Samstag, 02.05.2009
Heute in den Feuilletons
02.05.2009 Die Kritik ist sich uneins über Judith Hermanns neuen Erzählband "Alice": Bei ihr wird nicht geweint und nicht geklagt, auch wenn's um den Tod geht, und das ist des einen Freud und des anderen Leid. Die SZ will Google Book Search und Open Access nicht in einen Topf werfen. In der NZZ kritisiert Peter Stein seine jüngeren Kollegen als konventionell. Marcel Weiss setzt in Netzwertig seine Bestandaufnahme der deutschen Angst vorm Netz fort.
Bücherschau des Tages
02.05.2009 Für die taz steht fest: Judith Hermann ist eine verdammt gute Schriftstellerin. Die FR ist weniger beeindruckt von ihren "Stillleben schöner Bedeutungslosigkeit". Großes Vergnügen bereitet dagegen der FR - wie auch der NZZ - Marcel Henaffs Abhandlung über Geld und Philosophie "Der Preis der Wahrheit". Die NZZ kann auch Winfried Hassemers Schrift "Warum Strafe sein muss" sehr loben. Die FAZ ist hingerissen von David Wagners Miniaturen zum Kindsein und Erwachsenwerden "Spricht das Kind".
Montag, 04.05.2009
Heute in den Feuilletons
04.05.2009 Schriftsteller sind wie Vögel, meint Jonathan Franzen in der Welt. Und Vögel sind so arm, dass sie Käfer fressen. Die taz fürchtet eine immer stärkere Zensur im Netz, für die Kinderpornografie nur ein Vorwand ist. Für die SZ berichtet Richard Swartz Unheimliches aus dem krisengeplagten Ungarn. Und selbst die FAZ kann über Ernst Nolte nur den Kopf schütteln.
Bücherschau des Tages
04.05.2009 Die
SZ ist hingerissen von
Esther Kinsky, die in ihrem Debütroman "Sommerfrische"
sehr sinnlich und zugleich präzise schreibt (hier eine
Leseprobe). Unbedingt empfehlen kann sie auch
Marcus Chowns ganz unesoterische
Kosmologie "Das Universum und das ewige Leben". Freudentränen vergießt die
FAZ über
August Strindbergs wiederentdeckte Reportage "Unter französischen Bauern".
Medienticker-Archiv
04.05.2009 Zehn Autoren erzählen einen Roman - Tag der Pressefreiheit: Die deutsche Presse und die vertane Chance - Eröffnung des Theatertreffen: Kein Klatschen in der Kirche - Das Amerikanische Jahrhundert ist ein Mutantenjahrhundert - medienlese.com: Eine vorläufige Bilanz - Wie sich Rotkäppchen abseilte - StudiVZ verkommt immer mehr zum Kindergarten + That's Jazz! ... aus der Tube: Ron Carters "Golden Striker Trio".
Redaktionsblog - Im Ententeich
04.05.2009 Richard Stallman hat Dan Halberts Geschichte im Jahr 1997 geschrieben. Sie war schon damals keine reine Science fiction. In diesem Nachtrag aus dem Jahr 2007 zeigt Stallman, einer der Pioniere der Freien-Software-Bewegung, welche Zensurmechanismen inzwischen von Industrie und Regierungen verwirklicht wurden. Dan Halbert ist immer noch auf dem Weg nach Tycho. D.Red.Nachtrag des Autors zu "Dan Halberts Weg nach Tycho" Der Kampf um das Recht zu lesen wird schon heute geführt. Es wird vielleicht noch 50 Jahre dauern, bis unsere heutige Lebensweise in Vergessenheit geraten ist, doch die meisten der oben beschriebenen Gesetze und Praktiken wurden bereits zur Diskussion gestellt; zum Teil sind sie in den USA und anderen Ländern schon heute geltendes Recht. In den USA hat der 1998 verabschiedete Digital Millenium Copyright Act (DMCA) die gesetzlichen Grundlagen dafür gelegt, das Lesen und Verleihen von digital verfügbaren Büchern (und anderen Werken) einzuschränken. Die Europäische Union hat mit einer 2001 verabschiedeten Copyright-Direktive ähnliche Einschränkungen ermöglicht. In Frankreich ist es aufgrund des 2006 beschlossenen DADVSI-Gesetzes bereits ein Verbrechen, das freie Programm DeCSS, das das Entschlüsseln von DVD-Videos ermöglicht, auch nur zu besitzen.
Dienstag, 05.05.2009
Magazinrundschau
05.05.2009 The Nation porträtiert den bulgarischen Mafioso und Autor Georgi Stoev, der genauso ermordet wurde, wie er es in seinen Büchern beschrieben hat. In Nepszabadsag erklärt der Dichter Akos Szilagyi, warum ein Gesetz gegen Holocaustleugnung nicht die Meinungsfreiheit einschränkt. Der New Yorker wünscht sich mehr Befehlsverantwortung. In der Gazeta Wyborcza fordert Roza Thun von den Polen mehr Leidenschaft für die EU. Im New Statesman glaubt Andrew Orlowski nicht an den Long Tail im Internet. In der NYT erklärt Russell Shorto den Unterschied zwischen einem Holländer und einem Amerikaner.
Heute in den Feuilletons
05.05.2009 Techcrunch fürchtet: Der neue Kindle wird die amerikanischen Zeitungen auch nicht retten. In der taz warnt Peter Sloterdijk: Wir müssen aufhören, die Krise zu ästhetisieren. Die Berliner Zeitung will die Gratis-Idee des Netzes aufbrechen. In der FAZ setzt der Autor Michael W. Perry seine Hoffnungen auf Europa: Rettet uns vor Google.
Bücherschau des Tages
05.05.2009 Verblüffende Einsichten in die Datenbankkultur vor Google verdankt die NZZ David Gugerlis Buch "Suchmaschinen". Die FAZ lässt sich Michal Hvoreckys Roman "Eskorta" als frivoles Märchen aus besseren kapitalistischen Zeiten gefallen. Die taz erfährt von Anna Sam alles über "Die Leiden einer jungen Kassiererin".
Medienticker-Archiv
05.05.2009 Das Internet der nächsten Generation: WolframAlpha oder Die Berechnung der Welt - Arianna Huffington: Viele Zeitungen werden nicht überleben - US-Zeitungen dürfen nicht auf Rettungspaket hoffen - Hoffnung Riesen-Kindle und Kindle-Alternativen - Ausweitung der Gewinnzone: Bücher verkraften einen Mehrpreis (?) und Digitalisierung der Buchproduktion + Franz Xaver Kroetz: Die Kunst muss so radikal sein, dass die Politik vor ihr in die Knie geht.
Mittwoch, 06.05.2009
Heute in den Feuilletons
06.05.2009 In der SZ erzählt der Künstler James Turrell, wie er den Sammlern Licht verkauft. Die FAZ bringt weitere Artikel gegen Open Access. Und Martin Walser verteidigt den Kapitalismus. Die FR schätzt Wolfgang Rihms "Proserpina" als feministische Oper. Thomas Knüwer hat für Indiskretion Ehrensache den Guardian besucht, wo die Printjournalisten dem Prekariat aus der Online-Abteilung gleichgestellt werden.
Bücherschau des Tages
06.05.2009 Sehr klug und sehr plastisch findet die NZZ, wie Lothar Gall in seinem Porträt Walther Rathenau als Symbolfigur einer Epoche im Umbruch beschreibt. Schrille und stille Katastrophen erlebt die FAZ mit Glyn Maxwells "Mädchen, das sterben sollte". Die SZ stellt Ottmar Ettes intellektuelle Biografie Alexander von Humboldts vor.
Bücherbrief
06.05.2009 Roman des Monats ist für uns Mohammed Hanifs "Eine Kiste explodierender Mangos", der bisher nur von der NZZ sehr nachdrücklich empfohlen wurde. Zu den Sachbüchern gehört Irmtrud Wojaks Biografie über Fritz Bauer. Schön auch Florian Werners "Die Kuh - Leben, Werk und Wirkung".
Medienticker-Archiv
06.05.2009 Wolfram Schüttes Petits riens u. a. über Kritiker, die lieber reden als lesen - Zeitungen, News-Aggregatoren und Universitäten - next09: Web-Visionär Jeff Jarvis meint wir leben in einer Google-Welt und sagt massenhaftes Zeitungssterben voraus - Auch Jakob Augstein sieht die Zeitungszukunft düster bis tiefschwarz - Printmedien rätseln über Online-Finanzierungsmodelle - Apple könnte Twitter schlucken - Kempowski und seine Spionage.
Im Kino
06.05.2009 J.J. Abrams gräbt in seinem "Star Trek"-Neustart- Versuch ein Wurmloch in die Zeit und jagt eine neue Enterprise-Rasselbande durch die unendlichen Weiten des Alls. Der Dokumentarfilm "Das Herz von Jenin" folgt der erstaunlichen wahren Geschichte einer Organspende, die viele heikle Punkte des Israel-Palästina-Konflikts berührt.
Donnerstag, 07.05.2009
Heute in den Feuilletons
07.05.2009 Im Freitag protestiert Christoph Hein gegen die offizielle Ausstellung "60 Jahre - 60 Werke", in der kein einziges Werk aus der DDR gezeigt wird. Telepolis fragt: Warum fordern die Zeitungen, denen es doch so um die Urheber zu tun ist, Leistungsschutzrechte? Die Zeit besucht die Macher des ersten Programmkinos im Internet: The Auteurs. Die Welt berichtet über Zweifel an der Echtheit der Nofretete-Büste.
Bücherschau des Tages
07.05.2009 Moralisch, engagiert und trotzdem hinreißend finde die FAZ Adriaan van Dis' Roman über die Papierlosen von Paris "Ein feiner Herr und ein armer Hund". Ganz entspannt liest sie Tom Hodgkinsons "Leitfaden für faule Eltern". Ergreifend disparat findet Andreas Maier in der Zeit Arnold Stadlers Buch über Pasolini und Gott "Salvatore". Witz und Blasphemie entdeckt sie in Jürgen Wertheimers Burleske "Als Maria Gott erfand". Und die NZZ empfiehlt Hans Georg Behr als einen frühen Poeten des Pop.
Vorgeblättert
07.05.2009 "Korruption ist ein Delikt der Mächtigen. Sie ist ein Oberschichtenphänomen. Die Täter gehören zur Creme de la Creme unserer Gesellschaft. 'Männlich, über 40 Jahre, ohne Schulden und Vorstrafen', das sei der typische Korruptionssünder ..." heißt es in "Die korrupte Republik" von Hans-Martin Tillack. Lesen Sie hier einen Auszug.
Medienticker-Archiv
07.05.2009 Jochen Jung: Warum Kochbücher zu empfehlen sind, von Klassikern in der Krise aber eher abzuraten ist - Fremdreden im Internet - WolframAlpha (2): Was der Google-Gegner weiß und was nicht - Warum Twitter(n) trotz des Hypes wichtig sein soll - studiVZ verklagt sich selbst - Schreiben für Google (?) und die besten Google-Tipps - Jürgen Becker: "Ich bin kein Patriot" - Das Private ist politisch: Rosenkrieg im Hause Berlusconi + Felix 04.
Freitag, 08.05.2009
Heute in den Feuilletons
08.05.2009 Für die Welt liest Hubertus Knabe die Akten der Stasi-Verhöre Jürgen Fuchs'. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries stimmt dem "Heidelberger Appell" zu, will ein Leistungsschutzrecht für Zeitungen und fordert strengere Kontrolle im Netz, berichtet Heise. Die FR druckt ein Youtube-Interview mit Condoleezza Rice, die ganz genau erklärt, warum Waterboarding gar keine Folter sein kann. Die SZ besucht die europäische Google-Zentrale. Im Tagesspiegel erklärt Jury-Mitglied Thomas Brussig, warum es mit dem Einheitsdenkmal nicht werden konnte.
Bücherschau des Tages
08.05.2009 Als geistvoll-graziös empfiehlt die FR Irene Disches Roman über einen kurdischen Spitzenkiller "Ein Job". Die FAZ liest Friederike Mayröckers Gedichtband "Scardanelli". Die SZ staunt über den Furor, mit dem Karl Heinz Bohrer gegen moralische Deutungen der großen Tragiker wütet. Außerdem stellt sie neue Kinderbücher vor.
Medienticker-Archiv
08.05.2009 Das ABC über den Journalismus in der Krise - Journalismus 2.0: Die Diskussion mitgestalten - Onlinebörse für Journalisten - G wie Google: Besuch bei Google und Google verändert die Zeitungen mehr, als Redakteure und Verleger wahrhaben wollen - next0: Viel Networking und die Erkenntnis: Gewinner teilen gerne - Juchuuu, zwei neue Webseiten, die ich anschauen darf + Lars Norens "Pur": Ein Schwede ist französischer als die Franzosen.
Samstag, 09.05.2009
Heute in den Feuilletons
09.05.2009 In der Welt schwärmt Arno Geiger von der unkontrollierten, lebenswütigen Literatur des Thomas Wolfe. In der taz arbeitet Antonio Negri an einem Pragmatismus der Revolution. Die SZ sieht sie in Mexiko schon auf bestem Weg, zumindest in der Architektur. In der FR fragt sich Navid Kermani, warum über Goethe immer nur die Meiers und die Schulzes reden. Die NZZ bewundert Ingmar Bergmans souveränen Umgang mit Kritik. Die Blogs resümieren die Urheberrechtskonferenz des Bundesjustizministerium. Und die FAZ erklärt, wie sich Indiens siebenhundert Millionen Wähler an die Urnen bringen lassen: mit Begeisterung.
Bücherschau des Tages
09.05.2009 Vitalität, Überschwang, Schwärmerei - kann man alles wiederentdecken in der Neuübersetzung von Thomas Wolfes "Schau heimwärts, Engel", verspricht die FAZ. Die NZZ wühlt sich freudestrahlend durch die Schätze des Bergman-Archivs und allen, die genug von deutscher Abstraktion und Trivialität haben, empfiehlt sie den lebenssatten Roman "Die italienische Begeisterung" von Gerd-Peter Eigner. Die SZ hebt ab mit John Updikes "Die Witwen von Eastwick". Die taz verneigt sich vor Veronique Olmis Babuschka.
Montag, 11.05.2009
Heute in den Feuilletons
11.05.2009 "Heidelberger Appell" hin oder her - in der Welt fasst Cora Stephan ihren Ko-Autoren und den etablierten Medien an die jeweils eigenen Nasen. Auch die taz kritisiert die Medien, die das eigene Desinteresse an Europa als "Europa-Müdigkeit" des Publikums verkaufen. Die NZZ zeigt: Matisse versteht Picasso mit dem Kopf, aber nicht mit dem Hintern. Der SZ-Kritiker Christopher Schmidt diagnostiziert eine Sehnsucht nach Unmittelbarkeit im Theater und beim Publikum.
Bücherschau des Tages
11.05.2009 Die FAZ bespricht ein Buch eines SZ-Kollegen, die FR das Buch eines FAZ-Kollegen, die SZ das Buch eines FAZ-Korrespondenten. Und alle sind klasse! Wichtig außerdem: Die Memoiren der UNO-Anklägerin Carla del Ponte in der SZ. Und die FAZ schätzt Erichs Loests Leipzig-Bewältigung "Löwenstadt".
Medienticker-Archiv
11.05.2009 Über Astrid Herbolds schocktherapeutischen Rundumschlag mit dem Holzhammer: "Das große Rauschen Die Lebenslügen der digitalen Gesellschaft" - "Copyright ist kein natürliches Recht": Zwischen Möglichkeitseuphorie und Gefahrenangst - Ballacken, Smirten und Leecher - New York Times: Familiensache - Twitter als neue Suchmaschine + That's Jazz aus der Tube: Zum 70. Geburtstag der Pianistin Carla Bley.
Dienstag, 12.05.2009
Magazinrundschau
12.05.2009 Der Nouvel Obs bringt ein Interview mit Imre Kertesz über das Überleben nach dem Überleben. Die New York Review of Books feiert die reiche und kluge Madame de Stael. Tygodnik Powszechny freut sich über die erste Stasiuk-Verfilmung. Im Guardian fragt sich Elaine Showalter, warum amerikanische Autorinnen notorisch unterschätzt werden. Le Point porträtiert Dieudonne, der seinen Antisemitismus zur Kunst erklärt. Rue 89 fragt: Sind Internetsperren links? Im New Republic liest sich John Banville durch die Briefe Samuel Becketts.
Heute in den Feuilletons
12.05.2009 Der Papst war in Jerusalem, Depeche Mode waren in Tel Aviv. Die SZ entschied sich - für Tel Aviv. Die Welt ist fasziniert: In "Riesenbutzbach" wird mit Menschen gehobelt. Die taz schildert vergebliche Vereinigungsbemühungen von Ost- und Westfeministinnen. In der FAZ erzählt Andrzej Stasiuk sein 89. Carta ist überzeugt: Der deutsche Journalismus geht gerade wegen seiner Rettungsringe unter.
Bücherschau des Tages
12.05.2009 Gar nicht keusch findet die SZ Edvard Koinbergs Fotoband über das "Liebesleben der Pflanzen". Den Hut zieht sie vor Gisela Krafts Nachdichtung der Gedichte Nazim Hikmets. Die NZZ folgt mit Anteilnahme einem Schizophrenen, den John Wray als "Retter der Welt" in die New Yorker Subway schickt. Frech und detailreich geschildert findet die FAZ pakistanische Verhältnisse in Mohammed Hanifs Roman "Eine Kiste explodierender Mangos".
Medienticker-Archiv
12.05.2009 Zeitungsretter Kindle? - Wozu Zeitung? Wozu Journalisten? - Open Access und die Zukunft des wissenschaftlichen Publizierens - Wie frei ist frei? Lizenz-Änderung bei Wikipedia - "Amarcord" literarisch: Wolfram Schütte über Gianni Celati: "Was für ein Leben!" - Einen automatisch zwitschern - Glaube an Mythen des Bürgertums und des Kapitalismus schwindet - Wirbelsturm in der Teetasse oder: Was die FAZ nicht mehr online stellt.
Redaktionsblog - Im Ententeich
12.05.2009 Gerade hat die Akademie der Künste in Berlin Klaus Staeck neu zum Präsidenten gewählt. Er ist mit seinen 71 Jahren erstaunlich offen für Internetthemen. Unter seiner Ägide hat die Akademie eine Erklärung zur aktuellen Urheberrechtsdebatte veröffentlicht, die immerhin ein klein bisschen offener ist als der arg vernagelte, auf die Interessen der traditionellen Verwerterindustrien fokussierte "Heidelberger Appell". Im Eingangsstatement heißt es bei der Akademie:
Mittwoch, 13.05.2009
Heute in den Feuilletons
13.05.2009 In der Welt meldet die Autorin Julia Franck literarische Bedenken gegen das Internet an. Die FR hat David Attenborough nach den Kreationisten gefragt. Die Antwort kriecht als Wurm durch das Auge eines afrikanischen Kindes. Den Leipzigern soll eine Demokratieglocke schlagen, berichtet die NZZ. Stefan Niggemeier platzt der Kragen über die Qualitätsjournalisten. Alle Zeitungen freuen sich auf das krisenbedingt ein wenig gerupfte Festival von Cannes.
Bücherschau des Tages
13.05.2009 Die NZZ spielt mit den Schrumpfköpfen in Carsten Jensens Roman "Wir Ertrunkenen". Danach versenkt sie sich in gelehrte Werke über Hölderlins Rhythmus und Poetik. Die SZ fühlt sich beim Durchblättern von Seyfrieds Comics so alt wie der Künstler. Gilles Kepels Band über die "Spirale des Terrors" findet die FAZ instruktiv. Verhaltene Zustimmung erntet auch Irmtrud Wojaks Fritz-Bauer-Biografie.
Medienticker-Archiv
13.05.2009 Gut geschrieben, gut vernetzt - Print+Online: Jakob Augstein rät Verlegern zu Zeitungs-Communities - Frenzels umstrittene "Daten deutscher Dichtung" aus dem dtv-Programm genommen - Grimme Online Awards - Kritik am Umgang mit DDR-Kunst - Ideologie-Krise: Warum Linke keinen Humor haben - Kaleidoskop des Abseitigen: 40 Kritiken jenseits des mainstream + That's Jazz in der Tube: Zum 21. Todestag von Chet Baker: "My Funny Valentine".
Im Kino
13.05.2009 Denis Iliadis' "The Last House on the Left" ist das Hollywood-Horror-Remake eines Horror-Remakes von Ingmar Bergmans "Jungfrauenquelle", der eine Verfilmung einer schwedischen Ballade war. Und Bouli Lanners' "Eldorado" ist ganz was anderes: ein belgisches Roadmovie mit leerer Landschaft, Baumwipfeln und Musik.
Donnerstag, 14.05.2009
Heute in den Feuilletons
14.05.2009 FAZ und NZZ sind fassungslos über die Entscheidung, Navid Kermani vom Hessischen Kulturpreis auszuschließen. In der FR fragt Necla Kelek ihren Soziologenkollegen Claus Leggewie, wie ein emanzipatorischer Ansatz in der Frage des Moscheenbaus aussehen sollte. Die Welt bewundert die Brüste einer Venus von der Schwäbischen Alb.
Bücherschau des Tages
14.05.2009 Die
FAZ lernt in
Tanguy Viels Roman "Das absolut perfekte Verbrechen" (
Leseprobe), wie man die
Beute aus einem Casino in Sicherheit bringt.
Claus Leggewie unterschätzt den
politischen Islam, glaubt
Necla Kelek, die in der
FR das Buch "Moscheen in Deutschland" bespricht. "Wer will ein billiges
Nashorn?", fragt
Shel Silverstein. Die
Zeit brüllt: ich! Außerdem verliebt sie sich in einen
Hühnerdieb. Die
SZ verfällt
Olga Tokarczuks "Unrast" (
Leseprobe) und ihrem Hang zu beschädigten Figuren.
Medienticker-Archiv
14.05.2009 Blogger über "Zensursula" - E-Book: Das Ding - Microsoft: Sex sells Search? - Wirtschaftskrise bedroht die Presse oder Keine weiteren Fragen: Interviewmagazin Galore nur noch im Netz - Obama will doch keine Folter-Fotos veröffentlichen - Welttheater in der Provinz: Zum Tod von Roger Planchon - Keine Freiheit ohne Kunst, aber Kunst ohne Freiheit - Da waren die Beuys-Bäume ab - That's Jazz in der Tube: Jack Bruce zum 66. Geburtstag.
Freitag, 15.05.2009
Heute in den Feuilletons
15.05.2009 Deutsche Politiker im Web 2.0 - ratlos: Die NZZ ist nach Untersuchung der Wahlkampfseiten ernüchtert. In Qantara benennt der Lyriker Adonis die Hindernisse im Dialog der Kulturen. Die Welt bringt ein Gespräch mit Lars von Trier, der eine Depression mit dem "Antichrist" bewältigte. Der Skandal um die Aberkennung des Hessischen Kulturpreises für Navid Kermani sorgt allgemein für Befremdung - Kermani selbst schreibt in der FAZ. Aktualisiert um 10 h: Die Blogs diskutieren über Lawrence Lessig, Kinderpornosperren, "Heidelberger Appell".
Bücherschau des Tages
15.05.2009 Die FR lässt sich von Fred Vargas' Kommissar Adamsberg an einen "Verbotenen Ort" führen. Die SZ gewinnt mit Damon Galguts Roman "Der Betrüger" einen neuen Blick auf Südafrika. Die FAZ beobachtet den von Irene Nemirovsky geschilderten moralischen Zerfall der feinen Pariser Gesellschaft während des Ersten Weltkriegs.
Medienticker-Archiv
15.05.2009 Gespräch mit Richard Powers: Von der Kunst, die Realität zu erfinden - Iluminati: Ein Hexensabbat von Hollywoods Bewusstseinsindustrie - Infotopia: Wie viele Köpfe Wissen produzieren - Münchner Museumsträume: Mörteln ohne Masterplan - Hofknicks vor den Krautrock-Königen - Süddeutsche qualitätsjournalistische Blamage Hoch2 + Premiere verschwindet, Sky kommt.
Samstag, 16.05.2009
Heute in den Feuilletons
16.05.2009 In der NZZ erklärt David Lodge, wann ein Künstler zum Geschäftsmann wird. Die CDU will bei Google überhaupt keine deutschen Bücher sehen, meldet Spiegel Online. In der taz erklärt der Theatermacher Volker Lösch, wie er das Theater an die Welt ankoppelt. Netzpolitik.org weiß, warum sich die Videotheken solche Sorgen über Kinderpornos im Netz machen. Und: Die Empörung über die Aberkennung des Hessischen Kulturpreises an Navid Kermani ist einhellig.
Bücherschau des Tages
16.05.2009 Die Neu- und Wiederentdeckungen aus der ungarischen Literatur nehmen kein Ende. Die NZZ empfiehlt heute dringend den Internatsroman "Die Schule an der Grenze" von Geza Ottlik. Außerdem liest sie mit Gewinn den jiddischen Autor Yechiel Shraibman. Die taz entfesselt den Dichter in Stephen Fry. Die FAZ liest amerikanische Romane, darunter James Agees "Ein Todesfall in der Familie"
Montag, 18.05.2009
Heute in den Feuilletons
18.05.2009 Micha Brumlik fürchtet nach dem Debakel um den Hessischen Kulturpreis in der FR um die Zukunft der Integrationspolitik. In der Welt befürwortet der Autor Rolf Schneider einen Prozess gegen John Demjanjuk. In der taz spricht der Historiker Tom Segev über Rassismus in Israel. Die Cannes-Kolumnisten schreiben zumeist über Ang Lees neuen Film "Taking Woodstock". Die NZZ fand Albert Ostermaiers neues Stück "Blaue Spiegel" am Berliner Ensemble so leicht verständlich wie schwer verdaulich.
Bücherschau des Tages
18.05.2009 Die FAZ lässt sich von Jürgen Roth durch das "Mafialand Deutschland" führen. Sie folgt Patrick McCabe in die Abgründe eines irischen "Winterwalds" und Sofja Andrejewna Tolstaja in das nicht minder abgründige Leben an der Seite Leo Tolstojs. Die SZ erlebt in den "Texten der deutschen Tischgesellschaft", verfasst von erlauchten Mitgliedern wie Schleiermacher, Brentano, Kleist oder Arnim, die Urszene des modernen Antisemitismus. Außerdem liest sie informative Bücher über das Grundgesetz.
Vorgeblättert
18.05.2009 Paris - Kein Fest fürs Leben könnte dieser Roman des französischen Schriftstellers Jean Rolin heißen. Der Boulevard Ney, gelegen am nordöstlichen Stadtrand von Paris, ist Schauplatz der zugleich tragischen und heldenhaften Geschichten: Außenseiter, Clochards, Fixer, Exilanten, afrikanische und osteuropäische Prostituierte leben in diesem Zwischenreich zwischen Pheripherique und Paris. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Boulevard Ney".
Medienticker-Archiv
18.05.2009 Christoph Schlingensief startet neues Online-Projekt - Interview mit Blogger Sascha Lobo: "Das ganze Web 2.0 ist ein Hype" - Adolf, die Tunte: Hitler-Musical feiert Deutschland-Premiere - Amazon übernimmt Audible.de - Suchmaschine Wolfram Alpha als Beta - New York Times will ihre Website wieder kostenpflichtig machen + That's Jazz in der Tube: Zum 5. Todestag des Schlagzeugers Elvin Jones.
Dienstag, 19.05.2009
Magazinrundschau
19.05.2009 Wie findet man Lebensglück?, fragt The Atlantic. Outlook India feiert den Sieg der säkularen Politik in Indien. Der Spectator sieht die Stunde der Mediävisten gekommen. Der Economist erklärt, warum der Perlentaucher lebenswichtig ist. Der New Statesman kauft Damenunterwäsche in Saudi-Arabien. Magyar Narancs fragt sich, was der 8. Mai eigentlich in Ungarn bedeutet. Die afghanischen Ehegesetze widersprechen dem Koran, erklärt Nasr Abu-Zayd in ResetDoc. Jazz stirbt in Polen, erkennt Polityka.
Heute in den Feuilletons
19.05.2009 Der Skandal um den Hessischen Kulturpreis grollt und rollt weiter. Die FR fordert eine Trennung von Staat und Kirche in Hessen. Die NZZ muss mit Besorgnis zur Kenntnis nehmen, dass ein NZZ-Artikel zum Skandal Anlass gegeben hat. In der FAZ versetzt der Theologe Friedrich Wilhelm Graf den Staats- und Kirchenfürsten eine kräftige Watsche. SZ und Welt geben zu bedenken: Dürfen Christen nicht auch mal beleidigt sein? Und dann Lars von Trier, der Irrsinn, das Echte, die Schere, der Horror, der Horror, der Horror...
Bücherschau des Tages
19.05.2009 Die NZZ verschlingt zwei Krimis von Leo Malet und hat danach größte Lust, mit dem Stadtplan in der Hand das heutige Paris mit dem von Malets Detektiv Nestor Burma zu vergleichen. Die SZ lässt sich von Wilfried Wittes Geschichte der Spanischen Grippe fesseln. Die FAZ liest mit großer Sympathie Lorenz Langeneggers Roman über einen scheuen Schweizer Steuerbeamten.
Medienticker-Archiv
19.05.2009 Eine Gesetzesvorlage - Cannes-Stammgast aus Austria: Michael Hanekes "Das weiße Band" - Staatsposse um den Hessischen Kulturpreis - Wer hat Angst vorm rasierten Wolf?: Albert Ostermaiers "Blaue Spiegel" - Kauft Musik-Milliardär David Geffen die New York Times? - Krapps Echo: Über Peter Handkes Monolog "Bis dass der Tag euch scheidet ..."
Mittwoch, 20.05.2009
Heute in den Feuilletons
20.05.2009 Große Debatten über das Internet. Ist es gut, ist es böse? Die Zeit verteidigt die Intellektuellen gegen alle, die zugeben, sie nicht zu verstehen, zumindest aber gegen muehl500. Kann es sein, dass die Intellektuellen selbst die Entkoppelung von Text und Medium durch das Netz nicht verstehen?, fragt der Freitag. In der FAZ antwortet Stefan Niggemeier auf Miriam Meckel: Die Zeitungen haben die Autoren schon vor Google enteignet. In der FAZ kriecht auch Kardinal Lehmann keineswegs zu Kreuze.
Bücherschau des Tages
20.05.2009 Klug gebaut und erschütternd findet die
Zeit "Zweimal Juni",
Martin Kohans Roman über die Militärdiktatur in
Argentinien. Mit Begeisterung lauscht sie
Arno Schmidts getrüffelten "Kühen in Halbtrauer". Die
SZ gräbt sich durch
poststrukturelle Mülltheorien in
Nicolas Dickners Roman "Nikolski" (
Leseprobe). Die
FR empfiehlt
Eckart Conzes Geschichte der
Bundesrepublik.
Medienticker-Archiv
20.05.2009 Ijoma Mangold über Intellektuelle und das Internet - Erste europäische Charta für Pressefreiheit - Zeichnen macht glücklich: Hans Traxler zum 80. Geburtstag - Twitter-Meinungsbarometer twitterthema startet - GEZ-Gebühren: Richter urteilen für PC-Hörfunkabgabe - Jeder Zweite liest sonntags Zeitung - Eine Einladung zum Tanz: Arabisch-europäischer Diskurs - Der nackte Wahnsinn: Le Corbusier intim.
Im Kino
20.05.2009 Mit Jean-Francois Richets Film "Public Enemy No. 1 - Todestriebe" kommt Teil 2 des großen Gangsterbilderbogens ins Kino. Gelegenheit, noch einmal etwas grundsätzlicher darüber nachzudenken. Außerdem: Lars Jessen schickt in "Die Schimmelreiter" zwei Lebensmittelkontrolleure übers flache Hamburger Umland.
Freitag, 22.05.2009
Heute in den Feuilletons
22.05.2009 In der FR streiten sich Claus Peymann und Rene Pollesch über den Wert der Literatur. Die Welt zeichnet ein wenig schmeichelhaftes Porträt des neuen Festivalchefs von Salzburg, Alexander Pereira. Und alle schreiben aus Cannes über Quentin Tarantinos Film "Inglourious Basterds": Für die SZ ist es ein Feelgood-Film über Nazis, die taz freut sich, weil Hitler kaputt, die FR sieht ihn als verwegene Kolportage, die Welt feiert den eigentlichen Star des Films: Christoph Waltz.
Bücherschau des Tages
22.05.2009 Magere Ausbeute heute: gerade mal zwei Bücher werden besprochen. In Daniel Stashowers Arthur-Conan-Doyle-Biografie erfährt man alles über den Krimiautor, Science-Fiction-Autor, Kriegsberichterstatter und Autorennfahrer Doyle. John von Düffels Band "Wovon ich schreibe" kommt nicht so gut weg: Zu verschwitzt, findet der Rezensent.
Medienticker-Archiv
22.05.2009 Über Robert Gernhardts "Der Ton im Wörtersee" und "Was das Gedicht alles kann. Alles" - Die Joel-Story: Die deutschen Wurzeln des Piano Man - Mit Web 2.0 wird Kunst zum Massenphänomen - Twitter vor ein paar Jahrzehnten - Plagiarismus-Vorwurf gegen New York Times - Cory Doktorow über die Pflicht zum freien Internet - Endlich: Hitler ist tot! - Bischof Huber: Gott ist nicht real + Die haben 'ne Scheibe! Rückkehr der Jazzplatte.
Karikaturen und Cartoons
22.05.2009 Stilvoller Untergang.
Post aus Istanbul
22.05.2009 Das Istanbuler Viertel Tarlabasi gilt der Stadtverwaltung als gefährlicher Sündenpfuhl, in dem Prostituierte und Kriminelle ihr Unwesen treiben. Darum will sie es jetzt abreißen lassen. Doch vorher muss sie die Anwohner vertreiben - zum Beispiel mit Müll, ihrer stinkendsten Waffe.
Samstag, 23.05.2009
Heute in den Feuilletons
23.05.2009 War der Schuss auf Benno Ohnesorg ein Stasi-Mord? Stefan Aust findet diese Frage in der FAZ nicht von der Hand zu weisen. Auch Wolfgang Kraushaar appelliert in der Berliner Zeitung an Karl-Heinz Kurras, die Hintergründe bekannt zu machen - ohne große Hoffnung, denn Mord verjährt nicht. In der NZZ fragt Dubravka Ugresic: Wo ist Heimat? Die SZ hat sich die Antwortmaschine Wolfram alpha agesehen, die viele Fragen offen lässt.
Bücherschau des Tages
23.05.2009 Die NZZ liest einen faszinierenden Roman über eine alte Frau, die sich in ihrem scheußlichen Altersheim nach Auschwitz zurücksehnt: Zyta Rudzkas "Doktor Josefs Schönste". Sehr gelobt wird auch die kongeniale neue Übersetzung von Herman Melvilles Erzählungen. Die taz liest sich vergnügt durch Henning Ahrens' "Provinzlexikon". Die SZ lernt mit dem Band "Als Studiosus in Pleiß-Athen" alles über das Leben eines Studenten im Leipzig des 18. Jahrhunderts. Die FAZ stolpert über ein fünftes Schaf.
Montag, 25.05.2009
Heute in den Feuilletons
25.05.2009 Die FAZ druckt den Aufruf Bernard-Henri Levys und Claude Lanzmanns gegen die Installierung eines antisemitischen Unesco-Direktors nach. Die NZZ sucht nach dem Gen für Sprache. Überall wird das Festival von Cannes resümiert, erschöpft, aber nicht unglücklich. Die taz schreibt die Geschichte zu Karl-Heinz Kurras nicht um. In der SZ antwortet Beqe Cufaj auf Franziska Augstein zum Kosovo-Krieg. Und man feiert den Schauspieler Christoph Waltz als hocheleganten Nazi bei Quentin Tarantino.
Bücherschau des Tages
25.05.2009 Die FAZ liest Steven Blooms Roman "Stellt mir eine Frage" gleich mehrmals - und zwar mit wachsender Begeisterung. Bilderreich, genialisch und aufregend findet die FR Aleksandar Hemons Anti-Integrationsroman "Lazarus". Und die SZ stellt Svealena Kutschkes Debütroman "Etwas Kleines gut versiegeln" vor.
Medienticker-Archiv
25.05.2009 Else Buschheuers Beitrag zur Phänomenologie des Ossis - Ohnesorg und die DDR: Taumeln von einer Lüge zur anderen - Klaus Harpprecht: Und er lebt doch, der Leitartikel! - Ida: Vorfahr der Primaten verzückt die Wissenschaft - Zensur: Iran verbietet Internet-Forum Facebook - Besserwisserbücher: Schluss jetzt, es reicht!
Dienstag, 26.05.2009
Magazinrundschau
26.05.2009 Wired erklärt, was Google ist: ein Auktionshaus. Die New York Review of Books sieht Pakistan am Rande der Anarchie. Elet es Irodalom stellt eine neue Zeitschrift zur Kultur der Peripherie vor. The Nation greift die Kundera-Affäre auf. In Literaturen liest Barbara Vinken Sexgeschichten von Kindern. Die LRB lobt das hervorragende Beispiel eines Wikis. In El Espectador schildert Hector Abad die fatalen Folgen des Lesens. Der Espresso porträtiert die Faschisten des dritten Jahrtausends.
Heute in den Feuilletons
26.05.2009 Bei Durban 2 haben die Feuilletons geschlafen, bei Faruk Hosni werden sie wach. Ein Unesco-Generaldirektor, der entschlossen ist, die Bibliothek von Alexandria Israel-rein zu halten, ist nicht haltbar, meint die FR. Das Blog Lizas Welt sieht den antisemitischen Unesco-Politiker nicht als Ausnahme, sondern als Regel in der UNO. In vielen Feuilletons klingt Cannes nach: Tolles Festival, meint die FAZ, geht so, meint die taz. In der Welt spricht Michael Haneke über seinen palmenprämierten Film. In der SZ fordert Navid Kermani eine Akademie der Kulturen der Welt für Köln. Und Walter Kappacher bekommt den Büchner-Preis, meldet Spiegel Online.
Bücherschau des Tages
26.05.2009 Die FAZ versinkt im Abschlussband "Principia" von Neal Stephensons Barock-Trilogie. Wie immer ist die Handlung irrwitzig komplex, es geht um Huren und Piraten, Anne von England, Ludwig XIV., Isaac Newton... Die NZZ liest Friederike Mayröckers Hölderlin-Gedichte "Scardanelli". Und die SZ kommt mit Irene Disches höchst amüsantem Roman "Clarissas empfindsame Reise" auf ihre Kosten.
Medienticker-Archiv
26.05.2009 Aktualisiert: Hörfunk-Interviews mit Walter Kappacher, der den diesjährigen Büchner-Preis erhält - Martin Walser: Deutschen Politikern und Medien fehlt es an Toleranz - Peter Esterhazy über Geza Ottliks "Die Schule an der Grenze" - Wolfram Schütte über Peter Adolphsens erzromantischen Bonsai-Roman - Kurt Drawert über die Ewigkeit in den Abgründen der DDR + Louis Begleys lehrreiche Recherchen.
Karikaturen und Cartoons
26.05.2009 Heute: Vom Makel zur Entschuldigung
Mittwoch, 27.05.2009
Heute in den Feuilletons
27.05.2009 Der 2. Juni 1967 verwirrt die Geister weiter. In der SZ meint Gerd Koenen, dass sich die Springer-Presse und die Stasi wahrscheinlich ganz gut auf das Feindbild "langhaarige Chaoten" einigen konnten. Die Welt will nachweisen, dass der Springer-Verlag differenzierter über die Studentenproteste berichtete, als das Feindbild es wahrhaben möchte. In der FAZ polemisiert Wolfgang Kraushaar gegen all jene, die an ihrem Geschichtsbild festhalten. Alle würdigen Walter Kappacher, der in diesem Jahr den Büchner-Preis bekommen wird.
Bücherschau des Tages
27.05.2009 Die
NZZ preist noch einmal die
unauffällige Schönheit des Romans "Fliegenpalast" von Büchnerpreis-Träger
Walter Kappacher. Freudetrunken begrüßt sie
Anne Michaels' langerwarteten neuen Roman "Wintergewölbe". Die FAZ liest
Wilhelm von Sternburgs Biografie des vor siebzig Jahren gestorbenen
Joseph Roth (hier eine
Leseprobe).
Medienticker-Archiv
27.05.2009 Bundesdeutsche Kultur der Außenseiter und das Münchner Gipfeltreffen der alten Herren - ZDF verringert Internetangebot um 80 Prozent - Wirken Videos? Kinderschutz in den Medien - Poesie, Professoren, Sex und Ruh: Schmutziger Dichterwettbewerb um den Oxford Professor of Poetry - Nazis auf dem Mond - Wo bleibt der Wahnsinn? Humor ist, wenn es trotzdem kracht.
Karikaturen und Cartoons
27.05.2009 Heute: BUMM!
Virtualienmarkt
27.05.2009 So fremd wie Kardinal Lehmann die Koexistenz mit anderen Gottesauffassungen ist dem Heidelberger Appell die Idee von Informationsbehältern ohne Deckel - dabei haben die digitalen Inhalte den Buchmarkt längst revolutioniert.
Im Kino
27.05.2009 Jim Jarmusch hat mit "The Limits of Control" in Spanien einen an Wiederholungen reichen Film gedreht, der einem vor den Augen zerfällt. Constantin Wulff zeigt in seiner Dokumentation "In die Welt" etwas Alltägliches und Außergewöhnliches: Gebären und Geborenwerden.
Redaktionsblog - Im Ententeich
27.05.2009 Die CDU hat sich modernisiert. Sie ist wählbar geworden - auch weil sie gelernt hat, nicht mehr mit potenziell rechtspopulistischen Themen Wähler gewinnen zu wollen. Heilsam war da Roland Kochs Scheitern bei der letzten Hessenwahl. Die Wähler haben ihm seinen Versuch, die gute alte Ausländerfeindlichkeit zu mobilisieren, geradezu übel genommen. Das sitzt. Angela Merkel lässt sich mit derartigem chauvinistischen Piefketum ohnehin nicht identifizieren.
Redaktionsblog - Im Ententeich
27.05.2009 Seit 11 Uhr bis etwa 12.55 Uhr kann man hier im Netz live die Anhörung von Sachverständigen zur Internetsperren mit anhören.
Die Übertragung wird um 19 Uhr wiederholt.
Mehr Infos und vor allem weitere Links zum Thema findet man bei Carta und bei Netzpolitik.
Donnerstag, 28.05.2009
Heute in den Feuilletons
28.05.2009 Die Enthüllungen über Karl-Heinz Kurras treiben die Feuilletons weiter um: "Nun ist der Westen am Zug", ruft Götz Aly in der Zeit und fordert die Öffnung weiterer Geheimdienstarchive. In der FR fragt Wolfgang Kraushaar, ob auch Dutschke von einem Stasi-Agenten niedergeschossen wurde. Im Tagesspiegel fordert Lutz Rathenow weniger Schwärzung in den Stasi-Akten. Die Welt berichtet über irische Debatten zu massenhaften Vergewaltigungen von Kindern in Institutionen der Katholischen Kirche. Heise berichtet, dass Kulturstaatminister Neumann Internetabschaltungen für illegale Downloader fordert.
Bücherschau des Tages
28.05.2009 Bewegt und ergriffen ist die FR von Hector Abads "Brief an einen Schatten", der von der Liebe eines Sohns zu seinem Vater erzählt - und zugleich von der Zerstörung der kolumbianischen Gesellschaft. Die FAZ freut sich, Göran Sonnevis Gedichte "Das brennende Haus" endlich auf Deutsch lesen zu können. Die Zeit stürzt sich in den Erzählstrom von Peter Ackroyds Kulturgeschichte der Themse. Mit Freude liest sie auch zwei neue Bücher Thomas Kapielskis.
Medienticker-Archiv
28.05.2009 Alexander Kluge im Gespräch - Alice Munro: Brooker Preis für die Meisterin der kleinen Form - Johano Strasser ist Friese und von Haus aus sehr stur - Burkhard Spinnen über Digitalisierung: Der Kleingärtner und die Lawine - Anti-Schwafel-Award für klare Positionen - Toiletten-Prosa: Ich sitze, also kritzle ich - Wie die Stasi die 68er kaputt machen wollte - Die Breitreifen-Bande: Hippies als Radsport-Revoluzzer.
Freitag, 29.05.2009
Heute in den Feuilletons
29.05.2009 Kindesmissbrauch scheint keine Spezialität des Internetzeitalters zu sein. John Banville schreibt in der NZZ über die massenhaften Misshandlungen und Folterungen von Kindern in Heimen der katholischen Kirche Irlands. In der Welt bekennt Simon Rattle seine Vorliebe für Haydn, den Rhythmiker. In Expressen erklärt Lars Gustafsson, warum er bei der Europawahl für die Piratenpartei stimmen wird. In der FR wendet sich Abdelwahab Meddeb gegen die massenhafte Schlachtung von Schweinen in Ägypten.
Bücherschau des Tages
29.05.2009 Die FAZ folgt Veronique Olmi freudig nach Nizza in die Welt russischer Emigranten. Die SZ kann Herbert Vorgrimlers "Geschichte des Paradieses und des Himmels" auch allen Ungläubigen ans Herz legen. Und die FR empfiehlt Leif Perssons Kommissar Bäckström als den vielleicht unsympathischsten der Weltliteratur.
Medienticker-Archiv
29.05.2009 Uni Frankfurt will Suhrkamp-Archiv - Bücher, Jukebox, Künstlerinterviews im Netz - Generation Roh: Online-Bürgerzeitung OhmyNews - Alle Skandale. Die Bahn: Internet-Foren und Radiobeiträge gefälscht - Microsoft macht Bing - Time Warner trennt sich von AOL - Google plant die Über-E-Mail - Wolfram Schütte über Walter Kappachers Künstlernovelle "Der Fliegenpalast" + Kreuzbetrachtungen, Hostien und Missverständnisse.
Karikaturen und Cartoons
29.05.2009 Alles Relativ.
Samstag, 30.05.2009
Heute in den Feuilletons
30.05.2009 Die FR lernt von Haydn: Quantität schützt vor Verschleiß. Auch die NZZ und die SZ feiern Haydn. In der Welt stellt sich Peter Schneider ein gerechteres 68 vor. Die taz wehrt sich gegen Vorwürfe Wolfgang Kraushaars und hält an ihrem Bild von 68 fest. In der Berliner Zeitung spricht der chinesische Eisenbahner und Aktivist Han Dongfang über das Massaker am Platz des Himmlischen Friedens vor 20 Jahren und seine Glauben an die Notwendigkeit von Gewerkschaften in China.
Bücherschau des Tages
30.05.2009 Die FAZ vertieft sich in die Hörbuchfassung von Wolfgang Koeppens Bonner Trilogie; "Tod in Rom" ist für sie sogar ein echtes Erlebnis. Die NZZ liest mit Sympathie die Memoiren des gelehrten Wieland Schmied "Lust am Widerspruch". Erschüttert ist sie von Philip Gourevitchs und Errol Morris' "Geschichte von Abu Ghraib".
Redaktionsblog - Im Ententeich
30.05.2009 Am Mittwoch wollten die westlichen Nationen erreichen, dass der UN-Menschenrechtsrat die Kriegsführung beider srilankischen Bürgerkriegsparteien in der letzten Phase untersucht. Der Rat ließ sich nicht lumpen: Menschenrechtsverletzungen durch die Tamil Tigers will er untersuchen. Solche des Regimes aber nicht. Die betrachtet er wohl als innere Angelegenheit. Vertreter westlicher Nationen äußerten sich enttäuscht.