Vorgeblättert

Götz Aly: Die Belasteten

28.02.2013. 200.000 Deutsche wurden zwischen 1939 und 1945 ermordet, weil sie psychisch krank oder zuweilen auch nur alt und dement oder tuberkulosekrank waren. Götz Aly konzentriert sich auf die Opfer, lässt sie in Dokumenten sprechen und zeigt, wie die Nazis operierten, aber auch die Bürger mitmachten, um diese Morde zu ermöglichen. Widerstand kam allenfalls von katholischer Seite. Lesen Sie hier einen Auszug aus Götz Alys "Die Belasteten".
Götz Aly: Die Belasteten
'Euthanasie' 1939-1945.
Eine Gesellschaftsgeschichte

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2013
352 Seiten, gebunden, 22,99 Euro

Erscheint am 7. März 2013

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Klappentext: Heute ist von den erwachsenen Deutschen jeder achte direkt mit einem Menschen verwandt, der zwischen 1940 und 1945 ermordet wurde, weil er psychisch krank oder behindert war. Die damals Beteiligten beschönigten das Verbrechen als Erlösung, Gnadentod, Lebensunterbrechung, Euthanasie oder Sterbehilfe. Nicht wenige Angehörige fühlten sich nach dem stillen, halb geheimen Verschwinden ihrer hilfsbedürftigen Nächsten erleichtert - der Staat hatte eine Lebenslast von ihnen genommen. Die meisten Familien schwiegen hernach; viele schämten sich, die Namen der Opfer zu nennen. Erst heute löst sich der Bann. Langsam tauchen jene Vergessenen wieder auf, die sterben mussten, weil sie als verrückt, lästig oder peinlich galten, weil sie unnormal, chronisch krank, gemeingefährlich, arbeitsunfähig oder pflegebedürftig waren, weil sie ihre Familie mit dem Makel »erbkrank« belasteten.
Götz Aly beschreibt, wie die Euthanasiemorde in der Mitte der deutschen Gesellschaft als öffentlich bekanntes Geheimnis vonstatten gingen. Er lässt die Opfer sprechen, zeigt, wie sich die Anverwandten verhielten und wie Ärzte das Töten in den therapeutischen Alltag übernahmen und zugleich reformerische Ziele verfolgten.

Zum Autor: Götz Aly, geboren 1947 in Heidelberg, besuchte die Deutsche Journalistenschule in München, studierte Geschichte und Politische Wissenschaften (Dr. rer. pol.) in Berlin. Götz Aly war Redakteur bei der taz, bei der Berliner Zeitung und arbeitet heute als freier Autor. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Heinrich-Mann-Preis für Essayistik 2002 und dem Ludwig-Börne-Preis 2012.
Götz Aly hat wichtige Veröffentlichungen zur Sozialpolitik und zur Geschichte des Nationalsozialismus vorgelegt, darunter "Endlösung. Völkerverschiebung und der Mord an den europäischen Juden" (1999), "Das letzte Kapitel. Der Mord an den ungarischen Juden" (mit Christian Gerlach, 2004). "Warum die Juden? Warum die Deutschen? Gleichheit, Neid und Rassenhass 1800-1933" (2011); "Unser Kampf. 1968 - ein irritierter Blick zurück" (2008); "Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus" (2005). Aly gehörte bis 2010 zu den Begründern und Herausgebern der Quellenedition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945".
(Foto: Susanne Schleyer)

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