Samstag, 01.02.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
01.02.2020 Die neue Karte der EU muss ab heute ohne die größte der britischen Inseln auskommen. Ian McEwan packt im Guardian seine Zelte und begibt sich auf den Rückweg, damit Britannien in 15 Jahren dort ankommt, wo es bis gestern war. Britische und deutsche Medien leisten bittere Manöverkritik. Die SZ legt ein Wort für Plastik ein.
Efeu - Die Kulturrundschau
01.02.2020 Die Literarische Welt fragt: Was macht Jan Knopfs Müller-Parodie in der Heiner-Müller-Gesamtausgabe des Suhrkamp Verlags? Dass Alfred Bauer ein Nazi war, wusste man eigentlich schon immer, man wollte nur nicht drüber reden, meint der Filmwissenschaftler Armin Jäger in der Welt. Die Bauer-Geschichte muss man im Kontext sehen, wiegelt Rainer Rother von der Deutschen Kinemathek ab. Das Neue Deutschland würdigt die letzten voll souveränen Independentmusiker der Punkband EA80. Standard und nachtkritik amüsieren sich "Am Wiesnrand" mit Stefanie Sargnagel - bis ins Grab.
Bücherschau des Tages
01.02.2020 Die Welt wünscht sich nach Lektüre des Essaybandes "Der ewige Faschismus" Umberto Eco zurück. Die taz freut sich, dass Jonathan Franzen angesichts der drohenden Klimakatastrophe für Optimismus plädiert. Die FR taucht in Regina Porters Familienepos "Die Reisenden" ein. Die FAZ liest erschüttert Matthias Katschs Geschichte vom "befreienden Kampf der Opfer sexueller Gewalt in der Kirche". Dlf Kultur, SZ und FAZ folgen Bov Bjerg auf den "Serpentinen" einer von hasserfülltem Provinzialismus, Alkoholismus und Depression geprägten schwäbischen Kindheit.
Montag, 03.02.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
03.02.2020 Cui bono, fragt der ehemalige Diplomat Rudolf G. Adam in der NZZ: Wer profitiert vom Brexit? "Finanzdienstleister profitieren vom Brexit. Ihr Hauptgeschäft liegt ohnehin jenseits von Europa." Und Sinn Fein profitiert, ergänzt politico.eu. Die Salonkolumnisten erklären, was "Ökomodernismus" ist. In der FAZ schreibt Viktor Jerofejew über Wladimir Putins Verfassungsänderung. Und bei der Deutschen Welle gibt's nach wie vor Ärger.
Efeu - Die Kulturrundschau
03.02.2020 Nicht nur Alfred Bauer, auch der Documenta-Gründer Werner Haftmann hatte seine NS-Vita. In der SZ spricht der Kunsthistoriker Christian Fuhrmeister über die ungeheure Kontinuität bundesdeutscher Eliten. Cargo jubelt über Christian Weises "Berliner "Hamlet"-Inszenierung mit Svenja Liesau, Marx und Schwertkampf. Wie Jedermann erleben FAZ und FR im Frankfurter Schauspiel, wie ein Ende besiegelt wird. Auf 54books wünscht sich Simon Sahner die Öffnung der literarische Räume.
Bücherschau des Tages
03.02.2020 SZ und NZZ bewundern J.M. Coetzee neuen Roman "Der Tod Jesu" als literarisches Rätsel, auch wenn es sich ihnen nicht offenbart. Die FAZ feiert Liz Moores fantastischen Roman "Long Bright River", der sie in die düsteren Straßen Philadelphias führt. Der DlfKultur vergnügt sich mit Harry Graf Kessler in den Salons von Bismarck und Sarah Bernhardt. Und der Dlf preist den lyrischen Dialog zwischen Ost und Wet.
Dienstag, 04.02.2020
Magazinrundschau
04.02.2020 Gilt das Kriegsvölkerrecht auch für die USA, fragt sich der New Yorker. Himal taucht ein in die Welt der tamilischen Heirat. Der Merkur spürt mit Marx und Heike Geißlers "Saisonarbeit" dem Mechanismus der Entfremdung nach. Resent Advisor versinkt in Space Music und anderen Klangnebeln. Die ungarischen Magazine berichten über den Streit um einen üppig ausgestatteten neuen Literaturpreis. Die LRB schluckt eine in Salzwasser getunkte Vitaminpille. The Baffler arbeitet bei einem Pfandleiher.
Efeu - Die Kulturrundschau
04.02.2020 Telepolis wirft den Machern der ZDF-Reihe "Das Boot" Geschichtsklitterung vor. Die FR erklärt sich die Causa Alfred Bauer nicht mit Ignoranz, sondern mit dem zwanghaften Willen zur Entideologisierung. Von der Religion lässt sich die SZ im Stuttgarter "Boris Godunow" nicht trösten, wohl aber von Adam Palkas betörend zartem Bass. Die taz verfolgt, wie sich die Mode in eine Reihe von Insider-Jokes auflöst. Und: Lässt die Welt am Sonntag einen Skandal zu Uwe Tellkamp herbeidiskutieren?
9punkt - Die Debattenrundschau
04.02.2020 Der große Essayist George Steiner ist gestorben. Wir zitieren aus ersten Nachrufen der New York Times und in Le Monde. In der Welt erzählt der Schriftsteller Christian Y. Schmidt, warum er und seine Frau vorerst in China bleiben - trotz Coronavirus und bei aller Vorsicht. In der NZZ erzählt die Kulturwissenschafterin Kateryna Botanova, wie in der Ukraine die Geschichte lebendig wurde. Aktualisiert: Yad Vashem hat sich von der Gedenkveranstaltung zur Auschwitz-Befeiung distanziert.
Bücherschau des Tages
04.02.2020 Die FAZ feiert Angel Igovs Roman "Die Sanftmütigen", der einen Provinzdichter zum Ankläger der bulgarischen Volksgerichte macht. Die SZ lernt von Till van Rahden, dass Demokratie auf Kultur, Respekt und Gemeinwohl gründet, nicht auf Effizienz. Jonathan Franzens Essay zum Klimawandel verteidigt sie als eine Ethik des Trotzdem. Die FR erkundet mit Joachim Kalkas Essay "Staub" das leben in pulverisierter Form. Und schließlich haut Bov Bergs auch die NZZ um, und zwar mit einer "hammerschlagartigen Kraft des Authentischen".
Mittwoch, 05.02.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
05.02.2020 Vor der deutschen Umsetzung des europäischen Leistungsschutzrechts regt sich Unmut bei den Betroffenen, berichtet Heise online. In der SZ kritisiert Andrian Lobe Apple dafür, nicht mit dem FBI zu kooperieren. Der Blogger Christian Jakubetz fragt sich, wie die Zeitungen ihren Auflagenverlust bewältigen wollen. Die SZ lobt das Beispiel des Folkwang-Museums, das freien Eintritt gewährt und damit Riesenerfolg hat.
Efeu - Die Kulturrundschau
05.02.2020 Ist die Berlinale noch ein A-Festival? Im Tagesspiegel verabschiedet sich Berlinale-Chef Carlo Chatrian vom Weltpremierendruck. Von Standard bis FAZ stellen sich die Kritiker hinter Roman Polanskis Dreyfus-Film "Intrige". Die taz gleicht in Frankfurt ihr Italienbild mit dem italienischer Fotografinnen ab. In der FR wünscht sich Christian Baron mehr Geschichten von ganz unten. In der Vogue gesteht Billie Eilish ihre Angst, sich eines Tages den Kopf zu rasieren.
Bücherschau des Tages
05.02.2020 Die FAZ reist mit Edward Wilson-Lee und Shakespeare durch Swasiland und lernt und viel über die Macht der Literatur. Die SZ erliegt den Geisterwesen von Manga-Pionier Shigeru Mizuki und schwelgt mit Nicola Pugliese im Freejazz von Neapel. Die taz setzt mit Aris Fioretos und Pilotin Nelly B. zum literarischen Höhenflug an. Und Dlf-Kultur spürt den Verlust von Peter Lindbergh in dem prächtigen Bildband "Untold Stories".
Donnerstag, 06.02.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
06.02.2020 Wir haben "ein bisschen Weimar", ächzt ein völlig entgeisterter Gerhart Baum im Interview mit Zeit online, nachdem sich sein Thüringer Parteigenosse Thomas Kemmerich von der AfD ins Amt des Minsterpräsidenten bugsieren ließ. In der Zeit fordert Khola Maryam Hübsch von der Ahmadiyya-Sekte eine Verschärfung des Blasphemie-Paragrafen, wogegen sich Ex-Muslim Ali Utlu wehrt. Meedia berichtet, dass der Berliner-Zeitung-Verleger Holger Friedrich den Autor Hubertus Knabe verklagt.
Efeu - Die Kulturrundschau
06.02.2020 Die Zeit ermuntert die Museen, sich endlich mit den Brüchen des 20. Jahrhunderts auch in den eigenen Sammlungen auseinanderzusetzen. Im Standard setzt der Künstler Claudius Schulze angesichts des Artensterbens auf kluge Maschinen. Die SZ protestiert gegen den geplanten Abriss der Frankfurter Bühnen: Muss es wirklich immer der höchste Komfort, die beste Ausstattung, das neueste Equipment sein? 103 ist er geworden, jetzt hat er sich doch davon gemacht: Die Filmkritiker trauern um Kirk Douglas.
Bücherschau des Tages
06.02.2020 Die SZ taucht mit Boris Roman Gibhardts "Vorgriffe auf das schöne Leben" ein in die Weimarer Klassik und die Welt der Pariser Moden. Die Zeit trauert mit Sigrid Nunez und einer 80 Kilo schweren Dogge um einen Freund. Dlf Kultur stellt zwei Bücher afroamerikanischer Autorinnen vor: Regina Porters "Die Reisenden" und Ann Petrys 1946 im Original erschienener Roman "Die Straße". FR und FAZ haben völlig unterschiedliche Ansichten zu Thomas Brussigs Roman "Die Verwandelten".
Freitag, 07.02.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
07.02.2020 Tag 1 nach dem Erfurter Super-GAU. Die taz fragt, wie abgekartet das Spiel zwischen AfD einerseits und CDU und FDP andererseits war, und glaubt: ziemlich. Auf Länderebene fangen die Tabubrüche meist an, warnen die Demokratieforscher Daniel Ziblatt und Michael Koss auf Zeit Online. Ebenfalls in Zeit online rufen Jana Hensel und Georg Seeßlen das Zeitalter der "demokratischen Linken" aus. Bei buchreport.de stellt der Medienforscher Frederik Weinert fest: Das Smartphone hat bei Kindern längst das Buch ersetzt. Aber andererseits: Die schreiben da rein.
Efeu - Die Kulturrundschau
07.02.2020 Die New York Times bewundert die Rundungen und Hügel der kubanischen Künstlerin Zilia Sánchez. Die FR entdeckt in Düsseldorf einen ganz neuen Peter Lindbergh. In der SZ beklagt der Schriftsteller Leonhard Hieronymi den Verfall des Erzählens und gibt den Amerikanern die Schuld. 54books denkt über Lesen und Schreiben in der Klimakrise und unterm Kapitalismus nach. Etwas mehr Ernst hätte sich die nachtkritik von Robert Borgmanns Inszenierung von "Schwarzwasser" erhofft, Elfriede Jelineks Bearbeitung der Ibiza-Affäre. Die taz plaudert mit Kevin Parker über Science-Fiction in der Disco.
Bücherschau des Tages
07.02.2020 Dlf-Kultur blickt mit James Lovelock in eine Zukunft ohne Menschen, dafür mit hyperintelligenten Cyborgs. Bei David Albahari erlebt er Tragik und Groteske einer Familie in der Belgrader Vorstadt. Die FR dankt Josef Haslinger für seine offenen Worte zum sexuellen Missbrauch im Stift Zwettl. Die FAZ begibt sich mit Donald Richie auf Japan-Reise und erntet Lesefrüchte. Dank Sebastian Raedler verfällt sie dem Schachfieber.
Samstag, 08.02.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
08.02.2020 Lensculture bewundert die erhabene Schönheit von Todesritualen auf aller Welt in den Fotografien des Dänen Klaus Bo. Elfriede Jelineks Bearbeitung der Ibiza-Affäre teilt die Theaterkritik: Hatte Jelinek angesichts der realen Schmierenkomödie überhaupt eine Chance, fragt die NZZ. Wo bleibt die Solidarität unter Fremden, ärgert sich die Zeit mit Blick auf die Debatten um kulturelle Aneignung. Die FAZ öffnet die Schatztruhe der Übersetzernachlässe. Und die Filmkritiker laufen sich warm für die Oscars.
9punkt - Die Debattenrundschau
08.02.2020 ZeitOnline und FAZ vermessen die Abgründe, die mit dem Beben von Thüringen aufgerissen sind. Die SZ beobachtet, wie sich in China die Menschen gegen die Tyrannei der Bürokraten erheben. In der taz beklagt der Psychiater Daniel Hell die narzisstische Beschämungskultur, die immer nur den anderen angreift. Die NZZ kommt hinter das Geheimnis, warum Accra aus der Luft einem Sternenhimmel gleicht und nicht wie Amsterdam einem Spinnennetz.
Bücherschau des Tages
08.02.2020 FAZ und FR erleben J.M. Coetzee in Höchstform im letzten Band seiner Jesus-Trilogie. SZ und Literarische Welt streiten über Marion Messinas "Fehlstart": Einen "kleinen, feinen" Generationenroman liest die SZ, einen Houellebecq sucht die Welt darin vergebens. Die taz freut sich über aggressiv-zynische Lyrik von Max Czollek und bitterböse Kurzgeschichten von Jörn Birkholz. Die NZZ staunt, mit wieviel Witz Regina Porter die bitteren Wahrheiten der amerikanischen Sechziger verpackt. Und Dlf-Kultur begibt sich mit Michael Roes auf eine melancholische Reise von Afghanistan bis Israel.
Montag, 10.02.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
10.02.2020 Jens-Christian Wagner, Leiter der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen, erklärt in der SZ, dass ihn Besucher immer häufiger mit geschichtsrevisionistischen Positionen konfrontieren. In der NZZ verteidigt Jan-Werner Müller den Liberalismus, der "kein exklusives Luxusgut für die Starken der Gesellschaft" sei. Facebook-Kritiker Roger McNamee fordert bei heise.de ein Verbot von Algorithmen, die in sozialen Netzen Emotionen verstärken. "Terre des Femmes" warnt laut emma.de, dass auch in Deutschland lebende Mädchen Genitalverstümmelungen erleiden.
Efeu - Die Kulturrundschau
10.02.2020 Die Feuilletons applaudieren in ersten Reaktionen dem großen Gewinner der Oscar-Nacht: Bong Joon Hos Klassenkampf-Film "Parasite". Die SZ sieht im Bucerius-Kunstforum, dass David Hockney nicht nur knallige Oberflächen beherrschte, sondern auch die Tiefe des Grand Canyons. Die taz labt sich an Laibachs donnerndem Heiner-Müller-Musical "Wir sind das Volk". Der Schriftsteller Robert Posser erzählt im Standard von seiner Reise in den Libanon.
Bücherschau des Tages
10.02.2020 Fasziniert liest der Dlf Anna Maria Orteses Erzählungen "Neapel liegt nicht am Meer", die den Alltag in der süditalienischen Stadt weder moralisch noch touristisch erschließen, sondern kunstvoll. Die SZ verfolgt berührt Monika Helfers Geschichte ihrer Vorarlberger Großeltern in "Die Bagage". Humor und Melancholie findet der DlfKultur in David Nicholls' Roman "Sweet Sorrow". Die FAZ lässt sich von Wolfram Weimer gern an Philipp Reis erinnern, den vergessenen Erfinder des Telefons.
Dienstag, 11.02.2020
Magazinrundschau
11.02.2020 Wired stellt Vikram Chandras Granthika vor, eine Software für die Beziehungen von Romanfiguren. La vie des idees schwelgt im Lektüreglück einer multiperspektivischen Geschichte Europas. Ceska pozice taucht ein ins Universum der tschechischen Künstleravantgarde Devětsil. Auch ein Literaturstipendium produziert keine Bücher, die der Macht gefallen, meint Lajos Parti Nagy in 168 ora . Der New Yorker unterhält sich mit Judith Butler über Gewalt.
9punkt - Die Debattenrundschau
11.02.2020 In der FR spricht der israelische Autor Nadav Eyal über die Wähler der Rechtspopulisten und ihre Gründe, frustriert zu sein. In Zeit online fordert Andreas Rödder einen konservativen Neustart der CDU. In der Berliner Zeitung wurden die Chefredakteure gefeuert, berichten SZ und Welt. Und die NZZ fragt: Ist ein Pelzverbot rassistisch?
Efeu - Die Kulturrundschau
11.02.2020 Auf einmal stellt Hollywood fest, dass die besten Filme nicht zwangsläufig amerikanisch sein müssen. Die Kritiker sind ganz aus dem Häuschen über die große Zeitenwende. Schade nur, dass die größten Filmemacher aller Zeiten nie einen Oscar erhalten haben, wirft die NZZ ein. In Berlin kniet die taz mit Richard Strauss vor den großen Gedanken einer in die Jahre kommenden Frau nieder. Und die SZ lernt von René Burri, wie man sich ein Taxi zur Hauptverkehrszeit schnappt.
Bücherschau des Tages
11.02.2020 Die FAZ verfolgt mit Jonathan Coe vom seligen Shropshire aus den Verfall der britischen Gesellschaft. Bewundernswert präzise findet sie Julia Cimafiejevas belarussische Gedichte "Zirkus". Die SZ freut sich, dass Didier Eribons Phänomenologie der schwulen Existenz endlich auch auf Deutsch erhältlich ist. Der Dlf entwirrt mit Jan Schlürmanns "1920" den deutsch-dänischen Knoten. Und der DlfKultur lernt mit Myriam Ouyessas' Kinderbuch "Der Wolf kommt nicht", ihren Erwartungen zu misstrauen.
Mittwoch, 12.02.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
12.02.2020 In Thüringen, mitten in Deutschland, ist die Mitte eingestürzt. Und überall (vor allem aber am einen Ende des Hufeisens) wird jetzt die so genannte "Hufeisentheorie" verabschiedet, bei Spiegel online von Margarete Stokowski, in der SZ von Gustav Seibt. Bei libmod.de erzählt der Historiker Jan Claas Behrends, wie die Geschichte in Russland schon sehr bald nach der Wende wieder von der Politik einkassiert wurde. Die NZZ ruft Juden, die gehen wollen, zu: "Bleibt hier, packt nicht die Koffer!"
Efeu - Die Kulturrundschau
12.02.2020 In der NZZ erklärt Vittorio Lampugnani den öffentlichen Wohnungsbau zur Grundsubstanz der Stadt. Die SZ bemerkt eine wachsende Abwehr gegenüber Schiene und Straße, die einst den Anschluss an die Welt bedeuteten. Die FAZ lernt Ingeborg Bachmann als Antipodin des Realismus kennen. Die taz porträtiert das Jewish Chamber Orchestra von München. Ai Weiweis Tiraden gegen Berlin machen Tagesspiegel und Berliner Zeitung beinahe sprachlos.
Bücherschau des Tages
12.02.2020 Die FAZ verliebt sich mit Joachim Sartorius in die Rätselhaftigkeit der Eidechse. Dlf Kultur amüsiert sich mit Lars Gustafsson über die Rätselhaftigkeit der Zeit. Die NZZ macht mit Monika Helfers "Die Bagage" in Familie 1914. Die FR wird mit Elisabeth Klars "Himmelwärts" zum Fuchs.
Donnerstag, 13.02.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
13.02.2020 Thüringen hat den Kommentatoren deutscher Leitmedien nun endgültig klargemacht, dass das Abendland untergeht. Zeit für Widerstand, ruft Claus Leggewie in der SZ. Mely Kiyak fragt sich in Zeit online, ob für sie noch ein Bleiben in Deutschland sei. In der NZZ erinnert die Kulturwissenschaftlerin Zsuzsa Breier daran, dass die AfD auch eine Erbin der SED ist. Unterdessen machen VerlegerInnen klar: Wer mehr als drei Wörter aus den ihnen gehörenden Überschriften zitiert, soll zahlen.
Efeu - Die Kulturrundschau
13.02.2020 Karl Ove Knausgard lernt, was Ikonoklasmus bedeutet, im Atelier von Anselm Kiefer (NYT). Die FR bewundert Fantastische Frauen. Die nachtkritik staunt über Lars Eidinger als Formenwandler Peer Gynt. Im Standard fragt Sasha Marianna Salzman: Was ist kulturelle Identität? Die taz hört Kraut-Punkrock von Hendrik Otrembas Band Messer.
Bücherschau des Tages
13.02.2020 Die FAZ lässt sich von Markus Orths zu einem "Picknick im Dunkeln" einladen, mit Stan Laurel und Thomas von Aquin. Die NZZ überlegt mit dem Primatenforscher Richard Wrangham, ob wirklich Gewalt die Menschen zivilisiert hat. Die SZ freut sich mit Vittorio Magnago Lampugnani über "Bedeutsame Belanglosigkeiten" in unserem Stadtraum wie die Berliner Schweinebäuche oder die Pariser Metroeingänge. Die Zeit stürzt sich mit Peter Handke in "Das zweite Schwert".
Freitag, 14.02.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
14.02.2020 Viel historische Reflexion heute: Felix Philipp Ingold sucht in der SZ nach den Wurzeln der heutigen russischen Politik im Panslawismus. In der FAZ fragt Andreas Kilb nach Thüringen: Wo liegt heute die eigentliche Parallele zur Weimarer Zeit? Außerdem: In Horizont fragt Ulrike Simon, was die Nachrichtenagentur Tass eigentlich in der Berliner Zeitung macht?
Efeu - Die Kulturrundschau
14.02.2020 Die NZZ bewundert den Illustrator und Weiß-Maler Hannes Binder. In der Welt erklärt Rene Jacobs kühn: Leonore ist der bessere Fidelio. Rekonstruktion oder Moderne? In Hamburg streitet man um den Wiederaufbau der alten Synagoge im Grindelviertel. Die Welt verteidigt Jay Roachs Film "Bombshell": Hier lernt man noch was von willensstarken weiblichen Profis des Taktierens. Dem Van Magazin wird leicht unwohl bei der Authentizitätsrhetorik des Pianisten Igor Levit.
Bücherschau des Tages
14.02.2020 Die FAZ verliert dank des Biologen Matthias Glaubrecht die Angst vor dem "Ende der Evolution". Die SZ fühlt sich bestens unterhalten von Erich Kubys Roman über Rosemarie Nitribitt, auch wegen des begleitenden Essays von Jürgen Kaube. Die FR taucht mit Jan Costin Wagner gebannt in ganz andere Abgründe ab. Die taz empfiehlt Oliver Marcharts Texte zu Politik und Kunst. Und der Dlf träumt vom französischen Kino mit Yannick Haenels Roman "Halt deine Krone fest".
Samstag, 15.02.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
15.02.2020 Zur allgemeinen Gleichgültigkeit werden im syrischen Idlib Abertausende mit Fassbomben in die Flucht getrieben. "Und Europa, der selbsternannte Hüter der Menschenrechte, leistet einen weiteren moralischen Offenbarungseid", schreibt Rainer Hermann bei der Deutschen Welle. In der NZZ beschreibt der Dichter und Journalist Ramy al-Asheq das Leben in einer unterdrückten Kultur. In der Welt spricht die französische Rabbinerin Delphine Horvilleur über Antisemitismus in "Zeiten absoluter Opferkonkurrenz".
Efeu - Die Kulturrundschau
15.02.2020 Die NYRB denkt mit Tom Stoppards neuem Theaterstück "Leopoldstadt" über den britischen Antisemitismus nach. Die taz fragt: Wann ist ein Foto illegal, und was hat das mit sozialen Privilegien zu tun? In Frankreich streitet man über die Auswahl der César-Filmpreise, berichtet Le Monde, und mit Roman Polanski hat das nur am Rande zu tun. Warum das Literarische Quartett von der Kritikerrunde zum Salon mutiert, erklärt in der SZ Thea Dorn.
Bücherschau des Tages
15.02.2020 Mit Dank folgt die Welt dem Autor Torsten Körner in die "Männerrepublik", in der sich Politikerinnen von Ursula Männle bis Petra Kelly einen Weg freikämpften. Kein Weg führt auch heute an Bov Bjergs "Serpentinen" vorbei - eindeutig der Roman der Saison. Besprochen werden auch Aris Fioretos' und Peter Handkes neue Bücher.
Montag, 17.02.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
17.02.2020 Die NZZ erkundet im Zürcher Museum für Gestaltung, wie sich der mächtige Mensch die Schönheit der Tiere aneignet. Die SZ bewundert in der Frankfurter Schirn den großen Zorn des amerikanischen Künstlers Richard Jackson. FR und SZ feiern das Messa di Voce des Countertenors Jakub Józef Orliński. taz und Tagesspiegel blicken mit der Regisseurin Aysun Bademsoy in den Abgrund, den der Terror des NSU hinterlassen hat.
9punkt - Die Debattenrundschau
17.02.2020 Boris Johnson plant, die BBC teilweise abzuwickeln, berichtet unter anderem die FAZ. Die Öffentlichkeit erscheint derzeit vor allem deshalb so polarisiert, weil nur die Ränder sich vehement äußern, meint der Volkswirtschaftler David Stadelmann in der Welt. Die FAZ berichtet über die Gleichschaltung der polnischen Kulturpolitik. Die taz und andere berichten über die Festnahme einer Gruppe von Rechtsextremisten, die Terrororattentate plante.
Bücherschau des Tages
17.02.2020 Die SZ bewundert, wie wenig archaisch in Colm Toibins Orestie-Version "Haus der Namen" Gattenmord und Rachedurst erscheinen. Gespannt liest sie auch Adam Higginbothams Report über den sowjetischen Super-Gau "Mitternacht in Tschernobyl". Der DlfKultur verfolgt vergnügt und verblüfft, wie T.C. Boyle mit Italo Calvino und Lord Byron den Menschen in der Natur erkundet. Und die FAZ lobt Genauigkeit und Prägnanz in der Hörspielfassung von Robert Seethalers Roman "Ein ganzes Leben".
Dienstag, 18.02.2020
Magazinrundschau
18.02.2020 The Atlantic studiert die Desinformationsstrategien der Trump-Kampagne in den sozialen Medien. Die London Review studiert mit Homer die Wirkung der Lüge. Eurozine sieht die alten Medien versagen. Im Spectator verkündet der Autor Joseph Buttum das Ende des Romans. The Quietus findet eine Ahnung des Spirituellen in der Welt von William Friedkins' vierzig Jahre altem Serienmörderthriller "Cruising". In Novinki erklärt der slowakische Philosoph Lukáš Likavčan die verschiedenen Konzepte von unserem Planeten. Die Washington Post erzählt, wie gut CIA und BND zusammen spionieren.
Efeu - Die Kulturrundschau
18.02.2020 In der FAZ rät Berlinale-Chef Carlo Chatrian den deutschen Filmemachern, genauer hinzusehen. Die FR wagt mit Hortensia Mi Kafchin einen Blick in rumänische Höllen-Paradies-Labore. Die NZZ purzelt mit Stefan Bachmann aufs glatte Gesellschaftsparkett. 54books wünscht der Kapitänin Thea Dorn gute Fahrt auf ihrem rostigen Literaturkahn. ZeitOnline trauert um den Musikproduzenten Andrew Weatherall, der mit Acid und Ecstasy die Dunkelheit der Achtzigerjahre vertrieb.
9punkt - Die Debattenrundschau
18.02.2020 Die unglaubliche Affäre Benjamin Griveaux markiert für La Règle du Jeu den endgültigen Kollaps der Intimität, die für die Demokratie unerlässlich sei. In Deutschland wird weiter über Thüringen gestritten. Die FAZ stellt den "Antifaschismus" der Linkspartei in Frage. In der Welt verteidigt der FDP-Politiker Marco Buschmann die Hufeisentheorie. Der Recherchedienst bellingcat.com bringt Beweise, dass der Tschetschene Zelimkhan Khangoshvili in Berlin vom russischen Geheimdienst umgebracht wurde.
Bücherschau des Tages
18.02.2020 Die taz taucht mit Hinrich von Haarens Berlinroman "Blaues Reich" noch einmal in das New-Wave-Schöneberg der achtziger Jahre. Die FR versinkt mit Katya Apekinas Debütroman in tiefen Wassern. Die SZ lernt von Robert Kirkman, dass man auch disruptiv erzählen kann. Als fachkundig und vielschichtig lobt der Dlf Henning Melbers Analyse "Deutschland und Afrika". Und die FAZ bewundert, mit welcher Nonchalance Michael Caine vom Älterwerden erzählt.
Mittwoch, 19.02.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
19.02.2020 Die Berliner Zeitung blickt auf den Scherbenhaufen, den fünf junge Tänzer aus der Elfenbeinküste hinterlassen, die bei einem Kulturaustausch in Berlin ihre Compagnie verlassen haben. Außerdem blickt sie mit Umbo intensiv der Großstädterin ins Gesicht. Die taz übt unter verschärften Bedingungen, die Ödnis des Potsdamer Platzes auszuhalten. Die FAZ lernt im Vitra Design Museum, dass die Ausstattung einer Wohnung zweitrangig geworden ist. Und alle trauern um den Poeten Ror Wolf.
9punkt - Die Debattenrundschau
19.02.2020 Es mag ja paradox klingen, aber es waren die Ossis, die in Thüringen dafür sorgten, dass die AfD nicht noch stärker wird, und Wessis die das Bündnis mit der AfD suchten, schreibt der Historiker Ned Richardson-Little bei geschichtedergegenwart.ch. Bei Netzpolitik.org erklärt die Journalistin Karolin Schwarz, warum man bei rechtsextremen Attentätern nicht mehr von Einzeltätern sprechen kann. Im Tagesspiegel warnt Sophie Richardson von Human Rights Watch vor der Zusammenarbeit mit chinesischen Kulturinstituten.
Bücherschau des Tages
19.02.2020 Die FAZ taucht mit Svetlana Lavochkinas Roman "Puschkins Erben" ein in das raue, sozialistische Leben von Juden, Russen, Ukrainern, Kosaken und "Zigeunern" in Saporoschje am Dnepr. Die FR erkundet mit Hanns Zischlers Debütroman "Der zerrissene Brief" Sprachgesten des 19. Jahrhunderts. Die NZZ lernt aus Michael Donkors Roman "Halt" einiges über Friktionen innerhalb der afrikanischen Community Londons. Die SZ begleitet Jens Wonneberger auf der "Mission Pflaumenbaum" zu einem Wutbürger in den Osten. Dlf Kultur geht mit John Lewis-Stempel in den Wald.
Donnerstag, 20.02.2020
9punkt - Die Debattenrundschau
20.02.2020 Rechtsextremistischer Terror ist kein Terror von Einzeltätern, sagt die Journalistin Karolin Schwarz im Gespräch mit Netzpolitik, auf das wir wegen des Attentats von Hanau nochmal verweisen. In der FR zerlegt der Politikwissenschaftler Aram Ziai die Ansichten der AfD zum deutschen Kolonialismus. In der FAZ antwortet Thomas Thiel auf seine Kritiker - und bleibt bei seiner Kritik an Yasemin Shooman. Die Erhöhung der Rundfunkgebühren kommt, aber die Gebühren sind nicht das Problem der Sender, meinen taz und FR.
Efeu - Die Kulturrundschau
20.02.2020 Heute abend eröffnet die Berlinale! Die Filmkritiker scharren sich aufgeregt um die neuen Berlinale-Chefs Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek. In der SZ erklärt Burhan Qurbani, warum Franz Bieber in seinem Film "Berlin Alexanderplatz" (läuft im Wettbewerb) ein Flüchtling ist. Der Tages-Anzeiger bewundert den Entwurf für eine Autobahnkapelle von Herzog & de Meuron. Monopol trägt Streetwear mit van-Gogh-Motiven. Zeit und Guardian hören das neue Album von Grimes. Die Presse steht gerührt vor Kunstwerken der feministischen Avantgarde Österreichs.
Bücherschau des Tages
20.02.2020 Die SZ mischt sich mit Cihan Acar unter die Deutschtürken, Migranten und Rechten in Hawaii. Die Zeit lässt sich von Antonio Scuratis Dokumentarroman "M. Der Sohn des Jahrhunderts" die Geschichte vom Aufstieg Mussolinis erzählen. Die FAZ wird mit Eduardo Albinati faszinierte Zeugin eines Ehebruchs. Der Dlf gerät mit Valerie Fritschs Roman "Herzklappen von Johnson & Johnson" an die Grenzen der Sprache und taucht mit Saskia Vogels "Permission" in die BDSM-Szene ein.
Freitag, 21.02.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
21.02.2020 Etwas zu gediegen ist den Filmkritikern der Eröffnungsfilm der Berlinale geraten, Philippe Falardeaus "My Salinger Year". Nur Sigourney Weaver rettet ihn vor allzu großer Gemütlichkeit. Wo bleibt die Stilkritik an Peter Handkes neuem Roman, fragt die Tell Review die Kollegen von der Literaturkritik. Das Van Magazin untersucht die Arbeitsbedingungen an deutschen Theatern. Die Berliner Zeitung versinkt in den Zettelaltären der Künstlerin Anna Oppermann.
9punkt - Die Debattenrundschau
21.02.2020 Einen Tag nach dem Attentat von Hanau: In der taz fragt Stefan Reinecke, warum dieses Land mit Rechtsterrorismus so schlecht umgehen kann. In der Zeit warnt Özlem Topçu davor, die psychischen Probleme des Täters überzubetonen. Für FAZ-Redakteur Jasper von Altenbockum ist das Internet an allem schuld. Außerdem: In La Règle du Jeu würdigt Bernard-Henri Lévy den großen Journalisten Jean Daniel, der im Alter von 99 Jahren gestorben ist.
Bücherschau des Tages
21.02.2020 Die FAZ verfällt mit Karl Schlögel dem "Duft der Imperien" und dem Geruch der Lebensgeschichten von Coco Chanel und Polina Shemtschushina. Die SZ arbeitet mit Maria Stefanopoulou und Athos, dem Förster deutsch-griechische Geschichte auf. Die FR amüsiert sich mit Peter Handkes Rachefantasien. Der Dlf verdankt dekoder wertvolle und unabhängige Einblicke in den russischen Alltag. Und Dlf-Kultur meditiert mit Marion Poschmann über die Farben der Natur.
Samstag, 22.02.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
22.02.2020 Der Tagesspiegel findet die "Essenz des Ortes" in der überwältigenden Monet-Schau in Potsdam. Für solche Ausstellungen fehlt in Berlin das nötige Kleingeld, sekundiert die taz. Die FAZ schaut mit jungen Künstlern der afrikanischen Diaspora hinter den "Black Atlantic" in Hannover. Außerdem bewundert sie den Mut der russischen Theaterszene, wenn etwa Olga Schiljajewa zornig und lüstern das Drama des Frauseins besingt. Die NZZ erntet mit Rem Koolhaas in Manhattan Tomaten unter rose Kunstlicht.
9punkt - Die Debattenrundschau
22.02.2020 In Deutschland wird weiter über das Attentat von Hanau diskutiert. Ja, der Täter war krank, aber er agierte nicht im luftleeren Raum, ist man sich einig. Drei Experten fordern in der Zeit, dass in Deutschland Verfassungstexte geändert werden - etwa um den Begriff der "Rasse" zu tilgen. Deniz Yücel stellt in der Welt sehr konkrete Fragen: Was ist mit dem Verfassungsschutz? Britische Medien zitierten unveröffentlichte Passagen aus einem ARD-Interview mit dem BBC-Urgestein David Dimbleby, der kräftig auf Boris Johnson schimpft. Der New Statesman geißelt unsere eisige Gleichgültigkeit gegenüber Putins Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Bücherschau des Tages
22.02.2020 Die FAZ verliebt sich in die sympathischen Abweichler von Susanne Neuffer. Die SZ entsagt mit Verena Güntner der Zivilisation. Die Welt lässt sich von Nicole Flattery an gesetzlose Orte führen und lernt, wie man Spaß hat. Katja Lewinas Manifest über die weibliche Lust erklärt sie zur Pflichtlektüre. Die NZZ preist Valerie Fritschs Generationenroman als große Geschichte über das Elementare. Und der Dlf lässt sich mit Valentina Brüning „Kakao und Fischbrötchen“ schmecken.
Montag, 24.02.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
24.02.2020 Das ad-magazin lernt in Mexiko, wie der soziale Wohnungsbau der Zukunft aussehen könnte. Es hätte das Stück zur Stunde werden können: Wenn Michael Thalheimer Fassbinders "Katzelmacher" mit Ausländer- und Volkstheaterklischees auf die Bühne bringt, schauen die Theaterkritiker allerdings betreten zu Boden. Wo bleibt die Sinnlichkeit in den Kulturwissenschaften, fragt die NZZ und fordert einen "musical turn". Und die FAZ erinnert noch einmal an den Architekten Yona Friedman.
9punkt - Die Debattenrundschau
24.02.2020 Der Rechtsextremismus bedient sich der linken Identitätspolitik, um seinen Rassismus neu zu verkleiden, warnt Kenan Malik im Observer. Der Rechtsextremismus hätte sich nicht ausgebreitet, wenn man nicht über die Silvesternacht von Köln diskutiert hätte, meint die Extremismus-Forscherin Natascha Strobl in der FR. In der SZ fragt sich Georg Mascolo, warum nur Julian Assange und nicht er wegen der Veröffentlichung von Dokumenten ins Gefängnis gesteckt werden soll. Die taz sammelt Stimmen aus Idlib, wo Baschar al Assad und Wladimir Putin die Zivilbevölkerung beschießen.
Bücherschau des Tages
24.02.2020 Die SZ verliebt sich mit Nele Pollatschek in Oxbridge und lernt mit Thekla Chabbi die politische Sprache Chinas. Die FAZ empfiehlt Kinder- und Jugendbücher: Am besten gefällt ihr der Witz, mit dem Simon van der Geest in „Das Abrakadabra der Fische“ Familienkonflikte löst. Der Dlf lernt Einsamkeit und Liebschaften von Paul Celan in dessen Briefen aus den Jahren 1934 bis 1970 kennen. Und Dlf-Kultur lässt sich von Martha Nussbaum angeregt Lektionen in „Kosmopolitismus“ erteilen.
Dienstag, 25.02.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
25.02.2020 Im Guardian singt Teju Cole eine Ode an das Fotobuch: Idealistischer Affront, aber stiller Trost, meint er. Die taz wird zum Voyeur in der Hamburger Kunsthalle, die in einer Ausstellung Trauerrituale aus aller Welt zeigt. Welt und SZ lassen sich von Rem Koolhaas im Guggenheim die radikale Ästhetik von Fischfarmen mit Gesichtserkennungssystemen zeigen. Die Amazon-Serie "Hunters" ist eine Einladung an Holocaust-Leugner, ärgert sich die Presse. Und die NZZ porträtiert den unermüdlichen Kirill Serebrennikow.
9punkt - Die Debattenrundschau
25.02.2020 Die türkische Community in Deutschland ist heillos zerstritten, aber der Anschlag von Hanau hat sie geeint, notiert Can Dündar in Zeit online - zum Glück auch mit ihren Freunden in Deutschland. Nach einer Entführung und erzwungenen öffentlichen Geständnissen ist der Hongkonger Buchhändler Gui Minhai, ein schwedischer Staatsbürger,von China zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden, berichtet der Guardian. Zeit online und Standard informieren über neue Erkenntnis zu geraubter Kunst. Politico.eu behauptet zu wissen, wie Julian Assanges Anwälte heute agieren werden.
Magazinrundschau
25.02.2020 The Atlantic staunt über die Paradoxie totaler Transparenz in China. Slate.fr fürchtet, dass die Lager für die Uiguren zu Brutstätten des Coronavirus werden. Die NYRB sucht eine posttraumatische Zukunft in der Literatur. Epd Film untersucht die Entwicklung des Actionhelden. Der Guardian beobachtet das Anwachsen des Hindu-Nationalismus in Indien. Elet es Irodalom fragt, was Victor Orban noch sagen muss, bis EU und EVP aufwachen. Die New York Times hofft auf etwas so Krasses wie Klassenkampf bei den Internetgiganten.
Bücherschau des Tages
25.02.2020 Die FAZ erlebt hautnah die Spannungen im Belfast der Siebziger mit Anna Burns' "Milchmann". Außerdem empfiehlt sie neben Josef Haslingers "Der Fall" auch dessen literarisches Bilderbuch über Drill und Missbrauch im Kloster. Die SZ blickt dank T.C. Boyle vergnügt in eine finstere Zukunft. Die taz verliert hingegen den Glauben an die Zukunft mit dem von Ingolf Blühdorn herausgegebenen Band über Nachhaltigkeit. Und Dlf-Kultur lernt in einer Graphic Novel die Dada-Künstlerin Emily Ball-Hennings kennen.
Mittwoch, 26.02.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
26.02.2020 Es gibt keinen besseren Zeichner als David Hockney, jubelt der Guardian nach dem Besuch der großen Retrospektive in der Londoner National Portrait Gallery. Das AnOthermag lernt ebenfalls in London die Macht weißer Männerclubs kennen. Der Tagesspiegel blickt fassungslos auf den nackten Hintern von Dffb-Leiter Ben Gibson. Die SZ begibt sich ins Marvel-Universum von Beethovens "Fidelio". Und die NZZ fragt mit Blick auf die Festspiele Zürich: Wer will in Zürich denn das "Volk" sein?
9punkt - Die Debattenrundschau
26.02.2020 Thüringen und Hanau bestimmen weiter die Debatte in deutschen Medien. Für taz-Kolumnist Georg Diez ist die AfD nur ein Symptom. Ronya Othmann und Cemile Sahin, ebenfalls taz-Kolumnistinnen, wehren sich gegen Rechtsextreme aus der Türkei, die die Empörung über Hanau kapern wollen. Hubertus Knabe erklärt in seinem Blog, warum die Partei Die Linke keine sozialdemokratische ist - auch wegen der Grenzsoldaten im thüringischen Landtag. Das Urteil gegen Harvey Weinstein löst Genugtuung aus, aber auch Fragen.
Bücherschau des Tages
26.02.2020 Die FAZ träumt mit Kate Devlins Buch über Sexrobotik von einem Bett aus Brüsten und Penissen. Mit Yuval Noah Harari taucht sie ein in die Welt der Geheimoperationen im Mittelalter. Die SZ erkundet mit Gedichtbänden von Keith Waldrop in freien Rhythmen die Welt. Einen "epochemachenden" lyrischen Spaziergang unternimmt auch der DLF mit Szilard Borbely. Die NZZ lernt mit Dirk Westerkamp die Kunst der Kontemplation. Und die FR reist mit Katja Riemann vom Senegal bis Libanon.
Donnerstag, 27.02.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
27.02.2020 Die NZZ bewundert die Energie des malenden Fischers Forrest Bess in Kassel. Der Rest der Kunstkritiker feiert die Wiedereröffnung der Dresdner Gemäldegalerie: So schön wie nie zuvor, jauchzt die Welt. Letztlich war Alfred Bauer nur ein "ganz normaler Nazi", schließt der Filmhistoriker Armin Jäger die Debatte in der Zeit ab. Der Drill an Ballettschulen hat seine Wurzeln in der Sowjetunion, erklärt die FAZ. Der Guardian schaut sich in London chinesische Propaganda-Plakate an.
9punkt - Die Debattenrundschau
27.02.2020 Das Bundesverfassungsgericht hat das deutsche Gesetz zur Sterbehilfe für "nichtig" erklärt. "Jetzt jubeln die Sterbehilfevereine", stöhnt die FAZ. Die Zeit bringt ein Gespräch mit dem Arzt Christian Arnold, der sehr für die Autonomie auch am Lebensende plädiert. Das Blog 54boooks begibt sich durch die Lektüre Michael Klonovsky auf die Spur des rechten Kitsches. Zwei AutorInnen fragen: Bei dem Attentat von Hanau sind mehrere Deutsche umgebracht worden und vier Kurden - warum kondoliert Angela Merkel Tayyip Erdogan?
Bücherschau des Tages
27.02.2020 Die FR liest gebannt Verena Güntners düster-schillernden Roman über die Hundwerdung einer Dorfgemeinschaft. Die Zeit lernt bei Delphine Horvilleur die erschreckenden Parallelen zwischen Juden- und Frauenhass kennen. Von Lutz Seiler lässt sie sich den Wende-Stoff noch einmal ganz neu erzählen. Die taz staunt über das "Auge für Ungleichheit" in den Fotografien von Peter Dammann. Und der DLF nähert sich mit Ingrid von Kruse ganz zaghaft Charles Aznavour, Ariane Mnouchkine oder Herta Müller.
Freitag, 28.02.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
28.02.2020 Zeit Online setzt sich in einer Ausstellung über neue Technologien in San Francisco in einen Käfig, den Amazon für seine Arbeiter entworfen hat. Die SZ berichtet, wie das Kulturleben in Polen und Ungarn zunehmend zensiert wird. Auch in Ägypten wird missliebige Musik verboten, ergänzt die NZZ. Intellectures spricht mit Abbas Khider über das Aufwachsen zwischen den Irakkriegen. Und die Berliner Zeitung twerkt mit Constanza Macras an der Volksbühne durch unser kolonialistisches Unbewusstes.
9punkt - Die Debattenrundschau
28.02.2020 Die deutschen Medien haben kaum das Urteil des Bundesverfassungsgerichts für ein selbstbestimmtes Sterben verkraftet, da schiebt es schon ein Urteil zum Kopftuch nach. Nein, Richterinnen sollen es nicht tragen. Die taz ist empört, andere begrüßen das Urteil. In der SZ sieht der evangelische Theologe Peter Dabrock nach dem Urteil zur Sterbehilfe schon den Himmel einstürzen, während hpd.de beobachtet, wie Jens Spahn nach Kräften bremst. In der taz feiert Ines Kappert Judith Butler, die die Zahl der Geschlechter vor dreißig Jahren beträchtlich erhöhte.
Bücherschau des Tages
28.02.2020 Die NZZ empfiehlt Zora Neale Hustens Geschichte des letzten amerikanischen Sklaven als einzigartiges Zeitzeugnis. Die FAZ denkt mit Judith N. Shklar über Kritik an Hannah Arendt nach. Die SZ erklärt James Baldwins Roman "Giovannis Zimmer" zum modernen Klassiker mit Mehrwert. Außerdem bespricht sie Kinder- und Jugendbücher und empfiehlt besonders Erin Jade Langes Roman über Cybermobbing. Un der Dlf streift mit Thomas Jonigks Leidenden durch das Westberlin der Achtziger.
Samstag, 29.02.2020
Efeu - Die Kulturrundschau
29.02.2020 Die SZ bewundert den Mix aus Stunt, Trash, Zirkusakrobatik und Tanz der Choreografin Florentina Holzinger. Die FAZ fragt, warum das Goethe-Institut in Indonesien teure Stücke produziert, die jede Kritik am Land vermeiden. In der Welt erklärt Ingo Schulze, wie auch ein Büchermensch nach rechts abdriften kann. Zeit online wünscht sich einen hermeneutischen Blick auf Roman Polanski statt einen moralisierenden. Der Standard wütet gegen die zahnlosen Langweiler im Pop.
9punkt - Die Debattenrundschau
29.02.2020 Im Guardian bemerkt Neha Shah, dass ausgerechnet die migrantischen Minister in Boris Johnsons Kabinett die einwanderungsfeindliche Politik gestalten. Die NYRB zeigt, dass mit Religionsfreiheit in den USA mittlerweile jede Diskriminierung gerechtfertigt wird. Die SZ erzählt, wie schon Daniel Defoe nach der Pest von London 1665 den Zusammenhang von Globalisierung, moderne Nachrichten und Infektionketten erklärte. Die Welt kürt den Selbstmord Senecas zum großen Moment in Europas erwachender Freiheitskultur.
Bücherschau des Tages
29.02.2020 Die FR beobachtet staunend, wie Nava Ebrahimi in ihrem Roman "Das Paradies meines Nachbarn" den Golfkrieg mit einem Münchner Designstudio kollidieren lässt. Weltliteratur, ruft sie! Die SZ taucht mit Lutz Seilers "Stern 111" weg in die alternative Szene Ostberlins zur Zeit der Wende. Die taz amüsiert sich mit Paula Irmschlers Coming-of-Age-Roman "Superbusen" in Chemnitz. Die Welt informiert sich mit Frank Dikötter über die Machtstrategien von Diktatoren.