Außer Atem: Das Berlinale Blog

Edel ausgeleuchtet: Annemarie Jacirs 'When I saw you' (Forum)

Von Thekla Dannenberg
08.02.2013.

Geradezu fassungslos lässt einen dieser PLO-Film der jordanisch-palästinensischen Regisseurin Annemarie Jacir, mit dem die Guerillaschnulze ihren Weg ins Forum gefunden hat. "When I saw you" erzählt die Geschichte eines tapferen kleinen Jungen, der sich nicht damit abfinden will, aus der Heimat vertrieben, den Rest seines Lebens mit der Mutter in einem Flüchtlingslager zu verbringen. Entschlossen macht er sich auf in die Heimat seiner Väter und stößt zu einer Gruppe Kämpfer, die später die PLO werden sollen. In ihrem Ausbildungslager lässt sich der Junge in Kampftechnik und Marxismus schulen. Abends sitzen die Kämpfer edel ausgeleuchtet und in kleidsam um den Kopf geschlungenen PLO-Tüchern am Lagerfeuer, hören Cat Stevens, tanzen traditionelle Tänze oder singen vom Feigenbaum in ihrem Garten, von Jasmin und Granatäpfeln. Im Fernsehen erklärt Arafat: "Die Palästinenser waren Flüchtlinge, jetzt sind sie Kämpfer."


Geradezu fassungslos lässt einen dieser PLO-Film der jordanisch-palästinensischen Regisseurin Annemarie Jacir, mit dem die Guerillaschnulze ihren Weg ins Forum gefunden hat. "When I saw you" erzählt die Geschichte eines tapferen kleinen Jungen, der sich nicht damit abfinden will, aus der Heimat vertrieben, den Rest seines Lebens mit der Mutter in einem Flüchtlingslager zu verbringen. Entschlossen macht er sich auf in die Heimat seiner Väter und stößt zu einer Gruppe Kämpfer, die später die PLO werden sollen. In ihrem Ausbildungslager lässt sich der Junge in Kampftechnik und Marxismus schulen. Abends sitzen die Kämpfer edel ausgeleuchtet und in kleidsam um den Kopf geschlungenen PLO-Tüchern am Lagerfeuer, hören Cat Stevens, tanzen traditionelle Tänze oder singen vom Feigenbaum in ihrem Garten, von Jasmin und Granatäpfeln. Im Fernsehen erklärt Arafat: "Die Palästinenser waren Flüchtlinge, jetzt sind sie Kämpfer."

Die Mutter Ghaydaa (von der zugegeben sehr schönen Ruba Blal gespielt) folgt dem Jungen ins Camp, und zwischen ihr und einem PLO-Kämpfer (dem ebenfalls sehr schönen Saleh Bakri) wird sich eine zarte Romanze entspinnen. Aber natürlich weiß sie, dass sie ihren stolzen Sohn nicht vom richtigen Weg wird abbringen können und so fügt sie sich in ihre Aufgabe, für ihn zu sorgen. Schließlich ist er inzwischen eine Art Maskottchen der Kompanie geworden, der den Männern - und seiner Mutter - neuen Mut und neue Hoffnung auf eine Rückkehr in die Heimat gibt: "Wir haben die Lichter Jerusalems gesehen", haucht ein Guerillero, bevor er erschöpft aber selig nach einer nächtlichen Erkundungstour vor dem Lagerfeuer niedersinkt.

Das Deprimierende an diesem Film sind dabei gar nicht so sehr die völlige unterkomplexe Erzählung, die historische Naivität und der fehlende Bezug zu jeglicher politischen Realität. Schlimm sind vor allem die filmische Versiertheit und das oberflächliche Geschick, mit der dieses Stück Geschichtsfantasie in Szene gesetzt wurde. Es graut einem bei der Vorstellung, was arabische Kulturstiftungen noch so alles mit ihrem vielen Geld anstellen werden.

Thekla Dannenberg

"Lamma Shoftak – When I saw you". Regie: Annemarie Jacir. Mit Mahmoud Asfa, Ruba Blal und Saleh Vakri. Palästina/Jordanien 2012, 93 Minuten (Alle Vorführtermine)