Stöbern nach Themen

Durchsuchen Sie unsere Bücherdatenbank nach Themen, Ländern, Epochen, Erscheinungsjahren oder Stichwörtern.

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Magazinrundschau

Obwohl ich nie Gheorge war

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag
09.02.2016. n+1 blickt mit Kamel Daouds "Der Fall Meursault" auf Algerien vor und nach der Entkolonialisierung. In der europäischen Linken rangieren die Rechte von Frauen ganz unten in der Werteskala, beschwert sich Telerama. In Kaschmir dagegen unterstützen muslimische Geistliche Frauenrechte, freut sich Outlook India. Starkoch René Redzepi kostet fürs California Sunday Magazine japanische Sägespäne. Die NYRB nimmt Psychologen aufs Korn, die uns die Moral austreiben wollen. Spatzen lieben zeitgenössische Melodien, lernt Bay Nature.

n+1 (USA), 08.02.2016

Kamel Daouds Roman "Der Fall Meursault - eine Gegendarstellung", der in diesen Tagen in Deutschland erscheint (Vorgeblättert im Perlentaucher) war in Frankreich im letzten Jahr der Favorit für den Prix Goncourt, der ihm dann von Mathias Enard weggeschnappt wurde. Aber auch so dürfte klar sein, dass er zu den wichtigsten aktuellen französischsprachigen Romanen zählt. Namara Smith liefert eine epische Analyse des Romans, die man wegen der vielen Nacherzählung erst nach der Lektüre des Romans selbst lesen sollte. Unter anderem weist sie darauf hin, dass sich Daouds Roman nicht nur an Camus' Roman "Der Fremde", sondern auch an der zyklischen Form von Camus' letztem Roman "Der Fall" orientiert: "Wie im 'Fall' ist Daouds Selbstbefragung sowohl nach innen als auch nach außen gerichtet. Es geht nicht nur um das Trauma der kolonialen Vergangenheit Algeriens, sondern auch um die Lähmung des Landes in der Gegenwart. Daoud nutzt die zyklische Form von Camus' Roman, um zu zeigen, dass Algeriens Unabhängigkeit nicht den vollständigen Bruch mit der kolonialen Vergangenheit darstellte, den Frantz Fanon imaginiert hatte, sondern zu einer Reaktion auf die französische Herrschaft führte, die ihre Gewalt in umgekehrter Form widerspiegelte. Die Desillusionierung des Erzählers Harun über die Heldengeschichte, die ihm in der Kindheit erzählt worden war, ist eine Parallele zum Abstieg des Landes in eine Einparteien-Diktatur."
Archiv: n+1
Stichwörter: Albert Camus, Kamel Daoud

Telerama (Frankreich), 08.02.2016

"Wir sehen in Europa die Vorzeichen eines Anwachsens der extremen fundamentalistischen Rechten, die wir auch schon in unserem eigenen Land miterlebt haben", erklärt die algerische Soziologin Marieme Helie Lucas in einem Gespräch mit Telerama. Nach den Ereignissen von Köln warnt sie, die Aggressionen gegen Frauen brächten den Aufstieg eines islamischen Fundamentalismus zum Ausdruck, der nichts anderes sei als eine neue Form des Rechtsextremismus. Ein Hauptproblem bleibe dabei das "tödliche Unvermögen" der europäischen Linken, die Frauenrechte gegen jedwede Agression zu stützen, ganz gleich, aus welcher Ecke sie käme. "Das rührt von der Unfähigkeit der Linken her, ihre Theorie vom 'Hauptfeind' - dem amerikanischen Imperialismus - neu zu formulieren; das wäre jedoch notwendig angesichts des Risikos, vom 'Zweitfeind' überrollt zu werden - dem bewaffneten Fundamentalismus. Daraus resultiert eine skandalöse Rechtehierarchie, in der die der Frauen auf der untersten Skala liegen, unter den Rechten von Minderheiten sowie religiösen und kulturellen Rechten."
Archiv: Telerama

Outlook India (Indien), 15.02.2016

Ausgerechnet im vorwiegend konservativ-muslimischen Kaschmir lassen sich immer häufiger Frauen scheiden, berichtet Priyadarshini Sen. Unterstützung finden sie beim Supreme Court of Islamic Shariat, dem seit zwei Monaten der Großmufti Nasir-ul-Islam vorsteht. Hauptgründe für Scheidungsbegehren sind Drogensucht des Ehemanns, Gewalt in der Ehe aber auch Unverträglichkeit oder Impotenz werden als Gründe angegeben: "Es ist besonders ermutigend, sogar reformistisch, dass religiöse Oberhäupter drangsalierte Frauen unterstützen. Abdul Khaliq Haneef, ein Mitglied des Muslim Personal Board, sagte, der Islam garantiere Frauen bestimmte Rechte, die sie berechtigterweise durchsetzen könnten. 'Eine Menge Frauen haben mich um Unterstützung bei der Annulierung ihrer Ehe gebeten. Es gibt ein schnell wachsendes Bewusstsein und die Frauen sind bereit, diesen Sprung zu wagen."

In einem kurzen Interview macht Mufti Nasir noch einmal ganz klar, dass Frauen jedes Recht haben, eine Ehe, in der sie missbraucht werden, zu beenden. "Frauen sollten hervortreten, in der Gesellschaft gleichberechtigt mit den Männern und in Würde leben können. Eltern unterstützen sie oft dabei, wenn ihre Töchter gegen Ungerechtigkeiten aufbegehren. Ich habe mich in der Vergangenheit für Frauenrechte eingesetzt und möchte das auch in Zukunft tun."
Anzeige

Twitterfeed der Verlage

New York Review of Books (USA), 25.02.2016

Psychologen stellen sich immer bereitwilliger in den Dienst der gesellschaftlichen Steuerung, beobachtet Tamsin Shaw in einem sehr ausführlichen Artikel. Dabei kritisiert sie nicht nur, dass Psychologen das Folterprogramm der CIA entwickelten oder dass eine Positive Psychologie die mentale Kampfbereitschaft stärken soll. Shaw stört sich vor allem an den Versuchen der Psychologie, uns mit Hilfe der Neurowissenschaft die Moral auszutreiben, die als archaisches Clan-Denken, irrational oder Opferkult diskreditiert wird: "Paul Bloom etwa warnt in seinem Artikel im Atlantic 'The Dark Side of Empathy' davor, dass Empathie für Menschen, in denen wir 'Opfer' sehen, mit einem Verlangen nach Strafe und Gewalt gegen Menschen einhergeht, die in Amt und Würden stehen. Doch wir sollten seine Thesen keinesfalls als Richtschnur für unsere Werte nehmen, und wir sollten auch nicht daraus schließen, dass wir ein Korrektiv zu einer angeblich exzessiv empathischen Kultur brauchen. Kein Psychologe hat bisher eine Methode entwickelt, die moralische Überlegung und Argumentation ersetzt, wir müssen weiterhin auf unsere eigenen Intuitionen und Prinzipien zurückgreifen, sie gegeneinander abwägen und so gut es geht urteilen. Das bleibt eine für uns alle notwendige Anstrengung. Wir können sie nicht an Autoritäten abgeben oder durch Handbücher ersetzen."

Jacob Weisberg hat einen ganzen Stapel alarmistischer Bücher gelesen, die sich mit dem gesellschaftlichen Wandel durch die sozialen Medien beschäftigen. Dass wir alle zu narzisstischen Egomanen werden, will er nicht ganz glauben. Aber dass Amerikaner im Durchschnitt fünfeinhalb Stunden am Tag mit digitalen Medien verbringen, lässt ihn schon um ihr Sozialverhalten bangen: "In einer Pew-Umfrage antworteten 70 Prozent, ihre Smartphones gäben ihnen ein freieres Gefühl, 30 Prozent sagten, sie fühlten sich wie an einer Leine. Rund die Hälfte der 18- bis 20-Jährigen erklärte, sie benutzten ihr Smartphone, um den anderen Menschen auszuweichen."

Außerdem: Als superbe Inszenierung einer großartigen B-Oper lobt Geoffrey O'Brien Penny Woolcocks Produktion von Bizets "Perlenfischern" an der New Yorker Met.

HVG (Ungarn), 27.01.2016

Der Schriftsteller György Dragomán spricht über die Zeit seiner Übersiedlung aus Rumänien nach Ungarn 1988, die Erfahrungen als junger Einwanderer in Ungarn und über die Frage, ob er nun ein Rumäne oder Ungar sei. "Wir sollten begreifen, dass es keine Erfolgsgeschichte ist, wenn jemand in die Fremde geht, und dort ein neues Leben beginnen muss. Mein Vater war 44, als wir uns auf den Weg machten. Wenn ich in zwei Jahren mit Kind und Kegel gehen müsste, weiß ich nicht ob ich dazu fähig wäre. Wären wir nicht ausgewandert, wäre ich heute ein anderer Schriftsteller. (...) Man kann daran rumtüfteln ob ich nun Rumäne oder Ungar bin. Bei der englischen Wikipedia steht, dass ich 'romanian' bin, was als Rumäne oder als jemand aus Rumänien übersetzt werden kann, doch am Anfang des Textes steht immer noch mein Name auf Rumänisch obwohl ich nie Gheorge war. Zweifelsohne schreibe ich auf Ungarisch und bin ein ungarischer Schriftsteller."
Archiv: HVG

Bay Nature (USA), 20.01.2016

Kim Todd hat eine hinreißende, mit vielen Tonbeispielen belegte Reportage über die Spatzen in San Francisco geschrieben, in der die Ornithologen der Stadt die andere Hauptrolle spielen. Es geht um die Frage, wie sich die Vögel auf den Lärm der Stadt einstellen. Zu den Ornithologen gehört der charismatische, aber früh verstorbene Luis Baptista, der in den siebziger Jahren mit den Forschungen begann und entdeckte, dass die Vögel "Dialekte" haben. Und da ist Elizabeth Derryberry, die neben anderen seine Forschungen fortsetzt und mit Hilfe von Baptistas Aufnahmen feststellte, dass die Sperlinge heute höher singen. "Sie verglich Baptistas Aufnahmen von Dachsammern (eine Sperlingsart) von 1979 mit Aufnahmen, die sie im Jahr 2003 selbst gemacht hatte. Als sie die neuen Melodien Weibchen im Käfig vorspielte, kauerten sie und zitterten mit den Flügeln um zu zeigen, dass sie paarungsbereit waren, was sie bei den historischen Aufnahmen nur halb so oft taten. Auch freie männliche Exemplare antworteten aggressiver auf die neuen Melodien als auf Baptistas Aufnahmen. Die Vögel hatten eine klare Vorliebe für zeitgenössische Melodien und zeigten damit, wie eine Tonfolge die Entstehung einer genetischen Grenze anzeigen kann, aus der womöglich neue Arten entstehen."

Dazu passt Emily Urquharts schöner Text aus dem Hakai Magazine über die Dialekte und die vielen Wörter für Eis und Schnee in Neufundland und Labrador, wo die Bevölkerungen kleiner Küstenstädtchen, die früher nur über den Seeweg zu erreichen waren, ganz eigene, aus vielen Sprachen bunt gemischte Sprechweisen entwickelten.
Archiv: Bay Nature

Guardian (UK), 08.02.2016

Andrew Walker beschreibt in einem langen Report die Anfänge der Terrorgruppe Boko Haram, die der charismatische Mohammed Yusuf in den Neunziger im Norden Nigerias gründete, unter anderem um seine Ressentiments gegen die superreichen Studenten der Maidiguri Universität auszutoben. Die Niederschlagung des Aufstands von 2009 überlebte er nicht: "Unter Abubakar Shekau, Yusufs einstigem Stellvertreter, wurde Rache das oberste Ziel Boko Harams. Zuerst nahm die Gruppe die Polizei ins Visier, sie überfiel ihre Stationen und raubte Waffen. Höhere Dienstgrade, lokale Politiker und Chiefs wurden in ihren Wohnungen ermordet. Nach dem Aufstand hatten die Behörden von den traditionellen Oberhäuptern verlangt, Mitglieder von Boko Haram zu identifizieren, die dann hingerichtet wurden, während ihr Besitz als Belohnung an die Informanten ging. Jetzt kehrte die Gruppe zurück, um all die zu ermorden, die sie verraten hatten, und sich ihren Besitz zurückzuholen, die Kriegsbeute ... Boko Haram entfesselte Attentatsserien in Maiduguri, Jos, Kaduna und Abuja, die Gruppe koordinierte verheerende Angriffe auf Sicherheitskräfte in Kano. Sie griff Kirchen an, Universitäten und Schulen, Busstationen und Märkte und tötete Tausende. Innerhalb weniger Jahre, zwischen 2011 und 2014, wurde aus den versprengten Überbleibels einer radikalen Sekte eine ausgewachsene Terrorgruppe."
Archiv: Guardian
Stichwörter: Boko Haram, Nigeria

La regle du jeu (Frankreich), 05.02.2016

In einem Gespräch über sein jüngstes Buch "L'Esprit du judaïsme" erläutert Bernard-Henri Lévy seine These, wonach der Antisemitismus zu einer Art globaler Religion zu werden droht. Der neue Hass ist eigentlich ein alter, allerdings in neuen Gewändern. Der heutige Antisemitismus stützt sich, wie er erklärt, auf drei Säulen: Antizionismus, Leugnung des Holocaust und - etwa in Bezug auf die Palästinenser - "idiotisch, aber schrecklich effizient" auf den Opferwettstreit. "Dies sind die drei Komponenten einer veritablen moralischen Atombombe. Wenn man zulässt, dass sie zusammenkommen, sich miteinander verschlingen und in Brand gesetzt werden, wird die Explosion fürchterlich. Weil es für große Massen von Männern und Frauen aufs Neue möglich wird, in vollem Bewusstsein antijüdisch zu sein."

California Sunday Magazine (USA), 02.02.2016

Tienlon Ho begleitet René Redzepi, den zur Zeit vielleicht angesagtesten Koch der Welt, nach Sydney, wo er, zum Teil unter Einschaltung alten Aborigine-Wissens, die Eröffnung eines neuen Restaurants vorbereitet. Zuvor machte er allerdings Station in Japan, wo er mit dem japanischen Koch Namae Shinobu unterwegs war: "Als er einen Himbeerbauern bat, ihm das Produkt grün und unreif zu verkaufen, musste Namae den Bauern überzeugen, dass Redzepi ein richtiger Koch war. Redzepi wollte keine Pilze kaufen, er interessierte sich für die Sägespäne, auf denen sie wuchsen. Bei einem Ausflug schockierten die Küchenchefs ihre Begleiter, als sie Holzameisen probierten, die sie auf dem Waldboden fanden. Die Ameisen würden später dazu dienen, lebendige Botan Shrimps zu würzen. Selbst die Verabreichung von Shrimps in diesem Zustand sorgte für Verblüffung, weil Sushi-Chefs normalerweise die Konsistenz der Shrimps einige Tage nach der Totenstarre preisen."

Solche Spezialitäten würde Daniel Le Bailly de La Falaise, der der High Society einst entrinnen wollte, indem er Koch lernte, und der nun für die High Society kocht, wohl nicht reichen - so Cody Delistraty in einer Reportage, die Longreads-Leser selbst finanziert haben.

Novinky.cz (Tschechien), 03.02.2016

Novinky führt ein aufschlussreiches Gespräch mit der türkischen Schriftstellerin Aslı Erdoğan (die nicht mit dem Präsidenten verwandt ist). Erdoğan, deren Vorfahren zum einen Juden in Thessaloniki, zum anderen Tscherkessen im Kaukasus waren, engagiert sich seit Jahren in der Kurdenfrage und hat dafür immer wieder ihre Schriftstellerkarriere riskiert. "Ich hatte an der türkisch-syrischen Grenze eine Menschenkette türkischer und kurdischer Schriftsteller organisiert. Der Islamische Staat belagerte gerade Kobanê und die Türkei wollte offiziell niemanden in ihr Land lassen. Wir wollten helfen, einen humanitären Korridor zu öffnen, damit Verletzte in die Türkei hineinkonnten und die Zivilisten irgendwohin fliehen konnten. Da haben wir festgestellt, dass ein paar Kilometer weiter die Grenze zum von ISIS besetzten Gebiet völlig durchlässig war. Ich glaube nicht daran, dass die Türkei wirklich den Islamischen Staat bekämpft. Übrigens sitzt der Chefredakteur der Zeitung Cumhuriyet Can Dündar im Gefängnis, weil er Beweise für die Kooperation der Türkei mit ISIS veröffentlicht hat. Ihm droht lebenslängliche Haft. Doch selbst wenn er dazu verurteilt wird - die Beweise gibt es trotzdem. Ich glaube, Erdoğan hat sich getäuscht, als er dachte, er könnte ISIS unter Kontrolle haben. ISIS nimmt weder Erdoğan noch seine Art, sich zum Islam zu bekennen, ernst und wird sich eines Tages auch gegen ihn wenden."
Archiv: Novinky.cz

New York Times (USA), 07.02.2016

Im aktuellen Magazin der New York Times untersucht Parul Sehgal das Phänomen kollektiven Gedächtnisverlustes, genauer das vorsätzliche Ausblenden ganzer sozialer Gruppierungen im öffentlichen Diskurs, Frauen, Minoritäten, sozial Schwache. Eine Machtdemonstration: "Mit der jüngsten Inflation solcher Auslöschungsversuche geht auch der Versuch der Korrektur einher. Versuche, der betroffenen Gruppierungen, die Verdrängung zu hierarchisieren. Wer hat wen ausgestochen und zum Verstummen gebracht? Wer zieht jetzt alle Aufmerksamkeit auf sich? Solche Scharmützel können recht kleinlich werden, aber sie zeigen auch, wie sehr wir von sich ständig wandelnden Machtbeziehungen abhängen. Unsere Identitäten und Privilegien sind niemals statisch, sondern zutiefst kontextabhängig. Wir, die wir ausgeblendet und stillgestellt wurden, können jederzeit andere ausblenden und stillstellen."

Weitere Artikel: Vinson Cunningham porträtiert den Lektor Chris Jackson, der in einem Buchmarkt, in dem gerade mal 4 Prozent der Angestellten Schwarze sind, eine schwarze Literaturbewegung aufbaut. Cecilia Kang beschreibt den Kampf um Netzneutralität. An vorderster Front: Jonathan Sallet, Chefjurist der bundesstaatlichen Behörde für Kommunikation. Touré analysiert Kanye Wests Tweets und stellt fest: ganz schön spätpubertär, der Junge. Und Helen Macdonald begegnet einer fremden Intelligenz, einem wilden Keiler: "Von einer nicht-menschlichen Seele erfasst zu werden, bringt dich dazu, die Grenzen deiner selbst zu bedenken. Der Blick des Keilers machte mir klar, wie wenig ich über dieses Tier wusste. Gesicht an Schnauze überlegte ich, was ein Keiler eigentlich war und was ich wohl für ihn."

In der Sunday Book Review bespricht Adam Haslett Darryl Pinckneys Roman "Black Deutschland", John Reed stellt Michael Peppiatts Erinnerungen an Francis Bacon vor. Interessant klingen auch Laura Secors Buch "Children of Paradise: The Struggle for the Soul of Iran" (Kritik), das von Yunte Huang herausgegebene "Big Red Book of Modern Chinese Literature" (Kritik) und Chris Jennings' Band "Paradise Now: The Story of American Utopianism" (Kritik).
Stichwörter: Ausgrenzung, Lektor, Kanye West

Archiv: Magazinrundschau

Unerlässliche Amnesien

02.02.2016. Die New York Review of Books und der Merkur lesen Ta-Nehisi Coates' Essay über den Rassismus in Amerika. In Telerama beschreibt Omar Sy die unterschiedlichen Erfahrungen amerikanischer und französischer Schwarzer. Im New Yorker denkt Elif Batuman über die Verlockungen der Unterwerfung nach. In Hospodarske noviny warnt der Komponisten Miroslav Srnka: Achtung, gleich kommt zeitgenössische Musik! Im New Republic ruft Werner Herzog das Jahrhundert der Einsamkeit aus. Himal porträtiert die Künstlerin Faiza Butt. Mehr lesen

Ein sehr teures Gift

26.01.2016. The Nation reist mit der Selden-Karte durch die globalisierte Welt des 16. Jahrhunderts. Der Believer fährt durch den Regenwald zu den Sápara. The New Republic erkundet die Anfänge des Farbfilms. Harper's begutachtet die Landsitze der Queen. Longreads besucht die Südseeinsel Peleliu, wo eine der blutigsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs tobte. Der New Yorker reist nach Haiti und das tschechische A2 ins Anthropozän. Mehr lesen

Inder sind sehr coole Leute

19.01.2016. Guernica unterhält sich mit dem Regisseur Lav Diaz, dessen achtstündiger Film "A Lullaby to the Sorrowful Mystery" im Berlinale-Wettbewerb läuft, über die Traumata der Philippiner. Der Guardian setzt auf die Kinder und Enkel des arabischen Frühlings. Der Theaterregisseur Dániel D. Kovács erklärt in HVG, warum Schillers "Räuber" perfekt in diese Zeit passt. National Geographic feiert unsere Augen als Wunder der Evolution. Daniel Kehlmann sieht das in Sinn und Form ähnlich. Der chilenische Autor Rafael Gumucio legt in Letras Libras die Katalanen auf die Couch. Die Financial Times untersucht die Große Britische Currykrise. Mehr lesen

Denkfehler

12.01.2016. Himal beschreibt die moralische und sexuelle Gängelung indischer Frauen. Magyar Narancs beklagt die Logik des permanenten Krieges in Ungarn. Das TLS porträtiert Vermeer als Pionier der Optik. Linkiesta überlegt, warum Darwin Marx und Freud als Gründungsväter der Moderne abgehängt hat. Der Guardian setzt dagegen zur Ehrenrettung Freuds an. In der New York Times beschreibt Drehbuchautor Michael Idov Scham und Stolz der russischen Nation. Mehr lesen

Hermeneutik ist heilbar

05.01.2016. In Nepszabadsag besteht László Végel auf seinem ungarischen Anderssein. In der New York Times beobachtet Karl Ove Knausgård eine Hirn-OP. Demokratie braucht keinen Nationalstaat, erklärt Robert Menasse in Eurozine. Sexuelle Befreiung kann nicht das A und O des Feminismus sein, meint Rafia Zakaria im New Republic. Der Merkur seziert russische Propagandamethoden. Filmcomment erklärt, warum immer größere Teile der Filmgeschichte unwiderruflich verloren gehen. Die New York Review of Books schildert die Angst vor dem IS in Gaza. Mehr lesen

Exil ist wie die Liebe

22.12.2015. Selbst die Geheimdienste in den USA arbeiten in Syrien gegeneinander, berichtet Seymour Hersh in der London Review. In A2 kritisiert die Kunsthistorikerin Milena Bartlová das kolonialistische Verhältnis der Tschechen zu den Slowaken. In Guernica erklärt der Schriftsteller Dinaw Mengestu, warum sein Vater nie nach Äthiopien zurück konnte. The Nation stellt koreanische monochrome Malerei vor. Mehr lesen

Niemand geht raus

15.12.2015. In IndieWire erklärt der Kameramann Emmanuel Lubezki die Vorzüge der Alexa 65. In Eurozine erzählt Alexander Mikhailovsky eine Geschichte des russischen Nationalismus. In der London Review of Books plädiert James Meek für Friedensverhandlungen in Syrien, verschweigt dabei aber nicht den Preis. Im Spectator bestätigt Ahmed Raschid für Afghanistan: Krieg war nicht die Lösung. In Telerama beklagt der Philosoph Alain Deneault den neuen Kult der Mittelmäßigkeit. Der New Yorker faltet ein Mikroskop. Die New York Times lernt Fliegen. Mehr lesen

Neue Zeitfenster in Aussicht

08.12.2015. Wer braucht noch Journalisten, fragt The Awl. In Rue89 erklärt ein Salafist, wie die "Schule der Republik" ihn radikalisierte. Nepszabadsag plädiert für mehr zeitgenössische Literatur in den Schulen. In Paris kann man keinen Film mehr über die Liebe drehen, bedauert Regisseur Arnaud Desplechin in Hospodarske noviny. Der Guardian gerät in den Schwindel der Faction. Petr Bílek sucht in Literarni noviny nach Mitteleuropa. In der New York Times fürchtet Pankaj Mishra den Tod des Dalai Lama. Mehr lesen

Stark empfohlene Linie

01.12.2015. New Criterion analysiert das neue britische nature writing. Im Merkur erklärt der Anthropologe Philippe Descola, warum man bei Naturvölkern keine Natur findet. Mehr Hamlet, weniger Fortinbras empiehlt der Psychiater Péter Hunčík in Nepszabadsag den Osteuropäern. Besitzen Schwarze wirklich keinerlei individuelle Handlungsmacht, fragt erstaunt die LRB. Die Fast Company reist ins Facebook-Land. Der Guardian reist nach Mali. Mehr lesen

In repressive Regeln verliebt

24.11.2015. In Open Democracy erklären William Binney und Kirk Wiebe, warum die Geheimdienste so oft bei Attentaten versagen: Schuld ist die Massenüberwachung. In Telerama erklärt der Soziologe Farhad Khosrokhavar die Anziehungskraft von Daesh: So schön viele Verbote. In Political Critique gibt der Soziologe Jan Kubik der Katholischen Kirche eine Mitschuld an der Fremdenfeindlichkeit vieler Osteuropäer. In The Nation erinnert sich Liao Yiwu an Tiananmen. Filmcomment diagnostiziert eine Krise des asiatischen Kinos. Wespennest porträtiert den Menschen als Mängelwesen. Mehr lesen

Finster, aber interessant

17.11.2015. Dem New Yorker graut vor Nick Bostroms Vision einer künstlichen Superintelligenz, die die Menschheit auslöscht. Im NY Times Magazine graut George Saunders vor der menschlichen Superintelligenz, die das Geheimnisvolle auslöscht. In Nepszabadsag erzählt László Garaczi von seinem Jahr als Stadtschreiber von Graz. Der Guardian beugt sich über die Akte des britischen Geheimdiensts MI5 zu Doris Lessing. Die London Review of Books feiert die Unwirklichkeit in den Portäts von Francisco de Goya als ästhetischen Triumph. Mehr lesen

Der elementare Code des Lebens

10.11.2015. Die NYRB erzählt, wie sehr die Debatte über das Massaker von Jedwabne Polen geprägt hat. Im Guardian erklärt Elif Shafak, warum sie von Länderboykotten nichts hält. Respekt analysiert die demokratische Gegenrevolutionen in Mitteleuropa. MicroMega wirft einen Blick auf den atemberaubenden Reichtum des Vatikans. New York Times, New Yorker und Boston Review stellen Crispr vor, einen molekularen Werkzeugkasten, mit dem man Gene verändern kann, und der die Universität, die das Patent daran erlangt, sehr reich machen wird. Mehr lesen

Der Mörder kennt die andere Seite

03.11.2015. Der Guardian lernt im Britischen Museum, wie die Religionen sich gegenseitig kopierten. Das Universum ist mindestens so digital wie analog, erklärt der Merkur. In HVG warnt György Dalos davor, die Errungenschaften der ungarischen Revolution zu verwerfen. Himal macht die Blasphemiegesetze in Bangladesch mitverantwortlich für die Morde an säkularen Bloggern. Novinky berichtet vom tschechischen Dokumentarfilm-Festival. Die Public Domain Review erklärt, wie langweiliges Moos im 19. Jahrhundert zur Metapher für verbotenen Sex wurde. Mehr lesen

Monophonisch

27.10.2015. msnbc und Atavist erzählen Heldengeschichten von Ärzten. Der Guardian versucht, in Karatschi Wasser zu kaufen. In Novinky ist Regisseur Petr Zelenka froh, dass Milos Forman und Vaclav Havel keinen Film über das Münchner Abkommen gemacht haben.  Hector Abad wirft in El Espectador VW sein Auto vor die Füße. Der New Yorker isst gesundes Fast Food. Music & Literature reist zum Festival für Neue Musik ins tschechische Ostrava. Mehr lesen

Negatives Kapital

20.10.2015. In Outlook India erklärt der Autor Kiran Nagarkar, wie das Schweigen von Premier Modi die Gewalttaten radikaler Hindus beflügelt. In Caravan erklärt der karnatische Musiker T.M. Krishna, warum Perfektion nur entsteht, wenn das Unperfekte noch eine Chance hat. Ohne kulturelle Aneignung gibt es keine Kultur, erklärt der Musiker Yo Zushi in The New Statesman. Jürgen Habermas erinnert sich in Eurozine an seine Begegnungen mit Foucault. Das Netz vergisst, ruft besorgt The Atlantic. In Ungarn hofft Victor Orban auf das Scheitern der liberalen politischen Elite der EU, erklärt der Philosoph János Kis in HVG. Der Guardian beobachtet einen Boom der irischen Literatur. Mehr lesen