9punkt - Die Debattenrundschau
Gegen einige Zehntausend Euro
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
19.11.2025. Zeit online beleuchtet die frauenverachtenden Gesetze zu Vergewaltigung im Iran. In der FAZ erzählt die ehemalige Kulturkorresondentin Kerstin Holm, wie sie in Russland zur persona non grata wurde. Die SZ fragt, warum die Kimabewegung den Klimawandel langweilig findet und sich lieber gegen Israel positioniert. Wolfram Weimers halbseidene "Summits" für Leistungsträger werden nun auch von den Qualitätsmedien unter die Lupe genommen.
Efeu - Die Kulturrundschau
vom
19.11.2025
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Europa
Es wird in Deutschland über Minderheitenregierungen diskutiert, da es immer schwieriger wird, gegen die AfD glaubhafte Koalitionen zu bilden. Oft werden die skandinavischen Länder als Vorbild genannt. In Schweden, Norwegen oder Dänemark laufen die Dinge aber etwas anders, erläutert Jasper von Altenbockum in der FAZ. Man spricht von "negativem Parlamentarismus": "Entscheidend für eine Regierung ist im negativen Parlamentarismus, dass sie keine Mehrheit gegen sich hat. Ein Gesetz ist in Skandinavien beschlossen, wenn es nur eine Stimme erhält, während alle anderen Abgeordneten sich enthalten. Auch ein Ministerpräsident braucht zu seiner Wahl nicht die absolute Mehrheit der Stimmen; abgewählt ist er erst dann, wenn sich eine Mehrheit gegen ihn richtet."
Kerstin Holm hat für die FAZ jahrelang als Kulturkorrespondentin aus Moskau berichtet. Inzwischen ist sie in Deutschland zurück, fährt aber häufig nach Russland. Gerade hat sie es wieder mit Touristenvisum über die Türkei versucht, erzählt sie im Feuilletonaufmacher, und wurde von drei schwarzgekleideten Grazien empfangen, die sie baten, ein bisschen zu warten: "Die schlanken Uniformträgerinnen erklärten, sie warteten auf den Bescheid ihrer unsichtbaren Vorgesetzten. Der kam nach einer weiteren Stunde: Das schwarze Trio präsentierte mir ein Papier, das meine Einreise mit Hinweis auf das Einreisegesetz Nr. 114 für alle Zeit verbot und an vier Stellen zu unterzeichnen war. Der FSB hatte mich zur Persona non grata erklärt."
In Marseille wurde jüngst der 19-jährige Mehdi Kessaci erschossen. Es kann sein, dass damit sein großer Bruder Amine Kessaci getroffen werden sollte, der sich gegen die Drogenmafias in der Stadt einsetzt. Es kann aber auch sein, dass er umgebracht wurde, weil er im Prozess um den Tod seines Halbbruders Brahim aussagen sollte, dessen verkohlter Leichnam vor fünf Jahren in einem Auto gefunden wurde. Das Rassemblement national könnte bei den nächsten Bürgermeisterwahlen vom Chaos profitieren, fürchtet Valérie Lecasble unter dem Titel "Wird Marseille fallen?" in lejournal.info. "Die Angst, von der die politischen Aktivisten in dieser verdorbenen Atmosphäre erfasst werden, in der die Kugeln fliegen, ohne dass man wirklich weiß, woher sie kommen, macht den Weg frei für alle möglichen Befürchtungen und Spekulationen."
Kerstin Holm hat für die FAZ jahrelang als Kulturkorrespondentin aus Moskau berichtet. Inzwischen ist sie in Deutschland zurück, fährt aber häufig nach Russland. Gerade hat sie es wieder mit Touristenvisum über die Türkei versucht, erzählt sie im Feuilletonaufmacher, und wurde von drei schwarzgekleideten Grazien empfangen, die sie baten, ein bisschen zu warten: "Die schlanken Uniformträgerinnen erklärten, sie warteten auf den Bescheid ihrer unsichtbaren Vorgesetzten. Der kam nach einer weiteren Stunde: Das schwarze Trio präsentierte mir ein Papier, das meine Einreise mit Hinweis auf das Einreisegesetz Nr. 114 für alle Zeit verbot und an vier Stellen zu unterzeichnen war. Der FSB hatte mich zur Persona non grata erklärt."
In Marseille wurde jüngst der 19-jährige Mehdi Kessaci erschossen. Es kann sein, dass damit sein großer Bruder Amine Kessaci getroffen werden sollte, der sich gegen die Drogenmafias in der Stadt einsetzt. Es kann aber auch sein, dass er umgebracht wurde, weil er im Prozess um den Tod seines Halbbruders Brahim aussagen sollte, dessen verkohlter Leichnam vor fünf Jahren in einem Auto gefunden wurde. Das Rassemblement national könnte bei den nächsten Bürgermeisterwahlen vom Chaos profitieren, fürchtet Valérie Lecasble unter dem Titel "Wird Marseille fallen?" in lejournal.info. "Die Angst, von der die politischen Aktivisten in dieser verdorbenen Atmosphäre erfasst werden, in der die Kugeln fliegen, ohne dass man wirklich weiß, woher sie kommen, macht den Weg frei für alle möglichen Befürchtungen und Spekulationen."
Ideen
Die für 9. Dezember angesetzte Verleihung des Hannah-Arendt-Preises wird diesmal wohl ohne Eklat verlaufen, freut sich Robert Matthies in der taz. Preisträgerin ist die Philosophin Seyla Benhabib. Unvergessen ist die Preisverleihung vor zwei Jahren, als sich die Leitung der Böllstiftung von der Preisträgerin Masha Gessen distanzierte, die den Gazastreifen mit den Nazighettos gleichsetzt (sie durfte trotzdem in den Räumen der Böllstiftung in Berlin auftreten und feierte einen Triumph bei der Belegschaft des Hauses). Benhabib hat von vornherein einen differenzierteren Standpunkt nach dem 7. Oktober gezeigt, so Matthies: "Als Kolleginnen wie Judith Butler und Nancy Fraser den offenen Brief 'Philosophy for Palestine' unterzeichneten - der Israels Politik scharf kritisierte, aber die Hamas-Massaker nur indirekt verurteilte -, distanzierte sich Benhabib deutlich. In ihrem Gegenbrief warf sie den Unterzeichnern vor, den Konflikt einseitig als 'Siedlerkolonialismus' zu sehen und die Gräueltaten der Hamas als legitimen Widerstand zu verharmlosen. Sie betonte ihre lebenslange Unterstützung palästinensischer Selbstbestimmung, warnte aber vor der Relativierung des 7. Oktober als Wendepunkt."
Der Autor Frank Jöricke sieht den Postkolonialismus in der Welt weniger als politische Bewegung, denn als psychische Reaktion auf geistige Orientierungslosigkeit. Er hätte "nicht solche Kreise zu ziehen vermocht, würde er nicht auf eine Gesellschaft treffen, die spirituell ausgehungert ist. Als Marius Müller-Westernhagen 1986 sang, 'Jeder hätte gern an was geglaubt. Jeder sucht das Glück, das keiner klaut', lieferte er eine exakte Beschreibung des Lebensgefühls von Menschen, deren größtes Problem die innere Leere ist. Auf einmal dämmert es einem, warum das Herz zu vieler Linker für Glaubenskrieger schlägt. Für religiöse Fanatiker, die all das bekämpfen, wofür links seit jeher steht, zum Beispiel Gleichberechtigung. Für sexistische, rassistische Schlächter, die - wenn sie könnten - allen 'Queers for Palestine' eine Fallbeilbehandlung angedeihen ließen."
Der Autor Frank Jöricke sieht den Postkolonialismus in der Welt weniger als politische Bewegung, denn als psychische Reaktion auf geistige Orientierungslosigkeit. Er hätte "nicht solche Kreise zu ziehen vermocht, würde er nicht auf eine Gesellschaft treffen, die spirituell ausgehungert ist. Als Marius Müller-Westernhagen 1986 sang, 'Jeder hätte gern an was geglaubt. Jeder sucht das Glück, das keiner klaut', lieferte er eine exakte Beschreibung des Lebensgefühls von Menschen, deren größtes Problem die innere Leere ist. Auf einmal dämmert es einem, warum das Herz zu vieler Linker für Glaubenskrieger schlägt. Für religiöse Fanatiker, die all das bekämpfen, wofür links seit jeher steht, zum Beispiel Gleichberechtigung. Für sexistische, rassistische Schlächter, die - wenn sie könnten - allen 'Queers for Palestine' eine Fallbeilbehandlung angedeihen ließen."
Politik
"Wie wird #MeToo in der iranischen Gesellschaft verhandelt, die gar kein präzises Wort für 'Vergewaltigung' als Straftat kennt?", fragt Shila R. Behjat bei Zeit Online anhand eines aktuellen Falls: Der berühmte Schauspieler Pejman Jamshidi wurde von einer Frau der Vergewaltigung bezichtigt - mittlerweile ist er aus dem Gefängnis entlassen worden, "der Chef der forensisch-medizinischen Behörde stritt später ab, dass es je eine DNA-Probe gegeben habe, die eindeutig zu Jamshidi passe. Und Jamshidi selbst hat inzwischen das Land verlassen." Dass Männer im Falle des Vorwurfs der Vergewaltigung geschützt werden, hat seinen Ursprung schon im iranischen Strafrecht, so Behjat: "Wortwörtlich heißt es im Art. 224 des Strafgesetzbuchs 'Zena-e be onf ya ekrah': außerehelicher Geschlechtsverkehr unter Gewalt oder Zwang. Darauf steht die Todesstrafe. Sexuelle Handlungen unter Gewalt oder Erpressung sind also nur dann strafbar, wenn sie außerhalb der Ehe vorgenommen werden. Dies können Täter umgehen, indem sie - bisweilen auch unter Gewalt - eine Zeitehe, eine sogenannte Sigeh, mit dem Opfer eingehen, die sogar nur wenige Minuten dauern kann und von einem Geistlichen geschlossen werden muss. Der Zweck dieser Regelung ist der Schutz der Ehe als Institution, nicht der Schutz der Frau."
Den indigenen Gemeinschaften in Brasilien scheint sich die Situation "so darzustellen wie zur Zeit der ersten europäischen Einwanderer, die sich vor allem als Eroberer verstanden und sich bis heute auch so benehmen", hält Helmut Mauró in der SZ fest. Letzte Woche stürmte eine Gruppe verschiedener indigener Völker die Weltklimakonferenz im brasilianischen Belém, um gegen die Zerstörung ihres Lebensraums zu protestieren: "Aber wie sollen sich die Indigenen gegen eine internationale Aktiengesellschaft wehren, die noch vor der Planung eines Damms schon so viel Geld verdient hat, dass so ein Großprojekt, wie es inzwischen mehrere gibt an den Zuflüssen zum Amazonas, nicht mehr zu stoppen ist? Das Moratorium des halbfertigen Belo-Monte-Staudamms am Xingu-Fluss wird nicht ewig halten, es müssen dafür offenbar bis zu 40.000 Indigene vertrieben werden. Landflächen in der Größe des Bodensees verschwinden."
Den indigenen Gemeinschaften in Brasilien scheint sich die Situation "so darzustellen wie zur Zeit der ersten europäischen Einwanderer, die sich vor allem als Eroberer verstanden und sich bis heute auch so benehmen", hält Helmut Mauró in der SZ fest. Letzte Woche stürmte eine Gruppe verschiedener indigener Völker die Weltklimakonferenz im brasilianischen Belém, um gegen die Zerstörung ihres Lebensraums zu protestieren: "Aber wie sollen sich die Indigenen gegen eine internationale Aktiengesellschaft wehren, die noch vor der Planung eines Damms schon so viel Geld verdient hat, dass so ein Großprojekt, wie es inzwischen mehrere gibt an den Zuflüssen zum Amazonas, nicht mehr zu stoppen ist? Das Moratorium des halbfertigen Belo-Monte-Staudamms am Xingu-Fluss wird nicht ewig halten, es müssen dafür offenbar bis zu 40.000 Indigene vertrieben werden. Landflächen in der Größe des Bodensees verschwinden."
Kulturpolitik
Die Weimer Media Group des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer veranstaltet einen "Ludwig-Erhard-Gipfel" am Tegernssee und verkauft Wirtschaftsführern, die mit Politikern plaudern wollen, die Nähe dieser Politiker - was bis zu 80.000 Euro kostet. Herausgefunden hat das das etwas anrüchige Portal apollo-news.de, und die Qualitätsmedien sind nun gezwungen, diese Geschichte aufzugreifen. Michael Hanfeld hat für die FAZ mit Weimer gesprochen, der alles von sich weist und erklärt, dass er die Geschäftsführung seiner Firma an seine Frau abgegeben habe. Er sei Opfer einer Kampagne AfD-naher Medien. "Die Bayerische Staatsregierung überprüft derweil, ob der Ludwig-Erhard-Gipfel weiterhin mit öffentlichem Geld unterstützt werden soll", informiert Hanfeld weiter. In einem nebenstehenden Interview fordert Bayerns Kulturminister Markus Blume, dass sich Weimer mehr mit Kulturpolitik befasst, was er zum Beispiel mit höheren Subventionen für Bayreuth manifestieren könnte.
Jörg Häntzschel und Meike Schreiber erzählen in der SZ, wie die Weimer Media Group beim Tegernsee-Summit gesellschaftliche Relevanz herstellt: "Gegen einige Zehntausend Euro dürfen Vorstände und Firmengründer im nahe gelegenen Hotel 'Das Tegernsee' an der 'Executive Night' teilnehmen, wo 'Spitzenpolitiker und Top-Manager in informeller Atmosphäre die drängenden Fragen unserer Zeit' verhandeln, so die WMG. Doch die Gäste dürfen schon mehr erwarten als interessante Gespräche. Das geht aus dem Werbematerial hervor, das die WMG auf Anfrage verschickt und das der SZ vorliegt. Zu den 'Top Assets' für die Premium-Teilnehmer gehört auch 'Einfluss auf die politischen Entscheidungsträger'."
Jörg Häntzschel und Meike Schreiber erzählen in der SZ, wie die Weimer Media Group beim Tegernsee-Summit gesellschaftliche Relevanz herstellt: "Gegen einige Zehntausend Euro dürfen Vorstände und Firmengründer im nahe gelegenen Hotel 'Das Tegernsee' an der 'Executive Night' teilnehmen, wo 'Spitzenpolitiker und Top-Manager in informeller Atmosphäre die drängenden Fragen unserer Zeit' verhandeln, so die WMG. Doch die Gäste dürfen schon mehr erwarten als interessante Gespräche. Das geht aus dem Werbematerial hervor, das die WMG auf Anfrage verschickt und das der SZ vorliegt. Zu den 'Top Assets' für die Premium-Teilnehmer gehört auch 'Einfluss auf die politischen Entscheidungsträger'."
Gesellschaft
Am 17. November starben die Kessler-Zwillinge in ihrem Haus durch assistierten Suizid. Beide waren schon länger krank, berichtet Karin Truscheit in der FAZ: "Wir sind zusammen auf die Welt gekommen, und wir werden sie auch gemeinsam verlassen," schrieben sie in einem Abschiedsbrief. Aktive Sterbehilfe ist in Deutschland immer noch verboten, nicht jedoch der assistierte Suizid. Die Sprecherin des Vereins "Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben" (DGHS) erklärt Truscheit den Ablauf: "Wenn alles geklärt sei, werde die tödliche Infusion angehängt. Der Sterbewillige kann dann eigenständig an dem Rädchen drehen und die Infusion starten. Nach Angaben der Sprecherin des Sterbehilfevereins schläft die Person ein, nach Minuten tritt der Tod durch Herzstillstand ein. 'Es ist ein friedlicher Tod.' Der Arzt stellt den Tod fest und trägt auf dem Totenschein als Ursache 'nicht natürlich' ein. Daher wird routinemäßig die Polizei gerufen. Sie wird über den Freitod informiert und leitet das gesetzlich vorgeschriebene Todesermittlungsverfahren ein. Auch im Fall von Alice und Ellen Kessler wurde so verfahren."
Viele wählen den Freitod aus Angst vor "Schmerz und unerträglichem Leid", fürchtet der Arzt, Bestsellerautor und SZ-Redakteur Werner Bartens (obwohl der Eindruck bei den Kessler-Zwillingen ja ein anderer war). Das sei nachvollziehbar, es sollte aber auch beachtet werden, dass der Wunsch nach Sterbehilfe "umso stärker ausgeprägt ist, je größer die Angst ist, dass Hilfe und Beistand im Alter und bei Gebrechlichkeit ausbleiben." Die "überwiegende Zahl der Suizidwünsche und -versuche entstehen aus psychischer und sozialer Not. Es wäre verdienstvoll zu sortieren, welche Impulse die Suizidgedanken stimulieren, sowohl die rationalen als auch die irrationalen. Verzweiflung führt zu einer Einengung des Denkens und Handelns. Der Wunsch, aus dem Leben zu scheiden, bedeutet für die meisten Menschen nicht unbedingt, dass sie sterben wollen. Er heißt vielmehr, dass sie so nicht mehr leben möchten."
Ruben Gerczikow porträtiert für die FAZ den Berliner Schulleiter und Islamismuskritiker Hudhaifa Al-Mashhadani, der vor einigen Tagen in der U-Bahn angegriffen wurde. Ein Mann mit Palästinensertuch hatte offenbar versucht, ihn vor die U-Bahn zu stoßen. "Dass gerade er zum Ziel eines Anschlagsversuchs wurde, zeigt deutlich, dass der Einsatz gegen Islamismus und Antisemitismus nicht graue Theorie ist, sondern das Leben der Engagierten selbst gefährden kann. Man erinnere sich an die antisemitismuskritische Neuköllner Programmkneipe Bajszel, die ebenfalls mit Hamas-Dreiecken, Brandanschlägen und verklebten Schlössern zum Schweigen gebracht werden sollte - und heute unter durchgängigem Polizeischutz steht."
Die Klimabewegung "hat ihr Hauptanliegen verkocht und mit polarisierenden Positionen auch Menschen verprellt, die alles andere als Klimaleugner sind", schimpft Sebastian Herrmann in der SZ. Denn: Was bitte hat der Nahostkonflikt oder Merz' Stadtbild-Aussage mit Klimaschutz zu tun? "Mit linken Identitätsslogans und Positionen lassen sich auf Social Media vielleicht Punkte machen und über Provokationen Aufmerksamkeit erzeugen. Allerdings sind diese Slogans mittlerweile beliebig und inhaltsleer, weil sie mit viel zu vielen Themen verknüpft und allgegenwärtig sind. Das verklebt und blockiert Diskurswege, das ist ermüdendes, symbolhaftes Gerede. Und wer die Lösung des Klimawandels im Nahostkonflikt, der Veränderung des Menschen im Allgemeinen und der Männer im Besonderen sowie der Auflösung der Universal-Chimäre 'Patriarchat' vermutet, dessen Problemanalyse und Lösungsvorschläge wirken realitätsfern oder gar abstoßend."
Viele wählen den Freitod aus Angst vor "Schmerz und unerträglichem Leid", fürchtet der Arzt, Bestsellerautor und SZ-Redakteur Werner Bartens (obwohl der Eindruck bei den Kessler-Zwillingen ja ein anderer war). Das sei nachvollziehbar, es sollte aber auch beachtet werden, dass der Wunsch nach Sterbehilfe "umso stärker ausgeprägt ist, je größer die Angst ist, dass Hilfe und Beistand im Alter und bei Gebrechlichkeit ausbleiben." Die "überwiegende Zahl der Suizidwünsche und -versuche entstehen aus psychischer und sozialer Not. Es wäre verdienstvoll zu sortieren, welche Impulse die Suizidgedanken stimulieren, sowohl die rationalen als auch die irrationalen. Verzweiflung führt zu einer Einengung des Denkens und Handelns. Der Wunsch, aus dem Leben zu scheiden, bedeutet für die meisten Menschen nicht unbedingt, dass sie sterben wollen. Er heißt vielmehr, dass sie so nicht mehr leben möchten."
Ruben Gerczikow porträtiert für die FAZ den Berliner Schulleiter und Islamismuskritiker Hudhaifa Al-Mashhadani, der vor einigen Tagen in der U-Bahn angegriffen wurde. Ein Mann mit Palästinensertuch hatte offenbar versucht, ihn vor die U-Bahn zu stoßen. "Dass gerade er zum Ziel eines Anschlagsversuchs wurde, zeigt deutlich, dass der Einsatz gegen Islamismus und Antisemitismus nicht graue Theorie ist, sondern das Leben der Engagierten selbst gefährden kann. Man erinnere sich an die antisemitismuskritische Neuköllner Programmkneipe Bajszel, die ebenfalls mit Hamas-Dreiecken, Brandanschlägen und verklebten Schlössern zum Schweigen gebracht werden sollte - und heute unter durchgängigem Polizeischutz steht."
Die Klimabewegung "hat ihr Hauptanliegen verkocht und mit polarisierenden Positionen auch Menschen verprellt, die alles andere als Klimaleugner sind", schimpft Sebastian Herrmann in der SZ. Denn: Was bitte hat der Nahostkonflikt oder Merz' Stadtbild-Aussage mit Klimaschutz zu tun? "Mit linken Identitätsslogans und Positionen lassen sich auf Social Media vielleicht Punkte machen und über Provokationen Aufmerksamkeit erzeugen. Allerdings sind diese Slogans mittlerweile beliebig und inhaltsleer, weil sie mit viel zu vielen Themen verknüpft und allgegenwärtig sind. Das verklebt und blockiert Diskurswege, das ist ermüdendes, symbolhaftes Gerede. Und wer die Lösung des Klimawandels im Nahostkonflikt, der Veränderung des Menschen im Allgemeinen und der Männer im Besonderen sowie der Auflösung der Universal-Chimäre 'Patriarchat' vermutet, dessen Problemanalyse und Lösungsvorschläge wirken realitätsfern oder gar abstoßend."
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