Magazinrundschau - Archiv

Elet es Irodalom

389 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 39
Zurück | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | Vor

Magazinrundschau vom 19.09.2017 - Elet es Irodalom

Im vergangenen Monat besuchte der russische Präsident Wladimir Putin Ungarn - in diesem Jahr bereits das zweite Mal -, um als Ehrenpräsident des Judo-Weltverbandes den Judo-Weltmeisterschaften in Budapest beizuwohnen. Es gab beim Besuch eine gemeinsame ungarisch-russische Regierungssitzung und die Universität Debrecen verkündete die Verleihung der Ehrenbürgerschaft an den russischen Präsidenten. Zunächst protestierte der Philosoph Mihály Vajda, der seinen Titel Professor Emeritus zurückgab, danach meldeten sich mehrere Lehrstühle zu Wort und schließlich wurde eine Petition von zahlreichen Universitätsangehörigen zur Verhinderung der Verleihung unterzeichnet. Auch der Philosoph und Hochschullehrer András Kardos distanziert sich von der Entscheidung der Universitätsleitung: Sie "schädigt den Ruf der Universität, denn Putin wird als Vorbild für die Bürger der Universität ausgerufen. Damit verkörpert die Universität - anstatt eine freie und autonome Lehranstalt zu sein -  den sich aktuellen politischen Interessen unwerfenden, institutionalisierten Servilismus."

Magazinrundschau vom 12.09.2017 - Elet es Irodalom

Der Schriftsteller und Hochschullehrer Gergely Péterfy nimmt ebenfalls an der Diskussion über die staatlich dotierte Schriftstellerakademie (mehr hier und hier) teil. "In diesem Paralleluniversum des Systems der nationalen Kooperation wird die Gültigkeit jener Diskurse, die der gescheite Teil der Welt pflegt, durch ein Netzwerk von Akademien, Universitäten, Forschungsinstitute und Zeitschriften aufgehoben. Die zur Verfügung gestellten üppigen Geldquellen erwürgen langsam tatsächlich die traditionell demokratischen und europäischen Institutionen. (...) Das Diebestempo tut dem Alltag des Schreibens nicht wirklich gut: vergebens sitzt du in einem kalifornischen Villa auf der Terrasse mit Meeresblick, es wird dich jenes gottverdammte weiße Blatt anstarren, wie den, der sich in einer verschimmelten Untermietswohnung darüber beugt. Entscheidend ist, was aufs Papier gelangt. Geld hilft beim Spiel Schriftsteller vs. Papier - leider - nicht. Zum Leben braucht man Geld, zum Schreiben nicht."

Magazinrundschau vom 05.09.2017 - Elet es Irodalom

Seit Wochen gibt es auf den Seiten der Wochenzeitschrift Élet és Irodalom eine Debatte über die staatliche Literaturförderung (mehr hier). Nikolett Antal und Tamás Korpa, Vorsitzende des Bundes Junger Schriftsteller (FISZ), nehmen die neu gegründete staatliche "Karpaten Talentförderungsgesellschaft" (KMTG) unter die Lupe, die junge Autoren fördern soll: "Nach der Nachricht über die Gründung der KMTG verfassten über 60 junge Schriftsteller eine Stellungnahme zum Schutz der Profession. Als die KMTG dies sah, begann sie sich auf Schüler der Oberstufen und Erstsemester bei den höheren Bildungsinstitutionen zu konzentrieren: auf die 18- bis 22-Jährigen. Es wurden jene eingebunden, die zum größten Teil aus eigener Kraft noch nicht bis zum Publizieren bei niveauvollen Zeitschriften gelangen konnten und von denen auch langfristig ein großer Teil höchstwahrscheinlich nicht Schriftsteller oder Literaturwissenschaftler wird. Mit der KMTG-Mitgliedschaft wurden sie jedoch Angehörige einer offiziellen Organisation, mit ernsthaften Erwartungen und Chancen, mit ernsthafter Aufmerksamkeit, Leistungs- und Beweisdruck und wohl mit ernsthafter Gruppenidentität. Unsere Frage lautet daher: Werden bei zahlreichen jungen Menschen durch die Schriftstellerakademie falsche Hoffnungen geweckt? Und parallel dazu: Darf die KMTG für die eigene Legitimierung junge Menschen mit unterschiedlichen Talenten und Motivationen benutzen?"

Ádám Gaborják, der Vorsitzende des József-Attila-Kreises (JAK) - nach dem ungarischen Dichter Attila József benannter Literaturkreis innerhalb des Ungarischen Schriftstellerverbandes - denkt dagegen schon über die Zeiten nach der KMTG nach: "Von innen betrachtet ist die Literatur noch immer ein hierarchischer, zentralisierter Intellektuellendiskurs. Sie wagt sich selten aus ihrem eigenen (groß)städtischen Milieu hinaus. Die Übermittlung hört im besseren Falle in den größeren Siedlungen auf, in die ärmeren Regionen gelangt sie überhaupt nicht, in der Schulbildung ist sie gerade halbwegs erkennbar. Was würde die zeitgenössische Literatur dort auch suchen, was könnte sie dort bieten, wenn sie in den meisten Fällen kaum etwas über diese Gegenden sagen kann und deren Bewohnern auch nichts zu sagen hat. Auch wenn es erfolgreiche Initiativen seitens der Schriftstellerverbände gibt, ist die zeitgenössische Literatur ziemlich begrenzt, sie wird nie Teil der täglichen gemeinschaftlichen Praktiken, solange sie auf der Ebene der Ästhetik verbleibt und es ihr nicht gelingt, sich als Teil eines größeren Systems zu denken."

Magazinrundschau vom 29.08.2017 - Elet es Irodalom

Kürzlich hat der Literaturkritiker József Tamás Reményi kritisiert, dass dass immer mehr Schriftsteller staatliche Stipendien annehmen, insbesondere von der unvergleichlich üppig ausgestatteten Karpaten Talentförderungsgesellschaft. Die Gesellschaft wurde von dem aus Siebenbürgen stammenden Dichter, János Dénes Orbán gegründet, der wiederum als Ziehsohn des ebenfalls aus Siebenbürgen stammenden Dichters und ehemaligen Kulturstaatssekretärs Géza Szőcs gilt. An Szöcs wendet sich nun auch dessen einstiger Weggefährte und Freund, der Schriftsteller József Körössi: "Chef! Du, der Du János Dénes Orbán für uns erschaffen und mit Hundert Millionen ausgestattet hast, wie auch weitere János Dénes Orbáns, denen sich alle bettelnd zu Füßen werfen, was hast du dir dabei gedacht? Wie wurdest du, der du bist? Von dort kommend, woher du stammst? Wie ist dieser Weg, der mit charaktervollen Geschichten gepflastert ist, wenn du zurückschaust? Farbig? Schwarz und weiß? Wie siehst du deine Freunde, die dich zwar nicht verleugnen, doch nicht gerne sehen und dich auch nicht suchen? ... Wie konntest du von einem Demokraten, einem Widerständler - einem Dichter! - zu einem Untertan werden, der Untertanen und Bedienstete erzieht und kauft, weil er hierfür über öffentliche Mitteln verfügt."

Und der Autor Renátó Fehér fordert ein gattungsübergreifende Aktionsbündnis: "Die verstärkt kritische Haltung ist schon lange keine mögliche Alternative mehr, sondern strenge Pflicht."

Magazinrundschau vom 22.08.2017 - Elet es Irodalom

Auf der Berlinale fand Ferenc Töröks stilles Holocaust-Drama "1945" nur bei den Fachblättern wie Variety und Hollywood Reporter internationale Beachtung. Der Szegeder Kulturwissenschaftler Miklós Sághy glaubt jedoch, dass der Film und die ihm zugrunde liegende Novelle "Heimkehr" von Gábor Szántó durchaus Bedeutung haben werden für die ungarische Erinnerungskultur: "Das grundsätzliche Verdienst des Films und der Novelle ist, dass sie das Begreifen und die Aufarbeitung des kollektiven Traumas ermöglichen können, da sie den Holocaust als organischen Bestandteil der ungarischen Geschichte zeigen ... Sie schieben die Verantwortung nicht auf die Deutschen, nicht auf die Großmächte, und sie zeigen die Ereignisse auch nicht als das unbegreifliche Toben des universalen Bösen, sondern als Entwicklung, die durch Entscheidungen und Taten der Einwohner eines stillen Dorfes in Gang gesetzt wurde."

Magazinrundschau vom 18.07.2017 - Elet es Irodalom

Nicht immer greift die ungarische Regierung auf so drastische Mittel zurück wie in der Kampagne gegen George Soros. Oft agiert sie unspektakulärer, wie der Kunsthistoriker Péter György mit Blick auf zwei Ereignisse aus der Kunstszene schreibt. Bei einer Vernissage im westungarischen Székesfehérvár wurde eine regierungskritische Rednerin ausgeladen, für die Schau "Real Hungary" im Collegium Hungaricum Wien ein nicht genehmes Bild abgehängt. Hier will die Politik die Kunst für sich in Anspruch nehmen, ahnt György: "Die Frage wem sie gehört ist so niederschmetternd, wie die Zeit, die diese Frage beschwört. Die Kunst gehört niemandem. Kunst kann nicht angeeignet werden. Beziehungsweise gehört Kunst nicht einmal allen. Kunst entsteht in entsetzlicher Einsamkeit und wenn es jemanden gibt, der sie verwendet, ist das in Ordnung. Doch es gibt keine politische Gemeinschaft, welche große Kunst selbstverständlich für sich beanspruchen kann ... Wenn die direkte Politik, welche die Autonomie der Bilder aufkündet und ihre Interpretation und Verwendung bestimmt wichtiger wird als die unveräußerliche Kunst, dann werden solche Museumsereignisse möglich: welche wiederum als Symptome eines fürchterlich erscheinenden Zeitgeistes sichtbar werden ... Wenn dies der herrschende Zeitgeist ist, dann stehen uns schändliche Zeiten bevor."
Stichwörter: George Soros

Magazinrundschau vom 20.06.2017 - Elet es Irodalom

Nach der internationalen Premiere des neuen Films von Kornél Mundruczó ("Jupiters Mond") beim diesjährigen Filmfestival in Cannes, fragen sich die ungarischen Kritiker gern, ob Hollywood Mundruczo demnächst mit einem "Autoren-Action Movie" beauftragen werde. Der Kulturhistoriker und Filmkritiker György Báron findet diese Überlegungen peinlich: "Sieh da, wovon der ungarische Kritiker träumt. Davon, wovon der ungarische Regisseur wohl träumen möge. In den Texten vermischen sich Minderwertigkeitskomplex, Mitleid und ermunterndes Schulterklopfen. Die neueste Arbeit eines bedeutenden ungarischen Filmschaffenden wird nicht an Jancsó oder Tarr gemessen oder an seinen eigenen bislang besten Leistungen, sondern an der Frage, ob ihm wohl baldigen Einlass in die Traumfabrik sichern. Ich glaube nicht, dass Mundruczó mit seinem letzten Film auf eine 'neue Ebene sprang' und ich weiß wirklich nicht, was ein 'Autoren-Action-Movie' sein soll. Die Frage ist doch wohl, inwiefern eine Kontinuität oder Diskontinuität im bemerkenswerten Lebenswerk dieses Regisseurs aufgezeigt werden kann.

Magazinrundschau vom 06.06.2017 - Elet es Irodalom

Eine Frühjahrsausgabe der Zeitschrift Die Horen befasste sich mit der ungarischen Literatur ("Von der unendlichen Ironie des Seins - Ungarische Ungereimtheiten"). Die Ausgabe wurde vor kurzem im Petőfi Literaturmuseum in Budapest vorgestellt. Anwesend war auch Katharina Raabe, Lektorin für osteuropäische Literaturen bei Suhrkamp, die mit László J. Győri über die Wirkung von ungarischen Schriftstellern auf die deutsche Gegenwartsliteratur sprach. "In den vergangenen Jahren war es Peter Esterházy, der am meisten präsent war im deutschen Literaturbetrieb ... Esterházy hielt Reden, er war ein großer Europäer und niemand staunte darüber, dass ein großer Europäer nicht aus Frankreich, sondern aus Ungarn kam. Mich würde es nicht wundern, wenn es deutsche Autoren gebe, die viel von ihm gelernt hätten. Auf Felicitas Hoppe zum Beispiel wirkte neben Hrabal wahrscheinlich auch Esterházy. Ich weiß, dass Hoppe die Bücher von László Darvasi mag, und auch Sibylle Lewitscharoff ist eine leidenschaftliche Leserin der zeitgenössischen ungarischen Schriftsteller."

Magazinrundschau vom 09.05.2017 - Elet es Irodalom

Kein Erweckungserlebnis hatte der Kunsthistoriker Péter György, der die Ausstellungsreihe "Nationaler Salon" der von der Orban-Regierung protegierten Ungarischen Kunstakademie (MMA) besuchte: "Wenn die Akademie wirklich den Geist der Nationalen Salons erneuern wollte, dann hätte sie verstehen müssen, dass eine nationale Gemeinschaft als solche nur ernst genommen werden kann, wenn sich darin auch die armen Menschen selbstverständlich heimisch fühlen. (...) In einem Land mit mehreren Millionen Armen müssten die Kuratoren einer Ausstellung über angewandte Kunst einsehen, dass die Vertreter dieser Zunft sich nicht nur mit sich selbst und ihren ideologischen Narzissmen beschäftigen sollten. Das bisher geleistete ist nichts als der Neo-Barock des Konsums."
Stichwörter: Ungarn

Magazinrundschau vom 25.04.2017 - Elet es Irodalom

Vergangene Woche wurde ein neues Gesetz zur Kennzeichnung von NGOs in das ungarische Parlament eingebracht. Ähnlich wie in Russland müssten sich demnach Organisationen, die Fördergelder zur Verwirklichung ihrer Projekte aus dem Ausland erhalten, als "ausländische Agenten" bezeichnen. Beobachter urteilen, dass das neue Gesetz als nächster, propagandistischer Schritt der Regierung gegenüber dem Milliardär George Soros dient. Im Gespräch mit Eszer Rádai kritisiert der geschäftsführende Direktor der Gesellschaft für Freiheitsrechte (Társaság a Szabadságjogokért, TASZ) Máté Dániel Szabó das neue Gesetz: "Dies ist ein System, das über sich selbst lügt, es sei ein Verfassungssystem, welches die Menschenrechte garantiert. Darum müssen wir es wann immer möglich bloßstellen und die Aufmerksamkeit darauf lenken, dass die rechtsstaatlichen Kulissen ein die Menschenrechte nicht achtendes System decken. Und wenn die Regierung ihren Kritikern den Grundrechtekatalog der Verfassung vor die Nase schiebt und auf das Verfassungsgericht zeigt, das für die Verletzung der Menschenrechte zuständig sei, dann ist es auch unsere Aufgabe zu zeigen, dass dies auch nur eine Art Potemkinsches Gebäude und Kulissenrechtsicherung ist."
Stichwörter: Ungarn, George Soros
Zurück | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | Vor