Donnerstag, 01.09.2011
Heute in den Feuilletons
01.09.2011 Der Freitag beobachtet die Dreharbeiten zu David Cronenbergs Film über Freud, Jung und Spielrein im Wiener Cafe Sperl. Die Sparlampe lügt und ihre Propagandisten auch, stellt die taz fest. Brillant findet die FAZ Ai Weiweis Analyse von Peking als "Stadt der Gewalt". In der SZ kritisiert der Historiker Peter Jahn Günter Grass, der in Haaretz behauptet hat, sechs Millionen deutsche Kriegsgefangene seien von den Sowjets liquidiert worden. Die Zeit sieht unsere Demokratie abgeschafft.
Bücherschau des Tages
01.09.2011 Zeit und SZ feiern Eugen Ruges Roman über seine Familie "In Zeiten des abnehmenden Lichts", sozusagen die Buddenbrooks des intellektuellen DDR-Establishments. Am besten gefällt der Zeit außerdem Navid Kermanis Großroman "Dein Name" als west-östliche Familiengeschichte. Die FAZ lobt Willem Frederik Hermans' Kriegsroman "Das heile Haus". Und die FR liest beklommen Jürgen Dehmers' Darstellung seines Missbrauchs an der Odenwaldschule "Wie laut soll ich denn noch schreien?".
Medienticker-Archiv
01.09.2011 Das Internet der Zukunft als komitative Sphäre - Das Geschäft mit öffentlichem Wissen: "Akademische Verlage wenden Mafia-Methoden an" - e-Book-Markt: Vernetztes Denken - Urheberrechts-Studie: Wirksame Warnung - Datenleck und Depeschen-Desaster in sechs Akten: Wikileaks erhebt Vorwürfe gegen Journalisten - Anleitung zur Politikverdrossenheit: Völker Grebe schaut im Maxim Gorki Theater auf Berlin + Rosel Zech ist tot.
Karikaturen und Cartoons
01.09.2011 Leuchtende Schätze und tödliche Bleistifte.
Freitag, 02.09.2011
Heute in den Feuilletons
02.09.2011 Die Welt erklärt Günter Grass: Deutsche Kriegsgefangene wurden in der Sowjetunion nicht liquidiert. In der taz prophezeit "The Wire"-Autor David Simon: Ein Aufstand naht. Die NZZ analysiert Damenhandtaschen. Netzpolitik hält fest, dass nicht Wikileaks, sondern Journalisten vom Guardian und Freitag das Passwort für die unredigierten Depeschen öffentlich gemacht haben. Die FAZ verabschiedet sich vom deutschen Alleinrichtigmachungsanspruch.
Bücherschau des Tages
02.09.2011 Als scharfsinnig, historisch präzise und voller Anteilnahme feiert die FAZ Antonio Munoz Molinas Roman über den Spanischen Bürgerkrieg "Die Nacht der Erinnerungen". Die FR lässt sich von Heinz Bude die "Bildungspanik" nehmen. Und die SZ begibt sich mit Albrecht Selge in die unwirklich Welt Berliner Shopping Center.
Medienticker-Archiv
02.09.2011 Wann ist ein Buch ein Buch? - e-Books: Sony auf den Spuren von Apple und nach der Digitalisierung kommt die Vernetzung - Frankfurter Schwarzmalerei: Piraten-Studie des Börsenvereins - Schwachsinn, gedruckt: Buchwerbung wie in der Irrenanstalt - Wikileaks-Panne: Was Misstrauen schafft - Weiter Unruhe in der WAZ-Mediengruppe - Wer wird Millionär auf kalifornisch: Michael Arrington gründet Startup-Fonds + Es lutherlt im Staate Österreich.
Karikaturen und Cartoons
02.09.2011 Freiheit und Gelüste.
Samstag, 03.09.2011
Heute in den Feuilletons
03.09.2011 In der NZZ erklärt Oleg Jurjew, warum die Blockade Leningrads nur in der Sprache der Leningrader Avantgarde beschrieben werden konnte. Die taz lernt in Montreal, dass nichts so elitär ist wie die Ökostadt. In der Welt liest Ralph Giordano Arno Lustigers Buch über den "Rettungswiderstand" in den von den Nazis besetzten Ländern. In der SZ bekundet Khaled al-Khamissi seine Freude darüber, dass die Ägypter nun endlich gegen Israel protestieren. Die Jerusalem Post meldet, dass Deutschland die Durban 3-Konferenz boykottiert. Die FAZ berichtet über Todesdrohungen gegen französische Journalisten, die in der Affäre Bettencourt recherchierten.
Bücherschau des Tages
03.09.2011 928 Seiten hat Jan Brandts Debüt "Gegen die Welt" und spielt überdies in Leer. Aber die SZ ist begeistert und sieht Brandt zurecht auf der Longlist des Buchpreises. Die NZZ stimmt ein in den Kanon der Lobgesänge auf Leif Randt und sein schimmerndes CobyCounty. Die FAZ liest Jochen Schimmangs ScienceFiction-Roman "Neue Mitte" über ein postfaschistisches Deutschland - und findet ihn einleuchtend.
Montag, 05.09.2011
Heute in den Feuilletons
05.09.2011 Laut Spiegel Online entschuldigt sich Tom Segev bei Günter Grass für eine falsche Zahl in seinem Haaretz-Interview, die auch Segev nicht erkannte und korrigierte. In Slate fragt Anne Applebaum zehn Jahre nach dem 11. September: War der Aufstieg Chinas und Russlands der Preis für den Krieg gegen den Terror? In der Welt wehrt sich der britische Kolumnist Charles Moore gegen die Umarmung Frank Schirrmachers. Die SZ bringt einen Vortrag Elias Khourys, der die Rolle der Islamisten in den demokratisierten Ländern Arabiens nicht so dramatisch sieht.
Bücherschau des Tages
05.09.2011 Etwas erschöpft, aber glücklich berichtet die SZ von Antje Ravic Strubels abenteuerlichem Roman "Sturz der Tage in die Nacht". Beeindruckt, aber nicht ganz überzeugt ist sie von Timothy Snyders "Booodlands". Die FR plädiert mit Claus Leggewie und Roland Roth für eine Demokratisierung der Demokratie. Und die FAZ lernt von Peter Bieri, der Vernunft zu vertrauen.
Medienticker-Archiv
05.09.2011 Theaterkritiken: Tankred Dorsts "Merlin oder Das wüste Land" in Hamburg, Gerhart Hauptmanns "Einsame Menschen" und "Die Lange Nacht der Generationen" in Berlin - Viel Arbeit für die Theaterzensoren: Vor 175 Jahren starb Ferdinand Raimund - Wilde Mähne und expressionistische Verse: Ernst Meister wurde vor 100 Jahren geboren - Grisham im Westentaschenformat: Ferdinand von Schirach und der "Der Fall Collini".
Vorgeblättert
05.09.2011 Wladek und Pawel fahren durch die einsamsten Gegenden Südosteuropas, immer auf der Suche nach einem geglückten Geschäft. Doch auf den Second-Hand-Märkten und Basaren sind nicht die konkurrierenden chinesischen Händler die wahre Gefahr, sondern Menschenhändler. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Roman "Hinter der Blechwand" des polnischen Schriftstellers Andrzej Stasiuk.
Karikaturen und Cartoons
05.09.2011 Siegestaumel am Kuchenbuffet.
Dienstag, 06.09.2011
Magazinrundschau
06.09.2011 Die LRB staunt über das Wirtschaftswachstum im regierungslosen Belgien. In Le Monde kritisiert Claude Lanzmann die Streichung des Begriffs Schoah aus französischen Schulbüchern. Prospect widerspricht Martin Kemp: Das Coke-Logo ist keine Ikone. Polityka erklärt, was die Briten unter warmen offiziellen Beziehungen verstehen. In Eurozine schreitet Laszlo Garaczi das vergiftete linguistische Gelände Ungarns ab. In The New Republic hält Paul Berman den Kampf der Ideen für ausschlaggebend.
Heute in den Feuilletons
06.09.2011 Christopher Hitchens rät in Slate gegen allzu viel Differenzierung im Falle Al Qaidas. In der FR erteilt Björk musikpädagogische Ratschläge: Nimm ein Sharpsichord und fang an. Die Welt hat herausgefunden: Die beiden gerade in Dresden ausgestellten Raffael-Madonnen waren nie ein Paar. Die Schuldenkrise konfrontiert uns unausweichlich mit unserem Niedergang, meint die SZ. Die NZZ guckt südkoreanische Fernsehserien.
Bücherschau des Tages
06.09.2011 Die
NZZ ruft dringend dazu auf, die englische Autorin
Elizabeth Taylor und ihren Roman "Blick auf den Hafen" zu entdecken (hier unser
Vorgeblättert). Sehr gut gefallen hat ihr auch
Margit Schreiners Roman "Die Tiere von Paris". Beeindruckt liest die
SZ Wolfgang Matz' Buch "Eine Kugel im Leibe" über
Walter Benjamin und
Rudolf Borchardt. Die
FAZ lobt sehr
Hans-Joachim Hinrichsens bündige
Schubert-Biografie und stellt eine Reihe von Neuerscheinungen zum
11. September vor.
Medienticker-Archiv
06.09.2011 9/11: Leitmedien und die Gegenöffentlichkeit - Zukunft des Onlinejournalismus: Interessenkonflikt als Dauerzustand - Manfred Bissinger: "Meinungskampf ist der Journalismus der Zukunft" - Mathias Döpfner: "Sind bei kreativer Innovation nicht gut genug" - Apps: Zeitungsverleger loben neue ZDF-App - "Entscheidend ist der Preis der Inhalte": Wie Sony auf dem deutschen E-Book-Markt wachsen will.
Essay
06.09.2011 Lässt sich Anders Breiviks Attentat tatsächlich als "spiegelsymmetrische Entsprechung" zu 9/11 betrachten? Und warum wird ausgerechnet Henryk Broder dafür in Haftung genommen? Eine fällige Nachbetrachtung aus Anlass eines Jahrestags
Karikaturen und Cartoons
06.09.2011 Anlegen und Zurückstecken.
Mittwoch, 07.09.2011
Heute in den Feuilletons
07.09.2011 Al Qaida hat verloren - und zwar in Tripolis, meint Bernard-Henri Levy in La regle du jeu. Urheberrechte werden in Brüssel weiter verschärft, Schutzfristen auf Musik sollen auf siebzig Jahre ausgedehnt werden, und niemand merkt's, außer irights.info. Wo bleibt die Trennung von Staat und Kirche in der Madonnenausstellung von Dresden?, fragt die FR. Egal, seufzt die FAZ im Farbenrausch. im Tagesspiegel spricht Tahar Ben Jelloun über den arabischen Frühling.
Bücherschau des Tages
07.09.2011 Bewegt, verstört und begeistert liest die SZ Art Spiegelmans Desaster-Comic-Buch über den 11. September "Im Schatten keiner Türme". Einen dreckigen und rassistischen Wilden Westen erlebt die FR in Pete Dexters "Deadwood" - und ist begeistert. Die FAZ ruft nach Lektüre der "Essensvernichter" dazu auf, konsequent das Mindesthaltbarkeitsdatum zu missachten.
Bücherbrief
07.09.2011 Reiche Ernte im Bücherland: Ein junger Autor, Leif Randt, hat mit "CobyCounty" nicht nur ein unterhaltsames, sondern auch eine leise unheimliches Buch geschrieben, versichern die Kritiker. Dann der monumentale neue Roman des ewigen Nobelpreiskandidaten: Ngugi wa Thiong'o. Der neue Götz Aly sorgt für Debatten. Und Anna Reid erinnert an die Blockade Leningrads. Dies alles und mehr in den besten Büchern des September.
Medienticker-Archiv
07.09.2011 Bücher? Vergessen oder neu erfinden - Trailern, Teasen, Twittern: Verlage suchen nach Strategien für das 21. Jahrhundert - Journalismus in digitalen Zeiten: Vom Qualitäts- zum Discount-Journalismus? - Investigativ: Giovanni di Lorenzo über das "neue Markenzeichen" der Zeit - Abhör-Affäre: James Murdoch soll seit 2008 Mitwisser gewesen sein - Köln: "Lit.Cologne Spezial" feiert Premiere + Hölle Altötting: Andreas Altmann über sein "Scheißleben".
Karikaturen und Cartoons
07.09.2011 Schirme, Stürme, Stiefel.
Im Kino
07.09.2011 In "Tournee" begleitet ein enthusiastischer Mathieu Amalric als Regisseur und Hauptdarsteller amerikanische Burlesque-Tänzerinnen auf ihrem Weg durch die französische Provinz. In Marcus Nispels Neufassung des archaischen Fantasystreifens "Conan" wird der Held auf dem Schlachtfeld geboren.
Redaktionsblog - Im Ententeich
07.09.2011 Am Sonntag - vielleicht nicht von ungefähr - dem 11. September - findet beim Literaturfestival Berlin eine Diskussion über "Blasphemie und Freiheit" statt, zu der Flemming Rose von Jyllands Posten eingeladen ist. Es geht also auch und vor allem um die Mohammed-Karikaturen und die Reaktion der westlichen Öffentlichkeit. Als Abgesandter des Perlentauchers bin ich zu dieser Diskussion ebenfalls eingeladen.
Donnerstag, 08.09.2011
Heute in den Feuilletons
08.09.2011 taz und Welt (und eigentlich auch alle anderen) erliegen dem traurigen Charme Aki Kaurismäkis. Der Tagesspiegel hat den Venedig-Sieger schon gekürt. Der Freitag bringt eine Sonderausgabe zum 11. September: Hamed Abdel-Samad beleuchtet darin die Rolle der Medien im Arabischen Frühling. Michael Arrington twittert: "My life feels very strange to me." Und die Zeit beklagt 1. den Kapitalismus, 2. den Totalitarismus der Mittelklasse, 3. das Ende der Kindheit und 4. alles bloß Materielle für nur 4 Euro an führenden Bahnhofskiosken.
Bücherschau des Tages
08.09.2011 Die Zeit lernt von der klugen Sibylle Lewitscharoff und ihrem neuen Roman "Blumenberg": Ein Leben ohne Löwe ist ein armseliges. Sehr empfehlen kann sie auch Kate Brooks'
Fotoband "Im Licht der Dunkelheit". Die FAZ liest deprimiert Jens Steiners Romandebüt Hasenleben". Die SZ genießt dafür das Dämmerlicht in Gregor Sanders Erzählungen "Winterfisch".
Medienticker-Archiv
08.09.2011 Das iPad: "Die Fortsetzung des Boulevard mit anderen Mitteln": Spielen Sie noch oder lesen Sie schon? - e-Books: Der Boom ist noch nicht da, erste Bestsellerliste in Deutschland, die Huffington Post steigt ins Geschäft ein und e-Books im Kinderbuch - Besser als der Markt: Die 10 umsatzstärksten Zeitschriften - Der Pate: Rupert Murdoch und die Politik - Essayistik: Spekulative Ästhetik - Alles was zählt: Feuilletonforschung + Ein Raum für John Cage.
Karikaturen und Cartoons
08.09.2011 Fata Morgana und Finanzen.
Freitag, 09.09.2011
Heute in den Feuilletons
09.09.2011 Fast alle Feuilletons bringen Texte zum 11. September. In der Welt beklagen Paul Theroux und Mark Lilla, dass sich die Amerikaner seitdem aus ihrer Depression nicht lösen konnten. Marcia Pally freut sich im Tagesspiegel, dass es auch Evangelikale gibt, die sich gegen Islamophopbie wenden. Die FAZ besucht Ground Zero. In der SZ bespricht Hanns Zischler Corinna Belz' Filmporträt über Gerhard Richter. Boingboing erzählt die Geschichte des Erfinders von Ebook und Project Gutenberg, Michael Stern Hart, der im Alter von 64 Jahren gestorben ist.
Bücherschau des Tages
09.09.2011 Die taz feiert Mario Vargas Llosas neuen Roman "Der Traum des Kelten", der die abenteuerliche Geschichte des britischen Diplomaten und irischen Nationalisten Roger Casement erzählt. Absolut stilsicher findet die SZ Stuart Evers' "Zehn Geschichten übers Rauchen". Und die FAZ empfiehlt Friedrich von Borries' Verschwörungsthriller "1WTC".
Medienticker-Archiv
09.09.2011 Streit um Tagesschau-App - Ronnie Grob über den Schweizer Journalismus: Aufgestellt für den Selbstmord - Im blinden Fleck der Verlage: Thomas Knüwer über den Nachholbedarf von Verlagen - 9/11: Kleines Lehrstück in Sachen Meinungs- und Pressefreiheit- Interview: Empören wir uns nicht genug, Herr Harpprecht? + "Es wird alles verheizt, alles": Harald Schmidt und Fred Kogel im Gespräch.
Karikaturen und Cartoons
09.09.2011 Rettungsringe und Familienbande.
In eigener Sache
09.09.2011 Am nächsten Dienstag ist es mal wieder so weit: Das OLG Frankfurt tagt in Sachen FAZ und SZ gegen Perlentaucher
Samstag, 10.09.2011
Heute in den Feuilletons
10.09.2011 Die NZZ porträtiert zwei wenig bekannte Künstler: den französischen Dichter Valery Larbaud und den italienischen Komponisten Giacinto Scelsi. Die FR sieht in Sibylle Lewitscharoffs neuem Roman "Blumenberg" Löwe neben Rebhuhn liegen. Die SZ bewundert in Venedig einen "Faust" in russischem Rhythmus. Die FAZ schwebt und fliegt mit Anne-Sophie Mutter durch Wolfgang Rihms "Lichtes Spiel". In der Welt erklärt Tom Segev, warum er sich immer noch über Günter Grass ärgert.
Bücherschau des Tages
10.09.2011 Die FAZ greift bei Jan Brandts Riesenroman "Gegen die Welt" zum Äußersten: Besser als Thomas Mann sollen manche Passagen sein! Sehr nachdrücklich lobt sie auch Judith Schalanskys Roman "Der Hals der Giraffe" und David Mazzucchellis intellektuelle Comickunst in "Asterios Polyp". SZ und FR feiern Sibylle Lewitscharoffs Philosophenroman "Blumenberg", in dem Unsinnspoesie und Löwe den "Absolutismus der Wirklichkeit" aus dem Feld schlagen.
Montag, 12.09.2011
Heute in den Feuilletons
12.09.2011 Die NZZ untersucht die Rolle von Blogs in China. Und Wilhelm Genazino nimmt sich Zeit und denkt nach über Langeweile. Die Welt staunt über Roger Willemsens tiefe Einsichten zum 11. September. Laut Buchreport plant Amazon eine Flatrate für E-Books. Die Kritiker sind zufrieden mit dem Filmjahrgang in Venedig, aber sie fragen auch: Was wird aus dem Festival? Und Spiegel Online fragt mit Günther Jauch, ob die Amerikaner den 11. September überhaupt verstehen können.
Bücherschau des Tages
12.09.2011 Heute bespricht die SZ Navid Kermanis Riesenroman "Dein Name" und gibt wertvolle Hinweise, wie man sich von der Textlawine nicht überrollen lässt. Außerdem feiert sie die "Vita" des Tyrannenhassers Vittorio Alfieri und geht fröhlich mit Manuele Fior auf Reisen, und zwar "Fünftausend Kilometer in der Sekunde". Die FAZ empfiehlt erst mit Walter Krämer, die deutsche Angst zu überwinden, warnt dann aber doch mit Thomas Fischermann und Götz Hamann vor der "Zeitbombe Internet".
Medienticker-Archiv
12.09.2011 Theater-Nachtkritiken: "Der zerbrochene Krug" am Wiener Burgtheater, "Capitalista, Baby!" an den Kammerspielen des Deutschen Theaters in Berlin und "Der Kaufmann von Venedig" am Staatsschauspiel Dresden - Die Herrschaft der Norm: Formatierung der Medien - Bunt, schrill, modern: Wired oder Das wäre nicht nötig gewesen - Murdochs News of the World: Nachfolger im Web - Umfrage: Jeder Zweite sorgt sich um Freiheit im Internet.
Vorgeblättert
12.09.2011 Nellie Bly war eine Pionierin des investigativen Journalismus und begab sich undercover 1887 in die Frauenpsychiatrie auf Blackwell's Island in New York. Wie sie das bewerkstelligte und was sie dort erlebte, können Sie in ihrem Bericht "Zehn Tage im Irrenhaus" lesen. Hier ein Auszug.
Karikaturen und Cartoons
12.09.2011 Denkwürdige Zahlen.
Dienstag, 13.09.2011
Magazinrundschau
13.09.2011 Dem arabischen Frühling droht schon der Herbst, fürchtet die NYRB. In Open Democracy erklärt Andrei Kontschalowski, warum Palasttüren immer so niedrig sind. In der Boston Review erklärt Noam Chomsky: Wer sich mit der Macht verbündet, ist kein Intellektueller mehr. Prospect feiert die unkontrollierbaren Bronte-Schwestern. The Australian bewundert die weiße Hitze Christopher Hitchens. Der Economist blickt auf die neuen Billy-Regale und sieht keine Bücher mehr drin stehen.
Heute in den Feuilletons
13.09.2011 Die NZZ betrachtet besorgt unser Krankheitsbild, das Axel Honneth vorgelegt hat. In der FAZ beklagt Frank Rieger die deutsche Sicherheitsmanie. Die taz kratzt sich den Kopf vor einem RAF-Roman-Rhizom. Die SZ gähnt. Nur ein Iraner freut sich: Die Grüne Bewegung lebt, ruft Dawud Gholamasad in der FR.
Bücherschau des Tages
13.09.2011 FR und taz feiern Aravind Adigas neuen Roman "Letzter Mann im Turm", der von Zusammenleben sehr vieler Menschen in einer Wohnanlage in Bombay erzählt. Die SZ liest gefesselt Roberto Alajmos Roman über einen Familienmord "Es war der Sohn". Und die FAZ begeistert sich für Thomas Melles glühenden Roman "Sickster".
Medienticker-Archiv
13.09.2011 Eine große Chance: Datenjournalismus - AOL entsorgt Alpha-Blogger Arrington - Bezahlweiche: Boston Globe trennt kostenlose News von Bezahlinhalten - FR: Ist die Frankfurter Rundschau noch links? - Adieu Ideologie: Neuer Typus des Revolutionärs - Wirkung des Internets: Der Verlust der Stille in Zeiten des Netzes - Schwedischer Danse macabre: Klas Östergrens Epochenroman "Porträt eines Dandys".
Karikaturen und Cartoons
13.09.2011 Erinnerungsausverkauf und Zukunftsgelaber.
Mittwoch, 14.09.2011
Heute in den Feuilletons
14.09.2011 Kann Crowdsourcing auch die Erzählweisen fiktionaler Geschichten verändern?, fragt Mashable. Die taz macht sich Gedanken über die Zukunft des Theaters. Die NZZ verliebt sich in den morbiden Charme Palermos. In der SZ meint der FDP-Politiker Helmut Schäfer, dass man sich nicht mit Vorwänden wie einem Friedensvertrag mit Israel von der Gründung eines Palästinenserstaates abhalten lassen soll. Und Ferran Adria erklärt, warum er sein Restaurant El Bulli aufgab: Der Erfolg wurde einfach unerträglich.
Bücherschau des Tages
14.09.2011 Eine Wüste aus Kälte und Finsternis erlebt die FAZ in Jon Kalman Stefanssons Roman "Der Schmerz der Engel". Einen Blick in die düstere Zeitungszukunft gewährt ihr Corinna Peils Buch "Mobilkommunikation in Japan". Sehr aufschlussreich findet die NZZ Michael Martens' Recherchen zum Fall Schulz "Heldensuche". Und die SZ geht hart mit Ferdinand von Schirachs Roman "Der Fall Collini" ins Gericht, dessen Ausweichen in juristische Unklarheiten sie moralisch prekär findet.
Medienticker-Archiv
14.09.2011 Aktualisiert: Shortlist des Deutschen Buchpreises - D-Literatur: Gerd Haffmans Nachruf auf Diogenes Verleger Daniel Keel - Konvertiten unter sich: Norbert Bolz auf den Spuren von Peter Sloterdijk - Warum jetzt jeder ein Experte ist: Wie hat das Internet Ihr Denken verändert? - Fotojournalismus heute: Die verschwundene Dunkelkammer - Gut geölt, aber ohne Herzblut: Mario Vargas Llosas neuer Roman "Der Traum des Kelten" + Das Logbuch des Entkommenseins: Oskar Roehlers erster Roman "Herkunft".
Karikaturen und Cartoons
14.09.2011 Knapp aber tröstlich.
Im Kino
14.09.2011 Kein Vertun beim Töten gibt es wie üblich in der Luc-Besson-Produktion "Colombiana", in der Zoe Saldana kein bläulicher Alien, sondern eine entschlossene Killerin ist. In Mikael Hafstroms Historienfilm "Shanghai" begegnet sich ein Allstarcast mit Gong Li, Franka Potente, John Cusack, Chow Yun-Fat und Ken Watanabe im aufwendig herbeiinszenierten Jahr 1941 zu Spionage- und anderen Zwecken.
In eigener Sache
14.09.2011 Das OLG Frankfurt hat für den Rechtsstreit FAZ und SZ/Perlentaucher einen Termin zur Urteilsverkündung festgelegt.
Donnerstag, 15.09.2011
Heute in den Feuilletons
15.09.2011 In der New York Review of Books verrät George Soros, was geschehen muss, damit der Euro eine Zukunft hat. Techcrunch bringt empörte Stimmen über die Entlassung des Chefs von... Techcrunch. Der Freitag berichtet über geheimnisvolle Zwangshandlungen in der Gattung der Kulturjournalisten. Die FAZ bringt eine Hymne auf Alice Schwarzer und einen deprimierten Artikel Gil Yarons über die Lage Israels. Die linke Zeit findet: Berlin ist bürgerlich geworden. Und wo ist Michel Houellebecq?
Bücherschau des Tages
15.09.2011 Ist sie sich treu geblieben? Hat sie sich verändert? FAZ, taz und Zeit haben schon Alice Schwarzers Autobiografie "Lebenslauf" gelesen und entdecken darin eine atemberaubend lebenshungrige Frau. Als Ausweis politischer Geradlinigkeit liest die NZZ die Essays des chinesischen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo "Ich habe keine Feinde, ich kenne keinen Hass". Die SZ betrachtet wohlig schaudernd Anna Skladmanns Fotografien russischer Neureichensprösslinge "Little Adults".
Medienticker-Archiv
15.09.2011 Die Kulturkonterrevolution ist auf dem Vormarsch - Mathias Döpfner über fairen Wettbewerb zwischen Presse und öffentlichem Rundfunk - Jakob Augstein: Die Zukunft des Leaking - Porträt Daniel Domscheit-Berg: Steuermann unter Deck - Die Top 50 der Nachrichten-Websites - Das Klonen und der Terror: Die virtuellen Archive unseres Bildbewusstseins + "Pop-Art-Pionier": Richard Hamilton ist tot.
Karikaturen und Cartoons
15.09.2011 Immer kommen die Falschen ins Fernsehen.
Freitag, 16.09.2011
Heute in den Feuilletons
16.09.2011 Was ist mit Google Plus? Die Statistiken weisen nach unten, meldet TechCrunch, während Slate Mark Zuckerbergs Kopiertalente preist. In The Daily Beast klagt Benny Morris: Israel geht's schlecht - und wer profitiert? Berlin! Laut turi2 muss Gruner und Jahr seine freien Journalisten frei lassen. Die Welt betrachtet die Zürcher Hochhausausstellung und hat keine guten Nachrichten aus New York. Die NZZ schildert den vom chinesischen Regime veranstalteten Erinnerungskult um die japanische Besatzung. Und FR/Berliner Zeitung murren: Die linken Parteien in Berlin sind die Avantgarde des Stillstands.
Bücherschau des Tages
16.09.2011 Die SZ freut sich sehr über Michael Buselmeiers leise leuchtenden Theaterroman "Wunsiedel", der von einem Außenseiter auf der Bühne der Provinz erzählt. Die FAZ sieht den "Schädel des Marquis de Sade" sehr gut in einer Erzählung von Jacques Chessex aufgehoben. Empfehlen kann sie auch Heinz Ludwig Arnolds Ernst-Jünger-Lesebuch.
Medienticker-Archiv
16.09.2011 Theater-Nachtkritiken: Leonce und Lena in Zürich, Staatsfeind Koolhaas in Hannover und Barbara Honigmanns Theaterroman "Bilder von A." - Richard Powers über Identität im Zeitalter der Reproduktion - Gary Shteyngard über Abhängigkeiten von Handy und Internet - Staatsspionage gegen Journalisten: Sarkozy gerät in den Sog der Schnüffel-Affäre - Halleluhwah! Krautrock-Ausstellungs-Homage a Can.
Karikaturen und Cartoons
16.09.2011 Heiße Flirts in Afrika.
Samstag, 17.09.2011
Heute in den Feuilletons
17.09.2011 In der Welt prangert György Dalos Ungarns Hasskultur an. Oskar Roehler spottet in derselben Zeitung über die Provinzialität der Gruppe 47. Die FAZ bereitet uns auf die Zukunft vor, in der Fortschritt nicht mehr individueller Erkenntnis entspringt. Außerdem fragt sie: Wenn die Tagesschau-App unzulässig ist, warum sollte die ARD dann damit Geld verdienen müssen? Die NZZ sichtet bunte Hühner auf der Kunstbiennale von Lyon. Und die taz geht vor Crazy Bitch in a Cave in die Knie.
Bücherschau des Tages
17.09.2011 Schwere Kost heute: Die NZZ gerät mit William Gass' Roman "Der Tunnel" in einen literarischen Mahlstrom aus Schuld und Verstrickung . Die FAZ liest beklommen Steve Sem-Sandbergs Roman "Die Elenden von Lodz". Die taz stellt Oskar Roehlers Roman "Herkunft" vor, in dem er von seinen schwierigen Eltern erzählt. Außerdme empfiehlt sie Jacques Rancieres antiautoritäre Interventionen "Moments politiques". Für heitere Momente kann die FAZ die Abenteuer der "Sieben Hamster" von Alexis Deacon und Viviane Schwarz empfehlen.
Montag, 19.09.2011
Heute in den Feuilletons
19.09.2011 Die SZ stürzt mit Schostakowitsch in Zürich in eine grelle Depression - und ist begeistert. Welt und taz begrüßen Leander Haußmanns Rückkehr ans Theater. In der FR gibt Rafik Schami nicht mehr viel auf Syriens Despoten Bashar al-Assad. Die FAZ hält fest, dass Erwin Rommel ein Günstling und Emporkömmling der Nazis, kein Mann des Widerstands war. Und die NZZ trauert um die bröckelnde Schönheit Rügens.
Bücherschau des Tages
19.09.2011 Ein guter Tag für die Literatur ist der 30. April, frohlockt die FR nach Lektüre von Annett Gröschners Berliner Großstadtroman "Walpurgistag". Sehr gern mochte die taz auch Judith Schalanskys virtuosen Roman "Der Hals der Giraffe". Und die SZ freut sich über die "Dudenbrooks", postsurrealistische Geschichten aus dem Wörterbuch von Line Hoven und Jochen Schmidt.
Medienticker-Archiv
19.09.2011 20 Jahre Literaturwerkstatt Berlin - Berufsbild: Vom Lektor zum Contentmanager - e-Books: Schöner lesen mit Propeller und Perspektiven von Flatrates in Deutschland - Theater-Nachtkritiken: Abwarten und Tee trinken: Ibsens "Rosmersholm" in Berlin; Hippies in Ephesus: Shakespeares späte Romanze "Perikles" in Wien; Muss der Masse: "Jackson Pollesch" in Warschau - Islam- und Linkengegner: Pöbeln gegen kritische Medienberichte.
Vorgeblättert
19.09.2011 In seiner Autobiografie erzählt Christopher Hitchens, wie aus einem britischen Trotzkisten ein amerikanischer Demokrat wurde und aus einem vehementen Vietnamkriegsgegner ein ebenso vehementer Befürworter des Irakkriegs. Auf den Vorwurf, ein Wendehals zu sein, antwortete er mit John Maynard Keynes: "Wenn sich die Fakten ändern, ändert sich auch meine Meinung - und wie steht's bei Ihnen, Sir?" Lesen Sie hier einen Auszug aus "The Hitch".
Karikaturen und Cartoons
19.09.2011 Auf dem Berliner Pflaster.
Dienstag, 20.09.2011
Magazinrundschau
20.09.2011 Der Merkur vermisst den Nonkonformisten, den möglicherweise die liberale Ironikerin aus dem Feld geschlagen hat. Atlantic Monthly kannn keinen Zusammenhang zwischen Monogamie und Charakter sehen. Ähnliches stellt die New York Times fest, nachdem sie David Lodges Roman über das ausschweifende Liebesleben von H.G. Wells gelesen hat. Die London Review of Books schöpft beim Anblick des Rasens von Tripolis Hoffnung für Libyen. Elet es Irodalom ruft den kritischen Intellektuellen zu: Der Kapitalismus braucht euch! Der New Yorker bedankt sich bei Jean Paul Gaultiers Großmutter. Und das TLS probiert mit Terry Castle Sex mit geladener Waffe.
Heute in den Feuilletons
20.09.2011 In der Welt plädiert Zygmunt Bauman für die Anerkennung des palästinensischen Staates. Die FAZ grübelt, wie die Berliner Piraten jetzt die Server ihrer Wähler werden können. In der NZZ warnt Miriam Meckel: Die Algorithmen von Amazon und Google können tödlich sein. In der taz graust es Kurt Scheel vor Legoland-Denken, Luis Sepulveda spricht über die Studentenproteste in Chile. Die SZ feiert Josef Bierbichlers saftigen Debütroman "Mittelreich". Und in der arte-Mediathek kann man das Philip-Roth-Porträt sehen.
Bücherschau des Tages
20.09.2011 Die
SZ feiert
Josef Bierbichlers kraftvoll bajuwarischen Dorf- und Gastronomieroman "Mittelreich". Sehr interessant findet sie auch
Friedrich Wilhelm Grafs Essays zum kompromisslosen
Protestantismus in der Weimarer Republik. Großes Leseglück beschert
Edmund de Waal der
NZZ mit seinen Erinnerungen an die
Familie Ephrussi "Der Hase mit den Bernsteinaugen" (hier unser
Vorgeblättert).
Medienticker-Archiv
20.09.2011 Michael Naumanns Polemik über das Onlinegeschäft - Thomas Knüwer über Imaginationsjournalismus beim ZDF - Stefan Niggemeier: ARD und ZDF könnten im Internet Maßstäbe setzen - Miriam Meckel malt kühl den digitalen Schrecken an die Wand - Verleger im Netz: Regeln dringend gesucht und Angela Merkel sagt Verlegern Leistungsschutzrecht zu - Jon Callas: Netzunternehmen provozieren mehr Staatskontrolle.
Karikaturen und Cartoons
20.09.2011 Erotische Aktivitäten.
Mittwoch, 21.09.2011
Heute in den Feuilletons
21.09.2011 Die Welt erkennt in den Piraten die Partei der Nochnichtbesserverdienenden. Die taz fürchtet sich vor dem neuen islamistischen Machtkartell in der Türkei. Vor dem Papstbesuch geißelt die FR Benedikt für seinen unseligen Vorgänger Pius XII. In der NZZ erinnert Timothy Snyder an die multikulturellen Heere, die bei Wien auf beiden Seiten gekämpft haben. Und in der FAZ beklagt Martin Mosebach die Opfer der Gruppe 47.
Bücherschau des Tages
21.09.2011 Sehr beeindruckt ist die FAZ von Ilir Ferras sinnlichem Roman "Rauchschatten". Die FR liest mit Bestürzung Angelika Klüssendorfs Roman einer schrecklichen Kindheit "Das Mädchen". Die NZZ stürzt sich mit Georg Stanitzek in die Geschichte der bundesdeutschen Essayistik. Und die SZ studiert Joachim Bromands Geschichte der "Gottesbeweise".
Medienticker-Archiv
21.09.2011 Aktualisiert: Carta-Gründer Robin Meyer-Lucht ist tot - Wolfgang Michal über zu den "Altmedien" abwandernde Blogger - Medienwandel: Auf dem iPad wird für die Zeitschrift wieder gezahlt und die Zielgruppe der 40-bis 59-Jährigen kann New Media zum Durchbruch verhelfen - Generated Content: Scheuklappen im Schnelligkeitswahn - Erst Sex, dann Drugs, aber dann Lehrer statt Rock'n'Roll: Mit dem "kaputten Knie Gottes" humpelt Marc Degens unterhaltsam in den Bücherherbst.
Im Kino
21.09.2011 Joe Carnish "Attack the Block", in dem delinquente Jugendliche ihren Sozialbau gegen schwarz bepelzte Monster verteidigen, legt ein weiteres Mal das visionäre Potenzial des Science-Fiction-Kinos offen In Woo Ming Jins malaysischem Film "Tiger Factory" wird über eine junge Frau verfügt, inklusive ihren Reisepass, ihre Arbeitskraft und ihre Gebärmutter.
Karikaturen und Cartoons
21.09.2011 Geteilte Meinung ist halbes Leid.
Donnerstag, 22.09.2011
Heute in den Feuilletons
22.09.2011 In der FR intoniert Baby Dee ihre Lieblingsliturgien. In der Zeit kann Daniel Richter mit den Inneneinrichtungstendenzen der Malerei gut leben. In der Jüdischen Allgemeinen warnt Gary Shteyngart: Für das moderne Nomadentum braucht es Humor. Im Freitag erinnert Lukas Bärfuss die Ökonomen an das zweite Gesetz der Thermodynamik. Die Welt stößt auf verzerrte Geschichtsbilder in deutschen Schulbüchern. Und die FAZ berichtet vom Tod des Bloggers, Carta-Gründers und Perlentaucher-Autors Robin Meyer Lucht.
Bücherschau des Tages
22.09.2011 SZ und Zeit begrüßen sehr nachdrücklich Joachim Scholtysecks Studie "Der Aufstieg der Quandts", die keinen Zweifel an der tiefen NS-Verstrickung der Unternehmerdynastie lässt. Außerdem feiert die Zeit Angelika Klüssendorfs Roman einer DDR-Jugend "Das Mädchen", neben dem bundesdeutsche Provinzdramolette recht schal erscheinen. FR und NZZ lesen mit Begeisterung Mario Vargas Llosas Roman "Der Traum des Kelten".
Redaktionsblog - Im Ententeich
22.09.2011 Robins Erscheinung konnte täuschen. Mit seinen schicken Anzügen und seiner modernen Haartracht sah er aus wie einer, der was mit Medien macht, und zwar erfolgreich. Das stimmte ja auch. Aber hinter der eleganten Fassade verbarg sich kein Karrierist. Robin war ein Nonkonformist. Er war geschlagen mit einer blitzenden Intelligenz, die immer wieder mit ihm durchging. Freundlich war er, ja, und wollte es sein. Es konnte sein, dass er auf einer Podiumsdiskussion konziliant begann, aber am Ende lag bei aller Verbindlichkeit die Wahrheit glasklar auf dem Tisch. Wer genau hat den Medienwandel, der in den alten Medien lange kaum thematisiert wurde, in den letzten zehn Jahren so kritisch und begeistert begleitet?
Medienticker-Archiv
22.09.2011 Der Lyriker Gary Snyder denkt in seinen "Lektionen der Wildnis" über "Tiefenökologie" nach - Westfälische Posse: Peter Handke und der Candide-Preis - Murdoch-Skandal: "Erst mal vom Tisch" - Zustand der mentalen Implosion: Interview mit Miriam Meckel - Stotterndes Debüt: Maik Brüggemeyers "Das Da-Da-Da-Sein" + Gilbert Keith Chesterton begeistert noch heute mit seinem "Mann, der zu viel wusste".
Karikaturen und Cartoons
22.09.2011 Zum Glück ist Herbst.
Freitag, 23.09.2011
Heute in den Feuilletons
23.09.2011 Die SZ meldet wachsende Verzweiflung bei den Intellektuellen in Ungarn. Die NZZ deutet den Arabischen Frühling als Fortsetzung des antikolonialen Befreiungskampfes. Wie antiisraelisch dieser auch ist, erfährt die FAZ vom algerischen Schriftsteller Boualem Sansal. Die FR erzählt von den Liebesbekundungen deutscher Dichter.
Bücherschau des Tages
23.09.2011 Brillant, aber in seiner Bedrohlichkeit auch ziemlich überzeugend findet die FAZ Marlene Streeruwitz' Roman "Die Schmerzmacherin", der von einer Frau erzählt, die sich nicht zu einer Folterspezialistin ausbilden lassen will. Die SZ versinkt in Antonia S. Byatts Fin-de-Siecle-Roman "Das Buch der Kinder".
Medienticker-Archiv
23.09.2011 Die Klage einer Buchhändlerin: Aufgeschrieben von Jochen Jung - Piraten: Liquid Democracy, White Trash und digitale Moral - Wollt Ihr die totale Transparenz? Facebook will Medienzentrale und Lebensarchiv werden - Trollhaus: Vom Elend der Nutzerkommentare - Neun Jahre Dummy-Magazin: Gut, wenn der Autor brennt - Robert Spaemann über die Todesstrafe in Demokratien als philosophisches Dilemma + Warum Gott nicht mehr an den Papst glaubt.
Karikaturen und Cartoons
23.09.2011 Mal ganz unter uns...
Samstag, 24.09.2011
Heute in den Feuilletons
24.09.2011 Die Welt erklärt, was der Papst meint, wenn er von der "Natur des Menschen" spricht. Nichts Gutes! In der taz hofft der griechische Schriftsteller Giannis Makridakis, dass Gutes aus der Krise seines Landes erwächst. Ohne die EU. In der NZZ erklärt der Zürcher Neurochirurg Arnaldo Benini, wie Krankheit zu Präzision zwingen kann. Die SZ fürchtet, dass Santiago de Compostela jenseits der jährlichen Pilgerscharen und trotz eines kaum fertig zu stellenden neuen Kulturzentrums nicht auf einen Bilbao-Effekt zählen kann.
Bücherschau des Tages
24.09.2011 Die SZ will Oskar Roehlers autobiografischen Roman "Herkunft" zwar nicht als literarisches Meisterwerk gelten lassen, aber als Generationenporträt und Auseinandersetzung mit der Literaturwelt der frühen Bundesrepublik hat er sie tief beeindruckt. Der FAZ schaudert in Inka Pareis "Kältezentrale". Die NZZ empfiehlt einen Roman über Islamismus von Mahi Binebine. Die taz stimmt ein in den Chor der Hymnen auf Jan Brandts Roman "Gegen die Welt".
Montag, 26.09.2011
Heute in den Feuilletons
26.09.2011 Die Welt berichtet von einem chinesischen Traum in 385 Marmorquadern. Die SZ feiert die einigende Kraft des global vernetzten Kulturkonsums. Die FAZ warnt vor Facebooks totalitärer Alltagsdatensammelwut. Gabriele Goettle besucht für die taz einen Fachmann für Organtransplantationen. Und in Slate stellt Peter Aspden klar: Wer kulturell auf sich hält, muss fernsehen.
Bücherschau des Tages
26.09.2011 Sehr souverän und mitunter richtig spannend findet die SZ den zweiten Band von Heinrich August Winklers großer "Geschichte des Westens", der die Zeit der Weltkriege behandelt. Nach Lektüre von Joachim Scholtysecks Familienbiografie "Der Aufstieg der Quandts" entzieht die FAZ der Unternehmerdynastie wieder den Persil-Schein. Viel gelernt hat sie auch von Mohamed El Baradeis IAEA-Bericht "Wächter der Apokalypse".
Medienticker-Archiv
26.09.2011 ZDF und ARD verteidigen erhöhten Finanzbedarf: Ein Kommentar von Stefan Niggemeier - Biografie-Veröffentlichung: Julian Assange ist empört - Theater-Nachtkritik: Kehlmanns Bühnenerstling "Geister in Princeton" in Graz uraufgeführt, Littells "Wohlgesinnten" in Berlin, Borcharts "Draußen vor der Tür" in Mainz, Rasches ästhetisierter Bahnhofskampf "30. September" in Stuttgart und Lessings "Emilia Galotti" in Oberhausen.
Vorgeblättert
26.09.2011 Der Odenwald ist der Schauplatz von Katharina Hackers Erzählung "Eine Dorfgeschichte" aus der Zeit nach dem Krieg. Geheimnisse und Ängste trotzen der Sommerkindheitsidylle, wenn die Dorfbewohner und die Großeltern ihre Geschichten erzählen. Lesen Sie hier einen Auszug.
Karikaturen und Cartoons
26.09.2011 Gartenarbeit und klärende Gespräche.
Dienstag, 27.09.2011
Magazinrundschau
27.09.2011 The Morning Call berichtet von den erbarmunglsoen Arbeitsbedingungen bei Amazon. In Eurozine widerspricht Steve Sem-Sandberg dem Anspruch auf Authentizität in der Lagerliteratur. Le Monde vermisst die Linken auf der Seite der Unordnung. Telerama fährt mit der tunesischen Regisseurin Nadia El Fani Taxi. Im Espresso verteidigt Umberto Eco die italienischen Universitäten. Elet es Irodalom warnt vor dem ungarischen Volks- und Umerziehungsplan. Polityka meldet unfroh, dass junge Polen den Westeuropäern immer ähnlicher werden. Und die NY Times empfängt einen Marihuana rauchenden Dauergast mit viel Gepäck.
Heute in den Feuilletons
27.09.2011 In der FR lehrt Navid Kermani: Nackte Realpolitik ist realpolitisch selbstmörderisch. Mit Blick auf Pakistan kann Christopher Hitchens dies in Slate auf jeden Fall bestätigen. Die NZZ spürt den modernen Wurzeln des amerikanischen Fundamentalismus nach. In der Welt bemisst Catherine Hakim das erotische Kapital von Christine Lagarde. Und die FAZ bewundert die Porträts der amerikanischen Künstlerin Taryn Simon.
Bücherschau des Tages
27.09.2011 Unter Beschuss gerät die SZ beim Lesen von Marlene Streeruwitz' neuem Roman "Die Schmerzmacherin". Die taz würdig Arno Lustigers Studie über den "Rettungswiderstand". Die NZZ liest dagegen mit Vergnügen Martin Deans Roman "Ein Koffer voller Wünsche". Und die FAZ goutiert Elmar Kraushaars Biografie des Fernweh- und Zölibatsbarden "Freddy Quinn", der heute achtzig wird.
Medienticker-Archiv
27.09.2011 Johannes Kuhn über Facebooks "Timeline": Warum die Monokultur scheitern muss - David Eagleman: Wie das Internet die Zivilisation retten kann - Studie: 560.000 Deutsche sollen unter Internet-Sucht leiden - Internetsperre: CDU will Filesharern das Netz wegnehmen - Interview mit AP-Managerin Shazna Ness: "Datenjournalismus ist der wichtigste Trend" - MDR-Intendanten-Wahl: Bernd Hilder spektakulär durchgefallen.
Karikaturen und Cartoons
27.09.2011 Reiterspiele und Stichwortgeber.
Mittwoch, 28.09.2011
Heute in den Feuilletons
28.09.2011 Der Tagesspiegel trifft den algerischen Friedenspreisträger Boualem Sansal. Die taz vermisst in der großen Ausstellung zu Polen und Deutschland die Putzfrauen und Händler vom Polenmarkt. In der NZZ setzt Island jetzt wieder auf echte Werte. Die FAZ berichtet von Komplikationen bei der Wiedergeburt des Dalai Lama. Und in der FR beschreibt Joseph Vogl die Fähigkeit des Kapitalismus, sich an seinen Krisen zu optimieren.
Bücherschau des Tages
28.09.2011 Abgründe taten sich vor der SZ auf, als sie Jon Kalman Stefanssons Islandroman "Der Schmerz der Engel" las. Die FAZ folgt Steffen Radlmaier auf den Spuren von "Beckett in Bayern" und lernt von Jörg Dünne "Die kartografische Imagination". Die FR freut sich über Jan Brandts hyperrealistischen Provinzroman "Gegen die Welt".
Medienticker-Archiv
28.09.2011 Skandalsender Nummer Eins der Republik: Die bittere Bilanz des MDR-Intendanten Udo Reiter - Internet-Themen im Fernsehen: Wie Netz und TV doch noch zueinander finden - Club der halbtoten Netzwerke: VZ-Netzwerke wollen sich neu erfinden - Facebook: Auf dem Weg zur Data DNA und Facebook-Lobby soll Politiker unterstützen - Internetsperren: Markus Beckedahls offener Brief an Siegfried Kauder.
Im Kino
28.09.2011 Jean-Luc Godard findet in seinem "Film Socialisme" kleine, leuchtende Bilder für das große Ganze des europäischen 20. Jahrhunderts. Matthew Porterfield dagegen bleibt auch in seinem zweiten Film "Putty Hill" in Baltimore und registriert Spuren, die ein Mensch in der Welt hinterlassen hat.
Donnerstag, 29.09.2011
Heute in den Feuilletons
29.09.2011 In der NZZ wirft der Friedenspreisträger Boualem Sansal Europa vor, seine demokratischen Ideale verraten zu haben. Im Freitag spottet Oskar Röhler über die Prüderie deutscher Erzähler und George Monbiot geißelt die Geschäftspraktiken der Wissenschaftsjournale. In der Zeit erklärt Umberto Eco den Unterschied zwischen Revolution und Verschwörung. Die taz entdeckt Madame Bovary in einer mexikanischen Mietskaserne. Die SZ erkennt: Der aktuelle Radical Chic will nicht provozieren, nur profitieren. Und die Welt errinert an das große Verbrechen von Babi Jar vor siebzig Jahren.
Bücherschau des Tages
29.09.2011 In den allerhöchsten Tönen preist die Zeit das Universalepos "Herr der Krähen" des nobelpreisverdächtigen Kenianers Ngugi wa Thiong'o. Beeindruckt liest die FR Eugen Ruges über vier Generationen angelegten DDR-Roman "In Zeiten des abnehmenden Lichts". Eine sehr plausible Urknalltheorie entdeckt die FAZ in den "Zyklen der Zeit" des britischen Physikers Roger Penrose.
Medienticker-Archiv
29.09.2011 Kommunaler Diskursmotor: Debatte um die Zukunft des Stadttheaters - Die Narben der Geschichte: Harry Mulischs Dresden-Roman auf der Bühne - Anna-Amalia-Bibliothek: 30.000 Bücher restauriert - Ausgezeichnete Literatur? Regiert der Populismus bei den deutschen Buchpreisen? - Das endgültige Aus? Der Eichborn-Verlag soll am 30. Juni 2012 eingestellt werden - Zugedröhnter Realismus: Tony O'Neills "Sick City".
Karikaturen und Cartoons
29.09.2011 Gartentischgespräche in Lichtgeschwindigkeit.
Freitag, 30.09.2011
Heute in den Feuilletons
30.09.2011 Die Welt erklärt die Zunahme schlechter Schauspieler auf den Theaterbühnen. Die FAZ beendet die Ära der Connaisseure. In der FR versichert Dirigent Henrik Nanasi, dass er es auch krachen lassen kann. Die taz sieht das Ende des Eichborn Verlags näherrücken. Die NZZ erzählt vom Leben und Sterben eines roten Blutkörperchens. Und Open Culture kommt dem surrealistischen Genie auf die Spur.
Bücherschau des Tages
30.09.2011 Sehr beeindruckt liest die SZ Josef Haslingers Roman "Jachymov", der die Geschichte der tschechoslowakischen Eishockeymannschaft erzählt, die 1948 geschlossen in den Gulag gesteckt wurde. Außerdem lobt sie Marie N'Diaye für ihr "Selbstporträt in Grün" als Meisterin des subtilen Horrors. Die FAZ würdigt die Geschichte des schwedischen Lyrikers Kell Epsmark "Vintergata / Milchstraße".
Medienticker-Archiv
30.09.2011 Loriots Interviews: Der Rest ist Lachen - Theater-Nachtkritiken: Orchesterzerreißprobe: "Demokratie in Abendstunden" und "Kein Licht" von Elfriede Jelinek in Köln; Seepartie mit Sarottimohren: "E la nave va" in München; Auf die Spitze getrieben: "Unschuld" in Berlin - Hohn & Spott: Siegfried Kauder unter Medienbeschuss - Ruppige Behutsamkeit: Manuela Fuelles "Fenster auf, Fenster zu" + Pergamon: Spaziergang durch die Hellenenmetropole in Berlin.
Karikaturen und Cartoons
30.09.2011 Bildschirmschonerbedarf.