9punkt - Die Debattenrundschau

Tief in Ihrem Smartphone

Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
23.10.2015. Die SZ freut sich auf den Google-Innovationsfonds und unterhält sich mit dem milde gestimmten Google-Kommunikator Carlo D'Asaro Biondo. Die taz berichtet über sehr harsche Sparmaßńahmen beim Tagesspiegel. Hilary Mantel und J. K. Rowling unterzeichnen im Guardian einen Aufruf gegen Israelboykott. In der FAZ plädiert der Medienrechtler Rolf Schwartmann für zahlbare Angebote von Facebook und Co., die im Gegenzug aufs Datensammeln verzichten müssten. Und wir gratulieren Robert Mugabe, der den Konfuzius-Friedenspreis erhält!

Politik

Das ist doch mal eine würdige Auszeichnung! Robert Mugabe erhält den offiziellen chinesischen Konfuzius-Friedenspreis, melden Edward Wong und Vanessa Piao im Blog Sinosphere in der New York Times: "Der Konfuzius-Friedenspreis wurde erstmals 2010 als Alternative zum Friedensnobelpreis vegeben, der in jenem Jahr an Liu Xiaobo, den chinesischen Autor und Dissidenten, ging. Seine Frau Liu Xia, steht unter Hausarrest."

In der FAZ skizziert Joseph Croitoru die Strategien palästinensischer und israelischer Scharfmacher im Kampf um den Tempelberg.
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Europa

Unter britischen Künstlern und Intellektuellen ist die Idee eines Israel-Boykotts besonders populär. Im Februar wurde sie im Guardian in einem Aufruf unterstützt, der unter anderem von John Berger und Roger Waters unterzeichnet war. Nun lanciert eine Gruppe von Autoren, darunter Hilary Mantel und J. K. Rowling, ebenfalls im Guardian einen Aufruf gegen die Idee des Boykotts: "Ein kultureller Boykott, der Israel isoliert, ist spalterisch und diskriminierend und wird den Frieden nicht voranbringen. Offener Dialog und Austausch bringen größeres Verständnis und gegenseitige Anerkennung, und nur durch Verständnis und Anerkennung kann ein Konflikt gelöst werden." Leider fehlen Namen wie Salman Rushdie, Ian McEwan oder Kenan Malik auf dieser Liste.

Marc Bennetts trifft für politico.eu den russischen Politiker Witali Milonow, den Architekten der Antihomosexuellen-Gesetze in Russland. Er sagt das Erwartbare: "Russland wird immer einen starken Führer brauchen. Wir werden immer ein byzantinischer Staat sein oder überhaupt nicht existieren. Wir sind zu groß und zu unterschiedlich. Nur ein charismatischer Führer, an den das Volk glauben will, kann dieses Volk zusammenbringen. Gott sandte uns Putin. Ohne Putin würde ich um unser Land fürchten."
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Internet

In der FAZ plädiert der Medienrechtler Rolf Schwartmann für ein Koppelungsverbot für Internetdienste: Sie sollen nicht mehr alternativlos ein kostenloses Angebot an die Einwilligung zur Weiterverwendung der Nutzerdaten knüpfen dürfen, sondern immer auch daneben ein kostenpflichtiges Angebot machen müssen: "Durch ein Koppelungsverbot würden Anbieter im Internet zur Preistransparenz gezwungen. Sie müssten ihre bislang kostenlosen Dienste auch kostenpflichtig anbieten und jeder Dienstleistung ein Preisschild anhängen, das den Wert der Daten widerspiegelt. Neben dem gesteigerten Bewusstsein für den Wert persönlicher Daten würde durch ein Koppelungsverbot auch der wirtschaftliche Wert dieser Dienste offengelegt."

Als FBI-Berater muss sich Marc Goodman auskennen. Mit Johannes Kuhn von der SZ spricht er über die Gefahren der digitalen Zukunft: "Wir sind in einer Opt-Out-Welt gelandet, bei der Privatsphäre sollten die Grundeinstellung aber immer auf geschützt stehen. Die Software für Cybersicherheit muss benutzbar werden, viele dieser Technologien finden sich tief in Ihrem Smartphone, eine Firewall braucht zehn Schritte, um aktiviert zu werden. Wie soll meine Mutter das bedienen können?" Bei Hanser hat Goodman ein Buch zum Thema veröffentlicht.
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Medien

Der Google-Innovationsfonds soll jetzt umgesetzt werden, schreibt Claudia Tieschky in der SZ. Hohe Zeitungsfunktionäre kommen in den Beirat und bekommen Einblick in Ideen von anderen, die auf Zuwendungen hoffen - nebenbei dürften ihre eigenen Häuser ebenfalls vom Geldsegen profitieren. Google-Kommunikator Carlo D'Asaro Biondo, der sich auch schon mit großen Medienhäusern in Frankreich und Italien verständigte, gibt im Gespräch mit Tieschky offen zu, dass man hofft, die Zeitungen so milde zu stimmen: "Wir kaufen niemanden. Aber es ist viel besser, sich hinzusetzen, Vertrauen zu schaffen und Geschäfte zusammen zu entwickeln, statt Kämpfe auszufechten. Wenn Pressehäuser wie Mediaset oder Lagardère zu uns kommen, gehen sie auch ein Risiko ein. Deshalb entwerfen wir jetzt gemeinsame Ziele und Businesspläne."

Über harsche Sparmaßnahmen beim Tagesspiegel berichtet Anne Fromm in der taz. Und es sind immer dieselben, die zuerst leiden: "Über das Wochenende informierten die Ressortleiter die freien Autoren. Das seien schwierige Gespräche gewesen, berichten sowohl Angestellte, als auch Freie der taz. Mehrere Dutzend Journalisten seien betroffen, einige verdienen den Großteil ihres Monatslohns beim Tagesspiegel. Gerade für sie kommt die Nachricht spät."

Diese Grafik sagt den öffentlich-rechtlichen Sendern eine große Zukunft voraus: Ältere Menschen sehen immer mehr fern:

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Ideen

Michael Freund war für den Standard dabei, als Slavoj Žižek auf einer Veranstaltung der New York University zur Frage "Ist Hegel tot - oder sind wir in seinen Augen tot?" vom Hundertsten ins Tausendste kam. Michael Mayer schreibt in der NZZ zum Tod des Psychoanalytikers Arno Gruen. Dradio Kultur wiederholt ein im letzten Jahr geführtes Gespräch mit dem Gewaltforscher.
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Stichwörter: Slavoj Zizek, Arno Gruen