Außer Atem: Das Berlinale Blog

Clash in Gaza: Yariv Horowitz' 'Rock the Casbah' (Panorama)

Von Thekla Dannenberg
08.02.2013.

Der israelische Regisseur Yariv Horowitz besitzt ein beachtliches Gespür für absurde Situationen, bittere Ironie und alltäglichen Wahnsinn. Und da er sich auch mit den Gesetzen der Thermodynamik, der Klaustrophobie und der Labyrinthe auszukennen scheint, kann man ihm attestieren, dass er mit seinem Film "Rock the Casbah" die Pulverfass-Atmosphäre des Gaza-Streifen wirklich gut rüberbringt! Horowitz folgt darin einem Trupp junger Soldaten, der nach Ausbruch der ersten Intifada, im Frühsommer 1989, in einem Flüchtlingslager die Ordnung aufrecht erhalten soll. Trotz genauester Anweisungen und Vorschriften für jedes denkbare Vorkommnis eine unmögliche Aufgabe, denn die Gegner der Soldaten sind meist Kinder.


Der israelische Regisseur Yariv Horowitz besitzt ein beachtliches Gespür für absurde Situationen, bittere Ironie und alltäglichen Wahnsinn. Und da er sich auch mit den Gesetzen der Thermodynamik, der Klaustrophobie und der Labyrinthe auszukennen scheint, kann man ihm attestieren, dass er mit seinem Film "Rock the Casbah" die Pulverfass-Atmosphäre des Gaza-Streifen wirklich gut rüberbringt! Horowitz folgt darin einem Trupp junger Soldaten, der nach Ausbruch der ersten Intifada, im Frühsommer 1989, in einem Flüchtlingslager die Ordnung aufrecht erhalten soll. Trotz genauester Anweisungen und Vorschriften für jedes denkbare Vorkommnis eine unmögliche Aufgabe, denn die Gegner der Soldaten sind meist Kinder.

Wenn der Trupp eine Schar Steine werfender Jugendlicher in Schach hält, werden sie von aufgebrachten Frauen in die Ecke getrieben. Nach den Steinen kommen die Molotow-Cocktails und das Mauerwerk, bis Jugendliche eine Waschmaschine vom Dach werfen und damit den Soldaten Iliya töten. Um Hinweise auf die entkommenen Täter zu erhalten, wird der restliche Trupp auf dem Dach des Hauses stationiert - unter wüsten Protesten seiner palästinensischen Bewohner. Denn natürlich verabscheut die Familie nicht nur sehr herzlich die israelischen Soldaten, sie fürchten auch, als Kollaborateure gebrandmarkt zu werden.

Die Kompanie bezieht ihr Quartier auf dem Dach, mit Liegestuhl, Handgranaten, Uzis und ein bisschen Dope, im Kofferradio laufen The Clash oder Boney M, auf der Straße steht ein Esel, dem die Jugendlichen eine israelische Flagge aufgemalt haben, und in den Himmel lässt die PLO Drachen steigen, um die Radars zu verwirren. Mal lassen sich die israelischen Soldaten von einer Bande Kinder provozieren, die ihre Verfolger allerdings erfolgreich mit Pissebomben zurückschlagen, mal provozieren sie selbst einen mittleren Aufstand, weil sie Lust auf Humus haben und den Verkäufer in ernste Gefahr bringen. Als sie einen Hund aufs Dach mitnehmen und ihm den Namen Arafat geben, dreht die Familie unten im Haus halb durch.



Mit jeder Einstellung und in jeder Szene macht Horowitz deutlich, wie explosiv und wie unübersichtlich die Lage ist. Er zeigt keine einzige Aufnahme aus der Totalen. Die Kamera bleibt immer dicht bei Tomer, Aki, Ariel oder Haim, auf die die Geschehnisse nur so niederprasseln. Die aber auch durchdrehen, sich brutalisieren, Unrecht erzeugen. Sehr deutlich macht Horowitz, wie jede kleine Blödelei die Situation eskalieren lässt, wie überfordert ein Militär ist, das gegen Jugendliche vorgehen muss. Wie sich auf beiden Seiten aus nichtigem Anlass Wut und Ohnmacht hochschaukeln. Und wie froh man sein kann über jeden kühlen Kopf, der in der Hitze des Gefechts die Nerven bewahrt.

Thekla Dannenberg

"Rock the Casbah". Regie: Yariv Horowitz. Mit Yon Tumarkin, Yotam Ishay, Roy Nik, Iftach Rave, Khawla Alhaj Debsi. Israel/Frankreich 2012, 93 Minuten (Alle Vorführtermine)