Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

802 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 81

Magazinrundschau vom 19.05.2026 - New York Times


Erinnert sich noch jemand an diesen Schafskrimi, "Glennkill", den die damalige Münchner Doktorandin Leonie Swann 2005 veröffentlichte? Der ist jetzt in Hollywood verfilmt worden. Mit eindrucksvoller Besetzung: Nicholas Braun, Emma Thompson und Hugh Jackman, den Schafen liehen unter anderen Julia Louis-Dreyfus, Chris O'Dowd und Patrick Stewart ihre Stimme. Sarah Lyall ist nicht unbeeindruckt: "Es ist entscheidend, dass 'die Schafe in dieser Welt Schafe sind' und keine Menschen in Schafskleidern, sagt Regisseur Kyle Balda. 'Es ist keine Geschichte, in der sie mit Menschen zusammenarbeiten und mit diesen sprechen.' Das bedeutet, dass die Schafe im Film, genau wie echte Schafe, eine kurze Aufmerksamkeitsspanne haben. Sie haben Angst, die Straße zu überqueren. ... Und wann immer sie sprechen, klingen ihre Worte für Menschen wie Blöken, so wie die Sprache der Erwachsenen in den 'Peanuts'-Cartoons für Charlie Brown und seine Freunde wie unverständliches Trombonengeplapper klingt." Die Anführerin Lily, im Buch Miss Maple, wird von Julia Louis-Dreyfus gesprochen. "Lily ist zweifellos kein Mensch; unter anderem hat sie, wie ein echtes Schaf, ein relativ unbewegliches Gesicht, das durch lebhafte Ohren kontrastiert wird. 'Aber ihre Reise ist eine menschliche Reise, auf der sie bestimmte Dinge über das Leben erkennt, die sie zuvor nicht verstanden hat', sagte Louis-Dreyfus. 'Es geht auch um die Frage, eine Anführerin zu sein, und wie man das macht, wenn man seine eigene Sichtweise hinterfragt.'"
Stichwörter: Swann, Leonie

Magazinrundschau vom 14.04.2026 - New York Times

Die Frage, wer der Erfinder von Bitcoin ist - angeblich ein Japaner namens Satoshi Nakamoto, sorgt bis heute für Kopfzerbrechen. Die HBO-Dokumentation "Money Electric" meinte, einen kanadischen Software-Entwickler entlarvt zu haben. Aber John Carreyrou mag in einem epischen Artikel nicht daran glauben und hat einen anderen Vorschlag: Es handelt sich um den 50-jährigen Briten Adam Back, der auch in der Doku interviewt wurde. Carreyrou erzählt, wie er ihm auf die Spur kam: Er las die Texte in alten Cypherpunk-Foren, die sich noch vor dem WWW in Mailing-Listen tummelten, suchte hier nach bestimmten Schlagworten, und glich diese Schlagworte wiederum mit Äußerungen einiger Verdächtiger auf Twitter ab. Die bei weitem größte Häufung von Schlagworten wie wie "abandonware", "hand tuned" und "a menace to the network" fand er bei Adam Back, der auf Twitter 830.000 Follower hat und im Bitcoin-Bereich unternehmerisch tätig ist. Carreyrou erzählt, wie er Back auf einer Konferenz in Las Vegas ansprach, wo dieser offen aus seiner Geschichte erzählte: "Back erzählte, dass er sich im Alter von 11 Jahren auf einem Timex-Sinclair-PC das Programmieren selbst beigebracht habe und sich in der High School für Kryptografie zu interessieren begann. An der Universität Exeter entwickelte sich daraus eine Leidenschaft, als ein Kommilitone Back, der gerade seinen Doktor in Informatik machte, auf 'P.G.P.' aufmerksam machte - ein kostenloses Verschlüsselungsprogramm, das von Anti-Atomkraft-Aktivisten und Menschenrechtsgruppen genutzt wurde, um ihre Dateien und E-Mails vor staatlicher Überwachung zu schützen. Back war von den Anwendungsmöglichkeiten von PGP - kurz für 'Pretty Good Privacy' - so begeistert, dass er nach eigenen Angaben den Großteil seiner Promotionszeit damit verbrachte, 'tief in den Kaninchenbau der Kryptografie einzutauchen'. Er habe sich so sehr davon ablenken lassen, erinnert er sich, dass er seine Dissertation in die letzten sechs Monate an der Universität quetschen musste und verglich sich dabei mit einem Piloten, der ein Flugzeug notlandet." Falls Back Nakamoto ist, wäre er eine gute Partie: Nakamoto hat am Anfang von Bitcoin 1,1 Millionen Bitcoin "geschöpft", die heute 118 Milliarden Dollar wert wären.

Magazinrundschau vom 30.03.2026 - New York Times

C.J. Chivers erzählt in einer langen Reportage, wie die Einwohner Kiews den härtesten Kriegswinter seit dem Zweiten Weltkrieg überstanden haben. Es sind einfache Geschichten. Immer wieder sagen die Leute, dass es das Beibehalten täglicher Routinen war, das sie rettete. So etwa Olena, die in einer Plattenbauwohnung in der fünften Etage wohnt - mit ihrer Tochter Vladyslava (13) und ihrem zweiten Ehemann Vadym Yudytskyi, der in einer Brauerei arbeitet. Auch sie konnten im Januar und Februar oft nicht heizen. "Als Bankangestellte hat Olena eine verantwortungsvollen Job. Außerdem stand sie vor einer besonderen Herausforderung: Sie musste für einen Teenager ein Gefühl der Stabilität schaffen. 'Damit sich ein Kind sicher und geborgen fühlt', sagt sie, 'sollten die Eltern emotional ausgeglichen sein.' Stabilität war eine Entscheidung, die Taten erforderte. In Erwartung eines harten Winters kaufte Olena im vergangenen Herbst eine Powerbank, stellte einen Butan-Campingkocher in der Küche auf und meldete sich und ihre Tochter für eine Mitgliedschaft in einem beheizten Schwimmbad an, das sie jedes Wochenende besuchten. Nachdem die Innentemperaturen des Gebäudes im Januar gesunken waren, zog sie aus ihrem Schlafzimmer, das an einer Außenwand lag, aus und mit Vladyslava in den Eingangsbereich um. Dort schliefen sie gemeinsam in den Nächten, in denen Vadym arbeitete; Shusha, ihre Katze, und Ivi, ihr englischer Spaniel, rollten sich neben ihnen zusammen." Die Ukraine hat nicht nachgegeben, resümiert Chivers. "Sie kämpft weiter und hält Russlands weitaus größere Armee weiterhin in Schach, während sie die Front mit den Leichen der Invasoren übersät. Ein Volk, das ins Visier genommen wird, ist in seinem Groll und seiner Abscheu nur noch entschlossener geworden."
Stichwörter: Ukrainekrieg, Kiew

Magazinrundschau vom 24.03.2026 - New York Times

Robert Kennedy Jr. ist nun seit gut anderthalb Jahren Gesundheitsminister in den USA. Jeneen Interlandi hat bei über vierzig Mitarbeitern der "Centers for Disease Control and Prevention", einer der größten Gesundheitsbehörden der Welt, nachgefragt, wohin die Reise führt. Kennedy ist in manchen Punkten zweideutig. So hat er sich nicht eindeutig gegen Impfungen ausgesprochen - und verbreitet doch immer wieder Verschwörungstheorien zu dem Thema. In anderen Bereichen gibt es Kahlschläge. 2.400 Mitarbeiter wurden im Rahmen des DOGE-Programs gefeuert. Die Abschaffung der Entwicklungshilfeagentur USAID hat ebenfalls Konsequenzen, wie ein Mitarbeiter berichtet: "Die CDC hat über USAID auch viel im Bereich Malaria geleistet, doch diese Arbeit wurde vollständig eingestellt. In den Vereinigten Staaten gibt es bereits rund 2.500 Fälle von Malaria, die sich Reisende zugezogen haben, und vor zwei Jahren gab es zehn Fälle lokaler Übertragung. Diese Zahlen werden nun steigen, und die Kosten für die Bekämpfung der Malaria werden zunehmen, insbesondere in Regionen wie Florida, Puerto Rico und Texas." Als sich Masernfälle häuften, empfahl Kennedy Dorschlebertran. Einige Monate später stiegt die Zahl der Masernfälle auf 800, der größte Ausbruch, "seit der Erklärung der Ausrottung der Krankheit in den Vereinigten Staaten im Jahr 2000".
Stichwörter: Kennedy Jr., Robert F.

Magazinrundschau vom 17.03.2026 - New York Times

Bestellen Sie bei eichendorff21!
Clive Thompson, Autor des Buchs "Coders: The Making of a New Tribe and the Remaking of the World" hat mit Dutzenden Programmierern im Silicon Valley gesprochen, Leuten von Google, Apple oder Amazon. Sie alle berichten dasselbe: Sie sind Zeugen einer der seltsamsten industriellen Revolutionen, die sich je ereignet hat. Ihre Arbeit hat sich durch KI von Grund auf geändert. Statt mühsam Code-Zeile für Code-Zeile zu schreiben oder nach einigen Automatisierungen der letzten Jahrzehnte Code-Bausteine aneinanderzusetzen und zu verfugen, sprechen sie mit der AI. Und das ist wörtlich gemeint: "Für die meisten Programmierer, die ich kennengelernt habe, bedeutet das Erlernen der Arbeit mit KI, dass sie lernen müssen, mit KI zu kommunizieren, ein überraschendes Paradoxon dieses neuen Zeitalters, denn traditionell war das Programmieren ein Zufluchtsort für Introvertierte, die es vorzogen, bei der Arbeit so wenig wie möglich mit anderen zu sprechen. Doch nun besteht ihre gesamte Arbeit darin, ständig mit dieser fremden Lebensform zu kommunizieren." Ganz so einfach, wie es sich der Laie erträumt, wird es dennoch nicht, so Thompson: "Auch wenn das Beschreiben und Sprechen mittlerweile einen Großteil der Arbeit eines Softwareentwicklers ausmacht, bleibt die Kommunikation ziemlich komplex und hochtechnisch. Ein Laie kann das nicht. Man kann einem Agenten nicht einfach sagen: 'Erstelle mir den Code für ein erfolgreiches Start-up.' Die Agenten funktionieren am besten, wenn man sie bittet, einen Schritt nach dem anderen auszuführen; verlangt man zu viel von ihnen, verlieren sie den Überblick." In hochkomplexen Sofwaregefügen wie etwa bei Google hat sich die Arbeit um zehn Prozent beschleunigt, vermutet Thompson. Dass im Silicanon Valley in den letzten Jahren 700.000 Software-Ingenieure entlassen worden sind, hat noch nichts mit KI zu tun. Aber dennoch: "Wer stellt schon einen Neuling ein, wenn ein erfahrener Ingenieur mit einer ganzen Armee untoter Code-Gespenster viel produktiver sein kann?"
Stichwörter: Künstliche Intelligenz

Magazinrundschau vom 10.03.2026 - New York Times

Matthieu Aikins und Wesley Morgan haben sich mit ehemaligen Mitgliedern der Zero Units unterhalten, das waren von der CIA gegründete afghanische Spezialeinheiten, die gemeinsam mit amerikanischen Soldaten gegen die Taliban gekämpft hatten. Waisenknaben sind das nicht - den Einheiten wurden auch Morde an Unbewaffneten vorgeworfen. Tatsache ist aber auch, dass sie von der CIA ausgebildet, trainiert und als Mitkombattanten eingesetzt wurden. Nach dem Krieg konnten viele in die USA reisen. Als Kämpfer waren sie bei den Amerikanern höchst respektiert, aber als Nachbarn? "'Es gab nie einen Plan, sie alle nach Amerika zu holen', sagte ein hochrangiger pensionierter CIA-Beamter. Er sagte, viele Berater seien der Meinung gewesen, dass es keine gute Idee sei, Tausende von ihnen in den Vereinigten Staaten anzusiedeln. Die kulturelle Kluft sei zu groß, und viele der Soldaten hätten kaum eine Ausbildung oder Erfahrung mit anderen Dingen als dem Krieg. 'Die paramilitärischen Leute, mit denen ich gesprochen habe, sagten: Ich vertraue diesen Leuten hier mit meinem Leben, aber ich möchte sie nicht als Nachbarn in den USA haben.'" Doch das Chaos des US-Rückzugs ließ Joe Biden damals kaum eine andere Wahl, wollte er die Kämpfer nicht von den Taliban abschlachten lassen. Es lief auch alles einigermaßen, bis Rahmanullah Lakanwal, ein afghanischen Flüchtling, der Teil der Zero Units gewesen war, letzten November zwei Soldaten der Army National Guard in Washington, D.C. erschoss. Regierungsbeamte nahmen daraufhin alle afghanischen Evakuierten ins Visier, an deren Einreise sie der Regierung Biden die Schuld gaben, ohne die CIA-Beteiligung aus Trumps erster Amtszeit zu erwähnen. genommen. Bald gab es mehrere Verhaftungen. "Laut Personen, die mit den Verfahren gegen Veteranen der Zero Unit in ICE-Haft vertraut sind, hat die Regierung dieselben Menschenrechtsberichte herangezogen, die die CIA als Ergebnis der Taliban-Propaganda abgetan hat. ... Ehemalige Mitglieder der Zero Unit und ihre Unterstützer argumentieren, dass einige wenige Einzelfälle von Gewalt nicht repräsentativ für die große Mehrheit sind, die einfach nur ihre Familien versorgen und ihr Leben weiterleben möchte. 'Ich sehe sie wie amerikanische Veteranen', sagte ein ehemaliger paramilitärischer Agent. 'Letztes Jahr hat ein Armee-Veteran in New Orleans mit seinem Auto eine Gruppe von Menschen überfahren und ein Marine-Veteran hat in Michigan eine Kirche beschossen. Das ist schrecklich, aber deshalb scheren wir nicht die gesamte Armee oder das gesamte Marine Corps über den gleichen Kamm.'"

Magazinrundschau vom 03.03.2026 - New York Times

Die New York Times bringt eine erschütternde Recherche zu den Toten der iranischen Proteste vom Anfang des Jahres - es handelt sich um eine wochenlange Arbeit, die noch vor den jüngsten Ereignissen geleistet wurde. "In den Tagen nach den blutigen Ausschreitungen, die am 8. und 9. Januar ihren Höhepunkt erreichten, kontaktierten wir Dutzende von Ärzten und Krankenschwestern, die im Iran arbeiten. Viele von ihnen hatten ebenfalls begonnen, still und leise zu dokumentieren, was sie sahen, während sie versuchten, den Demonstranten Hilfe zu leisten." Die Ärzte berichten von brutalster Gewalt. Ein Augenarzt sagt, er habe an einem Tag soviele schwerwiegende Augenoperationen vorgenommen wie andere Ärzte in ihrem ganzen Leben. Die Zahl der Toten lässt sich bis heute nicht genau bestimmen: "Die in Washington ansässige 'Human Rights Activists News Agency', die nur Opfer zählt, die sie identifizieren kann, hat mindestens 6.800 Todesfälle im Zusammenhang mit Protesten gemeldet, wobei weitere 11.744 Fälle noch untersucht werden. Andere Schätzungen gehen von einer viel höheren Zahl von Todesopfern aus. Der ehemalige Ankläger für Kriegsverbrechen der Vereinten Nationen, Payam Akhavan, glaubt, dass es sich um Zehntausende handeln könnte, basierend auf Berichten eines Netzwerks von Ärzten im Iran, die Krankenhausunterlagen sammeln, sowie auf dem Ausmaß und der geografischen Verbreitung der Tötungen." Damit ist das Trauma längst nicht ausreichend beschrieben, denn es gibt Zehntausende teilweise schwer Verletzte, Zehntausende Angehörige. Und "laut der Human Rights Activists News Agency wurden fast 54.000 iranische Demonstranten festgenommen. Die Inhaftierten werden oft unter überfüllten und unhygienischen Bedingungen festgehalten, ohne Zugang zu Anwälten, und mit Folter bedroht. Dutzende inhaftierte Demonstranten müssen mit Anklagen rechnen, die die Todesstrafe nach sich ziehen können."
Stichwörter: Iran, Iran Proteste 2026

Magazinrundschau vom 17.02.2026 - New York Times

Bestellen Sie bei eichendorff21!
Gisèle Pelicots Buch kommt in diesen Tagen heraus, auf Deutsch bei Piper. Es ist Gegenstand einer geölten Maschinerie aus Agenturen und Verwertern, die das letzte aus ihrer entsetzlichen Geschichte herausholen wird. Welches Medium hat jetzt kein Exklusivinterview? Aber sie will es so - von Anfang an war es die Idee eines Nutzens für die Allgemeinheit, die Pelicot zur größtmöglichen Öffentlichkeit getrieben hat. Die New-York-Times-Reporterin Lulu Garcia-Navarro hat ein dreistündiges Interview mit Pelicot geführt, das man unter dem Artikellink auch anhören kann, auf etwas mehr als eine Stunde kondensiert. Es ist zugleich packend und abstoßend zu lesen, etwa jener Moment, als sie, ahnungslos, vom Ermittler mit der Wahrheit konfrontiert wird. Im Zeugenverhör denkt sie zunächst noch, es gehe um eine Klage gegen ihren Mann, der erwischt worden war, wie er im Supermarkt Frauen unterm Rock filmte. Aber das Verhör nahm eine ganz andere Wendung: Der Vernehmer "hat einen Stapel Akten neben seinem Schreibtisch liegen. Er sagt zu mir: 'Madame Pelicot, was ich Ihnen jetzt sagen werde, wird Ihnen nicht gefallen.' Ich mache mir langsam wirklich Sorgen, mein Herz rast. Ich frage ihn: 'Was ist los?' Er sagt: 'Sehen Sie den Stapel dort?' und öffnet eine Mappe, um mir ein Foto zu zeigen. Er fragt: 'Erkennen Sie sich auf diesem Foto?' Natürlich erkenne ich mich nicht, denn ich war mit einem mir unbekannten Mann zusammen, der mich vergewaltigte. Ich sage: 'Ich kenne diesen Mann nicht.' Und ich denke mir: Das bin ich nicht. Er zeigt mir ein zweites Foto, das fast genauso aussieht, und sagt: 'Das sind Sie, dort.' Ich sage nein, und er sagt: 'Das ist Ihr Zimmer, Madame Pelicot, das sind Ihre Nachttischlampen. Wir haben Ihre Wohnung durchsucht, das sind Ihre Sachen.' In diesem Moment schaltete mein Gehirn auf Dissoziation um. Er will mir Videos zeigen. Ich sage: 'Nein, ich kann nicht mehr, ich kann nicht.' Und er sagt mir: 'Ihr Mann ist in Polizeigewahrsam, er wird nicht mit Ihnen nach Hause gehen. Sie müssen wissen, dass Sie mehrfach vergewaltigt worden sind. Wir haben 53 Personen festgenommen', und später erfahre ich, dass außerdem zwanzig oder dreißig Personen nicht festgenommen wurden. Er sagt mir, dass ich etwa 200 Mal vergewaltigt worden bin."
Stichwörter: Pelicot, Gisele

Magazinrundschau vom 10.02.2026 - New York Times

Ruth Margalit porträtiert den linken israelischen Politiker Yair Golan, der sicher der Wunschkandidat der New York Times als Nachfolger Netanjahus wäre - im Oktober soll gewählt werden. Er sei der einzige, der an einer Zweistaatenlösung festhält. Den Gazakrieg hätte er im Februar 2024 beendet. Er ist ein ehemaliger General, den Netanjahu sogar eine Zeitlang als Oberkommandierenden der IDF ins Auge gefasst hatte. Aber dann kam eine Episode, die ihn israelweit berühmt machte. Für Margalit beweist sie die moralische Integrität Golans. Ein israelischer Soldat hatte im Jahr 2016 einen schwer verletzten, aber wehrlosen Selbstmordattentäter aus nächster Nähe erschossen. Golan hatte diese Tat scharf verurteilt und vor einem Niedergang Israels gewarnt. "Was folgte, war ein Ausbruch öffentlicher Empörung. 'Unsere Soldaten werden mit Nazis verglichen', schimpfte ein Minister der Regierung. Die Forderungen nach Golans Entlassung wurden immer lauter. 'Von diesem Moment an gab es keine Familie in Israel mehr, die den Namen Yair Golan nicht kannte', sagt ein lokaler Fernsehjournalist. Golan sagt, dass der damalige israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman ihm in einem privaten Gespräch mitgeteilt hätte, dass Netanjahu ihn nicht mehr für die Spitzenposition der IDF in Betracht ziehen würde. Golan wollte das nicht glauben. Für ihn war seine Äußerung nicht politisch. 'Ich dachte, ich würde lediglich vor aktuellen Tendenzen warnen', erinnert er sich. Zum ersten Mal war er gezwungen, über eine Zukunft außerhalb der Armee nachzudenken."
Stichwörter: Golan, Jair, Israel

Magazinrundschau vom 26.01.2026 - New York Times

Drei Opinion-Page-Kolumnisten der New York Times, Lydia Polgreen, David French und Michelle Goldberg, führen ein längeres und instruktives Gespräch über den historischen Bruch, den die Ereignisse von Minneapolis für die Geschichte der USA darstellen. Renée Good und Alex Pretti wurden von Trumps ICE-Polizisten erschossen, obwohl sie niemanden bedroht hatten. Gewiss, es ist nicht das erste Mal, dass Ordnungskräfte Gewalt gegen Bürger ausüben - aber David French beschreibt die neue Situation so: "Die Trump-Regierung verstößt gegen das Gesetz und nutzt zugleich rücksichtslos alle ihr gesetzlich zustehenden Schutzmechanismen aus. Diese Situation ist für einen Rechtsstaat untragbar." Der Interviewer Matthew Rose fühlt sich an das Buch "Der Doppelstaat" von Ernst Fraenkel erinnert. Der Autor der Frankfurter Schule beschreibt mit diesem Begriff den Weg der Nazis in den Totalitarismus. Der Staat entwickelte demnach ein Doppelgesicht. Für Bürger, die sich politisch nicht einmischen, behält er eine gewisse Berechenbarkeit (der "Normenstaat"), während er in gewissen Situationen immer öfter zu Terror greift (der "Maßnahmenstaat"). "Die Nazis haben ihren totalitären Staat nicht sofort errichtet. Stattdessen gelang es ihnen, einen Großteil der Bevölkerung einzulullen, indem sie ihr Leben relativ normal weiterlaufen ließen", warnt French. Und Polgreen fürchtet: "Es könnte zu einem regelrechten Bürgerkrieg kommen, mit bewaffneten Menschen auf verschiedenen Seiten. Bereits jetzt befindet sich die örtliche Polizei in einer unangenehmen Zwischenposition zwischen Zivilisten und Bundesbeamten. Die Lage könnte sich noch verschlimmern, wenn es zu einem Konflikt zwischen der von Gouverneur Tim Walz eingesetzten Nationalgarde und den von Trump eingesetzten Bundestruppen kommt, die sich darüber uneinig sind, wer die Befugnis hat, das Gewaltmonopol des Staates auszuüben."

Ein ganzes Autorenteam hat Dutzende Videos aus Iran gesichtet. Nicht alle werden in dem Artikel eingebettet, manche zeigen (etwa hier) ganze Leichenberge in Krankenhäusern. Die Autoren haben mit Ärzten in vielen iranischen Städten telefoniert - sie geben keine Schätzung ab, anders als die Autoren von Time (unser Resümee), die eine Totenzahl von mindestens 30.000 schätzen - aber dass wesentlich mehr Menschen bei den Unruhen ermordet wurden, als bisher von Menschenrechtsorganisationen benannt, wird auch hier klar. "Eine Krankenschwester im Nikan-Krankenhaus in Teheran sagte, das Krankenhaus gleiche einem Kriegsgebiet. Ein Arzt im Shohada Tajrish-Krankenhaus im Norden Teherans, einer großen staatlichen medizinischen Einrichtung, sagte, dass das Personal in den beiden gewalttätigsten Tagen, dem 9. und 10. Januar, durchschnittlich etwa siebzig Demonstranten mit Schussverletzungen pro Stunde versorgte. Viele Patienten seien bei ihrer Ankunft oder kurz danach bereits tot gewesen. In einer Audiobotschaft, die der Times zugespielt wurde, bezeichnete ein Arzt in Mashhad die Situation in seinem Krankenhaus als 'erschreckend'. Zusätzlich zu der erschreckend hohen Zahl verletzter Demonstranten seien Sicherheitskräfte aufgetaucht und hätten Zugang zu den Patienten verlangt, um sie zu verhaften. Er sagte, ein Team von Ärzten habe in einer Villa außerhalb der Stadt eine Ad-hoc-Triage-Einheit eingerichtet, wo sie Patienten behandelten, die sich zu sehr fürchteten, um in ein Krankenhaus zu gehen."