Montag, 01.08.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
01.08.2022 Die taz geht dem Tod von 57 ukrainischen Kriegsgefangen in der Haftanstalt Oleniwka nach. Kriegsverbrechen wie die Verbreitung eines Videos, das die Kastration eines Kriegsgefangenen zeigt, erleben die Ukrainer laut taz als Teil der russischen Kriegsführung. Aber es gibt Anzeichen für eine Schwächung Putins, hofft Timothy Snyder in der NZZ. In der Welt schildert Thomas Schmid die destruktive Politik Viktor Orbans mit der ungarischen Minderheit in Rumänien. Der Guardian fragt, ob die Sprengung von Rasenflächen zu unterlassen sei.
Efeu - Die Kulturrundschau
01.08.2022 In Salzburg feiert die litauische Sopranistin Asmik Grigorian in gleich drei Puccini-Hauptrollen Triumphe. Die Kritiker sind hin und weg, nur manchmal fehlen ihr die timbralen Rundungen, bemerkt die FAZ. Critic.de sah italienisches Genrekino auf den schönsten Kopien beim Frankfurter Filmfestival Terza Visione. Die SZ hört Jazz aus fernen Zeitgalaxien des Duos DOMi & JD Beck. Der Standard kippt ein Gläschen Blut und verzehrt Paprikahendl mit Marillenknödeln vor Innereien beim Orgien Mysterien Spiel von Hermann Nitsch. Die FR feiert das It-Girl der Siebziger und Achtziger in Berlin, Tabea Blumenschein.
Medienticker
01.08.2022 Die Zukunft der Buchwissenschaft ist in Leipzig unsicher - Die Waffe der Sprache: Über Simoné Goldschmidt-Lechners Roman "Messer, Zungen" - Aussicht auf ein anderes Morgen: Über die Einbrüche des Neuen in der modernen Kunst - Versteht mein Computer, was er tut? John Searle zum Neunzigsten + Zum tragischen Unfalltod des syrischen Schriftstellers Jad Turjman: Interview mit Claudia Romeder vom Salzburger Residenz Verlag.
Bücherschau des Tages
01.08.2022 Was kann man heute noch mit den "Freak Brothers" anfangen, Gilbert Sheltons Klassiker des Underground-Comics aus der 68er Zeit, fragt die Welt. Ach, dies und das durchaus, findet sie. Die SZ staunt über Henry Kissingers Porträt-Samlung "Staatskunst", in der dieser über seine Staatskunst staunt. Der Dlf begibt sich ganz nah heran an Durs Grünbeins "Äquidistanz". Und die FAZ bespricht neue Krimis.
Dienstag, 02.08.2022
Magazinrundschau
02.08.2022 In der LA Times fragt Mike Davis: Warum beherrscht die Rechte die Straße, nicht die Linke? Vielleicht kündigt bald das Knistern von Papier das Herannahen eines Autos an, überlegt der New Yorker. Wired sieht einen neuen Goldrush - oder eher CO2-Rush am Golf von Mexiko. Quillette erzählt die Geschichte der Knast-Soulband Upheaval. In Qantara sieht Hazem Saghieh schwarz für die Zukunft der arabischen Welt, die an ihrem Sektierertum erstickt. In Harper's versucht sich Marilynne Robinson an einer Ehrenrettung der Puritaner. In der London Review of Books findet John Lanchester eine Erklärung für die zwei größten Betrugsskandale der deutschen Wirtschaft: Selbstgefälligkeit.
9punkt - Die Debattenrundschau
02.08.2022 Man kann Putins Krieg gegen die Ukraine sehr wohl als genozidal bezeichnen, sagt der Gewaltforscher Wolfgang Sofsky in der NZZ. Wer auf einen Abnutzungskrieg setzt, gefährdet nicht nur die Ukraine, sondern Europa insgesamt, schreibt Richard Herzinger. Felwine Sarr rät Europa zu schweigen. Würde er das auch im Blick auf China und Rusland raten, fragt Harry Nutt in der FR. Nach einem Vorstoß für einen Israelboykott der Mélenchonisten in der Assemblée nationale erzählt Bernard-Henri Lévy in La Règle du Jeu die Geschichte des linken Antisemitismus in Frankreich.
Efeu - Die Kulturrundschau
02.08.2022 In Bayreuth wurde Wagners "Rheingold" in der Regie von Valentin Schwarz ausgebuht und beklatscht: Die nmz fand's spannend, die FAZ verwirrend, die SZ feministisch. Bei Zeit online denkt die Kunstwissenschaftlerin Annekathrin Kohout über den Einfluss Instagrams auf die Kunst nach. Die taz sagt Nichelle - Lieutenant Nyota Uhura - Nicols leise Adieu. Teodor Currentzis hat ein internationales Orchester namens "Utopia" gegründet. Gut, wenn er damit seine russischen Finanziers los wird, meint die Welt.
Medienticker
02.08.2022 Bertelsmann lässt die Geschichte des "Stern" aufarbeiten - RBB-Intendantin Patricia Schlesinger gerät immer stärker unter Beschuss - Interview mit Documenta-Geschäftsführer Farenholtz- Sprachwissenschaft: Scharfe Kritik am Gendern bei ARD & ZDF - Urteile basieren immer öfter auf Wiki-Artikeln - "Die karierten Mädchen": Alexa Henning von Lange über ihr neues Buch + Den Klängen auf der Spur: Berliner Künstlerkollektiv "Selbstgebaute Musik.
Bücherschau des Tages
02.08.2022 FAZ und SZ lauschen mit gemischten Gefühlen, wenn Isabel Allende eine Hundertjährige aus ihrem Leben erzählen lässt: Immerhin ist seit dem „Geisterhaus“ eine Entwicklung spürbar, bemerkt die SZ. Die FAZ erkennt außerdem die Parallelen zur Gegenwart in Reiner Pommerins Band über die Kubakrise von 1962. Als „literarisches Kleinod“ würdigt die SZ Sigrid Nunez’ Roman „Eine Feder auf dem Atem Gottes“. Als „zeitloses Meisterwerk“ feiert der Dlf indes Jordan Raditschkows wiederentdeckten Roman „Die Schleuder“. Die taz lässt sich von Timo Hoyers Leidenschaft für den Musiker Anthony Braxton anstecken. Und der Dlf Kultur lernt von Simone Goldschmidt-Lechner, dass die Zunge ein Messer sein kann.
Mittwoch, 03.08.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
03.08.2022 Die FAZ fragt nach der Rolle Dmitri Medwedews im putinistischen Propaganda-Apparat. Es ist zwingend notwendig, Taiwan im Rahmen der Ein-China-Politik gegen Chinas Drohungen zu verteidigen, sagt die SZ aus Anlass des Nancy-Pelosi-Besuchs in Taipeh. Wenn man sich über antisemitischen Karikaturen bei der documenta empört, warum hat man dann seinerzeit die Mohammed-Karikaturen verteidigt, beschwert sich Jürgen Zimmerer in der Berliner Zeitung. Polizei und Politik haben den Fanatismus der Querdenkerszene verkannt, konstatiert hpd.de nach dem Suizid der Ärztin Lisa-Maria Kellermayr.
Efeu - Die Kulturrundschau
03.08.2022 Die FAZ bestaunt in einer Berliner Ausstellung das fantastisch düstere Comic-Tokio des Manga-Künstler Katsuhiro Ōtomo. Verweigerung kann heilsam sein, aber sie braucht ein Gegengift, das der Tagesspiegel in der Bayreuther "Walküre" vermisst. Musikalisch war die Sache aber tiptop, lobt die taz. Im Interview mit dem Standard warnt Yana Ross: Vorsicht vor Stiftungen mit Sitz im Schweizerischen Zug. Auf Zeit online macht Lilian Peter kurzen Prozess mit dem patriarchalen Schreiben. Die taz zieht den Bauch ein und probiert in der Münchner Pinakothek einen "Go FlyEase"-Schuh.
Medienticker
03.08.2022 BoD startet Online-Schreibplattform - Immer weniger Buchverlage: Verlags-Kartellverfahren in Washington - Kissingers Dinner for One: Lothar Struck über Henry Kissinger: "Weltordnung / Staatskunst" - Geschlechtsneutrale Formulierung - Digitaler Burnout: Zu viel Krawall, neue Algorithmen, überall Krisen & Meta will Algorithmus ändern: Facebook und Instagram vor großen Veränderungen + Interview mit Andrej Kurkov über "Samson und Nadjeschda"
Bücherschau des Tages
03.08.2022 Wer sich fragt, was Antisemitismus denn nun sei, dem empfiehlt die FAZ die Essays von Sander L. Gilman über die historischen Muster des Judenhasses. Die SZ lernt mit Vincent Augusts Dissertation "Technologisches Regieren", wie komplex unsere Gesellschaft heute ist. Der Dlf liest zwei sich ergänzende Bücher zum palästinensischen Terroranschlag auf die israelische Olympiamannschaft in München 1972. Dlf Kultur probt mit Charly Delwart ein "Leben in Zahlen" und lernt aus Helena Janeczeks dokumentarischem Roman "Die Schwalben von Montecassino", dass dort - neben Amerikanern, Briten und Franzosen - auch Polen, Maori und Inder gegen die Deutschen kämpften.
Donnerstag, 04.08.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
04.08.2022 Nancy Pelosis Besuch in Taiwan hat zu gravierenden chinesischen Sanktionen geführt, berichtet die SZ: Man verzichtet dort jetzt auf taiwanesische Zitronen und zwei Fischsorten. In der taz erinnert Ronya Othmann an den Genozid an den Jesiden vor acht Jahren. Die Zeit erzählt, wie der Verschwörungstheoretiker Ken Jebsen vermarktet wird und wer sich noch alles in seinen Agenturen tummelt. Und die Katholische Kirche sichert sich laut FAZ hundert vom Staat bezahlte Stellen in Hamburg - um ihres Bekenntnisses willen!
Efeu - Die Kulturrundschau
04.08.2022 Die NZZ erzählt, wie Vitra und Sanaa Architekten das Umbrella House des japanischen Architekten Kazuo Shinohara retteten. Die Presse lernt von Dóra Maurer, wie man in der ungarischen Kunst Geometrie versteht. In Bayreuth feiert die Welt Würde, Fülle, Kraft und Glanz des Wagnerschen "Siegfrieds". Die SZ recherchiert, wie das Harry Ransom Center in Texas mit aberwitzigen Geldbeträgen literarische Nachlässe aufkauft. Die FAZ erholt sich von zeitgeistigen Aufregungen beim Festival für Barockmusik im estnischen Haapsalu.
Medienticker
04.08.2022 Christoph Brumme im Gespräch: Vom Alltag im ukrainischen Kriegsgebiet - Blutbuch: Gespräch mit Kim de l'Horizon - Branchen-Monitor: Keine Erholung am Buchmarkt - Sommer-Klassiker: Brigitte Reimanns "Franziska Linkerhand" - Isabel Allende wird 80 - Verfassungsentwurf in Chile ist ein Bestseller - Umsatzzahlen: Wachstum auf dem Papier: Flaute im Alltag - Stephen King gegen Bertelsmann: Fusion Simon & Schuster und Random House - Documenta-Theater & Die infantile Gesellschaft: Werdet endlich erwachsen! + Culture Clash: Die Stones 1965 & gestern in der Berliner Waldbühne ...
Bücherschau des Tages
04.08.2022 Die FAZ träumt mit Ralf Schlatters "43'586" von Friedhofskatzen, der Liebe, dem Tod oder einem Orchester im Zugabteil. Die NZZ ist mit Patrick Modianos Erinnungen "Unterwegs nach Chevreuse". Die SZ sympathisiert aufs schärfste mit den Selbstfindungseskapaden einer Mittvierzigerin in Verena Roßbachers "Mon Chéri und unsere demolierten Seelen". Die taz feiert mit Leonhard Hieronymis "Trance" Amok, Drogen und den Sound of Frankfurt Ende der Neunziger. Dlf Kultur begibt sich mit Negar Djavadi in die Arena Paris.
Freitag, 05.08.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
05.08.2022 Amnesty kritisiert die ukrainische Kriegsführung, die taz kritisiert Amnesty. Der Zweck des Krieges ist der Krieg, plötzlich scheint für die Russen alles wieder Sinn zu geben, beobachtet der russische Essayist Sergej Medwedew in deskrussie.fr. Die Fragen: Wie konnten wir so naiv sein? Und wie konnten wir in eine solche Abhängigkeit geraten? muss sich Deutschland nicht nur in Bezug auf Russland stellen, fürchtet die SZ.
Efeu - Die Kulturrundschau
05.08.2022 Die FAZ liefert Hintergründe zum Prozess gegen die Schriftstellerin Tsitsi Dangarembga in Simbabwe. Der Tagesspiegel vermisst Psychologie in Bayreuth, die SZ hört lieber den Mythos in der Musik als echte Menschen zu sehen. Die FR freut sich auf die Douglas-Sirk-Retro in Locarno. Die NZZ ist genervt von der internationalen Sprachpolizei, die jetzt Beyoncé und Lizzo zur Änderung von Texten zwang. Zeit online findet das demokratisch: Via Social Media kommunizierten Fans und Stars jetzt fast auf Augenhöhe. Warum einige kubanische Künstler Angst haben, nach Kassel zu fahren, erklärt die Welt.
Medienticker
05.08.2022 Aktualisiert: RBB-Intendantin Patricia Schlesinger tritt als ARD-Vorsitzende zurück - Geschlossene Gesellschaft: Rundfunkräte schließen große Teile der Gesellschaft aus - Google Fail: Blindes Vertrauen in die Suchmaschine kann kostspielig werden - Bürokratie: Warum es in Deutschland nicht vorangeht - Siegfried in Bayreuth: Kasperletheater mit Rumpelkammerrüpel - Warum nun bald auch in Bayern Abitur ohne "Faust" möglich ist - Ewig Sommer: Franziska Gänslers Klima-Dystopie über ein Hotel im Waldbrand-Krisengebiet + TV+Hörtipps fürs Wochenende.
Bücherschau des Tages
05.08.2022 Andrej Kurkows Roman "Samson und Nadjeschda" handelt von der Einnahme Kiews durch die Bolschewiki im Frühjahr 1919. Durch die Ereignisse ist er für Dlf Kultur unversehens zum aktuellen Text geworden. Für die FAZ bespricht der Historiker Stephan Malinowski Gottfried Paasches Monografie über "Hammersteins Töchter", die Geschichte einer Adelsfamilie in der Nazizeit. Die SZ bewundert allerspäteste Vignetten von Claudio Magris: "Gekrümmte Zeit in Krems".
Samstag, 06.08.2022
Efeu - Die Kulturrundschau
06.08.2022 Die Kritiker senden erste Eindrücke vom letzten Teil des Rings in Bayreuth: Ein ganzes "Buh-Gewitter von erschreckend unflätigem Furor", erlebt der Tagesspiegel, Mutlosigkeit kann man Valentin Schwarz immerhin nicht vorwerfen, beschwichtigt der Standard und glaubt: Die Inszenierung wird noch Kult! Auf ZeitOnline erlebt Annett Gröschner im litauischen Kaunas eine Stadt zwischen Solidarität und Angst. Die WamS lernt von "Nope"-Regisseur Jordan Peele, dass die historischen Cowboys zum beträchtlichen Teil Schwarze waren. Und die Berliner Zeitung hört verwundert zu, wenn Burda-Erbin Elisabeth Furtwängler ihre Befindlichkeiten rappt.
9punkt - Die Debattenrundschau
06.08.2022 Die Ukraine hat einen langen Krieg vor sich. Wenn der Westen sie weiter unterstützen will, muss er seiner Bevölkerung erklären, was der Preis dafür ist, fordert im Guardian Timothy Garton Ash. Wenn Russland gewinnt, wird die ukrainische Intelligenz als erstes dran glauben müssen, meint Martin Pollack in der FR. In der taz erinnert die Literaturwissenschaftlerin Sigrid Weigel daran, dass die Kulturwissenschaften mal entwickelt wurden, um Differenzen zu denken. Die Islamische Republik Iran ist gescheitert, diagnostiziert der Schriftsteller Amir Hassan Cheheltan in der NZZ. Und: In seiner Bar ist die Abstinenzbewegung noch nicht angekommen", versichert Klaus St. Rainer, Chef von Münchens Goldener Bar in der NZZ.
Bücherschau des Tages
06.08.2022 Für ein technisches Meisterwerk hält die SZ Hernan Diaz’ Geschichte eines Wall-Steet-Milliardärs, aber ein wenig Herzenswärme hätte sie sich gewünscht. Auch die Welt lobt vor allem Diaz’ perfekte Sprache. Die FAZ schöpft dank Mojib Latif Hoffnung, dass wir den Klimawandel doch noch in den Griff bekommen. Die taz begräbt mit Christian Barons ungleichen Helden Aufstiegsträume im Kaiserslautern der Siebziger. Der Dlf Kultur empfängt mit Dirk von Petersdorff „Gewittergäste“ in Brandenburg. Außerdem empfiehlt er zwei Bücher über die Zukunft der Arbeit.
Montag, 08.08.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
08.08.2022 Über Cherson hängt der Gestank fahrbarer Krematorien, berichtet David Patrikarakos in der Daily Mail. Jeremy Cliffe warnt im New Statesman, die Krise des deutschen Wiirtschaftsmodells zu übertreiben. In der FAZ warnen Historiker vor einem ethnisch-national geprägten Blick auf Russland. Die RBB-Intendantin Patricia Schlesinger tritt mit einem wehmütigen Blick auf das schöne Parkett ihres frisch renovierten Büros zurück. Und sie hat den Sendern gewaltig geschadet, fürchtet der Tagesspiegel.
Efeu - Die Kulturrundschau
08.08.2022 Der Bayreuther "Ring" ist durch. Der Presse geht es den Umständen entsprechend widerprüchlich. Zwanzig Minuten Buhorkan stoppte die SZ nach der "Götterdämmerung". Die FAZ spricht gar von einer Hinrichtung. "Egal - in vier Jahren klatschen sie alle", verspricht die Welt, die als einzige Zeitung die "große Kraft" dieser Inszenierung lobt. Die taz bewundert die Totenköpfe der Hamburger Künstlerin Magda Krawcewicz. Das Gedicht hat den Krieg kommen sehen, ist sich der ungarische Lyriker Gábor Schein bei Zeit online sicher.
Medienticker
08.08.2022 Ende einer Dienstwagenfahrt: Patricia Schlesinger tritt auch als RBB-Intendantin zurück - Bayreuther Festspiele: Ein Stinkefinger fürs um Deutung bemühte Publikum - "Jedermann" in Salzburg: Braucht es als nächstes eine "Jederfrau"? - Pressefreiheit gefordert: Künstler unterstützen Assange + Ausstellungsbericht zu Conrad Schnitzler, der Mann mit dem Soundhelm.
Bücherschau des Tages
08.08.2022 Die FR rast mit Hanna Bervoets durch eine toxische Arbeitswelt. Die SZ erfährt von den polnischen Historikern Andrzej Friszke und Antoni Dudek, wie die polnische Gesellschaft das wurde, was sie ist. Der Dlf Kultur lernt mit dem Erfahrungsbericht des Journalisten Matthieu Aikins, was es heißt, auf der Flucht zu sein. Die taz feiert den Band „Eine Stadt wird bunt“ über die Entwicklung von Graffiti in Hamburg zwischen 1980 und 1999. Und der Dlf liest Ralf Rothmanns beklemmend-zarten Roman „Die Nacht unterm Schnee“.
Dienstag, 09.08.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
09.08.2022 Die Kriegsopfer gehen inzwischen in die Tausende, alle ukrainischen Gesellschaftsschichten sind betroffen, berichtet die FAZ. Viel Kritik gibt es am Amnesty-Bericht über die ukrainische Kriegsführung. "Den Hintergrund des postkolonialen Antisemitismus der Gegenwart bildet die Nichtaufarbeitung des internationalen linken Antisemitismus der 1970er und 1980er Jahre", schreibt Samuel Salzborn in der FR. Die Organisation "Terre des Femmes" zieht ein kritisches Papier zu Transgender zurück, um weiterarbeiten zu können.
Efeu - Die Kulturrundschau
09.08.2022 Aktualisiert: Emine Sevgi Özdamar bekommt in diesem Jahr den Büchner-Preis! Der Tagesspiegel bestaunt in der Fondation Cartier Werke der australischen Künstlerin Sally Gabori, die erst mit 81 Jahren zu malen anfing. Die Musikkritiker sind hin und weg von Barrie Koskys Salzburger Inszenierung von Leoš Janáčeks "Katja Kabanova": So geht Minimalismus, mit fabelhafter Personenführung! In der FAZ beklagt der ostukrainische Schriftsteller Wolodymyr Rafejenko, was der Krieg seiner Sprache angetan hat: Die russische Sprache an sich wurde obszön. Wie Rap-Texte zu Beweismitteln werden können gegen kriminelle Gangs, erklärt Zeit online.
Magazinrundschau
09.08.2022 The Verge erklärt, was der Krieg gegen Drogen mit dem Krieg gegen Flüchtlinge gemeinsam hat. Eurozine folgt dem Gedenkpfad Schumanns Eck, der durch die Wälder der Ardennenschlacht führt. Hakai fürchtet in Zeiten des Klimawandels eine Naturschutztriage. In Elet es Irodalom macht der Dichter Zoltán Csehy Fingerübungen. New Lines erzählt die Geschichte des Islamischen Staats in Afghanistan. Der Filmdienst erzählt die Geschichte der deutschen Filmförderung.
Medienticker
09.08.2022 Georg-Büchner-Preis 2022 für Emine Sevgi Özdamar - ARD sortiert sich nach Schlesingers Rücktritt neu - Fern-Diagnose & der Jargon der Eigentlichkeit: Die Wunde der documenta fifteen - Besuch bei Paulus Hochgatterer: Der Krieg in uns - Take Five and more: Neues vom Cool Jazz.
Bücherschau des Tages
09.08.2022 Als "lachphilosophisches Untergangsepos" liest die FAZ Thomas Hürlimanns neuen Roman „Der rote Diamant“. Außerdem empfiehlt sie den von Jan Eckel und Daniel Stahl herausgegebenen Band zur Entwicklung der Menschenrechte. Die FR fragt mit dem Historiker Julius H. Schoeps: Wem gehört Picassos Madame Soler? Die taz verirrt sich mit Jennifer Daniel in höchste Bonner Kreise. Und der Dlf erfährt von Waslat Hasrat-Nazimi, was die Frauen in Afghanistan hinter und vor sich haben.
Mittwoch, 10.08.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
10.08.2022 In der NZZ erklärt die Slawistin Annette Werberger, warum die postkoloniale Rhetorik für Wladimir Putin so praktisch ist. In commonsense.news fragt Avital Chizhik-Goldschmidt, warum Putin jahrelang sein Image als oberster Philosemit pflegte und jetzt nicht mehr. In der taz annonciert der Moskauer Soziologe Greg Judin einen Bürgerkrieg in Russland. Ebenfalls in der taz fragt die Medienkolumnistin Silke Burmester zur Affäre um die RBB-Intendantin Patricia Schlesinger nicht: Was ist da Los? Sondern: Wem nützt es? Und nochmal in der taz beklagt sich Ilija Trojanow bitter über die Kritik am Emma-Brief .
Efeu - Die Kulturrundschau
10.08.2022 Die Feuilletons jubeln: Der Büchner-Preis geht an Emine Sevgi Özdamar, "eine der magischsten, poetischsten und üppigst schreibenden Frauen der deutschen Literaturgegenwart", wie der Freitag schreibt. Die SZ prüft genau, wer zur Kontextualisierung der antisemtischen Werke auf der Documenta berufen wurde, die Welt schaut indes schon, was bereits kontexualisiert wurde. Die NZZ gönnt sich ein wenig "erlesene Weltflucht" auf britischen Landsitzen. Die FAZ findet das Haus der Zukunft ausgerechnet auf der Berliner Kurfürstenstraße. Und alle trauern um Olivia Newton-John und Issey Miyake.
Medienticker
10.08.2022 Kunst & Antisemitismus: Was die Auslands-Presse über die Kassler Documenta denkt - Gespräch mit Vladimir Sorokin über die russische Intelligenzija einst und heute - Verlage erhöhen Preise: Bücher werden teurer - Linke Literatur retten: Manifest Verlag startet Crowdfunding-Kampagne + Aktuelle Bestenlisten + Buchhandlungs-Empfehlungen.
Bücherschau des Tages
10.08.2022 Die FAZ staunt, wie James Baldwin in seinen Essays Persönliches zu etwas Exemplarischem verdichtet. In Gerhard Wiechmanns Studie über Nazi-UFOs erfährt sie, wie langlebig Verschwörungstheorien sind. Die SZ macht sich mit Marica Bodrozic auf und folgt Walter Benjamins Spuren über die Pyrenäen. Die NZZ hält der nigerianischen Gesellschaft mit Wole Soyinka den satirischen Spiegel vor. Und Dlf Kultur hinterfragt mit Sharon Dodua Otoo und „Herrn Gröttrup“ sprachliche Konventionen.
Donnerstag, 11.08.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
11.08.2022 "Die russische Elite hat sich für den totalitären Nationalismus entschieden, weil ihr Wirtschaftsmodell dem Untergang geweiht ist", schreibt der britische Journalist Paul Mason in der FR. Die taz wirft Masih Alinejad vor, ein weißer Mann zu sein. Die "Transformationsforscherin" Maja Göpel, Autorin des Bestsellers "Unsere Welt neu denken", ist nur teilweise Autorin dieses Bestsellers, stellt die Zeit fest. Das Van Magazin berichtet über das segensreiche Wirken des SPD-Kulturpolitikers Johannes Kahrs. Und die FAZ thematisiert die parteinahen Stiftungen, die ein Segen für die Demokratie sind, aber nicht für alle Parteien.
Efeu - Die Kulturrundschau
11.08.2022 Europäisches Kino in bester Form - nicht fürs Tablet geeignet, aber die Ambivalenzen des Fortschritts aufspießend, sehen die Filmkritiker mit Carla Simóns Drama "Alcarràs" über spanische Pfirsichbauern. Die FAZ feiert den Perlmuttschimmer von Elisabeth Teiges Sopran. Die NZZ begutachtet das Learn Center von Sou Fujimoto an der Hochschule St. Gallen. Die Musikkritiker trauern um den begnadeten Songschreiber Lamont Dozier. The Nation besucht eine ängstliche Philip-Guston-Ausstellung in Boston.
Medienticker
11.08.2022 Buchwissenschaft: Leipzig liest kein Buch - Gespräch mit Helmut Krausser über seinen Magier-Roman - "Wann das mit Jeanne begann" - Silke Backsen: Klimaschutzklägerin von Pellworm - Kirsten Boie über die Königin des Abenteuerromans: Enid Blyton, die heute vor 125 Jahren geboren wurde - Pionier der deutschen Jazzpublizistik: Zum 100. Geburtstag von Joachim-Ernst Berendt.
Bücherschau des Tages
11.08.2022 Die FAZ bedauert, dass Ralf Rothmanns Nachkriegs-Trilogie mit dem Band "Die Nacht unterm Schnee" schon zu Ende ist. Empfehlenswert findet sie auch Mikita Frankos Roman "Die Lüge", der vom Heranwachsen im homophoben Russland erzählt. Die FR amüsiert sich in Hernan Diaz' "Treue" mit einem Finanzkapitalisten in New York der 1920er. Dlf Kultur lernt aus Ece Temelkurans "Wille und Würde", wie die Menschheit sich ein würdevolles Überleben sichert.
Freitag, 12.08.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
12.08.2022 Die Familienangehörigen der Münchner Attentatsopfer von 1972 werden nicht an der Gedenkfeier teilnehmen, meldet Spiegel online. Richard Herzinger schreibt in seinem Blog über den weitgehend vergessenen Kontext des Münchner Olympia-Attentats. Im Guardian erinnert Andriy Yermak , der Leiter von Selenskis Präsidialbüro an das Budapester Memorandum von 1994 und daran, wer es brach. Gerhard Schröder klagt gegen den Bundestag, er will sein Büro zurück, meldet dpa. Thomas Schmid porträtiert in der Welt die italienische Neofaschistin Giorgia Meloni.
Efeu - Die Kulturrundschau
12.08.2022 Die SZ betritt die Pforten der Unlogik in der Ugo-Rondinone-Ausstellung der Schirn. Die FAZ hört das Meer rauschen in den neuen Romanen von Theresia Enzensberger, Dörte Hansen und Mariette Navarro. Die NZZ setzt sich einen Hut auf. Die Welt schwärmt von der schlichten Schönheit des neuen Maigret-Films - mit Gerard Depardieu - von Patrice Leconte, der unbegreiflicherweise hierzulande nicht in die Kinos kommt. Das Berliner Theatertreffen schafft sich gerade selbst ab, konstatiert die Welt. Die taz erzählt, wie ein Reissue-Label die Staples Jr. Singers wiederentdeckte. Und: Frankreich trauert um den großen Sempé, dessen federleichter Tuschestrich den "Kleinen Nick" ins Leben gerufen hatte.
Medienticker
12.08.2022 Aktualisiert: Messerangriff auf Salman Rushdie auf offener Bühne in Chautauqua im Bundesstaat New York - Reform von ARD+ZDF: "Es kann nicht alles so bleiben, wie es ist" - Hörtipps aus John Cages Kosmos zum 30. Todestag - In memorian: Zum Tod Sempés, der den "kleinen Nick" unsterblich machte + TV+Hörfunk-Wochenend-Tipps...
Bücherschau des Tages
12.08.2022 Keine leichte Bettlektüre, aber ein Standardwerk, lobt die FAZ Anne Chengs
"Geschichte des chinesischen Denkens". Die FR liest mit Franziska Gänslers "Ewig Sommer" originelle feministische climate fiction. Die SZ ist hin und weg von Nils Mohls Liebesgeschichte zweier Teenager "Henny & Ponger". Dlf tastet, riecht und hört sich mit Eskandar Abadis Roman "Aus dem Leben eines Blindgängers" durch die iranische Revolution.
Samstag, 13.08.2022
Efeu - Die Kulturrundschau
13.08.2022 In New York wurde ein Anschlag auf Salman Rushdie verübt, der dabei möglicher Weise ein Auge verloren hat. Kamel Daoud bekennt bei Twitter seine ohnmächtige Wut: "Auf Salman Rushdie wird mit dem Messer eingestochen. Und auf jeden von uns mit ihm." Wir verlinken auf weitere erste Reaktionen. Die Welt sucht nach über tausend Büchern, die aus den Stundenplänen britischer Universitäten verschwunden sind. Standard und critic.de berichten vom Filmfest Locarno. Die FAZ genießt einen Tränenregen im Barocktheater von Schloss Drottningholm. Die Literaturkritiker erinnern sich mit Liebe an Sempé.
9punkt - Die Debattenrundschau
13.08.2022 Die taz recherchiert zum Oligarchen Wladimir Jakunin, der Wladimir Putin sehr nahesteht und ein enges Netzwerk in Westeuropa unterhält. Doch doch, der RBB-Skandal ändert etwas, da ist sich Medienwissenschaftler Leonard Novy in der taz mit dem FAZ-Medienredakteur Michael Hanfeld einig. Heute ist Wolfgang-Pohrt-Tag in den Feuilletons. In der FAS feiert Claudius Seidl Klaus Bittermanns große Biografie über den Polemiker. Wie gut sind seine Texte gealtert?
Bücherschau des Tages
13.08.2022 Warum ist Wolfgang Pohrt, dessen Analysen in den Siebziger und Achtzigern so scharf waren, heute so unbekannt, fragt die FAS und empfiehlt Klaus Bittermanns große Biografie. Von Houstons East End hält man sich lieber fern, lernt die SZ aus Bryan Washingtons Erzählband "Lot". Die FR begibt sich mit Walerjan Pidmohylnyj in "Die Stadt" Kiew zwischen den Kriegen. Die taz erlebt mit Kristina Gorcheva-Newberrys Roman "Das Leben vor uns" das Ende der Sowjetunion.
Montag, 15.08.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
15.08.2022 In der FR erzählt die afghanische Autorin Fatema Key, was es heißt, um seine Lebensperspektiven beraubt zu sein. Der russische Krieg gegen die Ukraine ist ein Kolonisierungsprojekt, sagt der Kiewer Kulturwissenschafter Vasyl Cherepanyn im Standard. Der Einfluss der Anthroposophie und damit der Impfskepsis reicht bis in die Charité, warnt die FAZ. FAS und NZZ fragen, ob ein Krieg zwischen China und den USA überhaupt noch zu verhindern ist.
Efeu - Die Kulturrundschau
15.08.2022 Der Schock über den Angriff auf Salman Rushdie hält an. Den einzelnen Täter könnte er vergessen, schreibt Bernard-Henri Lévy in der SZ, doch nicht die Feiglinge, die stets bereits sind, vor der iranischen Fatwa einzuknicken. Im Observer sieht Kenan Malik in der Fatwa die Keimzelle des Identitätsdenkes. In der NZZ gibt Hamed Abdel-Samad wenig auf arabische Beileidsbekundungen. Das Filmfestival von Locarno geht mit einem Goldenen Leoparden für Júlia Murats "Regra 34" zu Ende. taz und DlfKultur freuen sich, die NZZ beklagt einen Hang zum Grellen unter dem neuen Festivalleiter. Der Guardian geißelt den Zynismus, den das Architekturbüro MVRDV in Tiranas Zentrum einbetoniert.
Medienticker
15.08.2022 Moderne & Erfahrungen des Ersten Weltkriegs: Vor hundert Jahren erschienen Rainer Maria Rilkes "Duineser Elegien" - Salman Rushdie: Die Freiheit des Wortes ist universell - Wie sehen Oper und Theater in Zeiten des Ukraine-Krieges aus? Bericht aus Salzburg von den bemerkenswerten Inszenierungen, wie "Herzog Blaubarts Burg"- Reine Bildgebung: Andreas Schmitten in Wuppertal ...
Bücherschau des Tages
15.08.2022 Die taz feiert den britischen Comic-Autor Andi Watson, der in der "Lesereise" kafkaesken Krimi und Literaturbetriebssatire vereint. Der DlfKultur blickt mit Natalie Amiri auf die unbesiegten Verlierer von Afghanistan. Mit Hans-Hermann Klares "Auerbach" verzweifelt er am guten Gewissen der Deutschen. Die FAZ sitzt mit der Sammlung "Prosastimmen" freudig 56 Stunden im Ohrensessel ab.
Dienstag, 16.08.2022
Magazinrundschau
16.08.2022 Atlantic-Autorin Anne Applebaum zeigt am Beispiel Odessas, wie der Krieg endgültig eine ukrainische Identität schmiedet. Tablet besucht die Retrospektive Shirley Jaffes, der letzten amerikanischen Nachkriegskünstlerin in Paris. Der New Yorker lernt in Ruanda, wie wichtig ein funktionierender Kühlkreislauf für unsere Lebensmittel ist. Unherd fürchtet: Die Fatwa war nur der Anfang.
9punkt - Die Debattenrundschau
16.08.2022 In Russland gilt immer noch der Domostroi, ein alter Gesetzeskodex, fürchtet Viktor Jerofejew in der FAZ: Zar und Fürst muss man fürchten und ihnen dienen als den Vertretern Gottes auf Erden. Quillette und Politico kritisieren den Amnesty-Bericht über die ukrainische Kriegsführung. Im Newlines Magazine analysiert der Iran-Spezialist Arash Azizi, was die Fatwa gegen Rushdie für das iranische Regime politisch bedeutet. Die Demütigung hat kein Ende: Die Frau wurde infantilisiert, dämonisiert und idealisiert, jetzt wird sie eben dekonstruiert - die Publizistin Sara Rukaj erklärt in der Welt, warum sie den Differenzwahn des Genderismus antifeministisch findet.
Efeu - Die Kulturrundschau
16.08.2022 Die SZ erinnert daran, wie gekränkt sich der Westen von der Fatwa gegen Salman Rushdie fühlte. Die NZZ blickt einer Flut von Biopics entgegen, die die Streamingdienste den Ikonen der Vergangenheit widmen. Das Van Magazin enthüllt, auf welchem Humus die besten Opernideen gedeihen. ZeitOnline erinnert an das desaströse Woodstock-Revival von 1999. Monopol schleckt ein letztes Eis mit Natalia LL.
Medienticker
16.08.2022 Thomas Rothschild über Festivals des Tanztheaters - Alternative Buchmesse Sommer, Sonne und neue Bücher: Der "Büchergarten" in Leipzig-Connewitz - Thomas Hürlimann über seinen Internatsroman "Der rote Diamant" - Nachruf: Autor des "Pferdeflüsterer Nicholas Evans ist tot + Patrick Bahners über den Rushdie-Tatort Chautauqua.
Bücherschau des Tages
16.08.2022 Die FAZ lernt etwas widerstrebend vom Ornithologen Richard Prum, dass auch die Schönheit in der Evolution eine Rolle spielt. Außerdem verbringt sie mit J.M.G. Le Clézio Urlaub in der Bretagne. Der DlfKultur erlebt mit Anna Kims "Geschichte eines Kindes" das Dilemma der Identität in den USA. Der Dlf liest zwei Bücher, die an den vor dreißig Jahren begonnenen Bosnienkrieg und das spätere Massaker von Srebrenica erinnern.
Mittwoch, 17.08.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
17.08.2022 Gestern Abend kam es - nein, kam es leider nicht - zum Eklat, als Palästinenser-Präsident Mahmoud Abbas im Bundeskanzleramt Israel vorwarf, "fünfzig Holocausts" an den Palästinensern begangen haben. Der Vorwurf war die Antwort auf die Frage, ob er das Olympia-Attentat bedaure. taz und Zeit diskutieren über die Frage, ob sich Russen am Comer See vom Vernichtungskrieg gegen die Ukraine erholen sollten. Patricia Schlesinger hat sogar noch ein bisschen besser verdient als bisher bekannt, meldet der Business Insider, und ihre Kollegen aus der Chefetage auch alle. Das nützt nur den Gegnern des Systems fürchtet epd.de.
Efeu - Die Kulturrundschau
17.08.2022 In der SZ überlegt A.L. Kennedy, ob die Medien Salman Rushdie Macht und Einfluss so lange verübelten, weil er sie nicht ihnen verdankte. Die FAZ erkennt in "beleidigten religiösen Gefühle" ein Zeichen mangelnder Reife. Die taz blickt auf der Manifesta 14 in den Himmel über Pristina. Zum siebzigsten Geburtstag von Heiner Goebbels bedanken sich FR und Tagesspiegel für den herrlichen Krach, den er den Bühnen zuverlässig beschert. NZZ und Welt schreiben zum Tod des Blockbuster-Regisseurs Wolfgang Petersen.
Medienticker
17.08.2022 Writers in Exile: In welchen Bedrohungslagen befinden sich Schriftsteller? - Günter Wallraff meint, der Literaturnobelpreis für Salman Rushdie sei überfällig! - Reng, deng, deng: Vom "Sogenannten Linksradikalen Blasorchester" über Heiner Müller zu "Stifters Dingen" bzw. Heiner Goebbels zum 70. Geburtstag + In memorian: Mit Wolfgang Petersen auf zu den großen Geschichten ...
Bücherschau des Tages
17.08.2022 Dlf Kultur schaut in die Kristallkugel mit David Christians "Zukunft denken", und sucht mit Julie Völk ein stilles Örtchen für einen Drachen. Die FAZ vergnügt sich mit der Lektüre der Liedtexte von Carsten Friedrich. Die NZZ überblickt mit dem Historiker Ian Morris die langen Linien im Verhältnis Britanniens zum Rest der Welt von der Antike bis heute.
Donnerstag, 18.08.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
18.08.2022 Der Guardian trifft einen russischen Soldaten, der in einem 140-seitigen Bericht das grausige Leben in der russischen Armee schildert. Olaf Scholz' Lapsus offenbart etwas über Deutschland und etwas über Scholz, finden taz und Welt. Die FAZ weiß, was mit den verschwundennen Überresten der gefallenen Soldaten und Pferde von Waterloo geschah. Die Zeit traut sich ins feuchte Biotop des Posthumanismus.
Efeu - Die Kulturrundschau
18.08.2022 Charlie Hebdo reagiert mit maximaler Frechheit auf das Attentat gegen Salman Rushdie. Wer zu Terrorakten schweigt, ist mitverantwortlich, erinnert die taz Muslime, Linke und Liberale. Die Zeit sammelt Stellungnahmen und Genesungswünsche von Schriftstellern - von Can Dündar, Abdulrazak Gurnah, Elfriede Jelinek, Daniel Kehlmann und Orhan Pamuk. Warum nur zeigen so wenig deutsche Schriftsteller Solidarität mit Rushdie? Die FAZ tanzt mit dem Videokünstler John Sanborn in den Sonnenuntergang. Das Van Magazin trauert: Das Ensemble Cantus Cölln löst sich auf. Wo gibt es jetzt noch ein abenteuerliches Leben mit Musik?
Medienticker
18.08.2022 Lothar Struck über Johannes V. Jensens tragikomische "Himmerlandsgeschichten" - Eine wahre Geschichte in der Wüstennacht: Wie Michel Foucault im Death Valley LSD nahm - Rock'n'Roll für immer: Peter Kraus (83) im Gespräch - Daniela Dröscher über die Lügen ihrer Mutter: Wie das Thema Gewicht eine Familie dominiert+ Buchcharts: Die aktuellen Bestsellerlisten + Harald Schmidt wird heute 65 und ist froh, dass er nie Sport getrieben hat ...
Bücherschau des Tages
18.08.2022 FAZ und FR lernen mit Doris Runges Gedichten den Gang einer Wasserfrau verstehen. Lob gibts in der FAZ auch für Steffen Schroeders gut recherchierten Roman über Max Planck. Die SZ lernt mit Alex Capus die Schweizer Künstlerin Caroline Welden alias Susanna Faesch kennen, die Sitting Bull porträtierte. Die Zeit tritt mit "Mutabor" ein ins Eifel-Universum Norbert Scheuers. Dlf Kultur empfiehlt Mohsin Hamids Roman "Der letzte weiße Mann".
Freitag, 19.08.2022
Efeu - Die Kulturrundschau
19.08.2022 Die SZ lässt sich von Teodor Currentzis mit Schostakowitsch und Purcell ins düstere Todesreich geleiten. Und sie bewundert hinreißende Göttinnen in einer Ausstellung mit naiver Malerei. In der NZZ erinnert Bora Ćosić an den serbischen Architekten des Todes, Bogdan Bogdanović. Die FAZ feiert die Imitationskunst der Schauspieltruppe von Thorsten Lensing. In der Welt erklärt der ukrainische Autor Andrej Kurkow, warum er weiter auf Russisch schreiben wird. Jean-Pierre Thibaudat erzählt in seinem Blog bei Mediapart, wie er in den Besitz verschollener Céline-Manuskripte gekommen ist.
9punkt - Die Debattenrundschau
19.08.2022 Wir müssen Putin redämonisieren, fordert Slavoj Zizek im Tagesspiegel. Der belarussische Autor Sasha Filipenko weiß in der FAZ, warum die Staaten der EU Putin nicht gewinnen lassen und warum sie ihn nicht verlieren lassen wollen. Das iranische Regime wird weiter morden, schreibt Masih Alinejad in der Washington Post nach dem Anschlag auf Rushdie. Die SZ begrüßt die Masern-Impfpflicht.
Medienticker
19.08.2022 Aktualisiert: Zum Tod von Felix Huby: Der Mann nicht nur fürs Schwäbische - Harald Jähner über sein "erzählendes Sachbuch" über Deutschland während der Weimarer Republik - Buchsatz: Mythen über Satzautomation - VG-Wort-Ausschüttung muss verschoben werden - Wie blasphemisch ist Salman Rushdies Roman "Die Satanischen Verse"?, fragt sich Martina Wagner-Egelhaaf - Mützenprobleme: Kommentar zu den jüngsten Vorwürfen gegen die Documenta - Hörtipp: hör!spiel!art.mix "L. Wittgenstein: Tractatus logico-philosophicus" + TV+Hörfunk-Tipps fürs Wochenende ...
Bücherschau des Tages
19.08.2022 Die FAZ geht mit Pawel Salzmans Aufzeichnungen aus der Zeit der Belagerung Leningrads in eine Zone des Daseins, wo das Menschsein sich auf Hunger, Kälte, Erschöpfung reduziert. Die SZ reist mit Daniela Dröscher zurück in die Achtziger und lauscht den Lügen, die der Vater über die übergewichtige Mutter erzählt. Der Dlf erschrickt über die Aktualität von Vladimir Sorokins Erzählung über die Perversionen der russischen Intelligenzija am Ende des 19. Jahrhunderts. Und Dlf Kultur ist sich sicher: Hätte Ruth Rehmanns Büroroman auf der Tagung der Gruppe 47 im Jahr 1959 nicht mit Grass, Böll und Johnson konkurrieren müssen, wäre ihr Buch zum Klassiker geworden.
Samstag, 20.08.2022
Efeu - Die Kulturrundschau
20.08.2022 Auf ZeitOnline begrüßt Wolfgang Ullrich, dass die Kunst dem Ende ihrer Autonomie durch die Documenta 15 ein Stück näher kommt und der Pluralisierung Platz macht. Die Welt widerspricht vehement. Der Homo Sovieticus hat nie Widerstand gelernt, seufzt die Fotografin Nanna Heitmann in der taz. Die russische Literaturgeschichte ist auch eine Geschichte der Opposition, meint dagegen der Freitag. Die FAZ sichtet Reaktionen in arabischen Ländern auf den Anschlag auf Salman Rushdie. Die FAS eröffnet die Feierlichkeiten zum 80. Geburtstag Werner Herzogs mit einem großen Interview. Und alle trauern um die Schauspielerin und Sängerin Eva-Maria Hagen.
9punkt - Die Debattenrundschau
20.08.2022 In der taz warnt Fjodor Krascheninnikow, das Russland nach Putin der zweiten oder dritten Garde des Regimes zu überlassen. Die FAS fragt, ob sich die Russen eigentlich als Bürger ihres Landes sehen. taz und FAS erinnern außerdem an das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen vor dreißig Jahren. In der NZZ fragt der Strafverteidiger Udo Vetter, warum nicht nur Transpersonen, sondern gleich alle ihre Geschlechtsidentität ändern dürfen. Und die SZ rät den Öffentlich-Rechtlichen, die Kritik ernst zu nehmen, auch wenn sie vor allem aus dem Osten komme.
Bücherschau des Tages
20.08.2022 Groß und kraftvoll findet die FAZ Giulia Caminitos Roman "Das Wasser des Sees ist niemals süß", der vom Aufwachsen an den Rändern Roms erzählt. Die SZ mutet sich gern die Härten in Linda Boström Knausgards Roman "Oktoberkind" zu, in dem die Autorin ihre bipolare Störung verarbeitet. Die taz lobt Franziska Gänslers beunruhigendem Klimaroman "Ewig Sommer", und auch Gesuino Némus' sardischen Krimi "Süße Versuchung" kann sie empfehlen. Lisa Eckarts neues Buch teilt die Gemüter: Die SZ moniert Gespreiztheiten und Abiturientenhumor, die FAZ jubelt über Zeremoniell und treffsichere Pointen.
Montag, 22.08.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
22.08.2022 In der NZZ erzählt die ukrainische Kulturwissenschaftlerin Kateryna Botanova, wie russische Soldaten Vergewaltigung als Kriegswaffe einsetzen. Anders als in früheren Kriegen kann Russland nicht gewinnen, indem es eine Überzahl an eigenen Soldaten verheizt, lernt der Observer von Lawrence Freedman. Die öffentlich-rechtlichen Sender müssen jetzt das Volk sprechen lassen, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, fordert der sachsen-anhaltinische CDU-Politiker Rainer Robra mit Blick auf den RBB-Skandal in der FAZ.
Efeu - Die Kulturrundschau
22.08.2022 Die Feuilletons feiern Barbara Freys Schnitzler-Inszenierung "Das weite Land" bei der Ruhrtriennale. Die Berliner Zeitung fragt, was eigentlich an den Vorwürfen dran war, die gegen den früheren Volksbühnenchef Klaus Dörr erhoben wurden. Die FAZ lernt mit den Bildern der Fotografin Joanna Piotrowska Kampfsport ohne Gegner. Der Standard bemerkt, wie zögerlich der Literaturbetrieb seine Solidarität mit Salman Rushdie bekundet. Das Zeit-Magazin huldigt dem schlichten schwarzen T-Shirt.
Medienticker
22.08.2022 System Schlesinger: RBB-Skandal und der ARD - Wenn Jesus für ein paar Tage zurück auf die Erde käme: Gespräch mit Michael Kumpfmüller über seinen neuen Roman "Mischa und der Meister" - Die Mär von den Leistungsträgern - Kunst & Tod, Schmerz, Trauer, & Verletzlichkeit: Berlinde de Bruyckere in Remagen.
Bücherschau des Tages
22.08.2022 Der Dlf liest verfällt Anthony Burgess' Malaya-Trilogie: Tolle Literatur, wenn auch in fast allen Punkten der postkolonialen Anklage schuldig. Der DlfKultur erinnert mit Miroslaw Wlekly an den britischen Journalisten Gareth Jones, der vom Holodomor in der Ukraine berichtete. Die taz lässt sich von Katharina Hermann an fast vergessene Autorinnen wie Johanna Schopenhauer oder Louise Aston erinnern. Die FAZ liest Kinderbücher und freut sich vor allem über den Umarmungsflashmob, den Konrad Kröterich im Stadtpark organisiert.
Dienstag, 23.08.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
23.08.2022 Die Sowjetunion war nichts anderes als ein imperialistischer Staat, dessen gewaltiges Territorium sich auch seinen kolonialen Expansionsgelüsten verdankte, schreiben die Historikerinnen Botakoz Kassymbekova und Annette Werberger in der FAZ - es kommt darauf an, die osteuropäische Geschichte zu dekolonisieren. Mag sein, dass er nicht Putins Hausphilosoph ist, aber einflussreich ist Alexander Dugin schon, beharrt Gideon Rachman in der Financial Times. Die "russische Seele" ist das Ergebnis einer jahrhundertelangen Zurichtung, die von der Moderne nur oberflächlich angekratzt ist, warnt der russische Schriftsteller Alexander Estis in der SZ. In der taz fragen Monireh Kazemi und Ulrike Becker, was Postkolonialismus in den Hirnen von Feministinnen anrichtet.
Efeu - Die Kulturrundschau
23.08.2022 Der Guardian feiert die zarte Schönheit von Bill Lynchs Malerei auf geborgenem Holz. Absolut geglückt findet die FAZ die Veranstaltung, auf der sich der PEN Berlin mit Salman Rushdie solidarisierte. Weniger begeistert nehmen die Feuilletons Uwe Tellkamps Sarazzinade auf. Die NZZ entschwebt auf dem Lucerne Festival in theogonische Sphären. Der Standard huldigt mit Thomas Arzt in Tirol der Maultasch. Und: Wird jetzt Winnetou gecancelt?
Magazinrundschau
23.08.2022 En attendant Nadeau geht mit Pasolini und Dacia Maraini baden. In The Atlantic erzählt Bushra Seddique von den herzzerschneidenden Entscheidungen, die sie bei ihrer Flucht aus Afghanistan treffen musste. In Eurozine kann der ukrainische Autor Andrei Krasniaschik nur im Telegram-Stil von seiner Flucht erzählen. Das Comic Journals gibt sich mit dem Anime "Sazae-san" der Natsukashisa hin.
Medienticker
23.08.2022 Longlist des Deutschen Buchpreises - Der Fall Schlesinger und die Folgen für den Öffentlich rechtlichen Rundfunk - Solidaritätslesung für Salman Rushdie in Berlin - Giovanni di Lorenzo zum Tod von Theo Sommer - "Die Vernunft und ihre Feinde: Thilo Sarrazins Feldzug mit Uwe Tellkamp gegen die vermeintlich Unvernünftigen - Salman Rushdie statt Andrej Kurkow: Programmänderung beim "Literarischen Quartett" - Werner Herzog: Jeder für sich und Gott gegen alle & War ich das jetzt? + R.I.P. Rolf Kühn (1929 -2022): Er trat mit den Größen des Jazz auf und war ein eher stiller Star ...
Bücherschau des Tages
23.08.2022 Die SZ hat ein wenig Mühe mit Norbert Gstreins neuem Roman "Vier Tage, drei Nächte", in dem es nur Worte, aber keine Tatsachen gebe. Dem DlfKultur eröffneten sich immerhin beim zweiten Lesen die Subtilitäten dieser Liebesgeschichte um Macht und Unterwerfung. Die FAZ liest eher unfroh "Die geheime Reise" des Nazikollaborateurs Marcel Jouhandeau. Die NZZ begeistert sich für eine prächtige Biografie des Schweizer Malers Augusto Giacometti. Der Dlf hört mit Nicole Zepter auf über Zonen-Gaby zu lachen.
Mittwoch, 24.08.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
24.08.2022 Heute ist der ukrainische Unabhängigkeitstag. Russland überzieht das Land seit genau sechs Monaten mit seinem Krieg. Ein Verhandlungsfrieden rückt angesichts der komplett enthemmten russischen Rhetorik in immer weitere Ferne, füchtet die SZ. David Patrikarakos setzt für Unherd seine Berichterstattung über die besetzte Stadt Cherson fort - die Ukrainer wollen ihre Kinder nicht nach dem russischen Lehrplan unterrichten lassen. Weiter wird über die Haltung der russischen Bevölkerung spekuliert: Hat sie überhaupt eine?
Efeu - Die Kulturrundschau
24.08.2022 Beinahe wäre der Tagesspiegel an den Krisen der Zeit verzweifelt, aber dann kam die Longlist des Deutschen Buchpreises! Dem Ravensburgverlag brandet für die zurückgezogenen Winnetou-Bücher die Empörung jetzt von links und rechts entgegen. Die FR fragt allerdings, wie die Filme eigentlich durch die Fördergremien kamen. Monopol erkundet im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe die Materialgeschichte der Fotografie. Die SZ lauscht hypnotisert Matthew E. Whites Neo-Soul-Suite "Only in America", die mit Bläserblech nur sanft beginnt.
Medienticker
24.08.2022 Die ecuadorianische Schriftstellerin Gabriela Alemán im Porträt - Gefühle anderer verletzt? Bücher zum Winnetou-Film vom Markt genommen: Ravensburger Verlag nimmt Stellung - In memorian: DDR-Liedermacher Holger Biege - Studio Neue Musik: "Power Play": Globokar, Xenakis, Gander, Bertrand, Hölzky, Holliger - Gespräch mit Andreas Isenschmid über seinen "Elefant im Raum. Proust und das Jüdische" + TV-Tipp: Das geheime Leben der Bäume ...
Bücherschau des Tages
24.08.2022 Die FAZ nimmt ein wenig teil am Boheme-Leben der Meret Oppenheim mit deren Album von 1958: Ein visuelles Fest, meint sie. Mit Erik Fosnes Hansens Goldmachern macht sie Brandenburg unsicher. Die FR birgt einen spanischen Klassiker mit Miguel de Unamunos Roman „Im Nebel“. Der Dlf Kultur verdankt Fabio Genovesi eine melancholische Liebeserklärung an das Geschichtenerzählen, an Riesenkalmare und das Meer. Mit Mariette Navarro gerät er in einen existenziellen Taumel im Tiefwasser.
Donnerstag, 25.08.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
25.08.2022 In der Welt erklärt amerikanische Ethnologe Benjamin R. Teitelbaum, was es mit dem "Eurasianismus" auf sich hat: kein Putinismus ohne Duginismus. Nicht nur die SPD, auch das bürgerliche Lager hat ein Putin-Problem, meint Richard Herzinger: Wolfgang Kubicki ist das abstoßende und dioch kaum kritisierte Beispiel. In der Welt platzt der Schriftstellerin Mirna Funk der Kragen: Mahmud Abbas relativiert neben dem schweigenden Olaf Scholz den Holocaust, aber wen juckt's? In der FR erklärt der Postkolonialist Aram Ziai, wie ein korrekter, postkolonialer, Antisemitismusbegriff aussieht. Nachgedacht wird auch über den ÖRR. Ist da noch was zu machen?
Efeu - Die Kulturrundschau
25.08.2022 Die Zeit überlässt ihr Feuilleton diese Woche ukrainischen Künstlern: "Der Krieg verdichtet die Zeit", schreibt Serhij Zhadan, über Sein und Zeit im Krieg meditierend. Der mündige Leser kann selbst entscheiden, ob er Winnetou lesen will oder nicht, meint Dlf Kultur angesichts der Entscheidung des Ravensburger Verlags, die Winnetou-Bücher aus dem Programm zu nehmen. Außerdem: Karl May war kein Kulturaneigner, sondern ein Kultur-Hochstapler, meint Zeit online zärtlich. Die taz betrachtet das Leben dreier jüdischer Generationen in Kornél Mundruczós "Evolution". NMZ erliegt den betörenden Stellen in Carlo Pallavicinos Oper "L'amazzone corsara".
Bücherschau des Tages
25.08.2022 FAZ und Dlf Kultur sind nach Lektüre von Daniela Dröschers "Lügen über meine Mutter" fassungslos, wie tyrannisch das deutsche Patriarchat in den 90ern noch war. SZ und FAZ schwärmen vom Witz und der Kunst der Karikaturistin Marie Marcks, die heute 100. Geburtstag hat. Die NZZ empfiehlt Norbert Gstreins Roman "Vier Tage, drei Nächte" über ein beinahe inzestuöses Geschwisterpaar als raffinierten Leckerbissen. Dlf Kultur findet bei Thomas Piketty Munition für den Kampf um mehr Gleichheit.
Freitag, 26.08.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
26.08.2022 In der FAZ fürchtet Viktor Jerofejew, dass der Mord an Darja Dugina ein Fanal ist: "Terror hat in Russland tiefe Wurzeln." In der Welt macht die französische Philosophin Bérénice Levet totalitäre Strukturen in ökologischen Bewegungen aus. Kulturen sind keine begrenzten Realitäten, warnt der Historiker Henri-Michel Yéré in der NZZ. Ist der NDR in Kiel nur das Megafon der Landesregierung, fragt Business Insider.
Efeu - Die Kulturrundschau
26.08.2022 Der internationale Museumsrat ICOM hat eine neue Definition von Museum verabschiedet, meldet Hyperallergic: Museen zeigen jetzt nicht mehr nur Kunst, sondern fördern Vielfalt und Nachhaltigkeit und argumentieren ethisch. Sascha Lobo zeigt sich auf Spon megaüberrascht, dass auf der Documenta Filme mit antisemitischer Terrorpropaganda gezeigt werden. In Ingolstadt wurde ein Theaterneubau bei einem Bürgerentscheid als "Elitenkultur" abgelehnt, berichtet die SZ. Dem Kino steht ein harter Herbst bevor, warnt der Tagesspiegel. Die taz hört House der "Sons of".
Bücherschau des Tages
26.08.2022 Die FAZ entdeckt in Klaus Englerts Architekturführer Düsseldorf die Zukunft der Stadt, die taz blickt in die Vergangenheit schwuler Architekten. Der Dlf liest Theresia Enzensbergers Roman "Auf See" als Plädoyer für "weibliche Zukunftsentwürfe“. Dlf Kultur stellt sich beim Kiffen mit Joshua Groß in Innsbruck die Frage nach der Echtheit allen Erlebens. Und in Elinor Cleghorns "Die kranke Frau" entdeckt er eine andere, "brachiale" Medizingeschichte.
Samstag, 27.08.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
27.08.2022 Alexander Dugin ist kein Putin-Flüsterer schreibt Masha Gessen im New Yorker, aber auf vertrackte Weise nützlich war er für Putin schon. In der SZ beobachtet Historikerin Christina Morina, wie sich der "Schlussstrich" immer weiter von rechts nach links verschob. In der FAS erinnert Ronya Othmann das wohlwollende Publikum an die Fortexistenz des Islamismus. In der FAZ diagnostiziert Claudius Seidl: Die eigentliche Verschwendung in den Öffentlich-Rechtlichen ist das Programm. Und die New York Times ist fasziniert: Künstliche Intelligenz wird immer intelligenter.
Efeu - Die Kulturrundschau
27.08.2022 Das Van Magazin fragt sich angesichts des "Diversity"-Mottos des Lucernce-Festivals: Ist ein solchermaßen "exotisierter Extraraum" nicht auch eine Form von Othering? So lange Fatwas und Hassprediger herumgeistern, ist die Meinungsfreiheit in Gefahr, erinnert Najem Wali in der FAZ. Außerdem entdeckt eine hingerissene FAZ in einer Dürener Ausstellung die Künstlerin Vera Molnar als frühe Pionierin der Computerkunst. In der SZ erklärt der Startenor Piotr Beczala, wo man besser nicht singen lernt: bei einem Gesangslehrer. Der Filmdienst erinnert an die Filme, die 1972 zu den Olympischen Spielen in München entstanden sind.
Bücherschau des Tages
27.08.2022 Die NZZ fand Existenzphilosophie nie unterhaltsamer als in Charles Lewinskys historischem Roman "Sein Sohn". Die FAZ empfiehlt Leila Aboulelas Erzählungen "anderswo, daheim", die von der Spannung zwischen Privilegien und Benachteiligung, Fremd- und Zuhausesein berichten. Die SZ taucht mit Behzad Karim Khanis Debütroman "Hund, Wolf, Schakal" ein in die Welt der Gangs von Neukölln. Die taz lernt von Armin Falk, "Warum es so schwer ist, ein guter Mensch zu sein". Die FAS staunt: Joan Didion war eine privilegierte reiche weiße Frau, die die Umbrüche in der amerikanischen Gesellschaft der Sechziger brillant analysieren und beschreiben konnte.
Montag, 29.08.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
29.08.2022 In der taz spricht Pramila Patten, die UN-Sonderbeauftragte für sexualisierte Gewalt in Konflikten, über Vergewaltigung als Waffe, auch im Krieg gegen die Ukraine. Armin Nassehi fragt in der SZ, warum nur Themen wie Maskenpflicht in Deutschland zu Debatten über Freiheit führen. Im Standard unterhalten sich Sabine Scholl und Eva Schörkhuber über die Bedeutung von Klassenunterschieden heute in Deutschland. Saba-Nur Cheema und Meron Mendel verteidigen in der FAZ Salman Rushdie, aber nicht die Mohammed-Karikaturen.
Efeu - Die Kulturrundschau
29.08.2022 Warum müssen Schulen eigentlich rechtwinklig gebaut werden, fragt die SZ und empfiehlt die unordentlichen Bauten des Architekten Peter Hübner. Für die FAZ verfolgt Sabine Leutheusser-Schnarrenberger den Prozess gegen die Schriftstellerin Tsitsi Dangarembga in Simbabwe. Die Nachtkritik feiert den Schauspieler Rezo Tschchikwischwili, der in Essen in Kafkas "Bericht für eine Akademie" brilliert. Die Welt freut sich: Der türkische Staat zeigt Gülşen die Krallen, und die Popikone im Gegenzug noch mehr nackte Haut.
Medienticker
29.08.2022 Tage in Vitopia: Ulla Hahn über ihr Bildungsbürger-Eichhörnchen Sciurus Vulgaris Wendelin Kretzschuss - Der Prozess gegen Tsitsi Dangarembga: Simbabwe im Zweifel gegen die Freiheit + Vor 70 Jahren: Uraufführung von John Cages Viereinhalb-Minuten-Stille ...
Magazinrundschau
29.08.2022 Foreign Affairs erklärt, wie Putin sich in den postkolonialen Diskurs schummelt, um Unterstützung für seinen Krieg gegen die Ukraine zu gewinnen. Die New York Times erzählt, wie die Anwaltskanzlei Jones Day einen Rechtsruck in der amerikanischen Richterschaft bewerkstelligte. Der New Yorker porträtiert den ultakonservativen Richter Samuel Alito, der die Begründung für die Abschaffung des Rechts auf Abtreibung formulierte. Auf den Malediven unterstützen religiöse Rechte den Islamismus, berichtet Himal. New Republic liest bei Oliver Bullough, wie Britannien zum "Butler der Welt" wurde. Wired feiert die japanische Autorin Sayaka Murata. Eurozine hofft, dass die Europäer ihren Widerstand gegen Putin so lange durchhalten, wie die Ukrainer.
Bücherschau des Tages
29.08.2022 Der Dlf versinkt mit Andrea Giovenes "Autobiografie des Giuliano di Sansevero" freudig in der Melancholie Süditaliens. Die taz schwärmt von der programmatischen Offenheit in den Entwürfen des Gestalters Otl Aicher. Der DlfKultur feiert dreißig Jahre nach ihrem Erscheinen Ruth Klügers Jugenderinnerungen "weiter leben". In der NZZ bleibt Hans Christop Buch rätselhaft, warum das Nachkriegsfrankreich so nachsichtig mit Marcel Jouhandeau war.
Dienstag, 30.08.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
30.08.2022 Warum ist Kunst so langweilig geworden, fragt die New York Times-Kolumnistin Michelle Goldberg - eine deprimierende Antwort findet sie beim Kultursoziologen David Marx: Kunst bringt kein soziales Kapital mehr. In der NZZ thematisiert Politikwissenschafter Jörg Himmelreich den fatalen Einfluss der Mongolen auf die russische Geschichte. Im Perlentaucher sieht Richard Herzinger den Aufruhr nach dem Tod Lady Dianas vor 25 Jahren als Vorzeichen für Schlimmeres. Ebendort verteidigt Thierry Chervel die Mohammed-Karikaturen gegen Meron Mendel und Saba-Nur Cheema.
Efeu - Die Kulturrundschau
30.08.2022 Im New Yorker fordert jetzt auch David Remnick den Nobelpreis für Salman Rushdie. Die FAZ feiert mit dem Choreografen Trajal Harrell und Joni Mitchell die Introvertiertheit. In der Bremer Kunsthalle blickt sie gebannt auf das nackte männliche Knie. Der Filmdienst erkundet, wie Dieter Kosslick mit der deutschen Filmförderung eine Riesenrad in Bewegung setzte. Tagesspiegel, SZ und RBB feiern den Auftakt des Berliner Musikfests mit Mahlers Sechster und dem Concertgebouw unter Klaus Mäkelä. Die FAZ nicht.
Medienticker
30.08.2022 Ruangrupa-Interview zum Antisemitismus-Vorwurf: Documenta-Kuratoren machen sich und Deutschland Vorwürfe - Glückwunsch zum 65.: Drei Geschenk-Ideen für Ai Weiwei - Deshalb werden gebrauchte Bücher gekauft und verkauft - Hans-Ulrich Treichel 70: Der Bruder, der die Flucht überlebte - "Große Angst und große Tapferkeit": Biografie über den Anwalt gegen Hitler Hans Litten.
Bücherschau des Tages
30.08.2022 Die NZZ folgt Werner Herzog freudig durch das große Abenteuer seines Lebens, um von ihm das Staunen und Schreiben zu lernen. Die FAZ liest vergnügt Zakiya Dalila Harris' Roman "The Other Black Girl" über eine stockende Verlagskarriere. Der SZ gefallen die Ruhe und die Präzision, mit der Marta Orriols von einer Frau erzählt, die sich gegen ein Kind entscheidet. Der Dlf bewundert Thomas de Quinceys für seine ironische Melancholie. Und der DlfKultur studiert Affektpsychologie mit Jan Böttchers "Rosen-Experiment".
Mittwoch, 31.08.2022
9punkt - Die Debattenrundschau
31.08.2022 Michail Gorbatschow ist gestorben. Die Washington Post erinnert an Größe und Tragik des Politikers. Die taz erinnert an das Entschädigungsabkommen, das die Regierung Adenauer vor siebzig Jahren mit Israel schloss und erklärt, warum es keine "Wiedergutmachung" war. Hamburg feiert gerade zehn Jahre Staatsvertrag mit Islamverbänden - aber warum überhaupt Sonderrechte für Religionen, fragen Necla Kelek und Peter Mathews im Perlentaucher. Netzpolitik begutachtet die Digitalstrategie der Bundesregierung und fühlt sich an Angela Merkel erinnert. Aktualisierung: Christian Ströbele ist gestorben.
Efeu - Die Kulturrundschau
31.08.2022 Morgen beginnen die Filmfestspiele in Venedig, mit starker Präsenz von Netflix. Das bedeutet nicht den Untergang des Kinos, versichert der Freitag. Es verweist eher auf eine Krise des Streamers, vermuten FR und Standard. Auf ZeitOnline untersucht Georg Seeßlen das Genre der manieristischen Fantasy. In der FAZ konstatieren Julia Alfandari und Meron Mendel ein Scheitern der Debatte um die Documenta. Die Welt geht im Musée de Cluny vor der Dame mit dem Einhorn auf die Knie. Die SZ bedauert den nicht ganz freiwilligen Abschied von Virve Sutinen als Leiterin des Festivals Tanz im August.
Medienticker
31.08.2022 Germanistik auf Schrumpfkurs : Kennen Sie Goethe? - Debatte über "Winnetou": Aus der Zeit gefallen - Salman Rushdies "Satanische Verse" wieder lieferbar - Patrick Wirbeleit: Der fast unsichtbare Bestseller-Autor- Christian Ströbele ist tot: Integer, bis in die Haarspitzen - Gunter Hampel: Der Vater des deutschen Free Jazz wird 85 + TV-Tipp: ZAPP spezial Vorwürfe gegen den NDR ...
Bücherschau des Tages
31.08.2022 Die FAZ bewundert den Realitätsgehalt in Uwe Dicks "Sauwaldprosa". Und von Holger Stromberg lernt sie "Zukunft kochen" mit klimafreundlichen Rezepten. Die FR erliegt dem Thrill von Dorothy Hughes Noir-Klassiker "Ein einsamer Ort". Die NZZ schwärmt von den unvergessliche Porträts in den vom Exil geprägten Lebenserinnerungen der Schauspielerin Hertha Pauli. Die SZ empfiehlt R. B. Bardis utopischen Roman "Der Kaiser, die Weisen und der Tod.