Magazinrundschau - Archiv

The Guardian

447 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 45

Magazinrundschau vom 14.04.2026 - Guardian

Das britische Universitätswesen ist inzwischen krass unterfinanziert, was an fehlenden staatlichen Investitionen und vergleichsweise niedrigen Studiengebüren für britische Studenten liegt. Damit nicht alles zusammenbricht, setzen Universitäten seit geraumer Zeit auf ausländische Studenten vor allem aus Indien, China und Nigeria, berichtet Samira Shackle. Gleichzeitig allerdings versucht die Politik, Migration zu erschweren, was dazu führt, dass die meisten internationalen Studenten keine Chance haben, nach dem Abschluss im Land einen Job zu finden. Außerdem ist ein System von Bildungsagenturen entstanden, die im Auftrag der Universitäten gezielt potentielle ausländische Studenten anwerben - mit oft fragwürdigen Methoden. Shackle unterhält sich unter anderem mit Priya Kapoor, einer ehemaligen Mitarbeiterin einer dieser Agenturen: "Als die Fristen im Januar näher rückten, schrieb Kapoor bis zu 20 Bewerbungen pro Tag. Sie musste Prioritäten setzen. Je besser die Universität, desto mehr Zeit nahm sie sich. Als Faustregel galt: Für Bewerbungen an Universitäten der Russell Group nahm sie sich etwa eine halbe Stunde. Die niedriger eingestuften Universitäten, die den Großteil von Kapoors Arbeitsaufwand ausmachten, erhielten im Durchschnitt jeweils 15 Minuten ihrer Zeit. 'Einige von ihnen waren nicht die besten, aber das spielte keine Rolle, weil wir wussten, dass die Kandidaten durchkommen würden', sagte sie. ... Mit der Zeit fühlte sich Kapoor in ihrer Rolle in diesem System immer schlechter. 'Ich wusste, wenn ich an 100 Bewerbungen arbeitete, würden 98 davon den Bewerbern in ihrem Leben nicht helfen', sagte sie. 'Ich meine, ich bin aufgewacht und habe angefangen zu lügen, dann bin ich lügend eingeschlafen, und ich bin nur aufgewacht, um wieder zu lügen.'"

Magazinrundschau vom 30.03.2026 - Guardian

Ist es möglich, die bekannteste Person eines Landes unsichtbar zu machen? Pakistanische Behörden versuchen das laut Osman Samiuddin seit einigen Jahren mit Imran Khan, ehemals größter Cricket-Star des Landes und zwischen 2018 und 2022 Premierminister. 2023 wurde er verhaftet, es laufen diverse Verfahren gegen ihn, angestrengt von seinen Gegnern in der militärischen Führungselite des Landes. Khan ist kein Unschuldslamm, stellt Samiuddin klar, sondern ein Social-Media-affiner Populist im Trump-Stil. Die derzeitige Kampagne gegen ihn bleibt gleichwohl absurd. Die Medien sind angehalten, den Namen "Imran Khan" nicht mehr zu verwenden. Ein Zensurexzess, der merkwürdige Blüten treibt: "Ein bekannter Moderator bei ARY News verwendete Imrans Namen und korrigierte sich dann sofort mit den Worten: 'Ich entschuldige mich … der Vorsitzende von Pakistan Tehreek-e-Insaf.' Derselbe Sender machte Imran auf einem Foto unkenntlich, das ihn bei einem Treffen mit IWF-Vertretern zeigte. Die absurdeste Verrenkung kam von Imrans früherem Arbeitgeber, dem Pakistan Cricket Board (PCB). Als sie ein Video veröffentlichten, das Pakistans größte Cricket-Erfolge feierte - darunter Aufnahmen der Mannschaft, die Imran 1992 zum Weltmeistertitel führte - war Imran vollständig herausgeschnitten worden, und zwar auf Anweisung des PCB-Vorsitzenden (eines politischen Ernannten). Zaka Ashraf handelte dabei laut einem PCB-Mitarbeiter, mit dem ich gesprochen habe, nicht auf direkte Anweisungen von oben. Er habe einfach die Stimmung erkannt und gedacht, dass dies das zweckmäßigste Vorgehen sei. Nach heftiger Kritik sah sich der Verband gezwungen, eine überarbeitete Version zu veröffentlichen, in der Imran kurzzeitig wieder zu sehen war. 'Aufgrund der Länge', erklärten sie, 'wurde das Video gekürzt, und einige wichtige Szenen fehlten.'"
Stichwörter: Khan, Imran, Pakistan

Magazinrundschau vom 24.03.2026 - Guardian

Chang Che besucht eine Reihe chinesischer Unternehmer im Bereich der Roboterindustrie - eine mit hoher Geschwindigkeit wachsende Branche im Land. Unter anderem geht es im Text um die Frage, wie die beiden weltweit führenden Tech-Länder, China und die USA, sich voneinander unterscheiden: "Eine Art, über die humanoide Robotikindustrie in den USA und China nachzudenken, ist, sie als ein Spektrum zu betrachten. Am einen Ende steht der universell einsetzbare Humanoid - die Science-Fiction-Vorstellung einer Maschine, die alles tun kann, was ein Mensch kann. Am anderen Ende befindet sich ein Roboter, der darauf trainiert ist, eine einzige Aufgabe extrem gut zu erfüllen und dafür Vielseitigkeit zugunsten kommerzieller Zuverlässigkeit opfert. Aus verschiedensten Gründen - dem Druck zur Kommerzialisierung, der Anziehungskraft staatlicher Aufträge sowie dem intensiven Wettbewerb, der Differenzierung und Profit über Forschung stellt - werden Unternehmen in China eher zur pragmatischeren Seite hingezogen. Die großen amerikanischen Technologiekonzerne hingegen, abgeschirmt durch mehr Risikokapital und geringeren kommerziellen Druck, zielen eher auf den 'heiligen Gral'. Eine plausible Zukunft ist daher, dass die USA die Technologie in Richtung eines allgemeinen humanoiden Roboters vorantreiben, während China die Welt mit günstigen, zuverlässigen Robotern versorgt, die jeweils eine Aufgabe sehr gut erfüllen. Die USA könnten irgendwann einen einzigen Roboter hervorbringen, der deinen Rasen mäht, mit deinem Hund spazieren geht und auf deine Kinder aufpasst. Doch während du darauf wartest, kannst du genauso gut drei chinesische kaufen, die jeweils eine Aufgabe erledigen - zu einem Bruchteil des Preises."
Stichwörter: Roboter, Robotertechnik

Magazinrundschau vom 10.03.2026 - Guardian

Anas El Gomati porträtiert Khalifa Haftar, den starken Mann Lybiens. Eines Landes mithin, in dem seit über zehn Jahren zwei Regierungen existieren, die beide die Souveränität über das gesamte Land für sich beanspruchen. Wirklich souverän ist jedoch nur einer, den niemand gewählt und der keinen offiziellen Titel hat - eben Khalifa Haftar, der sich in der Vergangenheit mal mit Ghaddafi, mal mit der CIA zusammentat, inzwischen jedoch auf eigene Rechnung arbeitet. Es sind seine Streitkräfte, die die Ölreserven des Landes und beide Regierungen kontrollieren: "Seit mehr als einem Jahrzehnt, während Libyens Politiker um diplomatische Anerkennung stritten, veränderte Haftar die Realität vor Ort: Er sammelte das Öl, das Territorium und die ausländischen Unterstützer, die echte Macht ausmachen. Er behauptet, ein Diener der östlichen Regierung zu sein - doch es ist eine Regierung, deren Minister von ihm gebilligt werden, deren Parlament von seinen Soldaten umstellt ist und deren Gesetze nur gelten, wenn er es erlaubt. Unterdessen überlebt die rivalisierende Regierung in Tripolis von Öleinnahmen und Infrastruktur, die durch Gebiete verlaufen, über die er die volle Kontrolle hat. Beide Regierungen sind offiziell für alles verantwortlich, doch keine hat Macht über irgendetwas Wesentliches. Das ist Haftars System: alles kontrollieren was zählt, für nichts verantwortlich sein und alle dazu zwingen, so zu tun, als existiere diese Ordnung nicht. Dieses System wird von außen durch ausländische Mächte gestützt und im Inneren durch erzwungenes Schweigen zusammengehalten. Ägypten, Russland und die Vereinigten Arabischen Emirate erkennen offiziell die Regierung in Tripolis an. In der Praxis jedoch unterstützen sie Haftar. Die VAE finanzieren seine Operationen und liefern die Waffen, die seine Autorität durchsetzen. Ägypten stellt Geheimdienstinformationen bereit und lässt ihn einen Militärstützpunkt auf ägyptischem Territorium nutzen. Russland liefert Söldner, die seine Ölfelder bewachen und seine Kriege führen."
Stichwörter: Libyen, Haftar, Khalifa

Magazinrundschau vom 17.02.2026 - Guardian

Die Archäologie befindet sich derzeit in einem rapiden Umbruch, beobachtet Marcus Haraldsson: "Verbesserte DNA-Analysen, Fortschritte in der Pflanzen- und Klimaforschung, Boden- und Isotopenchemie, Linguistik sowie andere Techniken wie eine Laser-Kartierungstechnologie namens Lidar stellen lange gehegte Annahmen auf den Kopf." Bestes Beispiel dafür: die Forschung über die Maya. "Im vergangenen Jahr veröffentlichte das Team von Francisco Estrada-Belli, zu dem auch sein Kollege von der Tulane University, Marcello A. Canuto, gehört, eine Studie mit einem zentralen Ergebnis, das noch vor wenigen Jahren als abwegig spekulative Übertreibung gegolten hätte. Als Estrada-Belli als Kind erstmals nach Tikal kam, lag die beste Schätzung für die Bevölkerung der Maya-Tiefländer - eine Region, die das heutige Südmexiko, Belize und Nordguatemala umfasst - in der klassischen Periode (600-900 n. Chr.) bei etwa 2 Millionen Menschen. Heute geht sein Team davon aus, dass in dieser Region bis zu 16 Millionen Menschen lebten. Das ist mehr als das Fünffache der heutigen Bevölkerung des Gebiets. Das würde bedeuten, dass in den Maya-Tiefländern der klassischen Zeit mehr Menschen lebten als auf der italienischen Halbinsel auf dem Höhepunkt des Römischen Reiches - und das alles auf einer Fläche, die nur etwa ein Drittel so groß war. Ein Vergleich zwischen den klassischen Maya und dem antiken Rom ist auch in anderer Hinsicht aufschlussreich. Einige Maya-Städte wurden Jahrhunderte vor der Gründung Roms errichtet und verfügten über deutlich größere Bauwerke, die bis heute erhalten sind. Beide Kulturen entwickelten hochentwickelte Astronomie, Mathematik, Schrift und Landwirtschaft sowie komplexe Handelsnetzwerke über weitläufige, kosmopolitische Räume hinweg. Die Ruinen Roms liegen heute unter einer pulsierenden Weltstadt, in der einige der prominentesten Elitefamilien behaupten, ihre Abstammung direkt bis in die Antike zurückverfolgen zu können. Viele Maya-Ruinen hingegen sind inzwischen von mehr als 1.000 Jahren tropischem Regenwald überwuchert, während die Nachfahren der Menschen, die diese Städte erbauten, heute zu den ärmsten Bevölkerungsgruppen der Erde zählen."
Stichwörter: Archäologie, Maya

Magazinrundschau vom 26.01.2026 - Guardian

Ghait Abdul-Ahad besucht im Norden Syriens das nach langen Jahren des Bürgerkriegs weitgehend zerstörte Aleppo und unterhält sich mit einigen Bewohnern, die versuchen, die Stadt wieder einigermaßen in Stand zu setzen. Es sind, lesen wir, nicht nur unzählige historische Gebäude vernichtet worden in Aleppo; vor allem sind die Versuche, eine eigenständige, multiethnische Stadtkultur mitsamt über die Jahrhunderte gewachsenen sozialen Strukturen zu erhalten, vorläufig krachend gescheitert. Was genau ist dabei verloren gegangen? "Vor dem Bürgerkrieg blieb Aleppo jahrzehntelang von vielen der ideologischen Auseinandersetzungen, die Syrien erschütterten, weitgehend unberührt. Ein bemerkenswerter Akt des Widerstands ereignete sich, als die Altstadt durch einen städtebaulichen Modernisierungsplan bedroht wurde, der ganze historische Viertel zerstört hätte. Trotz Repressionen von Seiten des baathistischen Regimes leisteten die Bewohner Aleppos erfolgreich Widerstand gegen das Projekt und erreichten in den 1980er-Jahren die Anerkennung der Altstadt als UNESCO-Weltkulturerbe. Mehr als jede andere Stadt im Nahen Osten vermochte Aleppo seine historische Identität bis in die Moderne hinein zu bewahren - nicht nur durch den Schutz alter Gebäude und Artefakte, sondern auch dadurch, dass die Altstadt als lebendiger wirtschaftlicher und sozialer Organismus erhalten blieb, in dem traditionelle Handwerke weiterhin in den alten Werkstätten ausgeübt wurden. Die Altstadt und ihr berühmter al-Madina-Suk - der größte überdachte Markt der Welt - blieben das Herz des unternehmerischen Lebens der Stadt, gruppiert um ihre alten Khans. Diese zwei- oder dreigeschossigen Gebäudekomplexe mit Räumen um einen zentralen Innenhof boten Händlern, Pilgern und Reisenden Rastplätze, Stallungen für ihre Tiere, Lagerräume für Waren und Orte für den Handel."

Magazinrundschau vom 13.01.2026 - Guardian

Wenig Erbauliches hat Charlotte Higgins über die Smithsonian Institution in der Trump-Ära zu berichten. Das der amerikanischen Geschichte gewidmete Museum ist zu einer neuen Zielscheibe des Präsidenten im Kampf gegen "woke" geworden. Mit viel Gegenwind muss er nicht rechnen. Die Direktorin Kim Sajet ist er schon losgeworden - einer widerrechtliche "Kündigung" via Social Media folgte, aufgrund wachsenden Drucks von allen Seiten, der Rücktritt. (Sie ist jetzt Leiterin des Milwaukee Art Museums). Die verbliebenen Mitarbeiter versuchen alles, um aus der Schusslinie der Trumpisten zu bleiben: "Mitunter nimmt die Selbstzensur schon fast tragikomische Züge an. Ein Mitarbeiter des Smithsonian hatte das Wort 'Diversity' aus Texten entfernt und durch das Synonym 'Variety' ersetzt. 'Diversity' war schließlich ein Wort, das garantiert den Zorn des Trump-Umfelds auf sich gezogen hätte, weil es mit DEI-Programmen in Verbindung gebracht wird. In diesem speziellen Fall wurde 'Diversity' jedoch in einem streng wissenschaftlichen Kontext verwendet: der 'Diversity' astronomischer Objekte. Dennoch war der Mitarbeiter besorgt, dass das Wort bei Suchläufen der Regierung durch Museumstexte auftauchen könnte. Da erschien es besser, den Blick abzulenken. Manche beginnt die Selbstzensur - man könnte auch sagen: der vorauseilende Gehorsam - zunehmend zu frustrieren. 'Ich denke, Mut ist ansteckend', sagte mir ein Kurator. 'Wenn eine große Institution wie die Smithsonian, die so viel Einfluss und Macht hat, sichtbar Stellung beziehen würde, denke ich, würden andere Institutionen nachziehen. Aber so, wie es dem Personal vermittelt wird, heißt es: Nun ja, wenn CIA und FBI nicht gegen Trump aufstehen können, was sollen wir dann tun?' Steven Nelson, ehemaliger leitender Mitarbeiter der National Gallery of Art, brachte es noch deutlicher auf den Punkt: 'Die Regierung muss gar nichts tun, die Institutionen erledigen alles für sie.'"

Magazinrundschau vom 06.01.2026 - Guardian

Susanna Rustin erinnert an die Feministinnen der Zweiten Welle, die in Großbritannien in den 1960er und 1970er Jahren gegen Benachteiligung von Frauen vor allem am Arbeitsplatz kämpften - und maßgeblich dafür verantwortlich waren, dass 1975 der Sex Discrimination Act in Kraft trat, ein Meilenstein in Sachen Gleichberechtigung. Doch obwohl kaum jemand die immense Bedeutung dieses Gesetzes infrage stellt, haben diejenigen, die es erkämpften, heutzutage nicht den besten Ruf. "Feministinnen der 1970er Jahre wurden später für ihren zu engen thematischen Fokus und die privilegierte soziale Stellung ihrer Vertreterinnen kritisiert, wobei 'Women in Media' als ein exemplarisches Beispiel gelten könnte. Mary Kenny erinnert sich, dass sie die Treffen 'ein bisschen bürgerlich' fand. Shirley Conran dachte sicher an den langjährigen Comicstrip 'The Four Marys' im Mädchencomic Bunty, als sie sich daran erinnerte, dass an der Kampagne für das Gesetz drei Shirleys beteiligt waren, die alle die St Paul's School besucht hatten - sie selbst, Shirley Williams und Shirley Summerskill (die Abenteuer der Four Marys spielten an der fiktiven St Elmo's School). Doch es ist unfair, die Bewegung in dieser Art zu karikieren. Viele derjenigen, die sich für das Gesetz einsetzten, waren auch in anderen Kampagnen aktiv, darunter eine gegen die Abschiebung einer Gruppe irischer Frauen, die beim Diebstahl ertappt worden waren. Zu ihren Vorschlägen gehörte eine Klausel zur Aktualisierung des Staatsangehörigkeitsrechts, damit Frauen - ebenso wie Männer - das Recht erhalten sollten, ausländische Ehepartner nach Großbritannien zu holen; ein hochaktuelles Thema im Zusammenhang mit Idi Amins Ausweisung ugandischer Asiaten. Immer wieder wurde die Sorge geäußert, ob Arbeiterinnen in schlecht bezahlten Jobs es sich überhaupt leisten könnten, Arbeitgeber vor ein Tribunal zu bringen. Zudem gab es Bemühungen, die Kategorie sexuelle Orientierung in das Gesetz aufzunehmen, sodass auch schwule Männer und Lesben Schutz erhalten würden. Eine Frauengruppe schlug außerdem vor, anstelle von Arbeitsgerichten ein Berufungsgremium für Bürgerrechte einzurichten, das in Fällen zu entscheiden hätte, die sowohl Rasse als auch Geschlecht betrafen."

Magazinrundschau vom 15.12.2025 - Guardian

Edward Siddons besucht die British Virgin Islands in der Karibik - ein Übersee-Territorium des Vereinigten Königreichs, das nach wie vor nicht in die Unabhängigkeit entlassen wurde; stattdessen teilen sich ein aus London entsandter Gouverneur und ein vor Ort gewählter Premier die Regierungsverantwortung. In letzterer Funktion war auch Andrew Fahie tätig, als er 2002 durch eine Undercover-Aktion der US-amerikanischen Drug Enforcement Agency der Annahme von Schmiergeldern im Zusammenhang mit Drogengeschäften in Millionenhöhe überführt wurde. Fahie sitzt inzwischen im Gefängnis, aber die Probleme der Inselgruppe, die ihre Wurzeln teilweise in der Kolonialgeschichte haben, sind damit noch lange nicht gelöst: "Auf Tortola herrschte Anfang Mai - ein Jahr nach Fahies Verurteilung - betretenes Schweigen, sobald ich den Namen des ehemaligen Premiers erwähnte. Nur wenige waren bereit, auf seine Festnahme oder die Untersuchungskommission zurückzukommen. (Die Regierung der Jungferninseln, der Gouverneur und zahlreiche Amtsträger lehnten wiederholte Interviewanfragen ab oder ignorierten sie.) 'Die Menschen hier wollen die Wahrheit nicht immer hören', sagte eine ältere Inselbewohnerin. Die Gemeinschaft sei eng verbunden und empfinde großen Stolz auf das Territorium, das sie aus den Trümmern der Sklaverei aufgebaut habe, erklärte sie. Das lasse offene Kritik leicht wie eine Art Verrat erscheinen. (Keiner der Inselbewohner, mit denen ich sprach, wollte namentlich genannt werden.) (...) Die Wurzeln der Probleme der BVI bestehen fort: eine winzige politische Szene, die sich nur schwer von Nepotismusvorwürfen lösen kann, ein knarzendes Justizsystem und die chronische Unterfinanzierung der Polizei. Das Verhältnis zwischen Road Town und London ist weiterhin von gegenseitigem Misstrauen geprägt. Niemand, mit dem ich sprach, hegte besondere Zuneigung zu den Briten, doch ebenso wenig hielten sie eine Unabhängigkeit für tragfähig, solange den eigenen Politikern nicht zu trauen ist. Gefangen zwischen einer einheimischen Elite, die vor allem an ihrer eigenen Bereicherung interessiert ist, und einer Kolonialmacht, die wirtschaftliche und politische Reformen verlangt, ohne deren Finanzierung zuzusagen, verharren die Inseln in einem postkolonialen Fegefeuer."

Magazinrundschau vom 09.12.2025 - Guardian

Steuerbetrug um des Steuerbetrugs willen - das ist die Lebensaufgabe, die der britische Geschäftsmann Terry Ball sich selbst gestellt hat. Jim Waterson porträtiert Ball und dessen zahlreiche Schnecken-Farmen, die aufgrund einer Jahrzehnte alten Ausnahmeregelung Hausbesitzern helfen, Leerstandssteuer zu sparen. Waterson besucht eines der Gebäude, in denen Ball aktiv ist: "Die Mietparteien der verschiedenen Etagen des Bürogehauses tragen Namen wie Snai1 Primary Products (2023) Ltd. Es sind allesamt Firmen, die Terry Ball für eine Gebühr von jeweils 35 Pfund gegründet hat. Er ist der einzige Direktor jeder dieser Firmen, sagt mir jedoch, dass er keinerlei Absicht habe, für sie Geschäftsberichte einzureichen oder irgendwelche Steuern zu bezahlen. Sie erzielen keine Einnahmen und besitzen keine Vermögenswerte. Es handelt sich lediglich um Briefkastenfirmen, die geschaffen wurden, um rechtliche Vorgaben zu erfüllen. Hin und wieder gelingt es einem Gemeinderat, eine dieser Firmen wegen unbezahlter Schulden erfolgreich liquidieren zu lassen, woraufhin Ball sie einfach 'phoenixed' - er gibt die alte Firma mitsamt ihren Schulden auf und gründet eine neue. Westminster versucht nun, mehr als 286.000 Pfund von Balls Firmen einzutreiben, von denen die Regierung behauptet, dass sie zwecks Steuervermeidung mehrere Schneckenfarmen in dem Gebäude betreiben." Ball hat Blut geleckt, lesen wir weiter, und will expandieren. Sein neuer Plan dreht sich um  "Pop-up-Charity-Shops" und "nutzt eine Gesetzeslücke in den Regeln der Charity Commission aus, die eigentlich für winzige Wohltätigkeitsorganisationen gedacht sind. Ein Vermieter werde ihm die Schlüssel zu einem Bürogebäude geben, und er werde dort einen 'Wohltätigkeitsladen' einrichten und dafür sorgen, dass an einem einzigen Tag eine kleine Anzahl von Personen riesige Säcke mit gemischten Waren kauft. Der Vermieter werde dann eine erhebliche Ermäßigung bei der Gewerbesteuer geltend machen, da es sich offiziell um Räumlichkeiten für eine nicht registrierte Wohltätigkeitsorganisation handle. Um diesen neue Steuervermeidungsplan zu realisieren, habe er jede Ecke seiner Schneckenfarm mit Hunderttausenden Pfund an billigem chinesischem Spielzeug und anderen Waren vollgestopft. Ball besteht darauf, dass ich eine Plastikarmbrust für mein Kind mitnehme."
Stichwörter: Steuerbetrug