Magazinrundschau

Michael Caine: Magnetismus, Charisma, Sprezzatura

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.
11.09.2007. Der New Yorker geht daran, die amerikanische Niederlage im Irak zu planen. Le Monde diskutiert Rechte für Roboter. Al Hayat geißelt fehlende Transparenz und Autoritarismus in Arabien. In Literaturen betrachtet Andrzej Stasiuk das derzeit aufgeführte Drama des Polentums. In Przekroj erklärt Zadie Smith, wie man Pole wird. Figyelö beklagt die ungenießbare Mittelklasse von Ungarns Wein und Gesellschaft. Der Spectator reist nach Radschastan, das in seiner Ödnis vor allem Milliardäre hervorbringt. In ADN wird Javier Marias von einer Hellseherin verfolgt. Die Weltwoche sucht den Beweis für die Collatz-Vermutung. Trouw rätselt über Taliban Fritz und Guerillera Tanja. Il Foglio isst Kuttelsuppe in Istanbul. Und das TLS fragt, woher Charisma und Sprezzatura kommen: Wird es einem zugeworfen?

New Yorker (USA), 17.09.2007

Unter der Überschrift "Die Niederlage planen" beschäftigt sich George Packer mit der Frage, wie und wann sich die US-Armee aus dem Irak zurückziehen könnte. Das Scheitern einer die verfeindeten Seiten versöhnenden Politik sei nicht alleine den Irakern anzulasten und entlasse die Vereinigten Staaten nicht aus der Verantwortung. "Vielmehr erheben sich eine Reihe neuer moralischer und strategischer Fragen, die auf ihre Weise viel schmerzlicher sind als in jeder anderen Phase des Krieges. Sich diesen Fragen zu stellen, verlangt von der amerikanischen Führung, zu tun, was sie bisher versäumt hat: über die nächsten drei oder sechs Monate hinaus auf die nächsten zwei oder drei Jahre zu blicken. Was können wir tun, den Schaden zu begrenzen, den wir hinterlassen, wenn sich Amerika auf den unausweichlichen Abzug vorbereitet, nicht nur für den Irak, sondern für uns selbst? Amtsträger im Weißen Haus sind entschlossen, den Vorstoß als dramatische Wendung des Kriegs zu präsentieren - als könnte der Krieg noch gewonnen werden."

Ryan Lizza schreibt über Hillary Clinton, die sich für ihre Politik aus dem politischen Vermächtnis ihres Mannes herauspickt, was sie braucht. Zu lesen sind außerdem die Erzählung "Mr. Bones" von Paul Theroux und Lyrik von Les Murray und Joni Mitchell.

David Owen stellt eine Geschichte des Bridge-Spiels vor: "The Backwash Squeeze & Other Improbable Feats". Jill Lepore bespricht eine Studie über den ersten Präsidenschaftswahlkampf der USA: "A Magnificent Catastrophe". Und Anthony Lane sah im Kino den Thriller "Eastern Promises" von David Cronenberg und den Dokumentarfilm "In the Shadow of the Moon" des Briten David Sington über die Apollo-Missionen der Nasa.

Und noch ein Artikel über das Rätsel Schreibabys und ein Porträt der im vergangenen Jahr gestorbenen britischen Pianistin Joyce Hatto.
Archiv: New Yorker

Le Monde (Frankreich), 10.09.2007

Sollen Roboter angesichts ihrer künstlichen Intelligenz auch Rechte haben? Mit dieser Frage, weiß Le Monde, beschäftigen sich diverse wissenschaftliche Projekte, aber auch Verbände in Roboter herstellenden Ländern. Während man in England über Wahlrecht und Steuerpflicht von Maschinenhelfern und in Amerika über eine mögliche Gleichstellung mit Tieren nachdenkt, hat man in Japan ein eher pragmatisches und wenig von ethischen Überlegungen geprägtes Verständnis. In Südkorea wiederum, dem größten Rivalen der Japaner auf dem Robotermarkt, soll noch in diesem Jahr ein "Ethikkatalog für Roboter" abgefasst werden. "Der Text lehnt sich an Prinzipien an, die der Science-Fiction-Autor Isaac Asimov formuliert hat. Roboter dürfen sich nicht an Menschen vergreifen oder Menschen Schmerzen zufügen tun. Roboter müssen Menschen gehorchen, solange es nicht gegen die erste Regel verstößt. Roboter müssen für deren Schutz sorgen, sofern es nicht gegen die anderen Regeln verstößt."
Archiv: Le Monde