Montag, 01.06.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
01.06.2015 In der New York Review of Books erzählt der chinesische Filmregisseur und Künstler Hu Jie, wie seine Holzschnitte über den Großen Hunger entstanden sind. Die Musikkritiker genießen ein harmonisches Musikfest - wenn sie nicht gerade vor Chip-Aufladestationen Schlange stehen. Die Welt hofft auf ein eigenes Haus für den Tanz in Berlin. Frank Castorfs "Brüder Karamasow" bei den Wiener Festwochen provozieren eine ganze Skala von Reaktionen, von A bis B. Die Elaine-Sturtevant-Ausstellung in Berlin gibt leider keine Idee vom Original nach dem Original, bedauert der Tagesspiegel.
9punkt - Die Debattenrundschau
01.06.2015 Ausrangiert? Die taz-Autorin Gabriele Goettle schickt eine ihrer letzten Reportagen von einem Gnadenhof. In der FAZ gibt Lutz Hachmeister Entwarnung: Es gibt gar keine "digitale Gesellschaft". Huffpo.fr polemisiert gegen die Fraktion der französischen Linken, die sagt, "ich bin Charlie, aber..." Und die SZ fragt, ob Schimpansen Personen seien.
Medienticker
01.06.2015 Vom Falschen im Echten: Wenn Satire den Journalismus ersetzt & ein Interview mit den Machern von "Die Anstalt" - Blatterei: Die FIFA & die Medien - Unternehmer & Künstler: Arno Widmann zum Tod von Alfred Neven-Dumont - Einkaufstour: Apple kauft Augmented-Reality-Firma Metaio - Dämonen in der Sargfabrik: Theater-Nachtkritiken aus Hamburg, Köln & Wien - Shortlist des Internationalen Literaturpreises Berlin + Blumenmädchen & Frau Minister: Vor 250 Jahren wurde Christiane Vulpius geboren.
Bücherschau des Tages
01.06.2015 Nicht unbedingt höchste Literatur, aber ganz große Klasse findet die SZ Tom Clancys Krim-Roman "Command Authority". Und nein: Sie hat keinen an der Militariawaffel! Außerdem bespricht sie Uwe Wittstocks Biografie seines einstigen Chefs Marcel Reich-Ranicki.
Dienstag, 02.06.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
02.06.2015 Die FR hört sich mit Hasenohren durch Lucia Ronchettis "Mitternachtsabitur". Die taz begutachtet die traurigste aller Technologien im Frankfurter Museum für Angewandte Kunst. Die NZZ durchlebt mit László Krasznahorkais neuem Erzählband die epochale Entfremdung der Moderne. Jonathan Rosenbaum untersucht in seinem Blog den ästhetischen Einfluss des Marihuanakonsums auf das Kino der 60er. Die FAZ verweigert das gutgelaunte Genießen bunter Pop-Ästhetik in einer Ausstellung über Ost- und Westberliner Architektur der 60er Jahre.
Magazinrundschau
02.06.2015 Erfrischend findet die New York Review of Books die mangelnde Kriegserfahrung des irakischen Premiers Haider al-Abadi. Der Merkur wirft ein kritisches Auge auf den Literaturbetrieb. Mengenlehre war gestern, univalente Grundlagen sind die Zukunft der Mathematik, verkündet Wired unter Berufung auf den Mathematiker Vladimir Voevodsky. Eurozine und Tablet greifen noch einmal die Charlie-Hebdo-Debatte auf. Und das New York Magazine erinnert an den ersten telegenen Hamburger: hergestellt von einem Franzosen.
9punkt - Die Debattenrundschau
02.06.2015 Warum hassen Islamisten die Frauen?, fragt Kamel Daoud in der huffpo.fr. Und verdient Blasphemie ein Lob?, fragt slate.fr. Die taz verfolgt Milo Raus Kongo-Tribunal. Die SZ staunt über immer neue Willkürakte des Kreml auch in Russland selbst. In der taz findet Micha Brumlik bei Martin Buber Argumente für eine israelisch-palästinensische Einstaatenlösung. Spiegel Online und das Altpapier haben herausgefunden, wer die FIFA-Korruption wirklich finanziert: Wir.
Medienticker
02.06.2015 Journalismus: Gute News, schlechte News & Wenn alle die Ersten sein müssen - Vorratsdatenspeicherung: An der Grenze des geltenden Rechts - Georg M. Oswald über TTIP: Was das Abkommen für die Literatur bedeutet - Springer: Mathias Döpfners Optimismus - Muppet Show statt Literaturkritik: Helmut Böttiger über das "Literarische Quartett" - Nachruf: Klaus Theweleit zum Tod von Walter Mossmann - 50 Jahre "I Can't Get No Satisfaction": Hymne der Unzufriedenen.
Bücherschau des Tages
02.06.2015 Die
FAZ lernt in
Ernst Kausens monumentaler Enzyklopädie alles über "Die Sprachfamilien der Welt" - außer
Rongorongo. Die
NZZ gelangt mit
Laszlo Krasznahorkai an den Nullpunkt des Verstehens. Die
SZ lernt in
Valerie Fritschs "Winters Garten" die
Schönheit des Weltuntergangs zu genießen (Hier unser
Vorgeblättert). In Karin Leukefelds Reportagenband "Flächenbrand" erfährt sie, was Frankreich in Syrien treibt.
Tagtigall
02.06.2015 "Randständigkeit ist kein Lebensprinzip der Poesie", rief Nora Bossong kürzlich in der Zeit. Also ins Zentrum? Egal, Hauptsache es gibt das Ungewisse.
Mittwoch, 03.06.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
03.06.2015 Auch Putin-Gegner können ganz schön verwirren, lernt die nachtkritik bei einer Diskussion mit russischen Theatermachern. Der Tagesspiegel fordert bessere Folterszenen in Händels "Giulio Cesare in Egitto". Der Standard berichtet über eine Filmschau zur syrischen Moderne. Die Spex feiert Felix Laband als Anti-Isolde-Ohlbaum des Pop. Dem Zeit-Feuilleton soll man heute mit einer Schere zu Leibe rücken.
9punkt - Die Debattenrundschau
03.06.2015 Sollten wir Bibel und Koran verbieten?, fragt Kenan Malik in seinem Blog. Der populäre Philosoph Markus Gabriel findet in der FR die Idee der Wirklichkeit auch so schon leer. Laut SZ werden die französischen Zeitungen zunehmend zu Spielzeugen der Milliardäre. Die NZZ beugt sich über die albanische Vergangenheit.
Medienticker
03.06.2015 Aktualisiert: Die Meinungsvielfalt der deutschen Presse ist Geschichte: Marcus Klöckner über Thomas Meyers "Die Unbelangbaren" - Grenzwertig: In der FAZ darf Ägypten sich selber loben - Der Bund fördert Comicforschung mit Millionen: Eine PR-Idee meint Thomas Hummitzsch - EU-Kommission: Keine neue Regulierung marktbeherrschender Internet-Unternehmen - Mobile Freidenker: Die digitale Vision der Bahn + Als Autor um die Welt & auf der Bühne: Ein Gespräch mit Eugen Ruge.
Bücherschau des Tages
03.06.2015 Als luzider Denker und subversiver Nestbeschmutzer erweist sich Lukas Bärfuss in seinen Essays, freut sich die FAZ. Die SZ staunt über Leben und Werk der Magnum-Fotografin Eve Arnold. Große Verbreitung und eine baldige Übertragung ins Türkische wünscht die NZZ Rolf Hosfelds Völkermord-Studie "Tod in der Wüste". Und die Zeit vergnügt sich mit dem philosophischen Slapstick von Oliver Jeffers Kinderbuch "Steckt".
Im Kino
03.06.2015 Claude Lanzmann spricht in "Der letzte der Ungerechten" mit Benjamin Murmelstein, dem Judenältesten von Theresienstadt. In Daniel Espinosas "Kind 44" hört man stalinnostalgische Drehbuchseiten rascheln.
Donnerstag, 04.06.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
04.06.2015 Die Welt lässt sich von den Brüdern Lumiere in Bewegung setzen. Bertrand Tavernier führt dazu auf Youtube in die Geschichte des Kinematografen ein. Der Freitag liest optimistische Science Fiction von Iwan Jefremow. Die NZZ hört Carmen-Francesca Banciu zu, die im im Dradio Kultur von ihren Erlebnissen als Dorfschreiberin von Katzendorf erzählt. Auch die Berliner Philharmoniker möchten sich morgens gern auf ihre Arbeit freuen, meldet der Tagesspiegel.
9punkt - Die Debattenrundschau
04.06.2015 Taslima Nasrin geht ins amerikanische Exil, melden die Agenturen. Richard Herzinger zerpflückt auf seinem Blog den Mythos vom russischen Antifaschismus. Die taz versteht nicht, warum sich Bundespräsident Gauck mit dem ägyptischen Präsidenten al-Sisi trifft. Correctiv.org stellt ein Crowdfunding-Projekt vor, das die "Akte NSU" bündeln will. Die New Republic fragt, ob die sexy Pose der Caitlyn Jenner auf dem Cover von Vanity Fair der Sache der Cisgender-Frauen schadet.
Bücherschau des Tages
04.06.2015 Vergnügen und Erkenntnis, Zeitkolorit und einen postmodernen doppelten Boden beschert Steffen Kopetzky der NZZ mit seinem historischen Roman "Risiko" über die deutsche Afghanistan-Expedition von 1915. Die taz begibt sich mit Sebastian Jung im Jenaer Stadtteil Winzerla, aus dem auch das NSU-Trio kommt, auf künstlerische Spurensuche.
Freitag, 05.06.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
05.06.2015 Anish Kapoors "Vagina der Königin" in Versailles ist reinstes Rokoko, schwärmt der Guardian. Zeit online feiert den toughen, skandinavischen Pop-Feminismus. Die Berliner Zeitung hört japanischen Babymetal. Die FAZ durchlebt ein langes Elend mit Lydia Steiers Inszenierung der Händel-Oper "Giulio Cesare".
9punkt - Die Debattenrundschau
05.06.2015 Auch zwei Jahre nach seinen Enthüllungen verteidigt Edward Snowden unter anderem in Libération die Idee der offenen Gesellschaft. In der FAZ kritisiert Caspar Hirschi Reinhart Kosellecks Kritik der Kritik. Die taz hofft auf die türkische Partei HDP als Gegengift zu Tayyip Erdogan. Google verspricht bei Politico, geschickter zu kommunizieren. Und die New Republic unterstreicht, dass man Comedians nicht mit Intellektuellen verwechseln sollte.
Medienticker
05.06.2015 Aktualisiert: Live drauf überall: Periscope wird zum Recherche-Tool - Digital Publishing: Holtzbrinck gründet digitale Content Gruppe - 20 Jahre: Journalisten im Internet - Charts: Die 100 populärsten deutschsprachigen Medien auf Twitter - Politische Bildung: Reality-TV als Aufklärung - "Lügenpresse": Ein Gesprächsversuch mit Kritikern - Theater: Mühlheimer Dramatikerpreis für Ewald Palmetshofer - 50 Jahre "Summer of Love": Enthemmt, LSD-Glück & Liebe + Die volle Dröhnung John Lennon auf Vinyl.
Bücherschau des Tages
05.06.2015 Bauchmuskelkater vor Lachen bereitet Henrik Tikkanens satirischer Roman "Brändovägen 8 Brändö. Tel. 35" aus dem Jahr 1975 der FR. Bei Wilfried Buchta, Christoph Günther und Guido Steinberg informiert sie sich außerdem über den Aufstieg des IS. Und für die FAZ steht nach der Lektüre des Essaybands "Körper des Königs" fest: Pierre Michon wird einmal einer der bedeutendsten französischen Autoren der Gegenwart gewesen sein.
Samstag, 06.06.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
06.06.2015 In der FAZ klagt Norbert Niemann die Verlage an, die totale Kommerzialisierung der Literatur zu betreiben. Die Welt druckt eine Erzählung Leonardo Sciascias aus den Sechzigern über illegale Auswanderer aus Sizilien. In der taz erzählt der syrische Lyriker Faraj Bayrakdar von Haft und Folter unter Assad. Die Welt lernt in einer Ausstellung zum Kunstkollektiv Black Mountain College binnenkünstlerische Notwendigkeit. Die FR porträtiert Susanne Kennedy, die mit Chris Dercon an die Volksbühne kommen wird, als Vatermörderin.
9punkt - Die Debattenrundschau
06.06.2015 Villa Kunterbunt oder ästhetisches Verbrechen? Vor dem Richtfest des Berliner Stadtschlosses sind sich taz und SpOn uneins in der Bewertung von Deutschlands seltsamstem Gebäude. Die FR erinnert an die Anfänge des organisierten Fußballs in Deutschland. Die Welt erklärt, wie die Terroranschläge vom Januar die französische Gesellschaft voran gebracht haben. Und die New York Times wäre lieber Kunde als Produkt von Facebook.
Bücherschau des Tages
06.06.2015 Die FAZ staunt über Albert Camus' journalistische Ethik. Die NZZ liest mit Wang Gangs "Der Englischlehrer" ein schwules uigurisches "Frühlings Erwachen". Die SZ lässt sich von der Autobiografie des Neuropathologen Oliver Sacks rühren. Die Welt lernt mit Evan Osnos die "Großen Ambitionen" Chinas kennen.
Bücherbrief
06.06.2015 Laszlo Krasnahorkais Satzkaskaden, Ricardo Piglias Selbstgespräch über Literatur, Merle Krögers Dokufictionthrilleressayroman, Indiens Krise und der Aufstieg des Islamischen Staats - dies alles und mehr in den besten Büchern des Juni.
Montag, 08.06.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
08.06.2015 Ein Abend in der Kloake, deftiges Irrenhausklischee, Elendsporno - Michael Thalheimers Inszenierung von Maxim Gorkis "Nachtasyl" an der Schaubühne ließ die Kritiker kalt. Nur die FAZ fand den Abend unangenehm aktuell. Die NZZ sucht Louise Bourgeois in einem hellblauen Gummitropfen. In der taz plädiert die indonesische Schriftstellerin Ayu Utami für unverheirateten Sex. Der Tagesspiegel steht überwältigt im Rohbau des Berliner Stadtschlosses.
9punkt - Die Debattenrundschau
08.06.2015 Raif Badawi soll nun doch tausend Peitschenhiebe erhalten und zehn Jahre im Gefängnis bleiben, melden die Medien. Der Guardian erinnert an sein Verbrechen: Er ist für die Trennung von Staat und Religion eingetreten. Der NZZ graut vor Capital Cairo. Wenn die Staaten so scharf darauf sind, das Internet zu kontrollieren, dann vielleicht auch, weil es ein Raum der Freiheit ist, vermutet Alan Rusbridger in der CJR. Was bedeutet es eigentlich, dass ein zentraler Ort deutscher Repräsentation wie das Humboldt-Forum ganz ohne Deutschland auskommen will?, fragt die FAS.
Medienticker
08.06.2015 Nachrichten via Smartwatch: Verändert das den Journalismus? - Pay later: Bild am Sonntag bringt Klaubeutel online - Stammkunden: Die Fata Morgana des Onlinehandels? - Was vom Dichter bleibt: Über Vor-, Nachlässe & den Nachruhm von Autoren in Marbach - Gespräch mit Theresia Enzensberger über ihren Block-Blogg - Ich schere mich einen Dreck um Literatur: Bernward Vespers "Reise" wiedergelesen + Aus dem Familienalbum: Marcel Reich-Ranicki zum 95. + Obamas Lederhose.
Bücherschau des Tages
08.06.2015 Die FAZ liest mit großer Begeisterung Stefanie Höflers Kinderbuch "Mein Sommer mit Mucks", das beherzt und genau von Liebe und Gewalt erzählt. Mit Rob Biddulph folgt es dem Pinguin auf seiner Reise in den Dschungel. Die SZ lässt sich von Christian Bommarius ein weiteres Kapitel in der unrühmlichen Geschichte des deutschen Kolonialismus erzählen. Die FR empfiehlt Heribert Prantls Plädoyer für eine andere Flüchtlingspolitik "Im Namen der Menschlichkeit".
Dienstag, 09.06.2015
Magazinrundschau
09.06.2015 In The New Republic überlegen Neil Gaiman und Kazuo Ishiguro, warum sich plötzlich selbst die chinesische KP für Science Fiction interessiert. TomDispatch schildert die Anfänge der systematischen Folterpraktiken der CIA. In Eurozine vermisst Slavenka Drakulic eine Frauenbewegung in Osteuropa. Collector's Weekly vermisst die Tapekultur. La Regle du Jeu sucht nach Alternativen für den Begriff Shoah. Al Ahram fragt: Kauft Katar die arabische Literatur? Die New York Times sorgt sich um den digitalen Imperialismus Silicon Valleys.
Efeu - Die Kulturrundschau
09.06.2015 Die Literary Review erinnert an die Zeit, als Schotten die Literaturkritik mit Witz und doppeltem Bluff beherrschten. Im Freitag bewundert Georg Seeßlen das vernetzte System der Subjektivitäten in "Game of Thrones". Die FAZ staunt über die Aktionskunst Lee Millers. Im Blog hundertvierzehn beschreibt der salvadorianische Autor Horacio Castellanos Moya die Psychologie des Exils. Und die NZZ stellt ein fluides Raumkontinuum von Toyo Ito vor, das auch als Oper dient.
9punkt - Die Debattenrundschau
09.06.2015 Wird Tayyip Erdogan seine Niederlage verkraften, fragen die Zeitungen. In der NZZ verzweifelt Kiran Nagarkar an der indischen Fortschrittsresistenz. In der SZ sucht Frank-Walter Steinmeier einen neuen deutschen Blick auf die Welt. Das französische Blog arrêtsurimage erklärt, warum die iranische Karikaturistin Atena Farghadani zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt wurde.
Medienticker
09.06.2015 Dichterfreunde: Autoren & Verlage auf Facebook - Von Print zu Pixeln: Digitale Medien sind Kontext-Medien - News-App: Apple will stärker auf Verlags-Inhalte setzen - Will it blendle? Artikel-Kiosk Blendle startet diese Woche in Deutschland - Proust neu übersetzt: Der Literat & die Lust - Dante Superstar: Die "Commedia" aus der Sicht eines staunenden Lesers und Dante & Heidegger - Warum die große Disruption des Fernsehens gerade erst beginnt, erklärt Luca Caracciolo + In memoriam: Carl Nielsen zum 150.
Bücherschau des Tages
09.06.2015 Am spannendsten von allen neuen Napoleon-Titel findet die SZ den des britischen Historikers Munro Price, der ihr sehr deutlich macht, dass Napoleons Ende lange vor Waterloo besiegelt wurde. Hunter S. Thompson verlangt mit seiner "Odyssee eines Outlaw-Journalisten" der FAZ echte Treue ab. Die FR bewundert Siri Hustvedt. Die NZZ feiert Leta Semadinis rätoromanischen Roman "Tamangur".
Mittwoch, 10.06.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
10.06.2015 Der Standard findet mikroskopische Lebensformen im Viennale-Bunker in Konjic, Albanien. Brian Wilson sah nie aus wie Bruce Springsteen, notiert die Presse nach einem Besuch des Beach-Boy-Films "Love & Mercy". Das westdeutsche Kino der 50er war Mamas Kino, ruft Rainer Knepperges in New Filmkritik - Papas Kino kam erst mit dem Jungen Deutschen Film.
9punkt - Die Debattenrundschau
10.06.2015 Etwas Wundersames ist in der Türkei geschehen, staunt die Welt nach den Wahlen. In der FR konstatiert die Linguistin Monika Schwarz-Friesel, dass Antisemitismus in Deutschland eine Sache der gebildeten Stände ist. In der Deutschen Welle analysiert Gerd Koenen die unausgegorenen Eurasien-Diskurse Wladimir Putins. Politico macht sich Sorgen um die Londoner City, die womöglich nach Frankfurt umziehen muss. Und ein Tipp von Vice: So fährst du Fahrrad, ohne ein Arschloch zu sein.
Medienticker
10.06.2015 IVW-Zahlen: Mobile boomt weiter & die News-Top-50 - Apple News, Instant Articles & Co.: Das Ende der Zeitungen und Zeitschriften, wie wir sie kennen - Digitalkiosk Blendle: Schlechter Text? Dann gibt's Geld zurück - Digitalkonferenz Noah: Oettinger fordert mehr Geld für Start-ups - Krise am deutschen Buchmarkt: Es fehlen die Bestseller - Begegnungen: Ein neuer Blick auf Walter Benjamin - Im Zirkus der Revolution: Heiner Müllers "Der Auftrag" bei den Ruhrfestspielen + Mit Blick für das chaotische Innenleben: Saul Bellow zum 100.
Bücherschau des Tages
10.06.2015 Glänzend recherchiert und spannend wie einen Krimi findet die NZZ Thomas Urbans Studie "Katyn 1940". Die FAZ folgt Annika Reich in die Zwickmühle zwischen Emanzipation, Selbstverwirklichung und Einsamkeit. Von Mark Lilla lässt sie sich außerdem erläutern, wie große Denker zu Philotyrannen werden. Und die FR lernt Alexandre Kojève im "Tagebuch eines Philosophen" als gewöhnlichen jungen Mann kennen, der schlechte Gedichte schreibt.
Vom Nachttisch geräumt
10.06.2015 Ein Blick ins Quartiere Michelangelo von Palermo, auf die Logienquelle Karl Lagerfelds, zärtliche Haie, perverse Verse und die fehlende Vergebung in der protestantischen Ethik.
Donnerstag, 11.06.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
11.06.2015 Die NZZ verliebt sich in die radikalen Pietisten des Dichters Ulf Stolterfoht. Giorgio Moroders erstes Album seit 30 Jahren ist perfekt, aber nicht fantastisch, urteilt eine verstörte SZ. Größenwahnsinnige Wissenschaftler, staunende Kinderaugen, jede Menge weit aufgerissene Sauriermäuler - in "Jurassic World" funktioniert selbst dieses abgenudelte Konzept, versichern die Kritiker.
9punkt - Die Debattenrundschau
11.06.2015 Die Zeit schämt sich für das Humboldt-Forum, dessen Exponate sich angeblich unserem "blutigen Welterlösungsdrang" verdanken. Hermann Parzinger von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz kontert im Freitag: "Kolonialer Kontext ist nicht automatisch Unrechtskontext." Die deutsche Bevölkerung hat in digitalen Dingen die Bundesregierung, die sie verdient, fürchtet Sascha Lobo bei Spiegel online. Die Welt sucht nach Gründen für die afrikanische Misere und findet sie in Europa. Und Saudi Arabien sucht Henker!
Medienticker
11.06.2015 Internet.org als Tor zur Welt: Facebook praktiziert den digitalen Kolonialismus - Macht der Internetkonzerne: Amerika ist abgebrannt, wir leben jetzt in Google-Land - Österreichs geplantes Leistungsschutzrecht: Noch schlechter als in Deutschland & Anke Domscheit-Berg meint: "Wer überwacht wird, ist nicht frei" - 50 Jahre "Kursbuch" oder Was Kritik heute überhaupt noch kann - "Reißzahn im Arsch der Mächtigen"? Interview mit Claus Peymann + Himmel ist hell über den Hamptons: James Salter zum 90.
Bücherschau des Tages
11.06.2015 So lehrreich wie kurzweilig findet die taz Stefan Koldehoffs Geschichten über van Goghs Bilder und ihre Sammler. Die FAZ freut sich über drei glänzend neuübersetzte Romane von Evelyn Waugh. FAZ, NZZ und SZ gratulieren Christoph Meckel zum morgigen Achtzigsten und seinen im Band "Tarnkappe" gesammelten Gedichten. Und die Zeit lässt sich von Klaus-Jürgen Bremm, Günter Müchler und Munro Price rekonstruieren, was vor 200 Jahren in Waterloo geschah.
Im Kino
11.06.2015 Ganze 12 Dinosaurierarten mehr als das Original aus den Neunzigern präsentiert Colin Trevorrows "Jurassic World". Ein notwendiger Diskursbeitrag wider Volkes Stimme ist Hubertus Siegerts Dokumentarfilm über drei Strafvollzugskonzepte "Beyond Punishment".
Freitag, 12.06.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
12.06.2015 Ornette Coleman, der "sound of shock and awe" des Jazz ist tot. Und Christopher Lee, der erste transsilvanische Blutsauger in Farbe. Die Feuilletons trauern. Das Ullstein-Blog Resonanzboden veröffentlicht einen Text des saudi-arabischen Bloggers Raif Badawi, der den syrischen Dichter Al-Muthanna Al-Sheikh vorstellt. Die Presse steht ratlos auf der Vienna Biennale und fragt: Sind Künstler für alles zuständig?
9punkt - Die Debattenrundschau
12.06.2015 In Berlin-Mitte zeichnet sich die bizarre Betonsilhouette der noch nackten Schloss-Attrappe ab. Heute ist Richtfest: die Feuilletons schwanken zwischen Feierlichkeit und Kritik. Die Welt verabschiedet ein Jahr nach dem Tod Frank Schirrmachers das Feuilleton als Schicksalsort der Debatte. Mit Grauen sehen die Medien zu, wie den MdBs die Gigabytes zwischen den Fingern zerrinnen. Die ukrainische Autorin Tanja Maljartschuk erzählt in freitext die Geschichte ihrer Urgroßväter.
Medienticker
12.06.2015 Aktualisert: Mathias Müller von Blumencron warnt: Facebook wird zu einer Gefahr für die Medien - Vorratsdatenspeicherung: Medien & Anwälte protestieren - Totalschaden? Trojaner-Angriff auf den Bundestag & Bis zu 50.000 Hacker in Russland - Theater-Nachtkritiken aus Leipzig & Wien - Kulturbaustelle: Hermann Parzinger über das Humboldt-Forum - Papier für die Welt: Murdoch globalisiert sein "Wall Street Journal" - Peter Kurzeck: Der heimatlose Hesse - In memoriam: Wolfgang Herrndorf wäre heute 50 geworden.
Bücherschau des Tages
12.06.2015 Tief beeindruckt verfolgt die SZ Jón Gnarrs Weg vom anarchistischen Störenfried zum Bürgermeister von Reykjavik. Die FR handelt Carol O'Connells Krimi "Kreidemädchen" als grandiosen Geheimtipp. Die FAZ folgt fasziniert den Erzählungen von Picassos Muse Françoise Gilot und begibt sich auf lehrreiche Zeitreisen: mit Elke Stein-Hölkeskamp ins archaische Griechenland und mit Wolfgang Blösel in die römische Republik.
Samstag, 13.06.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
13.06.2015 Die NZZ fragt, wann sich die Performance-Kunst eigentlich von den Museen an die Leine legen ließ. Für die Zeit geht es völlig in Ordnung, dass der Maler Wolfgang Herrndorf nie modern sein wollte. In der Welt meint Klaus Farin, dass man auch antidemokratische Minderheiten aushalten muss, vor allem in der Rockmusik. In der Berliner Zeitung sitzt der Dramatiker Ferdinand Schmalz am liebsten vor dem Brecht-Regal: Das spornt an.
9punkt - Die Debattenrundschau
13.06.2015 Hilft der internationale Druck? Raif Badawi wurde gestern nicht ausgepeitscht, berichtet die FAZ. Nach dem Richtfest des Humboldt-Forums hoffen die Medien, dass am außereuropäischen Wesen Deutschland genesen wird. Libération berichtet über die Erfolge der Israel-Boykottbewegung unter Popmusikern. In der Welt lotet Wolfgang Schivelbusch Napoleons Waterloo aus. Und Surrealismus: Bei der Verleihung eines Preises für Zeitdiagnostik an Enzensberger wird Morozov Schirrmacher rezitieren.
Bücherschau des Tages
13.06.2015 Keine Reue, keine Wut: Der Welt gefällt sehr gut, wie Angelica Huston auf ihr Leben zurückblickt. Von Lorrie Moore hätte sie sich mehr Sarkasmus und weniger Witzigkeit gewünscht. Die taz freut sich, dass in Katrin Seddigs Roman "Eine Nacht und alles", Frauen lässig durch ihr Leben ziehen, anstatt neurotisch der Karriere hinterherzujagen. Die FAZ erinnert sich an den Komponisten Niels W. Gade und seinen nordischen Ton.
Montag, 15.06.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
15.06.2015 Auf Zeit online erklärt Manfred Prasser, Architekt des Palasts der Republik, warum das neue Stadtschloss "Entschuldigung, Scheiße" ist. Die FAS steht ganz still in einer Ausstellung australisch-indigener Kunst. Im Standard erzählt der sardische Autor Gavino Ledda, wie ihn die Natur als achtjährigen Schafhirten Schreiben lehrte. Bei den Autorentheatertagen in Berlin flogen die Fetzen, meldet der Tagesspiegel. In der FAZ erzählt Maurizio Pollini, wie Beethoven arbeitete.
9punkt - Die Debattenrundschau
15.06.2015 Im Standard spricht die deutsch-chinesische Autorin Xifang Yang über Mao-Nostalgie in China. In der FAZ zieht Brendan Simms Lehren aus Waterloo. Bei freitext kritisiert Feridun Zaimoglu die Kritiker von Religion. Die taz langweilt sich bei der FAZ-Lektüre. Im Observer benennt Kenan Malik eine Fehlstelle des Postkolonialismus.
Medienticker
15.06.2015 Nach Hackerangriff: Raus aus der digitalen Hilflosigkeit, meint Frank Rieger - EU-Justizminister: Mehr Datenschutz für Internet-Nutzer in Europa - Facebook first: Die Koppelung von Massenmedien & Daten - Theater-Nachtkritiken aus Berlin, Essen & Saarbrücken - Provokativ demontierte Theater-Theorien: Michael Laages über "Lob des Realismus" von Bernd Stegemann - Eine Frage der Hautfarbe: Patrick Bahners über Rachel Dolezal + Der Philosoph des Dialogs: Zum 50. Todestag Martin Bubers.
Bücherschau des Tages
15.06.2015 Kann gut sein, meint die SZ, dass Frank Witzels Roman "Die Erfindung der Rote Armee Fraktion durch einen manisch depressiven Teenager im Sommer 1969" der große Epochen- und Bewusstseinsroman ist, auf den wir gewartet haben. Ganz sicher erzielt Marc-Antoine Mathieus Comic "Richtung" ihrer Meinung nach mit minimalen Mitteln maximale Wirkung.
Dienstag, 16.06.2015
Magazinrundschau
16.06.2015 "Urlaub im Protektorat"? Das tschechische Magazin Aktualne winkt dankend ab. Lyrik? Sollte man auch besser lassen, meint die London Review. Der Economist sucht nach Gründen für den Hass auf die Rohingya in Burma und findet sie - bei den Briten. Les inrockuptibles sucht nach Gründen für die Identitätskrise Frankreichs und findet sie - bei Mitterand. Französische Denker sind auch nicht mehr, was sie waren, diagnostiziert Sudhir Hazareesingh im Guardian.
Efeu - Die Kulturrundschau
16.06.2015 Frank Gehry verleiht der Barenboim-Said Akademie Flügel, freut sich der Tagesspiegel. Die NZZ führt einen verheißungsvollen sudanesischen Dialog mit Marinetti. Karl Ove Knausgard erklärt in New York, welchen Einfluss Lars von Trier auf ihn hatte. Zeit online, NYT und der New Yorker bewundern die große Albert-Oehlen-Retrospektive in New York. 3sat widmet sich dem zweitdreckigsten Geschäft nach dem internationalen Drogenhandel.
9punkt - Die Debattenrundschau
16.06.2015 Die Aktionskünstler vom Zentrum für politische Schönheit wollen die exhumierten Leichen ertrunkener Flüchtlinge nach Deutschland bringen - aber wollen sie das wirklich?, fragen taz, Vice und SZ. Im Tagesspiegel fordert Laurie Penny eine Revolution der faulen Frauen. Im Guardian verteidigt Cory Doctorow die Internet-Utopisten. Und nach der Formel über die "Demokratieabgabe" kursiert bei den Öffentlich-Rechtlichen laut Welt nun ein neuer Neusprech: "Die beste Möglichkeit, kritisch... über die FIFA zu berichten, ist der Rechteerwerb."
Medienticker
16.06.2015 Aktualisiert: Harry Rowohlt ist tot - Globaler Journalismus: Interview mit Wolfgang Blau über neue mediale Verbreitungswege - Mobil denken: New York Times sperrt Redakteuren die Homepage - One more thing: Apple beschäftigt bald eigene Journalisten - E-Book-Singles: Was ich noch zu sagen hätte, kostet 99 Cent - Werbemarkt im Mai im Minus: BamS bleibt größter Print-Verlierer - Heftig.co: Der Gründer erzählt - Das Liebes-Geschehen: Rainer Langhans wird 75 + Joyce forever: Ein Gespräch mit Friedhelm Rathjen zum Bloomsday.
Bücherschau des Tages
16.06.2015 Die NZZ segelt mit Daniel Defoe in die Piratenrepublik "Libertalia" und lernt die Vorzüge einer herrschaftsfreien Räuberdemokratie zu schätzen. Kraftvoll und mitreißend findet die FR Julia Wolfs Roman über eine durchs Leben strauchelnde Heldin "Alles ist jetzt". Die SZ arbeitet sich wacker durch die Manchester-Hefte der Marx-Engels-Gesamtausgabe, vierte Abteilung, fünfter Band. Die FAZ empfiehlt Eva Illouz' Israel-Essays.
Mittwoch, 17.06.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
17.06.2015 Schwarze französische Schauspieler wollen nicht den Othello spielen, sondern den Hamlet, lernt die NZZ. In der SZ erzählt die kubanische Künstlerin Tanja Bruguera von ihrem Institut für aktive politische Kunst, dem "Institut Hannah Arendt". Gut für Paris, dass Napoleon so viel Krieg führen musste, lernt die Welt in einer Ausstellung. Die Presse lässt sich auf dem Nova Rock von Deichkind auf euphorischen Kurs bringen. Und alle trauern um Harry Rowohlt, der jetzt nie mehr spätabends Kritikern am Telefon die Leviten liest.
9punkt - Die Debattenrundschau
17.06.2015 Warum lässt Südafrika den sudanesischen Despoten Omar al-Baschir entkommen?, fragt La Règle du Jeu. Die FR beschreibt, mit welchen Mitteln der Kreml die russischen Medien auf Linie gebracht hat. In der Berliner Zeitung protestiert Filmemacher Volker Heise gegen die Berliner Schlossattrappe. Und darf sich Rachel Dolezal zur Farbe Schwarz bekennen? Und Hannah Pool zur Farbe Rosa?
Medienticker
17.06.2015 Aktuelle Berichterstattung: US-Medienkonzerne lassen gemeinsam Drohnen starten - Paid Content weltweit: Fast keiner will für Online-News zahlen - E-Book: Singles für 99 Cent sind ein Flop - Onlinehandel: Amazon will Privatpersonen zu Lieferanten machen - Groll am Main: FAZ vs. Bild Frankfurt - Nach Hetze: Lübecker Nachrichten kapitulieren vor Trolls - Let's teamwork! Beiträge zur Stadttheaterdebatte - Der große Eistaucher: Arktis-Tagebuch von Arthur Conan Doyle.
Bücherschau des Tages
17.06.2015 Gut lesbar und überaus aufschlussreich findet die FAZ die Studie "Alfred Andersch desertiert" über Fahnenflucht und Literatur. Die NZZ liest Biografien des Sowjetführers Nikolai Bucharin und der Mumins-Schöpferin Tove Jansson. Die taz lässt sich von Kenneth Bonerts Roman "Der Löwensucher" ins Johannesburg der Dreißigerjahre versetzen. Und die SZ betrachtet mit Genuss Edward Quinns Fotos von "Celebrity Pets on the French Riviera in the 50s and 60s".
Im Kino
17.06.2015 Eine offene Konstellation um das Leben des 2011 verstorbenen Filmkritkers Michael Althen entwirft Dominik Grafs dokumentarische Hommage "Was heißt hier Ende?". Eine gewisse ästhetische Mattigkeit macht sich in Jalmari Helanders finnischem B-Movie "Big Game" breit - trotz Samuel L. Jackson als amerikanischem Präsidenten.
Donnerstag, 18.06.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
18.06.2015 Die SZ fragt: Wer verdient an Streamingdiensten? Der Kunstwissenschaftler Wolfgang Ullrich fragt sich, warum seine Kollegen ihre Freiheit zum Urteil so selten nutzen. Die Zeit - ein Häuflein Fleisch, Knochen, Träume, Geldsorgen und Fußpilz - besucht das Kunstfestival Globale im ZKM. Herbert Fritschs Oper "Ohne Titel Nr. 1" ist ein Knaller - vorausgesetzt, man mag Nonsense, erklärt die Wiener Presse. Der taz missfällt der heteronormativ-männerbündnerische Ton in Dominik Grafs Doku über den Filmkritiker Michael Althen. Und der Dichter Charles Simic stromert in Gedanken noch einmal als Sechsjähriger durch das besetzte Belgrad.
9punkt - Die Debattenrundschau
18.06.2015 Nicht nur im Mittelmeer, auch in der Sahara sterben Tausende Flüchtlinge, berichtet Libération. Die FAZ kritisiert das Zentrum für politische Schönheit, das mit Bestattungen auf das Schicksal der Flüchlinge hinwesen will. In den Verlagsblogs hundertvierzehn und logbuch startet eine neue Diskussion über "Feminismen". Die Zeit beobachtet den Alltag in der dezimierten Charlie-Hebdo-Redaktion. Huffpo.fr erinnert an Charles De Gaulles Rede vom 18. Juni.
Medienticker
18.06.2015 Navid Kermani erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels - Internet & Geschichte: Ein neues Zeitalter - Internet-Plattformen: Innovation siegt stets über Gerechtigkeit - Wer die Anfänge des Netzes prägte: Militär oder Gegenkultur? - Wie wir uns informieren werden: Zehn Thesen - Umbauen, bevor es zu spät ist: Spiegel verkündet Agenda 2018 - Alexander Kluge über das Glück des dicken Bonaparte + Am Puls der Popkultur: Das Musikmagazin Spex wird 35.
Bücherschau des Tages
18.06.2015 FAZ und Zeit sind ergriffen und erschüttert von der Drastik des Infernos, die Ralf Rothmann in seinem Roman "Im Frühling sterben" über die letzten Kriegstage in Norddeutschland heraufbeschwört. Die drei bei Matthes & Seitz erschienenen Novellen von César Aira beglücken die SZ durch ihre simple und zugleich elegante Sprache. Und die NZZ gibt sich den klangvollen Wörterarrangements des guatemaltekischen Dichters Humberto Ak'abal hin.
Freitag, 19.06.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
19.06.2015 Krise als Chance? Die NZZ berichtet vom Schriftstellertreffen in Thessaloniki. Die Filmkritiker streiten über Christoph Hochhäuslers "Die Lügen der Sieger": Tolle Form, aber was ist mit dem Plot? In der NYRB erklärt Adam Thirlwell, wie man Virginia Woolf tanzt. Seit die Filmbranche selbst über die Lola entscheiden darf, ist der Filmpreis zur Konsensschleuder verkommen, ärgert sich der Tagesspiegel. Und: Alle Feuilletons freuen sich über den Friedenspreis für Navid Kermani.
9punkt - Die Debattenrundschau
19.06.2015 In der New York Times schreibt Henry Louis Gates einen Nachruf auf den charismatischen Pastor und Politiker Clementa Pinckney, der in Charleston ermordet wurde. Der Papst kritisiert in seiner Enzyklika nicht nur die Umweltzerstörung, sondern auch das Internet, hat Rue89 herausgefunden. In der taz hofft der Jurist Christian Rath, dass die Vorratsdatenspeicherung vor Gericht gestoppt oder korrigiert wird. Bei Politico.eu kommentiert Flemming Rose den heftigen Rechtsruck in Dänemark.
Medienticker
19.06.2015 Aktualisiert: Die Lola-Preisträger 2015 - Die neue Generation von Verlegern - Alain de Botton über langweilige Nachrichten & Journalisten-Spielzeug Google Trends - New York Times: Sag mal, wo liest du uns eigentlich gerade? - Ein Jahr Krautreporter: Die Party fiel aus - Global Editors Forum: Boom für Bezahlsysteme & "Nachrichtenuhren" - Die Lügen der Sieger: Der erste Journalisten-Film seit Jahren - Preiswürdig: Grimme Online-Awards vergeben - Wikipedia & der Sexismus: Ein Vorwurf, wenig Argumente - Hitlers letzte Brigade: Ina Hartwig über Ralf Rothmanns "Im Frühling sterben" + 23.000 Glockenschläge.
Bücherschau des Tages
19.06.2015 Indem er analytische Distanz durch empathische Nähe ersetzt, gelingt Marcus Hernig in "Chinas Bauch" eine erfrischende Annäherung an das Reich der Mitte, freut sich die FAZ. Die FR liest mit großem Gewinn Steffen Kopetzkys historischen Roman "Risiko". Die SZ stürzt sich mit Don Winslows Krimi "Das Kartell" in die gnadenlose Gewaltspirale des mexikanischen Drogenhandels und betrachtet ergriffen Guillermo Srodek-Harts Fotografien vom Stadtrand von Buenos Aires.
Samstag, 20.06.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
20.06.2015 Literatur kann das eigene Leben verändern, und damit auch die Welt, erklärt Ralf Rothmann in der Welt. In der taz erzählt die Komponistin Charlotte Seither, wie die Töne dong machen. Der Guardian stellt Christina Broom vor, die erste Pressefotografin Großbritanniens. In der NZZ erinnert sich Robert Schindel, wie er und seine Mutter die Wiener Ringstraße als Kampfplatz für die Sache des einfachen Volkes nutzten.
9punkt - Die Debattenrundschau
20.06.2015 Mit Entsetzen aber auch offen eingestandener Ratlosigkeit blicken amerikanische Medien auf das Massaker von Charleston und den nicht endenden Rassismus des Landes. Auch die Debatte um Rachel Dolezal geht weiter: Wer nicht kapiert, dass Jenner selbstbestimmt handelt, während Dolezal lügt, stellt sich aus Ranküne dumm, meint die FAZ. Tabletmag sieht's anders. Die Welt übersetzt Jonathan Franzens Artikel zum Klimawandel.
Bücherschau des Tages
20.06.2015 Die FAZ empfindet mit Detlef Siegfrieds Biografie die "modernen Lüste" des Ernest Bornemann nach. Ralf Rothmanns Roman "Im Frühling sterben" begeistert auch die SZ. Die Welt lässt mit Manfred Flügge "Das Jahrhundert der Manns" Revue passieren. Die taz empfiehlt den chilenischen Autor Alejandro Zambra.
Montag, 22.06.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
22.06.2015 Endlich mal wurde junger, experimenteller Film mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet, freuen sich die Feuilletons. Nur der Tagesspiegel schießt quer: Ausgezeichnet wurden vor allem junge Wohlfühlfilme. In der Berliner Zeitung bekommt Ljudmila Ulitzkaja immer noch weiche Knie, wenn sie an ihren ersten Nabokov-Roman denkt. In der NZZ plädiert James Ellroy für Reichweite und Umfang in der Literatur. Außerdem rühmt die NZZ die neue Bescheidenheit der Künstler auf der Wien Biennale.
9punkt - Die Debattenrundschau
22.06.2015 Bei Spiegel Online gratuliert Sibylle Berg nochmals Navid Kermani zum Friedenspreis. Aber eine Frage hat sie auch zu der Entscheidung: Warum hat die Jury seit 1950 erst sieben Frauen ausgezeichnet? In der SZ erzählt die Historikerin Karina Urbach, wie schwer es ist, an die Archive der Royals zu kommen. In der FR erläutert Ian Buruma den Unterschied zwischen deutscher und japanischer Vergangenheitsbewältigung.
Medienticker
22.06.2015 Wirtschaft vor Demokratie: Deutschland verhaftet den Journalisten Ahmed Mansour - Weniger Selbstbespiegelung, mehr Wundertüte: Spiegel stampft seinen Medienteil & Interview mit Chefredakteur Klaus Brinkbäumer - Jugendgefährdende E-Books erst ab 22 Uhr & Autoren sollen nach gelesenen Seiten bezahlt werden - (Neues) Weltbild: Der Gemischtwarenladen - Theater-Nachtkritiken aus Berlin, Cottbus, Stuttgart & Zürich + Berliner Philharmoniker: Kirill Petrenko soll neuer Chefdirigent werden.
Bücherschau des Tages
22.06.2015 Die FAZ bespricht heute vor allem Krimis, darunter Paula Hawkins' "Girl on the Train", eine Variation von Hitchcocks "Fenster zum Hof", mit einer interessanten alkoholsüchtigen Heldin. Gut informiert fühlt sich diese Zeitung außerdem mit Ralf Langes Architekturgeschichte über "Das Hamburger Kontorhaus". Die SZ lernt von Klaus Theweleits Essay "Das Lachen der Täter": der Massenmörder ist vor allem Körper.
Mord und Ratschlag
22.06.2015 In Carol O'Connells märchenhaftem Thriller "Kreidemädchen" müssen es Elfen in New York mit Hyänen und Ratten aufnehmen. In Dominique Manottis "Abpfiff" gedeihen Politik und Geschäft ganz prächtig auf der Ehrentribüne im Fußballstadion.
Dienstag, 23.06.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
23.06.2015 Risiko verliert, Risiko gewinnt! Die Wahl Kirill Petrenkos zum neuen Chef der Berliner Philharmoniker löst überall Begeisterung und Optimismus aus - auch wenn sein Konzertrepertoire noch eklektisch ist. Die FAZ versinkt wonnig im Fluss der Musik von Bohuslav Martinůs Oper "Julietta". Die taz verliebt sich in den Roboter Myon, der an der Komischen Oper Theaterspielen lernt. Die Berliner Zeitung warnt vor Herzog und de Meuron, die das Berliner Tacheles umbauen sollen. Entleerung in verschiedener Hinsicht erlebt die NZZ bei Lektüre der Bücher von Cesar Aira.
9punkt - Die Debattenrundschau
23.06.2015 In der SZ unterstützt Jürgen Habermas die Position der griechischen Regierung. In der FAZ schimpft Mikis Theodorakis aus das "vom Geld dirigierte Europa". Das Middle East Eye analysiert Wikileaks-Dokumente, die zeigen, wie Saudi-Arabien ausländische Medien schmiert. Amerikanische Medien zeichnen die Debatte um die Konföderierten-Flagge nach, die für die Republikaner zur Peinlichkeit wird. Im Standard erklärt Guardian-Strategie Wolfgang Blau, warum Medien heute mit Facebook und Apple kooperieren.
Magazinrundschau
23.06.2015 Die NYT erklärt, wie bequem, aber auch wie befreiend das Privileg ist, nicht auf seine Hautfarbe festgelegt zu werden. Die NYRB lernt, wie strategisch durchdacht die Brutalität des IS ist. Das war bei den Bolschewisten auch schon so, erklärt Medium. Quarterly Conversation verteidigt die argentinische Autorin Silvina Ocampo gegen den Vorwurf bourgeoiser Frivolität. Im Telegraph feiert Jeanette Winterson die große Bildhauerin Barbara Hepworth. In Eurozine warnt Sofi Oksanen vor einer Finnlandisierung Europas.
Medienticker
23.06.2015 Online überholt Zeitungswerbung: "Zeitungsland Deutschland muss umdenken" - Nachrichtenangebote: Silicon Valley versucht Journalismus - Abhörgesetz: Frankreich will die Totalüberwachung von Ausländern - Die Zeit ist reif: Förderung der Berliner Literaturszene - "Eine schrecklich nette Familie": Michael Krüger über Heathcote Williams Windsor-Gedicht + Patti Smiths "Horses"-Tour & Jochen Distelmeyer kniet vor der "Gralshüterin des Rockideals".
Bücherschau des Tages
23.06.2015 Die FAZ liest Neues über Salinger. Und über Franco. Die FR schaut mit Anthony Doerr "Alles Licht, das wir nicht sehen". Die SZ begibt sich zuerst mit Evelyn Waugh ins Säurebad der Ironie und dann mit Deutschland in den Tiefschlaf.
Mittwoch, 24.06.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
24.06.2015 Das beste Format für Musik war die CD, erklärt der Musiker Prurient in The Quietus: Gerade weil sie als Objekt so absolut wertlos war. Die FR staunt über Beweglichkeit und Eloquenz der Martinu-Oper "Julietta". Der New Statesman streift sich ein paar geflügelte Schuhe über. Im Tagesspiegel erzählt Christo, warum man in der Kunst einen langen Atem braucht. Und der Schriftsteller Norbert Hummelt fährt für die NZZ nach Naumburg an der Saale.
9punkt - Die Debattenrundschau
24.06.2015 Politico.eu graut's vor dem möglichen neuen Labour-Chef Jeremy Corbyn, der sich gern mit antisemitischen Verschwörungstheoretikern umgibt. In der FAZ erzählt Raif Badawis Frau Ensaf Haidar über die unwürdige Politik Saudi-Arabiens auch ihr gegenüber. Die Literaturblogggerin Mara Giese warf bei der Electric Bookfair einen Blick auf die Zukunft des Buchmarkts. Die NZZ liest Christian Füllers Studie über Pädophilie in Reformbewegungen. Und Spiegel Online blättert duch den deprimierenden Terminkalender Günther Oettingers.
Medienticker
24.06.2015 Spionage: NSA spähte französische Präsidenten aus - Vergütungsmodell: Verändert Amazon das Schreiben? - Google Play Music: Jetzt auch mit Gratis-Streams - Kinder im Internet: Schon Dreijährige wissen, wie sie YouTube finden oder Brauchen Dreijährige mehr Medienkompetenz? - FSK-indiziert: Kampf gegen 22-Uhr-Schwelle für erotische E-Books - Herzenstage: Digitales Literaturfestival + Das Glück und der böse Blick: Volker Weidermann zum Tod von Gabriele Wohmann.
Bücherschau des Tages
24.06.2015 Mit "Die Ordnung der Welt" ist Ulrich Menzel ein Meilenstein der Weltgeschichtsschreibung gelungen, jubelt die FAZ. Große Freude löst bei ihr auch der postpubertär-präpotente Sound von Tex Rubinowitz aus. Die SZ zieht es nach der Lektüre von Hendrik Bohles und Jan Dimogs Architekturgeschichte und Charles Kings "Mitternacht im Pera Palace" nach Istanbul. Und die FR stimmt in die Hymne auf Ralf Rothmanns Roman "Im Frühling sterben" ein.
Essay
24.06.2015 Wenn die Kritik eine Zukunft hat, dann im Netz - wenn auch in Form einer Zeitung, die online steht. Nennen wir sie Fahrenheit 451. Ein Plädoyer
Essay
24.06.2015 Wolfram Schütte möchte die Literaturkritik neu organisieren - durch eine Zeitung im Netz. Einladung zur Debatte im Perlentaucher.
Donnerstag, 25.06.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
25.06.2015 Im Perlentaucher ruft Wolfram Schütte zur Gründung einer Literaturzeitung im Netz auf. Die Filmkritik begeistert sich für Kornél Mundruczos "Underdog", eine Parabel auf das fremdenfeindliche Ungarn. Die Zeit feiert Frank Auerbach als den berühmtesten Unbekannten unter den deutschen Malern. Die FR staunt über die Unsichtbarkeit der Überwachungsmechanismen, die Trevor Paglen fotografiert hat.
9punkt - Die Debattenrundschau
25.06.2015 Fast zehn Jahre nach der Debatte über Islam in Europa ändert Ian Buruma in der Presse eine Vokabel: Ayaan Hirsi Ali ist für ihn nicht mehr eine Fundamentalistin, sondern eine Dogmatikerin der Aufklärung. In der FAZ fordert Christian Hillgruber ein Verbot der Beihilfe zur Selbsttötung. Es muss aber nicht strafbewehrt sein. taz und Zeit online raufen sich angesichts der Überwachung überwachter Überwacher befreundeter Mächten die Haare.
Medienticker
25.06.2015 Medienkritik: Deutsche haben wenig Vertrauen in die Medien - Al Dschasira: Journalismus oder Politik? - BR24: BR schafft "zentrale Newsmarke im Netz" - LAE 2015: Diese Print- und Online-Medien lesen Entscheider - Verkaufsplattform: Penguin Random House verkauft Bücher über Twitter - Netzneutralität: EU will Daten diskriminieren + Pionier der Minimal Music: Terry Riley zum 80. Geburtstag.
Bücherschau des Tages
25.06.2015 Als eindrucksvolle Zumutung empfindet die FAZ Jan Himmelfarbs Debütroman "Sterndeutung". Außerdem attestiert sie Marina Keegan dramaturgisches Geschick und überraschende Lebensklugheit. Die NZZ liest mit Interesse Rainer Hoffmanns Ausführungen zu Albrecht Dürers Meisterstich "Melencolia I". Und die SZ freut sich, dass Stephan Oswald Goethes "Venezianische Epigramme" als Vorläufer der Großstadtlyrik rehabilitiert.
Im Kino
25.06.2015 Christian Petzolds Polizeiruf-Episode "Kreise" schlägt den Bogen vom deutschen Fernsehkrimi zu Edward-Hopper-Melancholie. Ein Auge für die Gleichzeitigkeit der Dinge besitzt agnès b., die Regisseurin von "Je m'apelle Hmmm...".
Essay
25.06.2015 Ein Zuviel an Silicium nennt man Wüste. In der Wüste gibt es Stützpunkte des Lebens. Das sind die Oasen. Oft sind sie räumlich klein, im Verhältnis zum Gesamtgelände. Zu Wolfram Schüttes Projekt einer Netzzeitung für Kritik.
Freitag, 26.06.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
26.06.2015 Die NZZ besucht eine wunderbar bunte Raupe in den Kensington Gardens. Im Standard plädiert die Autorin Valerie Fritsch für Experimentierfreudigkeit auf allen Gebieten - Kabelbinder eingeschlossen. Die FR blickt zurück auf sechzig Jahre Radio-Essay im SWR. Die nachtkritik, taz und Welt freuen sich über René Polleschs Revue "Keiner findet sich schön" an der Berliner Volksbühne: "nicht ein bisschen toll, nicht toll, sondern toll-toll". Und Monsanto ist tief enttäuscht über Neil Young, meldet der Standard.
9punkt - Die Debattenrundschau
26.06.2015 Touristen sollten künftig keine Wahrzeichen mehr fotografieren, die urheberrechtlich geschützt sein könnten, warnt Zeit online. Ein anonymer Autor erzählt auf Vice, was es heißt, als Schwuler in Russland zu leben. Courtney Love twittert aus einem Uber-Auto, das von wütenden Pariser Taxifahrern attackiert wurde. Die FAZ sehnt sich nach ein bisschen Transparenz in öffentlich-rechtlichen Sendern.
Medienticker
26.06.2015 Aktualisiert: News-App: Apple will Nachrichten selber schreiben - Wir sind die Roboter: Bei der dpa werden Texte nunmehr von Robotern verantwortet & Wie Amazon das Problem des Journalismus auf E-Books projiziert - "Bixit": Ökonomen fordern Ausschluss von Bild-Zeitung aus der Eurozone, meldet der Postillon - Sprachkritik: Rolf Schneider über politischen Schwurbel-Sprech als Mogelpackung - Vor 125 Jahren geboren der Kinderbuchillustrator Walter Trier + Das Komische im Gedicht: Ein Gespräch mit F. W. Bernstein.
Bücherschau des Tages
26.06.2015 Einen tiefen Einblick in die Machtverhältnisse nach dem Tod Heinrichs VIII. beschert Inger-Maria Mahlkes historischer Roman "Wie Ihr wollt" der gebannten FR. Die FAZ lernt mit dem Band "Diagnose: Krim" des Kunsttheoretikers Wladimir Velminski die Mythen und Traumata des neuen kalten Krieges besser zu verstehen. Und die NZZ zieht nach zehn Bänden von Naoki Urasawas Manga-Reihe "Billy Bat" eine begeisterte Zwischenbilanz.
Essay
26.06.2015 Wolfram Schüttes Projekt einer Literaturzeitung im Netz ist der Vorschlag für ein Unternehmen. Aber ein Unternehmen wird nur begonnen, wenn eine Chance auf Gewinn besteht. Einige Vorschläge
Essay
26.06.2015 Wenn Literaturkritik eine Zukunft hat, dann im Netz - wenn auch in Form einer Zeitung. Ein Appell von Wolfram Schütte - und eine Perlentaucher-Debatte. Überblick über alle Artikel. Aktualisiert am 10. August.
Samstag, 27.06.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
27.06.2015 SZ und Standard werden melancholisch in einer Münchner Ausstellung über den Westberliner Underground der 80er: einst so wild, jetzt so kulturexportkompatibel. Sieglinde Geisel lässt sich in ihrem Blog von Wolfram Schüttes Idee für eine online stehende Literaturzeitung inspirieren. Die taz lernt von Nordkorea, dass es auch bei uns politische Propaganda gibt. Die NZZ erinnert in der Figur des William Morris an das Reaktionäre im Avantgardisten.
9punkt - Die Debattenrundschau
27.06.2015 Man muss den tunesischen Jugendlichen Hoffnung machen, ruft der Menschenrechtler Abderrahmane Hedhili nach dem neuen Massaker im Land in Libération. Amerika feiert die Entscheidung des Supreme Court zur Lesbenehe. Huffpo.fr analysiert, wie sich der Islamische Staat in die westliche Popkultur einbrannte. Der Standard bringt einen Schwerpunkt über "Die überwachten Bürger". Vice fragt: Hat der Papst recht, wenn er die Rolle der katholischen Kirche im Holocaust mit Verweis auf die Untätigkeit der Alliierten relativiert?
Bücherschau des Tages
27.06.2015 Die staunende Welt lässt sich von Robert Macfarlane in die Wildnis der Britischen Inseln führen. In Adelle Waldmans Roman "Das Liebesleben des Nathaniel P." findet sie ein bemerkenswertes Porträt des zeitgenössischen Mannes. Die NZZ erliegt dem "Narrenleben" Hans Joachim Schädlichs. Die taz blickt in die Abgründe Alfred Rosenbergs. Die FR empfiehlt Essays von Eva Illouz zu Israel. Die FAZ taucht ein in eine Anthologie sowjetischer Lyrik.
Montag, 29.06.2015
Efeu - Die Kulturrundschau
29.06.2015 Die SZ schwelgt in den moosgrünen, taubenblauen und senfgelben Raumschiffen, die Galina Balaschowa für die sowjetischen Astronauten entworfen hat. Die Welt sieht China durch die Augen westlicher Künstler. Tagesspiegel und Berliner Zeitung durchsitzen 24 Stunden Jan Fabres Performance "Mount Olympus". Die NZZ feiert finnische Architektur.
9punkt - Die Debattenrundschau
29.06.2015 Im Tagesspiegel erklärt der Historiker Brendan Simms, wie Europa mit Blick auf die richtigen Vorbilder eventuell doch noch zu retten ist. Lieben muss man es so oder so, findet Richard Herzinger in der Welt. In der taz fragt die Toxikologin Anita Schwaier: Was meinen Sie, weshalb die Lerchen sterben? Slate.fr schildert den Zwiespalt französischer Medien gegenüber dem Front national.
Medienticker
29.06.2015 Journalismus: Wer vertraut uns noch?, fragt Götz Hamann in der Zeit - Buchkonzerne wachsen weiter: Internationales Ranking der größten Verlage - Urheberrechtsreform: Geben Sie Panoramafreiheit, Sire! - Siebzehn Sprachen, unbekannte Traditionen: Die osteuropäische Literatur existiert nicht - Philippe Jaccottet zum 90.: Lothar Struck über den Dichter als "Diener des Sichtbaren" + The Lost Broadcasts: Yes-Bassist Chris Squire starb im Alter von 67.
Bücherschau des Tages
29.06.2015 Die SZ lernt mit Ismail Kadares "Schleierkarawane" Albanien als das Mutterland der Revolte kennen. Die FAZ versinkt mit Samuel Beckett in sechzig Jahren Hörspielgeschichte. Immer noch groß, auch als Hörspiel, findet sie zudem Harper Lees Südstaatenroman "Wer die Nachtigall stört".
Essay
29.06.2015 Das ideale Online-Literaturmagazin wäre eines, das das Beste aus beiden Welten - Print und Netz - verbindet. Die Krautreporter könnten ein Vorbild sein.
Dienstag, 30.06.2015
Magazinrundschau
30.06.2015 Hat die Literatur gerade ihren Duchamp-Moment, fragt The New Republic. Und welchen Einfluss haben Schreibtechnologien auf die Literatur, fragt Le Monde. Buzzfeed erklärt, warum die Vergewaltigungen von Frauen unter den Roten Khmer nie bestraft wurden: Sie waren als Eheschließungen getarnt. Boko Haram ist nicht das einzige Problem Nigerias, notiert die NYRB. H7O skizziert die Stellung der Literatur in der Ukraine. Die Reformideen der 60er Jahre gewinnen, freut sich das New York Magazine.
Efeu - Die Kulturrundschau
30.06.2015 Wird immer noch gefeiert: "Mount Olympus", Jan Fabres 24stündiger Ritt durch die griechische Mythologie, lässt das Fleisch der taz vibrieren, Zeit online bekommt Lust auf Leben. Die NZZ feiert den italienischen Schriftsteller Ippolito Nievo. Die FAZ bewundert Humor und Leichtigkeit der Künstlerin Lea Lublin. Endlich wieder historische Fassaden in der Architektur statt der Hungerstil der Moderne, freut sich die Welt.
9punkt - Die Debattenrundschau
30.06.2015 Warum gibt es Demonstrationen gegen Karikaturen und keine Demonstrationen gegen die Massaker?, fragt Kamel Daoud im Quotidien d'Oran. Die Welt betrachtet die Welterberetter von der Unesco mit einiger Skepsis. Im Guardian erklärt Joseph Stiglitz, warum er beim griechischen Referendum mit "Nein" stimmen würde. Und Cory Doctorow packt in Boingboing ein und aus: bloß weg aus London.
Medienticker
30.06.2015 The Walking Data: Wie steht Kultur zur Vorratsdatenspeicherung? - Terrorismus & Journalismus: Warum Medien über den Terror berichten & G+J-Chefin Julia Jäkel sieht für Print eine lange Zukunft - Dabeisein wäre alles: Discovery kauft europäische Olympia-Rechte - Wie Anzeigenblatt-Redaktionen arbeiten, erklärt Ulf J. Froitzheim - In memoriam: Gestern starb Dorothea Melis - Mops des Monats oder der kurioseste Buchtitel des Juni: "Weniger reden und öfter mal in die Badewanne" + 10cc: "I'm not in love" ...
Bücherschau des Tages
30.06.2015 Als Sensation, als wahren Geniestreich feiert die SZ Charles Haldemans wiederentdeckten Roman "Der Sonnenwächter", der von einem schwulen Roma in Nachkriegsdeutschland erzählt. Die NZZ rühmt Ippolito Nievos Dorfgeschichten "Am Ufer des Varmo". Mit Interesse liest sie auch Tomas Bannerheds Roman "Die Raben". Die FAZ widmet sich Descartes und den Passionen der Seele.
Essay
30.06.2015 Ist es nur eine Frage des Orts? Auch im Internet braucht Kritik mündige Leserinnen und Leser - und mündige Kritikerinnen und Kritiker. Die Frage wäre also, ob Wolfram Schüttes Literaturzeitung im Netz etwas am Zustand des Betriebs ändern könnte.
Essay
30.06.2015 Ich würde Wolfram Schütte wirklich gerne einmal auf einen Kaffee treffen und ihm zeigen, wie er mit ein paar einfachen Handgriffen das für ihn vielleicht noch unübersichtliche Internet sondieren könnt. Was er sucht, das Finden ohne Suchen, gibt es längst.