Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag

September 2025

Ohne Sündenböcke überleben?

30.09.2025. René Girard ist der Denker der Stunde, insistieren Salmagundi und The Point - aber nicht weil Peter Thiel ihn liest. Die London Review, HVG, Respekt, Elet es Irodalom, der New Statesman und der New Yorker machen sich alle Sorgen um die Meinungsfreiheit, fragen sich aber auch, wo ihre Grenzen sind. New Lines stellt das Musiklabel "Baidaphon" vor, das zwischen den Weltkriegen in Berlin hunderte Platten von Musikern aus dem Nahen und Mittleren Osten produzierte. Der Rolling Stone porträtiert den Rasputin am Trumpschen Hof. La Regle du jeu lernt Emmanuel Carreres Mutter kennen, Frankreichs berühmteste Russlandexpertin und Putin-Freundin Hélène Carrère d'Encausse.

Entgrenzt und losgelassen

23.09.2025. In Atlantic erklärt Jill Lepore die Rechtsidee des Originalismus, der die US-Verfassung für unveränderbar erklärt - ähnlich wie Islamisten den Koran. Die LRB findet die intellektuellen Wurzeln des Trumpismus im Paläolibertarismus eines Murray Rothbard. Le Grand Continent entdeckt das neueste Instrument des Priestertrugs. In Irozhlas spricht Agnieza Holland über ihren neuen Film "Franz" (Kafka). In Public Books erklärt der Südamerika-Historiker Greg Grandin einen wesentlichen Unterschied zwischen den USA und Lateinamerika. Quietus huldigt Kate Bush.

Ein Funke der Form

15.09.2025. Périphéria gewinnt derzeit gegen Metropolia - und das ist auch gut so, meint im New Statesman der französische Geograf Christophe Guilluy. Wir erleben gerade die letzten Tage der sozialen Medien, prophezeit Noema. The Atlantic nimmt die Antisemiten im Trumplager unter die Lupe. New Lines erklärt, warum es so schwierig ist, den sambischen Präsidenten Edgar Lungu zu beerdigen. Der New Yorker kann sich nicht entschließen, ob er Uniqlo billigen soll. Das Comic Journal erzählt, wie sich japanische und europäische Künstler gegenseitig beeinflussten.

Die Schönheit von Orpiment

09.09.2025. The Ideas Letter lotet den immer geringeren Spielraum chinesischer Medien aus - dazu passt Anne Applebaums Essay im Atlantic über die Schleifung von Medien wie Radio Free Europe durch die Trump-Regierung. Atlantic lässt sich außerdem vom amerikanischen Rechtsintellektuellen Mike Solana seine Vorstellung von effizienter Politik darlegen. Emergence hat offene Augen für die hässlichste Farbe der Welt: "Opaque couché", aber auch für alle anderen Farben. Das tschechische Literaturmagazin Tvar widmet sein aktuelles Heft der unabhängigen russischen Literatur. Die LRB lernt in El Salvador, wie ein moderner Gefängnisstaat aussieht.

Dante tat es schließlich auch

02.09.2025. Das Smithsonian Magazine begutachtet Cormac McCarthys riesige Bibliothek und seine Geschirr-Schnäppchen. New Lines staunt über Deep Fakes von afrikanischen Staatsoberhäuptern, die zwar nicht gewählt wurden, aber populäre Sprüche klopfen können. Die belarusische Oppositionelle Natalja Dulina glaubt in Osteuropa nicht an lautere Motive für ihre Freilassung. Die London Review freut sich, dass Boccaccio gern für Frauen schrieb. In der Israel Law Review beklagt der Völkerrechtler Avraham Russell Shalev, dass sich niemand für den Völkermord in Israel interessiert.