Stöbern nach Themen

Durchsuchen Sie unsere Bücherdatenbank nach Themen, Ländern, Epochen, Erscheinungsjahren oder Stichwörtern.

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Magazinrundschau

Definitiv eine Pause

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag
28.07.2015. Computer und das Netz entwickeln sich kaum noch weiter. 2045, ja selbst 2060 wird nicht viel anders aussehen als 2015, behaupten John Markoff in the Edge und Maciej Cegłowski in seinem Blog Idle Words. Dafür stellt die Gentechnologie gerade unser Leben auf dem Kopf, behauptet The Wire und fordert Regeln für Biologen. In der New York Review of Books fragt ein sich als Anonymus tarnender Politiker angesichts von Isis: Was haben wir übersehen? Im Guardian entgegnet Pankaj Mishra: Dass Geld alle Ideale zerstört? Die New York Times schildert die bedrückende Lage der Christen im Nahen Osten. Außerdem gibt es zwei große Mathematikerporträts: von Terry Tao in der NYT und von John Horton Conway im Guardian.

Edge.org (USA), 16.07.2015

Ist die rasend schnelle, disruptive technische Entwicklung der letzten Jahrzehnte zu Ende? John Markoff, Pulitzerpreisträger und Technikjournalist der New York Times, ist davon überzeugt. "Ich bin in Silicon Valley aufgewachsen. Seit 1977 berichte ich über die Beschleunigung der technischen Entwicklung nach Moores Gesetz. In den letzten fünf Jahren hat sich eine weitere Schicht über die Diskussion um Moores Gesetz gelegt: Ray Kurzweil und einige andere behaupten, dass wir an der Schwelle zu ich-bewussten Maschinen stehen. Kürzlich erst haben Gates, Musk und Hawking erklärt, dass dies eine existenzielle Bedrohung für die Menschheit sei. Ich sehe das schlicht nicht. Wenn man ihre Hauptargumente auseinandernimmt, stellt man fest, dass es immer um die ungewöhnliche Beschleunigung geht, die die Halbleiterindustrie prägte. Aber damit ist es plötzlich vorbei. Vielleicht nicht für immer, aber es gibt definitiv eine Pause. All die Technologien, die die Welt verändert haben, basieren darauf, dass die Kosten für Rechenleistung nicht nur fallen, sondern rasend schnell fallen. Und was glauben Sie? In den letzten zwei Jahren sind die Preise für neue Transistoren nicht mehr gefallen. Das ist ein bedeutender Augenblick. ... 2045 wird 2015 ähnlicher sein, als wir glauben."
Archiv: Edge.org

Idle Words (USA), 28.07.2015

"Das Internet im Jahr 2060 wird dem Internet heute sehr ähnlich sehen", behauptet auch der Programmierer und Maler Maciej Cegłowski in einer wunderbaren, sehr witzigen Rede, die er vor einem knappen Jahr bei der Interactive Design Conference in Washington hielt. Die exponentielle Entwicklung habe zu einem exponentiellen Kater geführt. "Der Kult um das Wachstum sieht nicht vor, dass man irgendetwas Sinnvolles aufbauen könnte, ohne es auf 'Internetmaßstäbe' zu bringen. Danach ist es sinnlos, einen Limonadenstand zu eröffnen, wenn man es nicht anschließend mit PepsiCo aufnehmen will. Meiner Ansicht nach sollten die Dinge anders herum laufen. Wenn man erst mal die Grenzen des Raums überwunden hat, gibt es Platz für alle möglichen Nischenprodukte, die online ihren eigenen kleinen Markt finden können. Menschen können sich ein Einkommen verschaffen, dass sie so in der physikalischen Welt nicht erreichen können. Der Kult um das Wachstum hat uns ein steriles, zentralisiertes Web beschert. ... Wir sollten uns langsam die Frage stellen: 'Wozu soll das Web gut sein?' Meiner Ansicht nach gibt es derzeit drei konkurrierende Visionen. Für welche wir uns entscheiden wird auch bestimmen, ob das idiosynkratische, lustige Internet von heute überleben kann."
Archiv: Idle Words

Wired (USA), 22.07.2015

Seit drei Jahren versetzt die neue Gentechnologie Crispr-Cas9 die Biologie in Aufregung, berichtet Amy Maxmen: Dank dieser wird es möglich, Gencodes präzise und mit wenig Aufwand aufzutrennen, einzelne Gene zu isolieren oder sie durch neue zu ersetzen. Den Möglichkeiten sind schier keine Grenzen gesetzt - genau wie den Gefahren: "Bio-Ingenieure haben Crispr bereits genutzt, um die Gene von Hefe so zu ändern, dass sie pflanzliche Stoffe aufnehmen und Ethanol ausscheiden, was ein Ende der Ölabhängigkeit in Aussicht stellt. ... Je nachdem wer du bist, lässt Crispr Dich eine glänzende Zukunftswelt sehen, eine Nobelpreisauszeichnung oder Dollarzeichen. Die Technik ist revolutionär und wie alle Revolutionen ist sie riskant. Crispr übersteigt alles, was 1975 auf der Asilomar-Konferenz unter Biologen diskutiert wurde. Sie könnte es Genforschern zumindest gestatten, all das in die Welt zu setzen, von dem irgendwer mal glaubte, dass sie es tun würden - Designer-Babys, angreifende Mutanten, spezies-spezifische Biowaffen und ein Dutzend weiterer Science-Fiction-Ideen. Damit gehen komplett neue Regeln für die Forschungspraxis in den Lebenswissenschaften einher. Doch keiner weiß, welche das im einzelnen sind..."

Man macht sich ja in Zeiten von GoogleMaps und Smartphones keinen Begriff mehr davon, mit welch kräftezehrenden Aufwand es insbesondere im Kalten Krieg verbunden war, detaillierte Karten von der Welt zu erstellen. Eine Ahnung davon vermittelt Greg Miller mit einer großen Reportage über das Phänomen der (verhältnismäßig) hochauflösenden Sowjet-Karten, mit denen die Sowjetunion einst ihr eigenes und ihr erhofftes zukünftiges Gebiet jenseits des Eisernen Vorhangs kartografiert hat: Mehrere Millionen durften erstellt worden sein, die, als einstiges Militärgeheimnis, beim Zusammenbruch der UdSSR von geschäftstüchtigen Offiziere kiloweise verscherbelt wurden und nun im Liebhaber-Handel kursieren. Sie sind erstaunlich kleinteilig, gerade auch, was amerikanische und europäische Städte betrifft. "Vermerkt sind auch Fakten wie die exakte Angabe von Straßenbreiten, die Belastbarkeit von Brücken und die verschiedenen Arten von Fabriken. Jene Sorte von Hinweisen also, die nützlich sind, wenn man eine Panzerinvasion plant..." Mehr zu sowjetischen Karten auf dieser Website.
Anzeige

Twitterfeed der Verlage

Archiv: Wired

Ceska pozice (Tschechien), 25.07.2015

Sie kam nach Tschechien, um über den Funktionalismus zu schreiben, dann faszinierten sie die Plattenbausiedlungen aus kommunistischer Zeit. Die amerikanische Architekturhistorikerin Kimberly Elman Zarecor von der Universität Iowa nimmt im Gespräch mit Marie Vejvodová die sogenannten "paneláky" in Schutz: "Die Menschen konnten in modernen Wohnungen mit Heizung und Heißwasser wohnen, umgeben von Grün. Ich will nicht sagen, dass der Kommunismus als System richtig war, aber manche Versprechen, wie das, den Menschen eine höhere Wohnqualität zu bieten, wurden doch gehalten. Ich habe den Eindruck, die Plattenbauen werden oft als Strafaktion der Kommunisten wahrgenommen oder als Beweis dafür, dass ein schlechtes System schlechte Architektur erschafft. Aber meiner Meinung nach muss man sehen, dass diese Art zu bauen aus der gegebenen wirtschaftlichen Situation resultierte und nicht nur aus dem kommunistischen Regime. (…) Bis heute wohnen fast 40 Prozent der tschechischen Bevölkerung in Plattenbauten, und das sagt doch etwas aus. (…) Ein Vorteil dieser Siedlungen ist, dass sie keine soziale Isolation bedeuten wie in westlichen Ländern, etwa in Frankreich oder Schweden. Hier leben völlig normale Menschen miteinander. Heute sieht man die Siedlungen auch nicht mehr so negativ, da hat sich die Stimmung gewandelt."
Archiv: Ceska pozice
Stichwörter: Plattenbau, Tschechien

New York Review of Books (USA), 13.08.2015

"Irgendetwas übersehen wir", insistiert als Anonymous der frühere Politiker eines Nato-Landes mit Blick auf den Islamischen Staat. In seinen Augen reichen alle bisherige Muster nicht aus, um den Aufstieg des Terrortruppe zu erklären: Zarkawi war kein Charismatiker, sondern ein halber Analphabet; seine Trainingscamps wurden zerstört; der IS hat nicht mehr Geld und Waffen bekommen als etwa die syrische Befreiungsarmee; die Videos sind nicht toll, sondern bescheuert; die Ideologie ist abstoßend, aber nicht einzigartig; die ausländischen Kämpfer kommen nicht nur aus Tunesien, Frankreich und Großbritannien, sondern auch aus Katar und Ägypten. Und so weiter: "Um ein Beispiel zu nennen: vor fünf Jahren forderten nicht einmal die härtesten salafistischen Theoretiker die Wiedereinführung der Sklaverei, der IS hat sie faktisch verhängt. Nichts seit dem Sieg der Vandalen über das römische Nordafrika erschien je so plötzlich, so unerklärlich und nahezu unumkehrbar wie der Aufstieg des IS. Keiner unserer Analysten, Soldaten, Diplomaten, Nachrichtendienstler, Politiker oder Journalisten hat eine hinreichende Erklärung, was auf diesen Aufstieg hätte hindeuten können."

Außerdem online: Amartya Sen erzählt von seinem Streit mit der indischen Regierung um die Neugründung der uralten Nalanda Universität im bitterarmen Bundesstaat Bihar.
Stichwörter: Islamischer Staat

Guardian (UK), 27.07.2015

Für Pankaj Mishra ist dagegen ganz klar der Westen verantwortlich für Isis. Der Westen und sein kapitalistisches System. Und die Sowjetunion mit ihrem fatalen Stalinismus. Und die arabische Welt mit ihren Despoten. Und China, empört er sich. Am besten hätte es die ganze verflixte Moderne nie gegeben: "Vormoderne politische Anführer - die vor langer Zeit von westlich erzogenen Männern und Frauen ersetzt wurden, die John Stuart Mill zitieren und individuelle Rechte fordern - gibt es nicht mehr und kann es nicht mehr geben, so 'islamisch' ihre Ideologie auch erscheinen mag. Sie kommen heute als Parodie zurück - und es liegt viel purer Camp in einem selbsternannten Kalifen, der eine Rolex trägt, oder in Indiens Erweckungs-Hindu-Premierminister, der in einen 15.000 Dollar teuren Anzug aus der Savile Row gehüllt ist, mit personalisierten Nadelstreifen. Die Verbreitung der Lesefähigkeit, verbesserte Kommunikationsmöglichkeiten, wachsende Einwohnerzahlen und Verstädterung haben die abgeschiedensten Ecken in Asien und Afrika verändert. Die Sehnsucht nach Selbstverwirklichung durch materiellen Erfolg dominiert vollkommen die Reste spiritueller Ideale traditioneller Religionen und Kulturen."

Außerdem porträtiert Siobhan Roberts John Horton Conway als den Magier unter den Mathematikern. Andrew Rice rekonstruiert die absurden Pläne zum Sturz von Gambias Diktator Yahya Jammeh. Und David Shariatmadari porträtiert den Psychologen Daniel Kahneman, der Selbstüberschätzung für den größten Fehler der Menschheit hält.
Archiv: Guardian

La vie des idees (Frankreich), 24.07.2015

Unter der Überschrift "Kunst, Blog und Dissidenz" porträtiert Séverine Arsène den chinesischen Künstler Ai Weiwei. Das Porträt konzentriert sich dabei auf die maßgebliche Rolle des Internets für Ai Weiwei als ein Ort der Durchlässigkeit zwischen den elitären künstlerischen und intellektuellen Milieus und der Popkultur der jungen chinesischen Internetnutzer. Das informelle und spielerische Format seines Blogs, schreibt Arsène, "ist bequem, um die Zensur zu umschiffen. Sein Humor, die chiffrierte Sprache und die subversiven Bilder verschaffen ihm einen beispiellosen Verbreitungsgrad. Auch da, wo die zahlreichen Internetnutzer sich der kreative Dimension des Blogs als Strategie bemächtigen, Forderungen und Proteste zu verbreiten, scheint es, als glitte Ai Weiwei seinerseits eher in Richtung einer mehr bejahenden Politisierung ... Er bringt sich inzwischen auch viel stärker als früher in die chinesische Öffentlichkeit ein, über ein Engagement für Themen lokalen und nationalen Interesses, die den Sörgen der Bevölkerung näher sind."
Stichwörter: Ai Weiwei

Open Democracy (UK), 20.07.2015

In Georgiens Hauptstadt Tblissi haben am vorletzten Wochenende tausende Menschen gegen ihre Regierung protestiert, die sich der schleichenden Invasion durch das von Russland unterstützte Südossetien nicht energisch genug widersetze, berichtet Maxim Edwards. "Am 10. Juli haben die de-facto-Obrigkeit von Südossetien die Grenze mehrere hundert Meter weit in georgisch kontrolliertes Gebiet hineinverschoben, in die Nachbarschaft zweier Dörfer - Orchosani und Tsitelubani - in Georgiens Region Shida Kartli. Damit hat sie ein 1,5 Kilometer langes Stück der Baku-Supsa-Ölpipeline unter südossetische Kontrolle gebracht, während die de-facto-Grenze jetzt fast einen halben Kilometer näher zu Georgiens Ost-West-Autobahn und der Kartli-2-Stromtrasse liegt. Wie bei ähnlichen Aktionen zuvor fanden lokale Bauern plötzlich einen Teil ihres Ackerlands auf der anderen Seite der Grenze, was im besten Fall heikel ist. Die graduelle Installation von Warnsignalen und elektrischen Zäunen ist bekannt als 'borderisation', eine schleichende und irreguläre Verschiebung der de-facto-Staatsgrenze, die seit dem Krieg 2008 zwischen Russland und Georgien besteht. Die potentiellen Auswirkungen reichen viel weiter als die vergleichsweise schmalen Gebietsverluste."

Außerdem: Denys Gorbach beschreibt die völlig zersplitterte und zerstrittene linke Szene in der Ukraine.

Times Literary Supplement (UK), 27.07.2015

In "Very Different, but Much the Same" huldigt der Soziologe W.G. Runciman der englische Gesellschaft als Musterexemplar stabiler Verhältnisse seit 1688. Rezensent Krishan Kumar ist perplex: Ausgerechnet Runciman, der große Anhänger Darwinscher Theorie, feiert fehlenden Wandel? "Es gab die Industrialisierung und Urbanisierung, doch die grundlegende Teilung der Gesellschaft in Ober-, Mittel- und Unterschicht ist gleich geblieben, und die Chancen eines Kindes, von unten in die Mitte aufzusteigen - ganz zu schweigen nach oben - sind heute genauso gering wie im achtzehnten Jahrhundert. Diese Ergebnisse werden mit einer beeindruckenden Reihe historischer und soziologischer Daten belegt, mehr jedoch erstaunt, wie bekannt einem dieses Argumentation vorkommt. Runcimans Konservatismus ähnelt den oftmals vorgebrachten Behauptungen - und Klagen - der Autoren aus der New Left Review, wie etwa Perry Anderson und Toman Nairn: dass die englische Gesellschaft seit der gescheiterten Revolution des siebzehnten Jahrhunderts in einer Art aristokratischem Feudalismus verhaftet geblieben sei. Gefangen in der Umarmung des Landadels habe es England nicht einmal geschafft, eine ordentliche Bourgeoisie im kontinentalen Sinne hervorzubringen."

New York Times (USA), 26.07.2015

Im Magazin der New York Times erörtert Eliza Griswold die Lage der Christen im Nahen Osten und ihre Bedrohung durch Isis: "Das Schicksal der Christen im Nahen Osten ist nicht nur eine Sache der Religion, es beeinflusst auch die Entwicklung der Gesellschaften, die aus der geopolitischen Neuordnung entstehen. Im Libanon, wo Christen immer eine starke Rolle in der Regierung gespielt haben, wirken sie immer mehr als Puffer zwischen Sunniten und Schiiten. 70 Jahre lang war der Libanon ein Schlachtfeld des Konflikts zwischen Israel und Palästina. Heute tritt dieser Konflikt zurück hinter die sich weiter verschiebende Sunniten-Schiiten-Trennung mit ihrem schrecklichen Bluvergießen … Selbst wenn Isis untergeht, ist das Schicksal religiöser Minderheiten in Syrien und im Irak düster. Solange ihnen kein Schutz gewährt wird, werden ihre Vertreter flüchten. Nina Shea vom Hudson Institute schätzt die Situation bereits als so schlimm ein, dass den Christen entweder Aufenthalt und Arbeit in Kurdistan gewährt werden muss, oder eine sichere Ausreise. Exil bedeutet für diese Gemeinden das Todesurteil, heißt es unter Aktivisten … Die praktische Lösung nach Meinung vieler assyrischer Christen ist die Ermöglichung einer sicheren Zuflucht auf der Ebene von Ninive … So eine Lösung, heißt es, würde nicht einmal die von den USA und ihren Alliierten ungeliebten internationalen Einsätze oder Flugverbotszonen nötig machen."

In einem kleinen Essay denkt der pakistanische Autor Mohammed Hanif über das gewandelte Verhältnis des Islam zu Hunden nach: "Als Teenager in unserem Dorf in Zentralpunjab sah ich unseren lokalen Imam und Vorbeter mit seinem russischen Pudel spielen. Seine Enkel, die ihn im Sommer besuchten, hatten ihn mitgebracht und dagelassen. Ich sah den Imam mit dem Pudel auf der Straße, wie er ihn tätschelte und knuddelte. Sein langer, schneeweißer Bart und die glänzenden Locken des Pudels berührten sich manchmal. In fast zehn Jahren Frömmigkeit, in der ich hinter ihm betete, erlebte ich nie, dass ihn jemand wegen seines physischen Kontakts mit einem Hund kritisierte. Vielleicht war das die Autorität des Imam. Vielleicht sah der Hund sauberer aus als einige von uns ländlichen Gläubigen. Vieleicht dachten die Leute, ein Mann der so alt und fromm war, wisse, was er tue. Heute, wenn jemand in seiner Position versuchen würde, öffentlich einen Hund zu knuddeln, würde er ganz sicher seinen Status als Imam verlieren, wenn nicht sogar seinen Kopf."

Außerdem: Gareth Cook stellt den vielleicht bedeutendsten Mathematiker unserer Zeit vor, der, sehr zeitgemäß, auch ein begnadeter Networker ist: Terry Tao. Und Bruce Weber schreibt den Nachruf auf E. L. Doctorow; der große Zeitreisende starb vergangenen Dienstag 84-jährig in New York.
Drucken | Empfehlen auf Facebook | Twittern | Share on Google+

Archiv: Magazinrundschau

Roboterarm im Einsatz

21.07.2015. Guernica schreibt eine Poetik der Informationsflut. The Hedgehog Review beobachtet das Verschwinden des Körpers im Datenstrom. Auch Polen muss sich an mehr ethnische Vielfalt gewöhnen, fordert der Soziologe Alexander Smolar. Migranten können auch durch ihre Abwesenheit sehr präsent sein, versichert László Szilasi in HVG. Chinesische Schriftsteller spekulieren lieber an der Börse als zu schreiben, lernt Rue89. El Pais Semanal begutachtet den Reiskorn-Look der Koreanerinnen. Mehr lesen

Land des Schweins und Honigs

14.07.2015. Der Guardian staunt, wie viele britische Sklavenhalter es gab. In Literarni noviny erklärt Katja Petrowskaja: Ich bin viel russischer als Putin. Wer glaubt noch an Europa, fragt Timothy Garton Ash in Hospodarske noviny. Roads & Kingdoms bestellt Schweinswürstchen in Tel Aviv. Der New Yorker bebt vor dem Andreasgraben. Mehr lesen

Die endlose Wiederkehr der "Stopfkuchen"-Provinz

07.07.2015. Der Westen hat den arabischen Frühling gekapert und den syrischen Bürgerkrieg angefacht, klagt die London Review. Eurozine staunt, wie viel Ablehnung im Westen Dissidenten des Islam und der Ukraine entgegenschlägt. The Nation erzählt von einer Pakistanerin, die Freiheit bei den Islamisten sucht. Der Merkur weiß, warum Amerikaner, Briten und Franzosen Fernsehserien bessern können als wir. In El Universal verliebt sich der mexikanische Autor Álvaro Enrigue in Zagreb. Der Guardian vertieft sich in Southern Gothic. Und die New York Times untersucht den Erfolg der Huffington Post. Mehr lesen

Das Kunstwerk im neuen Jahrtausend

30.06.2015. Hat die Literatur gerade ihren Duchamp-Moment, fragt The New Republic. Und welchen Einfluss haben Schreibtechnologien auf die Literatur, fragt Le Monde. Buzzfeed erklärt, warum die Vergewaltigungen von Frauen unter den Roten Khmer nie bestraft wurden: Sie waren als Eheschließungen getarnt. Boko Haram ist nicht das einzige Problem Nigerias, notiert die NYRB. H7O skizziert die Stellung der Literatur in der Ukraine. Die Reformideen der 60er Jahre gewinnen, freut sich das New York Magazine. Mehr lesen

Scheitern, Risiko, Experiment

23.06.2015. Die NYT erklärt, wie bequem, aber auch wie befreiend das Privileg ist, nicht auf seine Hautfarbe festgelegt zu werden. Die NYRB lernt, wie strategisch durchdacht die Brutalität des IS ist. Das war bei den Bolschewisten auch schon so, erklärt Medium. Quarterly Conversation verteidigt die argentinische Autorin Silvina Ocampo gegen den Vorwurf bourgeoiser Frivolität. Im Telegraph feiert Jeanette Winterson die große Bildhauerin Barbara Hepworth. In Eurozine warnt Sofi Oksanen vor einer Finnlandisierung Europas.
Mehr lesen

Wie seltene Vögel

16.06.2015. "Urlaub im Protektorat"? Das tschechische Magazin Aktualne winkt dankend ab. Lyrik? Sollte man auch besser lassen, meint die London Review. Der Economist sucht nach Gründen für den Hass auf die Rohingya in Burma und findet sie - bei den Briten. Les inrockuptibles sucht nach Gründen für die Identitätskrise Frankreichs und findet sie - bei Mitterand. Französische Denker sind auch nicht mehr, was sie waren, diagnostiziert Sudhir Hazareesingh im Guardian. Mehr lesen

Die Exklusivität von Oink's Pink Palace

09.06.2015. In The New Republic überlegen Neil Gaiman und Kazuo Ishiguro, warum sich plötzlich selbst die chinesische KP für Science Fiction interessiert. TomDispatch schildert die Anfänge der systematischen Folterpraktiken der CIA. In Eurozine vermisst Slavenka Drakulic eine Frauenbewegung in Osteuropa. Collector's Weekly vermisst die TapekulturLa Regle du Jeu sucht nach Alternativen für den Begriff Shoah. Al Ahram fragt: Kauft Katar die arabische Literatur? Die New York Times sorgt sich um den digitalen Imperialismus Silicon Valleys. Mehr lesen

Notwendigkeit seiner Nacktheit

02.06.2015. Erfrischend findet die New York Review of Books die mangelnde Kriegserfahrung des irakischen Premiers Haider al-Abadi. Der Merkur wirft ein kritisches Auge auf den Literaturbetrieb. Mengenlehre war gestern, univalente Grundlagen sind die Zukunft der Mathematik, verkündet Wired unter Berufung auf den Mathematiker Vladimir Voevodsky. Eurozine und Tablet greifen noch einmal die Charlie-Hebdo-Debatte auf. Und das New York Magazine erinnert an den ersten telegenen Hamburger: hergestellt von einem Franzosen. Mehr lesen

Literatur als Reise erster Klasse

26.05.2015. Slate.fr begleitet die allerersten Résistants ins Panthéon. In Magyar Narancs erklärt László Nemes Jeles das Konzept seines in Cannes ausgezeichneten Holocaustfilms "Der Sohn von Saul". Im Guardian fragt sich David Nicholls: Darf ich über Bologna schreiben, auch wenn ich nie dort war? Wired erinnert an die Geschichte von George Lucas' Special-Effect-Schmiede Industrial Light and Magic. Die Rockmusik ist am Ende, meint der tschechische Musiker Petr Janda in Denik. Die NYT lernt Stand-up auf Chinesisch. Mehr lesen

Kollaps im Innern

19.05.2015. In der LRB behauptet Seymour Hersh, dass Osama bin Laden jahrelang vom pakistanischen Geheimdienst gefangen gehalten wurde. Im New Yorker erkundet Karl Ove Knausgard die innere Kriegskultur des Anders Breivik. Wired verfolgt weiter die Ermittlungen gegen die Drogen-Plattform Silk Road. In Clarin beweist Héctor Abad die Kraft magischen Denkens. In Nepszabadsag spricht Regisseur László Nemes über seinen Film "Son of Saul". Und Movie Mezzanine stellt sich gegen eine Armada von Marvel-Helden. Mehr lesen

Unfassbar in seiner Unendlichkeit

12.05.2015. N+1 erforscht die Technik der Polizei, Menschen antastbar zu machen. Vanity Fair beschleicht der Verdacht, dass es Soldaten im Krieg besser geht als an der Front moderner Gesellschaften. The Nation beschreibt die Bedeutung von Bibliothekaren im Kampf um intellektuelle Freiheit. Le Monde diplomatique streift durch Teheran an gigantischen Prophetenbildern vorbei. Der New Yorker stürzt sich in eine Landschaft aus 18 Trillionen Planeten. Atlantic beschwört die neue Mode in 3D. Und Reflex erzählt, wie sich die Tchechoslowakei zur Weltmacht halluzinierte. Mehr lesen

Prekaristokratie

05.05.2015. Der Atavist erzählt, wie Musik die Menschen in Mali zusammen- und Religion sie wieder auseinanderbrachte. Friedrich Wilhelm Graf geißelt im Merkur die Übergriffigkeit von Staat und Kirchen auf das Lebensende des Einzelnen. New Yorker, New York Times und The Marshall Project befassen sich mit Polizeigewalt und Rassismus in den USA. Wired erzählt die Geschichte der Onlineplattform Silk Road als packenden Thriller. Im Guardian denkt Julian Barnes darüber nach, warum die Geschichte der Literatur viel weniger linear verläuft als die der Kunst. Und in La vie des idées erklärt Amos Gitai, warum das Kino viel autoritärer ist als die Literatur. Mehr lesen

Denken in Bildern

28.04.2015. Warum gewinnen schwule Männer den Kampf für die gleichgeschlechtliche Ehe, während Frauen die Kampf um das Recht auf Abtreibung verlieren, fragt The Nation. Im Guardian erzählt Orhan Pamuk, wie die Arbeiten von Anselm Kiefer ihn lehrten, dass er kein Künstler war. In Telerama erklärt der Historiker Jean-Claude Caron, warum heute niemand mehr auf die Barrikaden geht. The New Republic stellt die Black Ducks vor, arabische Atheisten. Bloomsberg macht eine Kreuzfahrt mit Chinesen. In Hospodarske noviny erinnert sich Kim Novak an Hitchcock. Die New York Times verfolgt die Wege der Ratten in New York. Mehr lesen

Is it possible? It's Günter Grass!

21.04.2015. Der Völkermord an den Armeniern war eben das: ein Völkermord, notiert die Financial Times. Auch Israel sollte das als Tatsache anerkennen, meint Tablet. Die NYRB erzählt, wie ukrainische Oligarchen die Ostukraine unterstützen. In Eurozine warnt Mykola Riabchuk vor einem neuen Totalitarismus in der Ukraine. In der LRB fragt sich Christopher Clark, wer Kaiser Wilhelm II. ganz ernst nahm. La Vie des idees fordert mehr künstlerischen Patriotismus. Pitchfork sucht den Wert der Musik. Und Aeon fragt: Warum explodieren unsere Gehirne nicht, wenn wir Filme sehen? Mehr lesen

Herrenpassion

14.04.2015. Der Guardian analysiert die psychologische Kriegsführung Putins. Dichten sollte sich nicht nur die Mittelschicht leisten können, fordert die Lyrikerin Virág Erdős in Nepszabadsag. Der New Yorker erklärt, warum die erste Marsreise an einem Glas Nutella scheitern könnte. Le Monde diplomatique beschreibt die rücksichtslose Ausbeutung Russlands durch seine korrupte Elite. In Ceska pozice erklärt Filmemacher Štěpán Altrichter, warum gute Filme selten von satten Regisseuren gedreht werden. The Chronicle erklärt, warum Frauen demnächst die Welt regieren. In Medium erinnert sich Colin Robinson, wie er in den 70ern verbotene Bücher nach Tschechien schmuggelte. Al Ahram wird warm ums Herz mit Don Quichotte. Mehr lesen