Magazinrundschau

Die besten Jahre unseres Lebens

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag
10.10.2017. In der New York Times fragt Thomas Chatterton Williams Ta-Nehisi Coates, warum Weiße auch im negativen Sinne immer etwas Besonderes sein sollen. Carlo Ginzburg erklärt in der New York Public Library, wie er Jude wurde. Der Merkur kreist um Exoplaneten. Die Paris Review erinnert an die sowjetische Kampffliegerin Lilja Litwjak. Hospodarske noviny würdigt den tschechischen Dichter František Listopad. In Film Comment erklärt Regisseur Todd Haynes, warum man in New York keine Spur der Siebziger mehr findet.

New York Times (USA), 07.10.2017

Beide sind schwarze amerikanische Autoren, beide haben einen bunten Familienstammbaum, beide kommen aus der Mittelklasse, beide sind erfolgreiche Autoren: Aber während Ta-Nehisi Coates in seiner Essaysammlung "We Were Eight Years in Power: An American Tragedy" Schwarze als ewige Opfer eines Rassismus beschreibt, der quasi unausrottbar sei, lehnt Thomas Chatterton Williams in der New York Times Coates' Zuschreibungen nach rassischen Kriterien rundweg ab: "Ich habe in den letzten sechs Monaten über Schriften europäischer und amerikanischer weißer Nationalisten gebrütet und in dieser Zeit toxische Identitäre wie den alt-right-Gründer Richard Spencer interviewt. Der schockierendste Aspekt an Coates' Formulierungen ist das Ausmaß, in dem sie Vorstellungen von Rasse spiegeln - vor allem zur Besonderheit Weißer - die weiße suprematistische Denker schätzen. ... Beide Seiten mystifizieren rassische Identität, die sie als etwas Fixes, Bestimmendes und fast Übernatürliches interpretieren. Für Coates ist weiß sein ein 'Talisman', ein 'Amulett' von 'unheimlicher Energie', das alle Ungerechtigkeiten erklärt. Für den unsäglichen italienischen Faschisten des 20. Jahrhunderts, die rassistische Ikone Julius Evola, war es eine 'meta-biologische Kraft', ein kollektiver Geist, der alle Ungerechtigkeiten rechtfertigte. In beiden Fällen sind Weiße ausersehen, einen besonderen Weg zu gehen. Das ist eine gefährliche Vision vom Leben, die wir ablehnen sollten, egal wer sie beschwört."

Im neuen Heft des New York Magazines teilt Wesley Morris ihre durchaus seltene Erfahrung, eine Weile nur noch Musik von Frauen zu hören und plädiert für einen Popmusik-Kanon von Frauen, für Frauen: "Es handelt sich um ein Problem, das nicht nur im Rolling Stone vorkommt. Seit 1971 listet eine jährliche Umfrage der Village Voice Country-Musiker nach Beliebtheit. Das Ergebnis ist fast durchweg männlich. Rankings in anderen Publikationen von Spin über Pitchfork bis New Music Expresss erzählen die gleiche Geschichte. Ebenso wie die 'Rock & Roll Hall of Fame', die unter 824 Einträgen nur 65 Frauen zählt. 75 Prozent der 300 Grammy-Nominierten für das Album des Jahres sind Männer. Was hier falsch ist, ist allerdings größer als jede Rangliste, größer als eine Liste zu lösen vermag. Die kulturelle Abwertung von Frauen ist institutionell, infrastrukturell und industriell bedingt. Männer kontrollieren die Musik von Anbeginn. Frauen  spielen beim technischen und produzierenen Teil der Musik sowie bei der Labelarbeit nur eine sehr kleine Rolle. Ihr Anteil bei der Kanonisierung der Musik ist gering … Ranglisten sind etwas, das hinterfragt werden sollete. Nicht um Bob Dylan von seinem Thron zu verjagen, aber um zu verstehen, dass es auch Göttinnen neben ihm gibt."

Ferner: Jordan Kisner trifft die Schauspielerin Frances McDormand, die gern komplexe Frauenfiguren spielt. Geoff Dyer stellt seine Lieblingsband vor: das australische Ambient-Jazz-Trio The Necks. Und Dorie Greenspan empfiehlt einen Reise-Kuchen, der sich wirklich überall mit hinnehmen lässt, wie praktisch.

Wild River Review (USA), 10.10.2017

Joy E. Stocke, Mitbegründerin des Magazins, dokumentiert ein Gespräch (hier als Video), das Paul Holdengräber, Direktor der New York Public Library, mit dem italienischen Historiker und Kulturwissenschaftler Carlo Ginzburg geführt hat. Holdengräber wollte wissen, was es für Ginzburg heißt, jüdisch zu sein: "Ginzburg erinnert sich lebhaft, wie er mit Mutter und Großmutter an der Front in den Bergen über Florenz lag. Die Deutschen waren auf dem Rückzug nach Norden und metzelten Zivilisten nieder. 'Meine Großmutter befahl mir zu sagen, mein Name wäre Carlo Tanzi, der nicht-jüdische Name ihres Vaters. Sie schrieb den Namen in das Buch, das ich las, der Titel lautete 'The Happiest Child in the World'. Zurückblickend stelle ich fest, dass ich in dem Moment zum Juden wurde. Letzten Sommer erzählte ich zwei israelischen Studenten in Berlin davon. Sie waren schockiert. Ich muss die Hintergründe erklären. Es gibt eine Abwehr gegen die weit verbreitete Annahme von Identität. Ich persönlich mag diese Annahme nicht. Ich denke Identität wird als politische Waffe benutzt, um Grenzen zu ziehen und Gruppen oder Individuen zu marginalisieren. Identität kann nicht analytisch betrachtet werden. Aber ich möchte auch einen anderen Ansatz zur Erklärung dessen vorschlagen, was ein Individuum ist. Nehmen wir an, ein Individuum verfügt über Punkte, an denen sich unterschiedliche Mengen überschneiden. Ich gehöre der Menge der menschlichen Spezies an. Ich gehöre noch weiteren Mengen an: Geschlecht, Sprachgemeinschaft, Beruf usw. Als Historiker stelle ich mir das Individuum weniger allgemein vor und mehr als Interaktion genau bezeichneter Elemente … Die Vorstellung des Judeseins leuchtet mir nicht ein. Aber eine sich verändernde Beziehung zwischen all diesen Elementen und noch anderen Elementen, die eine sich verändernde Beziehung zum Judesein beinhaltet, leuchtet mir sehr wohl ein. Denkt man über das Judewerden nach, muss man sich fragen, wie diese Beziehung sich ändert.'"

Slate.fr (Frankreich), 09.10.2017

Slate beginnt mit einer Serie über "Post-Wahrheit", den Anfang macht Antoine Bourguilleau mit einer Betrachtung über Lügen in der Geschichte. Seine Ausgangsthese: Von wegen Post-Wahrheit, wir leben schon immer darin, denn die Geschichte - gerade auch die französische - steckt voller Lügen. Er schreibt: "Wir begegnen der Komplexität mit einfachen Vorstellungen und drängen die Komplexität oft beiseite, um uns unsere Meinungen mit dem Messer zu schnitzen. Ja, auch diejenigen, die die Lügen von Trump anprangern. Und wenn diese Anprangerung wirkungslos ist, so auch deshalb, weil, wie Spinoza etwas deprimierend schrieb, die wahre Idee keine innere Kraft hat. Eine Fleisch gewordene Lüge wird weiterkommen als eine hochgelehrt und argumentierend geäußerte Wahrheit, wenn sie sich nur auf sich selbst stützt."
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Archiv: Slate.fr
Stichwörter: Lüge, Postfaktisch, Fake News

Guardian (UK), 06.10.2017

Im Silicon Valley mehren sich die Aussteiger, Refuseniks oder Dissididenten unter den Programmierern, die offline gehen, berichtet Paul Lewis. Sie warnen vor einem Internet, das nach den Bedürfnissen der Werbeindustrie umgebaut wurde (wozu die jetzigen Kritiker massiv beigetragen haben) und dabei vor allem auf psychologische Manipulation setzt. Zu den Dissidenten gehören der Google-Entwickler Tristan Harris, der Erfinder des Pull-to-refresh Loren Brichter, die Facebook-Managerin Leah Pearlman und Justin Rosenstein, der mit seinem Like-Button einst ein "paar Bites Positivität" in die Welt schicken wollte. Heute sorgt sich Rosenstein um den Geisteszustand von Menschen, die im Durchschnitt 2.617 Mal am Tag über ihr Smartphone wischen: "'Darüber zu sprechen ist gerade für uns wichtig, denn wir sind vielleicht die letzte Generation, die sich an ein Leben vorher erinnern können, sagt Rosenstein.' Es mag eine Rolle spielen, dass Rosenstein, Pearlman und die meisten Tech-Insider, die heute die Aufmerksamkeitsökonomie in Frage stellen, in ihren Dreißigern sind, Mitglieder der letzten Generation, die sich an eine Welt erinnert, in der Telefone in die Wand gesteckt wurden. Es ist jedoch auf jeden Fall bezeichnend, dass sich diese jungen Technologen ihre eigenen Produkte abgewöhnen und ihre Kinder im Silicon Valley auf Elite-Schulen schicken, in denen Iphones, Ipads und sogar Laptops verboten sind. Sie scheinen eine Lehre von Biggie Small über die Gefahren des Crack-Dealens zu beherzigen: 'Never get high on your own supply.'"
Archiv: Guardian

Merkur (Deutschland), 09.10.2017

Noch vor zwanzig Jahren waren Exoplaneten eine echte Sensation, heute sind sie der heißestes Trend in der Physik, erzählt der Astronom Aleks Scholz. Jede Jahr muss er seine Vorlesungen umschreiben, weil es etwas Neues zu berichten gibt, und die Nasa wirbt mit lustigen Sprüchen für Reisen ins Weltall: "Fliege mit uns zu einer Welt, auf der das Gras immer roter ist als zu Hause": "Mittlerweile kennen wir Planeten, die weder zu heiß noch zu kalt für Lebewesen sind. Wir kennen Planeten mit flüssigen Ozeanen, Planeten mit Atmosphären und solche mit festem Boden. Wir können Planeten vermessen und wiegen und herausfinden, woraus sie bestehen. Als Nächstes werden die Atmosphären unter die Teleskope genommen. Atmosphären könnten Spuren von Leben tragen, Sauerstoff zum Beispiel, eine Ozonschicht, vielleicht die Abgase einer Zivilisation oder die Spuren von nuklearer Verwüstung, ein spektraler Fingerabdruck, der darauf  hinweist, dass dort draußen nicht nur tote Materie ist oder war. Was danach kommt, ist unklar. Was tatsächlich auf  so einem Planeten herumläuft, seien es Schleim, Schildkröten oder Springtamarine, können wir mit den bisherigen Methoden nur erahnen."

Roberto Simanowski hat keine Angst vor dem Todesalgorithmus selbstfahrender Autos und es würde wohl auch nichts nützen: "Die Möglichkeit, den Stecker zu ziehen, wenn die ermächtigte künstliche Intelligenz sich gegen unsere (unmittelbaren) Interessen stellt, wird es nicht geben. Sie wird klüger sein, als wir denken."
Archiv: Merkur

Paris Review (USA), 06.10.2017

In der Paris Review porträtiert Edward White die russische Kampffliegerin Lilja Litwjak, die in der sowjetischen Frauen-Kampffliegerstaffel flog, die die 29-jährige Flugnavigatorin Marina Raskova 1941 gegründet hatte. Mit 20 war Litvyak eine individualistische, furchtlose und unheimlich begabte Fliegerin. Sie gilt als die erste Frau in der Geschichte, die im Luftkampf feindliche Flieger tötete. Im Juli 1943 verschwand sie mit ihrem Flugzeug, Überreste wurden nie gefunden. Aber hätte sie, die ihr Haar blondierte, ihre Uniform mit einem Pelzkragen aufpeppte und sich in einer männlichen Fliegerwelt behauptete, im agressiv erzwungenen Konformismus der Nachkriegs-Sowjetunion überleben können? "Es mag seltsam erscheinen, dass Litwjak es wagte, sich so frei ausdrücken, bedenkt man, dass sie pausenlos überwacht wurde - nicht nur von ihren Vorgesetzten, sondern auch von den Spitzeln der Partei und des Staates. Doch trotz all des Horrors, den der Krieg mit sich brachte, erlebten viele Sowjetbürger ihn als eine Oase der (relativen) Freiheit, als man sprechen und handeln konnte, ohne ständig befürchten zu müssen, die Parteilinie zu überschreiten. 'Zu denken', schrieb beißend Nadeshda Mandelstam an ihre Freundin Anna Achmatowa, 'dass wir die besten Jahre unseres Lebens im Krieg hatten, als so viele Menschen getötet wurden, als wir hungerten und mein Sohn Zwangsarbeit leisten musste.'"
Archiv: Paris Review

Hospodarske noviny (Tschechien), 03.10.2017

Vergangene Woche starb mit 95 Jahren der große tschechische Dichter František Listopad. Die Hospodářské noviny erinnern an dessen bewegtes europäisches Leben: Seine Mutter starb, als er elf Jahre alt war, seinen jüdischen Verleger-Vater und seine Schwester schickten die Nationalsozialisten ins Konzentrationslager - er selbst entging der Deportation nur knapp, indem er untertauchte und sich einer Widerstandsgruppe anschloss. "Am 9. Mai 1945 drang er mit einer Waffe in der Hand in die deutsche Redaktion des Prager Tagblatts in der Panská ulice, wo er zusammen mit anderen zuerst die Zeitung und später den Verlag Mladá fronta gründete. Von der ersten freien Nachkriegszeitung der Tschechoslowakei habe er innerhalb weniger Stunden auf der Straße 150.000 Exemplare verkauft." Listopad gehörte damals zu der freien Dichtergruppe des sogenannten Dynamoarchismus. 1947 ging er als Korrespondent nach Paris, wo er nach dem kommunistischen Umsturz in seiner Heimat auch blieb und fürs französische Fernsehen arbeitete, in den 50ern zog er weiter nach Portugal, wo er unter dem Namen Jorge Listopad als Theaterregisseur und Universitätsprofessor eine feste Größe der portugiesischen Kultur wurde und wo er bis zuletzt lebte. Seine Gedichte jedoch schrieb er immer nur auf Tschechisch. "Nachts, wenn meine portugiesischen Kinder schliefen", habe Listopad einmal gesagt, "wenn meine Frau schlief, wenn Portugal schlief - dann habe ich ein wenig diese tschechischen Dinge geatmet, den Rhythmus tschechischer Verse, tschechische Worte. Tschechische Worte sind wie ein Schuss für jemanden, der Sehnsucht hat."

Film Comment (USA), 25.09.2017

Regisseur Todd Haynes verbindet die nostalgische Ästhetik von period pieces mit der Sensibilität eines Auteurs, der seine Stilmittel bedacht und reflektiert einsetzt. Jetzt hat er "Wonderstruck" vorgelegt, die Verfilmung eines Romans von Brian Selznick, einen Film mit zwei Zeitsträngen, die sowohl im New York der Zwanziger, als auch im New York der Siebziger spielen. Für Kameramann Ed Lachmann, Produktionsdesigner Mark Friedberg und den Filmemacher selbst eine enorme Herausforderung, wie sie im Interview gegenüber Michael Koresky erklären. "Die eine Periode war eine Zeit des Aufstiegs, des Überflusses und des Wachstums, wohingegen die andere eine des Elends, des Nihilismus und der Beschwernis ist", sagt Friedberg."Und ironischerweise befindet sich New York derzeit eher in einer Phase des Überflusses. Was es auf sonderbare Weise schwieriger machte, die 70er in der Stadt anzutreffen als die 20er. Die 70er hat man einfach weggeschrubbt. Derzeit ist es in der Stadt nicht möglich, etwas so Heruntergekommenes zu finden, was in den 70ern noch als gute Nachbarschaft gegolten hätte.. Ich bin in dieser Zeit in der Upper West Side aufgewachsen und als ich mir die Bilder von damals angeschaut habe, war ich im höchsten Maße erstaunt. Da flogen uns Mengen an Müll um die Knie. Grundstücke standen frei. Die waren Schutt. Die Verzweiflung war nicht nur emotional. Sie war greifbar, sie war da." Der Trailer vermittelt einen ersten Eindruck:


Archiv: Film Comment
Stichwörter: Todd Haynes, New York, 70er, 20er

Eurozine (Österreich), 05.10.2017

Mehr Kommunikation führt nicht zu besserem Verstehen;  Botschaften sickern heute nicht mehr von oben nach unten, sondern von unten nach oben; politisches Engagement ist ersetzt worden durch oberflächliches Fantum: Die sozialen Medien haben die Demokratie und der Öffentlichkeit nicht gerade verschönert, überlegt Manuel Arias Maldonado in einem Text aus Letras Libres, aber sie sind auch nicht schuld an der Krise: "Gleicht die Öffentlichkeit eher der von uns so idealisierten griechischen Agora oder einem öffentlichen Platz rüder Kakofonie? Für Davide Panagia hat die mit Jürgen Habermas verbundene Hyperrationalität wenig zu tun mit den Realitäten von Demokratien, die per definitionem laut, emotional und konflikthaft sind. Vielleicht hat die Digitalisierung nur die Diskrepanz deutlich gemacht zwischen dem demokratischen Ideal und seiner Realität, die natürlich der Diskrepanz zwischen dem idealen und dem realen Bürger entspricht, aber auch der zwischen einer rationalen Überlegung zum Allgemeinwohl und einer menschlichen Kommunikation, die ungesteuert die Identitäten und Interessen verschiedener sozialen Gruppen vereint. Was für eine Enttäuschung!"
Archiv: Eurozine

New Yorker (USA), 16.10.2017

Im aktuellen Heft des New Yorker erzählt Joshua Yaffa die Geschichte eines riesigen Moskauer Apartmentkomplexes von 1930, in dem einst viele von Lenins Bolschewiki lebten und verhaftet wurden: "Die Schöpfer des neuen Staates brauchten ein Haus. Nach der Revolution besetzten Parteifunktionäre provisorisch den Kreml und die großen Hotels. Kollektive Wohnideen sollten her. Die postrevolutionäre Frühzeit war eine Zeit utopischer Experimente in der Architektur wie im Sozialen. Der Konstruktivist Konstantin Melnikov entwarf riesige 'Schlaflabore', in denen die Arbeiter mit wohlriechenden Düften und einer beruhigenden Soundkulisse einschlafen sollten. In den späten 20ern hatte Stalin diesen Geist vereitelt. Der Bau des 'Hauses der Regierung' begann 1928. Das Design von Boris Iofan bot Gemeinschaftsdienste an, aber erlaubte das Wohnen in traditionellen Familienwohneinheiten … Doch so wie das Gebäude seine Versprechen nicht hielt, so hielt die frühe Sowjetunion die ihren nicht", erzählt Yaffa weiter. Die ursprünglichen Bewohner verschwanden bald einer nach dem anderen: "Während Stalins Säuberungen in den 1930er Jahren bekam das Haus den zweifelhaften Ruf, die höchste Pro-Kopf-Quote an Verhaftungen und Hinrichtungen zu haben. Kein anderes Gebäude in Moskau stellt ein solches Tor in die Welt der bürokratischen Privilegien der Sowjet-Ära dar und in den Horror, zu dem diese Privilegien oft führten. Heute ist das Gebäude so etwas wie ein verwunschenes Museum von Russlands Vergangenheit."

Weitere Artikel: Alexandra Schwartz porträtiert die Schriftstellerin Jennifer Egan. Andrew Marantz zeichnet den Werdegang des rechtsnationalen Bloggers Mike Peinovich alias Mike Enoch nach. Claudia Roth Pierpont liest Walter Isaacsons Leonardo-da-Vinci-Biografie. Jill Lapore vertieft sich in die Begräbnis-Riten, die die ihr die Bestatterin Caitlin Doughty in ihrem Buch "From Here to Eternity. Traveling the World to Find the Good Death" vorstellt. Anthony Lane sah im Kino Denis Villeneuves "Blade Runner 2049". Lesen dürfen wir außerdem Tessa Hadleys Erzählung "Funny Little Snake".
Archiv: New Yorker