Mittwoch, 01.11.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
01.11.2023 Die Bundesregierung hätte vorab die Zusammenarbeit mit der israelischen Regierung verweigern müssen, jetzt aber darf es auch in den Medien keine Neutralität geben, sagt der Historiker Moshe Zimmermann in der taz. SpiegelOnline denkt über eine Lösung nach dem Krieg in Israel nach. Die Ruhrbarone haben bei den Unterzeichnern des "Weltoffen"-Aufrufs nachgefragt, wie sie heute zu BDS stehen. Im Tagesspiegel erklärt Sergey Lagodinsky, wie Moskau in Dagestan mit Antisemitismus Politik macht. Und die FAZ erinnert daran, dass der Krieg in der Ukraine keineswegs vorbei ist.
Efeu - Die Kulturrundschau
01.11.2023 Der Tagesspiegel bejubelt William Turner, einen Berserker der Kunst, der seine Farben mit Sahne, Schokolade und Eigelb anrührte. Außerdem staunt er über ein georgisches Jugendorchester, das probt, während nur zwanzig Kilometer weiter russische Panzer stehen. Müde Künstleraugen strahlen, wenn der Pianist Maurizio Pollini Chopin spielt, weiß die NZZ. Ein bayerisches Südseegewitter an Pointen genießt die SZ im Münchner Volkstheater bei einer Shakespeare-Aufführung. Außerdem trauern die Feuilletons um Elmar Wepper, einen unterschätzten Schauspieler, der gelegentlich gar seinem eigenen Schatten beim Tanzen zuschaute.
Medienticker
01.11.2023 Žižeks Antwort auf Kritik an seiner Buchmessen-Rede - Stiftungsrat für den Friedenspreis: Appell zur Freilassung aller Geiseln - Jörg Magenau über seinen zweiten Roman "Liebe und Revolution - Till Brönner zwischen Musik und seiner Fotografie aus dem Ruhrgebiet + Wer ist Elon Musk? Per Eigenantrieb durch die Galaxis? fragt sich Jürgen Kaube + Anamnese, Ausstellung, Skulptur: Kein Pferdefuß? Lena Henke im Marta Herford.
Bücherschau des Tages
01.11.2023 Die Welt geht in die Knie vor der von Mark Davidson und Parker Fishel herausgegebenen Bob-Dylan-Biografie. Als Meisterwerk würdigt die FAZ Deborah Levys Roman „Augustblau“ über eine Pianistin in der Krise. Die FR empfiehlt Armin Nassehis „Glossar der öffentlichen Rede“, um Ordnung ins aktuelle Debattenkarussell zu bringen. Mit Tara M. Stringfellows Debütroman „Memphis“ liest sie ein vielschichtiges „schwarzes Märchen“. Der Dlf entdeckt die Kunst im Inneren des Walbauchs mit George Orwell und Ian McEwan. Und Dlf Kultur preist den neuen Roman von Zadie Smith.
Donnerstag, 02.11.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
02.11.2023 Klare Statements in den deutschen Medien: Was viele von euch wollen, wäre ohne einen Holocaust 2.0 nicht zu haben, ruft die taz der Linken zu. SpiegelOnline und SZ analysieren die Propaganda der Hamas, auf die so viele Aktivisten reinfallen. "Die meisten deutschen Empörten, die von Israel als 'rassistischem Regime' sprechen, dürften nicht einmal den Begriff Sepharden kennen", meint SpiegelOnline. FAZ und Zeit blicken derweil auf die Kirchen, die lieber herumdrucksen, als Partei zu ergreifen.
Efeu - Die Kulturrundschau
02.11.2023 Die fünfte Kiev-Biennale gibt der Kunst Raum, den Krieg zu verarbeiten, berichtet die Zeit: der Künstler Volodymyr Kuznetsov schickt Tütensuppe an die Front. Ihr sollt politisch engagiert sein, nicht Eure Romane, ruft Thea Dorn ebenfalls in der Zeit ihren Schriftstellerkollegen zu. Im US-Rap grassiert der Antisemitismus auch wegen der seit langem anhaltenden Verflechtung mit der Nation of Islam, erklärt die Jungle World. Die Dylanologen verzetteln sich mit großer Lust in einem neuen Luxusband mit Dylan-Archivalia. Und der Standard schlendert durchs verstummte Musikerviertel Kabuls.
Medienticker
02.11.2023 Die wollen doch nicht nur spielen: Gespräch mit der Kuratorin Nadin Devent über sechzig Jahre Jazzfest Berlin; heute startet die Jubiläumsausgabe - Ulrike Sterblich im Gespräch über halbe Städte, Teufelinnen & Scharnierschildkröten - Wie Krieg die Sprache in der deutschen Politik verändert + "Now and then": Neuer Beatles-Song erscheint dank künstlicher Intelligenz ...
Bücherschau des Tages
02.11.2023 Dem Schreibmanschinengeklapper der Erinnerung lauscht die Zeit in Paul Austers neuem Roman "Baumgartner". Außerdem ist sie beeindruckt von Astrid Sys historischem Jugendroman über den niederländischen Widerstand gegen die deutsche Besatzung. Die FAZ arbeitet sich angeregt durch den Gesprächsband von Alexander Kluge und Stefan Aust, der Alltagsgewissheiten radikal in Frage stellt. Der Dlf lobt Hans Haiders großartige Biografie über Ernst Jandl. Und Dlf Kultur beobachtet mit Cal Flyn, wie die Natur "Verlassene Orte" zurückerobert.
Freitag, 03.11.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
03.11.2023 Auf die Frage, was den Terror der Hamas rechtfertige, antwortet der palästinensische Philosoph Sari Nusseibeh im FR-Interview: "Der Terror Israels." Die israelischen Terroropfer versuchen unterdessen weiter schlicht zu überleben: Wie erklärt man einem Kind, dass seine Mutter entführt ist, fragt Roni Roman in der taz. Robert Habecks Rede löst bei der FAZ Bewunderung aus: vor allem, weil er die BDS-freundlichen Lebenslügen der deutschen Linken nicht durchgehen lässt. Der Spiegel berichtet über die deutsche Kulturszene, die offenbar noch nicht weiß, wie sich der neuen Lage anpassen soll, es herrsche "Unsicherheit, Angst, etwas falsch zu machen".
Efeu - Die Kulturrundschau
03.11.2023 Die digitalen Plattenteller laufen heiß mit den Beatles: Der mithilfe von KI aufbereitete Song "Now and Then" spaltet die Gemüter und wird von der Welt als "erhabener Abgesang", von der FAZ indes als "Totgeburt" bezeichnet. Vom Zeitgeist überfrachtet fühlt sich die Nachtkritik mit Robert Ickes "Ärztin" am Theater St. Gallen. Die Feuilletons sind sich uneinig, ob der Paradigmenwechsel in der Sammlung Bührle gelungen ist. Ein schmerzliches Zeugnis des Trauerns zeigt sich der FAZ in Ari Folmans Interviewfilm "Bring Them Home". Und die FR irrlichert mit dem philippinischen Punkauteur Kavn und Lilith Stangenberg in aktionistischer Sinnlichkeit durch Manila.
Medienticker
03.11.2023 Aktualisiert: Spiegel feiert "Augstein 100" - Abschied von einem alten Helden: Richard Ford in einem Hörfunk-Interview über seinen neuen Roman "Valentinstag" - Hörtipps u. a. live vom Jazzfest Berlin & Helmut Böttiger über "härtere Zeichen": Ein Porträt des Büchnerpreisträgers Lutz Seiler - Musikfernsehen war ganz schön punkrockig + Aktuelle Krimibestenliste + TV+Hörfunk-Tipps für das Wochenende.
Bücherschau des Tages
03.11.2023 Die SZ staunt, wie Elisabeth Raffauf in "Wann ist endlich Frieden?" Kindern Fragen zum Krieg beantwortet. Die FAZ empfiehlt Linda Martin Alcoffs Essay aus dem Jahr 1991 als wichtigen Text zur politischen Debatte um den schmalen Grat zwischen Engagement und kultureller Aneignung. Der Dlf Kultur folgt Victoria Kiellands Serienmörderin Belle Gunness durchs Chicago der Jahrhundertwende und lernt in Andreas Pflügers Spionagethriller "Wie Sterben geht".
Samstag, 04.11.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
04.11.2023 Die Bedrohung durch die Hamas und andere Terrororganisationen kann zu einem zweiten Holocaust führen, fürchtet Niall Ferguson, der in der Welt auch einen Dritten Weltkrieg nicht ausschließt. "Wer nach dem 7. Oktober noch glaubt, BDS sei harmloses Geschwurbel, dem ist nicht zu helfen", schreibt Josef Schuster ebenfalls in der Welt. "Die deutschen Kinder, die heute 'Free Palestine from German Guilt' rufen, verkörpern und performen selbst die nicht verarbeitete deutsche Schuld", meint die taz. Giorgi Margwelaschwili, ehemaliger Präsident Georgiens, ruft die georgische Gesellschaft in der taz zur "totalen Gegenwehr" gegen die Regierung auf.
Efeu - Die Kulturrundschau
04.11.2023 Das Regime in Teheran spaltet die iranische Filmszene gleich doppelt, berichtet die FAZ. Außerdem blickt sie unter den Eindrücken der Mängellisten-Affäre skeptisch darauf, dass Ingo Schulze künftig Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung wird. Die taz gestattet einen Blick in die ukrainische Verlags- und Literaturszene. Der Standard ist sich unklar, ob er mit einer neuen Komposition von Georg Friedrich Haas in die Weiten des Kosmos fliegt oder maschinelle Urbanität auskostet. Und der Tagesspiegel findet mit Israel Hershbergs fotorealistischen Landschaften seltene Juwele der Malerei.
Bücherschau des Tages
04.11.2023 Die SZ feiert in Peter Handkes neuem Roman "Die Ballade des letzten Gastes" dessen immense Sprachverliebtheit und originelle Beleidigungen. Die taz entdeckt in Kate Zambrenos Band "Mutter (Ein Gemurmel)" ein reiches Flechtwerk aus literarischen Annäherungen an eine schmerzhafte Abwesenheit. Die FAZ freut sich über eine schön verrückte Geistergeschichte von Alain Mabancko. Über Simon Sebag Montefiores "Familiengeschichte der Menschheit" ist man geteilter Meinung: Ein großer Lesespaß, meint die FR. Zu flapsig, findet Dlf Kultur.
Montag, 06.11.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
06.11.2023 "Hört uns zu", flehen in Deutschland lebende Palästinenser in einer SZ-Reportage: Ihre Argumente würden nicht beachtet, ihr Leid würde von Medien und Politik nicht als individuelles wahrgenommen, und die Rede Robert Habecks sei für sie ein Fußtritt. Währenddessen fanden in Essen und Berlin lautstarke propalästinensische Demos statt, in denen Israel ein Genozid vorgeworfen und die Pogrome der Hamas veschwiegen wurden. Faschismus entsteht nicht ohne Wegbereiter, erinnert Michael Brenner in der FAZ.
Efeu - Die Kulturrundschau
06.11.2023 Am Samstag wurde Lutz Seiler mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. Die Feuilletons berichten von einer trauten Atmosphäre und Reden, die wie selten miteinander korrespondierten. Wie Seiler von Büchners "Woyzeck" über die eigene Biografie bis zu den Schrecken des Atomzeitalters fand, beeindruckte alle Kritiker im Saal. Die taz kann kaum fassen, wie wenig sich die Kulturszene bei ihren Kooperationen mit Saudi-Arabien für die Menschenrechte interessiert. Und die SZ ist erschüttert von Marta Górnickas Chor der Geflüchteten am Gorki Theater.
Medienticker
06.11.2023 Gisela Stelly Augstein im Hörfunk-Gespräch - TV-Tipp: Anlässlich des 100. Geburtstags von Loriot werden bis 9. November in vier Ausgaben in der ARD seine besten Sketche präsentiert
Bücherschau des Tages
06.11.2023 Die FAZ ist gefesselt von Zoe Becks Thriller "Memoria", in dem die Protagonistin Harriet düstere Visionen plagen. In Gianrico Carofiglios Krimi "Groll" entdeckt sie nicht nur die Realität echter Mafiaprozesse, sondern auch Plutarch und Xavier de Maistre. Helge Schneider schreibt wie er Jazz spielt, freut sie sich außerdem und amüsiert sich köstlich mit seiner neuen Krimi-Satire "Stepptanz". Die NZZ lässt sich von Rainer Hank gerne darüber aufklären "Wie Journalistinnen nach 1945 unseren Blick auf die Welt veränderten".
Dienstag, 07.11.2023
Magazinrundschau
07.11.2023 Der New Yorker kommt einem Menschenhändler aus Eritrea auf die Spur - was der Justiz leider nicht gelingt. In der LRB erzählt John Lanchester eine Rise-and-Fall-Geschichte aus der Welt der Kryptowährungen. Hlidaci pes berichtet, wie der neue rechtspopulistische Ministerpräsident der Slowakei, Robert Fico, ihm nicht genehme Presse ausschaltet. Der New Statesman erinnert daran, dass die Hamas schon immer Teil des militanten Islamismus war. Variety prophezeit einen Kollaps des Marvel-Systems. New Lines bestaunt in Nigeria das Phänomen "Koro".
9punkt - Die Debattenrundschau
07.11.2023 Unter der Überschrift "Philosophy for Palestine" haben Akademiker aus Nordamerika und Europa, darunter Judith Butler, Etienne Balibar und Nancy Fraser, ihre Solidarität mit den Palästinensern gegen den "ethno-suprematistischen" Staat Israel erklärt. In Medium fragt die türkisch-amerikanische Philosophin Seyla Benhabib, ob diese Philosophen wirklich mit der Hamas die Zerstörung Israels wollen. In der NZZ fragt der Schriftsteller Doron Rabinovici, warum Teile der Linken Juden als Menschen akzeptieren können, aber nicht den Menschen als Juden. Bei Zeit online will der israelische Historiker Tom Segev die Hoffnung auf eine Zweistaatenlösung nicht ganz aufgeben.
Efeu - Die Kulturrundschau
07.11.2023 Die israelische Clubszene ist in Schockstarre, erzählt der Musikmanager Guy Dreifuss der taz: Das Spiel, sich im Ausland für die eigene Existenz entschuldigen zu müssen, will man aber nicht mehr mitspielen. Erforscht die Nazi-Verstrickungen der Spitzenorganisation der deutschen Filmwirtschaft, ruft die Zeit. Die FAZ rast mit Vasily Barkhatovs Inszenierung von "Le grand macabre" auf den Weltuntergang zu. Beim Jazzfest Berlin gab es neben wenigen Glücksmomenten viel zum Gähnen, stellen die Musikkritiker fest.
Medienticker
07.11.2023 Noch ein Glas Mondschein, bitte!: Lutz Seilers Büchnerpreisrede - Dirk Fuhrig über die heutige Entscheidung des Prix Goncourt - Comic-Buch Die graue Stadt - Das Buch seines Lebens: Richard Ford über "The Moviegoer" von Walker Percy + Die Lady aus dem Canyon: Joni Mitchell 80 + Zum Tourstart von Yves Tumor in Deutschland.
Bücherschau des Tages
07.11.2023 Die SZ liest gerührt die Erinnerungen des kürzlich verstorbenen Schauspielers Peter Simonischek, versammelt im Band "Kommen Sie näher". Die FR schärmt von der Leichtigkeit in den späten Gedichten des Kinderbuchautors Peter Härtling. Die FAZ geht mit dem Protagonisten aus Tim Parks' Roman "Hotel Milano" auf eine Reise nach Italien, die im Angesichts des Todes neues Leben bringt. Und der Dlf ist hin und weg von Joanna Bators Roman "Bitternis" über vier Frauenschicksale in Niederschlesien.
Mittwoch, 08.11.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
08.11.2023 Für die Juden in der Diaspora bedeutet das Massaker der Hamas einen Bruchpunkt, meint Rafael Seligmann in der FAZ: Im Gegensatz zu den Juden in Israel sind sie wehrlos dem Schutz ihrer nichtjüdischen Umwelt preisgegeben. Auf SpiegelOnline erzählt der iranische Aktivist Reza Khandan, wie einige Iraner aus Kritik am Regime zu radikalen Fürsprechern Israels werden. Amerikanische Unis reagieren hochsensibel auf jede Form von Gewalt, es sei denn, es geht gegen Juden, sagt der israelische Psychologe Shai Davidai in der Welt. In der SZ erinnert der Historiker Wolfgang Niess an den Hitlerputsch vor hundert Jahren.
Efeu - Die Kulturrundschau
08.11.2023 Die FAS feiert Lila Avilés' Film "Totém", der nicht weniger als die ganze mexikanische Geschichte in einem Familienfest spiegelt. Jean-Baptiste Andrea erhält in diesem Jahr für seinen Roman "Veiller sur elle" den Prix Goncourt. Die SZ steht ein wenig ratlos vor dieser Entscheidung. Die FAZ bejubelt die wundersamen Barfuß-Balancen einer Merce-Cunningham-Inszenierung am Theater Hagen. Breite Straßen und viel Grün: Das immerhin hat Berlin dem Stararchitekten Norman Foster laut Tagesspiegel zu bieten. Und der Standard steht in einer Ausstellung im Jüdischen Museum in Wien vor Putins klobigen Panzern.
Medienticker
08.11.2023 Wie KI die Welt verändert - Paul Austers Abschied vom eigenen Leben - Lyrikerin Misheel Enkh-Amgalan im Hörfunk-Gespräch -Thomas Sparr über Geschichte des Tagebuches von Anne Frank -Die offizielle #BookTok-Bestsellerliste im Oktober + Selbstgemachte Geschenke zum Aufessen.
Bücherschau des Tages
08.11.2023 Die FR verkriecht sich mit den Eremiten Matsuo Basho, Kamo no Chomei und Bai Juyi beseelt in die "Klause der Illusionen". Die FAZ lässt sich von Per Leo derweil zu einem äußerst originellen Streifzug durchs Ruhrgebiet einladen. Perfekte Herbstabende verbringt sie mit Christina Viraghs Roman "Montag bis Mittwoch". Dlf Kultur kommt Caspar David Friedrich dank Florian Illies ganz nahe.
Donnerstag, 09.11.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
09.11.2023 "Mitgefühl mit den Opfern ist offenbar nur möglich, solange die Täter dem Westen zugeordnet werden können", meint Navid Kermani, der die Palästina-Bewegung in der Zeit fragt, wo die Empörung war, als Russland die Zivilbevölkerung bombardierte. In der FAZ sieht der Philosoph Wilfried Hinsch die Verhältnismäßigkeit des israelischen Gewalteinsatzes nicht gegeben. Wie genau soll Israel denn auf das schlimmste Pogrom seit dem Zweiten Weltkrieg reagieren - mit einer Schlüsselübergabe an die Hamas vielleicht, fragt Henryk Broder in der Welt. Der Tagesspiegel fordert, Antisemitismus endlich als Straftatbestand ins deutsche Recht zu integrieren.
Efeu - Die Kulturrundschau
09.11.2023 Die SZ taucht mit dem Stück "Mitläufer" in die dunkle Vergangenheit der Bayerischen Staatsschauspiele ab. Zur Eröffnung der "Buch Wien" gestattet die Schriftstellerin A.L Kennedy dem Standard einen Einblick in die prekäre Lebenswelt britischer Autoren. Die FR betritt andächtig die Empathieräume des britischen Künstlers John Akomfrah. Die Veranstaltungen des Lausitz-Festivals sind wie Ufos, erfährt VAN.
Medienticker
09.11.2023 ARD-Auslandskorrespondentin Annette Dittert im Hörfunk-Gespräch - Paul Austers Abschied vom eigenen Leben und sein neuester Roman "Baumgartner" - Gespräch mit Tobias Lehmkuhl über Kästner im Dritten Reich + Ausstellung "Menschheitsdämmerung" in Bonn: Der Sturm ist da ...
Bücherschau des Tages
09.11.2023 Die FAZ verfolgt in Meryem Alaouis Roman "Pferdemund tut Wahrheit kund" hautnah, wie sich eine junge Frau in Marokko gegen das Patriarchat auflehnt. Die NZZ entdeckt den dänischen Schriftsteller und Nobelpreisträger Henrik Pontoppidan mit dem Band "Kein Tag ohne Spektakel" wieder. Auch der Dlf hebt einen literarischen Schatz: Die Essays der feministischen Aktivistin Suzanne Césaire, die das "unbarmherzige Licht der Ereignisse" auf die Verbrechen des Kolonialismus wirft. Und Dlf Kultur ist verliebt in Chris Lauers Lyrikdebüt "Gut verräumte Sternschnuppen".
Freitag, 10.11.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
10.11.2023 Der Krieg in der Ukraine geht weiter, und die FAZ zieht eine trübe Bilanz: Auch wegen fehlender Waffenlieferungen ist die Ukraine bei ihrer Gegenoffensive nicht vorangekommen. In der NZZ analysiert der Historiker Andreas Wirsching die Kapillarverbindungen zwischen Nazi- und postkolonialen Diskursen. In der SZ denkt die Rechtswissenschaftlerin Michaela Hailbronner darüber nach, wie ein AfD-Verbot durchgesetzt werden könnte. In der FAZ erklärt Michael Brenner, warum das zionistische Projekt kein koloniales war.
Efeu - Die Kulturrundschau
10.11.2023 Der Schauspieler-Streik in Hollywood ist vorüber, der Standard freut sich, FAZ und NZZ machen sich weiter Sorgen um die Filmindustrie. Die FAZ lässt sich mit der Ausstellung zu verbotenen Büchern im Münchner Literaturhaus an die Bedeutung der Meinungsfreiheit erinnern. Wie die Documenta beim nächsten Mal antisemitismusfrei stattfinden soll, fragt sich die SZ: Schon wieder sitzt ein BDS-Sympathisant im Kuratorium. Die Alte Nationalgalerie hat einen Raubkunstfall. Aber die Stiftung Preußischer Kulturbeseitz will nicht darüber kommunizieren, ärgert sich die FAZ. Die Welt fragt: Ist Cat Power der bessere Bob Dylan?
Medienticker
10.11.2023 Aktualisiert: Zum 100. von Loriot (12.11.) - Im Inneren immer gespalten: Erich Kästner im Dritten Reich - Im Inneren immer gespalten. Viele Bücher erscheinen aus Selbstenzensur gar nicht, weiß A. L. Kennedy - Vergangenheit Ost: Noch lange nicht alles gut + Stefan Mey über den Kampf um das Internet - Adania Shibli gibt erstes Interview seit Preisverschiebung + Das TV+Hörfunk-Wochenend-Programm,,,
Bücherschau des Tages
10.11.2023 Die FAZ blickt mit Wolfgang Merkel auf die Krise der Demokratie und mit Florian Werner in die Kulturgeschichte der Zunge. Die SZ trifft mit Michael Krüger vergnügt Lyrikerinnen und Lyriker aus aller Welt. Außerdem bewundert sie, wie witzig und klug Ersin Karabulut in seiner Graphic Novel türkische Geschichte seit den Achtzigern festhält. Wie nah Jurij Devetaks Comic-Fassung Boris Pahors "Nekropolis" kommt, erstaunt indes die taz. Dlf Kultur lässt sich von Christopher Clark durch ein Wimmelbild der Revolutionen und von Stefan Mey in die digitale Gegenwelt führen.
Samstag, 11.11.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
11.11.2023 Durs Grünbein schreibt in der SZ das "J'accuse", auf das die deutsche Öffentlichkeit (und bei weitem nicht nur diese) gewartet hat: "Ich hätte mir vieles träumen lassen, aber dass sich der nackte Judenhass, die Fratze des Antisemitismus, einmal wieder so unverstellt zeigen würde, dies in Deutschland, in Westeuropa, an amerikanischen Universitäten und anderswo..." Es gibt heute viele weitere wichtige Interventionen gegen den linken Antisemitismus, der sich in den letzten Wochen austobte, von Tania Martini in der taz, Eren Güvercin in der FR, Nicholas Potter ebendort, Pierre-André Taguieff in Le Monde, Novina Göhlsdorf in der FAS. Aber auch die Gegenseite äußert sich: Etienne Balibar und Edgar Morin entblöden sich in Le Monde nicht, Israel "Töten um des Tötens willen" vorzuwerfen.
Efeu - Die Kulturrundschau
11.11.2023 Die Berliner Zeitung erlebt vor den Bildern des Schweizer Künstlers Stefan Guggisberg, wie ihr Sehnerv zu delirieren beginnt. Die Welt fragt, warum schon wieder niemand verantwortlich ist für den nächsten Antisemitismusskandal der Documenta. Die FAZ zieht den Hut vor dem Designer Bruno Sacco, der dem Mercedes einen höflichen Gesichtsausdruck verpasste. Artechock veröffentlicht einen Offenen Brief von 300 Filmschaffenden aus Deutschland, die sich mit Israel solidarisieren. In der SZ packt den Schriftsteller Renatus Deckert das leise Grauen, wie aktuell Victor Klemperers Tagebücher heute wieder sind.
Bücherschau des Tages
11.11.2023 Düster ist Georgi Demidows Roman "Fone Kwas oder Der Idiot" über den Gulag, und dennoch konnte taz-Kritiker Dirk Knipphals ihn nicht aus der Hand legen und empfiehlt die Wiederentdeckung dringend zur Lektüre. Ebenfalls eine Wiederentdeckung: Fanny Lewalds Roman "Jenny", ein Roman über Antisemitismus im Preußen des 19. Jahrhunderts und laut FAS zugleich ein wichtiges literarisches Zeugnis jüdischer und weiblicher Emanzipation. Die NZZ empfiehlt eine Neuausgabre von Rilkes "Duineser Elegien".
Montag, 13.11.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
13.11.2023 Wir müssen "die Sprache verstehen, die ein Verbrechen ausdrückt", sagt der Historiker Raphael Gross im Spiegel im Blick auf Naziverbrechen, aber ausdrücklich auch im Blick auf den 7. Oktober und kritisiert scharf die postkolonialen "Kontextualisierungen". Ebenfalls im Spiegel denken Meron Mendel und Richard C. Schneider über das Trauma des 7.Oktober nach. Das Verbrechen des 7. Oktober war auch eindeutig als Femizid gemeint, der Hass auf Frauen, der ihm zugrundeliegt, muss auch der Integrationspolitik zu denken geben, fordert Necla Kelek in der NZZ.
Efeu - Die Kulturrundschau
13.11.2023 Michail Schischkin will in der SZ die russische Literatur aus ihrem Biedermeier-Schlaf rütteln: Es braucht endlich einen Sühnetext für den Krieg in der Ukraine! Die NZZ beobachtet derweil, dass weite Teile der Kultur einen Tanz wie auf auf Eierschalen aufführen, um bloß keinen Fehler zu machen. Die Filmszene streitet über ihr Verhältnis zu Israel und Palästina, schreiben die Ruhrbarone. Die taz sucht mit Zino Weys Dialog-Stück "Wie im Fieber" Antworten bei Georg Büchner. Außerdem blickt sie auf die gar nicht trostlose sowjetische Moderne in Usbekistan.
Bücherschau des Tages
13.11.2023 Franci Rabinek Epsteins Bericht über ihre Erlebnisse als tschechische Jüdin in den Konzentrationslagern Auschwitz und Bergen-Belsen bringt Dlf Kultur das Unbegreifliche näher. Die NZZ beglückwünscht Thomas Kramer zu seinem vielschichtigen Essay über Karl May: ein Buch der Versöhnung von europäischer Moderne mit postkolonialen Theorien, frohlockt sie! Die SZ empfiehlt Frank Trentmanns monumentale Mentalitätsgeschichte über die Moral der Deutschen. Die FR lässt sich von Anja Zimmermann über die politische Geschichte der weiblichen Brust aufklären.
Dienstag, 14.11.2023
Magazinrundschau
14.11.2023 Eurozine und La regle du jeu blicken auf das Grauen des Krieges in der Ukraine und in Israel. Im New Yorker erklärt der Psychoanalytiker Robert Jay Lifton, was Überlebende großer Katastrophen auszeichnet. n+1 versammelt Stimmen der postkolonialen Linken zum Gazakrieg. Der New Statesman denkt über Friedenspläne nach. Der ehemalige Selenski-Berater Oleksij Arestowytsch erklärt in Meduza: Die Putins kommen und gehen, aber Russland wird bleiben. Die London Review erzählt, wie der Ghanaer Blay-Miezahdas Mysterium Afrikas in Gold verwandelt.
9punkt - Die Debattenrundschau
14.11.2023 Der Spiegel erklärt, wie schwierig die Berichterstattung über den Krieg in Gaza derzeit ist. ZeitOnline geht der Frage nach, ob Israel das Völkerrecht bricht. Die Hamas interessiert sich nicht für die Palästinenser, sondern nur für die Auslöschung Israels, schreibt in der taz der Philosoph Gabriel Berger. Das möchte die Philosophin Olivia Mitscherlich-Schönherr in der FR allerdings kontextualisieren dürfen. Die israelische Armee führt unterdessen in einem Video die Hamastunnel unter einem Krankenhaus vor.
Efeu - Die Kulturrundschau
14.11.2023 Die Hamas gehört der menschlichen Zivilisation nicht an, schreibt Elfriede Jelinek auf ihrer Homepage. Die Welt meditiert in der Ausstellung "Menschheitsdämmerung" über eine mögliche Apokalypse. Ebendort sieht der Leiter der Kurzfilmtage Oberhausen Lars Henrik Gass in den Angriffen nach seiner Solidaritätsbekundung mit Israel einen Stellvertreterkrieg um die Meinungshoheit im Kulturbetrieb. Die israelischen Betreiber einer Plattform für Online-DJing werden gemobbt, weil sie kein Podium für "From the River to the Sea"-Propaganda bieten wollen, meldet die taz.
Bücherschau des Tages
14.11.2023 Die SZ schätzt die "stille Neugier", mit der Karl Ove Knausgard in "Der Wald und der Fluss" von seinen Begegungen mit Anselm Kiefer erzählt. Joana Bators Roman "Bitternis", der weibliche Schicksale in Polen schildert, möchte sie am liebsten mit allen Sinnen wahrnehmen. Dlf Kultur wird von Irmgard Keuns tragikomischem Exilroman aus Kinderperspektive zum Nachdenken und Schmunzeln angeregt. Und der Dlf findet Erlösendes in Peter Härtlings späten Gedichten.
Mittwoch, 15.11.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
15.11.2023 Israels Gegenschlag sei "prinzipiell gerechtfertigt", schreibt Jürgen Habermas in einem offenen Brief, in dem er auch antisemitische Reaktionen verurteilt. Den wesentlichen Fragen aber weicht Habermas aus, kommentiert die SZ. Es gibt keine westliche und keine arabische Regierung, die die Palästinenser unterstützt, beklagt Sayed Kashua, israelischer Schriftsteller mit arabischen Wurzeln, in der FAZ. Die Welt wirft Emmanuel Macron, der die Israelis zu einem dauerhaften Waffenstillstand auffordert, Scheinheiligkeit vor. Die Mehrheit der Deutschen hat mit Religion nur mehr wenig am Hut, entnimmt die FAZ einer aktuellen Untersuchung.
Efeu - Die Kulturrundschau
15.11.2023 Wie es mit der documenta nach den jüngsten BDS-Enthüllungen weitergehen soll, weiß nicht einmal deren Geschäftsführer Andreas Hoffmann im Interview mit der Welt. In der FR fragt sich Meron Mendel, warum die Verantwortlichen nicht einmal zu einfachen Google-Suchen in der Lage sind. In Berlin wird währenddessen eine Ausstellung zu muslimischen Leben abgesagt - weil ein "Gegenpol" zum jüdischen Leben fehlt, wie die SZ berichtet. Der Disney-Fünfteiler "Deutsches Haus" über die Auschwitz-Prozesse erstickt in keimfreier Routine, schimpft ZeitOnline. Der Schweizer Komponist Charles Uzor widmet dem Polizeigewaltopfer George Floyd eine Komposition voller unerträglicher Stille, weiß die NZZ.
Bücherschau des Tages
15.11.2023 Die FAZ dringt mit Gedichten von Martin Piekar vor in Bereiche jenseits der "hermeneutischen Bequemlichkeit" und entdeckt letzte Zuckungen des Menschlichen. Außerdem stürzt sie sich auf eine neue Edition von Sigfried Giedions "Die Entstehung des heutigen Menschen". Die FR erkennt in Monika Marons Roman "Das Haus", was passiert, wenn alle Gewissheiten verloren gehen. Dlf Kultur empfiehlt Hans-Christian Oesers hervorragende Neuübersetzung von William Thackerays "Jahrmarkt der Eitelkeiten".
Donnerstag, 16.11.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
16.11.2023 Merkt ihr eigentlich nicht, dass es gegen euch und die Demokratie geht, fragt Igor Levit die Deutschen, die nicht gegen Antisemitismus auf die Straße gehen. Eine jüdische Antizionistin wie sie werde in Deutschland zum "Freiwild", schreibt Judith Butler der Zeit. Die Welt fragt die Palästinenser, weshalb sie sich als "Verfügungsmasse ihrer Führung missbrauchen" lassen. Linker Antisemitismus ist weniger verbreitet als rechter, hat aber großen Einfluss, hält Wolfgang Kraushaar in der SZ fest. Außerdem: Die Welt fordert nach dem Fall Seipel, dass die Öffentlich-Rechtlichen die Kreml-nahen Netzwerke in ihren eigenen Häusern offenlegen.
Efeu - Die Kulturrundschau
16.11.2023 Der Filmfestivalbetrieb steckt mitten in einer Nahostdebatte: Es ist das eigene Publikum, das sich jetzt gegen die Kurzfilmtage Oberhausen richtet, bemerkt die FAZ. Artechock fragt sich, wo die Solidarität anderer Filmfestivals mit Oberhausen bleibt. Der Kulturbetrieb sei ziemlich antisemitisch geworden, stellt die Schriftstellerin Dana von Suffrin im taz-Gespräch fest, will sich ihren Humor als Waffe dagegen aber erhalten. Die taz ist berührt von einem fragilen und kriegsmüden Prinz von Homburg in Jette Steckels Inszenierung an der Schaubühne. Die Zeit fordert mehr Erotik in der Architektur.
Bücherschau des Tages
16.11.2023 Durs Grünbein wehrt sich in seinem neuen Roman "Der Komet" gegen die Ästhetisierung des Schreckens der Nazi-Diktatur, weiß die Zeit. Außerdem endeckt sie in "Freiheit, Gleichheit - Sinnlichkeit" die erotische Literatur des 18. Jahrhunderts und lernt: Schlüpfriges und Autoritätskritik gingen bei Goethe und Co. Hand in Hand. Die NZZ empfiehlt Maria Kuncewiczowas Prosaband "Zwei Monde" von 1933, der von unerfüllten Wünschen in der polnischen Provinz erzählt. Und die FR berührt es sehr, wie Britney Spears in "The Woman in Me" ihren Kampf für Selbstbestimmung schildert.
Freitag, 17.11.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
17.11.2023 In Geschichte der Gegenwart erklärt der Rechtswissenschaftler Uriel Abulof, wie sehr sich Netanjahu und die Hamas seit den frühen 1990er Jahren unterstützten. In der Welt fragt Alain Finkielkraut die jungen Muslime, die für die Palästinenser auf die Straße gehen, warum ihnen das Schicksal der Uiguren und Rohingyas so gleichgültig ist. "Wer anderen das Existenzrecht abspricht, hat keine Toleranz verdient", meint Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda in der SZ. Im Tagesspiegel befürchtet Wolfgang Ullrich eine zunehmende Instrumentalisierung von Interessen im Kulturbetrieb. Für die FR bricht Judith Butler ihr Schweigen. Und im Guardian rät Timothy Garton Ash dem Westen, die Welt so zu sehen, wie sie ist.
Efeu - Die Kulturrundschau
17.11.2023 Alles auf null bei der Documenta: Die Findungskommission ist zurückgetreten, melden die Zeitungen. Zu spät, das Kind ist in den Brunnen gefallen und das Renommee dahin, befindet die SZ, der FAZ reicht es jetzt: Sie fordert klare kulturpolitische Positionierung. Die FR lässt sich von der Dresden Frankfurt Dance Company in "À la carte" umschwärmen. Spotify wird endgültig zum "verkehrten Robin Hood", stellt der Tagesspiegel wütend fest: Auf Kosten kleiner Künstler sollen die großen jetzt noch reicher gemacht werden.
Bücherschau des Tages
17.11.2023 Der Dlf bewundert, wie gut gelaunt pessimistisch Joann Sfar in seiner Graphic Novel den Geist der französischen Rechten entlarvt. Die FAZ dankt Manfred Görtemaker, dass er mit Mythen um Rudolf Hess aufräumt. Die SZ erliegt dem magischen Realismus von Hayao Miyazaki in dessen Helden-Comic "Shunas Reise". Mit Markus Rottmann lernt sie die außergewöhnlichsten Berufe aller Zeiten kennen. Und Dlf Kultur versucht mit Gedichten von Jan Röhnert in Gegenwart von Gestein und Vögeln der Verzweiflung zu entkommen.
Samstag, 18.11.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
18.11.2023 In der FR wirft Geert Mak den deutschen Medien und der Politik Einseitigkeit mit Blick auf den Nahostkonflikt vor. Deutschland ist historisch dazu verpflichtet, an Israels Seite zu stehen, schreibt Steven Uhly in der FAZ. Ebenfalls in der FAZ bekennt Moritz Rinke seine Zerrissenheit, wenn es darum geht, sich positionieren zu müssen. Die Welt protokolliert die Gräueltaten der Hamas, die sie in dem Video sehen konnte, das die israelische Regierung veröffentlicht hat. In der SZ warnt die Soziologin Yasemin El-Menouar davor, Muslime unter Generalverdacht zu stellen. Und ZeitOnline notiert beschämt, was Recep Erdogan alles unwidersprochen in Berlin von sich geben durfte.
Efeu - Die Kulturrundschau
18.11.2023 Die Zeitungen fragen sich, wie es nach dem Rücktritt der Findungskommission für die documenta weitergehen soll: Ohne radikale Neuerfindung wird das ihr Ende sein, meint Zeit Online. Die FAZ gratuliert dem in Deutschland immer noch viel zu unbekannten Comickünstler Alan Moore zum Geburtstag. Eine Entdeckung hätte auch Camille Laurens hierzulande längst verdient, meint die FAZ. Die Nachtkritik sieht die Geschichte einer Heilung mit Emel Aydogdus Inszenierung von "Wir wissen, was wir könnten und fallen synchron" in Bonn.
Bücherschau des Tages
18.11.2023 Die FAZ blickt mit Andreas Heinz in das kolonialisierte Gehirn. Die FAS lässt sich von Natasha Lance Rogoff die verrückte Geschichte erzählen, wie die Sesamstraße nach Russland kam. Die FR meint in Durs Grünbeins Roman „Der Komet“ zu sehen, wie die Streubomben über dem Text einschlagen. Die taz nähert sich mit Laure Adler dem Thema „Altern“. Die Angst davor nimmt der taz Jane Campbell in dreizehn feinfühligen Kurzgeschichten. Der Dlf wundert sich nicht, wenn in Bora Chungs bitterbösen Geschichten auch mal ein Kopf aus der Toilette schaut.
Montag, 20.11.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
20.11.2023 Juden, die Israel kritisieren, sollen in Deutschland "durch Diskreditierung zum Schweigen gebracht" werden, meint Deborah Feldman im SZ-Gespräch. Im Spiegel spricht sie von Bedrohung. "Muss sie Angst haben, wenn sie vor die Tür geht, dass dort ein Antisemitismus-Beauftragter steht und sie zusammenschlägt", fragt die Welt. Auf ZeitOnline skizzieren die Politologen Carlo Masala und Nico Lange, was die Welt nach einem russischen Sieg über die Ukraine erwarten würde. In der iranischen Opposition dominieren die monarchistischen Kräfte, berichtet geschichtedergegenwart. Und in der taz will der Philosoph Tilo Wesche der Natur Eigentumsrechte einräumen.
Efeu - Die Kulturrundschau
20.11.2023 Bei einem Symposium zur Documenta erlebt die SZ vor allem Erschöpfung und Ratlosigkeit. Ganz berauscht ist sie hingegen von der Musik in Jaromír Weinbergers Oper "Schwanda, der Dudelsackpfeifer". Die nmz taucht mit Philipp Stölzls "Andersens Erzählungen" in München hinab zu einem märchenhaften Meeresgrund. Die FAS entdeckt beim Jubiläum zum 100-jährigen Geburtstag der Spitzenorganisation der deutschen Filmwirtschaft ein Deutschland der zwei Geschwindigkeiten. Rolling Stones, Beatles, Madonna: Der Gegenwarts-Pop ist eine einzige Retro-Zeitmaschine, seufzt der Tagesspiegel.
Bücherschau des Tages
20.11.2023 Die SZ lässt sich von Peter Kemper in "The Sound of Rebellion" die politische Geschichte des Jazz erzählen. Von Richard Overys "Weltenbrand" lernt sie, den Zweiten Weltkrieg als Konsequenz des Imperialismus zu betrachten. "Persepolis"-Autorin Marjane Satrapi zeichnet im illustrierten Sammelband "Frau, Leben, Freiheit" für Dlf-Kultur ein Panorama des Protests gegen die islamische Republik. Die FAZ lauscht andächtig, wenn Edgar Selge und Franziska Walser die "Duineser Elegien" von Rilke rezitieren.
Dienstag, 21.11.2023
Magazinrundschau
21.11.2023 Desk Russie zeichnet nach, wie Putin im Gaza-Krieg den Brandstifter spielt, um den Westen zu schwächen. Im Guardian erklärt der Ethnologe Andrew Kipnis, wie Urbanisierung und politische Repression dazu führen, dass in Chinas Städten der Geisterglaube so verbreitet ist. In Elet es Irodalom schildert der Publizist István Tömpe das Scheitern einer rechten Leitkultur in Ungarn: Das liegt auch daran, dass die Anhänger des Regimes nicht lesen. Wird das Buch wieder ein exklusives Mittel sozialer Abgrenzung, fragt Carolin Amlinger im Merkur. Und Eurozine stellt einige Vertreterinnen ukrainischer Exilpoesie vor.
9punkt - Die Debattenrundschau
21.11.2023 In der NZZ setzt Michael Wolffsohn alle Hoffnung auf das liberale Judentum. Im Perlentaucher skizziert Richard Herzinger die Geschichte des linken Antisemitismus seit Voltaire. SpiegelOnline analysiert das Dilemma der Araber, die heimlich mit Israels Vorhaben sympathisieren, die Hamas zu zerstören. Es wird fortan keine Judenmassaker mehr ohne massive Gegenwehr geben, schreibt Rafael Seligmann in der Welt. "Wandel durch Annäherung" hat zumindest dafür gesorgt, dass die Russen ziemlich schlecht auf Krieg vorbereitet sind, meint der Politologe August Pradetto in der FR. Und der Tagesspiegel weiß: Javier Milei ließ seinen Hund klonen.
Efeu - Die Kulturrundschau
21.11.2023 Die Nachtkritik reist mit Falk Richters Monolog "The Silence" an der Berliner Schaubühne ins Herz des Schweigens. Die Künstlerin Bracha Lichtenberg Ettinger spricht mit der FAZ über ihren Rücktritt von der Findungskommission der Documenta: Man ließ ihr keine Zeit zu trauern, sagt sie. Ebendort wird gemeldet, dass Regula Venske als Generalsekretärin des PEN International zurückgetreten ist: Sie beklagt die mangelnde Empathie gegenüber den Hamas-Opfern. Und Elektropionier Jean-Michel Jarre sucht den Fehler in der KI als Quelle der Inspiration, wie er der FR verrät.
Bücherschau des Tages
21.11.2023 Die FR lacht sich kaputt über Barbi Markovics Buch "Minihorror" – und gruselt sich gleichzeitig ein bisschen. Zadie Smith' Roman "Betrug" über einen Hochstapler, der im England des 19. Jahrhunderts die Massen um den Finger wickelt, lässt die NZZ an Donald Trump denken. Die FAZ erfährt aus Helen Ahners Kulturgeschichte der Planetarien, wie die Sternenmaschinen uns im Zeitraffer die Entstehung von Galaxien nachvollziehen lassen. Der Dlf findet in Jörn Leonhards Thesen "Über Kriege und wie man sie beendet" zwar kein Patentrezept für den Frieden, aber eine kluge Darstellung der möglichen Wege dorthin.
Mittwoch, 22.11.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
22.11.2023 Judith Butler sollte ihr Publikum wissen lassen, dass es die angrenzenden arabischen Staaten waren, die die andere Staatsgründung verhindert haben, erwidert in der FR heute der Historiker Johannes Heil. In der SZ skizziert der Historiker Volker Weiß das Dilemma der Rechten angesichts des Gaza-Kriegs. Ein AfD-Verbot wäre für die demokratischen Parteien ein politischer Offenbarungseid, konstatiert Albrecht von Lucke ebenfalls in der SZ. Die taz stellt bei einer Tagung fest, wieviel Nachholbedarf die deutsche Justiz beim Thema Antisemitismus hat. Und die FAZ analyisert die Verflechtungen zwischen Al Jazeera, der Hamas und Qatar.
Efeu - Die Kulturrundschau
22.11.2023 Die Filmkritiker schlachten Ridley Scotts Schlachtengemälde "Napoleon". Im SZ-Gespräch berichtet Michael Barenboim von den Herausforderungen, gerade jetzt das West-Eastern Divan Orchestra zu leiten. Die SZ feiert Magdalena Koženás Medea als Meisterin schrecklicher Mächte des Jenseits in Peter Sellars Inszenierung an der Berliner Staatsoper. Colson Whitehead macht der Zeit Hoffnung, dass jede politisch regressive Phase auch wieder vorbeigeht.
Bücherschau des Tages
22.11.2023 Die SZ taucht ein in die Welt der klassischen Musik mit den Geschichten, die ihr der Hornist Ofer Waldman erzählt. Mit Maria Gainza zündet sie ein Feuerwerk in der argentischen Kunstfälscherszene. Außerdem empfiehlt sie den zweiten Teil des großen Jahrhundertstimmen-Projekts. Die FAZ vergnügt sich mit 672 Seiten jungmännlicher Sexbesessenheit im neuen Roman von Hallgrímur Helgason. So hat man Annie Ernaux noch nicht gehört, stellt der Dlf nach der Lektüre des Debütromans "Die leeren Schränke" fest. Und die NZZ annonciert Barbara Beuys' Biografie über die jüdische Widerstandskämpferin Mala Zimetbaum.
Donnerstag, 23.11.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
23.11.2023 In einem offenen Brief in der New York Review of Books moniert eine Gruppe von Antisemitismusforschern, darunter Michael Rothberg, Omer Bartov und Stefanie Schüler-Springorum, eine politische Instrumentalisierung des Holocaust. Fernab der Öffentlichkeit haben derweil deutsche Kulturschaffende kritische Briefe an die Fraktionen geschrieben, die unter anderem den BDS-Beschluss von 2019 verschärfen wollen, berichtet ZeitOnline. In der NZZ beleuchtet Pascal Bruckner die Gemengelage von linkem und rechtem Antisemitismus in Frankreich. Der Waffenstillstand spiele der Hamas in die Hände, befürchtet die SZ. "Wir alle stehen um Russlands Leichnam herum", sagt Viktor Jerofejew im Standard.
Efeu - Die Kulturrundschau
23.11.2023 Alle schimpfen auf die Documenta, nur die Zeit glaubt: Die nächste wird die beste überhaupt. Die taz bewundert den leeren Uterus der Künstlerin Kiki Smith. Eine Pariser Racine-Inszenierung lässt Pyrrhus mit ungewaschenen Haaren im Kampfanzug auftreten, weiß die FAZ. An kreisende Galaxien und Supernova-Ausbrüche fühlt sie sich anlässlich eines Bruckner-Konzerts der Berliner Staatskapelle erinnert. Der finnische Dokumentarfilm "Smoke Sauna Sisterhood" begeistert den Perlentaucher durch wabernden Rauch und offenherzig ausgebreitete Frauenschicksale.
Medienticker
23.11.2023 Im Gespräch: Aleida Assmann über den Versuch, die gesellschaftliche Spaltung durch Neudeutung von Vergangenheit zu überwinden - Buchkritik: "Kapitalismus ohne Demokratie" von Quinn Slobodian - Unterwegs mit karibischen "Schlafwagendienern": Über den Roman von Suzette Mayr - Kampf der Ingenieure bei OpenAI - NS-Geschichte Bertelsmanns digital veröffentlicht + Marc-Uwe Kling über seinen neuen Roman.
Bücherschau des Tages
23.11.2023 Die SZ erfährt in Gunnar Deckers neuer Biografie viel über Rainer Maria Rilkes
Liebesleben und kommt ihm dabei so nah wie noch nie. Mit Adam Thirlwells Roman "Die fernere Zukunft" verliert sie sich mit Protagonistin Celine in den Wirren der Französischen Revolution. Von Bruno
Preisendörfer lernt sie, dass "Sätze, die die Welt verändern" meist von jemand anders stammen als gedacht. Mit Lisa Frischemeiers Bildband sieht sie "Vulvas everywhere". Gabriel Wolkenfeld zeichnet mit "Propagandisten" für den Dlf ein "schockierend intensives" Panorama der russischen Vorkriegsgesellschaft. Und die FAZ macht große Augen angesichts der ungeahnten literarischen Kräfte, die Laurent Mauvignier in "Geschichten der Nacht" freisetzt.
Freitag, 24.11.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
24.11.2023 Noch ein offener Brief: Im Guardian antworten Adam Tooze, Nancy Fraser und andere auf Jürgen Habermas, dem sie Einseitigkeit vorwerfen. Israel sei dabei, einen Völkermord zu begehen, deuten sie an. In der FR wirft Fintan O'Toole den USA Doppelmoral mit Blick auf die Kriege in der Ukraine und in Israel vor. Auf geschichtedergegenwart meint der Politologe Ralf Michaels, Deutschland verstecke sich hinter der Staatsräson, um keine Verantwortung übernehmen zu müssen. Ahmad Mansour erzählt den Ruhrbaronen, was mit Migranten geschieht, die sich auf die Seite Israels stellen. Und in der SZ rät Bernhard Schlink vor dem Mitschwimmen über Moral nachzudenken.
Efeu - Die Kulturrundschau
24.11.2023 Ohne Skandal wäre die Documenta ja auch langweilig, meint Ex-Leiter Roger M. Buergel in der Welt, Verantwortung übernehmen will er aber auch nicht. Dass sich auch bei anderen Kunstveranstaltungen Antisemitismus finden lässt, erkennt die SZ anhand der nun abgesagten Biennale für aktuelle Fotografie. Die Reaktionen auf Ken Loachs letzten Film reichen von Zufriedenheit und Anerkennung bis Skepsis. Reine Irritation ruft indes das neue Album des Ex-Outkast-Rappers André 3000 hervor - aber vielleicht kann man mit Ende Vierzig auch einfach keinen würdevollen Rap mehr produzieren, mutmaßt ZeitOnline.
Medienticker
24.11.2023 Aktualisiert: Natasa Krambergers literarisches Plädoyer für die ökologische Landwirtschaft - Ein Weltkrieg online? Der Konflikt zwischen Israel und Hamas - Webradios: Live aus der Nasszelle - Buchkritik: Joanna Bators "Bitternis" + Neue Krimis "Memoria" von Zoë Beck + TV+Radio-Tipps für das Wochenende ...
Bücherschau des Tages
24.11.2023 Die FAZ empfiehlt einen Prachtband über Pompeji mit Fotografien von Luigi Spina. Die SZ lernt von Corine Pelluchon: Hoffnung ist das Gegenteil von Optimismus. Mehr Mut macht ihr Verena Friederike Hasel, die aufzeigt, was wir vom finnischen Schulsystem lernen können. Wie schwer es indes als lesbische Künstlerin im Finnland der Siebziger war, erfährt der Dlf von Pirkko Saisio. Außerdem empfiehlt die SZ Kinder- und Jugendbücher: Als besonderer Schatz gelten ihr die schimmernden Verse in Maria José Ferradas "Als du Wolke warst". Die FR lernt von der Integrationsforscherin Naika Foroutan: Besser als Leitkultur wäre eine Vielfalt der Kulturen.
Samstag, 25.11.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
25.11.2023 "Sich für Juden von sich aus einzusetzen, kommt bei der Bevölkerung eigentlich nicht an", kritisiert C. Bernd Sucher auf ZeitOnline. Die taz ist indes entsetzt, dass Frauenrechtsorganisationen und insbesondere die UN zu der Gewalt der Hamas an Jüdinnen schweigen. In der FAS fordert die ukrainische Friedensnobelpreisträgerin Olexandra Matwijtschuk einen Prozess wie in Nürnberg für Putin und seine Gefolgsleute. Und in der FAZ stutzt Bülent Mumay, dass Erdogan Israel zwar als "terroristischen Staat" bezeichnet, aber die Wirtschaftsbeziehungen gern aufrecht erhält.
Efeu - Die Kulturrundschau
25.11.2023 Nennt mich nicht postkolonial, sagt Literaturnobelpreisträger Abdulrazak Gurnah der FR. Peter Stamm plädiert in seiner von der NZZ dokumentierten Poetikvorlesung für Gefühl statt für gedrechselte Sätze. Bastian Kraft inszeniert die "Buddenbrooks" an der Berliner Volkbühne als Fotoalbum, durch das die Nachtkritik angeregt blättert. Sie darf weiterhin kritisch über Adania Shiblis Roman "Eine Nebensache" berichten, meldet die taz in eigener Sache: Literaturkritik hat das Recht auf Zuspitzung, bescheinigt ihr ein Gericht. Und Zeit Online tanzt mit dem neuen Album von Take That durch den Regen.
Bücherschau des Tages
25.11.2023 Die FR weiß aus Navids Kermanis und Natan Sznaiders Briefwechsel über Israel, dass alles viel schlimmer geworden ist, aber auch wieder besser werden kann. Die taz empfiehlt Juri Andruchowytschs klarsichtige Essays über den Krieg in der Ukraine. Die FAZ liest zwei spannende Bände über den spektakulären Juwelenraub aus dem Grünen Gewölbe in Dresden. Und Dlf Kultur lässt sich von Carlo Rovelli erklären, dass das Universum wahrscheinlich von weißen Löchern ausgespuckt wurde.
Montag, 27.11.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
27.11.2023 Russlands Krieg gegen die Ukraine ist nicht zuletzt der Versuch, das eigene Geschichtsbild mit Bomben durchzusetzen, sagt Maria Stepanova in einer Rede, die die FAZ heute bringt. Im Tagesspiegel träumt Michail Chodorkowski indes von einer russischen parlamentarischen Bundesrepublik nach dem Krieg. Liegt die Zukunft der Palästinenser ausgerechnet in den Händen des 88-jährigen Mahmud Abbas, fragt die NZZ. In der taz erklärt Wilhelm Heitmeyer, wie die multiplen Krisen der Gegenwart den Höhenflug der AfD begünstigen. Und in der FAZ versucht der im Libanon geborene Autor Wajdi Mouawad dem Hass zu trotzen, den die Hamas sät.
Efeu - Die Kulturrundschau
27.11.2023 Die NZZ bekommt glühende Wangen bei Yana Ross' Adaption von Virginie Despentes Roman "Liebes Arschloch" am Schauspielhaus Zürich. Die FAZ taucht in einer Ausstellung der Kunsthalle Tübingen ab in Sigmund Freuds "Innenwelten" und blickt dabei auch dem Entsetzen ins Gesicht. Mit seinem Film "Die Bologna-Entführung" über ein vom Papst entführtes Kind, ging es Marco Bellocchio nicht um eine Skandalgeschichte, erklärt der Regisseur der FR. Die Jungle World versenkt sich mit der neuen Doku-Serie von Ken Burns tief in die Geschichte der Country Music, deren Ursprünge schwärzer sind als man denken würde.
Bücherschau des Tages
27.11.2023 Die FAZ liest Kinderbücher: Den schüchternen Fridi begleitet sie in Julia Bleskens "Hasenherz". Von David Böhm lässt sie sich erklären, dass Zeit relativ ist und man in einer Minute kein Butterbrot essen kann. In Mark Janssens "Träumer" sieht sie Fabelwesen über die Seiten fliegen. Die SZ bekommt von Markus Roth Antworten auf die 101 wichtigsten Fragen über Antisemitismus. Und die FR brennt für Margaret Atwoods Essays.
Dienstag, 28.11.2023
Magazinrundschau
28.11.2023 Israel kann die Hamas nicht zerstören, weil Hamas eine Idee ist und man eine Idee nicht auf dem Schlachtfeld töten kann, befürchtet das Newlines Magazine. Im Interview mit Meduza fordert Ewgenia Kara-Mursa, die russische Zivilgesellschaft zu unterstützen, um das Regime zu schwächen. The Insider zeichnet den Antisemitismus der Romanows nach. Desk Russie erzählt derweil, wie die Sowjets verbreiteten, die Ukraine trüge die Hauptschuld an der Schoa. Hakai rechnet vor, was der Klimawandel für das Versicherungswesen bedeutet: Nichts Gutes.
9punkt - Die Debattenrundschau
28.11.2023 Für uns Juden ist die Zeit der Schoa immer im Jetzt, deshalb kann der selbstlose Universalismus der Deutschen für Israelis nur noch als ideales Bild existieren, erklärt Natan Sznaider auf SpiegelOnline. Die Epoche des westlichen Universalimus ist vorbei, diagnostiziert der Philosoph Leander Scholz in der Welt. Es werde immer schwerer, westliche Werte zu vermitteln, glaubt auch die SZ. Die Kulturwissenschaftlerin Sarah El Bulbeisi möchte in der taz indes die Begriffe "Apartheid" und "ethnische Säuberung" enttabuisieren, weil sich Palästinenser in Deutschland sonst "entmenschlicht" fühlen. Und in der Berliner Zeitung erklärt Joseph Vogl die Magie von Schulden.
Efeu - Die Kulturrundschau
28.11.2023 Die FAZ streift glücklich durch Edvard Munchs Schneelandschaften, die sie im Museum Barberini in Potsdam entdeckt. Im Gespräch mit der Berliner Zeitung zeigt sich Igor Levit schwer enttäuscht von einem Großteil der Kulturlinken: Deren Solidarität gelte allen - aber selten Juden. Ziemlich einseitig findet die NZZ Peter Kempers Studie über die politische Geschichte des Jazz: Weiße Jazzmusiker können offenbar nicht politisch sein. Und das Zeit Magazin erkennt echte Macher an der Patina ihrer Aktentasche.
Bücherschau des Tages
28.11.2023 Einen Meilenstein der Paul-Celan-Forschung hält der Dlf mit Bertrand Badious Bildbiographie in den Händen, die den Dichter nicht nur als Schmerzensmann, sondern auch als Bohemien zeigt. Die FR reist in Alex Schulmans Roman mit dem Zug in den schwedischen Fantasieort Malma, der Fluchtpunkt und Sehnsuchtsort zugleich ist. Die FAZ erfährt von Anita Krätzner-Ebert, wie Menschen zu Spitzeln werden. Und die taz blättert gebannt durch Hanneriina Moisseinens Graphic Novel: eine zeitlose Erzählung über die Wunden, die der Krieg schlägt.
Mittwoch, 29.11.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
29.11.2023 "Es geht nicht um Kritik an Israel. Es ist Antisemitismus", konstatiert die Historikerin Hedwig Richter, die auf SpiegelOnline einige Doppelstandards zerlegt. Ihr Kollege Heinrich August Winkler befürchtet im Tagesspiegel zwar eine "Entwestlichung" des Westens, gibt die Hoffnung in die freiheitlichen Kräfte der Demokratie aber noch nicht auf. Im Guardian glaubt Jörg Lau: Deutschlands Unterstützung für Israel habe auch damit zu tun, dass die Eckpfeiler der deutschen Außenpolitik zusammengebrochen sind. Und die taz zieht Parallelen zwischen den Deutschen unter Hitler und den Palästinensern unter der Hamas.
Efeu - Die Kulturrundschau
29.11.2023 Das Solidaritätskonzert gegen Antisemitismus im Berliner Ensemble bewegt die Feuilletons. Die Waffen der Kunst mögen wundersam weltfremd wirken, meint etwa die NZZ, hier aber zeigen sie Wirkung. Die FAZ fühlt sich in einer Ausstellung über Fehler in Computerspielen an Dantes Höllevisionen erinnert. Auch im Tel Aviv Museum of Art ist man geschockt über das laute Schweigen der Kunstwelt, weiß die SZ. In der Ukraine wiederum wird laut NZZ im Zuge der russischen Angriffe über eine Neudefinition der Rolle von Museen nachgedacht. Wie es ist, wenn der Krieg in die Stadt kommt, zeigt der taz Sepideh Farsis Animationsfilm "Die Sirene".
Bücherschau des Tages
29.11.2023 Die SZ unternimmt mit Orhan Pamuks Skizzenbüchern einen Augen-Spaziergang am Bosporus. Gebannt folgt sie auch Anja Reich, die ergründet, weshalb das "coolste Mädchen aus Lichtenberg" Suizid beging. Dlf Kultur begleitet mit Asne Seierstad zwei Afghaninnen und einen Taliban-Kämpfer. Und die NZZ reist mit Jonathan B. Losos durch die Evolutionsgeschichte der Katze.
Donnerstag, 30.11.2023
9punkt - Die Debattenrundschau
30.11.2023 Henry Kissinger ist tot. ZeitOnline und SZ erinnern an den schlagfertigen Staatsmann mit all seinen Stärken und Schwächen. Hamas und der IS wollen den Dschihadismus in Europa aufwecken, warnt der französische Politologe Hugo Micheron in der SZ. Auch das Bundesamt für Verfassungsschutz befürchtet Terroranschläge in Deutschland, meldet die FAZ. Terrorismus ist kein Problem der Migrationspolitik, meint der Soziologe Marc Helbling in der NZZ. Und die Welt ist entsetzt über das Schweigen der feministischen Bewegung angesichts des schrecklichsten aller Femizide.
Efeu - Die Kulturrundschau
30.11.2023 Sharon Dodua Otoo weist den Peter-Weiss-Preis nun ihrerseits zurück und bereut ihre Unterschrift unter einer Petition von Artists for Palestine, meldet die FAZ. Deutsche Filmschaffende sind frustriert von ihrer Arbeit bei den Öffentlich-Rechtlichen: Immer geht es nur um Technik, nicht um Inhalte, beklagen Drehbuchautoren und Regisseure. Ein geglücktes Experiment hört der Standard mit John Scofields neuem Album, auf dem er unter anderem Bob Dylan in den Bereich der Jazzgitarren-Improvisation überführt. Die taz fragt sich in einer Ausstellung im Haus am Lützowplatz, was eigentlich eine schlechte Mutter ist.
Bücherschau des Tages
30.11.2023 Zum bedächtigen Genießen empfiehlt die Zeit Soren Ulrik Thomsens schmalen Band, in dem der dänische Autor sein Leben in der "Store Kongensgade 23" schildert, aber auch das "Dunkel des inneren Raumes" ausleuchtet. Dlf erfreut sich an der abenteuerlich-aufregenden Fabulierlust in Frank Witzels Erzählungsband "Die fernen Orte des Versagens". Dlf Kultur liest mit angehaltenem Atem den Debütroman des georgischen Regisseurs Temur Babluani, der auch etwas für "die große Leinwand" wäre. Außerdem berauscht er sich an der erzählerischen Originalität in Thomas Willmanns historischem Schauerroman "Der eiserne Marquis".