Magazinrundschau - Archiv

Elet es Irodalom

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Magazinrundschau vom 24.02.2026 - Elet es Irodalom

Die Dichterin Zsófia Ráday (27) erklärt im Interview mit Anna Hegedüs, warum ihrer Ansicht nach Gedichte nicht ohne Spiel entstehen können: "Diese zwei (das Spiel und das Schöpfen) wirken zusammen, sowohl in meinem Band als auch in meiner Sichtweise auf die Welt und auf Texte im Allgemeinen. Wer ohne Spiel Welten erschafft, ist ein Ingenieur und kein Dichter. Und selbst das stimmt nicht ganz, denn auch in der Arbeit eines Ingenieurs steckt Spiel. Es gibt also keine Weltschöpfung ohne Spiel. (…) Ich kann mich sprachlich sehr in die Details eines bestimmten Themenkomplexes vertiefen, dabei interessieren mich auch Fachbegriffe, Gruppensprachen und Sprachgemeinschaften. Aber oft habe ich das Gefühl, dass der gängige Wortschatz zu einem bestimmten Thema unzureichend ist. Dass bestimmte Wörter einen Teil der Wahrheit, der tatsächlichen Erfahrungen, verdecken. Deshalb muss ich meine Beziehung zur Sprache überdenken, um hinter die als regelkonform geltenden Dinge zu blicken. Dazu sind manchmal auch völlig neue Wörter notwendig, die ich wenn nötig erfinde. Und freilich ist auch darin ein Spiel enthalten. Ich liebe es, menschliche Kreativität zu sehen und zu erleben, die in eine Richtung weist, die das Bestehende übertrifft oder zumindest aus den Angeln hebt, und das ist oft auch mein Ziel. Die Sprache hat ihr eigenes Leben, das ich auch als Korrektorin und Redakteurin sehe. Und sie hat auch eine etwas magische, unbewusste, wenn man so will, automatische Funktionsweise. Damit spiele ich auch manchmal, lasse die Sprache von selbst funktionieren, und dann folgt das bewusste Redigieren."

Magazinrundschau vom 10.02.2026 - Elet es Irodalom

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Im Interview mit Tamás Fóti spricht die deutsche Wissenschaftsjournalistin Petra Thorbrietz, deren Buch "Wir werden Europa erobern!" über die Machttechniken von Viktor Orbán nun auch auf Ungarisch erschienen ist, u.a. über die Aussichten und Folgen eines politischen Wechsels in Ungarn nach den Wahlen im kommenden April: "Wenn Orbán verliert, wird es schwierig sein, jemanden zu finden, der über ein ähnliches Charisma verfügt wie er. Seine Führungsstärke gleicht der eines Pferdebändigers, der ein Achtergespann lenkt: Er schafft es zwar stets, die Kontrolle zu behalten, aber das System bröckelt bereits, und es ist spürbar, dass einzelne Minister verschiedene Versuche unternehmen, sich ein eigenes Profil zu verschaffen. Weiterhin wissen wir nicht, wie viele Menschen aus der Wirtschaft zur jetzigen Oppositionspartei übergelaufen sind oder sich insgeheim in diese Richtung orientieren. Wenn Péter Magyar gewinnt, hängt vieles davon ab, ob es ihm gelingt, eine Versöhnung zwischen den verschiedenen Lagern zu erreichen. Wenn Dinge an die Oberfläche kommen, die juristisch relevante Missbräuche sind, wird es schwierig werden. Die Kluft, die sich zwischen der Fidesz und der anderen Hälfte der Gesellschaft gebildet hat, muss jedoch überbrückt werden. Viele sagen, er sei wie der junge Orbán, der einst voller Hoffnung war. Aber diese Meinung teile ich nicht, er ist der Spross einer Juristendynastie, daher ist seine Bindung an die Rechtsstaatlichkeit stärker. Und jeder Anfang ist ein Neuanfang, nichts wiederholt sich."

Magazinrundschau vom 03.02.2026 - Elet es Irodalom

Im Interview mit Péter Demény spricht der Theaterregisseur und Schauspieler Rémusz Szikszai u.a. über die Entstehung einer Gemeinschaft auf und durch die Bühne: "Bis heute ist es mir besonders wichtig, dass die Schauspieler in Sicherheit sind und sich nicht ausgeliefert fühlen. Schauspieler sind äußerst sensible Wesen mit einer feinen Mechanik, die meiner Meinung nach nur dann gute Leistungen erbringen können, wenn sie mit einem "Sicherheitsnetz" arbeiten können. Wie Artisten im Zirkus. Irgendwann braucht man das Netz für die Darbietung nicht mehr, aber im Bewusstsein ist es immer noch präsent. Außerdem habe ich gelernt, dass die Präsenz auf der Bühne dann authentisch ist, wenn sie 'richtig' ist. Sie hat ihre eigene Wahrheit. So hat jeder, der auf der Bühne steht, gleichzeitig Recht. Das ist der Konflikt an sich. Und der Konflikt ist der ewige Motor der Bühne. Das Aufeinandertreffen von Argumenten, Interessen, Gedanken, das Aufeinandertreffen von Seelen, das ist der Motor des Theaters. Und die andere wichtige Lehre der Bühne ist, dass jeder wichtig ist, der dafür arbeitet: der Schauspieler, der Bühnenbildner, der Beleuchter, der Requisiteur und die Liste ist endlos. Wenn der Abend allen wichtig ist. So entsteht ein Ensemble. Das ist Theater. Das zu erleben, ist etwas Gutes. Eine Gemeinschaft zu schaffen, auch wenn sie nur vorübergehend existiert, ist ein großartiges Gefühl."

Magazinrundschau vom 20.01.2026 - Elet es Irodalom

Der Regisseur Béla Tarr verstarb am 6. Januar 2026 (unsere Resümees). In der Wochenzeitschrift Élet és Irodalom nehmen Weggefährten des Regisseurs Abschied, so auch der Schriftsteller László Krasznahorkai: "Der Tod von Béla Tarr ist für uns alle ein großer Verlust, auch für mich persönlich. Ich habe einen sehr engen Freund verloren, einen Partner in der visuellen Magie, die er auf die Leinwand des dunklen Kinos gezaubert hat, und überhaupt: Ich habe ein dunkles Kino verloren, in dem es nicht mehr so viel Licht geben wird, wie Béla es dort geschaffen hat. Es bleibt mir und uns das Kino, leer. Eine neue Welt bricht an, neue Winde wehen. Das Leben rechnet mit uns einzelnen ab. Béla Tarr war einer der größten Künstler unserer Zeit. Unbändig, brutal, unzerbrechlich. Jetzt hat ihn das Schicksal doch gebremst. Wenn die Kunst einen so radikalen Schöpfer verliert, scheint es für eine Weile, als würde alles furchtbar langweilig werden. Wer wird der nächste Rebell sein? Wer meldet sich? Wer wird das Bestehende zerschlagen? Leute. Niemand meldet sich. Was wird aus uns? Béla, komm zurück."

Magazinrundschau vom 13.01.2026 - Elet es Irodalom

Nach dem Erscheinen des dritten Teils seiner Romanreihe spricht der Schriftsteller Péter Bognár im Interview mit Csaba Károlyi über die Diskrepanz zwischen den Erwartungen an Detektivfiguren in fiktionalen Texten einerseits und dem Wesen des heutigen Menschen andererseits: "Von Dupin über Sherlock Holmes bis hin zu Columbo - Detektive sind die Apotheose des modernen, rational denkenden Menschen. Der Mensch hat sich in der Moderne neu erfunden und ist zu dem Schluss gekommen, dass er mit Hilfe der Vernunft die Tatsachen der Welt erkennen und diese oft widersprüchlich erscheinenden Tatsachen zu einer einheitlichen Erzählung zusammenfügen kann. Und was sehen wir im klassischen Kriminalroman? Mit der Aufklärung des Verbrechens ordnet das Superbewusstsein des Ermittlers die während der Ermittlungen aufgedeckten, lange Zeit unverständlichen und undeutbaren Fakten in eine einheitliche und rationale Erzählung ein. Das heißt, der klassische Kriminalroman bringt das Menschenbild der Moderne auf die Bühne. Die implizite Aussage eines Krimis ist immer, dass der Mensch als rationales Wesen die Realität beherrschen kann. Im Gegensatz dazu ist unser Eindruck vom Menschen der Gegenwart genau das Gegenteil davon. Es scheint, als würden wir heute sehen, dass die Geschichte leider doch nicht am Ende ist und die Irrationalität des Menschen auf schreckliche Weise in allen Bereichen voranschreitet. Das macht natürlich auch das Krimi-Genre problematisch. Können wir noch an die Großartigkeit von Sherlock Holmes glauben?"

Magazinrundschau vom 09.12.2025 - Elet es Irodalom

Die Autorin Zsófia Bán spricht im Interview mit Claudia Hegedűs u.a. über die Auswirkungen der KI auf die Erinnerungskultur: "Es ist offensichtlich, dass diese Technologien die Erinnerungskultur grundlegend verändern werden", meint sie. "Die Chinesen haben natürlich bereits eine Telefon-App entwickelt, mit der wir mit unseren Verstorbenen 'sprechen' können. Aber das ist nur eine oberflächliche, symptomatische Behandlung, die für eine tiefere Erinnerungsarbeit nicht geeignet ist. Weiterentwickelte Softwareanwendungen werden jedoch grundlegend beeinflussen können, wie wir uns einerseits an historische Ereignisse und andererseits an unsere privaten Geschichten erinnern. Erinnerungen werden in unzähligen Variationen und aus verschiedenen Blickwinkeln geschaffen werden können."

Magazinrundschau vom 02.12.2025 - Elet es Irodalom

Der Philosoph András Kardos macht sich Gedanken über eine Fehlinterpretation der gegenwärtigen politischen wirtschaftlichen und kulturellen Situation aufgrund veralteter bzw. fehlender sprachlicher Mittel: "Es geht darum, dass die Sprachmittel, die uns seit etwa zweihundert Jahren zur Interpretation unseres Lebens und unserer Geschichte zur Verfügung stehen, kaum noch geeignet erscheinen, um unsere Welt angemessen zu beschreiben, geschweige denn, um Kritik und Alternativen zur gegenwärtigen Epoche zu entwerfen. Unsere Freunde auf der Linken sind in der postmarxistischen Kategorie- und Anschauungslehre der Kapitalismuskritik stecken geblieben und sprechen daher immer noch in der Sprache des 19. Jahrhunderts von Ausbeutung, Klassengesellschaft (…). Ob es nun um die Klimasituation, die Bevölkerungskrise oder die Armut geht, sie sprechen oberflächlich in apokalyptischer Sprache, aber der geheime Zusatz handelt von nichts anderem als dem Traum vom zukünftigen Sozialismus. (...) Die Rechte (...) spricht jetzt nicht mehr von der Wohlstandsgesellschaft und traditionellen Werten, sondern präsentiert sich auf dieser Grundlage als patriotisch, souveränistisch, nationalistisch und als Verteidigerin der Werte der kleinen Gemeinschaft (Volk, Nation usw.) (...) In Wirklichkeit ist dies nichts anderes als ein sprachlicher Trick, genau wie das sprachliche Spektakel der Linken, mit einem wesentlichen Unterschied: Diese Rechte hat keinerlei geheime Vorannahmen oder Ideale. (…) Sie fühlt sich in der oligarchischen Welt sehr wohl und macht keinen Hehl aus ihren Absichten, sondern 'verpackt' sie nur: Sie baut eine Autokratie auf und präsentiert ihrem Volk ein populistisches Spektakel, das nur ein 'starker Führer' (...) vor den Intrigen der linksliberalen Kräfte retten kann."
Stichwörter: Kardos, Andras

Magazinrundschau vom 25.11.2025 - Elet es Irodalom

Vergangene Woche hat die ungarische Fußballnationalmannschaft die Teilnahme an den kommenden Weltmeisterschaften durch ein Gegentor von Irland verpasst. Es entbrannte eine lebhafte (und lange nicht gesehene) Diskussion über die Verwendung der enormen Summen, die in den vergangenen 15 Jahren in den Fußball flossen, was wohl als getreuer Abdruck des "System Orbán" gelten darf. Die Äußerungen des Ministerpräsidenten über einen "Lungenschuss, den das ganze Land erlitten habe" befeuerten die Diskussionen zumal in den eigenen, regierungsnahen Reihen. ES-Chefredakteur Zoltán Kovács fasst sich an den Kopf: "Ich weiß nicht, ob ein Land einen Lungenschuss erleiden kann, aber ich vermute, dass es nicht der Fall ist. Das Bild ist Ausdruck eines in seiner eigenen Machtgier verstrickten, zunehmend verwirrten Geistes, der nur noch in Bildern der Kriegsführung denken kann und daher auch das Land in ständiger Kampfbereitschaft sehen möchte. Das Land ist zu seinem willkürlichen Spielfeld geworden, über dem er als Befehlshaber steht und Krieg führt. Er schafft sich auch selbst seine Feinde, mal sind es die Liberalen, mal George Soros, mal die Brüsseler Elite, mal die Migranten, neuerdings die Ukrainer und zuletzt alle, die nicht seiner Meinung sind. (...) Vor dem Spiel zwischen Ungarn und Irland zeigte das Fernsehen Viktor Orbán, wie er in der Tür der Loge stand, seinen Blick über das Publikum schweifen ließ und zufrieden lächelte. Um den Hals trug er einen Schal, offensichtlich für die Pressekonferenz nach dem Spiel. Orbán weiß es sicher nicht, aber er hat dem Sport bereits viel Schaden zugefügt. So unüberlegt Gelder in den Fußball zu gießen führt nur dazu, dass der Eigenaufbau des Sports zunichte gemacht wird: Aus dem Ausland strömen dickbäuchige alternde Profis und Halbtalente. Obendrein erinnert die Besetzung der größten Vereinsführungen mit Parteikadern an die schlimmsten Zeiten. Vom Fraktionsvorsitzenden der Regierungspartei im EP über den Generalsekretär der Partei bis hin zum Außenminister - was ist das für eine Liga?"
Stichwörter: Ungarn

Magazinrundschau vom 18.11.2025 - Elet es Irodalom

Im Interview mit Peter Demény spricht die Schauspielerin, Dramaturgin und Produzentin Orsolya Török-Illyés über die Beziehung zwischen Regisseuren und Schauspielern im Allgemeinen und ihre Beziehung zum Regisseur Szabolcs Török im Besonderen. "Die Symbiose (mit Szabolcs Török) beschäftigt mich noch immer. Von Anfang an habe ich Szabolcs beruflich über mich gestellt, ich bewunderte sein Talent und seine Kreativität, ich wollte ihn beeindrucken, mir war nur wichtig, ihm gerecht zu werden. Er verlangte in allen Phasen des Schaffensprozesses gemeinsames Nachdenken und kreative Unterstützung, hielt aber seine Grenzen streng ein und ließ mich nur so weit mitwirken, wie es für ihn nützlich war. Ich habe nie auf kreative Credits bestanden, aber aus der Perspektive von mehreren Jahren erscheint mir diese Arbeit eher als freiwillig übernommene Ausbeutung, die man schön als kreatives Duo und noch schöner als Beziehung zwischen Künstler und Muse bezeichnet. Unabhängig davon war die wichtigste berufliche Einstellung, die uns an der Universität eingeimpft wurde, die bedingungslose Demut. Gegenüber wem? Gegenüber was? Ja, freilich, gegenüber dem Regisseur. Er ist Gottvater. Er gibt den Rahmen vor, schimpft, wenn man schlecht ist, lobt, wenn man gut ist, man kann gegen ihn rebellieren, aber egal, wie sehr er einen auch demütigt und quält, wenn man Erfolg hat, ist er stolz auf einen und man kann gemeinsam feiern. Die Grundlage war, dass man fanatisch an den Regisseur glaubt, wenn er einen genug fanatisieren kann, und sich nicht um den Kaffeesatz kümmert, der nach der Arbeit tief in der Seele hängen bleibt, dessen Beseitigung regelmäßig ausbleibt, und man die angestaute Angst in die nächste Arbeit, in die eigene persönlichen Beziehungen, sofern vorhanden, schiebt. (...) Es schafft eine prekäre Situation, wenn man die Demut gegenüber einer Person mit der Demut gegenüber der eigenen Arbeit verwechselt."

Magazinrundschau vom 28.10.2025 - Elet es Irodalom

Die Gruppe Jazzbois ist eine feste Größe im ungarischen Jazzleben, mit regelmäßigen Auftritten im deutschsprachigen Raum (z.B. in Wien am 14.11, in Hamburg am 18.11. und in Berlin am 19.11., sowie in Frankreich und dem UK), aber auch Gastauftritten bei den diesjährigen Festivals in Montreux und Montreal. Einordnungen geben wenig Orientierung, während man über Begriffe wie POV:, Escape Room, Stomp oder Holler stolpert. Jazzbois ist die Musik der Gen Y und Gen Z - aber nicht nur. Der Bassist Viktor Sági erzählt im Gespräch mit Iván Csaba, wie sich die Musiker vor jedem Konzert auf das Publikum einstellen: "Es ist vor allem unsere Geschmackspalette, die uns ausmacht. Wenn man sich unsere Aufnahmen betrachtet, handelt es sich um zeitgenössische Musik mit Spurenelementen aus dem Jazz. Live kommt vielleicht etwas mehr Jazz dazu. Wir schreiben die Setliste immer erst ein paar Stunden vor den Auftritten. Das gilt vor allem für Auftritte im Ausland, wo man einfach hingehen und das Publikum und die Stimmung einschätzen muss, um zu sehen, ob es ein Steh- oder Sitzkonzert wird und ob akustische oder elektronische Klänge besser ankommen. Ich glaube, deshalb ist die Zugehörigkeit zu einer Generation weniger wichtig, sondern eher die Umgebung: der Veranstaltungsort und das Publikum. Ähnlich wie bei Handwerkern, die eine Begutachtung ihres Arbeitsbereichs vornehmen. Hier entscheidet sich, ob die Party eher lebhaft sein soll, ob Funk oder House dominieren oder ob Standards und Balladen akustisch auf dem Klavier gespielt werden sollen. Bei den Leverkusener Jazztagen muss man beispielsweise zwischen Cory Henry und José James ein anderes Set spielen als in einem Berliner Club."

Zum Reinhören der "Song of Hope":

Stichwörter: Jazzbois, Ungarische Musik