Dienstag, 01.03.2022
Magazinrundschau
01.03.2022 Slate fürchtet, dass nicht mal mehr die russischen Oligarchen Wladimir Putin ins einer paranoiden Isolation erreichen. Der Neue Kalte Krieg ist der neue Realismus, erklärt The Atlantic. Die Atomwaffenbestände sind jedenfalls in allen Lagern modernisiert und gut gefüllt, weiß die LRB. Das Atomzeitalter begreift The Nation bestens im Horrorcomic. Abseits der Ukraine: Im Merkur zweifelt Steffen Mau an der Spaltung der Gesellschaft in Somewheres und Anywheres. In der NYRB warnt Ariel Dorfman davor, den Aufbruch in Chile aufs Spiel zu setzen. Und der New Yorker berichtet vom Haftprüfungstermin für Elefant Happy in der Bronx.
Efeu - Die Kulturrundschau
01.03.2022 Aktualisiert: Die Münchner Philharmoniker haben Valery Gergiev entlassen. Darf die Politik Künstler zu politischen Statements zwingen?, fragt die SZ. Bigott findet das die Berliner Zeitung. Die NZZ warnt vor "moralischem Rigorismus". In ukrainischen Theatern werden derweil Molotow-Cocktails aus Requisitenflaschen und Tarnnetze aus Kostümen gemacht, erfährt die nachtkritik aus zwei Briefen aus der Ukraine. Die taz bewundert in Essen fulminante Renoirs, Monets und Gauguins aus Japan. Und die SZ lässt sich von Francis Bacons "zähnefletschenden Zombies" in London überwältigen.
9punkt - Die Debattenrundschau
01.03.2022 Im Standard wirft die ukrainische Femen-Aktivistin Inna Schewtschenko der russischen Opposition Feigheit vor. In der FAZ dringt Olga Martynova darauf, nicht die Unfreiheit der Menschen in Russland zu vergessen. In der Nachtkritik nennt Sasha Marianna Salzmann es Stalins Werk, dass in der Ukraine heute Russisch gesprochen wird. Auf ZeitOnline möchte Hedwig Richter unseren Himmel voller Gendersterne auch mit Waffengewalt verteidigen. Der SZ geht die Zeitenwende zu schnell.
Medienticker
01.03.2022 Der Putin-freundliche Stardirigent Waleri Gergijew unter Druck - Wie US-Medien über den: Krieg in der Ukraine berichten - 160 Jahre Velvet Underground: John Cale 80, Lou Reed 80 - "Ich möchte ein Eisbär sein" Die (verpasste) Chance der Neuen Deutschen Welle - Triebfedern: Frauen, die Jazz in Deutschland beflügelt haben (1/5) - Susanne Schapowalow. Von Franziska Buhre und Julia Neupert .
Bücherschau des Tages
01.03.2022 Die FAZ amüsiert sich prächtig mit Tomer Gardis Antimärchen über die "Heimatsuche von Künstlernaturen". Die FR trifft in Judith Kuckarts "Café der Unsichtbaren" auf Mischfiguren aus allen gesellschaftlichen Schichten. Die taz folgt mit Matthias Lohre dem Ingenieur Herman Sörgel vom kühnen Plan zum manischen Höhepunkt. Und der Dlf lernt in Katja Diehls "Autokorrektur", welche Bevölkerungsgruppen bei der Verkehrsplanung marginalisiert werden.
Mittwoch, 02.03.2022
Efeu - Die Kulturrundschau
02.03.2022 Die Zeitungen diskutieren über die Entlassung von Valery Gergiev. München wusste doch, wen es sich in die Stadt holt, erinnert die Zeit. Darf eine freiheitliche Welt Menschen vor die existenzielle Entscheidung zwischen Karriereende und Exil stellen?, fragt die NZZ. Moment, Gergiev ist kein Opfer, meint das VAN Magazin mit Blick auf die Liste der Verstrickungen des Dirigenten in Putins Kulturpolitik. Egal ist Putin die Öffentlichkeit im Westen sicher nicht, glaubt Deniz Yücel in der SZ. Das denkende und kritische Russland ist auf dem Weg in die völlige Dunkelheit, berichtet der Standard aus der russischen Kunstszene. Die FAZ ist hingerissen von dem großen Tier, das Paul Schrader mit "The Card Counter" geschaffen hat.
9punkt - Die Debattenrundschau
02.03.2022 In der Zeit fragt Alexander Kluge, wer nach der Schlacht den Frieden herstellen wird. Thomas Friedman bereitet sich in der NY Times erst einmal auf die totale Katastrophe vor. Europa hat Russland nicht gedemütigt, stellt Mykola Rjabtschuk auf ZeitOnline klar, die räuberischen Eliten haben dies getan und Europa hat zugesehen. In Atlantic fragt Anne Applebaum, wer Russland eigentlich zwingt, sich grausam regieren zu lassen. Wer wird sich jetzt um die Aufgaben der Menschheit kümmern, fragt Herfried Münkler in der NZZ. Die taz erschrickt vor dem neuen Großen Sprechen.
Medienticker
02.03.2022 Russlands Intellektuelle & der Krieg - Künstler unter Verdacht: Eine moralisch saubere Kulturwelt ist eine Illusion - Aktuell: Bayerische Staatsoper entläßt Anna Netrebko - Studie zu Auslandsjournalismus: Blinde Flecken - Gideon Defoe "Atlas der ausgestorbenen Länder": Vom Freistaat Flaschenhals und anderen skurrilen Staaten + John Irving wird 80.
Bücherschau des Tages
02.03.2022 Die FAZ träumt mit Christoph Podewils von einer emissionsfreien Zukunft und verbringt mit Gisela von Wysocki einen funkelnden Sommertag in Berlin. Die NZZ lässt sich von Gianfranco Calligarich derweil in die felliniesken Behausungen der römischen Boheme versetzen. Die Zeit hängt an den Lippen des Galeristen Franz Dahlem, wenn er von Schweinsbraten und Kunst im bleiernen Nachkriegsdeutschland erzählt. Die SZ vermutet, dass Kira Jarmyschs Roman "Dafuq" in Russland bald auf dem Index steht. Und Dlf Kultur erinnert sich mit Nino Haratischwilis prallem neuen Roman an das Georgien der Achtziger und Neunziger.
Donnerstag, 03.03.2022
Efeu - Die Kulturrundschau
03.03.2022 Cannes will vorerst keine russischen Delegationen mehr empfangen, auch die US-Filmindustrie boykottiert Russland. Verbietet der Krieg Nuancen?, fragt der Tagesspiegel. Die FAZ warnt vor pauschalem Boykott - denkt an die "anständigen Russen", ruft etwa Gideon Kremer. In Russland reicht indes schon ein DIN-A4-Blatt mit der Aufschrift "Nein zum Krieg" für dreißig Tage Haft, berichtet die taz. Düster und männlich sind die Kinostarts diese Woche: Matt Reeves depressiver Batman macht im besten Sinne keinen Spaß, freut sich die Presse, die taz lässt sich derweil von Paul Schraders Casino-Drama "The Card Counter" durchbohren. Der Tagesspiegel feiert die neue Transparenz im Leipziger Grassi-Museum, wo Raubkunst vorerst nicht mehr gezeigt wird.
9punkt - Die Debattenrundschau
03.03.2022 Putin ist in seiner Kriegsführung inzwischen bei Plan C angelangt, schreibt der Oxforder Militärhistoriker Lawrence Freedman in seinem Substack-Blog - will er wirklich einen Krieg in den Städten? Masha Gessen hält sich gerade in Moskau auf. Im New Yorker schildert sie das unbekümmerte Treiben einer Bevölkerung, die über den Krieg nicht informiert ist. Putin ist durch Krieg zu dem geworden, den wir fürchten, hoffen wir, dass dieser Krieg sein Untergang ist, schreibt Jonathan Littell im Guardian.
Medienticker
03.03.2022 Journalist:innen zwischen den Fronten - Hörfunk-Interview mit dem ukrainischern Schriftsteller Jurij Andruchowytsch - Martin Walsers Vorlass: Deutsches Literaturarchiv erhält Tagebücher, Schriften & Bibliothek - Die Juden im Duden und anderswo - Wolf Haas über seinen neunten Brenner-Krimi "Müll" - Christiane Hoffmanns Buch Alles, was wir nicht erinnern - Türkei: Freispruch für Mesale Tolu - Mensch, Erde - was tun?: Frank Schätzing über sein neues Buch + TV-Serien-Tipp: Der Selenskyj vor Selenskyj.
Bücherschau des Tages
03.03.2022 DIe FAZ bewundert den Mut, den Kim Hye-jin mit ihrem Roman "Die Tochter" über zwei Generationen von Frauen im heutigen Südkorea beweist. Die SZ entdeckt in Doron Rabinovicis Roman "Die Einstellung" eine grundsätzliche Erzählung über die Macht der Bilder. Von Stine Pilgaard lässt sie sich in den Mikrokosmos einer dänischen Volkshochschule entführen. Die FR verdankt Vladimir Sorokin ein erhellend dunkles Bild Russlands und seiner „ideologischen Leere“. Und der Dlf Kultur reist mit Gideon Defoe durch 48 ausgestorbene Staaten.
Freitag, 04.03.2022
Efeu - Die Kulturrundschau
04.03.2022 Es sind vor allem Menschen aus der Theaterszene in Russland, die gegen Putin protestieren und dafür den Verlust ihrer Posten in Kauf nehmen, weiß die SZ: Aber ihnen steht ein Lager schweigender KollegInnen gegenüber. Dass im Westen immer mehr Russen von ihren Stellen entbunden werden, hält die FAZ indes für ein "symbolpolitisches Feuerwerk". Jeder zweite Russe hat Putin nicht gewählt, meint auch Artechock und erinnert an dissidente Filme. Außerdem: Auf Monopol erklärt Till Fellrath, wie er gemeinsam mit Sam Bardaouil den Hamburger Bahnhof in die Zukunft führen will. SZ und taz sind gespannt.
9punkt - Die Debattenrundschau
04.03.2022 Die Russen sollen auf Atomkraftwerke gefeuert haben - der Brand auf dem Gelände von Saporischschja sei aber inzwischen gelöscht, melden die Live-Blogs. Auf Twitter schlägt die Stunde der Militärexperten, der ehemalige General Mick Ryan beschreibt, was Häuserkampf bedeutet. Der Westen muss mehr tun, fordert Michail Chodorkowski im Guardian. Besonders die Putin zu Diensten stehenden Oligarchen sollten bestraft werden. Die Zeitschrift Jewish Currents zeichnet ein Porträt des Putin-Getreuen Roman Abramowitsch. taz und FAZ hoffen auf die russische Zivilgesellschaft. In der Welt kritisiert Thomas Schmid die Heuchelei der deutschen Friedensbewegung und ihrer plötzlichen Ukraine-Solidarität.
Medienticker
04.03.2022 Aktualisiert: Kultur-Boykott gegen russische Künstler - Solidarität mit der Ukraine - PEN-Ukraine fordert Boykott russischer Autoren & Verlage: Interview mit Wladimir Kaminer ..., denn: Das Problem ist nicht Puschkin, sondern Putin, sagt Deniz Yücel über Literaturboykotte - Netrebko nicht mehr bei Berliner Opern-Aufführung dabei - Krimibestenliste März 2022 + Hör+TV-Tipps für das Wochenende u.a. für Samstag: Radikaler Freibeuter. Zum 100. Geburtstag von Pier Paolo Pasolini. + Hörtipps für Sonntag: Wolf Wondratschek über Pasolini, der vom Leben verurteilte Dichter + Von Akustisches Roadmovie zum 100. von Jack Kerouacs "On the road" oder mit der Bibel der Beatgeneration von Chicago nach San Francisco.
Bücherschau des Tages
04.03.2022 Dlf und Dlf Kultur folgen Emmanuel Carrère gern vom Yoga-Retreat in die rauhe Wirklichkeit: Carrere ist wie Houellebecq, nur frischer und berührender, meint der Dlf Kultur. Die FR verdankt Laetita Colombani bewegende Einblicke in die Lage der Frauen in indischen Provinzen. Die NZZ annonciert mit "Future War" das derzeit aktuellste Buch zur Sicherheitsarchitektur Europas. Dlf Kultur stellt derweil schaudernd fest, wie aktuell auch Christiane Hoffmanns Buch über die Flucht ihres Vaters aus der Ukraine ist.
Samstag, 05.03.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
05.03.2022 Tag 10 in Putins Krieg gegen die Ukraine. Der Beschuss der Städte geht weiter. Der Antrag der Ukraine - aber auch der Republik Moldau und Georgiens - auf EU-Aufnahme ist ein verzweifelter Hilferuf, der auch gehört werden sollte, schreibt Barbara Oertel in der taz. Timothy Garton Ash sieht es im Guardian ähnlich. Richard Herzinger fordert in seinem Blog ein Eingreifen der Nato. Außerdem: John McWhorter erklärt in der New York Times, warum er das Wort "black" klein schreibt und es immer groß rauskommt.
Efeu - Die Kulturrundschau
05.03.2022 Schweigsame Arbeiten findet die Welt in der Schirn-Ausstellung "Kunst für Keinen" aus dem Deutschland der Jahre 1933 bis 1945. In der taz erklärt die Fotografin Ute Mahler, was ostdeutsche Fotografie war. Die Junge Welt hört raffinierteste Rhythmen und Rhythmusverschiebungen in Reinhard Febels "18 Studies on 'The Art of the Fugue'". In der Literarischen Welt ruft die Schriftstellerin Julia Franck Zeitungen, Verlagen und öffentlich-rechtlichen Sendern in Erinnerung, warum Literaturkritiken, Buchmessen und Literatursendungen immer noch wichtig sind. Die Filmkritiker verneigen sich vor Pier Paolo Pasolini, der heute 100 Jahre alt geworden wäre.
Bücherschau des Tages
05.03.2022 FAZ und taz lauschen Katerina Poladjans "Zukunftsmusik", einem Roman über eine Kommunalka des Jahres 1985, als die Perestroika noch anderes versprach als Krieg. Bei Joga soll man nichts wollen, doch Emmanuel Carrère will in "Yoga" sehr viel, freuen sich SZ und Welt. Der Deutschlandfunk ist tief beeindruckt von Tatiana Salem Levys "Vista Chinesa", dem Protokoll einer Vergewaltigung. FAZ und taz befassen sich außerdem mit der extremen Rechten in den zwanziger Jahren.
Montag, 07.03.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
07.03.2022 Tag 12 in Putins Krieg gegen die Ukraine. Russland verspricht Korridore und beschießt sie dann, berichten die Medien. In gewisser Hinsicht hat Putin schon verloren, weil er nicht mit dem Widerstand in der Ukraine rechnete, schreibt der Militärhistoriker Lawrence Freedman, aber diese Niederlage ist gefährlich. Viel wird über Russland selbst nachgedacht: Die drakonischen Gesetze gegen die "Verbreitung von Falschnachrichten" markieren selbst für das repressive Putin-Regime eine Zeitenwende, findet die FAZ. Nick Cohen und Francis Fukuyama schreiben in Observer und FT über den Putinismus im Westen.
Efeu - Die Kulturrundschau
07.03.2022 Die SZ kichert und gackert sich am Münchner Residenztheater durch Franz Xaver Kroetz' "Der Drang". Die FAZ begibt sich nebenan in die scharfkantige Endzeitkulisse von Eugene O'Neills "Unter Ulmen". Im Standard findet der Autor und Übersetzer Alexander Nitzberg die Reaktion auf den russischen Überfall auf die Ukraine viel zu hysterisch. Er empfiehlt "eine aktiv gelebte Neutralität". Die NZZ tastet sich im Basler Kunstmuseum durch das Angst- und Erregungs-Chaos von Louise Bourgeois. Die Zeit wirft mit Elie Grappes Film "Olga" einen Blick auf die Ukraine am Vorabend der Maidan-Revolution. Die Welt tröstet sich mit John Bridcuts Film über Schuberts "Winterreise".
Medienticker
07.03.2022 Geschichte, Hintergründe, Analysen: Die besten Sachbücher über die Ukraine - Achtung, Handy hört mit: Smartphone-Apps als Wanze - Digitalisierung sorgt für gleiche Bezahlung - Solidarität mit der Ukraine & Kultur-Boykott gegen russische Künstler:- Wie Russlands Krieg die Klassikwelt verändert - Verleger russischer Bücher, protestieren gegen den Krieg + Hörtipp: Berliner Luft in fünf Streifzügen durch die Straßen der Hauptstadt.
Bücherschau des Tages
07.03.2022 Dlf Kultur lässt sich von den Reimen Judith Zanders in dämmernde Wälder, Märchen und DDR-Geschichte verschleppen. Wärmer als Sally Rooney findet er Imogen Crimp, die in ihrem Debütroman von der Liebe einer jungen Gesangsstudentin erzählt. Die SZ empfiehlt nachdrücklich Rita Süssmuths Plädoyer für mehr Gleichberechtigung. Die FR lacht und weint bei der Lektüre von Orhan Pamuks Roman „Die Nächte der Pest“. Und die FAZ staunt über Mathijs Deens Wattwanderer-Wissen im neuen Krimi „Der Holländer“.
Dienstag, 08.03.2022
Efeu - Die Kulturrundschau
08.03.2022 Mit einem leichten Schaudern blickt die FAZ in der Frankfurter Schirn auf Bilder innerer Emigranten, die Zensur und Zweiten Weltkrieg überlebten. Als "nie für möglich gehaltene Cancel Culture" geißelt die Welt die "irrationale Absagewelle", die russische KünstlerInnen derzeit ereilt. Immer mehr ukrainische Schriftsteller ziehen in den Krieg, berichtet Tanja Maljartschuk in der FR. SZ und FAZ lauschen dem "Gleißen der Sonne", wenn Edward Gardner Benjamin Brittens Oper "Peter Grimes" an der Bayerischen Staatsoper dirigiert. Und die NZZ macht eine surreale Erfahrung, wenn sie Wolodomir Selenski als "Diener des Volkes" auf Arte erlebt.
9punkt - Die Debattenrundschau
08.03.2022 Der Krieg gegen die Ukraine wird so schmutzig wie in Tschetschenien und Syrien, aber jetzt kann Wladimir Putin keine Stellvertreter vorschieben, schreibt der Guardian. Masha Gessen fragt im New Yorker, ob das ominöse "Z", das jetzt nicht nur russische Panzer, sondern auch Hauswände ziert, das neue Hakenkreuz wird. FAZ und SZ berichten vom Exodus der JournalistInnen und Intellektuellen aus Russland. Und zum heutigen Frauentag erklärt die NZZ, warum Männer im Machtrausch so selten Gegenwehr erfahren.
Magazinrundschau
08.03.2022 Atlantic hört mit Grausen, wie sich der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman aus der Ermordung des Jounalisten Jamal Khashoggi herausredet. Der New Yorker reist in die ecuadorianische Hafenstadt Guayaquil, wo erst die Corona-Pandemie, dann die Gewalt wütete. Die LRB lernt, warum britische Offiziere keine Kritik einstecken können. Die NYRB beschreibt, wie Anne Hidalgo Paris zu einer grünen Stadt gemacht hat, mit French-Tech und schlechtem Essen. Pitchfork erzählt, wie Stevie Wonder mit dem Tonto-Synthesizer das Wah-Riff erschuf. Und Elet es Irodalom verordnet täglich eine Stunde Lesen.
Medienticker
08.03.2022 Weltfrauentag: Feministische Musikgeschiche mit u. a. Frauen im Jazz - FAZ zieht ihre Korrespondentinnen aus Russland ab - IG Meinungsfreiheit zum Boykottaufruf für russische Bücher: "Literatur darf nicht instrumentalisiert werden" - Wolfgang Rihm zum 70. Geburtstag: Den klangvollen Befreiungsschlag gewagt.
Bücherschau des Tages
08.03.2022 Die FR bekommt Appetit, wenn die japanische Autorin Asako Yuzuki in ihrem eigensinnigen Roman eine Serienmörderin von Butter schwärmen lässt. Die FAZ begibt sich mit Miklos Meszöly auf „Spurensicherung“ und entdeckt eine sehr eigene Erkenntnisform. Die SZ ergötzt sich an den Scherzgedichten der Johanna Charlotte Unzer aus dem 18. Jahrhundert. Und Dlf Kultur liest berührt, wie sich Scholastique Mukasonga an ihre Mutter erinnert, die dem Völkermord an den Tutsi zum Opfer fiel.
Mittwoch, 09.03.2022
Efeu - Die Kulturrundschau
09.03.2022 Die Filmkritiker lassen sich für einen Moment von Pop, Chic und der leisen Ironie in Pedro Almodovars "Parallele Mütter" ablenken. Kann Frankreich die derzeit in Paris ausgestellte Sammlung Morosow im Zuge der Sanktionen gegen Russland einfach beschlagnahmen?, fragt die Welt. Babi Jar steht paradigmatisch für Europa - Europa ist ein von Kriegen geformter Kontinent, sagt der Architekt Manuel Herz in der NZZ. Und die Musikkritiker schreiben dem lachenden und bellenden Phil Collins einen Nachruf zu Lebzeiten.
9punkt - Die Debattenrundschau
09.03.2022 Tag vierzehn der russischen Invasion. In der FAZ sieht Volker Weichsel Russland innerhalb einer Woche zur offenen Militärdiktatur gewandelt. In den Fluren der Macht herrscht Schockstarre, berichtet eine russische Journalistin auf Osteuropa. Thomas Friedman graut es in der NY Times vor dem Moment, in dem Putin realisiert, dass er nicht gewinnen kann. Die NZZ erinnert daran, wie sich Londons Theater und Museen den Oligarchen andienten. Und Peter Pomerantsev gratuliert dem Westen dazu, erfolgreich den Krieg von 2014 zu führen.
Medienticker
09.03.2022 Lektüretipps zur Geschichte der Ukraine . Bestsellerautor wählt neuen Namen für Mops Putin - Pasolini zum Hundertsten: Fußball als Weltflucht& als Befreiung - Diversität in der Filmbranche: Gezählt wird, was erzählt wird - Deutscher Kleinkunstpreis: Mehr Comedy als Kabarett - Weltfrauentag-Nachtrag: Feministische Krimis oder die zornigen Töchter der Patricia Highsmith + Glückwunsch. John Cale wird 80.
Bücherschau des Tages
09.03.2022 Die SZ flaniert mit dem Promifotografen Roger Fritz über den "Boulevard der Eitelkeiten" und trifft Dolly Dollar am Strand von Rio. Die FR stürzt sich derweil mit Hektor Haarkötter in die kreativen Schatzkammern da Vincis, Lichtenbergs, Luhmanns und Wittgensteins. Die FAZ lässt sich dank Ursula Krechels quecksilbriger Wahrnehmung auf das Abenteuer des Erkennens ein. Und Dlf Kultur blickt mit Laurie Penny voller "Gerechtigkeitsliebe" in die feministische Zukunft.
Donnerstag, 10.03.2022
Efeu - Die Kulturrundschau
10.03.2022 Osteuropäische SchriftstellerInnen warnten uns seit langem vor Putin, aber wir hatten andere Sorgen, schämt sich die Zeit. "Auch an unseren Händen klebt jetzt Blut", sagt der belarussische Dirigent Vitali Alekseenok im Van Magazin. In der SZ erklärt Serge Dorny, weshalb Valery Gergiev nicht mehr tragbar war: Er war nie neutral. Die FAZ wirft dem Kulturbetrieb mit Blick auf Gergiev und Netrebko "Verrat an der Kultur" vor. Die FR erkennt dank Marie Amiguets "Der Schneeleopard" den Reiz von Natur-Dokumentarfilmen. Und die SZ kommt elektrisiert aus der Kunsthalle Praha zurück.
9punkt - Die Debattenrundschau
10.03.2022 Der Krieg gegen die Ukraine geht in die dritte Woche. In der Zeit gibt sich Wolodimir Selenski unerschütterlich kämpferisch. Außerdem erklärt Heinrich August Winkler in der Zeit, was Wladimir Putin mit den anderen Ultranationalisten der Geschichte verbindet, mit Hitler, Mussolini und Milosevic, die NZZ sieht ihn eher in der Linie absolutistischer Zarenherrscher. In der taz bereitet Dmitry Glukhovsky die Russen darauf vor, zu klatschen, wenn Staatsfeinde exekutiert werden. Die SZ mahnt, dass Menschen von Läusen und Flöhen zugleich befallen werden können.
Medienticker
10.03.2022 Buchcharts der Woche: Die aktuellen Bestsellerlisten - Lit.Cologne eröffnete mit Ukraine-Solidaritätsveranstaltung - Imre Kertész im Gespräch & Gespräch mit Verena Roßbacher über ihren Roman "Mon Chéri und unsere demolierten Seelen" + Deutscher Nachhaltigkeitskodex für Verlage.
Bücherschau des Tages
10.03.2022 Die FAZ ist hin und weg von Tania Blixens "Babettes Gastmahl" in der ersten vollständigen deutschen Übersetzung von Ulrich Sonneberg. Zwischen Schockstarre und Bewunderung liest sie, wie Tatiana Salem Levy von einer Mutter erzählt, die ihren Kindern von ihrer Vergewaltigung berichtet. Die Zeit folgt den "leuchtenden Gedanken" von Lea Ypi, die sich in "Frei" an das Aufwachsen unter Enver Hoxha erinnert. Die FR staunt, wie prophetisch Amanda Cross schon 1971 über Feminismus, Umweltverschmutzung und Verschwörungstheoretiker schrieb. Und die NZZ dringt mit dem Philologen Jonas Grethlein in die Tiefenschichten der Ilias vor.
Freitag, 11.03.2022
Efeu - Die Kulturrundschau
11.03.2022 Der Tagesspiegel experimentiert in Bochum mit den individuellen Zigarettenstummeln der Ingeborg Lüscher. Die FR blickt auf den Fotografien von Nini und Carry Hess in die untergegangene Welt des Frankfurter Expressionismus. Eine "Eiszeit für die gesamte Kultur" wie im Kalten Krieg prophezeit in der SZ der französische Balletttänzer Laurent Hilaire, der Russland bereits verlassen hat. artechock beobachtet mit Yulia Lokshina ein militär-patriotisches Jugend-Camp auf einer russischen Insel. Eine neue Ära sensibler Architektur ruft die FAZ in Japan aus. Außerdem gratulieren SZ und FAZ Wolfgang Rihm mit großen Gesprächen zum Siebzigsten.
9punkt - Die Debattenrundschau
11.03.2022 Im Guardian beschreibt der Kiewer Reporter Illia Ponomarenko eine Stadt im Würgegriff der Stille. In der NZZ erklärt Juri Andruchowytsch die absolute Radikalität der Situation. Die taz erinnert daran, wie im Syrienkrieg humanitäre Korridore benutzt wurden, um die Bevölkerung zu terrorisieren und zu vertreiben. In der SZ fordert Adam Tooze endlich einen Deal, und sei er noch so dreckig. Die FAZ wirft einen Blick auf die Chalets in der Schweiz, wohin Oligarchen sich und ihre Vermögen gern in Sicherheit bringen, und offenbar auch schon Putins Familie.
Medienticker
11.03.2022 Aktualisiert: Schriftsteller im Krieg: Wer ist wer in der ukrainischen Literatur? - Erzählende Krisen-Berichterstattung: Gespräch mit der Reporterin Gabriele Riedle - Simone de Beauvoir in Bonn und Zürich - Autor Beat-Generation: Zum 100. Geburtstag von Jack Kerouac - John Wray über Kerouac - Ex & Pop: 160 Jahre Velvet Underground + I, too, sing America: 100 Jahre Harlem Renaissance & Im Spiegel der jungen Generation: Gespräch mit Wolfgang Rihm anlässlich seines 70. Geburtstags + TV+Hörfunk-Tipps für das Wochenende.
Bücherschau des Tages
11.03.2022 Die FAZ lässt sich von der Anglistin Michele K. Troy die spannende Geschichte des Albatross Verlags schildern, der englischsprachige Literatur an der Zensur der Nazis vorbeischleuste. Die SZ empfiehlt gleich zwei gänzlich unterschiedliche Biografien über Wolfgang Rihm: Von Frieder Reininghaus lässt sie sich den Komponisten gesellschaftspolitisch einordnen, mit Eleonore Büning öffnet sie eine Schatztruhe an Erinnerungen. Außerdem liest sie Jugendbücher und bewundert, wie Sara Barnard von Mobbing erzählt. Und der Dlf empfiehlt doppelbödige Sofalektüre mit Louise de Vilmorins „Belles Amours“.
Samstag, 12.03.2022
Efeu - Die Kulturrundschau
12.03.2022 In der NZZ erzählt der ukrainische Schriftsteller Sergej Gerassimow, wie das Atmen des nahenden Kriegs klingt. In der taz berichtet Andrej Kurkow von seiner Flucht: Putin bewegte sich schneller als Google Maps. "Wir spielen in keiner Blase des Schönen", sagt die Dirigentin Oksana Lyniv und appelliert an die moralische Verantwortung von KünstlerInnen. Die FAZ birgt unbequeme Bilder im "Bilderkosmos Leipzig". Und die SZ schiebt sich mit den Säuglingen von Rammstein zurück in den Mutterleib.
9punkt - Die Debattenrundschau
12.03.2022 Die russischen Truppen rücken auf Kiew vor. Le Monde trifft den ukrainischen Filmemacher Oleg Senzow, der sich ihnen an einem Checkpoint entgegenstellt. In der taz beklagt Regisseur Sergei Loznitsa die kolossale Trägheit des westlichen Geistes. In der FAZ fordert Karl Schlögel ein Einschreiten der internationalen Gemeinschaft gegen die Zerstörung der Städte. In der NZZ kann sich Michail Schischkin noch nicht vorstellen, wie man das Obrigkeitsdenken aus Russland vertreibt. Und die Welt meldet, dass Jonathan Franzen und andere prominente Schriftsteller den Rowohlt Verlag verlassen.
Bücherschau des Tages
12.03.2022 FAZ, SZ und taz annoncieren zum Hundertsten von Jack Kerouac zwei glänzende Neuübersetzungen: In „Die Dharmajäger“ streben sie in meditative Höhen, mit dem „Engel der Trübsal“ kommen sie nicht ganz nüchtern wieder unten an. Außerdem versucht die taz mit Stanislaw Assejews Texten aus dem Donbass Russlands Angriff auf die Ukraine zu verstehen. Die FAS spürt den Schock, wenn ihr Lea Ypi vom Zusammenbruch des Ostblocks und dem Ende der Diktatur in Albanien erzählt. Mit Wolfgang Ullrich blickt sie auf die Kunst nach dem Ende ihrer Autonomie.
Montag, 14.03.2022
Efeu - Die Kulturrundschau
14.03.2022 In Tagesspiegel und NZZ berichten die Schriftsteller Sergej Gerassimow und Yuriy Gurzhy aus dem belagerten Charkiw, wo kein einziger Mensch auf den Straßen zu sehen ist. Wer gibt ausgerechnet uns Deutschen das Recht, Russen aus dem öffentlichen Leben zu verbannen, wettert Günter Rohrbach in der SZ. "Gleichmacherei" wirft die FAZ dem Grassi-Museum vor, das bei der Neuordnung seiner ethnologischen Sammlungen vergesse, wem es seine Existenz zu verdanken habe. Die Theaterkritiker lassen sich von Claudia Bauers Bunuel-Inszenierung in Frankfurt gern den "dreckigen Spiegel" vors Gesicht halten. Deutsche Filmfestivals wollen künftig ungern auf russische Filme verzichten, berichtet Dlf Kultur.
9punkt - Die Debattenrundschau
14.03.2022 Die Kämpfe in der Ukraine werden intensiver, aber auch die Verhandlungen, resümiert die taz den Stand am neunzehnten Tag von Putins Krieg. In der FAZ sprechen Tanja Maljartschuk, Katja Petrowskaja und Jurko Prochasko über die immensen Entscheidungen, vor die der krieg jeden Einzelnen in der Ukraine stellt. In der SZ erklärt Sasha Marianna Salzmann, warum für Russen der beste Moment ihres Lebens stets in der Vergangenheit liegt. In der Welt besingt Mircea Cartarescu den Heldenmut der Ukrainer. Im Tagesspiegel erinnert die Historikerin Ulrike von Hirschhausen daran, wie die Sowjetunion auch nach dem Hungerkrieg gegen die Ukraine ihre Lüge durchsetze.
Medienticker
14.03.2022 Aktualisiert: Boykotte und Brücken im Ukraine-Krieg - Richard David Precht über Wladimir Putins Angriff - Buchmessen warum? Trotz allem und wie in Zukunft? - Ulrich Matthes über die Ukraine, die auch das Thema bei Buchmesse-Alternativen ist & Gedichte für eine bessere Welt, funktioniert das? - Schweres, folgerichtiges Beben: Der Rowohlt Verlag verliert wichtige Autoren - Jack Kerouac:König der Beats oder der ewige Tanz am Abgrund + Neue Routen durch die Sammlung: "Marta Maps".
Bücherschau des Tages
14.03.2022 Die SZ blickt mit der Moskau-Kennerin Catherine Belton noch einmal in die Verflechtung westlicher Politik und Geschäftemacher mit dem System Putin. taz und Dlf Kultur sind sich nicht einig über Heike Geißlers Roman „Die Woche“: Ein mit der Gegenwart abrechnendes Manifest liest die taz, eine wenig originelle Performance erlebt Dlf Kultur. Die FR zieht sich mit einem Kongressband und einigen Aussteigern auf den Monte Veritá zurück. Und die Welt trifft sich mit Eberhard Geisler auf einen Döner und verortet sich selbst in einem „Stück türkisch-deutscher Geschichte“.
Dienstag, 15.03.2022
Magazinrundschau
15.03.2022 Der New Yorker lernt in Kiew Diversanten und Saboteure aufzuspüren. Putin ist nicht Stalin, stellt Simon Sebag Montefiore im New Steatesman klar. Im Guardian erkennt Keith Gessen die Schönheit der radikalen Demokratie, die der Ukraine von den Kosaken überliefert wurde. HVG blickt mit György Palfi auf ein Europa, in dem der Humanismus verloren geht. The Nation fragt nach dem Sinn der Museen. Der Filmdienst erkennt, dass es beim Sammeln nicht um Besitz, sondern um Austausch geht.
Efeu - Die Kulturrundschau
15.03.2022 Welt und FR erkennen in Frankfurt, wie die Kunst des Rokoko Renoir prägte und den Impressionismus kultivierte. Atemlos schauen Tagesspiegel und FAZ zu, wenn Sasha Waltz an der Staatsoper die Spaltung der Gesellschaft tanzen lässt: Der Tagesspiegel denkt aufgewühlt an Massengräber, die FAZ langweilt sich zu Tode. Teile der Klassikindustrie sind nach wie vor fest in Oligarchen-Hand und haben auch nicht vor, sich zu lösen, berichtet Crescendo. Für den Osten war im Theaterbetrieb in den letzten Jahren nicht viel Platz, klagt die nachtkritik. Und alle trauern um William Hurt, den großen Verwandlungskünstler der britischen Schule.
9punkt - Die Debattenrundschau
15.03.2022 In einem bewundernswerten Moment des Aufbegehrens im russischen Fernsehen elektrisiert die Mitarbeiterin Marina Owsjanikowa die Welt. Die taz schildert die Tragödie von Mariupol. In der FAZ denkt Dan Diner über die Zeitlichkeit des Krieges nach. In der Welt sieht Alan Posener in anderen Ländern mehr Grund zur Selbstkasteiung als in Deutschland. Zum Beispiel in Britannien, wo sich Boris Johnson prompt dem saudischen Kronprinz andient, um billigere Ölpreise auszuhandeln, ergänzt der Guardian. Die SZ erkennt auf Verantwortungsdiffusion im Fall des rechtsradikalen Richters Jens Maier, der zurück in den Dienst darf.
Medienticker
15.03.2022 Die geheime Welt der Bestsellerlisten - Studie: Viertklässler können deutlich schlechter lesen als vor der Pandemie - Literaten im Krieg: Die Ukraine & ihre Autoren - Ukraine verbietet Import russischer Bücher+Druckerzeugnisse - Russische Journalistin nach Live-Protest im Staatsfernsehen festgenommen - Leipziger Buchmesse: #leipzigliesttrotzdem & Friedensaktion in Leipzig - Buchmessen: Umschlagplatz für Inspiration + An den Rändern des Jazz + Verleihung des Deutschen Hörbuchpreises 2022.
Bücherschau des Tages
15.03.2022 Die SZ verbringt eine Nacht mit Leila Slimani im venezianischen Punta della Dogana und denkt über Rauchverbot und Frauenrechte nach. Die FAZ lässt sich mitreißen, wenn Heike Geißler das Bewusstsein einer Frau die vierzig wie einen Quecksilbertropfen zerspringen lässt. Von dem Rechtswissenschaftler Markus Scheiber erfährt sie, unter welchen Bedingungen Fake News strafbar sein sollten. Die taz räumt mit Dietmar Dath betrunken zwischen Lady Gaga, Jeff Bezos und Frank Schirrmacher auf. Und Dlf Kultur staunt nach der Lektüre von Sascha Machts „Spyderling“, dass ihn ein Roman um Brettspiele und ihre Anhänger gefangen nimmt.
Mittwoch, 16.03.2022
Efeu - Die Kulturrundschau
16.03.2022 Der Standard staunt in Wien, wie Ai Weiwei Readymades aus einem totalitären Regime macht. Die SZ bewundert den subtilen Spott, mit dem der libanesische Künstler Walid Raad in Mainz die Deutungshoheit autokratischer Systeme über die Vergangenheit attackiert. Tagesspiegel und SZ sorgen sich um ukrainische Kulturgüter: Es gibt keine Garantie, dass das ukrainische Kulturerbe nicht geplündert und in russische Museen gebracht wird. Der Westen weiß, wir er sich als gelobtes Land verkaufen kann, sagt der frisch mit dem Pritzker-Preis geehrte Francis Kéré in der SZ. ZeitOnline sehnt sich mit Pop-Esperanto von Rosalia nach Wohlstand und Leichtigkeit.
9punkt - Die Debattenrundschau
16.03.2022 Die mutige Marina Owsjannikowa ist bisher mit einer Geldstrafe davongekommen. In der FAZ erklärt Igor Saweljew, dass die Probleme für Demonstranten in Russland erst nach dem kurzen Prozess anfangen. In der SZ erklären Juri Andruchowytsch, Jurko Prochasko und Natalka Sniadanko, warum die Ukraine nicht nur eine politische Nation ist, sondern auch eine lebendige Gesellschaft. In der taz sieht Jagoda Marinic Deutschland im politischen Klein-Klein versinken. In der NYTimes kann Thomas Friedmann kaum glauben, wie China auf einmal die Ölpreise senkt. Im New Yorker erinnert Philip Gourevitch, dass die UN-Konvention Genozid nicht durch die ungeheure Tat definiert, sondern durch die ungeheure Absicht.
Medienticker
16.03.2022 Großbritanniens Oberstes Gericht verwehrt Assange Berufung - Russische Wikipedia: Festnahme & Drohungen wegen Artikelbearbeitung - Leipzig liest trotzdem: Alternativen zur abgesagten Buchmesse
Mit Reimen zur Leselust: Internationale Buchmärkte mit starken Zuwächse 2021 - Wie Bestseller den Buchmarkt prägen - Ukrainische Wurzeln: Pete Segers Marlene Dietrichs Antikriegslied "Sag mir wo die Blumen sind".
Bücherschau des Tages
16.03.2022 Die FAZ blickt mit der israelischen Historikerin Shulamit Volkov auf Leerstellen deutsch-jüdischer Geschichte und macht es sich mit Jan Herres im Berliner Zimmer bequem. Meisterhaft findet die SZ Reinhard Kaiser-Mühleckers neuen Roman "Wilderer" über den Niedergang eines Bauernhofs. Mit Albert Ostermaiers dunklen Gedichten schöpft sie trotzdem Hoffnung. Und Dlf Kultur staunt, wie subtil und einfühlsam Ron Segal in Katzenmusik das Leben in Israel nach dem Sechstagekrieg schildert.
Donnerstag, 17.03.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
17.03.2022 Putins Krieg geht in die vierte Woche. Mariupol ist die am stärksten attackierte Stadt. Die Agentur AP hat als einziges westliches Medium Reporter dort - sie berichten Schreckliches. Zugleich deuten sich Friedensformeln an, über die in France Inter und der Financial Times spekuliert wird. Wir präsentieren auch Putins neueste durchgedrehte Rede mit Übersetzung, in der er mit dem "Abschaum" im eigenen Land abrechnet. In der NZZ hofft Francis Fukuyama, dass der Krieg gegen die Ukraine zu einer "Wiedergeburt der Freiheit" führen könnte.
Efeu - Die Kulturrundschau
17.03.2022 Im Van Magazin fragt Vladislav Gorai vom Opernhaus Odessa fassungslos, warum russische Künstler so wenig Solidarität mit der Ukraine zeigen. In der Zeit erzählen drei russische Künstlerinnen, die gegen den Krieg demonstriert haben, wie umfassend die Überwachung durch den FSB inzwischen ist. Artechock übersetzt ein Statement des russischen Filmkritikers Anton Dolin, der wegen seiner Kritik an der Invasion mit dem Tod bedroht wurde, es in Russland aber vor allem wegen der vielen Mitläufer nicht mehr ausgehalten hat. Die FAZ staunt über die vielen Putin-Apologeten in Italien.
Medienticker
17.03.2022 Aktualisiert: Leipzger Buchpreis im Livestream - Trotzdem Leipzig! "Messe"-Splitter anders - Buchpreis zur europäischen Verständigung an Karl-Markus Gauß - Kirsten Boie erhält Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis - Das Wilde Denken des französischen Schriftstellers Mathias Enard - Tübke-Panorama als monumentale Videoinszenierung + Hip-Hop-Beats in Kriegszeiten.
Bücherschau des Tages
17.03.2022 Dlf Kultur sehnt sich mit Paul Bowles' Stück "Der Garten" nach einem untergegangenen Marokko. Die NZZ schaudert es mit Seweryna Szmaglewska angesichts der zersetzenden Normalität des Alltags, die den Nürnberger Prozess 1946 begleitet. Großes Lob gibt es für Katerina Poladjans Roman "Zukunftsmusik" aus einer Zeit, als Russland noch Zukunft zu haben schien. Die FAZ verneigt sich vor der großen kommentierten Frankfurter Ausgabe des Werks von Thomas Mann bei Fischer. Die SZ feiert Abdulrazak Gurnahs Roman "Ferne Gestade": Weltliteratur, ruft Sigrid Löffler.
Freitag, 18.03.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
18.03.2022 Gestern hielt Wolodimir Selenski per Videoschaltung eine historische Rede im Bundestag - und der Bundestag ging zur Tagesordnung über: scharfe Kritik in der Presse. "Mein Land ist krank", schreibt der russische Journalist Konstantin Goldenzweig, der ins Exil gegangen ist, in der SZ. Ljudmila Ulitzkaja ist vergangene Woche mit ihrem Mann aus Moskau nach Berlin geflohen. In der NZZ hofft sie auf einen Prozess gegen Putin. Hat der russische Feldzug seinen "Kulminationspunkt" erreicht, fragt die FAZ. Und distanziert sich China, fragt der Guardian.
Efeu - Die Kulturrundschau
18.03.2022 Die Welt unterhält sich mit dem Künstler Paul McCarthy und der Schauspielerin Lilith Stangenberg über ihre gemeinsame Arbeit, über Adolf und Eva und den Moment des Entrücktseins. Die NZZ ist hin und weg von David Martons Zürcher Inszenierung der "L'Olimpiade", einer Barockoper von Giovanni Battista Pergolesi, die ganz neue Helden auf die Bühne bringt. Die Literaturkritiker applaudieren den Leipziger Buchpreisen für Tomer Gardi, Uljana Wolf, Anne Weber und Karl-Markus Gauß: Die gehen so schön am Publikum vorbei, freut sich der Tagesspiegel.
Medienticker
18.03.2022 Aktualisiert: Newsblog zum Krieg in der Ukraine - Stefanie Sargnagel irrt über prekäre Arbeitsbedingungen - Könnte Bürokratie schön sein?- Jürgen Kocka: Die unheimliche Kraft des Nationalstaats- TV-Tipp: Honecker und der Pastor als Fernsehfilm - Trotzdem Leipzig! "Messe"-Splitter vom 17.3. anders + Ultraschall Berlin: Festival für neue Musik + TV+Hörfunk-Tipps für das Wochenende..
Bücherschau des Tages
18.03.2022 Die FAZ erhält von dem Alttestamentler Reinhard G. Kratz neue Erkenntnisse über die Schriftrollen von Qumran und Jesus. Dem Historiker Daniel Siemens verdankt sie ein differenziertes Bild von Hermann Budzislawski. Die FR erfährt von Nora Bossong, wie geschmeidige Vierzigjährige künftig die Welt regieren. Mit Yannic Han Biao Federer begibt sie sich auf Identitätssuche nach Hongkong. Und Dlf Kultur lernt von Dave Goulson, weshalb es höchste Zeit ist, die Insekten zu retten.
Samstag, 19.03.2022
Efeu - Die Kulturrundschau
19.03.2022 Die FAZ fragt sich mit der Fotografie Biennale: Wie wollen wir leben? Auf jeden Fall differenziert, folgt man den Vorschlägen der russischen Kuratorin Ekaterina Degot in monopol zum Boykott russischer Kunst. Die Big Player in der Musikwelt, während der Pandemie fürstlich mit Staatsknete gepampert, sollen endlich aufhören zu jammern und ihre Mitarbeiter anständig bezahlen, fordert auf Zeit online der Konzertveranstalter Berthold Seliger. Die Komödien und Tragödien der Gegenwart spielen sich heute auf dem Berufsnetzwerk LinkedIn ab, erzählt der Schriftsteller Quentin Mouron in der NZZ.
9punkt - Die Debattenrundschau
19.03.2022 Es bleibt bei den fast monothematischen Presseschauen. Die Financial Times erklärt in einem Online-Dossier, warum der Krieg nur schlimmer werden kann. Zugleich versuchen Intellektuelle zu verstehen, was passiert: Ebenfalls in der FT erklärt die russische Autorin Marija Stepanowa ihr Gefühl, als Statistin in einem von Putin ersonnenen Film zu leben. In der FAZ attackiert der Historiker Martin Schulze Wessel die Russland-Romantik seines Kollegen Jörg Baberowski. Die SZ fragt nach der Verantwortung Angela Merkels.
Bücherschau des Tages
19.03.2022 Die FAZ blättert durch zwei Bücher über Alpenkulinarik - wie gebackenen Dorsch, Nockerln und Krapfen - und Alpenhonig - wie Bastardindigo-, Esparsetten-, Feldthymian- oder Baumheidehonig. Die FR lässt sich von Tove Ditlevsens "Gesichter" langsam in den Wahnsinn führen. Die SZ stärkt mit Emmanuel Levinas' "Ethik als Erste Philosophie" ihren Glauben an das Zwischenmenschliche. Die taz liest drei Comicbände zum stalinistischen Terror in Russland und der Ukraine.
Montag, 21.03.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
21.03.2022 Mariupol scheint von den Russen weitgehend erobert zu sein - die Financial Times berichtet über eine Stadt als Leichenhaus. Als einen Mann, der die Realität den Gespenstern der Vergangenheit opfert, beschreibt Karl Schlögel Putin in der NZZ. In der FAZ sucht Gerd Koenen nach Mustern in der russischen Geschichte. In Deutschland beginnt die Aufarbeitung der deutschen Putin-Liebe: Barbara Kerneck rechnet in der taz mit ihren Protagonisten ab. In der Times erzählt Verlegerin Arabella Pike wie es ist, wenn russische Oligarchen britische Anwaltsfirmen anheuern.
Efeu - Die Kulturrundschau
21.03.2022 Ärger im PEN-Club: Ehemalige Präsidenten fordern den Rücktritt von PEN-Chef Deniz Yücel, nachdem er eine Flugverbotszone über der Ukraine gefordert hat. Die SZ wundert sich: Hätte ihnen nicht klar sein müssen, dass sie mit Yücel keinen Mann der leisen Töne bekommen? In der FAZ erklärt Petra Reski die Affäre als internen Machtkampf. Der Tagesspiegel meldet indes, dass der Filmemacher Sergei Loznitsa aus der ukrainischen Filmakademie ausgeschlossen werden soll. FAZ, SZ und ZeitOnline feiern die Leipziger Buchmesse als eines der schöneren Dinge in unserem Pop-up-Universum.
Medienticker
21.03.2022 Rückblick auf die Pop-Up-Buchmesse in Leipzig: Buchfeststimmung &
Bildergalerie: Leipziger Impressionen; mehr als Messereste - Gespräch mit Tomer Gardi, Gewinner des Leipziger Buchpreises - Hörbuch: "Vom Erzählen - Poesie des Alltags" - Was kann Literatur gegen Putin leisten? - Paula Modersohn-Becker in Remagen: Frau = Birke? + John Zorn in der Elbphilharmonie.
Bücherschau des Tages
21.03.2022 Die SZ feit sich mit Claus Leggewie und Ireneusz Paweł Karolewski gegen eine Unterschätzung der Visegrad-Staaten - im Guten wie im Schlechten. Die NZZ verabschiedet sich mit Siegfried Kohlhammers "Piraten" vom Seeräuber als Sozialrebellen. Der DlfKultur lernt von Theodor Herzl, Fehler in Größe zuverwandeln. Außerdem vertieft er sich in die Geschichte der Oxforder Philosophinnen. Die FAZ empfiehlt Hörbücher, darunter die Lesungen von E.T.A. Hoffmanns Erzählwerken und den Live-Mitschnitt des Lyrikabends "Vom Zauber einer verwehenden Sprache"
Dienstag, 22.03.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
22.03.2022 Nüchtern geht die Financial Times die Szenarien für den Ausgang des Kriegs durch. Drei seien denkbar, eine Absetzung Putins, eine Waffenruhe, eine Eskalation. Die New York Times fragt nach Putins Verhältnis zu Atomwaffen. Mstyslav Chernov von AP gehörte zu den letzten westlichen Journalisten in Mariupol. Er erzählt,warum die ukrainische Armee ihn bat zu gehen. Deutschland lässt Ostmitteleuropa gerade zum zweiten Mal im Stich, schreibt die polnische Politologin Justyna Schulz in der FAZ. Und laut New York Times dürfen in der Literatur alle Männer verschwinden, aber bitte nicht alle Menschen mit Y-Chromosom.
Efeu - Die Kulturrundschau
22.03.2022 Einig sind sich taz, NZZ und ZeitOnline darin, dass die Rücktrittsforderungen an PEN-Chef Deniz Yücel fehl gehen. In der SZ wirft Regisseur Sergei Loznitsa der ungarischen Filmakademie nach seinem tatsächlichen Rauswurf Stalinismus vor. Mit gemischten Gefühlen nehmen taz und Tagesspiegel Verdis "Sizilianische Vesper" an der Deutschen Oper: Was kann uns die Gewalt des 13 Jahrhunderts anderes lehren als Geschichte? Die FAZ muss zugeben, dass Sou Fujimotos Haus der Musik in Budapest ziemlich großartig geworden ist, auch wenn es ein Prestigebau der Regierung ist.
Medienticker
22.03.2022 Sven Hanuschek über den aktuellen Streit im PEN - Martin Suter im Gespräch: Er schreibt nur das, was er selber gerne lesen würde - Francis Fuyukama über die Ukraine - Wie man mehr Digitalabos verkauft: Steingarts Verlust und Geldsegen durch Corona - Gregor Keuschnig übe Marc Degens: "Selfie ohne Selbst".
Magazinrundschau
22.03.2022 Der New Yorker schildert die Abschaltung der russischen Zivilgesellschaft durch die Emigration der Menschen, die sie aufrecht gehalten hatten. Osteuropa bekommt in einem Interview mit Generaloberst Wladimir Tschirkin eine Ahnung, was der Ukraine nach einem Sieg Russlands blühen würde. Nach einem Sieg Russlands sieht es derzeit allerdings noch nicht aus, stellt die London Review fest. Atlantic begutachtet mit Fintan O'Toole die Kluft zwischen dem traditionellen und dem modernen Irland. The Quietus erinnert an das experimentelle japanische Label Vanity Records. Der Guardian fragt sich, warum die Pegel der großen Seen Kenias immer weiter steigen. Die New York Times fragt sich, wie lange der brasilianische Regenwald wirtschaftlichen und ideologischen Interessen noch standhalten kann.
Bücherschau des Tages
22.03.2022 Hellauf begeistert ist die taz von Adam Greens wilden Comic "Krieg und Paradies", bei dem es aller Fülle zum Trotz einfach nichts zu lernen gibt. Ziemlich umgehauen ist die FAZ von Witz, Energie und Verzweiflung in Gine Cornelia Pedersens Roman "Null". Von Bernd Kasparek lernt sie, wie Europa seine Außengrenze zu einem Ort des Wissens und der Kontrolle machte. Der Dlf folgt fasziniert dem Insektenforscher Dave Goulson in die Welt der Asseln, Ameisen und Wespen..
Mittwoch, 23.03.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
23.03.2022 Alexei Nawalny ist erneut verurteilt worden, diesmal zu neun Jahren Lagerhaft im "strengen Regime". Wir zitieren, was er dazu sagt. In der SZ fragt der russische Reporter Waleri Panjuschkin, wer in Russland schuld ist. Bei Zeit online beschreibt der kasachisch-russisch-belarussisch-ukrainische Autor Artur Weigandt, wie sich der Krieg auf seine Familie auswirkt. Es kann nur einen Ausgang aus diesem Krieg geben, schreibt Anne Applebaum im Atlantic, einen ukrainischen Sieg.
Efeu - Die Kulturrundschau
23.03.2022 In der Nachtkritik glaubt Alvis Hermanis nicht, dass sich Russlands Leibeigene in absehbarer Zeit gegen ihren Zaren auflehnen. Das Problem sind die Würmer, ergänzt Sergej Gerassimow in der NZZ. ZeitOnline empfiehlt Alina Horlowas Dokumentarfilm "This Rain Will Never Stop" über den Krieg in der Ostukraine. Der Guardian feiert mit Hew Locke in der Tate Britain einen exzessiven karibischen Karneval. SZ und Standard lassen sich in Wien betören von Christian Gerhahers zartem Wozzeck. Und die Jungle World lässt freudig Acht Eimer Hühnerherzen über sich ergehen.
Medienticker
23.03.2022 Viele staatliche Millionen für Corona-Medien Kampagnen - Crowdfunding gegen Putins Lügen: Wie Krautreporter ein russisches Magazin retten wollen - Zeitschriftenverleger schaffen Medienverband der freien Presse - Harald Martenstein schreibt nun für Springers Welt - Dicke Luft wg. Döpfner: Verlässt Funke jetzt den BDZV? - Kurt Kisters Plädoyer für den Einsatz von Auslandskorrespondenten - RT DE darf vorerst nicht weiter senden - Nach TV-Protest: Marina Owsjannikowa vorerst (noch) auf freiem Fuß - Poems for Piano: Amina Claudine Myers zum 80 + Buchcharts: Die aktuellen Bestseller.
Bücherschau des Tages
23.03.2022 Die FAZ erlebt mit Ulinka Rublack "Die Geburt der Mode" in der Renaissance, und sie schärft ihr Gespür für die Grenze zwischen Fakt und Fiktion mit Clemens J. Setz' "Gedankenspielen über die Wahrheit". Die FR sucht mit Riku Onda die Wahrheit hinter den "Aosawa-Morden". Die NZZ lernt von Jan Friedrich Kallmorgen und Katrin Suder "Das geopolitische Risiko" besser einzuschätzen.
Donnerstag, 24.03.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
24.03.2022 Timothy Snyder scheut sich in der Washington Post nicht, Putins Politik gegenüber der Ukraine genozidal zu nennen. In der Welt fragt die ehemalige Nato-Beraterin Stefanie Babst, ob Putin wirklich nur einen "strategischen Puffer zur Nato" herstellen will. Die taz erzählt, wie in der Ukraine jetzt schon zu russischen Kriegsverbrechen recherchiert wird. Die SZ arbeitet die Geschichte russischer Fake News auf.
Efeu - Die Kulturrundschau
24.03.2022 Die taz bewundert den Mut des Teatr.dok, das in Moskau Artur Solomonows Satire "Wie wir Josef Stalin beerdigten" aufführte. Die Zeit porträtiert das russische Metal-Punk-Duos IC3PEAK und fragt, warum Gauguin ein kolonialistischer Maler war, wie eine Ausstellung in Berlin behauptet. Ist Blackfacing auch mit Kontext unmöglich, fragt die NZZ fragt anlässlich eines Shitstorms über Ernst Kreneks Jazzoper "Jonny spielt auf" in München. Der Tagesspiegel lässt sich von der Komponistin Eliane Radigue in den Limbus zwischen den Tönen führen. Die FAZ stellt das neue Kunstmuseum in Beirut vor.
Medienticker
24.03.2022 Ohne Worte gäbe es ihn nicht: Martin Walser wird heute 95 - Wegen Papiermangel werden die Buchpreise in der nächsten Zeit explodieren" - Warum das Katapult-Magazin jetzt auch russische Journalisten einstellt - Gabor Steingart über die neue Macht der sozialen Medien - Konstantin Wecker unterstützt den Appell gegen "Hochrüstungspläne".
Bücherschau des Tages
24.03.2022 Die FAZ empfiehlt die Erzählungen Ljudmila Ulitzkajas, die auf unnachahmliche Weise vermitteln, inwieweit Literatur die Angst vor dem Sterben nehmen kann. Die SZ begibt sich mit Stewart O'Nan in ein Kaff in Connecticut und wird Zeuge einer tödlich endenden Dreiecksgeschichte. Außerdem erhält sie mit Viktor Schlowskis "Briefe nicht über Liebe" ungeahnte Einblicke ins Berlin der zwanziger Jahre. Dlf Kultur begibt sich mit Lucy Frickes "Diplomatin" an den Rand der Legalität.
Freitag, 25.03.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
25.03.2022 Inzwischen ist die Frage fast nicht mehr, was Kiew bereit ist für den Frieden zu tun, sondern zu welchen Zugeständnissen Moskau bereit ist, schreibt Lawrence Freedman in seinem Blog. Er glaubt nicht, dass die Ukraine einen Neutralitätsstatus akzeptieren sollte, Richard Herzinger auch nicht. Eine Recherche des Newlines Mag zeigt, wie intensiv Russland an der Vernetzung der extremen Rechten in Europa arbeitet. Der Soziologe Ulrich Bröckling warnt in der FR vor der "nahezu hyperaktiven Vorstellung, alles müsse sofort und unbedingt in Bewegung gesetzt werden, um dem Morden Einhalt zu gebieten".
Efeu - Die Kulturrundschau
25.03.2022 Bernard-Henri Lévy berichtet in der SZ von seinem Besuch in Odessa, wo er vom Strand aus die russischen Schiffe beobachten kann, die auf Befehle aus Moskau warten. Die NZZ bewundert die aufgeschminkten Narben der Models bei der Modeschau von Vetements in Paris. Der Standard bewundert die kleinen Sehnsüchte von Hinz und Kunz, wie sie der Fotograf Reiner Riedler festgehalten hat. Der Klassikbetrieb reagiert scheinheilig auf den Ukrainekrieg, meint das VAN-Magazin.
Medienticker
25.03.2022 Aktualisiert: Claudius Seidls kulturelle Aneignung: Haare sind heilig - Lust auf das Leben: Sänger Klaus Hoffmann im Gespräch - Glückwunsch I Michael Haneke wird 80: Der ungemütliche Moralist des Kinos - Musikentdeckungen in den Filmen von Pedro Almodóvar - Glückwunsch II : Elton John zum 75 + TV+Hörtipps für das Wochenende.
Bücherschau des Tages
25.03.2022 Die FAZ betrachtet mit dem Kunsthistoriker Peter Geimer die „Farben der Vergangenheit“ und lernt, dass das bessere Bild nicht unbedingt bessere Sicht und Verständnis bedeutet. Die FR kann sich dem Sog nicht entziehen, wenn Laszlo Krasznahorkai in der Provinz Köpfe rollen lässt. Der Dlf ficht mit Martin Walser im Traum manchen Kampf aus. Dlf Kultur schwingt sich mit Hannah Ross aufs Rad und reist durch die Geschichte weiblicher Selbstermächtigung. Und die SZ empfiehlt Sachbücher für Kinder und Jugendliche: Unter anderem erfährt sie, wie viel Regenwald in Nuss-Nougat-Creme steckt.
Samstag, 26.03.2022
Efeu - Die Kulturrundschau
26.03.2022 Putin wird schrecklich enden, sagt DAU-Regisseur Ilja Chrschanowski im Standard und wirft dem Westen vor, dem Diktator zu lange schön die Hand geschüttelt zu haben. In der taz erzählt die russische Comic-Künstlerin Victoria Lomasko, wie sie in einem "abgeriegelten faschistischen" Land aufwachte. FAZ und Tagesspiegel berichten von Mobbing und "rüpelhaften Beleidigungen" hinter den Kulissen des PEN-Präsidiums. Die SZ bringt einen künstlerischen Nachruf zu Lebzeiten auf Anna Netrebko. Und die WamS blickt in Berlin mit Polynesier:innen des dritten Geschlechts auf die indigenen Gender-Lebenswelten von Paul Gauguin.
9punkt - Die Debattenrundschau
26.03.2022 In der NZZ beschreibt Michail Schischkin die Rekrutenschinderei, die in Russland eine Armee der Sklaven hervorgebracht habe. Die frühere CNN-Korrespondentin Eileen O'Connor betont in der NY Times, dass sich Putin nicht für Geld interessiert, sondern nur für Macht. In der SZ erinnert Sofi Oksanen daran, dass Russland schon immer den Patriotismus anderer Länder als faschistisch denunziert hat. Und in der FAZ weiß Abbas Khider, warum arabische Despoten lieber auf Putin als auf den Westen setzten.
Bücherschau des Tages
26.03.2022 Hellauf begeistert ist die FAZ von Alain Damasios dystopischen Aktivistenroman "Die Flüchtigen". Empfehlen kann sie auch Olivette Oteles Geschichte "Afrikanische Europäer". Die FR lässts ich mitreißen von der Wucht, mit der Nino Haratischwili vom postsowjetischen Kriegsgrauen in Georgien erzählt. Sehr prägnant findet die taz Shulamit Volkovs Buch "Deutschland aus jüdischer Sicht", dem höchstens ein Kapitel über die DDR fehlt. Unanständig gute Laune macht ihr außerdem Mareike Fallwickls Roman "Die Wut, die bleibt" über weibliche Selbstaufopferung.
Montag, 28.03.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
28.03.2022 Anne Applebaum malt sich im Gespräch mit Yascha Mounk aus, wie ein Frieden für eine siegreiche Ukraine aussehen könnte. "Man kann tatsächlich nirgendwo alternative Informationen herbekommen", sagt die russische Fernsehjournalistin Marina Owsjannikowa im Gespräch mit der Welt. Zumindest ein Land ist gut auf den Krieg vorbereitet, berichtet die Financial Times: Finnland. Die FAZ beleuchtet Emmanuel Macrons lange Zeit romantisches Putin-Bild. Und die FAS erzählt, was Christian Lindner dem ukrainischen Botschafter Andrij Melnyk sagte.
Efeu - Die Kulturrundschau
28.03.2022 Will Smith lässt mit einer Ohrfeige für den Moderator die Oscar-Nacht entgleisen, bei der vor allem die Streaming-Dienste Trophäen einheimsen. Im Kuntsmuseum Den Haag erlebt die FAZ verstört die aufklärerischen Obsessionen von Boris Lurie und Wolf Vostell. Das Van-Magazin weiß, wie Wladimir Putin Valery Gergievs Treue zu belohnen beabsichtigt. In der Zeit erschrickt Lukas Bärfuss über die Entwertung der Sprache durch den Krieg.
Medienticker
28.03.2022 Werbeplakat-Verbot: Zum Lassnig-Bild & das Kunstverständnis Deutschen Bahn in Bonn - Jenseits der Stille: Die besten Filme über Gehörlose - Hryhorij Skovoroda: Mit dem Wanderphilosophen & ukrainischen Sokrates zur Selbsterkenntnis - Der Repräsentative: Frieder Reininghaus über Wolfgang Rihm.
Bücherschau des Tages
28.03.2022 Die FAZ erhascht mit Beatrice Alemagna den "kleinen großen Augenblick", in dem sich das flüchtige Glück zeigt. Mit Kenji Miyazawa reist sie intergalaktisch für eine Nacht in der Milchstraßenbahn. Die FR folgt den Sehnsuchtslinien von Judith Zanders plattdeutscher Minnelyrik "im ländchen sommer im winter zur see". Die SZ wappnet sich mti aktuellen Neuerscheinungen für Zeitenbruch, Future War und die neue Weltordnung.
Dienstag, 29.03.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
29.03.2022 Nun stellt mit der Nowaja Gaseta das letzte unabhängige Medium in Russland sein Erscheinen ein - und verabschiedet sich mit einem nüchternen Tweet. Im FAZ-Interview bekennt Catherine Belton, Autorin von "Putins Netz", dass sie niemals mit diesem Krieg gerechnet hätte. Der "globale Süden" denkt anders über Russland als der Westen, notiert Zeit online - die Abhängigkeiten von Russland sind groß. Die SZ porträtiert den Talkshow-Moderator Tucker Carlson, der sich bei Fox News für Putin engagiert.
Efeu - Die Kulturrundschau
29.03.2022 In der NZZ folgt Sergej Gerassimow den Flugbahnen der russischen Smertsch-Raketen. Die NZZ vernimmt auch das Seufzen einer geschundenen Volksseele in Emma Dantes "Sizilianischer Vesper" in Palermo. Die FR bewunddert die zarten Linien in Jochen Lempertz' Fotografie. Und die Katerstimmung nach der Oscar-Verleihung rührt nicht nur vor der missglückten Gala, räumen die FilmkritikerInnen ein, sondern auch von den schlechten Filmen.
Magazinrundschau
29.03.2022 Die New York Times fragt, wie Putin möglich wurde und zitiert peinliche deutsche Diplomaten. Zensoren sind nicht einfach böse, schreibt Ariel Dorfman in der LRB - das Verhältnis von Zensierten und Zensierenden ist wesentlich komplizierter. In Cesky rozhlas erzählt die tschechische Autorin ukrainischer Herkunft Marie Iljaschenko, wie sich der Krieg aus Ferne für sie anfühlt. Für La Règle du Jeu interviewt Bill Clinton Bernard-Henri Lévy.
Bücherschau des Tages
29.03.2022 Die FAZ feiert Monica Alis Roman "Liebesheirat", der sie mit Witz, Empathie und Weltkenntnis besticht. Von György Dalos lernt sie das System Orbán zu durchschauen, und auch Eberhard Seidels türkisch-deutsche Kulturgeschichte des "Döner" weiß sie zu goutieren. Die taz lässt sich von Gregor Ritschel zu weniger Arbeit animieren. Der Dlf huldigt mit Norbert Hummelts "1922" der literarischen Moderne. Und der DlfKultur empfiehlt nachdrücklich Lucy Delaps globale Geschichte des Feminismus.
Mittwoch, 30.03.2022
Efeu - Die Kulturrundschau
30.03.2022 Ingo Schulze beharrt in der SZ auf Uneindeutigkeit auch beim Krieg gegen die Ukraine. Die Festivalleiterin Ekaterina Degot fordert ebenfalls in der SZ die Wiederbelebung des Kurzwellenradios gegen Russlands messianische Propaganda. Der Tagesspiegel beobachtet die wohlgenährten Geier von Lima, die sich nicht einmal von 170 Kilo Schlachtabfällen anlocken lassen. Die FAZ feiert Audrey Diwans Wahrheitskino. Die NZZ sieht schwarz für die bunte Welt des Plastik. Und die taz bewundert die Bombastlosigkeit in der Nibelungen-Version des Jazzdrummer Max Andrzejewski.
9punkt - Die Debattenrundschau
30.03.2022 Die Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland machen Hoffnung, aber was ist, wenn Putins Rückzug aus der Region von Kiew nur Kalkül ist, fragt Bret Stephens in der New York Times. Die New York Times erinnert auch an die extrem brutale Kriegsführung Putins in Tschetschenien. In der taz erklärt eine belarussische Autorin, warum die belarussische Opposition auf Wolodimir Selenski sauer ist. In der Welt betrachtet Thomas Schmid ein Foto, das Sergej Lawrow und Frank-Walter Steinmeier in inniger Nähe zeigt.
Bücherschau des Tages
30.03.2022 Die FAZ blickt mit Slata Roschal auf "153 Formen des Nichtseins" im Leben einer jüdischen Russlanddeutschen und entdeckt den Dostojewski der Gegenwart. Von Fatma Aydemirs grandiosem Roman "Dschinns" lässt sie sich gern mit Judith Butler traktieren. Die FR empfiehlt die Neufassung der Litten-Biografie von Knut Bergbauer, Sabine Fröhlich und Stefanie Schüler-Springorum. Dlf Kultur amüsiert sich prächtig mit Fran Lebowitz' Kolumnen über Rauchen, Reisen, Fitness und Friseurbesuche. Und der Dlf sieht staunend zu, wenn Tanguy Viel in der bretonischen Provinz "emotionale Sprengsätze" zündet.
Donnerstag, 31.03.2022
Efeu - Die Kulturrundschau
31.03.2022 Die Diva bricht ihr Schweigen: Anna Netrebko sagt sich von Putin los, berichtet unter anderem der Tagesspiegel. Die Zeit verkriecht sich in Düsseldorf mit der brasilianischen Künstlerin Lygia Pape unter einer Leinwand. Monopol erfährt von dem niederländischen Künstler Renzo Martens, wie aus der Armut im Kongo Kapital im Westen generiert wird. In der taz erzählen die Punks der russischen Band Pornofilmy, was ausreicht, um auf der Liste unerwünschter Künstler zu landen. Und die Filmkritiker liegen dem finnischen Regisseur Juho Kuosmanen zu Füßen, der in "Abteil Nr. 6" von der Hoffnung erzählt, dass ein Eiserner Vorhang nie wieder errichtet werden würde.
9punkt - Die Debattenrundschau
31.03.2022 Deutscher Friedenskitsch verwischt die Unterschiede zwischen Angreifern und Opfern der Aggression, schreibt der ukrainische Philosoph Kyrylo Tkachenko in der FAZ. Faschismus wird möglich, wenn die Gesellschaft die Fehler der Vergangenheit nicht als solche anerkennt, schreibt die russische Autorin Irina Rastorgueva ebendort. Im Standard spricht Herta Müller über osteuropäische Identitäten. Maria Pevchikh erzählt bei Twitter, wer Roman Abramowitsch ist, und warum Putin ihn so gerne hat. Außerdem: In der SZ macht sich Peter Nadas wenig Hoffnungen auf einen Sieg der Opposition in Ungarn.
Medienticker
31.03.2022
.. der komplette Teaser kommt erst ab 14.,00 Uh
9punkt - Die Debattenrundschau
31.03.2022 ... mit neuer Technik ...
ab 14.00 Uhr komplett ...
- Der Medien - Ticker
Bücherschau des Tages
31.03.2022 Die FAZ staunt, wie kenntnisreich Marente de Moor die Lebensgewohnheiten in der russischen Provinz vor dem Hintergrund der zerfallenden Sowjetunion schildert. Mitreißen lässt sie sich auch von Wucht und Drastik in Oskar Loerkes "Oger". Die SZ birgt einen Schatz der postkolonialen Literatur mit Jacques Stephan Alexis' Romanfragment "Der Stern Wermut". Die Zeit behauptet sich mit den Oxforder Philosophinnen Elizabeth Anscombe, Iris Murdoch, Philippa Foot und Mary Midgley in der von Männern dominierten akademischen Welt der Fünfziger. Dlf lässt sich von Gerbrand Bakker im "Niemandsland" der Depression trösten.