiert wird. Die taz erinnert daran, wie Stalin der "belarussischen Wiedergeburt" ein Ende bereitete. Tom Buhrow hielt seine Rede über die Öffentlich-Rechtlichen als Privatmann, aber als einer mit Untergebenen, hat die SZ herausgefunden. Im Tagesspiegel schildert Natan Sznaider das Dilemma der "ethnischen Demokratie" Israel. Die taz schildert Österreichs Nöte mit der allerjüngsten Vergangenheit. Die SZ will das mit Kopftuch differenziert sehen.
Efeu - Die Kulturrundschau
05.11.2022 Die Berliner Zeitung bestaunt revolutionäre ungarische Kunst aus dem Berlin der Weimarer Zeit. Die SZ bereitet sich innerlich schon auf Körperkontrollen in Museen vor. Der nachtkritik schnackeln die Augen bei den Line Dances des Nature Theater of Oklahoma. Die taz lässt sich von dem ugandischen Designer Bobby Kolade erzählen, wie man den Müll des Globalen Nordens als Ressource nutzt. Außerdem würdigt sie Emine Sevgi Özdamar, die heute mit dem Büchnerpreis ausgezeichnet wird. Barbra Streisand singt laut und das von Anfang an, lernt der Freitag aus den ersten Aufnahmen der Sängerin in einer New Yorker Bar.
Bücherschau des Tages
05.11.2022 Die FAS lernt von dem britischen Umweltaktivisten George Monbiot, dass auch Bioprodukte viel zu umweltschädlich sind: Er setzt auf Proteinpulver, wohl bekomm's. Die FR empfiehlt Gwendolyn Sasses historisch ausgreifendes Buch über den "Krieg gegen die Ukraine", Dlf Kultur Tanya Pyankovas Roman über den Holodomor in der Ukraine, "Das Zeitalter der Roten Ameisen". Die taz besucht mit Jean Malaquais' Roman "Planet ohne Visum" das Marseille des Jahres 1942. Der Dlf hält sich problemlos wach mit Samantha Harveys "Das Jahr ohne Schlaf". Über gute und schlechte Musik lesen FAZ und FR bei Bob Dylan, die taz bei Jarvis Cocker.
Montag, 07.11.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
07.11.2022 Wer jetzt Verständnis für Russland einfordert, verkennt, wer das Land in den Abgrund gerissen hat, antwortet Gerd Koenen in der FAZ auf Eugen Ruge. Während Elon Musk Twitter schleift, wird auch Mark Zuckerberg Tausende in seinem Meta-Konzern feuern, meldet das Wall Street Journal. Der SZ ist unwohl mit der Rhetorik der "Letzten Generation". Im Iran geht der Kampf gegen Kopfbedeckungen aller Art weiter, zeigen uns Twitter-Videos.
Efeu - Die Kulturrundschau
07.11.2022 Die Feuilletons feiern die Schriftstellerin Emine Sevgi Özdamar, die in Darmstadt den Büchner-Preis erhielt und sich mit einer Rede bei ihrem großen Bruder Georg bedankte. Die FR stürzt sich in Ruth Wolf-Rehfeldts poetische Buchstabenwellen. Die SZ freut sich über die Profanisierung von Peter Paul Rubens im Museum der Schönen Künste in Antwerpen. Die taz porträtiert die belarussische DJane Ludmilla Pogodina, die es aufgegeben hat, in Minsk die Menschen zum Tanzen zu bringen.
Medienticker
07.11.2022 Aus der Büchnerpreisrede von Emine Özdamar: Özdamar als "sprachmächtige, meisterhafte Erzählerin" - Lyrik-Auszeichnung: Der Trakl-Preis geht an Brigitta Falkner - "Bibliomania" in Bergisch Gladbach - Open Access bedeutet für die Verlagsbranche eine grundlegende Änderung" - Musk löst weltweit Empörung aus & Twitter holt offenbar Dutzende ehemalige Mitarbeiter zurück + Eine Stadt wird bunt ist Hamburg-Buch des Jahres.
Bücherschau des Tages
07.11.2022 Der Dlf bewundert, wie Cormac McCarthy in seinen raffiniert verbundenen
Romanen "Der Passagier" und "Stella Maris" die ganz großen Themen verhandelt.
Der DlfKultur lernt von Annett Meiritz und Juliane Schäuble, den Machtanspruch konservativer Frauen in den USA zu fürchten. Die NZZ lässt sich von Jürgen Kaube und André Kieserling das Schreckgespenst der gespaltenen Gesellschaft vertreiben. Die FR entspannt mit Matthias Wittekindts Krimi "Die rote Jawa".
Dienstag, 08.11.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
08.11.2022 Das Versöhnungsabkommen mit Namibia ist so umstritten, dass es möglicherweise neu verhandelt werden muss, berichtet die taz. In Atlantic beobachtet Anne Applebaum, dass Putin mit seiner Taktik der Furcht Erfolg hat. Der Aufstand der Frauen im Iran hat unwiderruflich etwas verändert, hofft der Exilautor Homayoun Alizadeh in der NZZ.
Magazinrundschau
08.11.2022 In HVG sucht der ungarische Autor Laszlo Darvasi die Realität hinter den Wahnbildern der Ungarn. In The Atlantic spießt Adam Hochschild das Vorbild Putins für den Überfall auf die Ukraine auf: den weißrussischen General Anton Denikin. Im Merkur erinnert den Historiker Benedikt Sepp die Pose der Kritik bei den Querdenkern stark an die der Achtundsechziger. Das Hufeisen existiert, meint mit Blick auf Frankreich auch Desk Russie. Der New Yorker lernt von dem Historiker Pekka Hämäläinen, dass die Ureinwohner Amerikas ihre eigene Geschichte der Eroberungen haben.
Efeu - Die Kulturrundschau
08.11.2022 Die FAZ lernt von ukrainischen Schriftstellern, dass der Krieg ihnen das belletristische Schreiben unmöglich macht. FR und FAZ streiten mit Wagners "Meistersingern" in Frankfurt, was gute Kunst ist. Mit angehaltenem Atem verfolgt die taz Rahul Jains Doku "Invisible Demons" über die Umweltverschmutzung in Delhi. Im Tagesspiegel erklärt Max Hollein die Open-Access-Politik des Metropolitan Museums. Im Standard beklagt Peter Nachtnebel die Kommerzialisierung der Clubszene.
Medienticker
08.11.2022 Wahltag in den USA - ARD-Stilblüten: Wenn Nagetiere sich öffentlich bei Twitter verschwören - Dominik Dombrowskis Gedichte zwischen Knaeipe & Metaphysik - Ludwig Könemann über die Buchhandechhandels-Krise & warum sein Verlag Buachdrucke storniert und seine Bestände verramscht - Claudius Seidl über seine Helmut-Dietl-Biographie "Der Mann im weißen Anzug" - Long Book-Covid: Der Könemann-Verlag storniert Buchdrucke und verramscht Bestände: Gespräch mit dem Verleger + Stefan Schwarz über seinen Vater, Generalmajor der Stasi ...
Bücherschau des Tages
08.11.2022 Die SZ jauchzt vor Begeisterung, wenn Stefano Massini die Pleite der Lehman Brothers als große Commedia dell'arte und in Versen erzählt. Die taz verfolgt beeindruckt, wie Amartya Sen seine Biografie "Zuhause in der Welt" zu einem großen intellektuellen Panorama aufspannt. Der Dlf liest Frank Rudkoffskys Roman "Mittnachtstraße" als tragikomisches Porträt eines ausgebrannten Journalisten.
Mittwoch, 09.11.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
09.11.2022 Die Autorin Sahar Delijani wurde 1983 im Ewin-Gefängnis in Teheran als Tochter von inhaftierten Khomeini-Kritikern geboren. Sie ist sich auf Zeit online sicher, dass es nach den Unruhen dieses Jahrs kein Zurück gibt. Des 9. November 1938, so scheint es, wird in diesem Jahr nicht ganz so routiniert gedacht wie in manchen Vorjahren: Josef Schuster erklärt in der SZ, warum: Die Schlussstrichforderungen kommen inzwischen von rechts, links und aus der bürgerlichen Mitte. So sieht's auch Michael Wolffsohn in der Jüdischen Allgemeinen. In Persuasion erklärt der Publizist Francisco Toro, warum Jair Bolsonaro einen so reibungslosen Machtwechsel in Brasilia möglich machte.
Efeu - Die Kulturrundschau
09.11.2022 In der NZZ verteidigt Milo Rau das Zürcher Schauspielhaus gegen seine Kritiker: Schiller und Goethe waren ober-woke! Die FAZ blickt bestürzt auf die Abgründe, die sich unter Felix Nussbaums "Trostloser Straße" auftun. Im Standard versichert Robert Harris, dass Charles III. ein Englisch des 21. Jahrhunderts spricht. Die taz lernt von Regisseur Hong Sang-soo, zwischen den Zeilen zu fühlen. Und im ND preist Berthold Seliger die Sinnlichkeit des dialektischen Souls, mit der ihn Asher Gamedze auf dem Berliner Jazzfest betörte.
Medienticker
09.11.2022 1848 - 1918 - 1923 - 1938 - 1989: Tage der deutschen Geschichte - Tarifauseinandersetzung: Bundesweiter ARD-Streik-Tag am Mittwoch - Literaturpreis für grotesken Humor an Gerhard Henschel - Soziologe Reckwitz zu den US-Midterms: Wie Amerika die Zukunft abhandenkommt Lyrik-Debüt: Sirka Elspaß über ihren Gedichtband "ich föhne mir meine wimpern" + Literaturpreis für grotesken Humor an Gerhard Henschel - Stockhausens "Freitag aus Licht" an der Opéra Lille: Fulminante Aufführung mit begeisterndem Kinderchor ...
Bücherschau des Tages
09.11.2022 Die FAZ freut sich über Georges Canguilhems Band "Über Maurice Halbwachs", mit dem der in Buchenwald ermordete französische Soziologe und Philosoph endlich bekannter gemacht wird. Die SZ empfiehlt tief beeindruckt die Texte des ägyptischen Bloggers Alaa Abdel Fattah aus dem Gefängnis. Die taz salutiert Lucky Luke, der sich diesmal statt mit "Hungriger Kojoten" mit "Flinker Lauch" herumschlagen muss. Dlf Kultur lässt sich vom Physiker Jens Soentgen in die Welt winzigster Staubpartikel entführen.
Donnerstag, 10.11.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
10.11.2022 Uff, kein roter Tsunami. Die New York Times-Kolumnisten atmen auf, aber geben nicht Entwarnung. Der Spiegel porträtiert den Roland Freisler des Iran, den Richter Abolghassem Salavati, der jetzt erste Prozesse gegen Demonstranten führt - das Staatsfernsehen überträgt. taz und FAZ verstehen nicht, warum das Goethe-Institut Tel Aviv eine Debatte über erinnerungspolitische Koinzidenzen von Nakba und Holocaust nun doch lieber nicht am 9. November führen ließ. Pia Lamberty und Katharina Nocun erklären in der SZ, wie Esoterik und Rechtsextremismus zusammenhängen.
Efeu - Die Kulturrundschau
10.11.2022 Utopie und Sündenfall findet der Tagesspiegel in David Cronenbergs neuem Film "Crimes of the Future", mit Menschen, denen dauernd neue Organe nachwachsen. Die SZ taumelt dabei von Höhepunkt zu Höhepunkt, der Perlentaucher sah gar den Sexfilm der Zukunft. Die Welt hat langsam genug von Autofiktion in der Literatur und fordert: Schreibt und lest nicht so romantisch! Das Van Magazin fragt, warum Tom Buhrow bei Kürzungen in den Öffentlich-Rechtlichen ausgerechnet die Orchester im Sinn hat. Für die Klimaaktivisten sind Museen nur Tempel des Warenfetischismus, glaubt Boris Groys in der SZ.
Medienticker
10.11.2022 Schrumpfkur: Kürzungen beim Goethe-Institut - Gespräch mit der Frankfurter (ab Samstag Ober-) Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg - Siegfried Schmidt-Joos über "Rock'n'Rau" + TV-Tipp: Barockmusik Heinrich Schütz + Buchcharts: Die aktuellen Bestsellerlisten
Bücherschau des Tages
10.11.2022 Die bewegte FAZ liest "Die Stille verschieben" als Etel Adnans Abschiedsgesang. Außerdem erfreut sich sich an der schwingenden Leichtigkeit von Ulrike Almut Sandigs Gedichtband "Leuchtende Schafe". So sensationell findet die Zeit den Briefwechsel von Ingeborg Bachmann und Max Frisch, dass sie darüber hinwegsieht, dass Bachmann eine Veröffentlichung nie wollte. Dlf Kultur taucht mit Anuk Arudpragasams Roman "Nach Norden" ein in das Leben und die Geschichte Sri Lankas.
Freitag, 11.11.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
11.11.2022 Kürzlich erst hat Wladimir Putin Cherson annektiert, jetzt geht er schon wieder, berichtet unter anderem die taz. Einige Artikel in den Zeitungen widmen sich heute der neuen russischen Diaspora: Über hunderttausend Russen sind allein nach Georgien geflohen. Die Financial Times berichtet: Rupert Murdoch hat mit Trump gebrochen. Die New York Post bringt ein hämisches Titelbild. Elon Musk richtet unterdessen laut The Verge Twitter systematisch zugrunde. Jüdische Allgemeine und Welt fragen: Wie sehr ist Bonaventure Ndikung, der kommende Chef des Hauses der Kulturen der Welt, für BDS?
Efeu - Die Kulturrundschau
11.11.2022 Während auf ukrainische Museen Bomben fallen, werden in russischen Museen Soldaten für den Krieg rekrutiert, erzählt in der NZZ Julia Waganova, Direktorin des Chanenko-Kunstmuseums in Kiew. Der Filmdienst begutachtet die Zombies in Claudia Müllers Porträtfilm über Elfriede Jelinek. Die Welt bewundert die phänotypische Vielgestaltigkeit der österreichischen Schriftstellerin. Die FR staunt über die fitte und gut gelaunte Mutter Wen Huis, die in deren Choreografie in "I am 60" tanzt. In der FAZ erklärt der ukrainische Dirigent Volodymyr Sirenko die zentrale Bedeutung der sinfonischen Ballade "Grażyna" von Borys Ljatoschynskyj für den ukrainischen Freiheitskampf.
Medienticker
11.11.2022 Aktualisiert: Ingeborg Bachmann & Max Frisch: Für immer sollte darüber geschwiegen sein - Stühlerücken beim PEN - Die Tricks von Mister Bürgergeld - Publizistik des Bauernkriegs : Die Hassreden der Gutenberg-Galaxis + Proteste im Iran und der iranischen Diaspora: Welche Rolle spielt die Literatur?- "Die Fliege im Bernstein" von Friedrich Sieburg + TV+Musikvideos+Hörtipps für das Wochenende.
Bücherschau des Tages
11.11.2022 Die FAZ liest den Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Max Frisch atemlos wie einen Roman. Mit Ian Kershaw reist sie in zwölf Kurzporträts durch die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Die NZZ empfiehlt Gertrud Leuteneggers kurze Notate über das Schreiben als Propädeutik über ein prekäres Geschäft. Die taz liest mit Gabriele Stötzers Bericht über die Erfurter Kunstszene der Sechziger bis Achtziger auch eine feministische Kunstgeschichte. Die SZ lässt sich von John Burnsides poetischer Melodik die Ängste nehmen.
Samstag, 12.11.2022
Efeu - Die Kulturrundschau
12.11.2022 FAZ und ZeitOnline sichten eine Reihe von Filmen über die Anschläge auf das Bataclan: Mit Bertrand Bonellos toxisch-sinnlichem Film 'Nocturama' entstand der eigentliche Wurf aber schon vor dem 13. November 2015, stellt die FAZ fest. ZeitOnline ringt nach Atem nach der Lektüre des Briefwechsels zwischen Ingeborg Bachmann und Max Frisch. Der Guardian erlebt bei der Kulturwoche Tiflis, wie Georgier und Ukrainer dem gemeinsamen Feind trotzen. Und alle trauern um den Popsänger und -kritiker Kristof Schreuf, der so viel Spaß am Lärm hatte.
9punkt - Die Debattenrundschau
12.11.2022 In der FAZ schaudert es Viktor Jerofejew, wenn sich russische Soldaten aus Angst, von ihren Generälen verheizt zu werden, hilfesuchend an ihre Obrigkeit wenden. In der NZZ hat Richard Herzinger das ganze Außmaß autokratischer Zerstörungswut vor Augen. In der FAS durchschneidet die Juristin Sophie Schönberger den historischen Nebel, den die Hohenzollern zu erzeugen versuchen. Die NYTimes und die NYRB rätseln, was Twitter aus Elon Musk gemacht hat.
Bücherschau des Tages
12.11.2022 Mit angehaltenem Atem folgt der Dlf dem Bericht "Nullpunkt" des ukrainischen Autors Artem Tschech, der 2015 für den Krieg in den Donbass einberufen wurde. Gebannt liest die FAZ Ray Lorigas düstere Kriegsparabel "Kapitulation". Als herrlich lakonische Gesellschaftssatire preist sie dagegen Julia Decks Roman "Nationaldenkmal", in dem ein alternder Filmstar in seinem Landschloss ums Leben kommt, während die Macrons die Gelbwesten zu besänftigen versuchen. Die taz empfiehlt den inspirierenden Klimaband "Drei Grad mehr". Hymnisch feiert sie Martha Coopers Bildband "Spray Nation" über die New Yorker HipHop-Kultur der achtziger Jahre.
Montag, 14.11.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
14.11.2022 Nach dem Rückzug aus Cherson zerfällt die russische Machtelite - und es gibt Gerüchte über ein Kapitulationsangebot des Westens an Putin, notiert die taz. In der FAZ erkennt der Osteuropaforscher Benno Ennker zwar Bezüge zum Faschismus bei Putin, aber die Kontinuitäten zum Stalinismus seien weitaus wichtiger. In der SZ kritisiert Sonja Zekri den Historiker Timothy Snyder, der die Geschichte der Ukraine besonders im Hinblick auf die ukrainische Kollaboration mit den Nazis schönrede. Die Welt malt sich in krassen Szenen ein Notwehrrecht der Bürger gegen Klebeattacken von Aktivisten aus.
Efeu - Die Kulturrundschau
14.11.2022 Die FR erliegt der obsessiven, rohen und rätselhaften Wucht der Black-Art-Ikone Jean-Michel Basquiat, dem die Albertina eine Retorspektive widmet. Passend dazu erleben Standard und Nachtkritik mit Tony Kushners "Engel in Amerika" im Burgtheater noch einmal das homophobe und rassistische Amerika der achtziger Jahre. Die Welt meldet nicht wirklich erleichtert eine Einigung zu Hamburger Bahnhof und Rieckhallen.Die taz erkennt einen neuen Mut zum politischen Akzent bei der Duisburger Filmwoche. Die SZ schwebt mit dem Kollektiv Sault im siebten Soul-Himmel.
Medienticker
14.11.2022 Volha Hapeyeva über die Zeiten dauernden Exils - Paul Ingendaay zum 100. Todestag von Marcel Proust: Sein Werk ist ein unaufhörliches Lachen - Kunst, Kultur und KI: Wie Technik Literatur und Musik verändert - Kulturpass für 18-Jährige: 200 Euro für Konzerte, Museen oder Kino - Iron East: Podcast beleuchtet den Heavy Metal der DDR.
Bücherschau des Tages
14.11.2022 Der DlfKultur lernt von Philipp Staab, dass die Avantgarde nicht mehr auf Fortschritt und Nonkonformismus setzt, sondern auf Anpassung. Literarisch und gesellschaftlich wertvoll findet die FR die von Ingrun Spazier herausgegebenen "Briefe aus der DDR". Die taz blickt mit Jacques Ranciere auf das 18. Jahrhundert, als die Landschaft zur Kunst wurde. Hin und weg ist der Dlf von Sylvia Plaths späten Gedichten "Das Herz steht nicht still", wie auch von Judith Zanders feinsinniger, präziser Übertragung. Die SZ rüstet sich für die WM in Katar.
Dienstag, 15.11.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
15.11.2022 Während die taz erzählt, wie russische Propagandisten noch den Rückzug aus Cherson als Erfolg verkaufen, denkt Anne Applebaum in Atlantic darüber nach, wie Russland als Demokratie zu denken wäre: das ginge nur als Nationalstaat, nicht mehr als Imperium. Innerhalb des russischen Imperiums aber, so Martin Schulze Wessel in Antwort auf Eugen Ruge in der FAZ, dominierte stets der russische Nationalismus. Ebenfalls in der FAZ erinnert Ines Geipel an Werner Schulz. Die SZ macht sich Gedanken über die Kirchen in Deutschland, die nicht mal mehr die Hälfte der Bevölkerung repräsentieren. Und die Welt fragt: Warum liebt die Welt autokratische alte Männer?
Efeu - Die Kulturrundschau
15.11.2022 Weder modern noch revolutionär findet der Guardian die deutschen Malerinnen, die die Royal Academy in ihrer Ausstellung "Making Modernism" zeigt, aber mitunter genial. Die NZZ folgt Banksys Spuren durch Kiews Vororte. Die Nachtkritik beobachtet bewegt, wie die Gruppe Futur 3 am Schauspiel Köln den Holodomor an den ukrainischen Bauern aufarbeitet. In der taz erklärt der chilenische Regisseur Sebastián Lelio, warum er in seinem Film "Das Wunder" vom Glauben nur mit Brecht erzählen kann. Und alle gratulieren dem Pianisten, Dirigenten und "Overachiever" Daniel Barenboim zum Achtzigsten.
Magazinrundschau
15.11.2022 Der Säkularismus hilft Indien nicht, wenn er benutzt wird, um das Kastenwesen zu übertünchen, meint Outlook India. Die London Review beobachtet beklommen, wie Tunesien zum Autoritarismus zurückkehrt. Der New Yorker versucht herauszufinden, was Taiwan im Fall eines chinesischen Angriffs von den USA erwarten kann. Die Taliban lernen gerade, wie man sich als Opfer religiösen Extremismus' fühlt, notiert Himal. Der Filmdienst entdeckt das tellurische Kino.
Medienticker
15.11.2022 Moritz Rinke über die Katar-WM - Daniel Kehlmanns Schillerrede: Von Wallenstein lernen - Glückwünsche: Daniel Barenboim zum 80 & Petula Clarke zum 90. mit Songanalyse von "Downtown" - Über Ben Wilsons Weltgeschichte der Städte - Maggie O'Farrells märchenhafter Roman "Porträt einer Ehe" über die Renaissancefürstentochter Lucrezia di Cosimo de Medici+ TV-Tipp: Gendern, Euer Ernst? Darüber diskutiert das "Bürgerinnenparlament" im NDR ...
Bücherschau des Tages
15.11.2022 Ordnung ist anti-urban, ruft die SZ ausgelassen und saust mit Ben Wilson durch die Weltgeschichte der "Metropolen". Die FAZ erinnert sich mit Chiara Valentini gern an Enrico Berlinguer, den großen italienischen Melancholiker der Revolte. Fair und informativ findet heute auch der Dlf Nicolas Fromms Buch über "Katar". Der DlfKultur ist begeistert von Jamey Bradburys fantastischen Alaska-Roman "Wild".
Mittwoch, 16.11.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
16.11.2022 Claudia Roth hat ihre Rolle als Kulturpolitikerin noch nicht gefunden, konstatiert die FAZ in einer kritischen Bilanz ihres ersten Jahrs als Kulturministerin. Schon ihre Vorgängerin Monika Grütters hat in der Coronakrise die Kulturmiiliarde zumindest teilweise an die Falschen vergeben, hat Dlf Kultur herausgefunden. Ahmad Mansour kann es in der NZZ mit Blick auf Katar nicht fassen, wie naiv Europa mit dem politischen Islam umgeht. In der SZ wirft die Politologin Azadeh Zamirirad der iranischen Diaspora vor, sich mit internen Kämpfen lahm zu legen. Trump kandidiert neu, und die Republikaner trauen sich nicht ins Labyrinth, konstatiert David Frum in Atlantic.
Efeu - Die Kulturrundschau
16.11.2022 Der Guardian entdeckt Witz und Melancholie in den Skulpturen der polnischen Künstlerin Magdalena Abakanowicz. Die FAZ erkennt im Fahrraddesign technische Revolution und Konzeptstudie zugleich. Die taz gibt zu bedenken, dass vielleicht auch der identitätsstiftende Konsum des Neoliberalismus schuld ist am Zuschauerschwund. In der SZ plädiert Karoline Herfurth für mehr Elternfreundlichkeit am Filmset. Außerdem wiegt sich die taz im Jazz der Harfenistin Alina Bzhezhinska.
Medienticker
16.11.2022 Strukturwandel des Lehrbuchmarkts - Mitteleuropa neu erzählen: Tanja Maljartschuk über das von ihr organisierte Forum beim Literaturfest München - Gerrit Wustmann über iranische Gegenwartsliteratur - KI & Philharmonie: Robbie Williams in der Elbphilharmonie - TV-Tipp: Urteilsverkündung zur Berliner Wiederholungswahl im rbb.
Bücherschau des Tages
16.11.2022 Dlf Kultur lässt sich von Patrick Radden Keefe über das "Imperium der Schmerzen" der Sackler-Familie aufklären. Die FAZ empfiehlt die Gedichte Marieke Lucas Rijnevelds. Die SZ schärft ihr Denkvermögen mit Leo Strauss. Der Dlf hört wahnsinnig gern zu, wenn die Jelinek jelinekelt. Die FR versetzt sich mit Frauke Buchholz' Krimi "Blutrodeo" in den Norden Kanadas, wo der Ölsandabbau blutige Spuren hinterlässt.
Donnerstag, 17.11.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
17.11.2022 Timothy Snyder war in der Ukraine und kommt in seinem Blog mit einem Spendenaufruf zurück: Er sammelt Millionen für den "Shahed Hunter". Auch deutsche Intellektuellen machen sich Sorgen und artikulieren sie in einem Aufruf. Das Entstehen von autokratischen Ideologien links und rechts hat für Ivan Krastev eine Menge damit zu tun, dass unsere Gesellschaften altern, sagt er in der Zeit. Der Politologe Markus Linden untersucht auf Zeit Online ein neues Bündnis von Mob und Elite. Bei Soziopolis erklärt Soziologe Nils C. Kumkar, warum die "Letzte Generation" gar nicht anders handeln kann.
Efeu - Die Kulturrundschau
17.11.2022 Die taz strebt ins Diözesanmuseum Freising wie die Motte zum Licht - katholische Ikonografie, in Szene gesetzt von amerikanischer Landart, erweist sich als unwiderstehliche Kombination. Die NZZ erlebt einen Auftritt von Furtwänglers Stieftochter bei der Premiere von Christian Bergers Dokumentarfilm "Klassik unterm Hakenkreuz" - welch ein Verdrängungstheater. Die Filmkritiker schwenken Weihrauch zum Achtzigsten von Martin Scorsese, den Mann des brillanten Einzelstücks, wie ihn die SZ rühmt, oder Meister der konfliktreichen Kollaboration, so die FAZ, oder auch schlicht den größten lebenden Filmemacher, wie der Filmdienst meint.
Medienticker
17.11.2022 Welttag der Philosophie: Thea Dorn über Philosophie und Literatur - Nannen-Preis bleibt STERN-Preis - Nachruf: Keith Levene prägte den Gitarrensound nach dem Punk - Jazzlabel FMP: Der diskrete Charme des freien Jazz - Reine Bildgebung spezial: Art Cologne 2022 + In memoriam Iannis Xenakis: Das Vermächtnis für die elektronische Musik auf dem Berliner x100-festival - Buchcharts: Die aktuellen Bestsellerlisten.
Bücherschau des Tages
17.11.2022 George Sands Seele hatte kein Geschlecht. Ob Frau oder Mann, das war ihr eins. Und das schon im 19. Jahrhundert, wie man jetzt auch in ihrem Roman "Gabriel" lesen kann, den die FAZ empfiehlt. Die SZ ruft mit Bruno Latour und Nikolaj Schultz die ökologische Klasse zu mehr Klassenbewusstsein auf. Die Zeit hangelt sich durch Elfriede Jelineks "Angaben zur Person" und genießt den gewaltigen Menschheitsschauer, den Cormac McCarthys Roman "Die Passagiere" in ihr auslöst.
Freitag, 18.11.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
18.11.2022 Elon Musk zerstört Twitter - The Verge sieht zu: Eine Hälfte des Personals hat er gefeuert, die andere kündigt selbst. Der Zusammenbruch steht bevor, fürchtet auch die Financial Times. Der Reporter Teseo La Marca berichtet für die taz aus dem Iran - und konstatiert ganz klar: Der Protestbewegung geht es nicht um Reformen, sondern um Revolution. In der FAZ verteidigt Claudius Seidl das Recht der "Letzten Generation" so zu protestieren, wie sie protestiert. Deutschland sollte die Verteidigung Israels nicht mehr als Teil der Staatsräson betrachten, findet Meron Mendel in der SZ.
Efeu - Die Kulturrundschau
18.11.2022 Die Welt erzählt, wie Monica Bonvicini von einem anonymen Kollektiv mit dem sozialen Medienpranger gedroht wurde, falls sie sich nicht von ihrem Galeristen Johann König trenne. Die SZ entdeckt im Kupferstichkabinett Dresden den letzten Romantiker: Albert Venus. taz und Pitchfork empfehlen das neue Album von Weyes Blood. Die FAZ beugt sich in der Pariser Bibliothèque Nationale freudig über die Späne von Marcel Prousts Werk.
Medienticker
18.11.2022 Aktualisiert: Bachmann/Frisch: "Es lag ein Unheil auf dieser Beziehung" - Gendergap in der Philosophie: Es gibt kein weibliches versus männliches Denken - Philosophie & Klimakrise: Ohne Feminismus gibt es keine Welt-Rettung - Arabische Philosophinnen: Feminismus & Schmerz - Feministische Philosophie: Wenn Sorgearbeit das Denken belastet - Krimi: "Die rote Jawa" von Matthias Wittekindt - In der Ukraine schreibt niemand mehr einen Roman, meint Andrej Kurkow - Literaturgeschichte & Liebe im Stellenkommentar: Bachmann/Frisch Briefwechsel "Wir haben es nicht gut gemacht" - Rosa von Praunheim über seine Theatertexte + TV+Hör-Tipps fürs Wochenende.
Bücherschau des Tages
18.11.2022 Die SZ empfiehlt zu Marcel Prousts hundertstem Todestag Andreas Isenschmidts virtuosen Essay „Der Elefant im Raum“, der ihr eine ganz neue Lesart der „Recherche“ offenbart. Der Dlf rät, sich dem Pynchon-Kosmos mit dessen früher Erzählung „Sterblichkeit und Erbarmen in Wien“ zu nähern. Die FR spürt einen Hauch von Freiheit in den Versen des syrischen Dichters Sam Zamrik. Die FAZ sieht Wohlbekanntes in Sachen Frankfurter Schule dank Christian Voller ganz neu. Dlf Kultur staunt, wie Sorj Chalandon seinem Vater literarisch den Prozess macht.
Samstag, 19.11.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
19.11.2022 Michel Friedman zieht im Gespräch in der NZZ eine sehr bittere Bilanz der deutschen Vergangenheitsbewältigung - und der bitterste Moment für ihn war das Schweigen Olaf Scholz'. Die Fußball-WM beginnt. Wenn wir sie boykottieren, müssen wir dann nicht auch VW und Bayern München boykottieren, fragt Moritz Rinke in der FAZ. Fast alle im RBB müssen sparen, nur seine aktuellen und ehemaligen Leitungsfiguren nicht, konstatieren FAZ, SZ und der RBB selbst. In der taz fordert Golineh Atai Solidarität mit den Frauen im Iran.
Efeu - Die Kulturrundschau
19.11.2022 Hyperallergic besucht den Maler Ha Chong-Hyun in Südkorea und erzählt uns von der Tansaekhwa-Bewegung. Ein Ereignis, jubelt die SZ über den Briefwechsel Bachmann/Frisch. Die FR lernt, dass Bachmann Frischs Roman "Mein Name sei Gantenbein" sogar redigiert hatte. Warum war sie also so wütend? Artechok denkt über den Zustand der Kritik nach in einer Zeit, in der jeder glaubt, voraussetzungslos mitquatschen zu dürfen. In der NZZ antwortet Nicolas Stemann auf seine Kritiker: Woke Ästhetik gibt es gar nicht. Die taz hört Jazz in Vilnius.
Bücherschau des Tages
19.11.2022 Heute ist ein großer Tag für die österreichische und Schweizer Literatur. Gebannt besprechen FR, Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur und SZ den ziegelsteindicken Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Max Frisch und saugen eine Menge Neuigkeiten auf, etwa über Bachmanns Tablettensucht. Die taz bemüht sich dann zwar und lernt mit Woo-kyoung Ahn "Klar denken". Aber am Ende hilft nur das ebenfalls von der taz empfohlene "illustrierte Kompendium der psychoaktiven Pflanzen" von Kat Mensching und Jakob Hein.
Montag, 21.11.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
21.11.2022 Russland kann erst wieder zu sich kommen, wenn es sich gründlich von seinen nationalistischen Mythen verabschiedet, schreibt der russische Ökonom Wladislaw L. Inosemzew in der NZZ. Die FAZ verspürt bei der Lektüre Yuval Noah Hararis den "eisigen Hauch des Determinismus", der diesen Autor nicht zufällig zum Chouchou der Silicon-Valley-Libertären mache. Die Jüdische Allgemeine kommt auf die antisemitischen Slansky-Prozesse in der CSSR vor siebzig Jahren zurück. Suchen Sie ein friedliche Alternative zu den sozialen Medien? Die SZ empfiehlt Mastodon.
Efeu - Die Kulturrundschau
21.11.2022 NZZ und Tages-Anzeiger freuen sich über den Schweizer Buchpreis für Kim de l'Horizon. Beim Gedanken, dass Annie Ernaux und nicht Salman Rushdie in diesem Jahr den Nobelpreis erhält, könnte Maxim Biller in der Zeit glatt seinen Glauben an die Gerechtigkeit in der Literatur verlieren. Die Berliner Zeitung heult über Yael Ronens Boulevardkomödie "Blood Moon Blues" mit den Wölfen in Brandenburg. Die FAZ feiert im neu eröffneten Diözesanmuseum Freising eine Kunstmesse. FAZ und SZ trauern um Jean-Marie Straub, den großen Kämpfer der Kino-Resistance.
Medienticker
21.11.2022 Musk gibt Trumps Twitter-Konto frei - Filmförderung in der Krise - In memoriam Proust: Die Entflohene: Kummer und Vergessen & Von Henze bis Nemtsov: Musik mit Proust - Kritik: Löst die Masse die Experten ab? - Open Mike 2022 - WDR-Lokal: Nah dran sein ist neben der Digitalisierung eines der großen Zukunftsversprechen der ARD in einem Land jenseits der Trolle - Das Atonal würdigt Iannis Xenakis: Musizieren nach Zahlen + WM-Katar: Leere Ränge, volles Fan-Fest & Polizisten auf Kamelen.
Bücherschau des Tages
21.11.2022 Die FR lernt von der philippinischen Nobelpreisträgerin Maria Ressa, wie man sich einem Diktator entgegenstellt: Entscheidend ist das Entlarven von Desinformationen. So sieht das auch die NZZ mit Blick auf Jessikka Aros Buch "Putins Armee der trolle". Die SZ liest berührt Hans-Hermann Klares Biografie des jüdischen Unternehmers Philipp Auerbach, der sich als Anwalt der Überlebenden sehr unbeliebt bei den Bayern machte. Die FAZ stellt neue Hörbücher vor, darunter Stimmen vertriebener Wissenschaftler. Der Dlf bewundert mit John Jeremiah Sullivan einfach mal Schönheit und Geschwindigkeit von Rennpferden.
Dienstag, 22.11.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
22.11.2022 Während die iranischen Fußballer Mut zeigen und bei der WM ihre Hymne nicht mitsingen, geben sieben mächtige europäische Fußballverbände nach und verzichten auf ihre "One Love"-Armbinde. Ein verdächtig willfähriges Einknicken, findet die SZ. hpd.de staunt über die britische Regierung, wo eine Abtreibungsgegnerin sich jetzt um Gleichstellung kümmern soll. Ebenfalls hpd.de zitiert aus einem Grundsatzpapier der bayerischen FDP zu Staat und Religion,das geradezu revolutionär klingt. Die FAZ thematisiert die genozidale Politik Chinas in Xinjiang.
Efeu - Die Kulturrundschau
22.11.2022 Die Welt plädiert nach der ihrer Meinung nach voreiligen Absetzung von Wajdi Mouawads Stück "Die Vögel" dafür, die Waffen der Kritik zu schärfen. Die Ausgrabung des etruskischen Thermalbads in San Casciano dei Bagni raubt der FAZ den Atem. Der taz lernt mit Patrick Holzapfel beim Open Mike, Politik zu gurgeln. In der FAS spricht Regisseur Luca Guadagnino über die Schönheit von Außenseitern. Und die SZ meldet die Verhaftung der beiden iranischen Schauspielerinnen Hengameh Ghaziani und Katayoun Riahi.
Magazinrundschau
22.11.2022 Die LRB liest zwei Bücher zur Fußball-WM und Katar: 250 Milliarden Dollar hat Katar seit Vergabe des Turniers ausgegeben. Einen Entschädigungsfonds für ums Leben gekommene Wanderarbeiter möchte man aber lieber nicht einrichten, berichtet Prospect. Wie gut die Golfstaaten insgesamt im Sportswashing sind (und wie gern europäische Fußballclubs davon profitieren), erzählt Vanity Fair. In El Cultural rät die Schriftstellerin Cristina Morales von Dating Apps ab: Damit ist schlechter Sex garantiert. Harper's blickt auf den Wanderzirkus internationaler Organisationen, der in Niger floureszierende Cocktails schlürft. Der New Yorker reist ins antarktische Nichts.
Medienticker
22.11.2022 Kein Deal zwischen Penguin Random House und Simon & Schuster - Alex Rühle fragt sich wo Europa liegt - Meredith Monk zum 80.: Immer ihrer Zeit voraus; ihre Stimme ist das Ein & Alles - Über César Rendueles egalitaristisches Pamphlet "Gegen Chancengleichheit", eine Provokation gegen die Logik der Chancengleichheit bzw. gegen die Ideologie einer Gesellschaft, die sich nur noch als Wettbewerb aller gegen alle denken kann - Pop für kleine Leute "Elvis, Kate & Ziggy" kleines Alphabet der Popmusik + Es lebe die Erzählung! Aufruf zum besten Erzählband des Jahres ...
Bücherschau des Tages
22.11.2022 Die FAZ erkundet mit Stine Pilgaards Roman "Meine Mutter sagt" die Generation der Millenials, die aus Bequemlichkeit und Überzeugung nichts zustande bringe. Mit Sarah Kirsch blickt sie vom Deich auf das Berlin der Wendezeit. Die SZ durchlebt mit Matthias Matschke noch einmal die öden Achtziger im Odenwald. Der Dlf reist mit William Beckford nach Italien.
Mittwoch, 23.11.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
23.11.2022 "Unfassbar scheinheilig" ist die Geschichte um die "One Love"-Binde, und dies von allen Seiten her betrachtet, finden SZ, Guardian und die taz. Die FAZ erzählt, wie der staatlich bestellte "Sunnitische Rat" in Baden-Württemberg liberale Theologen drangsaliert. Das Bundeskanzleramt ist zwar jetzt schon zehnmal so groß wie Downing Street Nummer 10 in London, aber es soll nochmal verdoppelt werden, staunt ebenfalls die FAZ. Und Dissent berichtet über den Streik an den kalifornischen Unis - den größten in der Geschichte amerikanischer Universitäten.
Efeu - Die Kulturrundschau
23.11.2022 Die SZ beobachtet leicht abgestoßen, wie sich Hollywood-Größen an Katar und Saudi-Arabien anbiedern. Dezeen blickt auf ein 4,4 Kilometer hohen Abgrund katarischer Schäbigkeit. Mitten ins Herz trifft Luca Guadagnino den Tagesspiegel mit seiner Kannibalenromanze "Bones and All". Im chinesischen Kino florieren dagegen glamouröse Großstadtliebesgeschichten, weiß ZeitOnline. Die FR feiert das Basler Kulturzentrum Elys als Pionierprojekt in Sachen Urban Mining. Die FAZ berauscht sich im Städel an Guido Renis Farbspektakeln. Und der Streit um Teodor Currentzis geht weiter.
Medienticker
23.11.2022 10 Milliarden Dollar Verlust mit Alexa - SWR Kultur: SWR bündelt seine Kultur-Angebote unter einheitlicher Marke - Musiktipps: Euro Jazz Media Charts November 2022 & Lob der Hausmusik - Buchcharts: Die aktuellen Bestsellerlisten - YouTube testet neue Community-Features + WM-Quoten brechen am zweiten Turniertag spürbar ein ...
Bücherschau des Tages
23.11.2022 Die FAZ lässt sich von Vinciane Despret erzählen, "Wie der Vogel wohnt". Mit Bewunderung liest sie außerdem die Erinnerungen der vor wenigen Tagen gestorbenen Bühnenbildnerin Gunilla Palmstierna-Weiss. Die FR feiert Mohamed Mbougar Sarrs "Die geheimste Erinnerung der Menschen". Die taz liest Lukas Bärfuss' erstaunliche Geschichte seines obdachlosen Vaters. Der Dlf folgt Tina Pruschmanns Zirkuskind in "Bittere Wasser" bis nach Kiew.
Donnerstag, 24.11.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
24.11.2022 Ein Team von CNN-ReporterInnen weist in einer Online-Reportage nach, dass iranische Behörden Vergewaltigung als Waffe gegen Demonstrantinnen benutzen. In der Welt kritisiert Thomas Schmid die Dirk-Moses-Fraktion im Historikerstreit 2.0, fragt aber auch, wie sich das Gedenken aus seiner Ritualisierung lösen lässt. Die katholische Kirche will ihr Arbeitsrecht reformieren, schön, findet hpd.de, aber die Initiative dazu sollte vom Staat ausgehen. in der FAZ träumt die Wissenschaftshistorikerin Lorraine Daston doch nochmal den Traum von der Einheit der Wissenschaft.
Efeu - Die Kulturrundschau
24.11.2022 Die SZ bestaunt die Imageproduktion von Renaissance-Künstlern, obwohl die ohne Instagram auskommen mussten. Die Zeit staunt über die Harmonieseligkeit auf einem Kongress über die Zukunft der Kritik. Die FAZ blickt verblüfft auf Teddys in Balenciaga-Netzhemden, die sich in Kinderarme kuscheln. Zeit online lernt aus James Grays Film "Zeiten des Umbruchs", wie sich die soziale Kälte in Amerika historisch zementierte. Tell liest Nabokov vor dem Hintergrund des Ukrainekriegs.
Medienticker
24.11.2022 Frauen sichtbar machen: Gespräch mit der Sprachwissenschaftlerin Luise F. Pusch + Kathy Ackers Punkliteratur war lange ein Geheimtipp - Russische Literatur ins Altpapier oder Bücherentsorgung in der Ukraine: Comics, aber auch Klassiker wie von Tolstoi - Daniel Cohn-Bendit wirft den Protestierern der "Letzten Generation" vor, ihrem Anliegen zu schaden ... Die Kunst des Lobbyierens: Förderprogramm "Neustart Kultur" - Vom Kinderstar zur Popikone: Sängerin Miley Cyrus wird 30.
Bücherschau des Tages
24.11.2022 Dlf Kultur durchlebt mit Ben Moores "Sternenstaub" 42 verpasste Chancen für einen Nobelpreis. Die FAZ feiert Zaza Burchuladzes Roman "Zoorama" als rettendes Museum für experimentelle Prosa. Die Zeit begibt sich mit Norbert Gstreins "Vier Tage, drei Nächte" in ein sehr toxisches Beziehungsgeflecht. Und sie besucht mit Micha Lewinsky "Holly im Himmel".
Freitag, 25.11.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
25.11.2022 Die Journalistin Natalja Sindejewa und die Anthropologin Alexandra Arkhipova analysieren in FR und Zeit online die russische Propaganda. Die FR fragt: Wenn Timothy Snyder Spenden für Drohnen einwirbt, muss man dann noch seine These ernstnehmen, dass die russische Kriegsführung genozidal ist? Die Grünen-Politikerin Tuba Bozkurt verteidigt in der taz die Kopftuchlosigkeit im Iran und das Kopftuch an Berliner Schulen. Die FAZ fordert Fußfesseln für gewalttätige Männer. Und traurig ist sie auch: Geht nun auch noch der Fischer-Verlag nach Berlin?
Efeu - Die Kulturrundschau
25.11.2022 Update: Hans Magnus Enzensberger ist gestorben. Auch die SZ wünschte sich jetzt nach den Äußerungen einiger putinliebender Musiker aus Teodor Currentzis' MusicAeterna eine Distanzierung des Dirigenten. Suspendierungen findet sie allerdings unpraktikabel. Die FAZ schwärmt von Frances O'Connors Film "Emily" über Emily Brontë. Die FR entdeckt in einer Frankfurter Ausstellung die Werke vierer jüdischer Künstlerinnen.
Medienticker
25.11.2022 Aktualisiert: Sprache: Das Kulturradio hat ein Problem mit dem Wörtchen "so" - Free Hate Speech? Bundesjustizministerium bestreitet, dass Twitter Löschpflichten umgehen darf - In memoriam Jean-Marie Straub: Eine Erinnerung von Wolfram Schütte - Sohn Diderots, Poet & Denker in schönster Tradition der Aufklärer: Hans Magnus Enzensberger ist tot + TV+Hörfunk-Tipps fürs Wochenende.
Bücherschau des Tages
25.11.2022 Die FAZ blättert begeistert in Erna Wagner-Hehmkes Fotos über den Gründungsakt der deutschen Verfassung. Die NZZ lässt sich von Daniel Ryser das dramatische Leben des Rappers Stress erzählen. Die SZ lauscht indes Chantal Akerman, die ihr eine grausame Mutter-Tochter-Geschichte erzählt. Ganz anders als andere Einwanderergeschichten erscheint dem Dlf Dincer Gücyeters "Deutschlandmärchen".
Samstag, 26.11.2022
Efeu - Die Kulturrundschau
26.11.2022 Die Zeitungen verneigen sich ein letztes Mal vor Hans Magnus Enzensberger, dem großen Chronisten, der dem Zeitgeist immer eine entscheidende Bleistiftlänge voraus war, wie die Welt schreibt. Die NZZ verabschiedet einen Luftikus, mit dem ideologisch kein Staat zu machen war. In der FAZ ärgert sich Michael Kleeberg, dass Übersetzer "schamlos ausgebeutet" werden. Berliner Zeitung und taz feiern eine wüste Party im SM-Käfig von Monica Bonvicini. Die Berliner Zeitung entdeckt einige Ungereimtheiten im Zeit-Bericht über Johann König. In der Zeit hört Navid Kermani echte Musik aus Madagaskar.
9punkt - Die Debattenrundschau
26.11.2022 Radikaler Pazifismus macht erpressbar, ruft Eva Quistorp in der taz, in Erinnerung an die grüne Friedenspolitikerin Petra Kelly. Ein akzeptabler Frieden führt nur über den Sieg der Ukraine, betont auch Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ erzählt, wie Italiens neue Kulturpolitiker - telegen und aufbrausend - die Kultur aufstören. In der taz spricht Whistleblowerin Chelsea Manning über ihre Haft. Und die FAZ fragt sich, warum all die Wissenschaftler, die so gern gegen Verdinglichung anschreiben, erst jetzt Twitter verlassen.
Bücherschau des Tages
26.11.2022 Die FAZ taucht fasziniert ein in Joshua Groß’ betörende Dystopie „Prana Extrem“. Die FAS demonstriert mit Elfriede Jelinek gegen das Münchner Finanzamt. Die NZZ staunt, wie subtil Shirley Jackson bereits vor knapp siebzig Jahren ihre Mutterschaft sezierte. Die taz liest erschüttert Jeffrey Veidlingers Geschichte der Pogrome in der Ukraine. Außerdem rät sie dringend zur Entdeckung von Tillie Olsen, die ihr in „feinster Spracharbeit“ von Armut, Rassismus und den unterdrückten Stimmen der Literatur erzählt.
Montag, 28.11.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
28.11.2022 Die Welt staunt über die Proteste in China - die größten und mutigsten seit den neunziger Jahren, so die taz. Im Observer fordert Kenan Malik universelle Werte für alle - auch für die Katarer. In der Welt fürchtet der Russland-Historiker Orlando Figes einen langen Krieg in der Ukraine. In der FAZ fordert Michael Wolffsohn eine neue Gedenkkultur in Deutschland, die auch Bevölkerungsgruppen mit Migrationshintergrund einschließt. hpd.de erklärt am Beispiel der amerikanischen Evangelikalen, wie der Klimawandel auf Apokalyptiker wirkt.
Efeu - Die Kulturrundschau
28.11.2022 Die SZ lässt in der Münchner Pinakothek Max Beckmanns schwarze Karosserien an sich vorbeiziehen. In Wien begeben sich FAZ und Standard mit Dostojewskis "Bösen Geistern" in vorrevolutionäre Gesellschaft. Ronya Orthmann erkundet für die FAS mit dem syrischen Schriftsteller Khaled Khalifa die Geheimnisse der arabischen Sprache und den Alltag der Diktatur. Die FR wiegt sich mit dem Fotografen Thomas Sandberg in der Melancholie Siziliens.
Medienticker
28.11.2022 Faust-Preis für Regisseur Achim Freye - Katharina Hacke & Michael Krüger über Hans Magnus Enzensberger, den Meister der kleinen Form & welche Spuren er hinterlässt - Kafkas Kampf mit der Beteiligung an einer Fabrik + ein Poem für Mondrian.
Bücherschau des Tages
28.11.2022 Die FAZ freut sich, dass Dr. Seuss' Schlummerbuch jetzt endlich auch auf Deutsch zu lesen ist. Mit großer Freude, aber auch mit Bedauern liest sie den letzten Band der Kommissar-Gordon-Reihe. Die FR lernt von Rachel Kushers "Harten Leuten" sich von den USA nicht einschüchtern zu lassen. Der Dlf verschlingt Honorée Fanonne Jeffers' Epos "Die Liebeslieder von W.E.B. Du Bois", das von Diskriminierung und Emanzipation, Black Power und Selbstdegradierung erzählt.
Dienstag, 29.11.2022
Efeu - Die Kulturrundschau
29.11.2022 Die taz bewundert im Victoria and Albert Museum den Glamour afrikanischer Mode. In der Welt erzählt der Theaterkünstler Achim Freyer, was er von Brecht lernte. Die Berliner Zeitung erkennt mit Alfred Ehrhardt die genialen Schöpfungen der Natur. Die taz betrachtet mit Katie Mitchell am Hamburger Schauspielhaus die Schönheit des Kirschgartens. Und natürlich hat Axel Brüggemann in seinem Crescendo noch ein paar Fragen an Teodor Currentzis, zum Beispiel: Wer zahlt die zweite Hälfte des Utopia-Budgets?
9punkt - Die Debattenrundschau
29.11.2022 Im Tagesspiegel gibt Peter Sloterdijk der Letzten Generation Tipps, wo sie sich überall noch ankleben kann. Homosexuelle in Uganda fliehen vor immer neuen Gesetzen, berichtet die taz - der Druck gegen sie geht von der sehr frommen Präsidentengattin Janet Museveni aus. Die Welt atmet auf: Russland ist vom Präsidentenamt der Welterbekommission zurückgetreten. Und große Zeitungen von New York Times bis El Pais treten für Julian Assange ein.
Medienticker
29.11.2022 Offener Brief von New York Time, Guardian, Le Monde, Spiegel & El País: Die US-Regierung sollte die Verfolgung von Julian Assange wegen der Veröffentlichung geheimer Dokumente einstellen - Jeder zweite User fällt auf Social-Scams rein - Renaissance der Marktwirtschaft - HarperCollins übernimmt Nagel & Kimche - Sonia Mikich im Gespräch - Kundig sich in der Philosophiegeschichte bewegen - Zeitungen in der Krise: Überleben durch Innovation
Magazinrundschau
29.11.2022 En attendant Nadeau stellt den jungen Dichter Hai Zi vor, eine Art Rimbaud oder auch Hölderlin Chinas, der mit 25 Jahren den Freitod wählte. Africa is a Country lernt erstaunt, dass es afrikanische Sklaven im Iran gab. Die LRB annonciert den Niedergang der USA. Eurozine erinnert an die erstaunliche Langlebigkeit von Semtex. In Sight and Sound erklärt Regisseur Michael Mann, warum er das digitale Kino liebt. Der New Yorker schildert das Geschäft mit Hospizen in den USA.
Bücherschau des Tages
29.11.2022 Die SZ staunt über Gün Tanks Roman "Die Optimistinnen", der sehr zärtlich von Gastarbeiterinnen, Freundschaften und lieben Männern mit buschigen Augenbrauen erzählt. Der DlfKultur freut sich über die deutsche Entdeckung von Randall Kenans Roman "Der Einfall der Geister". Die FAZ wappnet sich mit Peter Longerich, Peter Reichel und Volker Ullrich für das Jahr 1923. Der Dlf verdankt Leonid Wolkow erhellende Einblicke in Putins Machtapparat.
Mittwoch, 30.11.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
30.11.2022 In der SZ warnt Liao Yiwu vor "Covid-1984" - das Virus könnte eine "Revolution des leeren Blatts" auslösen. In der taz wird gefragt, ob der Holodomor ein Völkermord war - der Historiker Guido Hausmann stellt den historischen Kontext her. Welt-Autor Thomas Schmid geht der Frage nach, ob der Völkermord an den Herero eine Vorstufe zum Holocaust war. Der Guardian erzählt, wie die "Universalkirche des Königreichs Gottes" Jugendliche terrorisiert.
Efeu - Die Kulturrundschau
30.11.2022 Dre Guardian bewundert Sydney neues Kulturwahrzeichen: Die Kunstgalerie Sydney Modern, die das Architekturbüro Sanaa als Lichtung im Stadtwald entworfen hat. Die SZ stellt die Ohren auf, wenn Chimamanda Ngozi Adichie in der BBC gegen die Tyrannei von Selbstzensur und Konsens angeht. Der Standard bewundert die virtuose Vagheit von Albert Serras Diplomatendrama "Pacifiction". Im Tagesspiegel erklärt Lysann Windisch vom Streamingdienst Mubi, wie das Programmkino ein bisschen cooler werden kann, wenn nicht gar edgy.
Medienticker
30.11.2022 Theaterkritiken: Michael Wolf sieht das Theater im Klammergriff des Aktivismus - Übersetzerin Susanne Lange über Pablo Nerudas nachgelassenes "Buch der Fragen" - über Günter Grass' Erzählung "Figurenstehen" aus dem Nachlass + Die 1977 auf FMP veröffentlichte Peter Brötzmanns & Han Benninks Schwarzwaldfahrt-LP, recht schnell ein Klassiker & heute eine Rarität.
Bücherschau des Tages
30.11.2022 Ein Roman zur Jahreszeit? Alexei Salnikows Gripperoman "Petrow hat Fieber" rückt der Krankheit und einer mordlüsternen Ehefrau mit viel Wodka zu Leibe. Die FR bedankt sich und ruft Prost. Dlf Kultur plädiert mit dem Verwaltungsrechtler Jens Kersten dafür, dem Schutz der Natur Verfassungsrang einzuräumen. Und sie lernt vom Ethnologen Rolf Lindner die Kunst des Abstandhaltens im Gedränge. Der SZ ist Moritz Baßlers Breitseite gegen den "Populären Realismus" zu geschmäcklerisch.