Magazinrundschau
Etwas Kerzenlicht, viel Gebet und das Schreien der Feinde
Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag
17.12.2024. Der amerikanische Journalist Theo Padnos erzählt von den syrischen Islamisten, die ihn zwei Jahre gefangen gehalten hatten. Auch nach dem Sturz Assads ist der türkische Imperialismus nicht die große Erfolgsgeschichte, die Erdogan gern daraus machen würde, meint die New Left Review. La vie des idees skizziert den Mileismus. Words without Borders erklärt uns, was Amazighitude ist. Al Jazeera schwärmt vom Maya-Blau. Das New York Magazine staunt, wie linke und rechte Naturapostel sich problemlos im Ruf MAHA vereinen: Make America Healthy Again!
Persuasion - Substack, Yascha Mounk (USA), 17.12.2024
Der amerikanische Journalist Theo Padnos wurde im 2012 von Syriens neuen Machthabern, der islamistischen Miliz Hayat Tahrir al-Sham (die sich damals noch Jabhat al-Nusra nannte), gefangen genommen. Zwei Jahre dauerte seine Geiselhaft. Angesichts seiner Erfahrungen mit der Gruppe hegt er nicht viel Optimismus für die Zukunft Syriens (und die der U-Bahnfahrer in Paris, London und Berlin), wie er im Blog von Yascha Mounk erzählt: "Die jüngsten Ereignisse verheißen für niemanden Gutes. Leider ist es nicht so, dass acht Jahre Leben in der syrischen Provinz Idlib, wo die Jabhat al-Nusra-Armee seit ihrer Vertreibung aus Aleppo im Jahr 2016 ausharrte - manchmal hungernd, manchmal unter den Bomben kauernd, niemals die fünf Gebete und das obligatorische Fasten vernachlässigend - dazu führt, dass junge Männer sich in die Details der kommunalen Verwaltung in einem unruhigen Land verlieben. Acht Jahre unter diesen Bedingungen wecken die Sehnsucht nach Rache. Solche Bedingungen führen zu einer tiefen, demütigenden Armut. Sie führen dazu, dass sich jeder mehr und mehr dem Koran zuwendet. ... Meiner Meinung nach liegt die größte Stärke der Rebellen in ihrer Fähigkeit, neue Selbstmordattentäter hervorzubringen. Die HTS-Anführer haben die Alchemie, mit der sie die jungen Männer der Region in präzisionsgelenkte Langstreckenraketen verwandeln, auf eine Formel reduziert. Ich habe diese Formel im Keller der Augenklinik von Aleppo, dem ersten von 13 Gefängnissen, in denen ich lebte, bei der Arbeit gesehen. Dieser Keller war dunkel genug und ausreichend von der Welt abgeschnitten, um eine ideale Umgebung zu bieten. Etwas Kerzenlicht, viel Gebet, das Schreien der Feinde, wenn sie 'gestanden', und gelegentliches Hängen - das waren die wesentlichen Bestandteile des Prozesses. In der Tat ist Syrien reich an diesem Rohstoff, ohne den die notwendige Alchemie nicht funktionieren könnte: tagträumende, untätige junge Männer. Jetzt, da die dunklen Keller einer ganzen Nation unter die Kontrolle der HTS geraten sind, sind die Führer der Organisation in der Lage, ihren Herstellungsprozess zu erweitern. Da es innerhalb der HTS-Armeen keine einheitliche Kommandostruktur gibt (trotz der Behauptungen der Führung) und es für die vielen Fraktionen viel zu streiten gibt, ist es wahrscheinlich, dass sich die jungen Männer in den kommenden Monaten über das ganze Land ausbreiten werden. Einige der Kommandeure träumen davon, nicht nur feindliche Gruppierungen in Syrien in die Luft zu jagen, sondern auch die fernen Feinde Gottes. Das verheißt nichts Gutes für die Fahrgäste der U-Bahnen in London und Paris. ... Im Laufe der Zeit muss ich meine Frage 'Warum müsst ihr töten und foltern?' Hunderten von Männern der Jabhat al-Nusra auf tausend verschiedene Arten gestellt haben. Schließlich kam ich zu dem Schluss, dass sie töteten, weil es niemanden gab, der sie daran hinderte. Jetzt liegt ihnen eine ganze Nation zu Füßen."New Statesman (UK), 17.12.2024
Die Aufarbeitung der Schrecken des Assad-Regimes in Syrien steht erst ganz am Anfang. Cian Ward berichtet über die verzweifelten Versuche, zumindest die Toten, die in den berüchtigten Foltergefängnissen starben, zu identifizieren. Angehörige haben sich zu den Gefängnissen aufgemacht, auf der Suche nach Spuren der Vermissten. "Mitten im Chaos eilen die weißen Gestalten eines überarbeiteten Krankenhausteams umher. Maskiert, mit Kapuzen und in Schutzanzügen gehüllt, kämpfen sie darum, Ordnung in die Anarchie zu bringen. Ihre Aufgabe ist es, die Opfer zu kategorisieren und zu identifizieren, in der Hoffnung, den Familien endlich Frieden zu verschaffen. 'Wir nehmen ihren Zahnabdruck und überprüfen dann sekundäre Merkmale wie Tattoos oder Operationsnarben', erklärt Dr. Yasser Al Kassem, der stellvertretende Leiter der forensischen Abteilung des Krankenhauses. 'Diese Informationen werden protokolliert und verarbeitet. Suchende Familien werden gebeten, ein ähnliches Formular auszufüllen, um zu sehen, ob es Übereinstimmungen bei solchen Merkmalen gibt ... Außerdem bitten wir die Familien um ein Foto ihres Angehörigen, vorzugsweise mit einem klaren Lächeln, da es uns die Identifizierung erleichtert.' Dieses Identifizierungsverfahren wird angewandt, weil die Opfer aufgrund ihrer verwesenden Haut, die ihre Wangen strafft, ausschauen, als würden sie grinsen. Das Team gibt sein Bestes, um die Leichen zu konservieren, scheint jedoch den Wettlauf gegen die Zeit zu verlieren. 'Wir tun unser Möglichstes', sagt Al Kassem, 'aber wir haben nicht genug Kapazitäten. Die Verwesung hat bei vielen bereits ein fortgeschrittenes Stadium erreicht, was auf Misshandlung hindeutet; es ist offensichtlich, dass sie vor ihrem Tod nicht ausreichend ernährt wurden.'"New Left Review (UK), 13.12.2024
Ob der türkische Präsident Erdogan beim Sturz Assads wirklich eine so große Rolle gespielt hat, wie ihm nahe stehende Medien verkünden, bezweifelt der in Berkeley lehrende Soziologe Cihan Tuğal stark in seiner Analyse der Situation in Syrien und dem Nahen Osten: "Unabhängig von der genauen Ereigniskette steht es außer Frage, dass der Islamismus - und insbesondere seine dschihadistischen Strömungen - in der Region an Boden gewonnen hat. Die türkische Opposition, einschließlich der Linken, besteht darauf, dass dies ein amerikafreundlicher Islamismus ist. Doch die Schwankungen des Erdoğanismus selbst im Laufe der Jahre zeigen, dass es für den Westen Risiken birgt, wenn er auf diese Weise mit dem Feuer spielt. Die AKP war anfangs der Inbegriff eines amerikanisch geprägten Islams: Sie schien individuelle Freiheiten, Familienwerte und religiösen Konservatismus mit einer Betonung freier Märkte und einer prowestlichen Neuausrichtung im Nahen Osten zu verbinden. Im Laufe der Jahre setzte sie jedoch die individuellen Freiheiten immer mehr außer Kraft, während sie Märkte, Familie und Religion in den Dienst eines parteistaatlichen Entwicklungsmodells mit großen regionalen Ambitionen stellte, gelegentlich auf Kosten des amerikanischen Einflusses. ... Die größte Gefahr für den türkischen Imperialismus wäre die zunehmende Formalisierung der kurdischen Macht. Ein stabiler Frieden wird die Autonomie oder Unabhängigkeit der syrischen Kurden beinhalten müssen, die nun offiziell von den westlichen Staaten anerkannt wird. Für die Kurden selbst wären die Folgen dieser Formalisierung zweideutig. Sie wären nicht länger die Helden der globalen Linken, aber sie würden auch aus ihrer Isolation ausbrechen und ein 'normaler' Teil des zerfallenden internationalen Staatssystems werden. Die türkischen Kurden würden in der Zwischenzeit ihrem Schicksal überlassen, während sie gleichzeitig durch den Normalisierungsprozess in ihrem Süden ermutigt würden. Die AKP (zusammen mit ihrem neofaschistischen Partner, der MHP) hat dem inhaftierten Guerillaführer Öcalan zwar die Hand gereicht, kurz bevor HTS seine Aleppo-Kampagne startete, was viele Kommentatoren als Beweis dafür ansehen, dass die Türkei bereits von der Anti-Assad-Operation wusste. Doch die Regierung ließ auf diese Öffnung auch ein hartes Vorgehen gegen die legale kurdische Partei und gewählte Bürgermeister folgen, was darauf hindeutet, dass jede Einigung mit Öcalan zu den Bedingungen der Regierung erfolgen würde - und für die Bewegung als Ganzes große Verluste bedeuten würde."La vie des idees (Frankreich), 16.12.2024
HVG (Ungarn), 12.12.2024
Die junge Dokumentarfilmemacherin Izabella Mazzag wurde in Ungarn durch ihren Film über den aktuell erfolgreichsten Sänger und Songwriter Azahriah bekannt, drehte zuvor eine Dokumentation über Patientinnen, die mit Borderline diagnostiziert wurden. Im Interview mit Dóra Matalin spricht sie über die Beweggründe für ihre Filme: "Ich mache nicht gerne etwas, was alle zu sehr verstehen. Nicht, weil ich böse bin und den Leuten unverständliche Dinge aufdrängen will, sondern weil ich glaube, dass man nicht alles verstehen muss, manchmal reicht es, einfach nur zu fühlen. Wenn die Zuschauer meinen Film nicht ganz verstehen, sondern ihn einfach auf sich wirken lassen wollen, ist das für mich ein Erfolg. (...) Die Behandlung psychisch Kranker in Ungarn ist so schlecht, dass zum Beispiel viele Frauen mit Autismus falsch diagnostiziert werden. Das hat mich inspiriert, denn über dieses Thema wird in Ungarn kaum gesprochen, also wollte ich es angehen. Oder früher wurden Schwule verfolgt, deshalb hat sich niemand wirklich geoutet, wenn er schwul war. Bei den mentalen Problemen glaube ich nicht, dass es in der Generation Z mehr davon gibt, aber mehr von ihnen sprechen darüber. (...) Ich lebe und arbeite gerne in Ungarn, trotz der Situation, die wir hier haben und würde das Land nicht verlassen, aber mein Ziel ist es wohl, für einzelne Jobs ins Ausland zu gehen."Mediazona (Russland), 11.12.2024
Words without Borders (USA), 17.12.2024
Brahim El Guabli, der selbst Amazigh (Berber) ist (hier erklärt er, was dieser ethnische Hintergrund für ihn bedeutet), begrüßt den Aufschwung von Amazigh-Literatur in der Tamazight-Sprache, der ursprünglichen Sprache der Berber. Da die Imazighen (Plural von Amazigh) überwiegend eine mündliche Tradition haben, in der auch Literarisches weitergegeben wird, wurde die literarische Produktion von den Kolonialmächten und später durch einen arabisch-nationalistischen Diskurs weitgehend ignoriert, erklärt El Guabli: "Zumindest teilweise aufgrund der literarischen Dynamik, die Schriftsteller, die indigene oder 'kleinere' Sprachen sprechen, dazu ermutigt, lieber in Sprachen zu schreiben, die mehr Prestige und Geltung haben, zogen es die Imazighen vor, ihrer Ästhetik in anderen Schriftsprachen als ihrer eigenen Gestalt zu verleihen." Jedoch: "Der Akt des Verfassens von Literatur in Tamazight ist wichtig, weil er Amazighitude inszeniert. Im tiefen Bewusstsein des Kampfes, der erforderlich ist, um die Ressourcen für die Rehabilitation der bedrohten Amazigh-Sprache und -Kultur zu mobilisieren, hat Amazighitude einen literarischen Korpus hervorgebracht, der die gelehrte Literaturszene in ganz Tamazgha verändert hat. Angesichts der Dringlichkeit, ihre Sprache und Kultur vor den Übergriffen der Arabisierung und Gallisierung zu retten, konzentrierten die Amazigh-Intellektuellen ihre Bemühungen darauf, eine literarische Stimme in Tamazight zu etablieren, die zum Synonym für ihre Existenz wurde." Die Hinwendung zur Literatur in geschriebenem Tamazight wurde "weder als Ersatz für die bestehende mündliche Tradition noch gegen die mehrsprachige Literatur der Imazighen in anderen Sprachen konzipiert. Die Mündlichkeit bleibt ein Grundpfeiler der alltäglichen Kunst der Amazigh. Die poetischen Wettstreite der inḍḍāmn (mündliche Dichter), die die Tradition des spontanen Verfassens von Gedichten aufrechterhalten, prägen weiterhin die Wertschätzung des Publikums für poetische Worte, die sowohl Bedeutung als auch sprachliche Schönheit enthalten. Traditionelle Märchen dienen den Amazigh-Kindern nach wie vor als wichtigstes Mittel, um ihre Fähigkeiten im Erzählen von Geschichten zu schulen. Auch die Entwicklung hin zu einer schriftlichen Literatur ging mit dem Fortbestehen einer mehrsprachigen amazighischen Literatur in Arabisch und Französisch sowie Spanisch und Niederländisch einher, ohne dass dies zu deren Nachteil war. Obwohl sie in anderen Sprachen als Tamazight verfasst ist, haben die Lebenswelt der Amazigh, ihre Mythen, Sorgen, Ängste und existenziellen Fragen ihren Weg in diese Texte in anderen von den Imazighen bewohnten Sprachen gefunden und eine mehrsprachige literarische Tradition geschaffen, die 'in Zungen spricht'."Meduza (Lettland), 13.12.2024
In der Sowjetunion wurde HIV zuerst totgeschwiegen, nur langsam begriff die politische Führung, dass es sich bei dem Virus nicht um eine "westliche" Waffe handelte, erklären die Historikerin Irina Roldugina und die Kulturwissenschaftlerin Katerina Suwerina, die zu dem Thema das Buch "The Outbreak" veröffentlicht haben, im Interview. In den 1980er-Jahren hatten die meisten Menschen sowieso den Glauben an die Sowjetunion verloren, erklärt Roldugina. "Einige behaupteten, HIV sei ein künstliches Virus, das in den Kellerlabors des Pentagon geschaffen wurde. Andere bestanden darauf, dass es nur für Homosexuelle, Drogenkonsumenten und 'prostituierte Frauen' gefährlich sei. Es hieß, bei uns gäbe es keine sexuelle Promiskuität wie im Westen, so dass das Virus keine Bedrohung für uns darstelle. Aus Briefen an Zeitungen und Behörden geht jedoch hervor, dass die sowjetischen Bürger dies nicht glaubten. Viele hatten bereits aufgehört, die sowjetischen Medien als vertrauenswürdige Informationsquelle zu betrachten. Das monolithische Propagandasystem zerbröckelte vor ihren Augen. Natürlich haben auch Perestroika und Glasnost ihren Teil dazu beigetragen. In den USA betrachtete man HIV zunächst als ein Problem, das nur Randgruppen ohne Zugang zur Gesundheitsversorgung betraf; die Wohlhabenderen in der Gesellschaft hatten angeblich nichts zu befürchten. Doch in der sozialistischen UdSSR mit ihrem allgemein zugänglichen Gesundheitssystem galt der Grundsatz: 'Die Gesundheit eines jeden ist die Gesundheit aller'. Wie sollte es auch anders sein, wenn Ärzte dieselbe Spritze bei einem Kind, einer älteren Frau und dann bei den örtlichen Parteibonzen verwenden? (Anmerkung der Redaktion: Um den Mangel an medizinischem Einwegmaterial noch in den späten 1980er Jahren zu bekämpfen, wurden in sowjetischen Kliniken und Krankenhäusern wiederverwendbare Nadeln, Katheter und intravenöse Infusionssysteme eingesetzt). Wenn die Menschen also [von den Behörden] hörten, dass HIV sie nicht betraf, wussten sie es besser. Sie verstanden, dass HIV jeden betrifft. 1987 wurde dann endlich das inoffizielle Verbot aufgehoben, in der sowjetischen Presse über HIV zu sprechen."Aljazeera (Qatar), 17.12.2024
Dem mexikanischen Keramiker Luis May Ku ist es zum ersten Mal seit zweihundert Jahren gelungen, das authentische "Maya-Blau" herzustellen, ein Farbpigment, das für Wandmalereien und Opferrituale verwendet wurde, berichet Mark Viales. Lange Zeit waren blaue Farbpigmente ein sehr kostbares Gut: "Nur eine Handvoll blauer Pigmente, wie Lapislazuli oder Ägyptisch Blau, wurden von alten Zivilisationen hergestellt. Dabei handelte es sich jedoch überwiegend um Farbstoffe oder Mineralien, während Maya-Blau eine chemische Kombination aus organischen und anorganischen Substanzen ist. Bevor synthetische Versionen des blauen Pigments aufkamen, war die Farbe äußerst selten und in Europa oft teurer als Gold. Der Halbedelstein Lapislazuli stammt aus den Bergen Afghanistans und war nur für die Reichen zugänglich. Doch in der Neuen Welt war das blaue Pigment reichlich vorhanden." Die Spanischen Kolonialisten verbreiteten und kontrollierten den kostbaren Farbstoff bis zur Zeit der industriellen Revolution, als synthetische Farben hergestellt werden konnten, erklärt Viales. Das Wissen um die Herstellung von Maya-Blau ging danach verloren - bis jetzt: "'In Coba war es uns gelungen, einen blauen Farbton aus der Indigo-Pflanze (auf Maya 'Ch'oj') zu extrahieren, aber das fehlende Teil fand ich erst in meinem Labor [einem freien Raum, den er umgebaut hatte, um seine Mischungen zu testen] zu Hause in Dzan und mithilfe eines von mir gebauten Lehmofens, der den traditionellen Töpferöfen in Ticul ähnelte', erzählt May. 'Ich versuchte, Ch'oj einzufrieren, ihn verrotten zu lassen - es gab viele Fehlversuche, bis ich den Code endlich geknackt hatte.' Doch dann kam der Moment, als May beobachtete, wie sich die Farbe von sanftem Blau zu leuchtendem Türkis veränderte. Er wiederholte den Vorgang und erzeugte jedes Mal den gleichen Farbton. Es war ihm gelungen, die schwer fassbare Farbe nachzubilden." Am 9. Januar 2023 "gab May in den sozialen Medien bekannt, dass Forscher in Italien und Mexiko seine Formel bestätigt hätten. Es war das erste Mal seit fast zwei Jahrhunderten, dass die Welt Maya-Blau sah, das mit traditionellen Methoden in Yucatan hergestellt wurde."New York Times (USA), 10.12.2024
I-D (Großbritannien), 04.12.2024
Paul Schrader grantelt auch im zusehends hohen Alter weiter - produktiv ist der New-Hollywood-Titan (nach einer Phase mit deutlich weniger Produktionen in den Neunziger- und Nullerjahren) seit knapp über zehn Jahren wie selten zuvor und das stets am Rande von Hollywood, wo seine vom Autorenfilm her gedachten Filme im Zeitalter von Strampelhosenhelden-Franchises nicht mehr gefragt sind. Im Gespräch erinnert er sich an unschöne Auseinandersetzungen um seinen Thriller "Dying of the Light" mit Nicolas Cage von 2014: "Mir wurde klar, dass ich das Thema des Film" - Demenz - "nicht richtig zu fassen bekommen hatte. Das war eines der Probleme, die ich mit der Schnittfassung des Films hatte: Ich glaubte, nicht weit genug gegangen zu sein. Also ging ich zu den Produzenten und bat um weitere Drehtage. Da sagten sie mir - und an diesem Punkt schlug ich mich mit Hedgefonds-Investoren rum, nicht mit Studio-Typen - dass ich doch schon diesen Actionfilm mit Nicolas Cage gedreht habe, dass ich im Budget geblieben war und fünf gute Actionszenen reingepackt habe und dass sie mit 17 Prozent Profit rechneten. ... 'Warum sollten wir zusätzliche Drehtage bezahlen? Dann holen wir ja weniger als 17 Prozent raus!' Das war der Moment, als mir klar wurde, dass der alte unausgesprochene Vertrag zwischen Künstlern und Studios in Trümmern lag. Als ich damals anfing, musste man um die finale Schnittfassung nicht wirklich kämpfen, weil man mit Leuten zusammenarbeitete, die Filme verstanden und die Filme mochten und jene Sorte Filme produzieren wollten, die ihnen gefiel. Man drehte den Film, hatte unterschiedliche Meinungen, man diskutierte es aus. Manchmal macht das den Film besser, manchmal schlechter, aber das ist halt der Lauf der Dinge. Dann änderte sich da etwas, das Studiosystem brach zusammen. Damit kam das Aktienkapital ins Spiel. Diese Leute haben zu Filmen kein ausgeprägtes Verhältnis, aber was noch schwerer wiegt: Sie sehen sie sich auch nicht wirklich an. Da verstand ich, dass ich den finalen Cut halten musste, dass der Tag gekommen war. Ich nutzte Nic, um das bei meinem nächsten Film, 'Dog Eat Dog' durchzusetzen. 'Sag ihnen, dass Du nicht mit Paul Schrader zusammenarbeiten kannst, solange er nicht über den finalen Cut bestimmen kann.' Und das funktionierte. Nachdem wir fertig waren, wollten sie,dass ich das Ende ändere, weil es ihnen nicht gefiel, dass Nic diese Humphrey-Bogart-Nummer abzieht. Sie fragten, ob ich denn wohl einen alternativen Schluss gedreht hätte und ich sagte ihnen, nein, das hätte ich wohl nicht. Sie sagten mir, dass sei nicht hinnehmbar, da sagte ich ihnen: "Aber ihr habt da was vergessen. Ihr habt nur das Recht auf letzte Anmerkungen. Der Endschnitt gehört mir.'"Hospodarske noviny (Tschechien), 13.12.2024
Elet es Irodalom (Ungarn), 13.12.2024
Der Publizist János Széky denkt über die Unterschiede von Demokratien und Autokratien nach und über die derzeit so populäre "Friedenspolitik" gegenüber Russland: "Da ist zum Beispiel die allgegenwärtige falsche Friedenspropaganda. Wir nehmen sie hin, wir sind an sie gewöhnt, obwohl uns sie erniedrigt und demütigt. Wir erkennen nicht an, dass sie gegen uns gerichtet ist. Es gibt keine Proteste, keine feurige Rhetorik dagegen. Beflügelt von Trumps ersten einschlägigen Reden und persönlichen Entscheidungen hielten es die russischen Staatsmedien am 28. November für angebracht, uns an Putins Friedensbedingungen vom Juni zu erinnern ... Dies würde die brutale Verstümmelung und militärische Wehrlosigkeit unseres Nachbarlandes bedeuten, das Ende seiner Souveränität (so wie das Münchener 'Friedens'-Abkommen nach einigen Monaten Verzögerung das Ende der Tschechoslowakei bedeutete). ... Orbán muss das gewusst haben, und trotzdem überzog er das Land mit seinen Plakaten und seinen Texten mit dem Stichwort #Frieden. Die Propaganda war ein spektakulärer Erfolg, Ungarn hebt sich in Europa dadurch ab, dass die Mehrheit meint, Putin habe Recht, während die Minderheit dies als eine Gegebenheit hinnimmt, an der man nicht rütteln darf, um das hehre Ziel zu erreichen, Orbán zu besiegen - und nicht als Argument gegen ein System ohne jede Moral und eine miserable Regierungsführung."New York Magazine (USA), 17.12.2024
Als wäre MAGA nicht genug, gibt es nun auch noch MAHA: Make America Healthy Again. Robert F. Kennedy, den Trump als nächsten Gesundheitsminister der USA nominiert hat, ist zum Anführer einer Bewegung geworden, die rechts wie links Anhänger findet. Was sie eint, ist Elitenkritik und eine Nähe zu verschwörungstheoretischem Denken, erläutert Simon van Zuylen-Wood: "Die MAHA-Skepsis gegenüber der modernen Ära, mit all ihren technologischen und chemischen Störungen, erstreckt sich über das gesamte politische Spektrum. Es gibt das seltsame, überdrehte Ökosystem rechter Bodybuilder und neo-agrarischer Online-Persönlichkeiten wie die 'Raw Egg Nationalist', die sich ebenso um ökologische Zerstörung wie um sinkende Fruchtbarkeit sorgen - Probleme, die sie mit der Verbreitung von Mikroplastik oder endokrin wirksamen Chemikalien, bekannt als Umweltöstrogene, in Verbindung bringen. Diese Bedenken teilen auch Epidemiologen, Verfechter von Reproduktionsrechten und 'Mommy-Blogger'. Selbst wenn man die vermeintlichen politischen Motive Luigi Mangiones, des mutmaßlichen Mörders des UnitedHealthcare-CEOs, außer Acht lässt, deuten einige seiner Online-Schriften auf eine MAHA-ähnliche Angst hin, dass die Kräfte des modernen Lebens unsere biologischen Rhythmen stören und die 'natürliche menschliche Interaktion' in Bereichen wie Sexualität und körperlicher Fitness behindern. 'Das evolutionäre Missverhältnis zwischen dem Homo sapiens und seiner Lebensumgebung im 21. Jahrhunderts ist unermesslich groß', schrieb er. In ihrer düstersten Form haben diese Bedenken eine gewisse Ähnlichkeit mit der Kritik des Unabombers am industriellen Zeitalter - Mangione rezensierte Ted Kaczynskis Manifest online - doch sie werden auch von populären zeitgenössischen Figuren wie Joe Rogan und RFK Jr. geteilt. Beide sind Fitness-Enthusiasten und Outdoor-Fans, die argumentieren, dass Big Pharma und die Agrarindustrie unsere Verbindung nicht nur zur Umwelt und zur Nahrungsversorgung untergraben, sondern auch zu uns selbst, indem sie unzählige chemische Unregelmäßigkeiten in unseren Körpern hervorrufen."
Kommentieren



