Perlentaucher - Online Kulturmagazin mit Presseschau, Rezensionen, Feuilleton

zuletzt aktualisiert 17.10.2026, 14.00 Uhr
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  • Perlentaucher-Debatte Literaturkritik im Netz: Angestoßen von Wolfram Schütte. Mit Beiträgen von Sieglinde Geisel, Jan Dress und anderen
  • Daniele Dell'Agli: Aufruhr im Zwischenreich: Plädoyer für eine Befreiung des Themas Sterbehilfe aus dem Griff der Politik und mit ihr paktierender Verbandseliten
  • Monotheismus-Debatte im Perlentaucher: Angestoßen von Jan Assmann. Mit Beiträgen von Klaus Müller, Peter Sloterdijk und anderen
  • Die Beschneidungsdebatte: im Perlentaucher und in anderen Medien
  • Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
  • Der dänische Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
  • Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
  • Der 11.September: Eine Presseschau
  • Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Samstag, 10.10.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Schön war das alles nicht

10.10.2026 Die Feuilletons resümieren recht nüchtern die Frankfurter Buchmesse, die dank neuem Hallenkonzept den letzten Rest Glamour verloren hat, wie die taz bedauert. Die NZZ vertieft sich am Rande der Messe in die Kunst des tschechischen Samizdat. Die FAS blickt in der Tate Britain nostalgisch zurück in die wilden Neunziger, die Welt erinnert sich im Gropiusbau nicht weniger wehmütig an Christoph Schlingensief. Außerdem schauen FAS und Welt interessiert, aber kritisch Volker Schlöndorffs Verfilmung von Jenny Erpenbecks Roman "Heimsuchung". Und die taz lässt sich vom neuen Album von Bilderbuch retten.

9punkt - Die Debattenrundschau

Schmale Grenze zwischen Ordnung und Chaos

10.10.2026 Die südafrikanische Richterin und Völkerrechtlerin Navanethem Pillay hat den Friedensnobelpreis erhalten: Ein deutlicher Hieb in Richtung Donald Trump, notiert die FAZ. Zeit Online erinnert an Pillays steile Karriere, die im Apartheids-Südafrika begann, die Welt blickt kritisch auf Pillays Israel-Kritik. Auch skrupellose Machthaber wie Putin fürchten das Völkerrecht, erklärt im SZ-Interview der Schriftsteller Philippe Sands, der außerdem in der taz die Einführung des "Ökozids" als fünftes internationales Verbrechen fordert. Die FAS blickt auf die Schülerproteste in Frankreich, die  Jean-Luc Mélenchon für seinen Wahlkampf instrumentalisiert.  

Bücherschau des Tages

Bleib ein anständiger Mensch

10.10.2026 Überwältigt reist die FR mit Christian Grataloups neustem "historischem Atlas" durchs Weltall. Bewegt und amüsiert liest die FAS, wenn Natalie Amiri, Minu Barati, Shila Behjat und Düzen Tekkal von ihren Vätern erzählen. Die FAZ vertieft sich indes in Michel Foucaults Überlegungen zu "Hermaphroditen". Die SZ vergnügt sich mit Moritz von Uslars supersensitiven Meldungen aus dem Fichtenwald. Die taz bewundert, wie zart Lucie Faulerova vom vernichtenden Schmerz nach dem Suizid einer jungen Frau erzählt. Und Dlf Kultur begibt sich mit Jaroslav Rudiš auf einen abgefahrenen Roadtrip durch die Friedhofslandschaft Europas.

Montag, 12.10.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Und es fängt ja immer mit Selbstzensur an

12.10.2026 Philippe Sands warf in seiner Friedenspreisrede nicht nur Israel Völkerrechtsverbrechen vor, er kritisierte auch scharf die deutsche Regierung. Die FAZ ist mit der Rede zufrieden, der Perlentaucher nicht so. Unterdessen wird weiter über den Friedensnobelpreis für Navi Pillay diskutiert - ihr werden schwere Vorwürfe in ihrem Verhalten gegenüber China und dem Völkermord an den Uiguren gemacht. Großes Aufsehen erregt die Rede der tschechischen Schriftstellerin Radka Denemarková auf Frankfurter Buchmesse - sie hat anwesende Ehrengäste der tschechischen Regierung attackiert. Die FAZ zeichnet ein düsteres Bild der "Mathocalypse".

Efeu - Die Kulturrundschau

Einmal als Opfer, einmal als Täter

12.10.2026 Die Frankfurter Buchmesse ist zu Ende, die Feuilletons resümieren. Der Standard ärgert sich über männliche Autoren, die historische Frauenfiguren in Romanen mansplainen. Der russische Pianist Alexander Malofeev ist im Exil - die FAZ ist beeindruckt von seinem neuen Album. Die SZ geht mit Arnold Schönbergs "Moses und Aron" in Basel auf Höhenflug. Sie informiert auch über die NS-Vorgeschichte des Architekten Josef Kaiser. Die FAZ bestaunt in Amsterdam Zeichnungen von Willem de Kooning.

Bücherschau des Tages

Sie sind hier falsch

12.10.2026 Die FAZ erfährt von Miriam Davoudvandi in "filmreifer" Manier, wie es ist, in Armut aufzuwachsen. Die SZ macht sich mit Klaus Schichte, Hendrik Simon und Johannes Varwick Gedanken über Krieg und Frieden. Die NZZ sieht mit Maxim Biller eine neue Welle des Antisemitismus hereinbrechen. Die Welt lässt sich von Benjamin Moser nicht vom Anti-Zionismus überzeugen. 

Dienstag, 13.10.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Der Katzenjammer der Postexzellenz

13.10.2026 SZ und Welt warnen vor dem AfD-Politiker Hans Thomas Tillschneider, den jüdische Studenten am Betreten der Synagoge von Halle hinderten - Tillschneider ist ein Anhänger der antisemitischen Theorie des "großen Austauschs". Die taz berichtet aus Gambia, wo fundamentalistische Kräfte das Verbot der Genitalverstümmelung bekämpfen - die ohnehin weiter praktiziert wird. In der FR fragt Navid Kermani: Gibt es noch Gründe, in Köln zu leben? 

Efeu - Die Kulturrundschau

Rücken zu Brücken

13.10.2026 Die taz staunt über die mutige Theaterszene in Tbilissi, die der Repression durch die putintreue Kavelashvili-Regierung trotzt. Ebenfalls die taz bringt eine zornige Antwort auf Maxim Billers Forderung an die Literaturkritik, nur noch das Wahre, Gute, Schöne zu besprechen. Die Welt erinnert sich in einer Pariser Ausstellung daran, warum die amerikanische Freiheitsstatue französisch und weiblich ist. Sebastian Brameshubers Film "London" zeigt, freut sich critic.de, dass Dialog über schwere Themen auch in unserer zerstrittenen Gegenwart noch möglich ist.

Magazinrundschau

Zarte Kritzeleien

13.10.2026 Der Guardian porträtiert Scheich Tahnoun bin Zayed Al Nahyan, Chef des KI-Konzerns G42 und praktischerweise auch Geheimdienstchef der Vereinigten Arabischen Emirate. Eurozine fragt, warum die EU den serbischen Autokraten Aleksandar Vučić so herzlich hofiert. In Le Grand Continent denkt Eva Illouz über Dreyfus-Affäre und Genozidvorwurf-Affäre nach. Vanity Fair porträtiert einen der reichsten (und verschuldetsten) Vertreter des "neuen Establishments" in den USA: Larry Ellison.

Bücherschau des Tages

Wie ein giftiges Pflänzchen

13.10.2026 Die FAZ schwelgt in den schmachtenden Briefen der Malerin Baladine Klossowska an Rainer Maria Rilke. Von Rolf Steininger lässt sie sich erklären, wie man Kriege beendet. Die NZZ ist hingerissen von Valeria Gordeevs wildem Abenteuer zwischen Russland und Berlin. Die taz spendet Judith Pietrecks Kulturgeschichte des Klatschens Beifall. 

Mittwoch, 14.10.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Gefährlicher Präzedenzfall

14.10.2026 Die NZZ warnt vor einer "kalten Annexion" Belarus' durch Putin. Die Ukraine braucht Europas Unterstützung, insistiert Timothy Garton Ash Im Tagesspiegel. Netzpolitik fragt, warum die Behörden biometrische Gesichtsdatenbanken gewähren lassen, obwohl sie verboten sind. taz, SZ und netzpolitik sehen die Pressefreiheit in Gefahr, weil das LG Hamburg Zeit-Interviews mit den Töchtern von Christina Block beschlagnahmt hat. Nur die FAZ fragt, ob Interviews mit minderjährigen Verbrechensopfern nicht gegen den Pressekodex verstoßen. Zu Foucaults Hundertstem erscheinen laut FAZ seine Iran-Schriften in kritischer Ausgabe.

Efeu - Die Kulturrundschau

Irgendeine geheime Enthüllung

14.10.2026 Die taz blickt auf die queere Kunstszene in der Türkei, die nach Erdogans LGBTQ-Razzia in Furcht verharrt. Die FAZ freut sich über Janek Liebetruths Theaterstück "Freiheit-Simson": eine Hommage an die Simson-Schwalbe, ganz ohne Ostalgie. Geschichte der Gegenwart ärgert sich über die letzte Staffel der Serie "Babylon Berlin", die mehr Zeichen historischer Vergesslichkeit ist als Mahnung. Und die FR feiert das Comeback der Neo-Soul-Pionierin Erykah Badu.

Bücherschau des Tages

Von nibbeln bis schnorpsen

14.10.2026 Die FAZ debattiert mit Jacob Eder über die "Staatsräson". Die FR ist nicht richtig überzeugt von Juli Zehs "Pony Show". Dlf blickt mit Tatiana Țîbuleacs Heldin von einem Leben als Putzfrau auf eine glorreiche Vergangenheit in Moldawien zurück. Außerdem schnackt er mit Christine Wunnicke im Papageien-Sprech. Dlf Kultur findet bei Helga Schubert Trost in der Trauer. 

Donnerstag, 15.10.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Sich in die Wolken werfen

15.10.2026 Völker Schlöndorffs Adaption von Jenny Erpenbecks Roman "Heimsuchung" fällt bei den Kritikern durch: Belanglose Postkartenbilder mit viel Bevormundung, winken Filmdienst und FAZ ab. Die Zeit hat indes nichts dagegen, wenn Jan Schmidt-Garre in seinem Dokumentarfilm über Teodor Currentzis alle Kritik am putinnahen Dirigenten ausspart. SZ und Welt staunen in Dresden, wie mutig Correggio selbst religiöse Bilder erotisierte. Und die FAZ lernt in Weil am Rhein von Geoffrey Bawa, wie ökologisches Bauen gelingen kann.

9punkt - Die Debattenrundschau

Rassismus der gesenkten Erwartungshaltung

15.10.2026 Die Zeit empfiehlt wärmstens die Ausstellung "Umstrittene Verwandtschaft" im DHM über koloniale und nationalsozialistische Gewalt. Die SZ überlegt, was ein Ende der Russland-Sanktionen, wie von BSW und die AfD gefordert, konkret bedeuten würde. Friedensverträge gelten in Russland nur so lange, wie sie nützlich sind, erinnert der estnische Völkerrechtler Lauri Mälksoo in der FAZ. Der Religionskritiker Hamed Abdel-Samad erklärt in der Zeit, warum er im Libanon viel freier lebt als in Deutschland. Und: NZZ, Zeit, taz und Welt schreiben zum hundertsten Geburstag Michel Foucaults.

Bücherschau des Tages

Makrelen- oder Buttermilchhimmel

15.10.2026 Die Zeit denkt mit Michel Foucault über Hermaphroditen nach, die taz liest Martin Saars und Frieder Vogelmanns Gedanken zur Aktualität Foucaults. Mutig und großartig findet die SZ, wie Thomas von Steinaecker zwei Schwestern, von denen die eine geistig behindert ist, ins Jahr 2037 begleitet. Eine wahre Entdeckung macht Dlf Kultur mit Rene Karabashs Roman „Die Bleibende“, der von Schwurjungfrauen in Albanien erzählt. Außerdem lernt Dlf Kultur von Gavin Pretor-Pinney, dass die Tropfen einer Kumuluswolke so viel wie achtzig Elefanten wiegen. 

Freitag, 16.10.2026

Efeu - Die Kulturrundschau

Schubumkehr des Denkens

16.10.2026 Wie groß muss ihr Hass auf Israel sein, fragt sich die NZZ, nachdem Sally Rooney lieber ihre Bücher aus dem Handel hat nehmen lassen, als sich von einer palästinensischen Terrorgruppe zu distanzieren. Artechock vergleicht Yuval Abrahams und Rachel Szors "Naza" mit Claude Lanzmanns "Shoah".  Die taz meldet unter Berufung auf The Atlantic, dass mit der Verleihung des Caine Prize for African Writing an Simbarashe Steyn Kundizezas Kurzgeschichte "The Blue Fighter" erneut ein angeblich per KI ersteller Text ausgezeichnet wurde.

9punkt - Die Debattenrundschau

Der Teufel zitiert gern aus den Evangelien

16.10.2026 Politikerinnen beweisen heute, dass sie kräftig stänkern können: Vanessa Emde von links, Alice Weidel von rechts. Nur Navi Pillay setzt sich in Le Monde für die Rechte einzelner ein. Wenn schon Antifaschismus, dann richtig, meint Pascal Bruckner in Le Point, denn es gibt zwei Prätendenten für einen neuen Faschismus in Frankreich. Mit ihrem Spaß am Barrikadenbau zeigen auch migrantische Jugendliche, wie gut sie sich in die französische Revolutionsfolklore integriert haben, konstatiert Thomas Chatterton Williams in Atlantic. Könnte "Digitale Demokratie" helfen, fragt die SZ.

Bücherschau des Tages

Als die Zukunft noch offen schien

16.10.2026 Die FR nimmt mit Christian Buckard noch einmal wehmütig im Café Babylon neben Mascha Kaleko, Joseph Roth und Albert Einstein Platz. Gebannt liest sie auch Eka Kurniawans Geschichte eines Kindes im Bann des fanatisch frommen Vaters. Die FAZ lässt sich von Rupert Gaderer erklären, wie Soziale Medien Tribunale errichten. Und der Dlf vergnügt sich, wenn Adriano Sack einen Felix-Krull-Wiedergänger durch die Luxus-Mode-Welt der 2010er Jahre schickt.

Samstag, 17.10.2026

9punkt - Die Debattenrundschau

Noch heimtückischer und noch perverser

17.10.2026 In einem von der SZ veröffentlichten Briefwechsel träumen der russische Schriftsteller Michail Schischkin und der ukrainische Verfassungsrechtler Gennadiy Druzenko von einer Zeit nach dem Krieg. Claus Leggewie überlegt in der taz, wie die CDU noch zu retten ist. In der SZ sieht Herfried Münkler den mündigen Bürger in der Krise. Die FAS beobachtet, wie Marine Le Pen und Jean-Luc Melenchon den Hass auf Deutschland schüren. Die Rede vom "Tech-Faschismus" verschleiert die wahren Gefahren, warnt in der FAS die Politikwissenschaftlerin Asma Mhalla.

Efeu - Die Kulturrundschau

Szenische Wahrheitskristalle

17.10.2026 Die FAZ beobachtet im Kölner Kolumba-Museum eigentümliche Symbiosen zwischen der Kunst von Polyklet und den Fotografien von Duane Michals. Außerdem besucht sie Botho Strauß auf seinem Anwesen in der Uckermark. Monopol erlebt bei Joanna Lewickas Inszenierung von Senecas "Thyestes" in Schwerin, dass das Private nicht vor politischem Wahnsinn schützt. Die NZZ versucht sich einen Reim auf den Erfolg von Rapper Haftbefehl zu machen. 

Bücherschau des Tages

Bestaunen all der Wortmonster

17.10.2026 Die FAZ spürt in Botho Strauß neuem Buch die Einsamkeit seines abgeschiedenen Lebens in der Uckermark, die FAS findet dort "poetisches Erkenntnispotential". Außerdem freut sie sich über Ilija Matuskos sanfte Vater-Sohn-Geschichte "Jugo". Die taz macht mit Martina Hefter Kunst in der Leipziger Tieflandsbucht und trifft missgünstige Künstlerkollegen. Dlf Kultur lernt von Simon Strick, warum Faschisierung und Digitalisierung Hand in Hand gehen. 

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Sie sehen sich nur einmal im Jahr, und jedes Mal geraten sie in Streit. Der Vater, der als junger Mann nach Deutschland kam, hier eine Familie gründete, in der Gastwirtschaft…
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Scham empfinden zu können ist überlebenswichtig für unser Miteinander, ein cleverer Mechanismus, der uns anhält, soziale Normen einzuhalten. Während Männer insgesamt wohl…

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