Magazinrundschau - Archiv

Gazeta Wyborcza

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Magazinrundschau vom 27.04.2010 - Gazeta Wyborcza

Nach den Trauerfeiern um die Opfer des Flugzeugabsturzes von Smolensk ist in Polen eine Diskussion über den Umgang mit diesem Ereignis entbrannt. Der Historiker Jerzy Jedlicki schreibt dazu: "Unsere Politiker sind nicht nach Smolensk geflogen, um heldenhaft zu sterben; es war einfach eine Katastrophe. Und trotzdem wurde diese sakral-romantische Sprache aktiviert. Nebenbei gesagt, hat sich dieses Ritual diesmal bewährt - die Feierlichkeiten waren würdevoll und perfekt organisiert. Darin hat die katholische Kirche Routine." Allerdings wäre es an der Zeit, den Kult des nationalen Märtyriums zu ersetzen: "Die letzten zwanzig Jahre waren wir mit der technologischen und wirtschaftlichen Modernisierung beschäftigt, nicht mit der mentalen." Was Polen brauche, sei ein "zivilisatorischer Patriotismus", der niemanden ausschließe und Grundlage des Fortschritts werden könnte, so Jedlicki.
Auch Marek Beylin sieht eine Diskrepanz zwischen der Trauer der Menschen auf der Straße, die ihre politischen Vetreter verabschiedeten, und den Ritualen der Medien. Und die Publizistin Agnieszka Graff meint: "Es gibt das Bedürfnis nach Abstand vom Kult des Nationalen, des Martyriums, Marias. Was bleibt, ist die langsame Neuverhandlung der Symbole, der Aufbau alternativer Gemeinschaften."

Außerdem: Nikita Michalkows neuer Film wird als russischer "Soldat James Ryan" beworben und von Seiten jüngerer russischer Filmemacher kritisiert. Anna Zebrowska sieht in diesem "patriotischen Blockbuster" aber einen wichtigen Beitrag zur Abrechnung mit dem Stalinismus: "Der Mythos des siegreichen Imperiums wurde im Vorfeld des 65. Jahrestags des Kriegsendes hinterfragt, und dazu noch vom Sohn des Schöpfers der Stalinschen Hymne der Sowjetunion".

Magazinrundschau vom 13.04.2010 - Gazeta Wyborcza

Die polnischen Medien sind voller Sonderseiten zur Tragödie von Smolensk. In der Gazeta Wyborcza nimmt der langjährige Weggefährte des verunglückten Präsidenten aus Zeiten der antikommunistischen Opposition und spätere politische Gegner, Adam Michnik, Abschied. "Lech Kaczynski hat die polnische Geschichte durch seine ganze Biografie geprägt. Historiker werden später Bilanz seines Schaffens ziehen. Heute ist nicht der Moment für ausgewogene Bewertung. Heute ist der Moment der Trauer und des positiven Erinnerns. Kaczynski diente der polnischen Unabhängigkeit und Freiheit seit 1968 (hier der Hintergrund). Er wiederholte oft, dass er damals den Weg des Widerstand gegen die Diktatur gewählt hat, und diese Entscheidung werde ich immer mit großem Respekt und Sentiment in Erinnerung behalten". In einer emotionalen Videonachricht bringt Michnik seine Bewunderung für Kaczynskis Patriotismus zum Ausdruck, trotz der zum Teil scharfen Polemik der letzten Jahre. Er müsse sich seine Texte über den Präsidenten nochmal durchlesen und prüfen, so Michnik, ob er ihm gegenüber nicht ungerecht gewesen sei.

Jaroslaw Kurski kann der Tragödie von Katyn immerhin zwei positive Aspekte abgewinnen: Die Welt werde nun wissen, wofür "Katyn" steht; außerdem lasse Russlands Reaktion auf eine polnisch-russische Aussöhnung hoffen. "Russland öffnet sich für Polen und für sich selbst, für seine Geschichte und die Abrechnung mit dem Stalinismus, dessen Opfer zig Millionen Russen und Angehörige anderer Nationen der Sowjetunion waren. Wenn sich unsere beiden Völker nicht in einem solchen Moment vergeben, wann dann? Eine solche 'Chance' kommt nie wieder. Wir dürfen sie nicht verspielen".

Magazinrundschau vom 16.03.2010 - Gazeta Wyborcza

Zum Symbol des sozialen Niedergangs in einigen deindustrialisierten Regionen Polens wurden die sogenannten "Armenschächte". Das sind selbstgebuddelte Stollen, in denen die Armen nach Steinkohle graben. (Mehr dazu hier). Der Ethnologe Tomasz Rakowski hat das Phänomen als erster umfassend untersucht und erklärt: "Wir blicken auf die Armut und sehen nur Passivität und staatliche Unterstützung. So sehen und verurteilen es Medien und Politiker. Aus Sicht der angewandten Sozialwissenschaft, die die Gesellschaft als gut geölten Mechanismus sehen möchte, mag das stimmen. Dadurch werden aber diese Menschen nicht nur stigmatisiert, sondern es werden auch die Veränderungen ignoriert. Wenn sich unsere Perspektive ändert, werden wir feststellen können, dass das Vorgehen dieser Armen rational und kulturell unterlegt ist. Diese Menschen nutzten all ihre Möglichkeiten und Fähigkeiten - als man vom Schrott leben konnte, sammelten sie Schrott; als man Kohle fördern konnte, gingen sie unter Tage; als das Sammeln von Kräutern und Blaubeeren lohnenswert war, taten sie das. All diese Jäger und Sammler arbeiteten hart, um ihr Selbstwertgefühl wieder herzustellen, deshalb haben sie überlebt."
Stichwörter: Sozialwissenschaft

Magazinrundschau vom 23.02.2010 - Gazeta Wyborcza

Mateusz Halawa war Teil eines Forscherteams, das die Nutzung moderner Kommunikationstechnologien durch junge Leute untersucht hat. In einem zusammenfassenden Bericht geht er auch auf den Kulturkonsum der Jugend ein: "Man hört immer wieder, dass das Internet zur Entfremdung und Auflösung sozialer Bindungen beiträgt. Es ist aber umgekehrt - durch die Multiplizierung der Kontaktmöglichkeiten entsteht eher ein Verhalten, dass man 'hypergesellig' und 'hypersozial' bezeichnen kann; nicht Einsamkeit, sondern Übersättigung durch Kontakte stellt eine Gefahr dar." Zum Kulturkonsum stellen die Autoren der Studie fest: "In der digitalen Welt kommt es aufs Teilen an, und dieses Teilen ist gleichzeitig ein Multiplizieren von Kultur. Die Leichtigkeit, mit der Dateien kopiert und in Umlauf gebracht werden, führt dazu, dass Übermaß - und nicht wie einst der Mangel - zum grundsätzlichen Problem wird. In dieser Kultur des Übermaßes stellen Kompetenzen im Suchen und Aussieben die Herausforderung dar. Das Wissen, wo die Inhalte sind, wie sie zu orten und zu nutzen sind, wie sie kontextualisiert und weiter gereicht werden, ist heutzutage zum grundlegenden Kriterium für die Teilhabe an der Netz-Kultur geworden."
Stichwörter: Einsamkeit

Magazinrundschau vom 19.01.2010 - Gazeta Wyborcza

Ein kleines Dossier widmet die polnische Zeitung dem Umgang mit Minderheiten. Der Soziologe Antoni Sulek stellt die Ergebnisse einer langjährigen Studie zum Verhältnis der Polen zu den Juden vor. Im Hinblick auf die Bewertung der gemeinsamen Geschichte meint Sulek: "Der Umbau der Erinnerung wird kommen, wenn die Polen ihr Land modernisieren, ihren Platz unter den Nationen finden, und das alles auch noch als Erfolg anerkennen, als Grund zum Stolz und als Grundlage einer neuen Identität. Sobald sie Geschichte nicht mehr als Trost brauchen, werden sie die Geschichte und sich selbst etwas kritischer betrachten. Das wird auch ihre historischen Beziehungen zu den Juden umfassen. Vielleicht wird aber auch schon früher eine historische Erzählung entstehen, die die polnischen Kriegserfahrungen umfassender beschreibt. Darin wird sich ein Platz finden für den Untergrundstaat, organisierten Widerstand, individuelle Kollaboration, die Helden, die normale Mehrheit, für die, die Juden gerettet haben und die Verbrecher, die Juden verkauft haben. Ein solches Bild der eigenen Geschichte werden die Polen leichter akzeptieren können, ohne Ansehensverlust."

Natürlich haben die ukrainischen Präsidentschaftswahlen die die polnischen Medien interessiert. Erhielt doch die Orange Revolution große Unterstützung vom westlichen Nachbarn. Fünf Jahre später macht sich auch hier die Ernüchterung breit, schreibt Marcin Wojciechowski: "Es geht diesmal nicht um alles, wie damals. Damals lautete die Wahl Demokratie oder Autoritarismus. Ganz ernsthaft sagten junge Leute: 'Dafür ist es wert zu sterben'. Heute, egal wer gewinnt, bleibt die Ukraine eine unvollkommene Demokratie. Die Frage nach der Richtung - Russland oder Europa - bleibt weiterhin offen. Wenn es dem zukünftigen Präsidenten gelingt, die Politik etwas zu stabilisieren, dem Staat Lenkungskraft zu geben oder auch nur die Reformen ein wenig voran zu bringen, werden wir von einem großem Erfolg sprechen. Ob das Janukowytsch oder Tymoschenko sein werden, ist weniger wichtig - beide sind nicht vollkommen. Vielleicht ist es ein Zeichen von Normalität, dass die Wahlen eine von vielen Entscheidungen darstellen. Es gibt jedoch ein Problem: Während die Ukraine über sich selbst nachdenkt, steht die Welt nicht still, Stillstand bedeutet in Wirlichkeit Rückschritt. Aber das scheint die ukrainische Elite nicht zu sehen."

Magazinrundschau vom 06.10.2009 - Gazeta Wyborcza

"Dies ist keine Diskussion über Roman Polanski, darüber, ob er ein nationales Gut ist oder nicht. Es ist eine Diskussion darüber, wer wir sind. Wie unsere Moral ist", schreibt der Anthropologe Wojciech Burszta über den Fall des Regisseurs. "Warum glaubt jeder, dazu Stellung beziehen zu müssen? - Der Grund seid ihr, die Medien, die das von allen verlangen. Aber ich denke, das ist gut so. Der wichtigste Teil dieser Diskussion wird jedoch zu Hause geführt, in privaten Gesprächen, in den Familien. Als Gesellschaft müssen wir auf einige fundamentale Fragen antworten: Was ist das Kind? Was ist der Künstler? Wie weit gehen wir in der Verteidigung eines Landsmanns? Welche Argumente sollten wir dabei benützen? Es ist eine Vivisektion unserer selbst. Es mag komisch klingen, aber es ist gut, dass wir jetzt einen Anlass dazu haben. Ich hoffe, einiges davon wird bleiben."

Eine aktuelle Meldung: Der hoch dotierte Nike-Literaturpreis geht dieses Jahr an den Dichter Eugeniusz Tkaczyszyn-Dycki (hier findet man ein kurzes Porträt auf Deutsch).
Stichwörter: Roman Polanski

Magazinrundschau vom 21.07.2009 - Gazeta Wyborcza

Die Gazeta druckt ein bisher unveröffentlichtes Interview mit dem am Freitag verstorbenen Philosophen Leszek Kolakowski, der sich mit Anna Bikont unter anderem darüber unterhielt, ob es eine Wahrheit gibt, die es wert wäre, dafür zu sterben. "Vielleicht ist die einzige Wahrheit, die es wert wäre, die, dass es eine Wahrheit gibt - ohne festzulegen, worin sie besteht. Die christlichen Märtyrer sind für ihren Glauben gestorben, und auf dem Scheiterhaufen sind die Menschen gestorben, die ihren eigen Glauben bewahren wollten. Ich möchte weder das eine noch das andere verurteilen. Der tiefe Glaube an eine wertvolle Sache macht uns reicher. Selbst wenn der Glaube schreckliche Folgen für seine Anhänger hat - und wir sehen das tagtäglich - sind diese doch oft unerschütterlich davon überzeugt, dass er ihr Leben bereichert. Aber natürlich weiß man nicht, ob er auch das Leben anderer bereichert, weil gerade diese Werte etwas Unmenschliches haben können. Die Frage müsste also ein wenig anders formuliert werden. Nicht ob es eine Wahrheit wert ist, sondern ob es eine Wahrheit nicht wert ist (für sie zu sterben). Und hier sind wir schon im Dickicht der Unsicherheit. Ist es das Vaterland wert, dafür zu sterben? Ja."

Außerdem: Kolakowski war für die demokratische Opposition gegen den Kommunismus eine große Autorität, auch wenn er zuerst selbst überzeugter Marxist war, wie Tadeusz Sobolewski in einem biografischen Abriss erklärt: "Zu seinen wichtigsten Themen gehörten der Marxismus und die Religion. Der Marxismus erschien ihm in seiner Jugend als Chance, und wurde später von ihm als Falle enttarnt. Und die Religion, die Kolakowski zuerst als Falle erschien, wurde in seinen späteren Arbeiten als Chance behandelt". Dieser Wandel faszinierte auch Gesine Schwan, die in den späten 60ern ihre Dissertation über ihn schrieb: "Er war ein Verfechter der Toleranz und des Kampfs gegen den Absolutismus in jedweder Gestalt. Er schrieb, der Mensch müsse inkonsequent sein, weil dies menschlich sei." Und Adam Michnik, der seinerzeit Kolakowskis Vorlesungen an der Warschauer Universität besuchte, erinnert sich: "Damals, in Zeiten der Finsternis und des Hasses, stand er für hellen Verstand und Leben in Würde."

Magazinrundschau vom 23.06.2009 - Gazeta Wyborcza

Nach langwierigen Autorisierungen erschien jetzt ein Interview mit der wohl meistgehassten Person in Polen - der BdV-Präsidentin Erika Steinbach. Darin gibt sie sich gelassen: "Ich verstehe die Sorgen und Ängste der Polen sehr gut. Sie sind jedoch grundlos." Sie rückt aber keinen Deut von ihrer Meinung ab: "Hitler hat Pandoras Büchse mit unmenschlicher Grausamkeit geöffnet. Doch die Verantwortung für die Vertreibungen am Kriegsende und danach tragen die jenigen, die dort die Macht hatten. Ein großer Teil davon geht auf das Konto der Alliierten, verantwortlich sind aber auch die Staaten, aus denen die Deutschen vertrieben wurden." Auf die Frage, ob sie sich von den polnischen Vorwürfen verletzt fühle, antwortet sie: "Ich ertrage es, weil ich mich nicht für mich engagiere, sondern für Menschen, die oft machtlos sind. Die Vorwürfe berühren mich nicht so sehr, denn ich weiß, welche Rolle dabei die polnischen Leiden spielen. Trotzdem - es ist absurd."

Magazinrundschau vom 05.05.2009 - Gazeta Wyborcza

Am 1. Mai jährte sich zum fünften Mal Polens Beitritt zur Europäischen Union. Neben dem allgemeinen Schulterklopfen (O-Ton Adam Michnik: "Niemand hätte gedacht, dass alles so gut gehen wird"), spricht die Vertreterin der EU-Kommission in Polen, Roza Thun, zur Abwechslung über die nicht erfüllten Erwartungen: "Während meiner Reisen durch Europa sehe ich, wie alle mit der Stimme Polens rechnen, wie die kleineren neuen Mitgliedsländer regelrecht auf sie warten. Ein französischer Diplomat sagte mir: Ihr wolltet frisches Blut, eure Leidenschaft in die Union einbringen. Wir sind des Gestaltens schon etwas müde, wir brauchen neue Ideen. Wo sind diese Ideen, wo die Leidenschaft?"

Für neue Ideen in der Gestaltung der polnisch-russischen Beziehungen plädiert Rafal Zasun. "Wahrscheinlich wird man die Kontroversen um Gas, Geschichte, den Raketenschirm und andere komplizierte Fragen nicht lösen können, aber das heißt nicht, dass man sich beleidigt den Rücken zukehren sollte. Das ist die schlimmstmögliche Strategie." Während andere Länder schon lange auf die Reformer im Kreml setzten, versuche niemand, diese Gruppe für Polen zu interessieren. "Die Unfähigkeit, unter der jungen russischen Elite Freunde zu gewinnen, ist eine Niederlage unserer Diplomaten, Politiker, aber auch der Journalisten, die über Russland schreiben", resümiert Zasun.

"Wenn ich das Recht habe, Soldaten ans andere Ende der Welt zu schicken, dann habe ich um so mehr das Recht, Kameras zu schicken. Vielleicht ist es gar besser, Kameras zu schicken, um später keine Soldaten schicken zu müssen", so antwortet der Regisseur Krzysztof Krauze auf die Frage, warum er einen Film über den Genozid in Ruanda macht. Polen sei nicht der Nabel der Welt, und man könne nicht immer nur Filme über Solidarnosc, den Runden Tisch oder den Papst drehen: "Es gibt viele Arten zu leben, aber unsere soll die einzig richtige sein. Und die sehen wir in all unseren Filmen. Diese hochmütige Art, wir wüssten besser, wie zu leben... Wir sollten einmal erzählen, dass wir es nicht besser wissen. Das allein wird schon interessant sein. Darauf basierte der Erfolg Kieslowskis."

Magazinrundschau vom 31.03.2009 - Gazeta Wyborcza

Ziemlich enttäuscht zeigt sich Joanna Derkaczew von dem vielversprechenden Projekt des Warschauer Teatr Rozmaitosci und der Berliner Schaubühne, in Koproduktion Dorota Maslowskas Stück "Miedzy nami dobrze jest" (Wir kommen gut klar mit uns) in der Regie von Grzegorz Jarzyna auf die Bühne zu bringen: "Etwas Schlimmeres konnte Maslowskas Text kaum passieren. Nicht alles geht in der Aufführung verloren, aber das polnische Theater wird als anachronistisch und prätentiös dargestellt. 'Modern' wird mit Laptops, Designercouch und Smooth Jazz im Hintergrund gleich gesetzt". Zwischen einschläfernden Clubsounds und Spasmen geht das Groteske des Originaltexts verloren, findet Derkaczew: "Trauma, Leid, Martyrologie. Ohne Anführungszeichen. Ganz ernst".

"Das heutige Europa wird eher von Erinnerung dominiert, als von Geschichte. Und mit der Erinnerung ist es so, dass Sie Ihre haben und ich meine, und das war's. Über Geschichte kann man diskutieren, über Erinnerung nicht". Der amerikanische Historiker Timothy Snyder zweifelt auch daran, dass man die schreckliche und komplizierte Geschichte Mittelosteuropas dem Westen, vor allem den Amerikanern, erklären kann. Statt einer gemeinsamen Geschichtsnarration brauche man ein Verständnis für die gegenseitige Geschichte, betont Snyder. "Europa steht vor der Frage nach weiteren Erweiterungen. Man zeigt auf die gemeinsame Kultur, aber wie sollte man darüber reden, wenn es kein europäisches Geschichtsverständnis gibt?"

Der damalige amerikanische Botschafter in Warschau, John Davies, scheint 1989 besser verstanden zu haben, was passierte, als die Beteiligten, schreibt Maciej Stasinski. Seine Berichte an Washington wurden vor drei Jahren veröffentlicht. "Die Lektüre seiner Briefe sind eine Lektion in politischer Brillanz und gesundem Menschenverstand", lobt Stasinski.
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