Efeu - Die Kulturrundschau

Das beste Kino der Welt

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23.10.2014. Die HuffPo.fr würdigt die Schwärze des Universalkünstlers Topor. Die Welt erlebt einen Kulturschock beim Filmfestival von Busan. In der taz erklärt die südkoreanische Regisseurin Cho Sung-Hyung, wie man in Nordkorea dreht. Die Zeit und Martha Agerich feiern einen neuen russischen Pianisten: Daniil Trifonow.

Film

Jan Küveler (Welt) hockt im südkoreanischen Busan in einem Love Hotel und versucht mit einer Flasche Reisschnaps einen Kulturschock zu verdauen: "Die Koreaner machen zurzeit das beste Kino der Welt. Am Anfang konnte ich es gar nicht glauben. Aber noch der zehnte Film, den ich sah, hatte dieselbe Kraft - Zielstrebigkeit, Zweifel, Härte, Liebe, keine Spur von Eitelkeit, der Stil schnörkellos, Ausdruck ohne Umschweife, die flinke Eleganz der Nouvelle Vague und die brutale Direktheit amerikanischer Thriller der Siebziger. Dazu eine Perfektion der Bilder und des Schnitts wie bei David Fincher oder Martin Scorsese. Ich wollte herkommen, um es mit eigenen Augen zu sehen."

Für die taz befragt Matthias Dell die südkoreanische Regisseurin Cho Sung-Hyung nach ihren Erfahrungen beim aktuellen Dreh eines vom deutschen Fernsehen produzierten Dokumentarfilms über die nordkoreanische Bevölkerung. Begleiter des (co-produzierenden) nordkoreanischen Regimes warn immer dabei: "Unsere Partner waren sehr vorsichtig. Wenn wir etwas machen, was in Augen des Regimes das Land beschädigt, tragen sie die Verantwortung. Natürlich entsteht eine Zweckfreundschaft. Beide Seiten wissen, dass sie da zusammen durchmüssen. Pragmatismus hilft, aber nach drei Wochen verbraucht sich das auch."

Weitere Artikel: Im Standard spricht der mauretanische Regisseur Abderrahmane Sissako im Interview über seinen Film "Timbuktu", der von der Besetzung Timbuktus 2012 durch Islamisten erzäht. In der FAZ gratuliert Andreas Kilb Ang Lee zum 60. Geburtstag.

Besprochen werden John McDonaghs "Am Sonntag bist Du tot" (taz, critic.de, SZ), Stefan Haupts "Der Kreis" über die schwule Szene in der Schweiz der fünfziger Jahre (taz, critic.de), Marc Kreuzpaintners "Coming In" (Tagesspiegel, Freitag, Berliner Zeitung, Welt), Doris Dörries Dokumentarfilm "Dieses schöne Scheißleben" (Berliner Zeitung, Welt, FAZ), Irina Roerings Film "Patriotinnen" über die russische Dichterin Marina Zwetajewa (SZ) und der Animationsfilm "Die Boxtrolls" (SZ).
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Musik

Die Band Mutter stellte ihr neues Album "Text und Musik" im Theater HAU2 in Berlin, ein Stelldichein der Berliner Kulturbohème, wie Andreas Busche in der Berliner Zeitung berichtet. Wenn dann noch Sänger Max Müller seinen Einsatz verpasst, ist er gerührt: "Und schon erinnerte man sich wieder, was nach so vielen Jahren die ungebrochene Faszination dieser Band ausmacht. Dass Mutter-Konzerte eben keine einstudierten Performances sind, sondern ein ständiger Work-in-Progress: ein immer wieder neues Den-inneren-Schweinehund-Überwinden, ein Austesten der eigenen (Sprecher-)Position."

"Trifonow ist phänomenal" bejubelt Wolfram Goertz in der Zeit den russischen Pianisten Daniil Trifonow, der in diesem Jahr mit dem Echo Klassik als Nachwuchskünstler des Jahres ausgezeichnet wird: "Von ihm sah die große Martha Argerich, selbst eine Amazone am Klavier, kürzlich ein Youtube-Video. Danach sagte sie, so etwas habe sie noch nie erlebt." Hier kann man ihn mit Chopin-Etüden hören:



Besprochen werden Konzerte von FKA Twigs (Tagesspiegel), Manu Katché (FR), Rudimental (Berliner Zeitung) und den Swans (FAZ), sowie das Album "Bad Gastein" von Friedrich Liechtenstein (taz) und Suzi Quatros CD-Box "The Girl From Detroit City" (Standard).
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Literatur

In der NZZ stellt Sieglinde Geisel die Autorin Nora Wicke vor, die gerade ihren Debütroman "Vierstromland" veröffentlicht hat. Ursula März freut sich in der Zeit über die Wahl der Darmstädter Akademie für Sprache und Dichtung, den Büchnerpreis an diesem Sonntag an Jürgen Becker zu verleihen: sein Werk zähle "neben dem von Alexander Kluge oder Uwe Johnson, zu den großen poetischen Gestaltungen deutscher Zeitgeschichte, in lyrischer und epischer Form".
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Bühne

Besprochen werden die DVD des Interviewfilms "Spielwiesen", in dem Theaterschauspieler über sich und ihr Selbstverständnis Auskunft geben (Nachtkritik), Balász Kovaliks Inszenierung von Benjamin Brittens Oper "Peter Grimes" am Müchner Gärtnerplatztheater (SZ) und Leoš Janáčeks an der Bayerischen Staatsoper, bzw. an der Dresdner Semperoper aufgeführte Opern "Sache Makropulos" und "Das Schlaue Füchslein" (FAZ).
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Kunst

Man sollte sich mal wieder an Topor, diesen witzig düsteren Universalkünstler erinnern, findet Simon Bentolila in der französischen Huffpo, und in der Pariser Galerie Anne Barrault hat man Gelegenheit, es zu tun. Hier werden vor allem Pressezeichnungen des Künstlers gezeigt. ""Die Illustration sagt genau so viel über den Illustrator wie über den Illustrierten", schrieb M.Ch. Hugonot über Topor. Die Schwärze seiner Arbeit beschreibt eine tief verdorbene Menschheit, sie ist die Schutzschicht zwischen ihm und allem, was ihn abstößt."

Staunend steht Hans-Joachim Müller (Welt) vor den grandiosen Veduten Canalettos, die gerade in der Alten Pinakothek in München gezeigt werden: "Schon auf den Venedig-Bildern geht es nicht nur am Himmelfahrtstag, wenn der Doge von seiner Prunkbarke aus einen goldenen Ring ins Wasser wirft, zu wie heute in der zwölfmonatigen Touristensaison. Kreuz und quer steuern Boote und Gondeln in den Kanälen. Überall stehen die edleren und weniger edlen Venezianer auf Brücken und Balkonen, haben etwas zu tun oder haben nichts zu tun, schauen in den Tag, langweilen sich, plagen sich. Es ist, wenn man so will, die Erfindung des Wimmelbilds."

Weitere Artikel: Andrea Gnam blättert für die NZZ durch den Katalog zu einer Ausstellung auf der Darmstädter Mathildenhöhe, für die Künstler - offenbar recht brav - Episoden aus Luis Buñuels "L"Age d"or" neu verfilmten. In der FAZ resümiert Hannah Lühmann das Anthropozän-Projekt, das in diesem Jahr das Berliner Haus der Kulturen der Welt bestimmt hat. Für die SZ hat Michael Stallknecht einen Münchner Vortrag des Kunsthistorikers Gottfried Boehm über den Verbleib des Schönen in den Künsten gehört.

Besprochen werden die Ausstellung "Memory Lab - Die Wiederkehr des Sentimentalen", die im Rahmen des Europäischen Monats der Fotografie im Gropiusbau in Berlin zu sehen ist (FR), eine Ausstellung von Fotografien von Ricarda Roggan im Kunstverein Hannover (taz), eine Ausstellung mit Werken des barocken Hofmalers und Porträtisten Martin van Meytens, des Jüngeren im Winterpalais in Wien (Presse) und die Ausstellung "Denn das Leben ist die Liebe..." im Goethe-Haus in Frankfurt (FAZ).
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