9punkt - Die Debattenrundschau
Risiko einer unbeabsichtigten Eskalation
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
09.05.2025. Noch glaubt der vom Spiegel befragte Politologe Chietigj Bajpaee zwar nicht, dass sich der Konflikt zwischen Indien und Pakistan zum großen Krieg auswächst - aber die Situation ist brenzlig. In der New York Times kritisiert Bill Gates scharf die Streichung humanitärer Gelder durch die Trump-Regierung: Das Leben von Millionen Kindern sei gefährdet. Wir sind Papst, rufen die Amerikaner, aber nicht Päpstin, kritisieren einige. In hpd.de fordert die SPD-Politikerin Lale Akgün auch in Deutschland Trennung von Staat und Religion. Zeit und RBB haben herausgefunden: SPD- und CDU-Politiker pflegen weiterhin den "Petersburger Dialog". Zur Not auch heimlich.
Efeu - Die Kulturrundschau
vom
09.05.2025
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Politik
Der Konflikt zwischen Indien und Pakistan, der durch einen islamistischen Terroranschlag in Kaschmir ausgelöst wurde, bei dem 26 Menschen getötet wurden, hat sich in den letzten Tagen ausgeweitet, berichtet die SZ. Indien hat Pakistan vorgeworfen, die Terroristen zu unterstützen und als Antwort mehrere Standorte in Pakistan bombardiert, die pakistanische Armee wiederum soll mehrere indische Drohnen abgeschossen haben. Im Interview mit dem Spiegel glaubt der Politologe Chietigj Bajpaee zwar nicht, dass die beiden Nuklearmächte ernsthaft einen Krieg wollen, aber es bestehe natürlich immer "die Gefahr, die andere Seite misszuverstehen. Indien verfolgt bei seinem Atomwaffenarsenal eine No-First-Use-Politik. Pakistan hingegen nicht. Pakistan hat bereits klargemacht, dass es bereit ist, taktische Nuklearwaffen - die kleiner sind - einzusetzen. Im Fall eines pakistanischen Luftangriffs besteht also die Gefahr, es falsch zu interpretieren: Ist das ein konventioneller oder ein nuklearer Luftangriff? Dieses Risiko einer unbeabsichtigten Eskalation besteht immer." In der taz berichten Natalie Mayroth aus Delhi (hier) und Zahra Kazmi aus Islamabad (hier).
Die New York Times veröffentlicht ein sehr ausführliches Gespräch mit Bill Gates, der zu den wenigen Tycoons gehören, die Trump offen kritisieren. Gates will in den nächsten zwanzig Jahren 200 Milliarden Dollar an die Armen verteilen und seine Stiftung dann 2045 schließen. In dem Interview, das David Wallace-Wells führte, kritisiert er auch in scharfen Worten die Trump-Regierung, die einige wichtige Programme zur Bekämpfung von Seuchen wie Aids oder Malaria bekanntlich gestrichen hat. Es habe in den letzten Jahren riesige Erfolge gegeben, die nun gefährdet sind, sagt Gates. "Man muss nach Afrika reisen und sich eine Krankenstation während der Hochsaison ansehen. Oder Kinder besuchen, die unter Wachstumsstörungen leiden. Seltsamerweise ist der unglaubliche Erfolg der letzten 25 Jahre für die Menschen hier nicht so spürbar, wie er sein sollte. Aber das bedeutet auch: Wenn die Leute diese Dinge kürzen, bemerken sie es dann überhaupt? Sie kürzen die Mittel für die Provinz Gaza in Mosambik. Diese Mittel sind eigentlich für Medikamente bestimmt, damit Mütter ihre Babys nicht mit HIV infizieren. Aber die Leute, die die Kürzungen vornehmen, sind geografisch so ungebildet, dass sie denken, es geht um Gaza und Kondome. Werden sie die Babys in Augenschein nehmen, die HIV bekommen haben, weil diese Mittel gekürzt wurden? Wahrscheinlich nicht. Und dann sagt man sich, ok, es werden Millionen sein." "Sie meinen Millionen zusätzlicher Todesfälle", fragt der Interviewer: "Wegen dieser Kürzungen werden Millionen Kinder zusätzlich sterben."
Die New York Times veröffentlicht ein sehr ausführliches Gespräch mit Bill Gates, der zu den wenigen Tycoons gehören, die Trump offen kritisieren. Gates will in den nächsten zwanzig Jahren 200 Milliarden Dollar an die Armen verteilen und seine Stiftung dann 2045 schließen. In dem Interview, das David Wallace-Wells führte, kritisiert er auch in scharfen Worten die Trump-Regierung, die einige wichtige Programme zur Bekämpfung von Seuchen wie Aids oder Malaria bekanntlich gestrichen hat. Es habe in den letzten Jahren riesige Erfolge gegeben, die nun gefährdet sind, sagt Gates. "Man muss nach Afrika reisen und sich eine Krankenstation während der Hochsaison ansehen. Oder Kinder besuchen, die unter Wachstumsstörungen leiden. Seltsamerweise ist der unglaubliche Erfolg der letzten 25 Jahre für die Menschen hier nicht so spürbar, wie er sein sollte. Aber das bedeutet auch: Wenn die Leute diese Dinge kürzen, bemerken sie es dann überhaupt? Sie kürzen die Mittel für die Provinz Gaza in Mosambik. Diese Mittel sind eigentlich für Medikamente bestimmt, damit Mütter ihre Babys nicht mit HIV infizieren. Aber die Leute, die die Kürzungen vornehmen, sind geografisch so ungebildet, dass sie denken, es geht um Gaza und Kondome. Werden sie die Babys in Augenschein nehmen, die HIV bekommen haben, weil diese Mittel gekürzt wurden? Wahrscheinlich nicht. Und dann sagt man sich, ok, es werden Millionen sein." "Sie meinen Millionen zusätzlicher Todesfälle", fragt der Interviewer: "Wegen dieser Kürzungen werden Millionen Kinder zusätzlich sterben."
Europa
Wer glaubte, dass die Russophilie in der deutschen Politik weitgehend in die AfD abgewandert sei, irrt: Die SPD bleibt sich treu. Zuletzt im April traf sich eine Gruppe wichtiger aktiver und ehemaliger Politiker der SPD, aber auch der CDU, heimlich mit russischen Abgesandten in einem Luxushotel in Baku, Aserbaidschan, berichtet eine Reportergruppe des RBB, die zusammen mit der Zeit recherchierte. Es handelte sich bereits um das dritte Treffen der Gruppe, die den "Petersburger Dialog" wiederbeleben möchte, der einst von Gerhard Schröder und seinem geliebten Wladimir Putin initiiert worden war. "Zum jüngsten Treffen begleitete SPD-Mann Ralf Stegner eine Riege einflussreicher Strippenzieher: Ronald Pofalla, ehemaliger Chef des Bundeskanzleramts, und Leiter des 'Petersburger Dialogs'; Matthias Platzeck, ehemals brandenburgischer Ministerpräsident und SPD-Bundesvorsitzender sowie Vorstand des Petersburger Dialogs; Stephan Holthoff-Pförtner, CDU-Europaminister unter Armin Laschet in Nordrhein-Westfalen, sowie Martin Hoffmann, langjähriger Geschäftsführer des 'Petersburger Dialogs'." Getroffen haben die Granden offenbar den Putin-Vertrauten Viktor Subkow, den Aufsichtsratsvorsitzenden von Gazprom.
Für die Zeit berichtet Ingo Malcher: "Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin heißt es, die Treffen in Baku seien nicht im Auftrag der Bundesregierung erfolgt. Was die Zusammenkünfte so problematisch macht, ist, dass sie vor allem Russlands Propaganda dienen, sagt Stefan Meister, Osteuropaexperte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. 'Es ist natürlich die Frage, wen trifft man und was legitimiert man damit?', sagt Meister. In diesem Fall seien aus Russland offenbar 'Hardcore-Propagandisten des Putin-Regimes' angereist." Hier der Beitrag des "Kontraste"-Magazins.
Lale Akgün gehört zu den wenigen SPD-Politikerinnen, die im Islamismus ein Problem erkennen. Im Gespräch mit Stefan Laurin in hpd.de fordert sie einen neuen "Expertenkreis Politischer Islamismus", der vor einigen Jahren von ihrer Parteigenossin Nancy Faeser abgeschafft worden war. Warum tut sich die Linke so schwer mit dem Thema Islamismus, fragt Laurin: "Das frage ich mich auch oft. Eigentlich ist die Linke historisch antiklerikal geprägt - das müsste sie in diesem Fall auch bleiben. Viele Probleme lassen sich nur lösen, wenn man Religion und ihre Rolle in der Gesellschaft grundsätzlich diskutiert. Ein Beispiel: Der islamische Bekenntnisunterricht. Man kann dieses Thema eigentlich nur behandeln, wenn man überhaupt mal über den Bekenntnisunterricht an sich spricht - und das geht nur, wenn man eine säkulare Perspektive einnimmt." Akgün betont darum auch, dass Kritik am Islam nicht möglich ist ohne Kritik an den Kirchen und ihrer Stellung in Deutschland. "Ehrlich gesagt: Ich habe ja sogar schon Probleme damit, wenn in einem Arbeitskreis zum Thema Paragraf 218 - also zur Abtreibungsregelung - Kirchenvertreter sitzen. Das ist ein gesellschaftliches und gesundheitspolitisches Thema. Vor allem ein Frauenthema. Was haben Kirchenvertreter da zu suchen? Das ist nicht ihr Aufgabenbereich. Aber sie sitzen trotzdem da."
Für die Zeit berichtet Ingo Malcher: "Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin heißt es, die Treffen in Baku seien nicht im Auftrag der Bundesregierung erfolgt. Was die Zusammenkünfte so problematisch macht, ist, dass sie vor allem Russlands Propaganda dienen, sagt Stefan Meister, Osteuropaexperte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. 'Es ist natürlich die Frage, wen trifft man und was legitimiert man damit?', sagt Meister. In diesem Fall seien aus Russland offenbar 'Hardcore-Propagandisten des Putin-Regimes' angereist." Hier der Beitrag des "Kontraste"-Magazins.
Lale Akgün gehört zu den wenigen SPD-Politikerinnen, die im Islamismus ein Problem erkennen. Im Gespräch mit Stefan Laurin in hpd.de fordert sie einen neuen "Expertenkreis Politischer Islamismus", der vor einigen Jahren von ihrer Parteigenossin Nancy Faeser abgeschafft worden war. Warum tut sich die Linke so schwer mit dem Thema Islamismus, fragt Laurin: "Das frage ich mich auch oft. Eigentlich ist die Linke historisch antiklerikal geprägt - das müsste sie in diesem Fall auch bleiben. Viele Probleme lassen sich nur lösen, wenn man Religion und ihre Rolle in der Gesellschaft grundsätzlich diskutiert. Ein Beispiel: Der islamische Bekenntnisunterricht. Man kann dieses Thema eigentlich nur behandeln, wenn man überhaupt mal über den Bekenntnisunterricht an sich spricht - und das geht nur, wenn man eine säkulare Perspektive einnimmt." Akgün betont darum auch, dass Kritik am Islam nicht möglich ist ohne Kritik an den Kirchen und ihrer Stellung in Deutschland. "Ehrlich gesagt: Ich habe ja sogar schon Probleme damit, wenn in einem Arbeitskreis zum Thema Paragraf 218 - also zur Abtreibungsregelung - Kirchenvertreter sitzen. Das ist ein gesellschaftliches und gesundheitspolitisches Thema. Vor allem ein Frauenthema. Was haben Kirchenvertreter da zu suchen? Das ist nicht ihr Aufgabenbereich. Aber sie sitzen trotzdem da."
Kulturpolitik
Der neue Staatsminister für Kultur Wolfram Weimer ist für sein "Konservatives Manifest" stark kritisiert worden (unsere Resümees). Aber das ist nicht seine einzige politische Äußerung. Ralf Nestmeyer blättert für hpd.de durch ein weiteres Buch Weimers: "in seinem jüngsten Werk 'Sehnsucht nach Gott' (2021) plädiert er für eine 'spirituelle Erneuerung' der Gesellschaft - in einem pluralistischen, säkularen Staat ist dieses Denken nicht nur anachronistisch, sondern gefährlich. Denn hinter der frommen Rhetorik verbirgt sich ein kulturpolitisches Projekt: die schleichende Etablierung einer christlich geprägten kulturellen Hegemonie, die Diversität, kritische Stimmen und weltanschauliche Offenheit marginalisiert. Weimer beklagt die 'Arroganz der Aufklärung', vermisst den Gottesbezug in der EU-Verfassung und hofft auf ein Europa, das 'von einem neo-religiösen Nachzügler zu einem kulturellen Gestalter' in Glaubensfragen wird."
Religion
"Wir sind Papst", können die Amerikaner jetzt rufen. Und tun es auch.
In der Zeit ist Patrik Schwarz erleichert über die Wahl des Amerikaners, der 25 Jahre in Peru lebte und arbeitete: "Was immer eine kryptokatholische Camarilla im Team Trump von diesem Konklave erhofft hatte, sie haben es nicht bekommen. US-Vizepräsident JD Vance, der letzte Staatsbesucher, der Franziskus am Tag vor seinem Tod besucht hat, wird an dessen Nachfolger kaum mehr Freude haben als an Franziskus. ... Ein scheinbar paradoxer Wunsch der Kardinalsmehrheit ist bereits im Vorkonklave der letzten zwei Wochen sichtbar geworden, wenn man richtig zusammensetzt, was hinter den verschlossenen Türen der Casa Santa Marta debattiert wurde: Nicht hinter Franziskus zurückfallen, bitte, möge der Nachfolger, aber ebenso dringlich den bisher linkesten Papst der letzten fünfzig Jahre nicht noch links überholen."
Im Interview mit Zeit online ist Schwester Katharina Ganz nicht unzufrieden mit der Wahl dieses Papstes, für die Gleichstellung der Frauen in der Kirche erhofft sie sich allerdings - wie von seinem Vorgänger - nicht allzuviel: "So sehr ich Papst Franziskus geschätzt habe in vielem, was er getan und bewirkt hat, seine Beerdigung habe ich mir nicht angeschaut. Ich kann das nicht aushalten, vier Stunden vor dem Fernseher zu sitzen und vor Augen geführt zu bekommen, dass unsere Kirche klar patriarchal ist und ihre Hierarchie ausschließlich aus geweihten Männern besteht. Für mich ist das eine Wunde, unter der ich leide, seit mir nach dem Theologiestudium klar wurde, dass ich dieselbe Ausbildung habe wie Priester. Ich hatte dieselben Vorlesungen wie meine Mitstudenten, habe Griechisch und Hebräisch gelernt, die gleichen Prüfungen gemacht. Die Männer wurden ein halbes Jahr nach dem Studium zum Diakon geweiht, später zum Priester. Und ich sitze bestenfalls im Chorgestühl bei der Messe, singe im Chor oder lese die Fürbitten."
Die Deutsche Welle hat bereits ein längeres Porträt über Robert Francis Prevost, jetzt Papst Leo XIV.. Christoph Strack schreibt: "Die Wahl Prevosts ist gewiss keine Abkehr von den Franziskus-Jahren. In vielem, gerade in sozialen Fragen, wird der US-Amerikaner dem Argentinier folgen. Doch bei anderen Fragen positionierte sich Prevost deutlicher als der bisherige Papst. Beim Streitthema der Weihe von Frauen mahnte er, die Kirche müsse anders sein als die Gesellschaft. Die Weihe von Frauen löse 'nicht unbedingt ein Problem', sondern schaffe vielleicht ein neues."TIME's new cover: An American Pope https://t.co/C9H8rVBT4P pic.twitter.com/7ko18k5QBP
- TIME (@TIME) May 8, 2025
In der Zeit ist Patrik Schwarz erleichert über die Wahl des Amerikaners, der 25 Jahre in Peru lebte und arbeitete: "Was immer eine kryptokatholische Camarilla im Team Trump von diesem Konklave erhofft hatte, sie haben es nicht bekommen. US-Vizepräsident JD Vance, der letzte Staatsbesucher, der Franziskus am Tag vor seinem Tod besucht hat, wird an dessen Nachfolger kaum mehr Freude haben als an Franziskus. ... Ein scheinbar paradoxer Wunsch der Kardinalsmehrheit ist bereits im Vorkonklave der letzten zwei Wochen sichtbar geworden, wenn man richtig zusammensetzt, was hinter den verschlossenen Türen der Casa Santa Marta debattiert wurde: Nicht hinter Franziskus zurückfallen, bitte, möge der Nachfolger, aber ebenso dringlich den bisher linkesten Papst der letzten fünfzig Jahre nicht noch links überholen."
Im Interview mit Zeit online ist Schwester Katharina Ganz nicht unzufrieden mit der Wahl dieses Papstes, für die Gleichstellung der Frauen in der Kirche erhofft sie sich allerdings - wie von seinem Vorgänger - nicht allzuviel: "So sehr ich Papst Franziskus geschätzt habe in vielem, was er getan und bewirkt hat, seine Beerdigung habe ich mir nicht angeschaut. Ich kann das nicht aushalten, vier Stunden vor dem Fernseher zu sitzen und vor Augen geführt zu bekommen, dass unsere Kirche klar patriarchal ist und ihre Hierarchie ausschließlich aus geweihten Männern besteht. Für mich ist das eine Wunde, unter der ich leide, seit mir nach dem Theologiestudium klar wurde, dass ich dieselbe Ausbildung habe wie Priester. Ich hatte dieselben Vorlesungen wie meine Mitstudenten, habe Griechisch und Hebräisch gelernt, die gleichen Prüfungen gemacht. Die Männer wurden ein halbes Jahr nach dem Studium zum Diakon geweiht, später zum Priester. Und ich sitze bestenfalls im Chorgestühl bei der Messe, singe im Chor oder lese die Fürbitten."
Geschichte
Russland pflegt am 9. Mai seinen Opferstatus, der Hitler-Stalin-Pakt wird wie immer ausgeklammert. Das nehmen die Osteuropäer zu Recht übel, erklärt der Historiker Gerd Koenen im Interview mit der FR. "Als Deutsche sollten wir uns allerdings klarmachen, dass erst der wahnwitzige Eroberungs- und Vernichtungskrieg Hitler-Deutschlands nach 1939 Stalin, zuerst als Komplizen, dann als Gegner, die Möglichkeit gegeben hat, nicht nur sein eigenes, geschundenes Vielvölkerreich noch einmal terroristisch zusammenzufügen und zu erweitern, sondern sogar ein Moskauer Mega-Imperium zu errichten, das dann bis zur Elbe reichte. Wenn wir von 'deutscher Schuld' reden, umfasst sie nicht nur den 'Holocaust' und die anderen zivilen Massenverbrechen, sondern auch die Eröffnung dieses wahnwitzigen Eroberungskrieges und aller seiner Resultate."
taz-Autor Jan Feddersen stellt sich im Kontext der Erinnerungen an den 8. Mai nochmals die quälende Frage, ob die britischen und amerikanischen Bombardements der Zivilbevölkerung zu rechtfertigen waren, etwa in Hamburg, wo 1943 40.000 Menschen ums Leben kamen: "Geschichtsanklagende, revisionistische Bewegungen wie in Dresden, wo Demonstrationen zum angeblichen 'Bombocaust' registriert werden mussten, gab es in Hamburg nie. Trauer um die Toten musste es, konnte es, auch stadtoffiziell in den Jahren nach 1945, geben. Darf man als Nachkomme einer bei der 'Operation Gomorrha' fast vollständig getöteten Familie zwar auch trauern, aber ebenso sagen: Das biblisch ('eine Operation, bei der Pech und Schwefel vom Himmel fallen') inspirierte Geschehen geschah recht?"
taz-Autor Jan Feddersen stellt sich im Kontext der Erinnerungen an den 8. Mai nochmals die quälende Frage, ob die britischen und amerikanischen Bombardements der Zivilbevölkerung zu rechtfertigen waren, etwa in Hamburg, wo 1943 40.000 Menschen ums Leben kamen: "Geschichtsanklagende, revisionistische Bewegungen wie in Dresden, wo Demonstrationen zum angeblichen 'Bombocaust' registriert werden mussten, gab es in Hamburg nie. Trauer um die Toten musste es, konnte es, auch stadtoffiziell in den Jahren nach 1945, geben. Darf man als Nachkomme einer bei der 'Operation Gomorrha' fast vollständig getöteten Familie zwar auch trauern, aber ebenso sagen: Das biblisch ('eine Operation, bei der Pech und Schwefel vom Himmel fallen') inspirierte Geschehen geschah recht?"
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