Magazinrundschau - Archiv

The New Yorker

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Magazinrundschau vom 21.11.2017 - New Yorker

In der aktuellen Ausgabe des New Yorker hinterfragt Peter Schjeldahl den Hype um westliche Kunst am Beispiel von Leonardos "Salvator Mundi" und versucht, dessen Geheimnis zu ergründen: "Ein Grund ist die Vorliebe asiatischer Käufer. Mit Blick auf China spielte [das Auktionshaus] Christie's das christliche Thema des Bildes herunter, indem es ihm den Titel 'männliche Mona Lisa' gab: Vergiss Religion, das hier ist der Superstar der Renaissance! Ein grundsätzlicherer Aspekt des Hypes liegt in der weltweiten Vernarrtheit in die Technik als Quell neuen Reichtums. Leonardo war ein exzentrischer Künstler und ein Bastler ohne Gleichen. Das Geheimnis seiner Bilder gründet in seinen Experimenten mit Chiaoscuro-Glasur. Die Unerforschlichkeit der Mona Lisa übergeht schlicht die Frage, ob es da eigentlich jemals etwas zu erforschen gab. Es handelt sich um ein Kunststück, ein sublimes. Leonardos Hauptqualität des Affekts, kühl kalkuliert, macht ihn zum Freak der Freaks aller Zeiten. Ihn umgibt die Aura des ewigen zwölfjährigen Wunderkinds, geschlagen mit Krieg, Katastrophen und fantastischer Erfindungsgabe. Sein rasender Verstand entwarf dauernd großartige Projekte, die sein unreifer Wille wieder fallen ließ. Er hörte nie auf zu denken, und zwar brillant. An welcher Stelle in Leonardos Werk 'Salvator Mundi' rangiert, muss der Betrachter selbst entscheiden. Für mich bleibt es unklar. Was war Jesus für einer? Einer für alle, glauben die Gläubigen. Einem mehrdeutigen Charakter einen mehrdeutigen Ausdruck zu verleihen, scheint mir nicht so innovativ. Es ist der gleiche Trick wie bei der Mona Lisa: Man verleihe dem Mund und den Augen einen unterschiedlichen Ausdruck. Schaut man auf einen, verändert sich der Seitenblick auf den anderen und umgekehrt. Man versucht, die Eindrücke zu vereinen. Die daraus resultierende Frustration mündet in Ehrfurcht."

Außerdem: Carrie Battan hört Taylor Swifts neues Album "Reputation" und James Wood liest Jon McGregors jüngsten Roman "Reservoir 13".

Magazinrundschau vom 14.11.2017 - New Yorker

Nathan Heller betrachtet das Erbe der legendären Chefredakteurin Tina Brown, die in ihren "Vanity Fair Diaries" darüber schreibt, wie sie New Yorks Hochglanzmagazinen die richtige Mischung verpasste. "Jeder New Yorker Bildungsroman hat im Grunde denselben Plot. Eine etwas naive Außenseiterin begibt sich halb beängstigt, halb belustigt unter die weltläufigen, gesättigten Löwen der Stadt, wohlwissend, dass sie nicht zu diesen mächtigen, alteingesessenen irgendwie schrecklichen New Yorkern gehört, bis sie eines Tages aufwacht und entdeckt, dass sie zu diesen mächtigen, alteingesessenen, irgendwie schrecklichen New Yorkern gehört. In Browns Version kommt ein Gefühl hinzu, das sie von Beginn an spürt und nie ablegen wird: Sie schwelgt in der Überzeugung, dass ihr wahres kreatives Leben anderswo schlummert. 'Amerika ist zu groß, zu reich, zu getrieben', schreibt sie. 'Amerika muss redigiert werden.'"

In der aktuellen Technik-Ausgabe des New Yorker ventiliert Sheelah Kolhatkar das eklatante Ungleichgewicht in Macht und Bezahlung zwischen Männer und Frauen im Silicon Valley. Der Schriftsteller Junot Diaz erinnert sich, wie er als Kind in Santo Domingo Spider Man sah. Taylor Clark erklärt, wie man mit dem Spielen von Online-Games reich wird. Hua Hsu schreibt über das Videospiel "Football Manager". Leo Robson liest Joseph Conrad. Und Anthony Lane sah im Kino Kenneth Branaghs "Murder on the Orient Express" und Joachim Triers "Thelma".

Magazinrundschau vom 07.11.2017 - New Yorker

Im aktuellen Heft des New Yorker erklärt Adam Gopnik anhand von Philip Roth' neuer Nonfiction-Sammlung ("Why Write?"), wie der Autor zum Patrioten wurde: "Roth' großes Thema ist, so stellt sich heraus, der Patriotismus: Wie die amerikanische Geschichte würdigen, ohne sie zu verkitschen? Wie eine amerikanische Identität behaupten und doch herausfinden, auf wie merkwürdige Weise Identitäten entstehen? So wie John Updikes Werk auf dem verschrobenen New Yorker Humor aufbaut, ist Roth' Schreibweise so eine Art innig verhaltenes amerikanisches Erzählen. Im Lauf seiner Entwicklung als Autor wurde er gewahr, so sagt er, dass vieles, mit dem er sich befasste, nicht im Modernismus wurzelte (Kafka, Beckett, Joyce), sondern im Amerikanischen Realismus, sogar Regionalismus, der 1940er Jahre. 'Die Schriftsteller, die meinen Sinn für Amerika geweitet und geformt haben, waren vor allem Kleinstädter aus dem Mittleren Westen und Süden', schreibt Roth. Leute wie Sherwood Anderson, Sinclair Lewis, Erskine Caldwell und Theodore Dreiser. 'Durch ihre Lektüre wurde der mythohistorische Entwurf, den ich während der Grundschulzeit zwischen 1938 und 1946 von meinem Land hatte, um seine Großartigkeit gebracht. Das Kriegspanorama mit seinen rührenden Huldigungen an das eigene Bild des Landes zerbrach in die Einzelteile individueller Themen der amerikanischen Wirklichkeit.'"

Außerdem: Ken Armstrong wundert sich über absurde Vorgänge in einer Reihe von Mordprozessen. Ian Frazier bestaunt New Yorks aufgemotzte Bayonne Bridge. Larissa MacFarquhar besucht eine von holländischen Einwanderern geprägte Kleinstadt, die zwar erzkonservativ ist aber nicht stagniert. Und Jeffrey Toobin sieht in Tom Cotton die Zukunft des Trumpismus.
Stichwörter: Philip Roth

Magazinrundschau vom 31.10.2017 - New Yorker

Das aktuelle Heft des New Yorker bringt eine Reportage von Luke Mogelson aus Rakka. Mogelson fragt sich, was mit den kurdischen Revolutionären passiert, jetzt, da sie geholfen haben, die Stadt vom IS zu befreien: "Der Groll, den viel Araber gegen den IS hegen, ist die Ursache für ihre Zusammenarbeit mit den Anhängern Abdullah Öcalans. Ob die gegenwärtige militärische Allianz sich zu einer dauerhaften politischen entwickelt, wenn der IS aus Syrien vertrieben sein wird, ist unklar. In Rakka scheinen die Kurden den Bund stärken zu wollen. Im April gründete eine Delegation von über hundert Vertriebenen, darunter Technokraten, Lehrer und Anwälte, den Rakka-Zivilrat, eine Regierungskörperschaft nach Maßgabe der Regionalversammlungen der neuen demokratischen Föderation in Nordsyrien. Wäre Rakka erst sicher, ließ die Delegation verlauten, würde der Rat, der von den USA unterstützt wird, die Regierungsgeschäfte der Stadt übernehmen … Die hinwegsehende Haltung des Rates gegenüber Ex-IS-Sympathisanten und seine Achtung für arabische Stammesstrukturen unterscheidet sich sehr von allem, was ich in Rojava (der Demokratischen Föderation Nordsyrien, d. Red.) gesehen habe. In den kurdischen Gebieten geht es nicht so sehr um arabische Unterstützung, sondern um Indoktrination. Alle Männer dort zwischen 18 und 30, gleich welcher Volkszugehörigkeit, müssen mindestens 10 Monate in der Nationalen Garde dienen. Dort geht es vor allem um die Mentalität, die Ansichten, darum, eine neue Gesellschaft aufzubauen … Viele kurdische Kämpfer in Rakka erzählten, als nächstes wollten sie die Türken bekämpfen … Aus amerikanischer Sicht wird die Verwendbarkeit der kurdischen Kämpfer nach der Niederschlagung des IS allerdings deutlich abnehmen. Schwer vorstellbar, dass die USA in einem Konflikt zwischen der Türkei und den Demokratischen Kräften Syriens (DKS) gegen ihren Natopartner agieren. Andererseits ist es auch schwer vorstellbar, dass die DKS einen türkischen Übergriff ohne militärische Unterstützung durch die USA überstehen."

Außerdem: Kathryn Schulz macht sich Gedanken über Wahrscheinlichkeitsrelationen im Bereich des Unwahrscheinlichen. Nicola Twilley staunt über eine neue Schlankheitspille. Keith Gessen liest neue Bücher über Stalin. Anthony Lane sah im Kino George Clooneys "Suburbicon". Und Anne Enright liefert eine Kurzgeschichte: "The Hotel".

Magazinrundschau vom 24.10.2017 - New Yorker

Im aktuellen Heft des New Yorker stellt Patrick Radden Keefe die Pharmadynastie der Sacklers (Purdue Pharma) vor, die uns seit Jahrzehnten verlässlich mit Opioiden versorgt: "Seit 1999 sind 200.000 US-Amerikaner an Überdosen von Purdues OxyContin und anderen Opioiden gestorben. Viele Abhängige, denen die verschreibungspflichtigen Schmerzmittel zu teuer waren, sind auf Heroin umgestiegen. Nach Angaben der American Society of Addiction Medicine haben vier von fünf Heroinabhängigen mit Schmerzmitteln angefangen. Die neuesten Zahlen des Centers for Disease Control and Prevention besagen, dass jeden Tag 45 Amerikaner an Opioid-Überdosen sterben. Andrew Kolodny, Co-Direktor eines Opioid-Forschungskollaborativs der Brandeis Universität, hat mit Hunderten Opioid-Abhängigen gearbeitet. Er sagte, auch wenn viele Opioid-Überdosen nicht mit OxyContin in Zusammenhang gebracht werden können, wurde die Krise durch eine von Purdue eingefädelte Wende in der Verschreibungspraxis initiiert: 'Sieht man sich den Verschreibungstrend für verschiedene Opioide an, erkennt man, dass die Zahlen 1996 in die Höhe gehen. Kein Zufall. Es war das Jahr, in dem Purdue eine großangelegte Kampagne startete, die eine Missinformation der medizinischen Gemeinde über die Risiken beinhaltete.' Laut Kolodny trägt Purdue den Löwenanteil der Schuld an der aktuellen Krise im öffentlichen Gesundheitswesen. Auch wenn der Name Sackler auf Dutzenden Gebäuden prangt, erwähnt die Purdue-Website die Familie kaum. Auf einer Liste der Firmen-CEOs fehlen die acht Familienmitglieder aus drei Generationen, die dieses Amt bekleideten."

In einem anderen Artikel besucht Peter Schjeldahl die Malerin Laura Owens in Los Angeles und lässt sich erklären, was Bildende Kunst heute bedeutet: "Indem sie etwa alte Zeitungen mit Kriegsmeldungen und Werbung aus dem Jahr 1942, die sie in ihrem Haus in Echo Park entdeckte, in einem komplizierten Verfahren auf Siebdruck übertrug und sie sowohl als Text wie auch als Textur verwendet, zeigt sich, wie sowohl Medium als auch Inhalt für sie zählen. Was zählt, ist ihre Besonderheit, die sie von Vergleichbarem unterscheidet. 'Alle Kunst ist heute Collage', erklärt sie und meint damit nicht einfach Cut 'n' Paste, sondern die Einbeziehung von Methoden und Bildern aus anderen Kontexten. 'Heterogen in der Form', fährt sie fort. 'Gegen das Paradigma des Gestaltobjekts eines Gemäldes von Jackson Pollock etwa, gegen das eine erschütternde Bild. Heute geht es in der Kunst um das Konstruiertsein aus der Beziehung zwischen Teilen."

Weitere Artikel: Anthony Lane sah im Kino Yorgos Lanthimos' Familiendrama "The Killing of a Sacred Deer" und Ruben Östlunds Kunstsatire "The Square". Alex Ross hörte Ashley Fures Musiktheaterstück "The Force of Things"

Magazinrundschau vom 17.10.2017 - New Yorker

Im aktuellen Heft des New Yorker erinnert sich Jonathan Franzen an eine Jugend im "scary" Manhattan der frühen 80er: "Wir lebten an einer Grenze. 1981, vor der totalen Gentrifizierung und den Masseninhaftierungen, war die Stadt geteilt in Schwarz und Weiß. Als ein junger Witzbold aus Harlem auf der Linie 3 nach Norden den Zaubertrick vollführte und alle weißen Fahrgäste an der 96. Straße verschwinden ließ, fühlte ich mich ertappt und schuldig, weil ich weiß war … In ästhetischer Hinsicht zog die Stadt mich an, aber ich hatte ständig Angst erschossen zu werden. Amsterdam Avenue war eine scharfe Grenze, nur ein einziges Mal stand ich auf ihrer Ostseite, nachdem ich den Fehler gemacht hatte, mit dem C-Zug bis zur 110. Straße zu fahren und von dort zu Fuß nach Hause zu gehen. Es war später Nachmittag und niemand nahm Notiz von mir, aber ich hatte irre Angst. Der Eindruck der Bedrohung wurde durch die Sicherheitsgitter und -schlösser an unserem Haus noch verstärkt. In meiner Vorstellung verband ich sie mit einem älteren weißen Nachbarn mit wütender Demenz, der manchmal an unsere Tür klopfte und, bekleidet nur mit einem Pyjama, schimpfend schwor, seine Frau würde mit Schwarzen verkehren. Auch vor ihm hatte ich Angst, und ich hasste ihn dafür, eine Teilung zu benennen, die wir liberalen Kinder stillschweigend akzeptierten."

Außerdem: Sheelah Kolhatkar stellt fest, dass Roboter längst nicht mehr uns assistieren, sondern umgekehrt. Ronan Farrow dokumentiert die Anschuldigen gegen Filmmogul Harvey Weinstein wegen sexueller Nötigung. Und Denis Johnson schickt eine Kurzgeschichte: "Strangler Bob".

Magazinrundschau vom 10.10.2017 - New Yorker

Im aktuellen Heft des New Yorker erzählt Joshua Yaffa die Geschichte eines riesigen Moskauer Apartmentkomplexes von 1930, in dem einst viele von Lenins Bolschewiki lebten und verhaftet wurden: "Die Schöpfer des neuen Staates brauchten ein Haus. Nach der Revolution besetzten Parteifunktionäre provisorisch den Kreml und die großen Hotels. Kollektive Wohnideen sollten her. Die postrevolutionäre Frühzeit war eine Zeit utopischer Experimente in der Architektur wie im Sozialen. Der Konstruktivist Konstantin Melnikov entwarf riesige 'Schlaflabore', in denen die Arbeiter mit wohlriechenden Düften und einer beruhigenden Soundkulisse einschlafen sollten. In den späten 20ern hatte Stalin diesen Geist vereitelt. Der Bau des 'Hauses der Regierung' begann 1928. Das Design von Boris Iofan bot Gemeinschaftsdienste an, aber erlaubte das Wohnen in traditionellen Familienwohneinheiten … Doch so wie das Gebäude seine Versprechen nicht hielt, so hielt die frühe Sowjetunion die ihren nicht", erzählt Yaffa weiter. Die ursprünglichen Bewohner verschwanden bald einer nach dem anderen: "Während Stalins Säuberungen in den 1930er Jahren bekam das Haus den zweifelhaften Ruf, die höchste Pro-Kopf-Quote an Verhaftungen und Hinrichtungen zu haben. Kein anderes Gebäude in Moskau stellt ein solches Tor in die Welt der bürokratischen Privilegien der Sowjet-Ära dar und in den Horror, zu dem diese Privilegien oft führten. Heute ist das Gebäude so etwas wie ein verwunschenes Museum von Russlands Vergangenheit."

Weitere Artikel: Alexandra Schwartz porträtiert die Schriftstellerin Jennifer Egan. Andrew Marantz zeichnet den Werdegang des rechtsnationalen Bloggers Mike Peinovich alias Mike Enoch nach. Claudia Roth Pierpont liest Walter Isaacsons Leonardo-da-Vinci-Biografie. Jill Lapore vertieft sich in die Begräbnis-Riten, die die ihr die Bestatterin Caitlin Doughty in ihrem Buch "From Here to Eternity. Traveling the World to Find the Good Death" vorstellt. Anthony Lane sah im Kino Denis Villeneuves "Blade Runner 2049". Lesen dürfen wir außerdem Tessa Hadleys Erzählung "Funny Little Snake".

Magazinrundschau vom 04.10.2017 - New Yorker

Wie geht Mexiko um mit einem amerikanischen Präsidenten, der dem Land eine Mauer vorsetzen möchte? Für eine Antwort blickt Jon Lee Anderson im neuen Heft zurück auf das Freihandelsabkommen zwischen Kanada, USA und Mexiko (NAFTA): "Der landwirtschaftliche Sektor im Süden Mexikos wurde zerstört. Dörfer und Städte, die auf den Absatz ihrer Waren angewiesen sind, mussten zusehen, wie ihre Märkte zusammenbrachen und durch Drogenkartelle ersetzt wurden. Zugleich wurde Mexiko von den USA abhängig wie nie. Obwohl die Landwirtschaft ihre Ware nicht los wird, wird amerikanisches Getreide importiert … Als Ergebnis der wirtschaftlichen Abhängigkeit (zu der auch gehört, dass Mexikaner massenhaft in die USA emigrieren und die Löhne nach Hause senden, d. Red.) nahm der Antiamerikanismus aber in den letzten Jahren ab. Nun haben Trumps Deportations- und Steuerdrohungen die Arbeitsmigranten und ihre Familien zu Hause in Angst versetzt. Der Historiker Enrique Krauze: 'Die Popkultur macht sich mit Trump-Piñatas und -Masken lustig, aber der Normalbürger hat Angst. Trumps Aggression war ein Schock.'"

Weiteres: Kelefa Sanneh denkt über die Grenzen der Diversität nach. Janet Malcolm porträtiert die Fernsehmoderatorin Rachel Maddow vor, in deren TV-Show Liberale sich so frei fühlen dürfen wie nirgends in Trumpworld. Anthony Lane sah im Kino Sean Bakers Film "The Florida Project" und Ritesh Batras "Our Souls at Night" auf Netflix. Dan Chiasson liest David Yaffes neue Joni-Mitchell-Biografie "Reckless Daughter". Lesen dürfen wir außerdem Sarah Shun-lien Bynums Erzählung "Likes".

Magazinrundschau vom 26.09.2017 - New Yorker

Im aktuellen Heft des New Yorker denkt Hannah Beech über die Wandlung der birmanischen Politikerin Aung San Suu Kyi nach. Einst für gewaltlose Demokratisierung stehend, scheint sie nun den Pakt mit dem Militär zu suchen: "Sie hat kaum eine andere Wahl, als mit ihren einstigen Gegnern zusammenzuarbeiten. Die Euphorie, die ihren Aufstieg begleitete, verdeckte die andauernde Macht des Militärs. Die Armee kontrolliert das Verteidigungsministeriumm, das Ministerium des Innern und die Belange der Grenzsicherung, ein Viertel der Parlamentssitze sind Männern in Uniform vorbehalten. Sogar Ministerien in ziviler Hand, wie das Finanzministerium, sind voll mit alten Seilschaften, ein Großteil des Staatshaushalts ist für das Militär reserviert. Myanmars Verfassung, 2008 von den Militärs entworfen, birgt weitere Schwierigkeiten. Sie erlaubt der Armee einen Ausnahmefall auszurufen und die Macht zu übernehmen. Darüber hinaus enthält sie eine Klausel, die eine Präsidentschaft Suu Kyis verhindert (ihr derzeitiger Titel 'Staatsrat' ist ein Notbehelf). Suu Kyi würde die Verfassung gerne ändern und Präsidentin werden, doch dazu benötigt sie die Unterstützung des Militärs. Für ihre Verteidiger ist ihre prekäre konstitutionelle Position ein Grund für ihre Schweigen zu militärischen Vergehen. Während sie das Militär zu einer Verfassungsreform bewegt, muss sie es vermeiden, dass die Armee sich gegen sie wendet und wieder die Macht übernimmt. Allerdings ist ihr Unvermögen, das Militär in seine Schranken zu weisen, mehr als Pragmatismus. Die Partei, der sie vorsitzt (Nationale Liga für Demokratie NLD, die Red.), wurde von einem Oberbefehlshaber der bewaffneten Kräfte mitbegründet, und einige ihrer engsten Berater sind Ex-Offiziere. Die NLD wird mit militärischer Emphase auf Loyalität und Hierarchie geführt. Wenige Mitglieder trauen sich, die Partei oder ihre Führung öffentlich zu kritisieren."

Außerdem: Atul Gawande fragt, ob Gesundheitsfürsorge eine Art Menschenrecht ist. Peter Schjeldahl stellt uns das Genie von Auguste Rodin vor. Und Alex Ross erklärt, wie die Landschaft Nebraskas die Schriftstellerin Willa Cather beinflusst hat.

Magazinrundschau vom 19.09.2017 - New Yorker


Iris van Herpen, aus der Haute-Couture-Kollektion Aeriform Winter 17/18

In der aktuellen Ausgabe des Magazins bestaunt Rebecca Mead die Kreationen der niederländischen Modedesignerin Iris van Herpen, die sich von Kabelbäumen im Kernforschungszentrum CERN in Genf inspirieren lässt und 3-D-Druck mit Handnäharbeit verbindet: "Auch wenn van Herpen als eine der innovativsten und konsequentesten Modedesignerinnen gilt, sehen ihre Arbeiten oft eher wie moderne Skulpturen aus. Sie liebt Formen, die die Anatomie herausfordern, und hat Abendkleider mit Eiszapfen aus Akryl entworfen und Tops aus flambiertem Eisengeflecht. Ihre Progammhefte beschreiben stolz das Konzeptuelle der Kleider: In ihrer Show 'Biopiraterie' von 2014 hieß es: 'Genpatente werden verkauft; besitzen wir unseren Körper noch?' Damals ließ sie künstliche Feueropale in seidene Kleider einnähen, die wie sich replizierende Zellen über den Körper wanderten. Van Herpens Arbeit vereint neueste Technologie und Handwerkskunst … Das surrealste ihrer Kostüme war der 'Samurai', ein schwarzer Bodysuit mit Hand-, Fuß- und Kopfteilen, auf den Dutzende Regenschirm-Speichen genäht waren. Die Trägerin des Kostüms war die Pina-Bausch-Tänzerin Clémentine Deluy.  Sie sah monströs aus damit, umgeben von einem zitternden Kranz aus Stacheln, der all ihre Bewegungen verstärkte."

Aus der Sommerkollektion von Amaka Osakwe
Alexis Okeowo porträtiert die Designerin Amaka Osakwe, die im religiös-konservativen Nigeria arbeitet, wo sich Christen und Muslime in einer Sache einig sind: dass eine anständige Frau züchtig gekleidet zu sein hat. "Osakwes Kleider - für Kunden, die sie sich leisten können - sind beides, Rüstung und Lingerie: einschüchternd und zugleich einladend, mit starken Linien und weichem Material. Sie reflektieren ihr Bewusstsein, dass nigerianische Frauen pausenlos darüber verhandeln, wie hart oder wie weich sie in einer patriarchalen Gesellschaft sein können. 'Ich lebe das ja auch, und ich habe immer noch keine gültige Formel dafür gefunden', sagt Osakwe. 'Ich glaube, keine Frau hat das, und jede Frau trifft eine Wahl auf Kosten von etwas anderem.'"

Weitere Artikel: Burkhard Bilger stellt den Plumassier Eric Charles-Donatien vor, einen Mann, der Kleider und Accessoires aus Federn entwirft. Eva O'Leary besucht die Beautycon in Los Angeles, wo an zeitgenössischen Ideen für Makeup gebastelt wird.

Außerdem: James Wood las Jenny Erpenbecks "meisterhaften" Roman "Go, Went, Gone". Sheila Heti stellt die Schweizerisch-italienische Autorin Fleur Jaeggy vor. Emily Nussbaum sah im Fernsehen erste Folgen von "The Deuce". David Remnick las "What Happened", Hillary Clintons Rückblick auf den Wahlkampf. Anthony Lane sah im Kino Darren Aronofskys "Mother!" und "Battle of the Sexes" von Jonathan Dayton und Valerie Faris. Lesen dürfen wir außerdem Jonas Hassen Khemiris Erzählung "As You Would Have Told It to Me (Sort Of) If We Had Known Each Other Before You Died".
Stichwörter: Hillary Clinton
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