Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
21.02.2026. In der ukrainischen Armee "kämpfen ganz normale Bürger, keine Superhelden oder Außerirdischen", erinnert der ukrainische Schriftsteller und Soldat Serhij Zhadan im taz-Interview. Die FAZ überlegt, was die Verhaftung von Ex-Prinz Andrew für den Fortbestand der britischen Monarchie bedeuten könnte. In der FR glaubt der Autor Joseph Croitoru nicht an einen amerikanischen Angriff auf Iran in nächster Zeit. In der SZ erklärt die Soziologin Irène Théry, wie "MeToo" den Feminismus vorangebracht hat.
"Der Krieg ist eine Zäsur für unsere gesamte Gesellschaft, jeder ist davon betroffen", sagt der ukrainische Schriftsteller Serhij Zhadan im taz-Interview. Zhadan ist Soldat und hat außerdem den ersten Radiosender der ukrainischen Armee, Radio Khartia, gegründet, um eine Brücke zwischen Armee und Gesellschaft zu bauen: "Wir arbeiten weiter, und ich kann sagen, dass unser Auditorium wächst. Als ich noch nicht in der Armee war, habe ich ein Problem erkannt: dass zu wenig über die Armee gesprochen wurde, und wenn doch, wie das geschah. Entweder wird die ukrainische Armee heroisiert. Oder aber sie wird dämonisiert, was dem Einfluss der russischen Propaganda geschuldet ist. Es fehlt an einer ehrlichen, menschlichen Intonation in diesem Gespräch. In dieser Armee kämpfen ganz normale Bürger, keine Superhelden oder Außerirdischen. Das sind Menschen wie du und ich, die gestern noch Zivilisten waren. Sie brauchen jetzt Unterstützung und Verständnis und das umso mehr in der Zukunft, wenn sie wieder nach Hause zurückkehren. Wir versuchen, in genau diesem Ton über die Armee zu sprechen."
In der FAS resümiert Yelizaveta Landenberger ein Gespräch zwischen Zhadan und dem Historiker KarlSchlögel über den Krieg in der Ukraine, das in der Akademie der Künste in Berlin stattfand. In der NZZ schreibt Paul Jandl über die Konferenz.
Zum Start der von den Friedrichs herausgegebenen Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung widmet die WeltHolger Friedrich ein mehrseitiges Interview, in dem er erst einmal von seinem kürzlichen Besuch in Moskau erzählt. Den russischen Angriff auf die Ukraine verurteilt er zwar, allerdings rät er Deutschland, sich Russland gegenüber nicht zu übernehmen: "Wie auf dem Schulhof, wenn der andere älter ist, größer ist und vielleicht eher zur Gewaltanwendung neigt. Man kann sich dann so oder so verhalten. Der klügere Weg ist, einen Ausgleich zu suchen. Und nicht davon auszugehen, dass der andere irgendwann klein beigibt. Das wird nicht passieren. Man kann natürlich sagen: Okay, wir gehen in die Konfrontation, wir prügeln uns. Aber dann sollten wir uns vorher überlegen, ob wir bereit sind, den Preis zu zahlen. Ob wir ihn überhaupt bezahlen können." Wie genau ein solcher "Ausgleich" aussehen soll, darüber lässt uns Friedrich im Unklaren.
Der "Fall Andrew Mountbatten-Windsor ist in der Historie der britischen Monarchie ohne Beispiel", kommentiert Gina Thomas in der FAZ die Verhaftung von Ex-Prinz Andrew am Wochenende, der nach einem zwölfstündigen Verhör unter Auflagen wieder freigelassen wurde. Vorgeworfen wird ihm die Weiterleitung vertraulicher Informationen an Jeffrey Epstein, die nach der Veröffentlichung der Epstein-Files laut gewordenen Missbrauchsvorwürfe sind bisher nicht Teil der Ermittlungen. Von einer "Verfassungskrise" lässt sich allerdings nicht sprechen, dem ohnehin beschädigten Ansehen des Königshauses wird es nicht helfen: "Seit November vergangenen Jahres ist die Zahl derer, die denken, dass das Land schlechter dran wäre, wenn die Monarchie abgeschafft würde, um zehn Punkte auf 37 Prozent gesunken. ... 80 Prozent der Briten glauben, dass es sie in zehn Jahren noch geben werde, siebzig Prozent meinen, sie werde auch noch in zwanzig Jahren da sein. Bei fünfzig Jahren sind die Meinungen gespalten. Sollte Britannien eine Republik werden, würde Andrew nur ein Nagel im Sarg sein."
Der Mord an dem französischen Rechtsextremisten Quentin Deranque durch Linksextreme (unser Resümee) ist ein schlimmes Verbrechen und sollte unnachgiebig verfolgt werden, bekräftigt Marc Zitzmann in der FAZ: "Entschieden zurückzuweisen ist hingegen der Versuch vieler Vertreter des rechten und rechtsextremen Lagers, die Linkspopulisten geradewegs zu Komplizen der Totschläger zu stilisieren. 'Die Ultralinke tötet', sagte Gérald Darmanin in alle Mikrofone, noch bevor die erste Festnahme stattgefunden hatte. Als amtierender Justizminister hätte sich der Macronist mehr Zurückhaltung auferlegen können. Vertreter der Regierungsminderheit echoten dem Scharfmacher, wie auch Verantwortliche des RN bis hin zum Parteiführer, Jordan Bardella. Besonders unangenehm war die Abhaltung einer Schweigeminute in der Nationalversammlung zu Ehren Quentin Deranques (...) Ein einziger zentristischer Volksvertreter verwies auf eine Übereinkunft von 2025, wonach derlei Schweigeminuten für verstorbene Politiker und Inhaber der Staatsgewalt sowie für Terrorismusopfer vorbehalten sind."
Nachdem erst der französische Außenminister Jean-Noël Barrot und dann sein deutscher Amtskollege Johann Wadephul nach einer Rede der UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese deren Rücktritt forderten, behauptete Albanese auf Twitter, das Video ihrer Rede sei manipulativ geschnitten worden (unsere Resümees): Patrick Bahners hat sich für die FAZ die gesamte Rede angeschaut und stellt fest: Das Video mag ungeschickt geschnitten sein, weniger problematisch ist die Botschaft deshalb nicht. Im Original sagt Albanese: "Wenn das Völkerrecht einen Messerstich ins Herz erhalten hat, ist gleichzeitig wahr, dass die globale Gemeinschaft noch nie so klar die Herausforderungen gesehen hat, vor denen wir alle stehen. Wir, die wir keine großen Mengen an Finanzkapital, Algorithmen und Waffen kontrollieren, sehen jetzt, dass wir als eine Menschheit einen gemeinsamen Feind haben, einen Feind." Albanese erklärt, sie habe mit dem "gemeinsamen Feind" nicht Israel gemeint, sondern die "Freunde Israels". Bahners kommentiert: "In Kenntnis der vollständigen Rede wird der Streit über den Zusammenschnitt müßig. Das 22-Sekunden-Kondensat der Propagandakompanie 'UN Watch' hätte so in der ARD nicht gesendet werden können, verfälschte aber Albaneses Botschaft nicht. Denn sie erklärte auf einer Konferenz, an der auch der iranische Außenminister und ein Hamas-Führer teilnahmen, nicht alle Waffenlieferanten zu Menschenfeinden, sondern diejenigen, die Israel beliefern."
Buch in der Debatte
Bestellen Sie bei eichendorff21!Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran nehmen zu. Donald Trump hat dem Regime nun ein "Ultimatum" von fünfzehn Tagen gestellt, innerhalb derer eine Einigung in Sachen Atomwaffen erzielt werden soll, berichtet unter anderen Felix Busjaeger in der FR. Ebenfalls in der FR bezeichnet der Autor Joseph Croitoru, der ein Buch über Netanjahu geschrieben hat, diese "Deadline" allerdings auch als "Schonfrist" für die USA. So kriegsbereit wie sich Trump und Israels Präsident Netanjahu geben, seien sie nicht, glaubt Croitoru: "Dass die USA und Israel dem angeblich die ganze Welt gefährdenden Iran ohne große Verluste durch Luftangriffe erhebliche Schäden zufügen können, haben sie im vergangenen Sommer bewiesen. Eine längere kriegerische Auseinandersetzung würde allerdings schmerzliche Verluste auch für sie bedeuten. Dass in Washington bald von einer neuen Schonfrist die Rede sein wird, würde nicht überraschen."
Die Soziologin Irène Théry hat für Le Monde den Prozess gegen die Vergewaltiger von Gisèle Pelicot (unsere Resümees) begleitet. Im SZ-Interview erklärt sie, was sich durch diesen Prozess im Sexualstrafrecht geändert hat und welche Fortschritte der Feminismus durch "Me too" gemacht hat: "Bei den Demonstrationen der 1970er-Jahre war unser Slogan 'Wenn eine Frau 'Nein' sagt, bedeutet es 'Nein'. Aber die Schauspielerinnen, die vor neun Jahren die Bewegung 'Me Too' in Gang gesetzt haben, meinten: Es gibt viele Macht- und Ungleichheitsverhältnisse, in denen eine Frau nicht 'Nein' sagen kann. 'Me Too' hat unter anderem zu neuen Verboten geführt, wenn eine Entscheidungsfreiheit offensichtlich nicht gegeben ist, wie bei Alkohol- oder Drogenkonsum - bisher ein mildernder Umstand, jetzt ein strafverschärfender -, wenn das Opfer unter chemischem Einfluss stand, oder wenn es geschlafen hat (...) Was dieser Prozess gezeigt hat, ist, dass viele Männer die neuen Spielregeln nicht verinnerlicht haben: Wenn eine Frau keine Freiheit hat, einverstanden zu sein, ist es eine Vergewaltigung. Viele der Angeklagten sagten: 'Ich bin kein Vergewaltiger', für sie kann die 'echte Vergewaltigung' nur die vorsätzliche sein. Doch sehr oft vergewaltigen Menschen, weil es ihnen einfach möglich ist."
In der NZZ schildert Joel Veldkamp, der bei der christlichen Menschenrechtsorganisation Christian Solidarity international arbeitet, die schwierige Lage der christlichen Bevölkerung in Ägypten. Zwar bekundet Präsident Abd al-Fattah as-Sisi öffentlich immer wieder seine Solidarität mit Christen, die etwa zehn Prozent der Bevölkerung ausmachen, in der Realität werden sie vom Staat nicht geschützt: "Werden christliche Gemeinschaften nach Streitigkeiten wegen des Baus von Kirchen oder interkonfessioneller Liebesbeziehungen von muslimischen Mobs angegriffen, können sie - vor allem auf dem Land - weder mit Polizeischutz rechnen noch auf den Rechtsstaat zählen. Stattdessen organisieren die Behörden 'Versöhnungsrunden'. Diese enden meist damit, dass sich die Christen für das tatsächliche oder nur behauptete Vergehen entschuldigen - welches zur Zerstörung ihrer Häuser geführt hat -, den Muslimen eine Geldstrafe bezahlen und dann das Dorf verlassen. Trotz Präsident Sisis demonstrativen Bekundungen, er halte zu den Christen, ist die Vorherrschaft des Islam eine unausweichliche Realität in Ägypten."