Magazinrundschau

Die endlose Wiederkehr der "Stopfkuchen"-Provinz

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag
07.07.2015. Der Westen hat den arabischen Frühling gekapert und den syrischen Bürgerkrieg angefacht, klagt die London Review. Eurozine staunt, wie viel Ablehnung im Westen Dissidenten des Islam und der Ukraine entgegenschlägt. The Nation erzählt von einer Pakistanerin, die Freiheit bei den Islamisten sucht. Der Merkur weiß, warum Amerikaner, Briten und Franzosen Fernsehserien bessern können als wir. In El Universal verliebt sich der mexikanische Autor Álvaro Enrigue in Zagreb. Der Guardian vertieft sich in Southern Gothic. Und die New York Times untersucht den Erfolg der Huffington Post.

London Review of Books (UK), 16.07.2015

Hugh Roberts rekonstruiert detailliert, wie der arabische Frühling im syrischen Bürgerkrieg verenden konnte, und kommt zu dem Schluss, dass die Revolten gekapert wurden. Von Katar, Saudi-Arabien, der Türkei und vom Westen. Roberts beschreibt, wie sich Erdogan zum Patron der syrischen Opposition aufschwang und die Freie Syrische Armee aufbaute, während Saudis und Katarer Geld und Waffen für den Bürgerkrieg lieferten. Und der Westen, Hauptbösewicht in diesem Szenario, wollte nur Assads Sturz: "Die tunesische Revolution war tatsächlich eine, nicht weil sie Ben Ali um seine Macht brachte, sondern weil sie eine neue Regierungsform etablierte mit echter politischer Repräsentation und Rechtsstaatlichkeit. Die westlichen Mächte haben die arabischen Erhebungen gekapert, indem sie grundlegenden Wandel durch einen rein oberflächlichen Regimewechsel ersetzt haben, der allein in der Vertreibung eines Herrschers bestand, den sie eh nie mochten (Saddam, Gaddafi, Assad) oder für den sie keine Verwendung mehr hatten (Mubarak) und der durch einen genehmeren ersetzt werden sollte. Indem sie diesen Wechsel im eigenen Interesse verfolgten, bewiesen sie eine rücksichtslose Gleichgültigkeit für die Konsequenzen ihrer Politik, vom Irak über Ägypten und Libyen bis Syrien."

Eurozine (Österreich), 01.07.2015

In einem etwas komplexen und mäandernden, aber letztlich sehr interessanten Text aus der polnischen Zeitschrift Respublica (von Eurozine ins Englische übersetzt) zieht Oksana Forostyna eine Parallele zwischen der Erfahrung von Dissidenten des Islam wie Salman Rushdie und Ayaan Hirsi Ali und der Ukraine. Beide werden von ähnlichen Fraktionen der westlichen Öffentlichkeit mit Häme überschüttet, während Islamismus oder Putinismus auf einen Diskurs der "Toleranz" stoßen, der ihnen eine "Andersheit" zubilligt und laut Ayaan Hirsi Ali nur ein "Rassismus der geringen Erwartungen" ist. "Zusammen mit heuchlerischen Ideologien moderner Diktaturen hat die westliche Nachsicht zu einer giftigen Konvention geführt: Einige Gemeinwesen scheinen geeigneter, freie demokratische Gesellschaften aufzubauen als andere mit ihren "kulturellen Besonderheiten". Und noch andere verharren in der Grauzone der "souveränen Demokratie" oder des "Staatskapitalismus". Aber da "alle Kulturen gleich" sind, gelten die "kulturellen Besonderheiten - ob sie in der Religion, der Tradition oder Kulten und Helden liegen - als heilig und unveränderlich, und jeder Versuch, sie zu kritisieren oder dekonstruieren, macht aus dem Kritiker einen Kolonialisten, westlichen Imperialisten, rechten Konservativen oder gar Faschisten."
Archiv: Eurozine

Respekt (Tschechien), 03.07.2015

Anlässlich des 50. Internationalen Filmfestivals Karlovy Vary beschreibt Kamil Fila das Karlsbader Festival als Erfolgsgeschichte: "Jedes Jahr ist es das meistbeworbene, meistbesuchte und auch meistdiskutierte Kulturevent im Land. Vielleicht auch, weil es das teuerste ist und die meisten Gelder aus dem Staatshaushalt erhält. Während hier früher überwiegend sowjetische Filme gezeigt und pflichtschuldigst gewürdigt wurden, die die damalige Supermacht und den Sozialismus feierten, finden sich heute in der Wettbewerbssektion oft Filme aus postsowjetischen und postjugoslawischen Republiken, die in der Regel stark selbstkritisch aufgeladen sind. (…) Dennoch wird sich die Zukunft des Festivals als komplizierter erweisen. Lange Zeit fungierte es als Zusammenschau der anderen "A-Festivals" (Berlin, Cannes und Venedig), doch da nun ein Großteil der besten Produktionen schon im Vorfeld vom Marktlöwen Ivan Hronec für seine Prager Herbstschau Be2Can versammelt wird, weist Karlsbad allmählich ein etwas schwächeres Programm auf und muss vehementer um Neuproduktionen kämpfen."
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Archiv: Respekt

The Nation (USA), 27.07.2015

Was fasziniert junge muslimische Frauen so sehr an religiösen Extremisten? Dieser Frage geht Rafia Zakaria in einer Reportage an einem Beispiel aus Pakistan nach. Die 26jährige Uzma Qayyum schloss sich den Islamisten der Roten Moschee und der Koranschule Jamia Hafsa in Islamabad an. Daraufhin zog ihr Vater vor Gericht: "Uzma Qayyums Fall enthüllt die berauschende Mischung aus Ermächtigung, Flucht und militanten Zielen, die die Frauenkader extremistischer Gruppen jungen Mädchen aus der ganzen Welt bieten. Die Ironien in diesem Fall sind bemerkenswert. Auf der einen Seite Uzma Qayyum, eine unverheiratete muslimische Frau, und Jamia Hafsa, ein militant religiöses Seminar, die zusammen für das Recht junger Frauen eintreten, ihrer Berufung zu folgen. Auf der anderen Seite stehen Uzmas Vater und seine jungen Anwälte die argumentieren, dass das Gericht nach dem pakistanischen Gesetz die unverheiratete Frau in die Obhut ihres Vaters zurückgeben muss. Denn dieser sei nach islamischem Recht ihr legaler Vormund."

Außerdem: Barry Schwabsky sucht auf der Biennale von Venedig nach Inseln der Bedeutung. Michael Saler liest Yuval Noah Hararis etwa 400 Seiten starke, 70.000 Jahre umspannende Menschheitsgeschichte "Sapiens. A Brief History of Humankind" als Beispiel für einen neuen Trend zur "Deep History".
Archiv: The Nation

Merkur (Deutschland), 01.07.2015

Leider nicht Online erklärt Helmut Müller-Sievers den Erfolg amerikanischer Fernsehserien mit der langen Tradition eines literarischen Realismus in Frankreich, Großbritannien und den USA, der sich nicht nur auf die Repräsentation, sondern auch auf die Produktion und Rezeption des Erzählten bezog. Dass der Realismus in Deutschland keinen guten Stand hat, versteht Müller-Sievers mit Blick auf Autoren wie Wilhelm Raabe auch nur zu gut: "Als dann mit dem anglophilen Theodor Fontane der erste lesbare deutsche Realist auftrat ("Effi Briest", 1896), waren seit den "Pickwick Papers" sechzig Jahre vergangen - einen solchen Vorsprung macht man nicht mehr wett. Fontanes Zeitgenosse Henry James schrieb zu dieser Zeit schon Romane von solcher Subtilität und leisen Gewalt, dass sie bis heute nicht richtig angekommen sind." So fragt Müller-Sievers: "Wer denkt nicht beim "Tatort" sofort an die endlose Wiederkehr der "Stopfkuchen"-Provinz, bei "Breaking Bad" dagegen an "Great Expectations"?"

Michael Rutschky erzählt von seinem Jahr beim Merkur, wo er 1977 neben Hans Schwab-Felisch als Redakteur arbeiten sollte: "Es gab sofort ein schwerwiegendes Problem. Dem Herausgeber und seinem Redakteur stand nur ein einziges Telefon zur Verfügung. Es musste zwischen den Schreibtischen immer wieder hin und her gereicht werden, und weil das Telefon Schwabs bevorzugtes Arbeitsgerät war, kamen leicht Eifersucht und Beraubungsängste auf. Schwab aktualisierte seine etablierten Netzwerke für die neue Arbeit, ich hätte meine aufbauen sollen, eine kritische Situation."

Christoph Menke sieht die Revolution aktuell ganz hoch im Kurs stehen, und zwar nicht nur in der akademischen Linken, sondern "in vielen Verlagsprogrammen, Feuilletons,Talkshows, Seminardiskussionen, in vielen Theaterprogrammen und Kunstausstellungen sowieso", hält ihre "Möglichkeit" jedoch für ein bisschen "ungesichert".
Archiv: Merkur

El Universal (Mexiko), 04.07.2015

Der mexikanische Schriftsteller Álvaro Enrigue ist neulich von Berlin über Prag und Ljubljana nach Zagreb gereist und war ziemlich beeindruckt - von Zagreb. "Zagreb sieht so aus und kommt einem so vor, wie Barcelona unseren Großeltern erschienen sein muss, oder wie das Paris von Hemingway und Fitzgerald. Es zerfällt auf gleichermaßen symphonische und willkürliche Weise, ist ehrgeizig und bescheiden, voller furchterregender Nonnen und graugesichtiger Alter, die der Ansicht sind, das Vaterland ist das Heiligtum und das Heiligtum das Vaterland, aber zugleich hat es die besten Cafés Europas - Kroatien würde es bei der Espresso-Weltmeisterschaft bis ins Finale gegen Italien schaffen -, eine kämpferische Kunstszene, das beste Literaturfestival der Welt - es heißt FESS - und eine gequälte und ehrliche Seele: In Prag sagte man uns: "Sie sind nicht in Osteuropa, Sie sind in Europa", in Ljubljana hieß es: "Sie sind nicht in Exjugoslawien, Sie sind in Europa", und in Zagreb sagte man uns gleich bei der Ankunft: "Willkommen auf dem Balkan!""
Archiv: El Universal

Vice (USA), 06.07.2015

Griechenland hat eine lange Bankrott-Tradition, schreiben Antonis Diniakos and Giannis Androulidakis bei Vice (zuerst erschien der Text übrigens bei Vice Griechenland). Im Grunde kann man den Bankrott sogar als Datum der Staatsgründung betrachten: "Viele Griechen halt am 1. Mai 1827 als Gründungsdatum fest. Damals tagte die vierte Nationalversammlung in Troizen. Aber die meisten europäischen Mächte erkannten Griechenland als souveränen Staat erst am 3. Februar 1830 an. Andere behaupten wiederum, Griechenland sei am 30. November 1823 entstanden. Damals nahm das Land - das noch nicht mal ein souveräner Staat war - seinen ersten großen Kredit auf. An diesem Datum gewährte die British Bankers Group den Anführern der griechischen Revolution gegen die Ottomanen einen Kredit von 800.000 Pfund. Der größte Teil des Geldes war für Munition vorgesehen, der Rest für die Grundbedürfnisse in den aufständischen Regionen. Knapp vier Jahre nach seinem ersten Staatskredit erklärte das "Land" seinen ersten Bankrott, indem es die Zinsen für den Kredit nicht zurückzahlte."
Archiv: Vice
Stichwörter: Griechenland, Vice

Linkiesta (Italien), 04.07.2015

Die griechische Presse steht stärker unter dem Einfluss von Interessengruppe als jede andere in Europa, schreibt Dario Ronzoni in Linkiesta.it und zitiert aus einem Bericht, der im Auftrag der Open Society Foundation in London erstellt wurde: "Ein Fall unter vielen: "Im Oktober 2011 wurde der Journalist Kostas Vaxevanis festgenommen und beschuldigt, die Privatsphäre verletzt zu haben, nachdem er die "Lagarde List", eine Liste griechischer Steuerflüchtiger mit Konten in der Schweiz, veröffentlicht hatte. Zwei Prozesse wurden gegen ihn angestrengt, in denen er freigesprochen wurde. Die Beschuldigungen und Prozesse haben aber schon gereicht", denn sie sind eine Form der Einschüchterung." Ronzonis Artikel ist Teil eines Linkiesta-Dossiers "über das Mittelmeer als Verantwortung", in dem es unter anderem auch um das Vordringen des "Islamischen Staats" in arabischen Ländern geht.
Archiv: Linkiesta

Medium (USA), 25.06.2015

Dylann Roof, der am 17. Juni in einer Kirche in South Carolina neun Menschen erschoss, ist ein junger Mann voller gefährlicher, mörderischer Überzeugungen, aber er ist nicht verrückt, stellt Todd A klar und verweist auf das Umfeld, in dem der 21-jährige Attentäter solzialisiert wurde: "Er wuchs in einer Kultur auf, die ihre Identität aus der Asche verbrannter Schlachtfelder formte und ihm buchstäblich ein Gewehr in die Hand drückte (zum Geburtstag, von seinem Vater). Es ist dennoch anzunehmen, dass er nicht wusste, weshalb sich die Eltern seiner Eltern seiner Eltern seiner Eltern an ihren Südstaatenstolz klammerten. Ich bin eine Generation älter als er, und ich erinnere mich nur vage an die Einzelheiten der Reconstruction. Es ist leicht, im Süden aufzuwachsen und den Stolz zu spüren, aber nichts von dem Schmerz zu wissen, der ihn hervorgebracht hat. Als sich diese Woche erste Details herauskamen - Bilder, die ihn mit einer Jacke zeigen, auf der Symbole der Apartheid prangten; Geschichten von seinen rassistischen "Witzen" -, war ich zugegebenermaßen nicht überrascht. Gewehre werden ebensosehr mit Ideologie wie mit Munition geladen, und dieser junge Mann ist in oder nahe der Stadt aufgewachsen, deren Truppen die ersten Schüsse auf Union-Soldaten abgegeben hatten, und wo noch immer die konföderierte Kampfflagge über dem Capitol weht."
Archiv: Medium

Magyar Narancs (Ungarn), 01.06.2015

Der Psychologe László Mérő erklärt am Beispiel der künstlichen Intelligenz, warum Macht kontrolliert werden muss. "Wir sollten uns nicht vor der Entwicklung der künstlichen Intelligenz fürchten, sondern vor uns selbst. Für mich ist viel erschreckender, dass wir hin und wieder bei demokratischen Wahlen und aus eigenem Entschluss eine natürliche Intelligenz als Vertreter bestimmen, die veruntreut und betrügt. Vielleicht ist es aus diesem Grund doch hilfreich zu überlegen, was passieren kann, wenn eine künstliche Intelligenz uns in der Wirklichkeit schadet, schlechte Intentionen verfolgt oder gegen uns arbeitet. Eine solch schauerliche, jedoch theoretische Situation kann uns vielleicht besser als abstrakte politische Philosophie helfen, unsere eigenen schlechten Entscheidungen künftig zu vermeiden. In Wahrheit geht es sehr wohl um Begriffe der klassischen politischen Philosophie und es wird vielleicht verständlich, warum Macht, sei sie noch auch so wohlwollend und intelligent, strikt kontrolliert werden muss, selbst wenn sie nicht von künstlicher, sondern von natürlicher Intelligenz ausgeübt wird."

Guardian (UK), 04.07.2015

Der Autor Mo Walsh erklärt von Harper Lee bis Flannery O"Connor den Reiz der gerade sehr angesagten Southern Gothic, die in den Tiefen von Alabama oder Georgia angesiedelt, nicht so sehr vom hässlichen Süden erzählt, sondern von sehr bildhaften Charakteren: "Akademiker nennen diese Art der Charaktere gerne "grotesk", da sie oft verunstaltet, fanatisch oder gewalttätig sind. Aus der Feder des Südstaatenautors sind sie jedoch mit Empathie und Wahrheit gefüllt. Sie arbeiten hart und haben ein hartes Leben; sie tragen die physisches Narben auf eine Art die viele nur innerlich tragen. Warum identifiziert sich der Leser damit? Vielleicht trifft es O"Connor am Besten, wenn sie sagt: "Ich gebrauche das Groteske auf diese Art und Weise, weil die Menschen taub und dumm sind, man muss ihnen helfen zu sehen und zu hören". Die Südstaatengotik zeigt ihre Charaktere laut und deutlich."

Hari Kunzru erinnert an den vor 50 Jahren erschienenen Roman "Dune", des genialen Frank Herbert: "Jede Fantasie spiegelt den Ort und die Zeit, in der sie produziert wurde wider. Wenn es in "Der Herr der Ringe" um den Aufstieg des Faschismus und das Trauma des Zweites Weltkriegs geht, und "Game of Thrones" mit seiner zynischen Realpolitik und seinen waghalsigen und unternehmerischen Charakteren ein neoliberales Märchen ist, dann ist "Dune" die paradigmatische Fantasie im Zeitalter des Wassermanns."
Archiv: Guardian

Novinky.cz (Tschechien), 03.07.2015

Im Gespräch mit Zbyněk Vlasák berichtet der amerikanische Regisseur Paul Thomas Anderson, wie er sich in Vorbereitung auf seine Pynchon-Verfilmung "Inherent Vice" zahlreiche Filme über die 60er-Jahre angesehen hat: "Die meisten davon waren absolut grauenhaft. Hollywood hat aus den Hippies Romantiker mit großen Brillen und dem Wort "Frieden" auf den Lippen gemacht. Das erinnert an Aufnahmen vom Yeti, diese Filme gehen ebenso an der Realität vorbei. Ich hab mich beim Ansehen richtig geschämt." Auf die Frage, ob er selbst sich in Oppostion zum Establishment sehe, antwortet Anderson: "Ich fürchte, ich gucke dem Establishment eher zum Hintern raus. Die Frage ist, ob in Amerika überhaupt so etwas wie eine reine Kultur existiert, die nicht vom Establishment beschmutzt ist. Alles kostet Geld, und alle Gelder in den Staaten stammen aus etwas Illegalem, Schlechtem. Jeder Dollar kommt auf seinem langen Weg mit irgendeiner Art von Menschenrechtsverletzung in Berührung."
Archiv: Novinky.cz

New York Times (USA), 05.07.2015

In der neuen Ausgabe des Magazins der New York Times versucht David Segal hinter das Geheimnis und den Preis des Erfolgs der Huffington Post zu kommen: Arbeitszeiten und Konkurrenzdruck sind mörderisch. Andererseits arbeiten bei der HuffPo heute "rund 850 junge Redakteure und Video-Produzenten, sie produziert 13 Ausgaben weltweit, darunter indische, deutsche und brasilianische Seiten, und stößt 1900 Postings täglich aus". Das liegt vielleicht auch daran, dass niemand die Widersprüche im Netz so verkörpert wie Gründerin Ariana Huffington, die ihre Mails in der Regel zwischen 1 und 5 Uhr morgens verschickt. Auf der Elternseite der HuffPo attackieren einige der erfolgreichsten Kommentare Mütter, die spät nachts noch ihre Facebook-Kommentare abrufen und sich offenbar danach sehnen, dass ihnen jemand sagt, sie sollten um diese Uhrzeit nicht mehr auf Facebook sein. "Sie wissen schon, Kommentare wie "Hören Sie auf Zeit zu vertrödeln und gehen Sie ins Bett", "Schalten Sie Ihre Geräte ab", sagt Ethan Fedida, der Social Media Redakteur der Seite. "Die Leser sind verrückt nach solchen Kommentaren." Es ist als würde Huffington eine Krankheit verbreiten, während sie gleichzeitig mit der Kur hausieren geht. Man kann es Scheinheiligkeit nennen, aber es belegt auch, wie schlau sie ist. Das Geschäft von Internetmedien ist es herauszufinden, was die Leute wollen - und wenn das, was wir wollen, widersprüchlich ist, warum sollte Huffington von diesem Widerspruch nicht profitieren?"

Außerdem: Im Aufmacher porträtiert Nicholas Dawidoff den "größten lebenden Fotografen" Robert Frank. Daneben gibt es Fotos aus Robert Franks Klassiker "The Americans", unterlegt mit Zitaten aus Jack Kerouacs Einleitung. Rollo Romig schickt eine Reportage aus dem indischen Bundesstaat Tamil Nadu, in dessen Politik ehemalige Filmstars eine große Rolle spielen.