Heute in den Feuilletons

Ein Stück Rindfleisch unter der Heizung

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
25.02.2010. War das wirklich ein guter Scherz?, fragt Dirk von Gehlen in seinem Blog zum Grünbeinschen Hegemann-Späßchen. "Plagiat. Was denn sonst", diagnostiziert der Experte Philipp Theisohn in der NZZ zum selben Fall.  Außerdem verweisen wir auf zwei instruktive Prä-Hegemann-Texte. Timothy Snyder klärt im Blog der NYRB über Stepan Bandera und ukrainischen Nationalismus auf. In der Berliner Zeitung krümmt sich der gekerbte Raum der ortsgebundenen Dienste. Die FAZ feiert Caravaggio

Aus den Blogs, 25.02.2010

War das wirklich ein guter Scherz?, fragt sich Dirk von Gehlen in seinem Blog zum Grünbeinschen ""Plagiat"": "Mich beschäftigt an diesem Test eine ganz andere Frage, nämlich die, ob man als Zeitung seine Leser so verschaukeln darf. Es ist die naheliegendste Redaktions-Reaktion auf den so genannten Fall Hegemann, selber ein Plagiat zu testen. Ich glaube aber - eben weil es so naheliegend ist - dass man dem nicht nachkommen darf, weil man seine Leser damit in die Irre führt."

Was hat es mit dem rätselhaften Gesang der Hunde bei der Titelmusik der "Law & Order"-Serie auf sich? Im Netz kursieren, wie BoingBoing berichtete, Hunderte von Videos von Hunden, die bei dieser Musik mitsingen. Nun, das Heulen der Hunde bedeutet keienswegs, dass ihnen die Musik unangenehme Gefühle bereitet, sagt der Hundeexperte Robert Brandau in der Rachel Maddow-Show auf Msnbc.com, "Es ist etwas, das mit den Menschen nichts zu tun hat." Hier der Ausschnitt aus der Sendung und weitere Links auf BoingBoing.

Eine Sternstunde war die Anhörung des Petitionsausschusses zu den geplanten und beerdigten Netzsperren, meint Julius Endert in Carta: "Mit der Petition als Auslöser ist über das Web erstmals eine neue Öffentlichkeit entstanden. Der Sinn oder Unsinn von Netzsperren wurde so breit und auf so vielen Plattformen diskutiert wie selten ein Thema. Politik wurde endlich einmal vom Souverän herausgefordert."

Im Blog der New York Review of Books kommentiert der Historiker Timothy Snyder die Initiative des scheidenden ukrainischen Präsidenten Viktor Juschtschenko, den ukrainischen Faschisten Stepan Bandera zum Nationalhelden zu küren: "Bandera aimed to make of Ukraine a one-party fascist dictatorship without national minorities. During World War II, his followers killed many Poles and Jews. Why would President Yushchenko, the leader of the democratic Orange Revolution, wish to rehabilitate such a figure? Bandera, who spent years in Polish and Nazi confinement, and died at the hands of the Soviet KGB, is for some Ukrainians a symbol of the struggle for independence during the twentieth century." Im gleichen Blog ein Artikel von Tony Judt über "Identitäten.

Welt, 25.02.2010

Uwe Wittstock entschuldigt sich bei den Lesern, dass er Durs Grünbeins Intervention im Fall Helene Hegemann, die auf einem Text von Gottfried Benn basierte, für bare Münze genommen hat - bleibt aber bei seinem Widerwillen gegen die von ihm kritisierte Stelle. Uta Baier stellt ein neu als Van Gogh identifiziertes Gemälde vor, dem jetzt in Zwolle eine Ausstellung gewidmet ist. Wieland Freund freut sich, dass 6.500 amerikanische und britische Autoren ihre vergriffenen Bücher nicht bei Google Books veröffentlicht sehen wollen und dass das Google Book Settlement auf weitere Widerstände stößt (hier der Guardian-Artikel, auf dem seine Recherche beruht). Eckhard Fuhr hat in der Akademie der Künste eine düstere Diskussion über kommende Sparzwänge in der deutschen Kulturpolitik verfolgt.

Besprochen werden Ibsens "Nora" in Paris mit einer am Theater debütierenden Audrey Tautou und Filme, darunter das Fellini-Musical "Nine" (mehr hier) und Werner Herzogs Version des "Bad Lieutenant" (mehr hier).

NZZ, 25.02.2010

Philipp Theisohn, der Verfasser der Studie "Plagiat. Eine unoriginelle Literaturgeschichte", freut sich über Durs Grünbeins Plagiat in der FAZ und wirft der Literaturkritik vor, sie wolle im Fall Hegemann das Kind nicht beim Namen - Plagiat! - nennen, weil der Begriff so unfein sei. "Er verwandelt Kunst in Recht, Arbeit, Geld, mithin: Er erinnert den Literaturbetrieb an seine betriebliche Seite, die irgendwie dazugehört, von der man dann aber im Text möglichst wenig sehen will. Wer vom Plagiat spricht, der profaniert die Kunst". Doch bedeute dies keineswegs, dass jeder, der ein Plagiat als solches erkennt, einem Blockwartsdenken verhaftet sei...

Weitere Artikel: Gabriele Detterer berichtet von den Streitigkeiten über die Nutzung des von Oscar Niemeyer entworfenen Konzerthauses ("ein reptilartiger Baukörper mit Riesenauge") in Ravello. Klassikportale im Internet boomen, sind jedoch noch hinsichtlich Multimedialität und Diskussionsforen ausbaufähig, erklärt Marco Frei.

Besprochen werden Lone Scherfigs Film "An Education" der dänischen Regisseurin Lone Scherfig (mit Carey Mulligan als Hauptdarstellerin, die laut Susanne Ostwald die "Sensation des Films" ist), Jessica Hausners Film "Lourdes", Rob Marshalls Musicalverfilmung "Nine" und Bücher, darunter Erica Pedrettis Band "Fremd genug" von vorgestellt (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).
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Tagesspiegel, 25.02.2010

Anselm Neft schreibt einen wunderbaren Tagestipp für eine Lesung Martin Walsers. Der beginnt so: Neft liegt krank in seiner Wohnung, liest "Axolotl Roadkill", schläft ein und als er aufwacht, sitzt Helene Hegemann auf seinem Bett und fragt:
"Literatur oder nicht?
Literatur.
Echt? Diese inakzeptable Wortzusammenhangsscheiße?
Nee, echt, is' schon viel Interessantes drin. Dieses zum Lebensgefühl gewordene Misstrauen. Dieses gnostische Fremdsein in der Welt, der Gesellschaft, dem Körper.
Was laberst du da, Alter?
Wir schweigen eine Weile und schauen auf ein Stück Rindfleisch unter der Heizung."
Wie Neft dann bei Walser landet, müssen Sie selbst lesen.

Auf der Meinungsseite watscht Sibylle Krause-Burger die Hegemannfans unter den Literaturkritikern ab: "Wenn das so weitergeht, wird man demnächst eine Siebenjährige entdecken und ihr Gestammel über die ersten Doktorspiele zum Bestseller hochjubeln. Nur ein Großer wie Marcel Reich-Ranicki kann uns davor noch bewahren."

Weitere Medien, 25.02.2010

Gestern beklagte Durs Grünbein in der FAZ das Geschwurbel in der Hegemann-Debatte: "Es geht im Moment alles durcheinander. Was ist Intertextualität, was ist Plagiat, was ist ein Ready-made, wie wir es aus visuellen Künsten kennen, was ist ein Insert, ein Zitat, ein Pastiche? Und dann die große moralische Frage, die man schon im zarten Kindesalter gestellt bekommt: Was ist Mein und was ist Dein?"

Schön wäre es natürlich gewesen, wenn Grünbein genau diese Debatte selbst in Gang gesetzt hätte. Wir möchten auf zwei prä-Hegemann-Artikel hinweisen, die sich genau mit diesen Fragen beschäftigen: Was "Intertextualität" erklärte der Literaturkritiker Helmut Böttiger im März 2008 im Deutschlandradio in einer kurzen Buchbesprechung sehr anschaulich. Es ging um ein schmales Bändchen mit drei Erzählungen über die selbe Geschichte. Der Ursprungstext war von Imre Kertesz, der eine Zugfahrt von Budapest nach Wien beschrieb - "Kertesz beschreibt in einem Kanzleiton, eben 'protokollarisch', wie ihn der Zöllner wegen einer falschen Devisenangabe am Grenzbahnhof zu Österreich aussteigen lässt." Neu erzählt wurde sie dann von Peter Esterhazy - "der Zöllner fragt auch wieder nach Devisen, aber es hat sich alles in eine gewisse Lässigkeit aufgelöst. Nur durch die direkten Übernahmen von Sätzen aus der Kertesz-Erzählung wird angezeigt, dass bestimmte Sachen und Strukturen dieselben geblieben sind" - und noch einmal erzählt schließlich von Ingo Schulze.

Der große Essay, der all die Fragen verhandelt, die Grünbein stellt, erschien 2007 in Harper's Magazine. Geschrieben hat ihn der Romancier Jonathan Lethem. Eine gekürzte Version auf Deutsch veröffentlichte damals Literaturen. Lethem schreibt über die Open-Source-Kultur der Blues- und Jazz-Musiker, "Plagiate" von Nabokov, Burroughs, den Surrealisten, Walt Disney und den Simpsons, Urheberrechte und das Internet. Hier zitiert sei eine Passage, die in der deutschen Version wegfiel. Lethem antwortet auf den Vorwurf, geistiges Eigentum sei mit einem Auto oder einer Handtasche vergleichbar, wie Josef Joffe zum Beispiel letzte Woche in der Zeit erklärt hatte ("Worte sind Eigentum - wie Patente und Häuser" und der Diebstahl von Worten sei dem Diebstahl eines Vergasers gleichzusetzen). Lethem schrieb dazu: "Diese Gleichsetzung fordert uns auf, das Denken abzustellen... Ein Auto oder eine Handtasche sind, einmal gestohlen, für den Eigentümer verloren. Die Aneignung eines 'geistigen Eigentums' lässt das Original dagegen unberührt. Wie Jefferson schrieb: 'Wer eine Idee von mir empfängt, mehrt dadurch sein Wissen, ohne meines zu mindern, ebenso wie derjenige, der seine Kerze an meiner entzündet, dadurch Licht empfängt, ohne mich der Dunkelheit auszusetzen.'"

FR, 25.02.2010

Für Unsinn hält Arno Widmann die Differenz, die die Berliner Ausstellung "Macht zeigen" zwischen Kunst und Politik einmal mehr aufmacht: "Die in dieser Ausstellung vorgetragene Idee, Kunst sei das Kreative und Wirtschaft und Politik das Bürokratische, ist nicht nur naiv, sondern falsch. Man werfe einen Blick auf das Adenauer-Porträt des alten Kokoschka. Es ist von einschläfernder Konventionalität. Adenauer dagegen hat damals die Grundlagen eines demokratischen Sozialstaates gelegt. Die größte Kulturleistung des 20. Jahrhunderts."

Außerdem: Jürgen Otten hat sich von Aribert Reimann Einblick in dessen neue Oper "Medea" geben lassen, die am Wochenende ihre Uraufführung in Wien haben wird. In Times mager hat Hans-Jürgen Linke noch einige Fragen zu Messwein und Weinmessung.

Besprochen werden Werner Herzogs Thriller "Bad Lieutenant" (den Daniel Kothenschulte als "Tauchfahrt in einen herrlichen Sumpf" feiert), die beiden Dokus "Plastic Planet" und "Unsere Ozeane", Annette Pehnts Erzählungen "Man kann sich auch wortlos aneinander gewöhnen das muss gar nicht lange dauern" (siehe auch unsere Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

TAZ, 25.02.2010

Ralf Leonhard berichtet über die Empörung, die eine ungewöhnliche Installation des Künstlers Christoph Büchel in Wien ausgelöst hat, die er "Raum für Sexkultur" nennt: Er hat in der ehrwürdigen Secession einen Swingerclub eingerichtet, der von 21 bis 4 Uhr seinem Zweck entsprechend genutzt wird und dessen Räume und Separees tagsüber als Ausstellung zu besichtigen sind.

Besprochen werden Werner Herzogs Remake von Abel Ferraras Film "Bad Lieutenant" mit Nicholas Cage, die Ausstellung "Macht zeigen" im Deutschen Historischen Museum, die Kunst als Herrschaftsstrategie zeigt, und die DVD von Abbas Kiarostamis Film "Shirin".

In tazzwei resümiert Martin Reichert eine Veranstaltung, auf der Schwule und Reggae-Fans über die Zulässigkeit homophober Reggae-Lyrics diskutierten. Tal Sterngast begeistert sich für die aus Israel stammende TV-Serie "In Treatment", die die Sprache der Psychoanalyse zurückbringe. Auf der Medienseite berichtet Stefan Reinecke über Personalquerelen beim Freitag.

Und Tom.

Berliner Zeitung, 25.02.2010

Aus dem "glatten Raum" des "antiken" Internets wird der "gekerbte Raum" aus immer stärker ortsbezogenen Diensten, schreiben die Internettheoretiker Kathrin Passig und Holm Friebe unter Anwendung einer Deleuzeschen Begrifflichkeit: "Die lang propagierte Vision einer maßgeschneiderten digitalen Haut über Stadt und Land wird anscheinend endlich Wirklichkeit. Der Datenraum wird auf den Boden der Tatsachen heruntergenagelt und krümmt sich um den Betrachter herum."

FAZ, 25.02.2010

Auf der Kinoseite unterhält sich Verena Lueken mit Martin Scorsese über seinen neuen Film "Shutter Island", den Umgang mit Genre-Klassikern und Filmzitate: "Wir wollten unbedingt dieses Pulp-Element einbringen, aber nicht einfach als Hommage an Fuller oder Anatole Litvaks 'The Snake Pit' oder die Filme von Robert Siodmak und so weiter. Aber: Es gibt sie nun mal. Sie sind Teil unserer Kultur, Teil unseres Unterbewussten, wenn es um diese Art Geschichte geht... Aber können wir sie einfach benutzen?"

Andreas Kilb besucht eine große Caravaggio-Ausstellung in Rom und erkennt dabei nicht nur innere Zusammenhänge im Werk, sondern auch das weit reichende Erbe des Malers: "Der Caravaggismus, der um 1600 hektisch zu blühen begann, erlosch nur Jahrzehnte nach des Malers Tod. Erst im zwanzigsten Jahrhundert kehrte er in verwandelter Form wieder, in den Filmen Pier Paolo Pasolinis, eines Schülers des Caravaggio-Biographen Roberto Longhi. Auch Pasolini verkleidete Tagelöhner als Apostel, auch er fand Golgotha auf einem Schuttplatz, und auch sein Leben endete früh. Dafür genießen beide jetzt die Unsterblichkeit der Museen."

Weitere Artikel: Gina Thomas weiß von einer vagen Ankündigung Salman Rushdies, er werde ein Buch über seine Jahre im Untergrund nach Verhängung der Fatwa schreiben. In der Glosse berichtet sie über neueste Äußerungen, die den "Moralisten" Gordon Brown nicht im besten Licht dastehen lassen. Abgedruckt wird ein bisher unveröffentlicher Auszug aus Herta Müllers erstem Prosaband "Niederungen". Was das Kruzifixurteil des Europäischen Gerichtshofs und der Schweizer Minarett-Volksentscheid miteinander gemeinsam haben, erläutert der Jurist Martin Kriele. Julia Voss kommentiert ungnädig eine Kunstaktion, die in die berühmte Wiener Secession zum Entsetzen anständiger Bürger einen Swingerclub einquartiert. Hans-Jörg Rother berichtet vom Filmfestival in Budapest.

Besprochen werden die Wiener Uraufführung von Johannes Kalitzkes Oper "Die Besessenen", das neue Massive-Attack-Album "Heligoland", Werner Herzogs nicht als Remake zu verstehender Film "Bad Lieutenant - Cop ohne Gewissen", Günter Schwaigers Torero-Film "Arena" und Bücher, darunter die Wiederveröffentlichung von Gisela Elsners Roman "Fliegeralarm" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

SZ, 25.02.2010

Johan Schloemann macht sich anlässlich von Margot Käßmanns Fahrt über den Durst einige Gedanken über Fasten, Rausch und Protestantismus, ohne seine Freude über den Fall der "strengen Moralapostelin" verbergen zu können. Thomas Steinfeld dreht in einem Feuilleton-Leitartikel zur neuen Kampagne "Deutsch - Sprache der Ideen" ein Runde, in der er dem sterbenden Genitiv, alten und neuen Sprachpuristen und natürlich auch Bastian Sick begegnet. Andreas Zielcke schildert, wie Amnesty International in den Verdacht geraten ist, nicht nur allzu Taliban-nah zu sein, sondern auch noch Kritiker dieser Politik in den eigenen Reihen mundtot zu machen. Auf der Kinoseite ist Tobias Kniebe dem Regisseur Werner Herzog protokollierend dabei behilflich, mit ein paar Legenden aufzuräumen - oder auch nicht. Laura Weissmüller sieht sich den vom Architekturbüro Sanaa entworfenen Neubau für die ETH Lausanne aus der Nähe an. Auf der Whitney Biennale sieht Jörg Häntzschel die amerikanische Kunst in der Krise. Jens Bisky beobachtet die Entstehung des "Grimms der Zukunft" an der Berliner Akademie.

Besprochen werden ein Auftritt des Countertenors David Daniels in der Münchner Prinzregentenhalle, Rob Marshalls Musical-Film "Nine" nach Fellinis Klassiker "8 1/2" (nebenstehend auch ein Gespräch mit Hauptdarsteller Daniel Day-Lewis), die Dokus "Plastic Planet" und "Unsere Ozeane" und Bücher, darunter Norbert Leitholds Biografie des "Graf Goertz" (mehr dazu in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Zeit, 25.02.2010

Nach einem - mal wieder - enttäuschenden Wettbewerb sorgt sich Katja Nicodemus um die Berlinale: "So perfekt dieses Festival als Publikumsmagnet und Kulturereignis funktioniert: Wenn es sich nicht mit aller Leidenschaft um seinen künstlerischen Kern bemüht, könnte der Rummel irgendwann ins Leere laufen."

Weiteres: Marie Schmidt denkt über die Jugend von heute nach, die so gar nicht die "Sehnsüchte des erwachsenen Establishments" nach Authentizität erfüllen möchte und über die sie in Leif Randts Buch "Leuchtspielhaus" mindestens genauso viel gelernt hat wie bei Helene Hegemann. Hanno Rauterberg erinnert vierhundert Jahre nach seinem Tod an Caravaggio, der beileibe nicht so übel war wie sein Ruf: "Erst der versuchte Rufmord machte aus ihm das verruchte, regellose, rasend großartige Malermonster, als das er schon seit Jahrhunderten bestaunt wird." Der Religionsphilosoph Klaus-Michael Kodalle erklärt, warum sich die Katholische Kirche generell der säkularen Rechtssprechung gern entheben würde. Im Interview spricht der Schauspieler Miguel Abrantes Ostrowski über sein Buch "Sacro-Pop", in dem er bereits 2004 vom Missbrauch am Bonner Aloisius-Kolleg schrieb. Elisabeth Raether trifft die französische Autorin (und BHL-Tochter) Justine Levy.

Besprochen werden Peter Eötvös' in München uraufgeführte Oper "Die Tragödie des Teufels", Theaterstücke von Nis-Momme Stockmann und PeterLicht in Stuttgart und Berlin, die Ausstellung "Macht zeigen" im Berliner DHM und Bücher, darunter Moritz Rinkes Roman "Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel", Arno Geigers "Alles über Sally" sowie mehrere Neuerscheinungen zu Caravaggio (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).

Im Dossier berichtet Kerstin Kohlenberg vom Klassenkampf in Kreuzberg.