Samstag, 01.12.2018
9punkt - Die Debattenrundschau
01.12.2018 Die Diskriminierung in hundert Jahren kann man sich ja jetzt schon vorstellen - die der genetisch Modifizierten, "Überlegenen", gegenüber den "Normalen", annonciert T. C. Boyle nach der Genmanipulation zweier chinesischer Babys durch Crispr in der taz. Im Gespräch mit emma.de kritisiert Ertan Toprak von der Initiative Säkularer Islam auch die Kirchen, denen es in erster Linie um den Erhalt der eigenen Privilegien gehe. Die New York Times stellt den mörderischen Handschlag von MBS und Wladimir Putin in eine historische Reihe.
Efeu - Die Kulturrundschau
01.12.2018 Blutiger Slapstick, Abziehbilder der Trivialpsychologie, angepinselte kunstreligiöse Weltabgewandtheit, entlarvte Machtgier - die Theaterkritiker kauen am Ergebnis eines Macbeth, an dem Shakespeare, Heiner Müller und Michael Thalheimer feilten. Die NZZ studiert die Kunst der Blöße im antiken Griechenland. Die taz porträtiert den japanischen Synthie-Folk Komponisten Haruomi Hosono. Die FAZ denkt über die neunziger Jahre in der russischen Literatur nach.
Bücherschau des Tages
01.12.2018 Die FAZ freut sich, Gabriela Adamesteanus auf dem Höhepunkt der Ceausescu-Ära erschienenen, systemkritischen Roman "Verlorener Morgen" von 1983 endlich auf Deutsch lesen zu können. Die Welt erkundet den Stand deutscher Lyrik mit zwei neuen Gedichtanthologien. Die NZZ lässt sich von Bettany Hughes zu einem inspirierenden Streifzug durch die Geschichte Istanbuls mitnehmen. Die taz phantasiert sich mit Guillermo Arriagas Roman "Der Wilde" in die von Drogengangs umkämpfte Mexiko-Stadt.
Montag, 03.12.2018
9punkt - Die Debattenrundschau
03.12.2018 Was wir in Paris sehen, ist der Aufstand der Peripherie gegen das Zentrum, schreibt Christophe Guilluy im Guardian. Und Emmanuel Macron ist ein allzu naiver Repräsentant des Zentrums und der Hochqualifizierten, ergänzt der Historiker Gérard Noiriel in Libération. Aber ein Ziel haben haben die "Gilets jaunes" nicht, konstatiert die SZ ratlos. Im Deutschlandfunk spricht sich Ahmad Mansour für einen gemeinsamen Religionsunterricht der Kinder aus. Netzpolitik staunt über einen Staat, der seinen Bürgern Datenschutz verspricht und alle Daten selber will.
Efeu - Die Kulturrundschau
03.12.2018 Die SZ lernt in der Ausstellung "Megalopolis" im Leipziger Grassi-Museum, dass Kunst aus dem Kongo eigentlich immer noch in europäischen Museen endet. Außerdem erahnt sie das prohetische Potenzial von Ezra Pound. Die FAZ meint: Die Bibliothek der Zukunft steht in der Wüste von Katar. Politik als Rhetorik beobachten taz und Tagesspiegel in Marie Wilkes Dokumentarfilm "Aggregat". Die NZZ will nur eine Diva verehren, die ihr ernsthaft mit Liebesentzug drohen kann.
Bücherschau des Tages
03.12.2018 Beglückt hält die FR die "Estampes" in den Händen: reduzierte, aber äußerst sinnliche Grafiken von Henri Matisse. Die SZ bespricht Bücher zum Brexit: Während ihr Tessa Szyszkowitz' Band "Echte Engländer" einen guten Überblick über die Probleme der Insel gibt - Kolonialismus, Oligarchen, radikale Tories - gewährt ihr Jochen Buchsteiners Brexit-Verteidigung zumindest indirekt Einblick in interessante Gedankenwelten.
Dienstag, 04.12.2018
Magazinrundschau
04.12.2018 Wer sah zuletzt hundert Blauwale auf einmal, steckte in einem Dorschschwarm fest oder sah sein Kanu von Lachsen überschwemmt? Wir verlieren nicht nur ganze Arten, sondern auch das Leben in seiner schieren Menge, fürchtet die New York Times. Warum heiraten geniale Frauen Heroinjunkies - oder Lehrer, fragt sich die London Review. Der Merkur rechnet mit der Machtfigur des Theaterregisseurs ab. Im Believer erklärt Regisseur Barry Jenkins, warum dunkle Haut im Film plötzlich sichtbar ist.
Efeu - Die Kulturrundschau
04.12.2018 In der Welt taucht Cecilia Bartoli ohne Sauerstoffgerät in Vivaldi-Arien. Die SZ freut sich über den neue politischen Video-Realismus der Turner-Preis-Kandidaten. Die taz weiß: Wer in Kinshasa dazugehören möchte, trägt nicht
Yves Saint Laurent, sondern Comme des Garçons, Yohji
Yamamoto oder Issey Miyake. Außerdem verachtet sie ein letztes Mal die Menschheit mit den Schlachtenbildnern von Slayer. Das Schweizer Architekturmuseum in Basel feiert die städtische Verdichtung mit einer Grillparty im Innenhof, die NZZ macht lieber die Fenster zu.
9punkt - Die Debattenrundschau
04.12.2018 Die französischen Medien streiten über die "Gilets jaunes": Wird die Bewegung in sich zusammenbrechen? Offenbart sie die Schwäche von Emmanuel Macrons Aktionismus? In Deutschland streitet man dagegen mal wieder über das Zentrum für politische Schönheit, das Rechtsextreme an den Pranger stellt. Denunziation, meint die SZ. Im Gegenteil, die FR. In der New York Times erzählt die Dalit-Aktivisten Thenmozhi Soundararajan, wie Twitter zu einem Mittel der Kastengewalt wird. Dlf Kultur fragt, ob chinesische Handys spionieren.
Bücherschau des Tages
04.12.2018 Viel Uneindeutigkeit erblickt die FAZ in Andreas Herzaus Bildern von Angela Merkel. Von Alexander Wendts Drogenrecherche "Kristall" lernt sie, warum der Osten auf Crystal Meth setzte, während sich der Westen Heroin spritzte. Die NZZ verfolgt mit Frank Rexroths "Fröhlicher Scholastik" die Geschichte von Kritik und Zweifel. Die SZ beginnt mit Richard Dawkins immerhin an angelsächsische Streitkultur zu glauben.
Mittwoch, 05.12.2018
9punkt - Die Debattenrundschau
05.12.2018 Die französische Regierung hat die Erhöhung der Dieselsteuer kassiert. Nun ist es an den "Gelben Westen", Verantwortung zu zeigen, schreibt Bernard-Henri Lévy in Le Point. Pascal Bruckner verzweifelt in der NZZ am linken Konservatismus. Le Monde analysiert die Forderungen der Bewegung: zwei Drittel seien links. Und die restliche Hälfte rechts... Die Islamkonferenz repräsentiert nur eine Minderheit der Muslime, meint die Alewitin und Rapperin Reyhan Şahin alias Lady Bitch Ray in der SZ. Der Medientheoretiker Erhard Schüttpelz veröffentlicht in einem Blog der Uni Köln eine scharfe Attacke auf den Bericht von Bénédicte Savoy und Felwine Sarr.
Efeu - Die Kulturrundschau
05.12.2018 Als schönsten Film des Jahres preisen Tagesspiegel und FAZ Alfonso Cuaróns "Roma", der in Venedig den Goldenen Löwen gewann. Leider ist er kaum in einem Kino zu sehen, weil Netflix dem Kino an die Kehle möchte, wie die Welt schreibt. Die Nachtkritik berichtet entsetzt, dass in Tirana das Albanische Nationaltheater abgerissen werden soll. Der Standard sieht die moderne Kunst vor lauter Punschständen nicht mehr. Der Guardian jubelt über den gestern verliehenen Turner-Pries für die schottische Transgender-Künstlerin Charlotte Prodger.
Bücherschau des Tages
05.12.2018 Die auf Abenteuer erpichte FR geht mit dem italienischen Physiker Carlo Rovelli auf Entdeckungsreise durch Zeit und Raum. Die NZZ lässt sich von Uwe Hoering über Chinas "Langen Marsch 2.0" informieren. Die SZ taucht in die "Randgebiete der Arbeit" des Dichters Tomas Tranströmer.
Donnerstag, 06.12.2018
Medienticker
06.12.2018 Faktencheck: Die Macht der Lüge & Warum wir lieber Lügen glauben als Statistiken - Floskel des Monats: "Freiwillige Ausreise"- Skandalexperten & Expertenskandale: Zur Geschichte eines Gegenwartsproblems - Feminismus & Literatur: Ironische Weiblichkeit & neue literarische Themen - Hans Magnus Enzensberger meint, Memoiren lügen immer + Großbritannien: Hat Britpop Schuld am Brexit? Oasis trägt eine Mitverantwortung.
9punkt - Die Debattenrundschau
06.12.2018 "Wer die 'Gelben Westen' beleidigt, beleidigt meinen Vater", sagt Edouard Louis in den Inrocks (und deutsch in Zeit online). Auch Annie Ernaux erklärt in der Zeit ihre Sympathie für die Bewegung. Die Kräfte, die von der Straßengewalt profitieren, können nicht nur Frankreich in den Abgrund stoßen, warnt dagegen Natalie Nougayrède im Guardian. Das "Zentrum für politische Schönheit" hat seinen soko-chemnitz-Pranger vom Netz genommen. Die Nachtkritik findet die Aktion gut.
Efeu - Die Kulturrundschau
06.12.2018 Der Guardian meldet, dass kubanische Künstler aus Protest gegen ein neues Zensurgesetz in den Hungerstreik getreten sind. Die taz empfiehlt Ultra-Hetero-Regisseur Gaspar Noé eine Tanztherapie. Neue musikzeitung und FAZ amüsieren sich prächtig in Axel Ranischs überdrehter Inszenierung der Prokofjew-Oper "Die Liebe zu den drei Orangen". Die SZ möchte selbst entscheiden, ob sie den des sexuellen Missbrauchs beschuldigten Dirigenten Daniele Gatti noch hören will.
Bücherschau des Tages
06.12.2018 Die FAZ lauscht dem sprachmagischen Zirpen von Robert Macfarlanes "Verlorenen Wörtern". Die SZ bewundert, wie Helen Oyeyemi in ihren Erzählungen Poe und Realityshow mixt. Die NZZ ergründet mit Gerald Hosp, was zum Brexit geführt hat. Die FR lobt Weitsicht und historische Genauigkeit in Volker Ullrichs Hitler-Biografie. Verstörend und schön zugleich findet die Zeit Shaun Tans surrealen Bild- und Erzählband "Reise ins Innere der Stadt".
Freitag, 07.12.2018
9punkt - Die Debattenrundschau
07.12.2018 Was an den "Gilets jaunes" so irritiert, ist, dass sie keinen angenehm manichäischen Diskurs zulassen, sagt der Philosoph Frédéric Gros In Libération. Nicht alle "Gilets jaunes" leben im Elend, wie ein Blick auf zwei Protagonisten der Bewegung zeigt. Im Guardian setzt Timothy Garton Ash seine Hoffnung auf ein zweites Referendum, das den Brexit wieder einkassiert. Sonst drohe der EU Ärger. Edward Kanterian wirft in der NZZ einen Blick auf einige der vielen linken Brexit-Gegner.
Efeu - Die Kulturrundschau
07.12.2018 Pilzgespräche und John Cage: Die Theaterkritiker hören mit Vergnügen (und Engelsgeduld), wie Christoph Marthaler in Zürich mit "44 Harmonies from Apartment House 1776" der Vernunft Kontra gibt. In München hat Kaspar König die Arbeit der Künstlerin Cana Bilir-Meier kritisiert, die ihm und dem ganzen Kunstbetrieb jetzt Rassismus vorwirft. In der NZZ würdigt Sibylle Lewitscharoff das glanzvolle Schreiben der Gertrud Leutenegger. Im Standard reagiert Benjamin Stuckrad-Barre höchst allergisch auf jede Form von Idylle.
Medienticker
07.12.2018 Aktualisiert: Rassismus in den Medien: Eine Frage der Relevanz - Festnahmen in der Türkei: "Das Theater war lange Zeit ein relativer Freiraum" - Resolution: Journalisten sind schützenswert - Crowdfunding soll den US-Journalismus retten - Formatänderung in Print: Die Zeit soll digitaler werden - Medien-Report: "Alternativmedien" leiden nicht unter Algorithmus-Änderungen - Nach Ende von "Soko Chemnitz": Wem hilft die Kunstaktion? + Die Hörfunk-Wochenend-Tipps.
Bücherschau des Tages
07.12.2018 Die FAZ lässt sich von dem Literaturwissenschaftler Stefan Andriopoulos die Wechselwirkungen zwischen Technik und Okkultismus erklären. Als lebendiges und lehrreiches Zeitpanorama liest die NZZ Ulinka Rublacks Mikrogeschichte um den Hexenprozess gegen die Mutter von Johannes Kepler. Die SZ schmunzelt über den gemeinsam-galligen Blick auf die Welt im Briefwechsel zwischen Arno Schmidt und Hans Wollschläger.
Samstag, 08.12.2018
9punkt - Die Debattenrundschau
08.12.2018 Alarmstufe Gelb! Für heute haben die Gilets Jaunes zum Klassengroßkampftag aufgerufen, und Libération fragt, ob Paris heute brennen wird. Wenn, dann brennt das Frankreich der Provinz, präzisiert die taz, wenn auch auf den Champs Elysees. Im DLF Kultur ist Thomas Ostermeier voll dabei. Die NZZ liest bei Hannah Arendt nach, wie die Philosophie das Interesse an der Politk verlor. Nicht die Werte machen Europa aus, erklärt zudem Jürgen Wertheimer in der NZZ, sondern das kritische Denken. Die FR gratuliert Noam Chomsky zum Neunzigsten.
Efeu - Die Kulturrundschau
08.12.2018 Die SZ sieht im belgischen "Afrikamuseum" mit Schrecken, wie man die eigene Kolonialgeschichte als Erfolgsgeschichte deutet. Die taz verabschiedet endgültig das Etikett des "weiblichen Schreibens". In der Zeit ist Astrid Lindgrens Tochter Karin Nyman not amused über Pernille Fischer Christensens Film "Astrid". Im Monopol-Magazin spricht Nobuyoshi Araki über seine Bondage-Fotos. Und die Popkritiker trauern um Buzzcocks-Sänger Pete Shelley.
Bücherschau des Tages
08.12.2018 Die FR liest verzaubert Elizabeth Stouts Roman "Alles ist möglich", der die ganze Welt im kleinen Städtchen Amgash zusammenfasst. Die FAZ begegnet in neuen Biografie von Leonardo da Vinci dem Universalgenie und dem Nihilisten. Die NZZ vergräbt sich im ersten Band der kritischen Gesamtausgabe von Hannah Arendts Werken. Fasziniert folgt die taz Masha Gessen durch die postsowjetische Geschichte von der Perestroika bis Putin. Und die Welt ackert sich durch die NSU-Protokolle.
Montag, 10.12.2018
9punkt - Die Debattenrundschau
10.12.2018 Thomas Piketty und Mitstreiter wollen eine neue europäische Institution schaffen, die neue Steuern beschließen kann, um Ungleichheit abzubauen: Um eine "Transferunion" soll es aber nicht gehen, beteuern sie in ihrer Petition. Immerhin: Die Brexit-Diskussion hat dem Nachdenken über Europa genützt, meint Gustav Seibt in der SZ. Vor der morgigen Abstimmung im britischen Unterhaus zeigt sich die britische Unternehmerin Gina Miller, die die Konsultation des Parlaments gerichtlich erstritten hatte, in Zeit online entsetzt über die Ignoranz vieler Abgeordneter. Die NZZ fragt, warum Alexander Solschenizyns hundertster Geburtstag so wenig gefeiert wird.
Efeu - Die Kulturrundschau
10.12.2018 Zum Saisonbeginn an der Scala erleben NZZ und FAZ die spektakuläre Premiere von Verdis "Attila" als Demonstration des bürgerlichen Mailands gegen das populistische Rom. Der Standard erlebt bei der Premiere von Johannes Maria Stauds und Durs Grünbeins Oper "Die Weiden" in Wien die Verkarpfung der Menschen. Die SZ fängt mit dem Kollektiv "Slavs and Tatars" Textschmetterlinge. Und in der Welt schunkeln die Beastie Boys zu James Last.
Medienticker
10.12.2018 Frankreich: Aufstand der Gilets Jaunes oder ist politischer Widerstand inzwischen rechts? - Clickbait-Knüppel aus dem Sack! Wie Medien ein harmloses Knecht-Ruprecht-Zitat ausnutzen - Blockchain: Technologie zwischen Hype & Hohn - Schreiben gegen das Schweigen: Sexueller Missbrauch in der Literatur - Theater-Nachtritiken aus Castrop-Rauxel, Nürnberg & Wiesbaden - Migration & Gewalt: Alberne Panikattacken + Kalender für 2019: Blätterrauschen im digitalen Zeitalter.
Bücherschau des Tages
10.12.2018 Die SZ reist mit Yoko Tawadas "Sendbo-o-ten" durch ein postapokalyptisches Japan und rechnet in Lisa McInerneys "Glorreichen Ketzereien" mit dem Irland der Gegenwart ab. Als wichtige Mahnung in rechtspopulistischen Zeiten betrachtet sie Lee Millers Fotografien von 1945. Die FR lernt mit Almudena Grandes "Kleine Helden" kennen, die unter der Rezession in Spanien leiden. Außerdem liest sie Berichte von SS-Leuten, Ärzten und Handlangern des Mordens in Auschwitz.
Dienstag, 11.12.2018
Magazinrundschau
11.12.2018 Die Gesichtserkennung eröffnet dem New Yorker neue Dimensionen der Fernüberwachung. Der Guardian verfolgt, wie China die Botschaft seiner Macht und Großzügigkeit in der Welt verbreitet, aber nicht die der Menschenrechte, wie die Blaetter hinzufügen. En attendant Nadeau lernt vom polnischen Historiker Karol Modzelewski, die Geschichte zu reiten. Wired versucht, den Thwaites-Gletscher in der Antarktis zu stützen. Und Atlantic glaubt: Die Spur zu Elena Ferrante führt über Heinrich von Kleist und Karoline von Günderrode.
9punkt - Die Debattenrundschau
11.12.2018 Emmanuel Macron hat seine Rede ans Volk gehalten und eine Erhöhung des Mindestlohns und weitere Erleichterungen versprochen. Libération ist dennoch nicht zufrieden. Theresa Mays Entscheidung, die Parlamentsabstimmung über den Brexit zu verschieben, ist für Jonathan Freedland im Guardian fatal, weil sie den notwendigen politischen Klärungsprozess aufhält. Der Humanistische Pressedienst fragt: Wo und warum trägt Annegret Kramp-Karrenbauer Kopftuch? Die FR erinnert daran, dass die universalen Menschenrechte, wie sie von der UN vor siebzig Jahren forumliert wurden, keine spezifisch westliche Idee waren.
Efeu - Die Kulturrundschau
11.12.2018 Die SZ feiert den heiteren Barock des bayrischen Malerpoeten Heinz Braun. Hyperallergic begibt sich zu den Klängen eines Didgeridoo auf eine "Stolen Goods Tour" durch das British Museum. Die taz erfährt, dass vor allem die Untertitelung die digitale Verbreitung europäischer Filme erschwert. Hundertvierzehn stellt das neue Online-Archiv mit Thomas-Mann-Manuskripten vor. Und die Zeit hört ein denkendes Orchester.
Medienticker
11.12.2018 Offene Daten: Aktivisten stellen alle Bundesgesetzblätter ins Netz & Ein Bot allein macht noch keine Revolte - Smartspeaker: Und täglich grüßt das Google-Tier - Das Zweite: Worin unterscheidet sich ZDFneo vom ZDF? - Von Ratten und Menschen: T.C. Boyle wird siebzig, vor 100 Jahren wurde Alexander Solschenizyn geboren & Google ehrt Nelly Sachs zum 127. Geburtstag + No home: Zum Tod von Paulus Böhmer.
Bücherschau des Tages
11.12.2018 Die FAZ findet Ariel Magnus' Metafiktion "Die Schachspieler von Buenos Aires" mindestens so komisch wie Italo Calvino und fast so virtuos. Als aufwühlenden, verzweifelten Roman in Zeiten europäischer Zerrüttung liest die NZZ Zoltán Danyis "Kadaverräumer". In höchsten Tönen lobt sie auch Eleonore Bünings Buch "Sprechen wir über Beethoven". Und auch die taz preist A.L. Kennedys zartbitteren London-Roman "Süßer Ernst".
Mittwoch, 12.12.2018
Efeu - Die Kulturrundschau
12.12.2018 Die NZZ ruft zum Ausbruch aus dem Kunstgulag, in dem die neue Aktionskunst mittels Unterdrückung, Überwachung, Verleumdung herrscht. Der Tagesspiegel lässt sich von der schwedischen Literaturkritikerin Rebecke Kärde den Fahrplan für den neuen Nobelpreis darlegen. Monopol huldigt dem Ugly Chic, mit dem Miuccia Prada 1996 die Intellektualität in die Mode brachte. Und die taz liebt den Tatortreiniger selbst für seinen souveränen Abtritt.
9punkt - Die Debattenrundschau
12.12.2018 In der taz erklärt der Politologe Philip Manow, warum in Nordeuropa der Rechts- und in Südeuropa der Linkspopulismus triumphiert. Emmanuel Macron bekommt jetzt die Quittung für sein selbstherrliches Gehabe, meint Sylvain Cypel im Blog der New York Review of Books. Höhere Steuern auf Benzin wären die Antwort auf den Klimawandel, meint Klimawissenschaftler Benedict Probst in der SZ. Der Konservatismus musste nicht gestupst werden, er starb aus eigener Schwäche, meint der Politologe Thomas Biebricher in Zeit online.
Medienticker
12.12.2018 Ermittlungen wg. CumEx-Files: Angriff auf die Pressefreiheit & Reaktion auf Ermittlungen gegen "Correctiv"-Journalisten - Buchhandel: Weniger Bücher verkauft - Gelbwesten: Revolutionsfolklore, Medienphänomen & Macron-Bashing - Künstliche Intelligenz: Übersetzungsautomaten statt Sprachbarrieren - Martin Walsers poetischer "Spätdienst": 1968 & 2018 über Golgatha, Verdun, Auschwitz, Hué + Zum Tod von Robert Spaemann: Er passte sich der Welt nicht an.
Bücherschau des Tages
12.12.2018 Die FAZ erkundet mit dem Althistoriker Heinrich Schlange-Schöningen den Lebensweg des Hieronymus, seine Streitlust und seine Arbeitswut. Die SZ lässt sich von Zoltan Danyis Roman "Der Kadaverräumer" in eine Geschichte von Krieg und Gewalt ziehen. Und sie entdeckt mit Andreas Lehmanns Roman "Über Tage" die Angestellten-Prosa der 70er wieder.
Donnerstag, 13.12.2018
9punkt - Die Debattenrundschau
13.12.2018 In Libération erklärt Thomas Piketty, wie er mit Steuern für Reiche Gerechtigkeit in Europa schaffen will. Die "Gilets jaunes" sind ein lupenreines Facebook-Phänomen, schreibt Sascha Lobo in Spiegel online. Thomas Schmid deutet sie in der Welt eher als Ausdruck des uralten Konflikts zwischen Provinz und Paris. Die Zeit veröffentlicht einen Appell von Historikern für einen neuen Umgang Europas mit Kolonialgeschichte.
Efeu - Die Kulturrundschau
13.12.2018 Die Zeit wünschte sich weniger neue Museen in Berlin und dafür mehr Ausstellungen. Die SZ blickt gerührt auf einen kleinen Fluchtweg für die Nymphen in der neuen Eingangshalle der Berliner Museumsinsel. Die NZZ lernt etwas über "Politics of Design, Design of Politics" in einer Münchner Ausstellung. Die taz bewundert die Unentschiedenheit in Sachen Wunder in Xavier Giannolis "Die Erscheinung".
Medienticker
13.12.2018 Algorithmen: Facebook & die Gelbwesten - Person des Jahres: Time würdigt Khashoggi - Zeithistorische Forschung: Wie Deutschland sich von der Gewalt abkehrte. Brexit: May hat die Vertrauensabstimmung in ihrer Fraktion überstanden + Theater-Nachtkritiken aus Hamburg, München & Wien.
Bücherschau des Tages
13.12.2018 Die FAZ folgt mit Ronit Matalon dem Selbstfindungsparcours in der engen Wohnung einer sich verweigernden Braut und verliert sich fast im Surrealen der Poesie Aglaja Veteranyis. Die NZZ sieht im vierten Band von Frederic Pajaks "Ungewissem Manifest" die Schwarz-Weiß-Bilder in unsichtbaren Farben leuchten. Die SZ bewundert das lässige Aufeinandertreffen von poetischer Sprache und Zeitgeschehen in Nora Bossongs Lyrikband "Kreuzzug mit Hund". Die Zeit empfiehlt Alexander Demandts Biografie des Kaisers Marc Aurel.
Freitag, 14.12.2018
9punkt - Die Debattenrundschau
14.12.2018 Das Landgericht Berlin verbietet Lamya Kaddor, ihrer Diskursgegnerin Necla Kelek falsche Zitate in den Mund zu legen, berichten die Ruhrbarone und der Perlentaucher. Wären die Briten wie die Schotten, gäbe es heute keinen Brexit, versichert A. L. Kennedy in der NZZ. Der Paragraf 219a wird nicht gestrichen. Die SPD hat sich mit der CDU auf einen Kompromiss verständigt, der alles lässt, wie es war - Alice Schwarzer und die betroffenen Ärztinnen sind entsetzt. Netzpolitik zeigt, wie Facebook auf Handys Daten von Nutzern ausspäht, die womöglich nicht mal Facebook nutzen.
Efeu - Die Kulturrundschau
14.12.2018 Das ernste Spiel mit Identitäten und Versprechen der Metamorphosen prägen für die taz die zwei tollsten Alben des Jahres: von Planningtorock und Swamp Dogg. 2018 ist ein annus horribilis fürs deutsche Kino, klagt Rüdiger Suchsland auf Artechock. In der SZ beklagt Leander Haußmann die miserable Rente von ehemaligen Stasi-Mitarbeitern. Der Standard betrachtet lustvolle Variationen über Märtyrertode.
Medienticker
14.12.2018 Aktualisiert: Wilhelm Genazino ist tot - It's a man's world: Wie weibliche Editorinnen von der Wikipedia verdrängt werden - Frankreich: Verschwörungstheorien wegen eines Tweets - Vietnam: Kritiker über Facebook verfolgt - Spiegel startet Ableger: Die gedruckte Version eines SpOn-Newsletters Spiegel Coaching - Springer testet Wochenmagazin Bild Politik - Nachruf: Der Philologe, Lektor, Journalist Jürgen Manthey ist gestorben + Hörfunk-Tipps fürs Wochenende ...
Bücherschau des Tages
14.12.2018 Die FAZ streift mit dem Fotografen Stefan Hebele durch Geisterhäuser in den Alpen. Die NZZ lernt in Kamila Shamsies Roman über einen reuigen IS-Kämpfer die Einteilung in Gut und Böse im Anti-Terror-Kampf zu hinterfragen. Wichtig und überfällig nennt die SZ die Veröffentlichung von Elmer Luchterhands 1953 durchgeführten Studien über die Sozialordnung in den Häftlingsgesellschaften in Konzentrationslagern.
Samstag, 15.12.2018
9punkt - Die Debattenrundschau
15.12.2018 Michel Houellebecq veröffentlicht in Harper's eine wirre und böse Hommage auf Donald Trump. Christopher Clarke fordert in der Literarischen Welt eine Politik der Langsamkeit. Die Fotografin Romy Alizée, deren Konto bei Instagram gesperrt wurde, fragt in Libération: Was sollen Künstler tun, die auf diese Plattformen angewiesen sind? Die Ärztin Kristina Hänel erklärt in der taz, warum sie mit dem Kompromiss zum Paragrafen 219a nicht zufrieden ist. Und Monika Grütters und Forscher wetteifern um die Spitzenposition in der Aufarbeitung von Kolonialgeschichte.
Efeu - Die Kulturrundschau
15.12.2018 Der Tagesspiegel begutachtet das renovierte Afrika-Museum im belgischen Tervuren. Die taz feiert die neue, unwahrscheinlich zukunftszugewandte Bibliothek von Helsinki. Mit Matthias Brandts Polizeiruf-Ermittler Hanns von Meuffels verschwindet eine ganze Krimikultur der letzten Ermittlungen, langen Autofahrten und unendlichen Sehnsucht, klagt Spon. Die NZZ beschreibt die Unterdrückung der Jugend-Musikkultur in Russland. Und die Literaturkritiker trauern um Wilhelm Genazino.
Bücherschau des Tages
15.12.2018 In der NZZ empfiehlt Marta Kijowska den Generationenroman "Das Licht der Frauen", in dem Zanna Sloniowska zugleich die Geschichte Lembergs erzählt. Die SZ stöbert begeistert in Wolfgang Kraushaars monumentalem Rader zu 1968. Die taz begibt sich mit Dörte Hansen ins nordfriesische Brinkebüll. Die FAZ kann mit Thomas Hardy wesentlich mehr anfangen als mit Jordan B. Peterson.
Montag, 17.12.2018
9punkt - Die Debattenrundschau
17.12.2018 FAZ und SZ sind sich einig: Die Krise der Gilets jaunes hat eine Menge mit Städtebau, bezahlbarem Wohnraum und Marginalisierung bestimmter Bevölkerungsschichten zu tun. Die Washington Post stellt einen neuen Untersuchungsbericht des amerikanischen Senats über russische Einflussnahme vor. Jeremy Corbyn verfolgt im Brexit die Strategie des "revolutionären Defätismus", schreibt Nick Cohen im Observer.
Efeu - Die Kulturrundschau
17.12.2018 Ganz Berlin versammelte sich zu Leander Haußmanns "Staatssicherheitstheater" in der Volksbühne. Etwas kratzig erscheint NZZ und Tagesspiegel das Odeur des Prenzlauer Bergs. Die Welt erkennt mit Martha Rosler in New York das grandiose Scheitern der Kunst vor der Wirklichkeit. Im Standard erinnert sich Claus Peymann an die rechten Lümmeln, die ihm schon 1988 aus den Logen der Burg entgegenbuhten. Die Jungle World verehrt Ruth Bader Ginsburg. Die SZ jubelt über Jean-Michel Jarres retrofuturistisches Album "Equinoxe Infinity". Und die FAZ geht mit Thomas Pynchon in den Schalltoten.
Medienticker
17.12.2018 Stimmverlust: Der Weekly Standard macht dicht - "Richtig Stimmung machen": PR-Berater über politische Fake-Plakate - Facebook 2018: Acht der erfolgreichsten Falschmeldungen & Medien-Richter kennen keine Gnade - Hörfunkinterview mit Jo Lendle über Wilhelm Genazino - Aus der Nachrichtenredaktion: Ein Urteil, über das (fast) niemand spricht + Theater-Nachtkritik: Die Menschwerdung der Witzbolde in Karlsruhe.
Bücherschau des Tages
17.12.2018 Die FR reist mit dem Astronomen und königlichen Gesandten Carsten Niebuhr nach Arabien und lernt, uneitel die Fremde auszuhalten. Die SZ vermisst mit Maria Stepanovas "Nach dem Gedächtnis" das Recht auf Erinnern und Vergessen. Die FAZ stellt neue Hörbücher vor, darunter die Apokryphen von Marc-Uwe Klings Känguru-Evangelium.
Dienstag, 18.12.2018
Magazinrundschau
18.12.2018 Le Monde diplomatique blickt nach New Orleans, wo Schulekinder wie Gänse in Reihe getrieben werden. HVG begutachtet die regierungsnahe ungarische Medienstiftung, die 476 Medien vereint. Die LRB beklagt den Personalüberhang der BBC. La vie des idees verteidigt den Humanismus französischer Ethnografen. Wired sucht einen Filmklassiker im Stream. Die New York Times schickt eine Reportage aus dem Jemen.
9punkt - Die Debattenrundschau
18.12.2018 Sibylle Berg unterhält sich in republik.ch mit der amerikanischen Politologin Valerie M. Hudson über die Urgeschichte der Unterdrückung der Frauen. Emmanuel Macrons heutige Probleme mit den "Gelben Westen" kann man auch als Rache der beiden von Macron besiegten Extremismen auffassen, schreibt Hanser-Lektor Wolfgang Matz in der FAZ. Tablet kann es kaum fassen: Die prominente Autorin Alice Walker empfiehlt in der New York Times einen krass antisemitischen Autor. Cicero beschreibt nach dem Urteil gegen Lamya Kaddor die "Islamophobie-Szene".
Efeu - Die Kulturrundschau
18.12.2018 Die SZ begegnet in den Bildern Lorenzo Lottos der Mittelschicht der Renaissance. Die NYRB schwelgt in Walton Fords illusorisch-üppiger Tiermalerei. Moviepilot fragt, wer den letzten Sargnagel aufs Kino hämmert: Netflix oder Hollywoods Planwirtschaft der Superhelden. Und die taz stemmt sich mit Earl Sweatshirt "Some Rap Songs" gegen das Powerplay der Streamingdienste.
Medienticker
18.12.2018 Jahresbilanz der Pressefreiheit: Weltweit wurden 80 Medienschaffende getötet - Influencer in der Kritik. Können Journalisten profitieren? - Blogger wegen Fake News vor Gericht - dpa: Faktencheck-Regeln - Buchbranche: Jahresrückblick 2018 - Werbefails 2018: Das waren die größten Werbepannen in diesem Jahr - Überlebenskünstler: Keith Richards zum 75. +
... chez les Goths: 50 Jahre "Asterix" in Deutschland.
Bücherschau des Tages
18.12.2018 Die FAZ beginnt mit Kai Strittmacher, Chinas aggressive Soft Power zu fürchten. Michael Hampes "Dritte Aufklärung" liest sie als ein Plädoyer für intellektuelle Mündigkeit. Die NZZ lernt von Peter Waterhouse, Kleist zu lesen. Mit der schillernden Rosie Gräfin Waldeck blickt sie vom Athenee Palace aufs faschistische Bukarerest von 1940. Die SZ lobt Ronald Webers Biografie des stalinistischen Millionärsdichter Peter Hacks.
Mittwoch, 19.12.2018
Efeu - Die Kulturrundschau
19.12.2018 Auf Dlf Kultur fürchtet Virginie Despentes um Frankreichs Freizügigkeit. Hyperallergic berichtet, dass der Künstler Robert Cenedella die großen Museen New Yorks wegen Verschwörung mit den führenden Galerien auf hundert Millionen Dollar verklagt. Im Tagesspiegel offenbart Thomas Oberender, wie herrisch und autoritär ein Intendantentreffen abläuft. SZ und FAZ treffen sich mit René Pollesch zu Manzini-Studien in Zürich, und Lacan mixt die Drinks.
9punkt - Die Debattenrundschau
19.12.2018 Der Glaube an die Unausweichlichkeit von Geschichte ist "das große intellektuelle Missverständnis unserer Zeit", sagt Timothy Snyder im Gespräch mit der FR. Die taz zieht eine Parallele zwischen den "Gelben Westen" in Frankreich und den Protesten gegen neue Arbeitsgesetze in Ungarn. Die New York Times erzählt, mit wem Facebook seine Daten am liebsten teilt - zum Beispiel mit Amazon. In der NZZ fordert Robert Menasse mehr Demokratie in der EU.
Medienticker
19.12.2018 Aktualisiert: "Schlagt die Germanistik tot …": Kontroversen zur Literaturwissenschaft um 1968 & ihre Folgen - Journalisten & Journalistinnen 2018 & Deutscher Reporterpreis für Ronan Farrow - Web-Projekt Reporterfabrik: Per Video zum Journalismus-Versteher - Fotografennamen: Abdruck ist Pflicht - Einschweißen Ade! Weitere Verlage verabschieden die Plastikfolie - Reporter ohne Grenzen: Gewalt und Repressionen gegen Journalisten haben zugenommen "The Poets' Collection" & englischsprachige Lyrik: Ein Gespräch mit Michael Krüger + "Hair": Galt MacDermot ist tot.
Bücherschau des Tages
19.12.2018 Die SZ betrachtet Bauten aus einer Zeit, als es in Berlin noch ambitionierte Architektur gab. Die FAZ freut sich über einer erweiterte Neuausgabe von Orhan Pamuks Istanbul-Buch. Die FAZ betrachtet Matisses Estampes durch die Augen Botho Strauß'. Die taz bespricht Italien-Bücher.
Donnerstag, 20.12.2018
9punkt - Die Debattenrundschau
20.12.2018 Alle deutschen Medien berichten über den Fall Claas Relotius: Über Jahre hat der junge Spiegel-Redakteur seine Geschichten gefälscht. Eine der interessantesten Reaktionen kommt aus Fergus Falls, einem Städtchen, das Relotius als Redneck-Hochburg porträtiert hatte und das die Bewohner aus seinem Porträt kaum mehr wiedererkannten. Nicht der Kapitalismus, sondern die "kapitalistische Vetternwirtschaft" von Staat und Wirtschaft ist schuld an den Problemen der Demokratie, meint Mario Vargas Llosa in der NZZ.
Efeu - Die Kulturrundschau
20.12.2018 The Nation zeichnet die Debatten über afroamerikanische Kunst in den 60ern und 70ern nach. In der taz erklärt Wulf Herzogenrath, wie sich die Videokunst in Deutschland konstituierte. Im Espectador zweifelt Hector Abad an der Rolle des Kommentators. Und: Mädchen in die Knabenchöre, fordert der Tagesspiegel.
Medienticker
20.12.2018 Studie: Seit 2002 untersuchen Wissenschaftler die Verbreitung rechtsextremer Einstellungen & die Zufriedenheit mit demokratischen Institutionen - Neue Enthüllungen: Wie Netz-Giganten heimlich Daten tauschen - EU-Medieninvestoren: Lieber Einheimisches als Ausländisches? - Spiegel & Manipulationen - USA: Lügendetektor + Bild gewinnt vor dem Verfassungsgericht + Nobelpreis-Akademie: Literatur gehört der ganzen Welt.
Bücherschau des Tages
20.12.2018 Purem "Jazz" lauscht die Zeit in Maruan Paschens weihnachtlicher Familienanalyse. Als literarisches Plädoyer für Menschlichkeit würdigt sie Selahattin Demirtas als Briefe getarnte Kurzgeschichten aus der türkischen Haft. Die FAZ liest den Abschlussband von Anthony Powells zwölfteiliger Upper-class-Saga als Vorgeschichte des Brexit und verschläft ein Jahr mit Ottessa Moshfegh. Die SZ durchleuchtet mit Judith Schalansky eine Wunderkammer des Abwesenden.
Freitag, 21.12.2018
Efeu - Die Kulturrundschau
21.12.2018 Der Filmdienst betrachtet gerührt eine Filmruine: Dennis Hoppers Regiearbeit "The Last Movie" von 1971. Zeit online sucht den Schlager von heute. Der Tagesspiegel möchte es gern der Tate Britain nachmachen, und ein Jahr lang nur Kunst von Frauen im Museum zeigen. Die Berliner Zeitung möchte es gern britischen Bühnen nachmachen und Fördergelder künftig an "Diversity" knüpfen. Wohin ist die Magie des deutschen Feuilletons verschwunden, fragt traurig der Umblätterer.
9punkt - Die Debattenrundschau
21.12.2018 Reprografien gemeinfreier Werke könnten im Netz bald kaum mehr zu sehen sein: Der BGH hat entschieden, dass Fotografen solcher Bilder ein fünfzigjähriges Schutzrecht zusteht. Netzpolitik und Wikimedia sind entsetzt. Die Debatte um den Fall Relotius geht weiter: Das Probem ist nicht Relotius, sondern der Kult der Schönschreiberei, meint Bernd Ziesemer in Meedia. Ob das Kreuz auf die Kuppel des Humboldt-Forums kommt, ist noch unklar, meint Horst Bredekamp laut Tagesspiegel. Die zu restituierende Kolonialkunst unter diesem Zeichen - das macht die Politk neuerdings nervös.
Medienticker
21.12.2018 Aktualisiert: Verlagsstatistik: Zahl der Neuerscheinungen wächst - Wikimedia verliert Rechtsstreit: Weniger freie Inhalte, mehr Abmahngefahr - Spex: Das Magazin für Popkultur macht online weiter - Verbraucherjournalismus: Lösungen für Alltagsprobleme - Betrugsfall beim Spiegel: Gefälschte Zitate, erfundene Szenen - In memoriam: F.W. Bernstein ist tot + Hörtipps für das Wochenende.
Bücherschau des Tages
21.12.2018 FAZ und NZZ lauschen noch einmal dem unvergleichlichen Roger-Willemsen-Ton in dessen Liebeserklärungen an die Musik. Fasziniert flaniert die FAZ außerdem mit Fabian Saul den Moskauer "Boulevard Ring" entlang. Als wahre Sensation preist die NZZ Conrad Gessners betörendes "Thierbuch". Die SZ bespricht Kinder- und Jugendbücher und empfiehlt besonders J.K. Rowlings "Märchen von Beedle dem Barden".
Samstag, 22.12.2018
Efeu - Die Kulturrundschau
22.12.2018 In der Welt erinnert sich die in Nigeria aufgewachsene Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie an das Weihnachten ihrer Kindheit. So präsentiert man Ausstellungen und Provenienzforschung, ruft der Tagesspiegel nach einem Besuch in Hamburg in Richtung Berlin. Die taz entdeckt mit der New Yorker Band 79.5 die Girlgroup eines neuen Zeitalters. Die Theaterkritiker streiten über Simon Stones Wiener "Medea". Und alle trauern um F.W. Bernstein.
9punkt - Die Debattenrundschau
22.12.2018 AP rekonstruiert in einer exquisiten Recherche, wie Tayyip Erdogan in einem Telefonat Donald Trump dazu bracht, in Syrien die Kurden im Stich zu lassen. In der Welt weiß Peter Sloterdijk: Der Weg zu den Wahrheiten des Südens führt durch die Tunnel der Schweiz. Die SZ bereitet dem Westen eine bitte Niederlage: Die Frauen im Sozialismus hatten besseren Sex. Der Fall des Legendenreporters Claas Relotius stellt die Branche jetzt vor die Frage: Ist Journalismus Kunst, Handwerk oder doch nur Kunsthandwerk?
Bücherschau des Tages
22.12.2018 Die taz lernt die tragische Seite von Karl May kennen mit Philipp Schwenkes "Flimmern der Wahrheit über der Wüste". Die FAZ berauscht sich an Rem Koolhaas' "Elements of Architecture" und wird zur passionierten Bibelleserin mit Johann Hinrich Claussens "Buch der Flucht". Als beglückende Séance empfindet die FR Sergej Lebedews Roman "Kronos' Kinder". Absolut unterschätzt findet die NZZ Helene Hegemanns "Bungalow". Und die Welt empfiehlt Robert Walsers Briefe.
Montag, 24.12.2018
Efeu - Die Kulturrundschau
24.12.2018 Elfriede Jelinek beschert dem Kölner Schauspiel mit dem neuen Stück "Schnee Weiß" eine krachende Skipartie: Die SZ genießt Sarkasmus als Geisteshaltung. Der Freitag feiert den im Vitra Design Museum gewürdigten Gestalter Victor Papanek, der sich der "Überflussgesellschaft der Schwachköpfe" entgegenstemmte. Im Standard möchte Tex Rubinowitz lieber kein Weihnachtsoratorium geschenkt bekommen. Wer immer noch Geschenklaune ist, kann für die Lotte-Laserstein-Ausstellung der Berlinischen Galerie spenden, weiß der Tagesspiegel, vom Senat bekommt sie nämlich nicht nichts.
9punkt - Die Debattenrundschau
24.12.2018 Überall ist es still, nur in den Medien nicht: Sie sind mit sich beschäftigt. Der Fall des journalistischen Fälschers Claas Relotius treibt sie um: Ist er nur ein Einzelfall oder ein Symptom? Aber auch gegen Robert Menasse erheben Heinrich August Winkler und die Welt Vorwürfe. Und dann noch dies: Der Dumont Verlag verliert den Auftrag für das Bundesgesetzblatt. Außerdem trauern die Feuilletons um den Polemiker Wolfgang Pohrt.
Medienticker
24.12.2018 Medienjournalismus: Die Schönheit einer Lüge und Widersprüche waren dem Spiegel schon 2017 bekannt & Der Verlag will nun Anzeige erstatten - Die Bezos-Doktrin: Amazon erobert neue Branchen - Trendumfrage: Bücher nach Gutscheinen & Kosmetik auf Platz 3 - Bayern fordert verpflichtendes lokales Roaming - Hörfunktipps für die Feiertage + Erdmöbel: Auch dieses Jahr wieder ...
Bücherschau des Tages
24.12.2018 Die FAZ zieht sich schon mit Kinderbüchern zurück: Britta Teckentrups Buch über den Mond findet sie so sinnlich wie betörend. Paul Maar erlebt sie mit "Snuffi Hartenstein" in Bestform. Freudig zuckelt die FR mit Sascha Reh zu Heilgabend im Panzer über Bornholm. Und damit wünscht auch der Perlentaucher Frohe Weihnachten!
Donnerstag, 27.12.2018
Efeu - Die Kulturrundschau
27.12.2018 Die Filmkritiker feiern die hinreißenden "Ladendiebe" des japanischen Filmregisseurs Hirokazu Kore-Eda. In Berlinartlink erzählt der Fotograf Peter Bialobrzeski, wie seine Städte-Tagebücher entstehen. Georges-Arthur Goldschmidt hofft im Interview mit dem Zeit-Magazin, dass Deutschland nicht vergaulandet. Diedrich Diederichsen outet sich im Freitag als Endgegner des Algorithmus.
9punkt - Die Debattenrundschau
27.12.2018 Für die Zeit begab sich ein Autor nach Tansania und beschreibt, wie ratlos man dort die europäischen Debatten über Kolonialkunst und Restitution verfolgt. Die Reportage mit viel Atmo ist am Ende, konstatiert dieselbe Zeit mit Blick auf die Relotius-Affäre. Soll es nun eine Moscheesteuer geben, oder pudert man damit nur einen Zopf? Die Medien sind uneins. Die Jungle World erinnert an die Fatwa gegen Salman Rushdie vor bald dreißig Jahren.
Medienticker
27.12.2018 Medienbranche: Debattieren über Druckerzeugnisse - Franziska Augstein über den Spiegel & Relotius' erfundene Reportagen - Alexander Kluge über das Erzählen: Die neun Ordnungen von Schnee & Liebe ist hart wie Beton - Rassistisches Denken: Weiße Flecken auf der wissenschaftlichen Landkarte - Neil Youngs Streaming Music Service: Weil's besser klingt + Gedichtekalender 2019: Wie viele Verse hätten Sie denn gern?
Bücherschau des Tages
27.12.2018 Die FAZ staunt, wie Lukas Jüliger Edgar Allan Poes "Berenice" in ein japanisches Camgirl verwandelt. In Jeffrey Eugenides' "Das große Experiment" lernt sie die Ungerechtigkeit in den USA kennen. Die Zeit liest den dritten Teil von Virginie Despentes' "Vernon Subutex" als Vorgeschichte zum Aufstand der Gelbwesten und würdigt Karl-Heinz Otts "Und jeden Morgen das Meer" als ersten existenzphilosophischen Roman mit weiblicher Hauptfigur. Die FR bewundert, wie Michael Köhlmeier den Neuen Rechten Paroli bietet.
Freitag, 28.12.2018
9punkt - Die Debattenrundschau
28.12.2018 Im Standard erinnert der britische Kulturhistoriker Peter Frankopan die Österreicher an ihre Geschichte als Kolonialmacht. Seyran Ates' Vorschlag einer "Moscheesteuer", die sich aber nicht an die Kirchensteuer anlehnen soll, wird nach wir vor sehr kontrovers diskutiert. Bülent Mumay berichtet in der FAZ, dass zumindest Tayyip Erdogan schon mal das Steueraufkommen für seine Religionsbehörde erheblich vergößert. Und der ZDF-Intendant Thomas Bellut hätte auch gern eine Erhöhung, moderat, versteht sich.
Efeu - Die Kulturrundschau
28.12.2018 In Monopol denkt Ulf Erdmann Ziegler über den sexuellen Körper in der Kunst nach. Hyperallergic erinnert an die Welt der jüdischen Rentner in Miamis South Beach, die die Fotografen Gary Monroe und Andy Sweet festgehalten haben. Der Standard berichtet, wie russische Bürokraten das Kino im Land bevormunden. Die Welt wünscht sich wieder mehr Härte im Kinderbuch. Die taz kaut an der Tatsache, dass subversive Musik ohne fördernde Konzerne nicht überlebt. Und Frankreich erwartet sich vom neuen Houellebecq einen Serotoninstoß.
Medienticker
28.12.2018 Aktualisiert: Umfrage: Das beliebteste Produkt der Deutschen ist die Retoure - Fälschung: Spiegel streitet über künftige Führungskräfte - Audiotrends: Aus Podcasts werden Filmserien - Österreich: Kulturszene stemmt sich gegen Rechts - Widerborstig: Spex wandert ins Netz ab - Jahresrückblick 2018: Das Jahr der keilenden Dünnhäuter & das Jahr in Bild: Muslimische Wölfe sofort abschieben! - Die KönigInnen der Kreativität + Hörfunktipps fürs Wochenende.
Bücherschau des Tages
28.12.2018 Die FR lernt mit Cloe Mehdis Roman "Nichts ist verloren" in der Banlieue zu überleben und lobt Neil MacGregors "Leben mit den Göttern" als fantasiereichen Geschichtenreigen. Die FAZ lässt sich von Frank Rexroths schierer Freude an der "Frühen Scholastik" anstecken. Als farbige und szenenreiche Materialschlacht liest die NZZ Adam Zamoyskis Napoleon-Biografie.
Im Kino
28.12.2018 Hirokazu Koreedas wundersamer neuer Film "Shoplifters" lässt in einem sozialrealistischen Milieu einen utopischen Kern wachsen. Caroline Links Hape-Kerkeling-Filmbiografie "Der Junge muss an die frische Luft" evoziert westdeutsche Realitäten und verbindet Nostalgisches mit Groteskem.
Samstag, 29.12.2018
9punkt - Die Debattenrundschau
29.12.2018 In der NZZ betreibt Peter Sloterdijk auf vier Seiten eine Archäologie des aktuell wütenden Zynismus. Die öffentlich-rechtlichen Sender brauchen mehr Gebühren, hatte gestern der ZDF-Intendant Thomas Bellut gefordert. Notfalls gehen wir vors Bundesverfassungsgericht, sekundiert heute der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm. Schlimmer als Farage? Politico.eu porträtiert den rechtsextremen UKIP-Aktivisten Tommy Robinson.
Efeu - Die Kulturrundschau
29.12.2018 Amos Oz ist gestorben. Die Berliner Zeitung würdigt den israelischen Autor als Schriftsteller und als entschiedenen Mann, der auch fähig war, sich selbst entschieden infrage zu stellen. Die Welt feiert die Neuerfindung der High Fantasy durch Nora K. Jemisins Roman "Zerrissene Erde". Dezeen lässt sich von brasilianisch-japanischer Küche und Design verführen. Es gibt viel zu viel Fernsehen, stöhnt die FAZ. Die SZ warnt vor steigendem Rassismus gegenüber internationalen Künstlern in Deutschland. Die Junge Welt erinnert an den Erfinder des Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker, Joseph Goebbels.
Bücherschau des Tages
29.12.2018 Die FAZ würdigt Ulf Erdmann Zieglers "Schottland und andere Erzählungen" als anspruchsvolle Vermessung unserer Epoche. NZZ und Welt gehen mit Nora Bossong auf "Kreuzzug mit Hund". Die Welt empfiehlt N.K. Jemisins politisch korrekten Fantasyroman "Zerrissene Erde". Die taz liest fasziniert Christopher de Hamels Band über "Pracht und Anmut" mittelalterlicher Handschriften. Exzellent findet sie auch Enis Macis Essays aus dem "Eiscafé Europa".
Montag, 31.12.2018
Efeu - Die Kulturrundschau
31.12.2018 So macht man spannende Ausstellungen aus den Beständen, ruft die Berliner Zeitung den übrigen Staatlichen Museen nach einem Besuch im Hamburger Bahnhof zu. Wenig ruhmreich findet sie hingegen deren Umgang mit dem Mäzen James Simon. Im CulturMag-Interview erklärt Judith Schalansky, wie sie Abwesendes erahnbar macht. In der SZ erinnert sich David Grossman an Amos Oz. Und die taz erinnert sich an ihre erste J.D. Salinger-Lektüre.
9punkt - Die Debattenrundschau
31.12.2018 Wem gehört das "kulturelle Erbe"? In der NZZ kritisiert die Ethnologin Brigitta Hauser-Schäublin den Eigentumsbegriff in dem Rückgabe-Manifest Benedicte Savoy und Felwine Sarr. Die New York Times freut sich: Die Rechte einiger Autoren entkommen dem 95-jährigen Schutz des "Mickey Mouse Protection Act". Im Freitag distanziert sich der Philosoph Guillaume Paoli vom "global-kreativen Mittelstandsspektrum".
Medienticker
31.12.2018 Kulturwandel: Zukunft der Medienarbeit - Cyber-Attacke: verzögert Druck großer Tageszeitungen in den USA - KI 2019: Eine neue Ära (?) - Telegram-Blockade: Frontbericht vom russischen zivilen Cyberkrieg - 35. Chaos Communication Congress: Das Hackertreffen ist erwachsen geworden - Top-Thema 2018: Zunahme des Online-Handels - Rundfunkbeitrag: ARD schließt Verfassungsklage nicht aus + Vor 350 Jahren erschien Grimmelshausens "Simplicissimus".
Bücherschau des Tages
31.12.2018 Die FR wagt einen ersten Blick in Michel Houellebecqs nächste Woche erscheinenden Roman "Serotonin". Die FAZ liest bewegt eine Studie zu Gewalterfahrungen von Kindern und Jugendlichen im St. Johannes-Stift in Marsberg. Die SZ verschlingt Eduard von Keyserlings neu editierte Erzählungen und ist angenehm irritiert von Michail Bulgakows Roman "Die weiße Garde". Und der Perlentaucher wünscht allen einen guten Rutsch in 2019!