Montag, 01.07.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
01.07.2024 Zur Freude der Kritiker hat Favorit Tijan Sila den Bachmann-Preis gewonnen: Was für ein starker Jahrgang, jubelt die FR. Weniger glorreich war die Arbeit der Jury, seufzt hingegen die taz. Russische Intellektuelle haben einen Dichter namens Gennadi Rakitin erfunden, der in den sozialen Medien nationalsozialistische Gedichte rezitiert - und der Kreml ist drauf reingefallen, berichtet die FAZ. Die NZZ begegnet bei einer Ausstellung von Jenny Holzer im Guggenheim-Museum der dunklen Seite der USA. Die Nachtkritik wundert sich bei Alexander Nerlichs Antigone-Version in Mainz über "Vokuhilas" und "Bullshit".
9punkt - Die Debattenrundschau
01.07.2024 Die extreme Rechte steht vor den Toren der Macht, konstatiert entsetzt Le Monde nach der ersten Runde der Nationalwahlen in Frankreich. Und Österreich? Steht kurz vor einer ebenso rechten FPÖ-Regierung, warnt die nicht minder entsetzte Philosophin Lisz Hirn im Tagesspiegel. In der NZZ weiß Herfried Münkler, wie man den Nahen Osten befrieden könnte: Erst den Ukrainekrieg gewinnen, dann die Mullahs im Iran und schließlich eine Zweistaatenlösung für die Palästinenser und Israel. Die SZ warnt vor einer neuen Runde Kolonialismus, diesmal durch Datenklau der Tech-Giganten. Die Ruhrbarone fragen: Wie reagieren eigentlich die Unterstützer der "Initiative Weltoffenheit" auf den 7. Oktober?
Bücherschau des Tages
01.07.2024 Die FAZ klärt im neuen Buch von "Känguruh-Chroniken"-Autor Marc-Uwe Kling einen Entführungsfall auf, in den Nazis und KI verwickelt sind. Im Tier-Krimi von Juneau Black "Mord in Shady Hollow" heftet sie sich an die Fersen eines Kröten-Mörders. Die NZZ vertieft sich in die Erinnerungen des Kurators Hans Ulrich Obrist, der von Wien über Paris nach London und immer auf den Spuren großer Künstler wandelte. Dlf Kultur lernt von Anka Muhlstein Spannendes über das Leben des Impressionisten Camille Pissarro.
Dienstag, 02.07.2024
Magazinrundschau
02.07.2024 Der chilenische Autor Benjamín Labatut unternimmt in Harper's einen Parforce-Ritt durch die Geschichte und die Versprechungen der Künstlichen Intelligenz. Die New York Times betrachtet die chinesisch-indischen Beziehungen. Hlidaci pes lässt sich von der russischen Aktivistin Galina Arapova erklären, warum man sich als Journalist auch gegen einen übermächtigen Staat wehren muss. Mediazona stellt den den 15-Jährigen Russen Arseny Turbin vor, der ins Gefängnis muss, weil er sich für die Ukraine engagiert. Der New Yorker porträtiert den französisch-britischen Verleger Jacques Testard.
9punkt - Die Debattenrundschau
02.07.2024 Die französischen Wahlergebnisse verdüstern die Stimmung noch mehr. Auch externe Faktoren spielten eine Rolle für Macrons Debakel, meint Claus Leggewie in der taz und meint damit Angela Merkels und Olaf Scholz' totale Indifferenz gegenüber Macrons Vorschlägen zu Europa. Pascal Bruckner fürchtet in der NZZ die krasse wirtschaftliche Ignoranz beider populistischer Fraktionen in Frankreich. Alle warnen, dass die glatte neue Fassade des RN den alten Extremismus nur schlecht verbirgt. Wir schlafwandeln nicht, wir gehen sehenden Auges in die Katastrophe, resümiert Gustav Seibt in der SZ.
Efeu - Die Kulturrundschau
02.07.2024 Die geballte Krisenhaftigkeit schlägt den Kritikern bei Marc-André Dalbavies Oper "Melancholie des Widerstandes" an der Berliner Staatsoper entgegen: zum Glück erleuchten die Sänger das Dunkel ein wenig, seufzt erleichtert die FAZ. Der Tagesspiegel sucht bei der großen Cartier-Bresson-Retrospektive in Hamburg Truman Capote im Blätterwald. Die Literaturkritiker verabschieden sich von Ismail Kadare. Die SZ erinnert an die albtraumhafte Atmosphäre totalitärer Herrschaft, die er in seinen Romanen schuf.
Bücherschau des Tages
02.07.2024 Zum 300. Geburtstag von Friedrich Gottlieb Klopstock erscheinen neue Biografien: Die SZ freut sich darüber, dass Axel Kahrs heutigen Lesern den Popstar der Empfindsamkeit wieder näherbringt. Die FAZ empfiehlt eine Biografie von Kai Kauffmann. Mit Jakob Thomä bereitet sie sich auf mögliche Gefahren dieser Zeit vor: Antibiotikaresistenz, Quantencomputing oder auch die Zombieapokalypse. Die FR taucht in Vincent O. Carters Roman "Amerigo Jones" in eine Kindheit in den Südstaaten ein.
Mittwoch, 03.07.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
03.07.2024 Die Filmkritiker bejubeln die spielerische Leichtigkeit von Richard Linklaters Krimikomödie "A Killer Romance": Der Filmdienst bewundert die geschmeidigen Rollenwechsel von Hauptdarsteller Glen Powell. Auf weniger Liebe stößt "Kinds of Kindness", der neue Film von Yorgos Lanthimos, trotz der gewohnt vollen Dröhnung Nihilismus, Zynismus und Brutalität: Den Tiefgang muss man hier nicht suchen, es gibt ihn nicht, ärgert sich die FAZ. Die NZZ rekonstruiert noch einmal den Shitstorm um den Band "Oh Boy", der ganze Karrieren gefährdet. Der Tagesspiegel flaniert durch dänische Stadtviertel, in denen zwischen nachhaltiger Architektur Wildblumenwiesen sprießen.
9punkt - Die Debattenrundschau
03.07.2024 Die linke Kulturszene in Frankreich beschäftigt sich lieber mit den eigenen Befindlichkeiten, als sich den großen Fragen der Bevölkerung zu stellen, ärgert sich die SZ. "Zur Wissenschaftsfreiheit gehört der Verzicht auf politischen Aktivismus", ruft Michael Wolffsohn in der Welt. In der FR stellen die Rechtsphilosophin Netta Barak-Corren und der Historiker Danny Orbach einen Leitfaden für ein Nachkriegs-Gaza vor. Kommt nach der Antidiskriminierungsklausel jetzt die Anti-Antisemitismusklausel, fragt die taz nach einer Tagung.
Bücherschau des Tages
03.07.2024 Die FAZ bewundert die "poetische Prägnanz" in den Gedichten Olga Martynovas. Von Franco Supino bekommt sie in "Ciao amore, ciao" ein paar kräftige italienische Ohrwürmer verpasst. Die SZ liest interessiert die Briefe von Ahmad Katlesh und Vanessa Vu, die sich über ihre Erfahrungen als Menschen mit Migrationshintergrund austauschen. Die taz empfiehlt Maxi Obexers Roman "Unter Tieren" über eine Kindheit in den Südtiroler Bergen. Die NZZ findet Emmanuel Fayes Thesen, der Hannah Arendt "Die Zerstörung des Denkens" vorwirft, ein wenig zu steil. Dlf Kultur schwebt mit Cynthia Zarins Debütroman "Inverno" zwischen Realität und Fantasie.
Donnerstag, 04.07.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
04.07.2024 Die neue Documenta-Findungskommission steht: Die SZ bangt schon jetzt, ob wieder unterzeichnete offene Briefe aus der Vergangenheit entdeckt werden. Die FAZ bewundert in Amsterdam, wie die rumänische Künstlerin Ana Lupas die Repressionen des Überwachungsstaates mit Mänteln unterlief. "Die Messer kommen sorgfältig gewählt aus unerwarteten Richtungen", resümiert Martin Kusej, scheidender Direktor des Burgtheaters, in der Zeit seine Jahre in Österreich. Die Öffentlich-Rechtlichen haben ein Intelligenz-Problem, konstatiert die NZZ mit Blick auf gestrichene Literatursendungen. Und VAN berichtet: Teodor Currentzis bekommt in Sankt Petersburg offenbar ein Konzerthaus geschenkt.
9punkt - Die Debattenrundschau
04.07.2024 Die Juden stehen bei der Wahl in Frankreich vor einem schlimmen moralischen Dilemma - an ihnen "kristallisiert sich wieder einmal die Krise der Demokratie heraus", schreibt Eva Illouz in der Zeit. Der Philosoph Tim Henning warnt in der Welt davor, die Wissenschaftsfreiheit einzugrenzen. In der FR verkündet Colin Crouch die neue Devise der britischen Politik: Don't Mention the Brexit. Das Supreme Court Urteil hat auch gute Seiten, meint Manfred Berg in der SZ - es schadet trotzdem der amerikanischen Demokratie. Der Rücktritt der Regierung in Kenia ist alternativlos, erfährt die FR von einer Demonstrantin.
Bücherschau des Tages
04.07.2024 Lest Fleur Jaeggy, ruft die NZZ und empfiehlt die drei neuen Erzählbände der Autorin mit dem großen Talent zur präzisen Verknappung. Die Welt versucht dem Phänomen Caroline Wahl auf die Spur zu kommen. Die SZ lernt von Laurenz Lütteken, dass Mozarts "Zauberflöte" keine Oper der Aufklärung ist. Die Zeit besucht Hiromi Ito. Die FAZ taucht mit Maggie O'Farrells "Hier muss es sein" in die Geheimnisse einer Ehe.
Freitag, 05.07.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
05.07.2024 Am Sonntag findet in Frankreich der entscheidende zweite Wahlgang der Nationalwahlen statt, der die extreme Rechte an die Macht bringen könnte: Wer und was hat Frankreich dahin gebracht, fragen die Medien. Seit 25 Jahren gibt es jenes Ministerium, "das so nicht heißen darf": Die FAZ blickt auf ein Vierteljahrhundert Bundeskulturpolitik. Und alle Zeitungen fragen: Rettet Tiktok den Buchmarkt?
Efeu - Die Kulturrundschau
05.07.2024 Die NZZ glaubt nicht, dass das Trump-Biopic "The Apprentice" je in die Kinos kommt: Die amerikanische Filmindustrie hat zu viel Angst vor dem Ruin. Die taz entdeckt mit Open Ground das neue Berghain ausgerechnet in Wuppertal. Die SZ setzt sich gegen Machtmissbrauch in der Tanzszene ein. Der NZZ ist außerdem nicht wohl zumute, wenn ein Zusammenschluss französischer Rapper Protest gegen den Rechtsruck in Frankreich mit Verschwörungstheorien verquickt.
Bücherschau des Tages
05.07.2024 Die FAZ reist mit Onur Erdur in die "Schule des Südens" und lernt die "kolonialen Differenzerfahrungen" von Bourdieu, Foucault und Co. kennen. Die FR lässt sich von Scholastique Mukasonga ruandische und christliche Mythen erzählen. Der Dlf liest bei Anthony Veasna So, was es bedeutet Khmer und queer zu sein. Mit Andreas Bernard macht der Dlf mystische Erfahrungen beim Flippern.
Samstag, 06.07.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
06.07.2024 In der SZ kann sich A.L. Kennedy nicht über den Ausgang der Wahl in Großbritannien freuen - denn die Populisten um Nigel Farage sind auf dem Vormarsch. Emmanuel Macron hat die politische Mitte in Frankreich zerstört, hält der Politikwissenschaftler Olivier Roy in der FR fest. Macron steht jetzt ganz alleine da, meint die FAS. Rechtsextreme müssen ausgegrenzt werden, wo es geht, ruft der Populismusforscher Jan-Werner Müller in der taz. Angesichts dessen, was uns in Zukunft durch die KI droht, wäre Panik angebracht, meint Daniel Kehlmann in der SZ.
Efeu - Die Kulturrundschau
06.07.2024 Die taz bewundert in Wolfsburg, wie die dominikanisch-amerikanische Künstlerin Firelei Báez mit Fruchtzellen und Haarknoten in leuchtenden Farben gegen Rassismus ankämpft. Außerdem wirft die taz einen düsteren Blick in den Parallel-Literaturbetrieb, den die Neue Rechte seit Jahren aufbaut. Im WamS-Gespräch erklärt Joachim A. Lang, warum er in seinem Film "Führer und Verführer" neue Bilder von Hitler schaffen will. In der Berliner Zeitung wirft Gorki-Regisseur Oliver Frljić der deutschen Kulturpolitik und den Medien Unterdrückung Andersdenkender und Frauenfeindlichkeit vor.
Bücherschau des Tages
06.07.2024 SZ und Welt küren Jörg Späters Studie über „Adornos Erben“ zum neuen Standardwerk. Die Welt denkt mit dem neuen Roman von Rachel Cusk außerdem über Kunst und Weiblichkeit nach, die SZ erkennt hinter Sidik Fontanas „dünnen Wänden“ einen neuen großen New-York-Roman. Die FAS ergründet den Erfolg von Sasa Stanisic: Er lässt uns an das Gute im Menschen glauben. Die FAZ lässt sich von Heike Melzer über Onlinesüchte aufklären. Und die taz lernt in einem Band, wie Einsamkeit und Ressentiments zusammenhängen.
Montag, 08.07.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
08.07.2024 In Frankreich hat in der zweiten Runde der Parlamentswahlen die Neue Volksfront überraschend stark abgeschnitten - die FAZ wirft einen ersten Blick auf die Ergebnisse. Ist der "Wolfsgruß", den viele Türkei-Fans beim Viertelfinale der EM zeigten eher harmlos? Ja, meint Deniz Yücel in der Welt, nein meint Eren Güvercin bei NTV. Die Erben des Sammlers Erich Marx haben wichtige Werke aus dem Hamburger Bahnhof abgezogen, und SPK-Chef Hermann Parzinger hat es einfach geschehen lassen, so die FAZ.
Efeu - Die Kulturrundschau
08.07.2024 Die SZ lernt von Maryam Moghadams und Behtash Sanaeehas Film "Ein kleines Stück vom Kuchen" Widerstand durch Genuss und Lebensfreude. Die Welt bewundert in London prunkvolle Roben - von Belle-Époque Maler John Singer Sargent auf ewig konserviert. Der Spiegel freundet sich mit Taylor Swift an. Die "Zauberflöte" und Südafrika - wer hätte gedacht, dass das so gut zusammenpasst, jubelt die nmz bei einer Inszenierung von Mark Dornford-May in Hannover. Die NZZ bangt um das Imperium von Mode-König Giorgio Armani.
Bücherschau des Tages
08.07.2024 Dlf Kultur entdeckt mit Marion Löhndorf das Hotel als "Traumtheater der Gegenwart". Die FR verschlingt Rivka Galchens Roman über den Hexenprozess gegen die Mutter von Johannes Kepler. Die Welt ist nicht ganz überzeugt von Hannah Arendts Aufsätzen "Über Palästina". Die SZ bewegt sich mit Sascha Lübbe "Ganz unten im System", wo Arbeitsmigranten für einen Hungerlohn schuften.
Dienstag, 09.07.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
09.07.2024 Der Freitag unterhält sich mit René Aguigah über seine James Baldwin-Biografie und versucht, das Verhältnis zwischen Literat und Aktivist zu ergründen. Die Tochter von Alice Munro macht ihrer Mutter schwere Vorwürfe, berichtet die SZ. Die FAZ entdeckt im Grimaldi Forum in Monacco das "Sublime" in den Bildern William Turners. Außerdem begeistert sie sich für die Vielfalt und das Versöhnliche auf dem neuen Album von Swamp Dogg.
9punkt - Die Debattenrundschau
09.07.2024 Während Putin die Kinderkrankenhäuser von Kiew bombardiert, wird diese Woche die Nato tagen - wird sie die Ukraine aufnehmen, fragt Richard Herzinger. Überrascht waren sie alle von der zweiten Runde der französischen Wahlen - wir bringen erste Analysen. In der SZ fordert der Islamwissenschaftler Mathias Rohe Prävention gegen Islamismus schon in der Schule. In der Welt schildert Alan Posener die kognitiven Dissonanzen des Postkolonialismus.
Magazinrundschau
09.07.2024 Der Rolling Stone weiß, warum Drogendealer Snapchat lieben. Francis Fukuyama erklärt auf Persuasion ganz konkret, warum niemand eine größere Gefahr für die Demokratie ist als Donald Trump. Scena9 streift durch die Nationalparks Rumäniens. Der Guardian entwirft eine kleine Kulturgeschichte moderner Anästhetika. Meduza zeichnet die Geschichte der Anti-Atom-Bewegung in Kasachstan nach. Quietus schwelgt in Erinnerungen an den Hardcore-Punk der Minutemen.
Bücherschau des Tages
09.07.2024 Sanam Mahloudjis Roman "Die Perserinnen" erzählt von einer iranischen Familie im Exil: Dlf Kultur begrüßt dieses lebendige und lustige Buch über die Wechselwirkungen von Leben und Politik. Die FAZ bekommt hier eine Anleitung, wie man sich als Familie auch in Zeiten der Krise zusammenraufen kann. Bei Kim Ho-yeon verfolgt sie Außenseiter und Alltagsdramen in einem 24-Stunden-Supermarkt in Seoul. Die NZZ bewegt sich mit Volha Hapeyevas Roman "Samota" frei zwischen den Welten. Die Zeit trifft in Madame Nielsens Buch "Mein Leben unter den Großen" dänische Schriftsteller in der guten Stube oder nackt am Strand.
Mittwoch, 10.07.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
10.07.2024 Wo bleiben in Paris im Olympiajahr die architektonischen Utopien, fragt sich die SZ. Die FR flaniert durch eine Ausstellung im Städel und taucht ein in die Welt der Pariser Künstlerinnen-WGs. Die FAZ bejubelt die Wiederaufführung von Abel Gances Stummfilmepos "Napoleon" - eine atemberaubende Sinfonie des Grauens. Solidarität mit Israel zahlt sich in der Clubszene nicht aus, muss das Berliner About Blank laut Tagesspiegel derzeit erfahren. Die Musikindustrie muss die Gefahr durch KI endlich Ernst nehmen findet die SZ: Star-Wars-Powerballaden kann die künstliche Intelligenz schon.
9punkt - Die Debattenrundschau
10.07.2024 Putin schießt gern auf Kinderkrankenhäuser. In der FAZ beschreibt der amerikanische Künstler Clemens Poole, der in Kiew lebt, die Zerstörung der Ochmatdyt-Klinik. In Le Monde holt der Politologe Frédéric Sawick die französische Linke auf den Boden der Tatsachen zurück: Mit dem "Volk" hat sie nicht viel zu tun - das wählt extrem rechts. In der Welt antwortet der Historiker Gadi Taub auf Etgar Keret, der Krieg mag Netanjahu nutzen - aber er wird von den Israelis auch befürwortet. Amerikanische Medien wussten von Joe Bidens Gesundheitszustand, aber sie berichten erst jetzt, konstatiert die FAZ.
Bücherschau des Tages
10.07.2024 Die SZ fragt sich mit Yevgenia Belorusets, ob Tiere nicht die besseren Menschen sind. Dlf Kultur lässt sich von José Henrique Bortoluci mit Freuden die Geschichte seines Vaters erzählen. Die NZZ steigt in Maren Kames' Roman "Hasenprosa" hinab in mittelhessische Partykeller. Die FR erfährt von Philip Manow in "Unter Beobachtung", dass nicht Rechtsextreme die Demokratie gefährden, sondern der zu starke Glaube an Verfassungsgerichte.
Donnerstag, 11.07.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
11.07.2024 In der FAZ blickt Amir Hassan Cheheltan skeptisch auf den Wahlsieg des "Reformers" Massud Peseschkian im Iran. Die taz gratuliert der Nato nicht zum 75. Geburtstag, denn es gibt keinen Anlass zum Feiern, meint sie. In der Zeit warnt Clemens J. Setz vor Elon Musks neuen Starlink-Satelliten, die die Ozonschicht in kürzester Zeit zerstören könnten. Ebenfalls in der Zeit blickt die Autorin Anne Rabe zurück auf die Regierungszeit Angela Merkels.
Efeu - Die Kulturrundschau
11.07.2024 Die SZ ist genervt vom risikolosen Radical Chic an deutschen Bühnen, wie ihn zuletzt Oliver Frljić in der Berliner Zeitung zur Schau trug. Heute hofft in der Berliner Zeitung Thomas Ostermeier auf eine linke Volksfront in Deutschland, die mit dem kapitalistischen System auch dem Faschismus an den Kragen geht. In der Welt erklärt Nadja Tolokonnikowa von Pussy Riot, dass in Diktaturen Aktivismus selten sexy, aber immer gefährlich ist. Die FAZ feiert die Malerin Eva Beresin in der Wiener Albertina. Der Filmdienst bedauert, dass sich das Reflexionsniveau von Joachim A. Lang in seinem Film über Nazideutschland "Führer und Verführer" leider nicht zeigt.
Bücherschau des Tages
11.07.2024 Keine Benzin-, aber auch keine Elektromotoren mehr - die Apokalypse in Jonathan Lethems Roman "Der Stillstand" mündet in einen Biohof, in den KI einbricht. Die FAZ hat's amüsiert. Sehr empfehlen kann sie auch Aroa Moreno Durans "Ruths Geheimnis", ein Familienroman aus dem Baskenland zu Zeiten des spanischen Bürgerkriegs. Die FR liest Armin Nassehis "Kritik der großen Geste". Der Dlf erlebt mit Chukwuebuka Ibehs "Wünschen" ein Coming out im schwulenfeindlichen Nigeria.
Freitag, 12.07.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
12.07.2024 Wer immer noch glaubt, die AfD sei zwar rechts, aber nicht rechtsextrem, dem rät die taz: Besuchen Sie doch mal eine Sonnenwendfeier in Strahwalde, Oberlausitz, oder auch in Eschede, Niedersachsen. Auf die Frage, warum deutsche Medien nie über moderate pro-palästinensische Demonstrationen berichten, antwortet der Tagesspiegel: Weil es keine gibt. FAZ und Ruhrbarone fragen: Ist der Liberalismus erledigt? Und Hubertus Knabe erinnert in seinem Blog an eine"Brandmauer", die einst von der SPD eingerissen wurde.
Efeu - Die Kulturrundschau
12.07.2024 Literaturklassiker in einfacher Sprache? Was bleibt da noch von der Literatur, fragt sich die NZZ. FR und FAZ erfreuen sich an der postkolonialen Avantgarde der Casablanca Art School, die die Schirn ausstellt. FAZ und NZZ sind sich noch nicht ganz sicher, was sie mit der Stückeauswahl der Münchner Opernfestspiele anfangen sollen. Die Filmkritiker trauern um die Schauspielerin Shelley Duval, die Kunstkritiker um den Fotografen Thomas Hoepker.
Bücherschau des Tages
12.07.2024 Die FAZ betrachtet nur zu gerne die Costiera Amalfitana durch die bewundernden Augen Dieter Richters. Mit Emmanuel Faye fragt sie sich, ob Hannah Arendt an der Zerstörung des Denkens durch Martin Heidegger beteiligt war. Die FR liest neue Gedichte Jürgen Beckers. Die taz lässt sich gern von Maren Kames' "Hasenprosa" überfordern. Der Dlf versinkt in Joseph O'Neills Roman "Godwin" um einen jungen Fußballer aus Benin.
Samstag, 13.07.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
13.07.2024 Der Tagesspiegel betrachtet ehrfürchtig das rotgesichtige genießerische Bürgertum, das sich von Frans Hals verewigen ließ. Wenn jemand die Tragödie an deutschen Bühnen retten kann, dann Ramón del Valle-Inclán mit seinen Schauerpossen, versichert die FAZ - und macht sich anschließend zu einer Reise ins rumänische Babadag auf, wo Europa noch in Saft und Kraft steht. Der Filmdienst übt vergleichende Blickbewegungen in einer Berliner Thomas-Arslan-Ausstellung. Die taz steht im Humboldt-Forum und fragt: Warum nur sechs Quadratmeter für die Ostpunks?
9punkt - Die Debattenrundschau
13.07.2024 In der FAS macht Laidlaw Peringanda vom "Swakopmund Genocide Museum" in Namibia einen Vorschlag für die Wiedergutmachung deutscher Kolonialverbrechen. Die FAZ hat schlechte Nachrichten aus der Welt des Musiktheaterbaus: Die Dinger sind recht teuer. Die taz arbeitet sich am alten Gegensatzpaar von "Lechts" und "Rinks" ab - mit unklarem Ergebnis. Ebenfalls in der taz spricht der palästinensische Demokratie-Aktivist Hamza Howidy über die internationale Solidarität mit der Oppostion im Gaza-Streifen: Es gibt keine.
Bücherschau des Tages
13.07.2024 Die FAS freut sich über eine Neuentdeckung: Rosemary Tonks, die sie mit "Der Köder" durch das Swinging London begleitet. Sehr gut gefallen hat ihr auch José Henrique Bortolucis Roman "Was von meinem Vater bleibt", der die Geschichte des Vaters, einem LKW-Fahrer auf der Transamazônica, mit der Entwicklung Brasiliens verbindet. Die taz amüsiert sich mit Najem Walis Krimi "Stadt der Klingen". Die FAZ ackert sich mühsam durch Jie-Hyun Lims "Opfernationalismus", ohne dafür belohnt zu werden. Die SZ vermisst die große Geste in Armin Nassehis "Kritik der großen Geste".
Montag, 15.07.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
15.07.2024 Die deutschen Zeitungen sind sich sicher: Das Bild vom blutigen Donald Trump, der seinen Anhängern "kämpft" zuruft, hat die amerikanischen Präsidentschaftswahlen entschieden. Die FAZ findet allerdings, dass die Demokraten zu wenig über die Motive der Trump-Anhänger diskutieren. In der Welt fragt Hubertus Knabe, warum sich so viele Menschen im Osten im Ukraine-Konflikt auf die Seite Putins schlagen. In der SZ plädiert der Politologe Christian Stecker für ein neues Wahlsystem, das die AfD aus dem Rennen werfen soll: Damit will er die Akzeptanz der Demokratie erhöhen. In der FAZ fragt Kurator Heiner Bastian fassungslos, warum die Stiftung Preußischer Kulturbesitz tatenlos den Verkäufen der wichtigsten Werke aus der Sammlung Marx zusieht.
Efeu - Die Kulturrundschau
15.07.2024 Die SZ watet bei Roger Vontobels Inszenierung von "Der Diplomat" bei den Nibelungenfestspielen in Worms im Blut. Eine Ausstellung in Rom, die Louise Bourgeois' Werke neben die der Alten Meister stellt, bringt bei der Welt alle Sinne zum Vibrieren. Zeit Online findet in einer Ausstellung in Marbach heraus, was den Erfolg von Verleger Siegfried Unseld ausmachte. Der Freitag findet: Das Mysterium Taylor Swift ist gar keines. Und die FAZ gibt Entwarnung: Mit einer Übernahme von Literatur durch KI sei auch in Zukunft nicht zu rechnen.
Bücherschau des Tages
15.07.2024 Die NZZ erkennt in Janko Polić Kamovs Roman "Austrocknen" über einen tuberkulosekranken Bohemien ein faszinierendes Stück literarischer Avantgarde "am Vorabend eines Weltenzusammenbruchs". Die FR verliert sich gerne in Rachel Cusks experimentellem Roman "Parade". Die FAZ wird in Beatrice Salvionis "Malnata" Zeuge einer Mädchenfreundschaft vor dem Hintergrund des italienischen Faschismus. Die SZ bereitet sich mit Marcus Bensmann auf den Widerstand gegen Rechtsextreme vor.
Dienstag, 16.07.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
16.07.2024 Die FAZ bespricht Kirill Serebrennikows Film über die in Russland tabuisierte Homosexualität Tschaikowskis. Die taz freut sich, dass Remagen an die Künstlerinnen des Dada erinnert. FAZ und NZZ sind sich uneins: Ist William Kentridges Kammeroper "The Great Yes, the Great No" über südafrikanische Intellektuelle, die gemeinsam mit europäischen Flüchtlingen vor den Nazis fliehen, ein frischer Blick über den eurozentrischen Tellerrand oder kulturelle Aneignung? Der Standard langweilt sich, wenn Eminem mal wieder gegen Feministinnen und Liberale ätzt.
9punkt - Die Debattenrundschau
16.07.2024 Stehen die USA kurz vor einem Bürgerkrieg? Die Parallelen mit dem Jahr 1860 sind jedenfalls beängstigend, meint in der SZ der Historiker Manfred Berg. Trump wird nach dem überlebten Attentat von seinen Anhängern wahlweise als Märtyrer oder Messias gefeiert, wissen FAZ und taz. Europas rechte Parteien marschieren mitnichten im Gleichschritt, stellt der Historiker Volker Weiss in der SZ fest, stattdessen versinken sie im Chaos. Die Architekturschule der Columbia University hat sich seit dem 7. Oktober "zum Mekka des institutionalisierten Israelhasses" entwickelt - überraschend ist das nicht, meint die taz.
Magazinrundschau
16.07.2024 Der Observator Cultural berichtet von einem unwirklichen Besuch Michel Foucaults im Bukarest der 60er Jahre. In Forum 24 erklärt der Historiker Timothy Snyder eine selten beherzigte Lehre aus der Geschichte: Am Ende gewinnen immer die Kleinen. Die London Review betrachtet die deprimierende Situation der Frauen in Afghanistan. In HVG reflektiert der ungarische Autor Laszlo Darvasi die Debatte in Ungarn. Der New Yorker untersucht den Zusammenhang zwischen Piraten und Sex. New Lines würdigt den Beitrag der Mittelschicht zu den Protesten in Kenia.
Bücherschau des Tages
16.07.2024 Die FAZ folgt Enrique Vila-Matas in "Montevideo" durch eingebildete Türen zu magischen Koffern und philosophischen Reflexionen - und amüsiert sich dabei prächtig. Dlf Kultur schmökert in Karel Capeks Reiseberichten aus Italien. Die SZ nimmt mit Shashi Tharoors "Zeit der Finsternis" die indische Perspektive auf die britischen Kolonialverbrechen ein. Die FR liest mit Spannung Aroa Moreno Durans Roman über die dunkle Vergangenheit einer baskischen Hafenstadt. Und Dlf schwebt mit Elena Winter "Im Orbit".
Mittwoch, 17.07.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
17.07.2024 Die Zeitungen diskutieren über das von Nancy Faeser geplante Verbot von Compact: Die Welt wirft Faeser "moralischen Rigorismus" vor, Spon meint hingegen: Ein Magazin wie Compact muss den Rechtsstaat aushalten. In der Welt wirft Michael Wolffsohn den Geisteswissenschaften und den Öffentlich-Rechtlichen "totale Parteilichkeit" mit Blick auf Israel vor. Zeit Online warnt, dass die neue geplante Bundestagesresolution gegen Antisemitismus in die Freiheit der inneren Meinungsbildung eingreift. Und die FAZ überlegt, warum Sahra Wagenknechts "putinophile Saat" im Osten auf so fruchtbaren Boden fällt.
Efeu - Die Kulturrundschau
17.07.2024 Die Filmkritiker frösteln gemeinsam mit Profi-Einbrecher Trojan in Thomas Arslans "Verbrannte Erde": Die FAZ feiert den Gangsterfilm als Regiestreich eines Genregenies. Der Tagesspiegel fordert: Joe Chialos Bibliothekspläne für die Galeries Lafayette müssen umgesetzt werden, und zwar jetzt. François-Xavier Roth wird trotz Missbrauchsvorwurf Chefdirigent des SWR-Symphonieorchesters - ein falsches Signal, kritisiert Backstage Classical. Der Standard erfreut sich an Anne Teresa De Keersmaekers und Radouan Mrizigas Tanzstück über den Klimawandel, mitsamt Breakdance-Headspin und Zeitlupen-Akrobatik.
Bücherschau des Tages
17.07.2024 Die FAZ vertieft sich in das Werk des österreichisch-französischen Schriftstellers Manès Sperber und liest etwa vom Partisanenkampf in Jugoslawien und dessen illegaler Arbeit für die KPD. Dlf durchtanzt mit Eve Babitz in "Sex & Rage" die Nächte im Los Angeles der siebziger Jahre. Die SZ erfährt aus Tobias Dahmens Graphic Novel die Geschichte seiner Familie im Zweiten Weltkrieg. Außerdem empfiehlt sie Jhumpa Lahiris Kurzgeschichtenband "Das Wiedersehen".
Donnerstag, 18.07.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
18.07.2024 Wütend, aggressiv und äußerst aktuell finden Tagesspiegel und Berliner Zeitung die Boris-Lurie-Ausstellung am Rande der Biennale in Venedig, die sich unter anderem der Frage widmet, wie sich die Vernichtung der Körper im KZ im Kapitalismus fortsetzte. Um Körper und Gewalt geht es auch in Rose Glass' Bodybuilderinnen-Film "Love Lies Bleeding", den die Zeitungen als queeres Fetischkino feiern. Die russischen Theatermacherinnen, Schenja Berkowitsch und Swetlana Petrijtschuk sind in Moskau zu sechs Jahren Haft verurteilt worden, in der FAZ kennt Viktor Jerofejew die wahren Hintergründe. Kein Tag ohne Taylor Swift: Die Musikkritiker schreien mit in Gelsenkirchen.
9punkt - Die Debattenrundschau
18.07.2024 "Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos", glaubt der Politologe Mark Lilla in der Zeit mit Blick auf die USA. Mit J.D. Vance' Ernennung zum Vize zeigt Trump, dass man seinem Make America Great Again-Kult auch noch verspätet beitreten kann, bemerkt Zeit Online. Im Tagesspiegel kritisiert Juli Zeh das Klischee vom ländlichen Protestwähler. In der FAZ legt der Ökonom Philipp Lepenies dar, warum wir uns von der Zeit des "süßen Konsums" verabschieden sollten. In der taz macht die Autorin Ruth Hoffmann klar, dass beim Stauffenberg-Attentat mitnichten nur militärische Akteure beteiligt waren.
Bücherschau des Tages
18.07.2024 Die FAZ feiert Mikael Ross' Graphic Novel "Der verkehrte Himmel", die Manga-Zeichentechniken mit der Erzählweise französischer Comics verbindet: Nur spielt diese in Berlin-Lichtenberg! Der Dlf reist mit Franz Friedrichs "Die Passagierin" in die Zukunft und die Vergangenheit der Bewohner eines Sanatoriums in Kolchis. Die NZZ bewundert die Rätselhaftigkeit Michel Piccolis, die sich auch in seinen Erinnerungen nicht auflöst. Dlf Kultur lernt von Olivier Tallec und einem Eichhörnchen, was ein bester Freund ist.
Freitag, 19.07.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
19.07.2024 Achtzig Jahre danach: In der NZZ versucht der Historiker Ulrich Schlie zu erklären, weshalb sich die Deutschen so schwer mit dem 20. Juli tun. NZZ und SZ malen sich ein Amerika unter Präsident Trump 2.0 aus. Die feministische Organisation "Terre des Femmes" hat eine Umfrage zum Kinderkopftuch an deutschen Schulen in Auftrag gegeben und kommt zu beunruhigenden Ergebnissen. "Kunstfreiheit" ist eine deutsche Spezialität, meint Christoph Möllers laut Tagesspiegel - Woanders reicht die Meinungsfreiheit. Und: Wohin läuft Adidas (mit)?
Efeu - Die Kulturrundschau
19.07.2024 Die taz besucht in Bristol das Label Skep Wax, bekannt für seinen twangy Gitarrenpop. In der FAZ erkennt Autor Eckart Nickel in Taylor Swift die Erfüllung eines Wunsches der Pet Shop Boys. Die NZZ hört und sieht den "Freischütz" bei den Bregenzer Festspielen als technisch avanciertes Popcorn-Kino. Warum muss die Interimsoper in Nürnberg ausgerechnet auf das Reichsparteitagsgelände, fragt die FAZ. Der Tagesspiegel freut sich, dass es kein Geld mehr für die Lolas gibt.
Bücherschau des Tages
19.07.2024 Fasziniert erkundet die FR die Welt der Gegenwart mit mehr als 130 bunten Karten. Die NZZ reist mit Elif Shafak vom antiken Ninive bis ins Jahr 2018 auf ein Hausboot auf der Themse. Die FAZ verdankt dem Briefwechsel zwischen Theodor W. Adorno und Ludwig von Friedeburg einen Einblick in den "Neubeginn der Soziologie" in Deutschland nach Hitler. Der Dlf Kultur liest mit "Senza Casa" einen der "nacktesten" Nachlass-Texte von Ingeborg Bachmann. Mit Amor Towles begibt er sich ins Hollywood der Dreißiger.
Samstag, 20.07.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
20.07.2024 Die Entscheidung der Darmstädter Akademie, den Büchner-Preis 2024 an den Südtiroler Dichter Oswald Egger zu verleihen, versetzt die Literaturkritiker in kräftige Wallungen: Die FR feiert Oswald als genialen Lyriker und begnadeten Nature Writer. Sinnlich ist er auch, versichert die Welt. Zeit online ist entsetzt über die Entscheidung: "Unsinn, den man laut liest, bleibt trotzdem Unsinn." Der Tagesspiegel fragt angesichts von Eggers hermetischer Sprache: Was also soll das? Die FAZ urteilt salomonisch: "Publikumsmehrheitsfähig ist so etwas gewiss nicht. Aber preiswürdig." Die SZ feiert Rossinis weiblichen "Tancredi" in Bregenz. Die nachtkritik lernt aus einer Münchner Inszenierung von Ulf Schmidts "Geld oder Leben", was mit sozialverträglichem Frühableben gemeint ist. Der Tagesspiegel bestaunt in Berlin Zoran Minics Stadtansichten von Mailand.
9punkt - Die Debattenrundschau
20.07.2024 Achtzig Jahre 20. Juli, und der Streit um den Widerstand und die Nazizeit an sich stecken uns nach wie vor tief in den Knochen, befindet Andreas Kilb in der FAS. Wie umstritten der 20. Juli noch lange Zeit in der Bundesrepublik war, erzählt der Historiker Martin Sabrow im Tagesspiegel. In der FR zeichnet Valerie Riedesel nach, wie sich ihr Großvater Cäsar von Hofacker vom überzeugten Nazi zum Widerstandskämpfer wandelte. Die Aktualität heißt Donald Trump, um den nun laut FAZ ein sektenartiger Kult entsteht. In der NZZ fragt Chaim Noll, ob die Palästinenser überhaupt fähig seien, einen zur Koexistenz fähigen Staat zu bilden.
Bücherschau des Tages
20.07.2024 Atemlos surft die SZ durch die virtuos gestaffelten Zeitebenen in Elif Shafaks bildgewaltigem neuen Roman "Am Himmel die Flüsse" und freut sich an einer Erzählkunst, die Geschichte und Geschichten zu verweben weiß. Die FAZ erkundet auf den Schwingen von Jonathan C. Slaghts "Eulen des östlichen Eises" das Panorama des östlichen Sibirien. Ebenfalls in der FAZ macht Alexandru Bulucz auf die "an Vollkommenheit grenzende" Lyrik Agi Mishols aufmerksam. Die taz dekonstruiert mit Ruth Hoffmann den Mythos um den 20. Juli 1944 .
Montag, 22.07.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
22.07.2024 Joe Biden zieht sich zurück. Die New York Times zeigt sich in einem ersten Leitartikel erleichtert und unterstützt Kamala Harris, wenn auch unter Vorbehalt. In der taz erinnert der Politologe Alexander Rhotert an die Nato-Einsätze im Bosnien-Krieg - die wenigen waren gut, mehr wären besser gewesen. Die FAZ sieht die israelischen Unis unter Druck, von außen und von innen. Die SZ fragt nochmal, warum das Neuköllner Kulturzentrum Oyoun nicht mehr gefördert wird.
Efeu - Die Kulturrundschau
22.07.2024 Die FAZ empfiehlt fröstelnd RP Kahls Film "Die Ermittlung" nach dem Stück von Peter Weiss über den Auschwitz-Prozess 1963. In der NZZ beklagt der schwule nigerianische Autor Logan February die Queerphobie in seinem Land. Nach einer grandiosen, bewegenden Salzburger Matthäus-Passion ist es SZ und NZZ egal, ob und wie verbandelt Dirigent Teodor Currentzis mit Putin ist. Die Welt empört sich über das Ausmaß des Antisemitismus bei der Biennale in Venedig. Die nachtkritik erliegt in Salzburg dem Charme eines werkgetreuen "Jedermann".
Bücherschau des Tages
22.07.2024 Die FAZ macht mit Nadia Buddes Bilderbuch "Die Band, die keiner kennt" die Nacht zum Tag. Mit Magdalena Miecznickas Kinderkrimi "Toni sieht alles!" geht sie auf fantasievolle Verbrecherjagd. Die FR lässt sich gerne von Peter Sloterdijk ablenken und ergründet mit seinen Notizen die Möglichkeiten des Denkens. Dlf Kultur freut sich, wie Ulrike Möltgen "Das Märchen von der Vernunft" von Erich Kästner in poetische Bilder verwandelt hat. Die NZZ durchlebt mit Fang Fangs Roman "Glänzende Aussichten" die Härten der chinesischen Geschichte des 20. Jahrhunderts.
Dienstag, 23.07.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
23.07.2024 Die FAZ blickt in einer Ausstellung von Kimsooja in der Pariser Bourse de Commerce ins Auge des Sturms. Kunstschaffende pilgern nach Saudi-Arabien in Richtung Geld - das neueste Beispiel ist der ehemalige Direktor des British Museum Hartwig Fischer, berichtet die taz. Der Tagesspiegel sieht auf der Tanzbiennale in Venedig Avatare performen. In der SZ ärgert sich Filmproduzenten-Legende Günter Rohrbach, dass der Filmpreis in Zukunft nicht mehr dotiert sein wird. Zeit Online feiert mit dem letzten Album von Childish Gambino eine durchgedrehte Abschiedsparty.
9punkt - Die Debattenrundschau
23.07.2024 FAZ und SZ hoffen, dass Kamala Harris auch durch eine Abkehr von Bidens Israel-Politik die Linke zurückerobern kann. Der Hannah-Arendt-Preis wird nach dem Masha-Gessen-Skandal in diesem Jahr nicht verliehen, meldet die taz. SZ und taz denken außerdem über Künstliche Intelligenz und Urheberrecht nach. Wir wollen nicht wahrhaben, wie kaputt unsere Welt ist, glaubt der Philosoph Alexander Garcia Düttmann, der in der Welt auch die Gewalt durch Cancel Culture skizziert. Im Tagesspiegel klärt die Politologin Liya Yu auf: Unsere Gehirne können liberale Werte kaum aushalten.
Magazinrundschau
23.07.2024 William T. Vollmann besucht für Harper's die südkoreanischen Bauern, die schon mal für die Cousins und Cousinen im Norden Lebensmittel anbauen. Tablet bewundert den Überlebenswillen Sonia Delaunays. Granta beobachtet den Goldschmuggel in der Sahara. Osteuropa lässt sich erklären, was eine "globale Kriegspartei" in Georgien ist. Israel droht ein Vierfrontenkrieg, fürchtet der New Yorker. New Lines verfolgt die die nicht unproblematische Reise von Malcom X durch Afrika. Der Guardian lernt, dass neueste Technik den Ärmsten der Welt auch helfen kann.
Bücherschau des Tages
23.07.2024 Die FAZ sieht in Natan Sznaiders neuem Buch "Die jüdische Wunde" ein eindringliches Plädoyer für eine spezifisch jüdische Aufklärung. Die SZ beeindruckt, wie Sznaider die Debatten von heute mit Lessing und Hannah Arendt betrachtet. Die FAZ sucht außerdem mit den Frauen aus Ling Mas "Glückscollage" nach der "erlösenden Metamorphose". Die NZZ ergründet mit Lars Saabye Christensen die Geschichte seiner chinesischen Großmutter. Dlf Kultur lacht sich eckig mit Dietmar Sous' Fußballbuch über den 16:0 - Sieg der deutschen Mannschaft bei den Olympischen Spielen 1912.
Mittwoch, 24.07.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
24.07.2024 Die Bayreuther Festspiele waren schon immer ein Hort der starken Frauen, erinnert sich die Welt. Die FAZ besucht die Kunstausstellung Nord Art, auf der es um nichts weniger als das Aussterben der gesamten Menschheit geht. Bildungsangebot, radikale Geste oder Gedenkübung? Zeit Online ist eher ratlos angesichts RP Kahls Peter-Weiss-Verfilmung "Die Ermittlung". Die taz berichtet von den fürchterlichen Haftbedingungen, denen die belarussischen Folkmusiker Nadzeya und Uladzimir Kalach nach ihren Anti-Lukaschenko-Protesten ausgesetzt waren.
9punkt - Die Debattenrundschau
24.07.2024 In der FR belehrt der Historiker Manfred Berg Kamala Harris, was sie besser machen muss als Hillary Clinton: Sie muss tough sein, aber nicht woke. So schlecht war Joe Biden auch nicht, erinnert Zeit Online. In der FAZ erzählt Ariel Porat, Präsident der Universität Tel Aviv, wie die israelische Regierung versucht, die Universitäten zu unterwerfen. Die israelische Gesellschaft ist indes gespalten wie nie zuvor, sekundiert Zeit Online. SpOn setzt wenig Hoffnung in die russische Opposition. Außerdem: Nancy Faeser hat das Islamische Zentrum Hamburg verboten, melden die Zeitungen.
Bücherschau des Tages
24.07.2024 Die SZ versucht mit Fleur Jaeggys "Die seligen Jahre der Züchtigung" der eigenen Vergänglichkeit zu entfliehen. Mit Hiroko Oyamadas Heldin aus "Das Loch" zieht sich die FAZ auf das Land zurück und begegnet allerlei Merkwürdigkeiten. Von Pierre-Héli Monot lernt sie außerdem, dass der Surrealismus eigentlich eine zutiefst realistische Bewegung war. Die Welt springt mit Niclas Seydacks Generationenporträt vom "Peter-Pan-Syndrom" zur "Pandemie-Erfahrung". Dlf schließt sich mit Selby Wynn Schwartz der "sapphistischen Bewegung" an.
Donnerstag, 25.07.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
25.07.2024 Nach den Olympischen Spielen wird es keine Banlieues, sondern nur noch Grand Paris geben, verspricht Dominique Perrault, Architekt des Olympischen Dorfes, in der Welt. Die Filmkritiker diskutieren über RP Kahls Kino-Adaption von Peter Weiss' Theaterstück "Die Ermittlung": Schulklassenkino oder lebensnahe Konfrontation mit Auschwitz? Die FAZ erfreut sich in Hamburg im Badezimmer von Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl an Pelzigem und Phallischem. Die SZ sehnt sich nach einem Hauch der alten Avantgarde in Bayreuth. Und alle trauern um den Bluesmusiker John Mayall.
9punkt - Die Debattenrundschau
25.07.2024 Die USA sind bereit für eine Präsidentin, glaubt die Historikerin Jill Lepore in der Zeit. In der FAZ berichtet die Schriftstellerin Irina Rastorgujewa, wie in Russland der Sportunterricht zum Kampftraining wird. Was nützt der Gesellschaft die schnelle Entwicklung von KI, wenn sie nur für schlechte Musikvideos und "intelligente" Waffensysteme zum Einsatz kommt, fragt die Künstlerin Hito Steyerl in der SZ. Die Welt fordert mit Blick auf pro-palästinensische Proteste die Gesellschaft dazu auf, Antidemokraten nicht weiter die Türen offenzuhalten.
Bücherschau des Tages
25.07.2024 Die FAZ beobachtet in Caroline O'Donoghues "Die Sache mit Rachel" eine Dreiecksgeschichte unter Millenials in Cork. Außerdem ermuntert sie mit frisch übersetzten Sonetten zur Entdeckung des italienischen Dichters Vittorio Alfieri. Wer wirklich alles über die Hamburger Schule wissen will, dem empfiehlt die FR Jonas Engelmanns "Der Text ist meine Party".Die Zeit empfiehlt Martina Hefters "Hey guten Morgen, wie geht es dir?" Dlf Kultur liest tolle Essays voller schräger Beobachtungen in Deborah Levys "Die Position der Löffel".
Freitag, 26.07.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
26.07.2024 In einem düsteren Text für die NZZ schildert Viktor Jerofejew, wie in Russland unter der Ägide Putins Glück und Gewalt verschmelzen. Die FAZ liest die Begründung des Innenministeriums für das Verbot des rechtsextremen Magazins Compact, das mehr war als ein publizistisches Organ. Morgen feiert Berlin den Christopher Street Day. Woher kommen die israelfeindlichen Tendenzen in der queeren Bewegung, fragen einige Medien. Gestritten wird auch über den Ullstein Verlag, der J. D. Vances "Hillbilly-Elegie" nicht weiter verlegen will.
Efeu - Die Kulturrundschau
26.07.2024 Solider Beginn, befindet der Tagesspiegel zum Auftakt der Bayreuther Festspiele mit Thorleifur Örn Arnarssons "Tristan"-Inszenierung, aber da geht noch deutlich mehr. Über die lebendige Impulstanz-Szene in Wien gerät die FAZ schier in Verzückung. Die taz freut sich über Meshell Ndegeocellos musikalische Würdigung von James Baldwin. Als "Plädoyer gegen das Effizienzdenken" feiert die SZ Nicolas Philiberts Psychiatrie-Doku. In Geschichte der Gegenwart erinnert sich die kroatische Schriftstellerin Monika Herceg an traumatische Kriegserfahrungen.
Bücherschau des Tages
26.07.2024 Die FR schwelgt in einem prallen Bilderbuch über die Olympischen Spiele und staunt außerdem, wie Zora del Buono den Unfalltod ihres unbekannten Vaters aufklärt. Punch auf Punch folgt die hingerissene NZZ Rita Bullwinkels jungen Boxerinnen beim Erwachsenwerden. Die FAZ lernt von Dagmar Herzog, wie lange die Eugenik der Nazis nachwirkte. Die taz liest mit Joseph O’Neills „Godwin“ den perfekten Roman fürs sportbesoffene Jahr 2024. Und Dlf Kultur lässt sich von Barbara Bleisch die Angst vor der Midlife-Crisis nehmen.
Samstag, 27.07.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
27.07.2024 Die Mehrheit der Ostdeutschen sehnt sich nach einem autoritären Staat, darauf setzen AfD und BSW, glaubt der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk in der taz. Die Darstellung, dass nur der Osten extremistisch wählt, dient nur der AfD, widerspricht die Historikerin Christina Morina in der SZ. Die Welt erinnert daran, wie lange Politik und Kulturbetrieb das Islamische Zentrum Hamburg hofierten. In der taz denkt die Kuratorin Ken Aïcha Sy darüber nach, Kunstwerke aus den Museen zu holen und auf der Straße zu zeigen, um den Senegalesen Kunst näher zu bringen. Außerdem mahnt die taz die "Queers for Palestine", lieber dafür einzustehen, dass Schwule nicht getötet werden.
Efeu - Die Kulturrundschau
27.07.2024 Die FR sieht in Frankfurt die erste Retrospektive über den Künstler Gustav Metzger, der sich dem Kunstmarkt Zeit seines Lebens verweigerte. Die Kritiker sind weiterhin nicht übermäßig begeistert von Thorleifur Örn Arnarssons "Tristan und Isolde"-Inszenierung in Bayreuth. Der Krieg hat ihr Schreiben für immer verändert, schreibt die ukrainische Lyrikerin Julia Musakovska in der FAZ. "Die Kraft der Kunst steigt in Krisenzeiten sprunghaft an", sagt die russische Politologin Nina Chruschtschowa in ihrer Rede zur Eröffnung der Salzburger Festspiele, die die SZ abdruckt. Die Entscheidung über die Berliner Landesbibliothek könnte die "Zukunft der Innenstädte insgesamt" entscheiden, denkt die taz.
Bücherschau des Tages
27.07.2024 Die FAZ ist beeindruckt von Mario Desiatis Roman "Spatriati", der die Sehnsüchte junger Italiener nachzeichnet. Martina Hefter attestiert sie in "Hey guten Morgen, wie geht es dir?" ein spannendes Spiel mit Fragen nach Einsamkeit und Zuneigung. Dlf empfiehlt Neuerscheinungen von und über James Baldwin. Die NZZ ist beglückt von Hiromi Itos Roman "Hundeherz". Die SZ lernt von Benedict Wells, dass Texte manchmal klüger sind als diejenigen, die sie schreiben.
Montag, 29.07.2024
Efeu - Die Kulturrundschau
29.07.2024 Thom Luz' Adaption von Stefan Zweigs historischen Miniaturen "Sternstunden der Menschheit" bei den Salzburger Festspielen fällt bei den Kritikern weitgehend durch: Die FAZ sieht immerhin starke Schlussszenen. Alle trauern um den Komponisten Wolfgang Rihm: Er sprengte den Mythos vom Originalgenie in die Luft, erinnert die NZZ. Die SZ wird ihn als "lichten Romantiker" vermissen. Hollywood hat einen neuen Schauspielstreik, diesmal in der Gamesbranche, berichtet die SZ außerdem.
9punkt - Die Debattenrundschau
29.07.2024 Vor fast genau achtzig Jahren brachten Deutsche in einem "genozidalen Exzess" wohl 180.000 Einwohner Warschaus um, Stalin schaute genüsslich zu. Die Historiker Daniel Brewing und Stephan Lehnstaedt erinnern in der FAZ an den Warschauer Aufstand. Die Welt am Sonntag zeichnet ein Porträt Björn Höckes, dessen Stern in der AfD sinkt und in Thüringen steigt. Wie gefährlich der Rechtsextremismus in den neuen Ländern ist, macht auch die taz klar. Im Spiegel plädiert Christoph Möllers gegen eine Antisemitismusklausel.
Bücherschau des Tages
29.07.2024 Dlf Kultur rät dringend zur Entdeckung der israelischen Lyrikerin Agi Mishol. Die SZ überlegt mit Rafael Seligmann, wie man sich gegen die fünf autoritären Brandstifter der Gegenwart - Putin, Trump, Netanjahu, Xi Jinping und Erdogan - zur Wehr setzen kann. Mit Volker Ullrich zieht sie Lehren aus der Weimarer Republik. Die FAZ plädiert mit Büchern von Martin Gaedt und Guido Zander für die Vier-Tage-Woche. Als „Glanzlicht biografischer Annäherung“ würdigt die taz Thomas Medicus’ Klaus-Mann-Biografie.
Dienstag, 30.07.2024
Magazinrundschau
30.07.2024 New Lines lernt von den Huthi, wie man Gotteskrieger heranzüchtet. Yasha Mounk erklärt uns, was Luxusüberzeugungen sind. Die Türkei ist auch für muslimische Dissidenten kein sicheres Pflaster, lernt Eurozine. In einem hat Macron recht, meint die LRB: Die Franzosen lieben einen König. Words Without Borders stellt die Literatur des frankophonen Pazifiks vor. Wired fürchtet das Umlegen des AMOC-Schalters. Der New Yorker blickt in eines Haifischs scharfen Schlund.
Efeu - Die Kulturrundschau
30.07.2024 Der Tagesspiegel pilgert in die Berliner St. Matthäus-Kirche, um in bester Fluxus-Manier Reliquien zu zerstören. Die FAZ feiert mit einer monumentalen Kandinsky-Ausstellung die Neueröffnung der einstigen "Hermitage Amsterdam" nach der Trennung vom Mutterhaus in Sankt Petersburg. In der NZZ beklagt Bernd Buder den stillen Boykott noch der diversesten israelischen Filmszene. Die SZ ist dankbar, dass bei der Neuauflage von Romeo Castelluccis "Don Giovanni" in Salzburg diesmal nur die Puppen kopulieren. Die taz bezweifelt, dass Berlin eine Internationale Bauausstellung stemmen kann. Und alle trauern um Edna O'Brien, die große Chronistin irischen Lebens.
9punkt - Die Debattenrundschau
30.07.2024 Auf Zeit online erklärt der Historiker Onur Erdur, warum die Vertreter der "French Theory" nichts mit heutiger Identitätspolitik zu tun haben. Im Interview mit der SZ erklärt Fanon-Biograf Adam Shatz, warum auch Frantz Fanon sich schlecht für eine identitätspolitische Vereinnahmung eignet. Hubertus Knabe erinnert in seinem Blog an die Opfer der kommunistischen Justiz in der DDR. Wenn sich die israelische Armee aus Gaza zurückzieht, würde das auch den Konflikt mit der Hisbollah beenden, glaubt in der FR der Historiker Tom Segev. Die taz überlegt, ob man eventuell doch mit Assad reden sollte.
Bücherschau des Tages
30.07.2024 Die NZZ hofft, dass Marion Messinas atmosphärische wie kaleidoskopartige Frankreich-Dystopie "Die Entblößten" nicht Realität wird. Die FAZ fühlt sich wohl in Rainer Grießhammers Sachbuch-Fiction "Alles wird gut - nur anders" über eine Welt nach der ökologischen Revolution. André Kubiczeks "Nostalgia" fügt der DDR-Erinnerungsliteratur eine laotische Perspektive hinzu, freut sie sich außerdem. Die taz begrüßt Wytske Versteegs komplexen Flucht-Roman "Die goldene Stunde". Spannend wie einen Thriller findet Dlf Patrick Radden Keefes Buch über den Nordirland-Konflikt.
Mittwoch, 31.07.2024
9punkt - Die Debattenrundschau
31.07.2024 In der FAZ befürchtet der ukrainische Schriftsteller Juri Andruchowytsch eine "globale Katastrophe", wenn der Westen nicht gegen Russland mobil macht. In der NZZ setzt sein Kollege Sergej Gerassimow dabei ganz auf Kamala Harris. Indes sind in Russland sechs politische Gefangene, darunter Oleg Orlow, verschwunden, meldet Spon. Übermedien entdeckt in der Correctiv-Recherche zum Potsdamer Treffen zu viel Spekulation. In der FR spricht sich der israelische Schriftsteller Dror Mishani gegen die Besatzung und für Referenden in Israel aus. Auf Zeit Online fordert der Politologe Basil Kerski eine Erneuerung der Demokratie nach polnischem Vorbild.
Efeu - Die Kulturrundschau
31.07.2024 Die pure Verzauberung erlebt eine hingerissene SZ beim diesjährigen, von Simone Young herausragend dirigierten, "Ring" in Bayreuth. "Shahid"-Regisseurin Narges Kalhor erklärt der taz, was es mit dem von ihr entwickelten Cinemigrante auf sich hat. Die taz lässt sich außerdem in einer Yoko Ono-Ausstellung in London auffordern, Schamhaare zu rauchen und auf Gemälde zu treten. Die SZ belegt Düsseldorf angesichts des drohenden Abrisses einer Günter-Fruhtrunk-Fassade mit dem F-Wort.
Bücherschau des Tages
31.07.2024 Die NZZ findet Zdravka Evtimovas Kurzgeschichtenband "Maulwurfsblut" über den Kampf bulgarischer Frauen gegen das Patriarchat im besten Sinne eigenartig. Außerdem lobt sie René Aguigahs "James Baldwin"- Porträt. Die FAZ sieht sich mit Ursula Muschler in Bertolt Brechts Lebensräumen um. Die SZ hat mit Barbara Kingsolvers Roman "Demon Copperhead", der im US-amerikanischen Unterschichtenmilieu spielt, trotz aller Sozialkritik großen Spaß. Die FR freut sich über neue Ausgaben der Reihe "European Essays on Nature and Landscape".