Heute in den Feuilletons

Systemkritik? Mann, geh Adorno lesen

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
11.04.2008. Die Welt ist bestürzt über Charlotte Roches "Feuchtgebiete": eine kalkulierte Provokation! Ein Kommando Tita von Hardenberg hat die TV-Sendung Polylux mit einem Fake aufs Glatteis geführt und dankt für die "problemlose Umsetzung unseres Themenvorschlags". Im Tagesspiegel denkt der 68er Klaus Hartung über 68 nach: ein Trip. Die taz fragt: Brauchen wir heute einen Dutschke? Die SZ joggt mit Ipod. Das ist eben der Unterschied zwischen Berlin und München.

Welt, 11.04.2008

Auch wenn sich bei näherem Lesen herausstellt, dass sich Hendrik Werner der Faszination von Charlotte Roches "Feuchtgebieten" nicht ganz entziehen kann, ist er doch arg irritiert: "Hatten wir das nicht alles längst schon? Bis zur Ekel-, bis zur Schmerzgrenze, bis zum Überdruss? Ist das nicht alles schon mal da gewesen in der jüngeren europäischen Literaturgeschichte? Dieser vermeintlich rückhaltlose Tabubruch, dessen überinszenierte Schamlosigkeit bei näherem Hinsehen kaum mehr ist als eine kalkulierte Provokation?"

Weitere Artikel: Manuel Brug besucht die Pariser Ausstellung über Marie-Antoinette. Michael Pilz beklagt, dass die Witwe von Frank Zappa juristisch gegen die Zappanale von Bad Doberan vorgeht. Danwart Guratzsch schreibt über den "Abrisswahn" in der ehemaligen DDR, wo in den Städten alte Bausubstanz geschleift wird, um den Bestand an Plattenbauten zu retten. Gabriela Walde begleitete den Kanzlerkandidaten Steinmeier bei einer Stippvisite durch Berliner Galerien. Kai-Luehrs-Kaiser gratuliert dem Bassisten Kurt Moll zum Siebzigsten. Sven Felix Kellerhoff unterhält sich mit dem Historiker Winfried Schulze über den fortgesetzten Einfluss des Übervaters Theodor Schieder, der heute hundert Jahre alt geworden wäre. Uwe Schmitt besucht das "Newseum" in Washington. Im Magazin gratuliert Eckhard Fuhr Hardy Krüger zum Achtzigsten.

Besprochen wird die neue CD des Soulduos Gnarls Barkley.

TAZ, 11.04.2008

Auf den vorderen Seiten wird an Rudi Dutschke erinnert, der vor vierzig Jahre niedergeschossen wurde. Christian Semler schreibt über "das Attentat". Auf die Frage: Brauchen wir Dutschke noch, antworten Pedram Shahyar von Attac (Ja) und taz-Redakteur Stefan Reinecke (Nein). Für Reinicke gehört die Staatsskepsis Dutschkes und der 68er insgesamt "komplett auf den Müllhaufen der Geschichte. (...) Nein, nichts gegen soziale Bewegungen, sie sind ein Ferment der Demokratie. Aber eben nur das. Wer dauerhaft sozialen Ausgleich und demokratische Verlässlichkeit will, kommt um Institutionen nicht herum."

In der zweiten taz singt Cigdem Akyol der türkischen Bild-Zeitung Hürriyet ein kritisches Ständchen. Auf den Tagesthemenseiten berichtet Daniela Weingärtner aus Brüssel, wo Jugendaktivisten kleine Einlagen vor Überwachungskameras darboten, um gegen die Ausbreitung der Videoüberwachung zu protestieren.

Ausschließlich Besprechungen im Kulturteil: Es geht um die Alben "Konk" von The Kooks und "Box of Secrets" von den Blood Red Shoes, Robert Forsters erstes Soloalbum "The Evangelist" nach dem Ende seiner Band Go-Betweens und Jutta Ditfurths Buch über "Rudi und Ulrike. Geschichte einer Freundschaft (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Und Tom.

Aus den Blogs, 11.04.2008

Via Netzpolitik.org erreicht uns die Meldung, dass ein Beitrag in der gestrigen Sendung Polylux einem Fake aufgesessen ist. Urheber ist ein Kommando Tito von Hardenberg. Auf dem Blog des Kommandos, das der Hedonistischen Internationale nahesteht, heißt es: "Das Magazin strahlte heute einen Beitrag über die 'Alltagsdroge Speed' aus. Der dort gezeigte Speed-User 'Tim' ist eine Erfindung des Kommandos. Er mag in Wirklichkeit gar kein Speed und macht auch keine 'Speed-Diät'. Die Sprecherin des Kommandos, Ingrid Hüpenbecker, erklärt: 'Wir haben die plumpe Internetrecherche von Polylux zum Anlass genommen, die Legende des Speed-Patienten 'Tim' zu erfinden und zum Drehtermin ein kleines Schauspiel vorzuführen. Erschreckend, wie einfach es ist, selbst gewählte Inhalte in Massenmedien zu platzieren und so gesellschaftliche Wirklichkeit werden zu lassen.'" Die Aktion zielte darauf, nachlässige Recherche in Massenmedien anzugreifen. "Wir danken Polylux für die problemlose Umsetzung unseres Themenvorschlags", heißt es noch. Alle Videos hier.

Stefan Niggemeier geht der heute überall verbreiteten Meldung auf den Grund, dass die EU in den öffentlich-rechtlichen Sendern Untertitel statt Synchronisation unter fremdsprachigen Filmen fordert - ein Missverständnis, dass sich durch eine Agenturmeldung fortpflanzte und so gut wie nirgends durch eine kleine Gegenrecherche ausgeräumt wurde.

Das passt ja! Ronnie Grob denkt in der Medienlese nochmal über Blogs und Medien nach.
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Tagesspiegel, 11.04.2008

Klaus Hartung, ehemals taz-, dann Zeit-Redakteur denkt über 1968 nach: "Eine Doppelhelix der sich gegenseitig steigernden Revolutionserwartung bannte uns. Die Revolte in der ganzen westlichen Welt. Die Kulturrevolution. Dutschke proklamierte, Che sei aufgebrochen in den Urwald. Und wohin brechen wir auf? Wir waren frei vom Sog der Nazi-Vergangenheit, wir gehörten der Welt. Der 'Viva Maria'-Film lehrte, dass die Inszenierung der Revolution die Revolution macht. Der revolutionäre 'Prozess' ging auch in die Tiefen der Kindheit. Es galt, die 'autoritäre Persönlichkeit' zu zerstören. Es war ein Trip." Vollständig erscheint der Essay im nächsten Heft von Ästhetik & Kommunikation.

NZZ, 11.04.2008

Wei Zhang widmet sich den Hintergründen des traditionellen chinesischen Zentralismus und der Dominanz der Han-Chinesen: "Gemäß dem zentralistischen Modell strahlt vom Zentrum die Aura der Macht wie Licht, das auf seinem Weg an die Peripherie sukzessive an Stärke abnimmt, wie es diesem hierarchischen Denkmodell entspricht. Ein Chinese schätzt sich deshalb glücklich, als Pekinger oder Schanghaier geboren zu sein und nicht als Provinzler und der Han-Mehrheit anzugehören und nicht einer ethnischen Minderheit. Aus der Perspektive des Zentrums erscheint jede Peripherie als weniger zivilisiert."

Weiteres: Bernhard Furrer fürchtet um die ehrwürdigen Villen im Tessin, die meist für neue Hotelbauten abgerissen werden sollen. Schwer schlucken muss Roman Bucheli angesichts der Kritik des obersten Schweizer Kulturförderers Pius Knüsel an eben dieser Kulturförderung: "Diese fordere nicht, sondern gehe föderalistisch in die Breite, halte die künstlerische Ambition heilig und beschütze die Kunst vor den Erwartungen der Gesellschaft. Sie befördere also Beliebigkeit und darum den Bedeutungsschwund der Kultur." Klaus Bartels liefert etymologische Hintergründe zum Stichwort "liberal". Im Interview spricht das Duo Gnarls Barkley über seine neue CD "The Odd Couple". Christian Gasser war auf dem Comic-Festival von Fumetto.

Für die Medienseite liest Heribert Seifert Nick Davies' Kritik am globalen Journalismus "Flat Earth News", die Seifert allerdings für viel zu pauschal, nicht allzu neu und auf den angelsächsischen Raum beschränkt hält. "Was das Buch für Nicht-Engländer dennoch lesenswert macht, sind aber seine Insider-Einblicke in die Arbeit britischer Zeitungen. Das dortige Verständnis von harten Nachrichten und investigativer Berichterstattung führt dazu, dass die Blätter private Ermittler, die formal keine Beziehung zu den Redaktionen unterhalten, für massive Verstöße gegen den Datenschutz bezahlen, um an Adressen und Details aus dem Privatleben Prominenter heranzukommen. Eine besonders kuriose Figur war darunter 'Benji, the binman', der die Abfalleimer in der Nähe von Prominentenwohnungen durchwühlte, um daraus gewinnbringende Informationen zu holen."

Stephan Russ-Mohl erzählt, wie das kleine aber feine Lokalblatt Point Reyes Light von seinem neuen Besitzer mit zu hohem journalistischen Anspruch ruiniert zu werden droht.

FR, 11.04.2008

In ihrer aus der New York Times übernommenen Kolumne erklärt die Autorin Maureen Dowd, warum Hillary Clinton so gut für Barack Obama ist: "Der ultimative Gefallen, den Hillary dem Neuling aus Illinois erweisen kann, besteht darin, ihn bis zum Finale mit allen Waffen zu bekämpfen und dann würdevoll in die Arme einer anderen zu entlassen. Hillarys Aufgabe ist dann erledigt, wenn sie erledigt ist. Denn auf diese Weise hätte Obama bewiesen, dass er es mit Ahmadinedschad aufnehmen kann - wenn er einen viel schwereren Gegner geschlagen hat."

In der Kolumne Times Mager geht Ina Hartwig auf den Streit zwischen Autor Jochen Hörisch und seinem Kritiker Burkhard Müller ein (mehr hier, hier und hier), den der Perlentaucher veröffentlichte: "Jeden Tag dürfte irgendwo das Nervenkostüm eines akademischen Autors blankliegen. Dann gilt es Ruhe zu bewahren, bis darüber Gras wächst. Jetzt hat ein deutscher Professor das Gegenteil getan. Er hat auf die Kritik seines neuen Buchs mit einem Offenen Brief an den Rezensenten reagiert, den er an diverse Medien verschickte; der Perlentaucher hat den Brief ins Netz gestellt. Sowohl ein Freund des Kritikers als auch dieser selbst haben - scharf, versteht sich - auf die ungewöhnliche Offensive reagiert. Das Ergebnis ist eine verletzende Eskalation; sie wird in Erinnerung bleiben. Der schmerzhafte Verriss dagegen wäre bald in Vergessenheit geraten. Nun kennt ihn jeder."

Weiteres: Harry Nutt erinnert an die Gründung der Jugend-Aliyah, dem Hilfskomitee für jüdische Jugendliche, und findet es seltsamerweise seltesam, dass die im Jahr 1933 geschah. Eckhard Stengel berichtet Bremer Streit um einen Nazi-Bunker an der Weser. Besprochen werden Mark Stewarts Comeback-Album "Edit", eine Konzert des Pianisten Michael Korstick in Frankfurt, eine Aufnahme von Luigi Nonos "Prometeo" und Peter Stamms Erzählungen "Wir fliegen" (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Berliner Zeitung, 11.04.2008

Der in Göttingen lehrende Politologe Behrouz Khosrozadeh porträtiert den iranischen Denke Abdolkarim Soroush, der in seinem Buch "Die Expansion der Prophetischen Erfahrung", das in diesem Jahr auf Englisch herauskommen soll, den Koran in Frage stellt und im Iran schon mit Salman Rushdie vergleichen wird: "Man kann die Radikalität dieser Aussage gar nicht überschätzen: Selbst die mutigsten muslimischen Reformdenker wie Nasr Hamid Abu Zaid und Mohammad Arkoun haben bisher lediglich eine historisch orientierte Koranauslegung gefordert - Soroush bricht nun das größte Tabu der islamischen Koranexegese: 'Der Koran', sagt er, 'ist menschliche Schöpfung und potenziell fehlbar.'"

FAZ, 11.04.2008

Es ist nicht wichtig, welche Partei in Italien die Wahl gewinnt, meint Dirk Schümer. Aufgrund eines die Gesellschaft lähmenden Methusalem-Komplotts haben die Jungen und mit ihnen Reformen ohnehin keine Chance: "Die letzten Staatspräsidenten waren allesamt über achtzig, und sogar Fernsehen und Medien richten sich einzig auf die Alten. Egal, wie viele Italiener sich am Wochenende vor Wut und Verzweiflung der Stimme enthalten werden, egal, welche Formation im Kuddelmuddel der Parteien die Nase vorn hat - die entscheidende Zahl kennt der Soziologe Rosina jetzt bereits: Ein neuer Abgeordneter wird im Schnitt mindestens dreiundfünfzig Jahre alt sein. Die Ausgrenzung der Jungen, die de facto auf den gesellschaftlichen Suizid hinausläuft, kann also weitergehen."

Weitere Artikel: Kerstin Holm erfährt beim Blick in russische Zeitschriften, dass Europa und Russland lernen müssen, "gutnachbarliche Beziehungen zu pflegen, ohne einander zu verstehen". Der Historiker Hans-Ulrich Wehler würdigt seinen Lehrer, den Neuzeithistoriker Theodor Schieder als Wissenschaftler, der die Chance des Neuanfangs nach dem Krieg nutzte und in einem "überzeugenden Lernprozess" seine - freilich von ihm totgeschwiegene - völkisch gesinnte Vergangenheit hinter sich ließ. In der Glosse berichtet Hannes Hintermeier, wie er eher aus Versehen einmal ferngesehen hat und wenig von jenem "Public Value" entdeckte, den Kurt Beck nun auch im Internet verbreitet sehen möchte. Abgedruckt wird Günter Jauchs Dankesrede zur Verleihung des Werner Bonhoff-Preises "für Überwindung bürokratischer Hürden". Christian Wildhagen lobt die Aufnahme von späten Werken György Ligetis ins Dortmunder Konzertprogramm. Vom Theaterfestival in Khartum berichtet Renate Klett. Tilman Spreckelsen warnt das Land Sachsen davor, allzu viel für den Nachlass Karl Mays auszugeben (und ordnet die "Insel Felsenburg" von Johann Gottfried Schnabel kurzerhand Karl May zu) . Jürgen Kesting gratuliert dem Bass Kurt Moll zum Siebzigsten.

Für die letzte Seite hat sich Lisa Voss mit der Kunsthistorikerin Linda Nochlin (mehr hier) über Frauen in der Kunst unterhalten. Dirk Schümer gibt neueste Forschungsergebnisse weiter, die zum Schluss kommen, dass Leonardo da Vinci der Sohn einer aus dem Orient stammenden Sklavin war. Nach einem Fernsehauftritt Henryk M. Broders (Broders Website) schreibt ihm Dieter Bartetzko dies ins Stammbuch: "Wir erlebten einen eitlen, zynischen, selbstgefälligen älteren Mann, der überheblich grienend Personen demütigte, weil sie das hatten, was ihm fehlte: Respekt vor der Würde des Menschen."

Auf der Medienseite wird kurz gemeldet, dass das EU-Parlament dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen keineswegs die Ausstrahlung synchronisierter Fassungen verbieten, sondern nur die Untertitelung des gesamten Programms für Gehörlose vorschreiben will. (Nicht gemeldet wird, dass die FAZ die Falschmeldung der Agentur AFP gestern ungeprüft - und empört - übernahm. Mehr zur AFP-Meldung in Stefan Niggemeiers Blog.) Außerdem: Matthias Hannemann unterhält sich mit dem WDR-Redakteur Wolfgang Schmitz über die Programmreform im Rundfunksender WDR 3. Michael Hanfeld kommentiert die Meldung, dass das Staatsunternehmen Deutsche Post ein Magazin herausbringen will und somit die "freie Presse bedrängt".

Besprochen werden die Ausstellung, mit der die Münchner Pinakothek der Moderne den 250. Jahrestag ihrer grafischen Sammlung begeht, die Freiburger Ausstellung "ArtBrands", eine Ausstellung des "lange geheimen" Werks des Malers Esteban Lisa im spanischen Cuenca, eine Berliner Ausstellung mit Werken der Fotografin Ivonne Thein, Wayne Wangs Film "Mr. Shi und der Gesang der Zikaden", und Bücher, darunter Mathias Polityckis Kreuzfahrt-Logbuch "In 180 Tagen um die Welt" und Hartmut von Hentigs Erinnerungen "Mein Leben - bedacht und bejaht" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

SZ, 11.04.2008

Die Stimmung in Mailand ist schlecht: Großbauprojekte kommen nicht voran, soziale Probleme, die Luft wird immer schlechter. Das soll sich alles mit neuer Architektur für die Weltausstellung 2015 ändern, berichtet Henning Klüver. "Heute will Mailand trotz teilweise heftiger Kritik an Wolkenkratzerprojekten gerade aus Architektenkreisen (Fuksas, Gregotti) hoch hinaus, wie in diesen Wochen eine Ausstellung im Urban-Center in der Galleria zwischen Duomo und Scala zeigt. Weit über das Pirelli-Hochhaus aus den Jahren 1956/60 hinaus, das - noch - mit 127 Metern das höchste Gebäude ist. Unter dem Titel 'Milano, la citta che sale' werden die Modelle der Stadt, 'die wächst' präsentiert. Als Vorzeigeprojekt gelten dabei die drei City-Life-Türme" von Arata Isozaki (216 Meter), Zaha Hadid (185 Meter) und Daniel Libeskind (156 Meter).

"Systemkritik? Mann, geh Adorno lesen, ich will meine Laufdaten sehen!" Alex Rühle leidet mächtig an den Verlockungen von Nikes Laufschuhen, denen er hemmungslos nachgibt. Für die Schuhe gibt es einen Apple-Chip, mit dem man Laufzeit, Puls, Kalorienverbrauch etc. messen kann. "Zuhause schließt man den iPod an den Rechner an, und lässt seine Daten ins Netz laufen. Wer sich den Chip erstmal gekauft hat, ist verloren: Durchschnittlich dreimal die Woche loggen sich die Nike-Läufer ein, dreimal die Woche sieht Nike also, was der Käufer so macht. Ohne dass die Firma irgendetwas tun müsste. Das werbestrategisch Beste daran: Man besucht diese Seite nicht, während man bürograu vor sich hinlebt, sondern in dem emotionell angeschickerten Zustand, den Sportler als 'Runner's High' bezeichnen. Man schaut also immer dann auf dieser kommerziellen Seite vorbei, wenn die Hormone einander gerade in saumseliger Feierabendlaune zuprosten."

Weitere Artikel: Franziska Brüning stellt Dany Boons unwahrscheinlich erfolgreiche Komödie aus dem Norden Frankreichs, "Bienvenue chez les ch'tis - Willkommen bei den Ch'tis", vor. Warum werden ständig Opern uraufgeführt, obwohl keiner sie liebt?, fragt sich Reinhard J. Brembeck. Maxim Vengerov will vorerst nicht mehr Geige spielen, meldet Harald Eggebrecht. Dorion Weickmann war dabei, als Vladimir Malakhov in Berlin das Programm des Staatsballetts für die kommende Saison vorstellte. Auch am Kölner Schauspielhaus wurden Überwachungskameras installiert, meldet Christine Dössel. Jonathan Fischer porträtiert den schwulen House-Musiker Robert Owens. Wolfgang Schreiber gratuliert Kurt Moll zum Siebzigsten.

Besprochen werden Waltraud Lehners Inszenierung des "Idomeneo" in Stuttgart, eine Retrospektive zum Werk Emilio Vedovas in der Berlinischen Galerie, Inszenierungen in der "Kulturwoche Israel" am Theater Ulm und Bücher, darunter der zweite Band der "Europäischen Romantik in der Musik" von Carl Dahlhaus und Norbert Miller und der zweite Band des deutsch-französischen Geschichtsbuches für die Oberstufe (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).