Magazinrundschau - Archiv

Die Weltwoche

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Magazinrundschau vom 06.04.2010 - Weltwoche

Instruktive, aber nicht ganz unpikante Details aus dem Schweizer Literaturleben bringt Pia Reinacher in einem längeren Essay zu den Wirren um Max Frischs nachgelassene "Entwürfe zu einem dritten Tagebuch", die erst in zwei Wochen erscheinen, aber im Schweizer Teil der Zeit (von dessen Existenz wir erst jetzt erfuhren) unter Brechung der Sperrfrist schon am 18. März besprochen wurden. Der Artikel ist im Netz nicht mehr zu finden ("Fehler 404"). Die Autoren Julian Schütt und Peer Teuwsen wenden sich darin laut Reinacher gegen die Veröffentlichung und nehmen Argumente Adolf Muschgs auf, der ebenfalls in einem Gutachten abgeraten hatte. Reinacher schildert es als Episode in der facettenreichen Rivalität der Schweizer Literaturgranden Muschg und seines Widerparts Peter von Matt, des Herausgebers der "Entwürfe": "Beide haben ein lustbetontes Verhältnis zur Macht. Beide sind nicht ohne Eitelkeit. Gerne profilieren sie sich bei jeder Gelegenheit als Instanzen und haben inzwischen zu so etwas wie Ratgebern der Öffentlichkeit in allen Lebenslagen mutiert. Beide lieben die Freundschaft von Politikern und lassen gerne durchblicken, wann welcher Bundesrat sie zum Essen eingeladen hat. Beide pflegen ihr gesellschaftliches Beziehungsportfolio mit dem eiskalten Kalkül eines Anlageberaters, um die eigenen Aktien zu optimieren. Beide verfügen in der Medienszene über ein getreues Stoßtrüppchen von ehemaligen Schülern - wir alle haben bei ihnen studiert und promoviert..."

Magazinrundschau vom 09.03.2010 - Weltwoche

Peter Keller hat den emeritierten Informatikprofessor und Entwickler der Programmiersprache "Pascal" Niklaus Wirth getroffen, der im Interview ein für den deutschen Sprachraum sehr entspanntes Verhältnis zum Internet offenbart. Angst, ausgeforscht und "in Mathematik übersetzt" zu werden, hat er nicht. "Nein, diese Gefahr scheint mir übertrieben. Der Mensch lässt sich nie so in Mathematik übersetzen. Außerdem ist Mathematik in diesem Zusammenhang das falsche Wort. Man will sagen, in konkretes Regelwerk. Die Aussage von Autor Schirrmacher relativiert sich, wenn wir sehen, wie vieles ganz selbstverständlich von Maschinen dominiert wird. Zum Beispiel der Eisenbahnverkehr. Der Computer berechnet die Fahrpläne, und der Lokführer hat sich daran zu halten. Insofern ordnen wir uns den Computern unter, was mich nicht weiter stört. Das Ganze geschieht zum Vorteil von uns allen."

Magazinrundschau vom 19.01.2010 - Weltwoche

Die Deutschen kapieren die Schweizer einfach nicht, meint der Schriftsteller und Kabarettist Andreas Thiel. "Die Deutschen haben ein konfrontatives Gesprächsverhalten. Was ein Deutscher sagt, klingt in unseren Ohren oft wie ein Befehl. In der Schweiz hingegen pflegt man die permanente Deeskalation." Und die geht so: "Ein deutscher Freund fragt mich in der Beiz: 'Noch ein Bier?', um dann nach einem kurzen 'Ja' meinerseits folgende Bestellung aufzugeben: 'Noch zwei Bier!' Schweizer hingegen deeskalieren Frage, Antwort und Bestellung präventiv: 'Was meinsch, sölle mer ächt no eis näh?' - 'I gloube, s chönnt nüt schade...' - 'Mir numte de äuä no eis.'"
Stichwörter: Andreas Thiel

Magazinrundschau vom 08.12.2009 - Weltwoche

Roger Köppel empört sich über die Kritik an der Minarett-Entscheidung, die er undemokratisch findet. "Es wird ein unlauteres Spiel gespielt. Die Kritiker der direkten Demokratie stellen einen künstlichen Gegensatz her zwischen Völkerrecht und Volkssouveränität. Durch die Beschwörung internationaler Gerichte sollen die Mitspracherechte der Schweizer Stimmbürger beschnitten werden. Der Bezug auf die hehren Werte und Ideale des weltumspannenden Völkerrechts bemäntelt einen kalten Willen zur Macht. Die selbsternannte Elite will sich das unbotmäßige Volk vom Hals schaffen. Wer die direkte Demokratie gegen den Rechtsstaat ausspielt, beabsichtigt die Einschränkung der Demokratie auf Kosten ihrer Bürger. Das ist ein fataler Trend, und er steht im klaren Gegensatz zu den historischen Erfahrungen unseres Landes." Moment! Wurde nicht 1990 das Frauenwahlrecht in Appenzell Innerrhoden gegen die ablehnende Abstimmung der männlichen Stimmbürger auf Beschluss des Bundesgerichts eingeführt?

Der Hotelier Peter Bodenmann stellt Gleichstellungsforderungen auf, die wir von Herzen unterstützen: Geht es nach dem Walliser Bischof Norbert Brunner, sollen Priester künftig heiraten können. Aber das reicht nicht. "Brunners Forderung ist eine Revolution, wenn auch eine unvollendete: Warum sollen Priester Frauen heiraten dürfen, Frauen aber weiterhin nicht Priesterinnen werden dürfen? Warum sollen künftig katholische Priesterinnen nicht das Recht haben, Männer zu heiraten oder Päpstin zu werden? Wer den ersten Schritt wagt, müsste den zweiten und den dritten auch angehen. Denn für die Katholiken in der Schweiz hat das Gleiche zu gelten wie für die Muslime in der Schweiz: Irrationale Religionen dürfen nicht die Gleichstellung behindern."

Außerdem: Martin Schubarth erklärt der Regierung genau, wie sie sich vor dem Gerichtshof in Straßburg zu verhalten hat. Und Andreas Gross, ein Gegner des Minarettverbots, bedauert das Versagen der Parteien und der Medien.

Magazinrundschau vom 30.06.2009 - Weltwoche

Das Ruhigstellen besonders quirliger Kindern mittels Ritalin ist ein Verbrechen, ruft der Sonderpädagogik-Professor Georg Feuser im Interview: "Ich hatte an einem Freitag Eltern in meinem Büro sitzen, die fragten: 'Was sollen wir machen, der Lehrer hat gesagt, wenn unser Kind am Montag nicht Ritalin nimmt, fliegt es aus der Schule." So weit geht das. Es gibt Stimmen aus der neurowissenschaftlichen Forschung, die warnen. Kinderhirne sind in Entwicklung. Eine Langzeitbehandlung könnte Defizite im dopaminergen System zur Folge haben, und es könnte eine massive Zunahme von Parkinson-Erkrankungen resultieren. Von 1990 bis 1997 ist die Produktion von Ritalin von 2,8 auf 13,5 Tonnen pro Jahr gestiegen. Das ist eines der einträglichsten Geschäfte für die Pharmaindustrie. Rechnen Sie das mal in Gewinnmargen um! Heute werden schon ein, zwei oder drei Kinder pro Primarklasse mit Ritalin versorgt. Damit ist eine ungeheure Geschäftemacherei verbunden. Und dies vor dem Hintergrund, dass man noch nahezu nichts Zuverlässiges weiß. Die massenhafte Verordnung von Ritalin gehört aus meiner Sicht verboten. Es ist ein Verbrechen an der Menschheit."

Magazinrundschau vom 16.06.2009 - Weltwoche

Dambisa Moyo, eine Ökonomin und Buchautorin aus Sambia, erklärt im Interview, warum Entwicklungshilfe schlecht ist für Afrika und der Westen sich ein Beispiel an China nehmen sollte: "Die Chinesen haben in zehn Jahren das erreicht, worin der Westen sechzig Jahre versagt hat. Sie haben eine Infrastruktur aufgebaut und weit über 100 000 Jobs geschaffen. Allein im Jahr 2004 investierte China 900 Millionen Dollar in Afrika, die USA nur 10. China kaufte Kupfer- und Kobaltminen im Kongo, Eisen- und Platinminen in Südafrika, Textilfabriken in Lesotho, kaufte sich mit 20 Milliarden in Afrikas größte Bank ein, beteiligte sich für 3 Milliarden Dollar an einem nigerianischen Ölfeld. Mittlerweile stammen 30 Prozent der Rohölimporte Chinas aus Afrika. China baute Straßen in Äthiopien, Pipelines im Sudan, Elektrizitätswerke in Ghana. Man baute 30 Spitäler, 100 Schulen, 2000 Studenten erhalten jedes Jahr Stipendien für chinesische Universitäten." Und Europa? "Afrika verliert jedes Jahr 500 Milliarden durch Handelsembargos. Die EU schützt ihre Märkte am meisten. Jede Kuh aus der EU wird pro Tag mit 2,5 Dollar gesponsert. Das ist mehr, als über eine Milliarde Menschen jeden Tag zum Leben hat." (Mehr dazu im "Hard Talk" der BBC mit Moyo.)

Magazinrundschau vom 02.06.2009 - Weltwoche

Mindestens zwei Fälschungen werden in der van-Gogh-Ausstellung im Basler Kunstmuseum präsentiert, "Jardin a Auvers" und "Le jardin de Daubigny", behauptet der Kunsthistoriker Matthias Arnold und legt im Detail dar, warum er das glaubt. Es ist nicht das erste Mal, dass van-Gogh-Fälschungen in einem großen Museum hängen. Und immer hat ein Kunsthändler dabei die Hand im Spiel. Diesmal ist es der Zürcher Kunsthändler Walter Feilchenfeldt, "der eigentliche Anreger und Organisator der gegenwärtigen Basler Van-Gogh-Ausstellung. Der Katalog enthält unzählige Verweise auf seinen Namen. Ein Schweizer Verlag ist sich bewusst, in seinem Miteigentümer 'Feilchenfeldt einen wegweisenden Van-Gogh-Experten zur Seite' zu haben. In jüngster Zeit wird Walter Feilchenfeldt immer wieder nicht nur von sich selbst und seinen Mitarbeitern, sondern auch in Verlautbarungen des Van-Gogh-Museums sowie momentan gerade vor allem in Schweizer Publikationen als 'Van-Gogh-Experte' bezeichnet. Die Frage stellt sich, wie unabhängig er ist."

Magazinrundschau vom 28.04.2009 - Weltwoche

Pierre Heumann schüttelt den Kopf über die Naivität, mit der Finanzminister Hans-Rudolf Merz und Bundesrätin Micheline Calmy-Rey in die PR-Falle Achmadinedschads gestolpert sind, der in Genf an der Antirassismuskonferenz teilnahm. "Beide scheinen nicht zu verstehen, wie die reale Welt funktioniert. Weder haben sie je im Ausland gelebt noch internationale Erfahrung sammeln können. Die eine ist nicht weit über Genf, der andere nicht weit über Herisau herausgekommen. Die Weltfremdheit zeigte sich diese Woche einmal mehr. Calmy-Rey, die sich mit Verve für die Antirassismuskonferenz in Genf eingesetzt hatte, hat sich für einen Flop verwendet – obwohl sie es besser hätte wissen müssen. Auch Merz hat seine Zeit verschwendet. Keine 24 Stunden nach dem Arbeitsgespräch hielt Achmadinedschad, eben noch im Geplauder mit Merz, eine seiner Hassreden gegen Israel. Viele Delegierte verließen unter Protest den Saal. Die Schweizer Delegation blieb sitzen."

Außerdem: Modedesigner Matthew Williamson stellt seine Kollektion für H&M vor: "Neben farbenprächtige Pfauenfedern habe ich eher gedämpfte Olive- und Erdtöne gesetzt."

Magazinrundschau vom 17.02.2009 - Weltwoche

Malte Hertwig hat in der NSDAP-Mitgliederkartei im Bundesarchiv in Berlin eine Mitgliedskarte von Hans Werner Henze gefunden. Ein unterschriebener Aufnahmeantrag liegt nicht vor. Ob der 1926 geborene Komponist, den Antrag selbst gestellt hat (er bestreitet das), weiß Hertwig nicht. In seinem Artikel, in dem viel von "verdrängter Vergangenheit" die Rede ist, hält er es immerhin für möglich, dass Henzes Vater den Antrag gestellt hat. "Seinen Vater, den Lehrer Franz Henze (1898-1945), beschreibt der Komponist als überzeugten Nationalsozialisten, der für ihn, den homosexuellen, linkshändigen Außenseiter, zum Inbegriff des totalitären NS-Regimes wurde. 'Mein Hass auf den Vater', schreibt Henze in 'Musik und Politik', 'verschränkte sich mit dem Hass auf den Faschismus und übertrug sich auf die Nation der Soldaten, die mir als eine Nation von Vätern erschien.' Noch dreißig Jahre nach Franz Henzes Tod plagen den Sohn 'Magenkrämpfe bei Erinnerungen an den Vater, die nun unentwegt heraufkommen aus dem großen schwarzen Teich des Vergessens'."

Nur im Print: Ein Interview mit Wolf Biermann.

Magazinrundschau vom 20.01.2009 - Weltwoche

Der wirtschaftliche Erfolg von Facebook ist viel kleiner als der Publikumserfolg. Trotzdem wird es nicht untergehen, glaubt Michael Maier, wenn nur die Werbewirtschaft endlich mal auf Zack käme: "Ob die vielen Experimente, die die Markenindustrie gestartet hat, um die Facebook-Nutzer zu erreichen, von Erfolg gekrönt sein werden, wird in erster Linie davon abhängen, ob sich die Werbetreibenden den neuen Spielregeln - Offenheit, Direktheit, Kritikfähigkeit, Dezentralisierung und PR-Aversion - unterwerfen können und wollen."

Weiteres: Felix Hutt verwandelt sich innerhalb kürzester Zeit in einen Facebookabhängigen. Warum gibt es eigentlich keinen Tatort aus der Schweiz? Angela Montanile, Chefin der Sittenpolizei von Zürich, wäre ein perfektes Vorbild. Im Interview spricht sie, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, über ihre Arbeit und den Drogenhandel im Langstraßenquartier: "Dort gibt es zu den Happy Hours alles zu kaufen, von Sex bis Freebase. Da denke ich manchmal: Gopfriedstutz, wann sehen wir eine positive Entwicklung über einen längeren Zeitraum?"
Stichwörter: Drogenhandel, Tatort
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