Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

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Magazinrundschau vom 04.06.2018 - New York Times

Im aktuellen Magazin der New York Times geht Mattathias Schwartz den Todesfällen bei den Protesten in Kiew im Februar 2014 nach und berichtet, wie ein Team unabhängiger ziviler Ermittler mittels Videos und Autopsieberichten das Geschehen rekonstruieren und die Todesschützen unter den paramilitärischen Kräften von Präsident Janukowytsch ausmachen konnten: "Die Maidan-Proteste waren die Art von Aufruhr, wo durch öffentliche Unzufriedenheit und soziale Medien angeheizter Massenprotest eine Regierung ernsthaft in Schwierigkeiten bringt. Ob Gaza, Nicaragua, Türkei - die Reaktion der internationalen Gemeinschaft hängt stets davon ab, ob die Regierung die Gewalt rechtfertigen kann. Um zu vermeiden, als autoritär gebrandmarkt zu werden, muss die Regierung mehr tun, als die Menge zu kontrollieren, sie muss das Narrativ kontrollieren. Forensische Mittel, wie im Fall der Untersuchungen in der Ukraine, können entscheidend sein, wenn es darum geht, die Wahrheit herauszufinden … Sofort nach den Todesfällen begann die Desinformationskampagne in den sozialen Medien, laut Washington Post ein Werk des russischen Militärnachrichtendienstes GRU. In Fake-Accounts auf Facebook und auf dem russischen Äquivalent Vkontakte stellte der GRU die Proteste als Werk der bewaffneten Nationalisten dar. Der GRU schuf ferner Onlinegruppen, die die Abspaltung der Krim forderten. Das Ganze war eine Art Vorankündigung der russischen Einmischung in die US-Wahlen 2016."

Außerdem: Vanessa Grigoriadis stellt die düsteren Methoden der Nxivm-Sekte vor. Und Leora Smith hinterfragt die strittige forensische Methode der Blutspurenanalyse.

Magazinrundschau vom 22.05.2018 - New York Times

Erwartbar mokant fällt Nellie Bowles' Porträt des kanadischen Psychologen Jordan Peterson aus, der zum ersten Mal in weiteren Kreisen von sich reden machte, als er an einer kanadischen Uni das genderisierte Sprechen verweigerte. Nun tourt er als eine Art maskulinistischer Superstar durch Kanada und die USA und zieht ein enormes Publikum an. Natürlich spricht Bowles ihn auf den "Incel" Alek Minassian an, der in Toronto aus Hass auf Frauen seinen Lieferwagen in die Menge jagte (unsere Resümees). Die Unterhaltung liest sich so: "'Er haderte mit Gott, weil die Frauen ihn zurückwiesen. Das Mittel dagegen ist verordnete Monogamie. Aus diesem Grund ist die Monogamie überhaupt aufgekommen.' Peterson sagt das ganz ohne Pause, verordnete Monogamie ist für ihn schlicht die vernünftige Lösung. Sonst werden Frauen nur Männer mit dem höchsten Status auswählen, und das wird keines der Geschlechter glücklich machen. 'Die Hälfte der Männer gehen leer aus', sagt er, womit er meint, dass sie sich nicht fortpflanzen. 'Und niemand kümmert sich um die Männer, die leer ausgehen.' Ich lache, weil es so absurd ist. 'Sie lachen über sie', sagt er mit enttäuschtem Blick. 'Das liegt daran, dass Sie eine Frau sind.'"
Stichwörter: Peterson, Jordan, Incels

Magazinrundschau vom 15.05.2018 - New York Times

Im aktuellen Magazin der New York Times versucht sich Keith Gessen an einer Erklärung dafür, warum das Verhältnis der USA zu Russland jüngst so problematisch geworden ist: "Das Dauermysterium amerikanischer Russland-Politik in den letzten 25 Jahren lässt sich so beschreiben: Jede Regierung trat an, die Beziehungen zu seinem ehemaligen Gegner im Kalten Krieg zu verbessern, jede scheiterte in vergleichbarer Weise. Die Clinton-Jahre endeten mit einem nahezu katastrophischen Patt über das Kosovo, Bush mit der Bombardierung Georgiens durch die Russen und Obama mit der Annexion der Krim und dem Versuch russischer Hacker, die US-Wahlen zu beeinflussen. Russische Beobachter behaupten, dieses Muster sei das Ergebnis russischer Unnachgiebigkeit und russischen Revisionismus. Andere glauben, unnachgiebig seien die USA, die nie von dem Gedanken hätten absehen können, den Kalten Krieg 'gewonnen' zu haben, und nun amerikanische Lebensart verbreiten wollten … Unter Trump wurde es unvorhersehbar. Kein US-Präsident ist je ins Amt gekommen unter dem Verdacht, vom Kreml erpresst worden zu sein. Noch wurde je eine Präsidentschaftskampagne verdächtigt, mit Russland konspiriert zu haben, um die Wahlen zu unterminieren. Doch in anderer Hinsicht entspricht die Trump-Präsidentschaft genau dem Muster, das Angela Stent, Russlandkennerin, benennt in dem Versuch, zunächst die Beziehungen zu reparieren, nur um dann in eine noch tiefere Krise zu stürzen."

Außerdem: Jennifer Egan berichtet über opioidabhängige Mütter und ihre Babys. Und Sasha Weiss porträtiert den Choreographen Justin Peck vor.
Stichwörter: Russland, USA, Georgien

Magazinrundschau vom 02.05.2018 - New York Times

Das aktuelle Magazin der New York Times bringt einen Text von Gideon Lewis-Kraus über den Facebook-Prozess und die spannende Frage, ob der alte Antagonismus von Privatsphäre und Öffentlichkeit noch trägt: "Es geht um den Unterschied zwischen Staat und Unternehmensmacht, aber auch um subtilere und weitreichendere Effekte, nicht nur darum, ob jemand mithört, was wir im Schlaf reden. Nach Meinung des Datenschutzrechtlers Daniel J. Solove sollten wir uns weniger über die Gedankenpolizei sorgen und mehr darum, wie unsere Profildaten die unsichtbare Architektur unseres Alltags bestimmen. Ob uns jemand beobachtet, ist gar nicht der Punkt. Aber die Verfügbarkeit von Krediten, Jobs, Partnern, Hotelzimmern nimmt bereits still und leise ab für 'Leute wie uns', Leute mit unserer politischen Haltung, Hautfarbe, Freundeskreisen, Neigungen und Gehältern. Oder unsere politische Zugehörigkeit wird, wie im Fall des Cambridge Analytica Skandals, nach unseren Schwachstellen sortiert … Die beste aktuelle Definition von Privatheit braucht nicht viel, um zu bekräftigen, warum wir weiter auf unser Gefühl eines gewissen Unwohlseins hören sollten. Die Philosophin Helen Nissenbaum definiert Privatheit nicht als ein Recht, das mit anderen ins Gleichgewicht gebracht werden soll, sondern als Bedingung dessen, was sie 'kontextuelle Integrität' nennt. Sprechen wir über Privatheit, so Nissenbaum, so sprechen wir nicht über den Unterschied zwischen der Intimität unseres Schlafzimmers und der Öffentlichkeit der Straße, sondern eher über die spezifischen Normen und Erwartungen, die die Kommunikation zwischen verschiedenen Gruppen zu verschiedenen Zeiten, an verschiedenen Orten bestimmen. Die herkömmliche Unterscheidung von Öffentlichkeit und Privatheit, so Nissenbaum weiter, postuliert 'nur zwei Kontexte mit je unterschiedlichem Normen-Repertoire - die Beschränkung aufs Private innerhalb der Privatsphäre, das Anything-Goes in der Öffentlichkeit. Das Konzept der kontextuellen Integrität hingegen geht von einer Vielzahl von sozialen Kontexten aus, jeder mit einem eigenen Regelrepertoire, das den Informationsfluss steuert.' Es gibt Dinge, die wir mit unserem Partner besprechen, aber nicht mit unserem Chef, und es gibt Dinge, die wir mit einem Arzt besprechen, aber nicht mit einem Anwalt usw."

Magazinrundschau vom 17.04.2018 - New York Times

Die New York Times bringt einen langen Text über die Korruption von Mandelas Erben. Norimitsu Onishi und Selam Gebrekidan führen sie unter anderem auf Mandels Unfähigkeit zurück, der schwarzen Bevölkerung Südafrikas die ökonomische Unabhängigkeit zu sichern: "In der Generation nach 1994 sind zig Milliarden Dollar aus öffentlichen Fonds, die eigentlich dazu bestimmt waren, die Wirtschaft und das Leben der schwarzen Bevölkerung zu verbessern, von A.N.C.-Führern abgezweigt worden, also von der Organisation, die angetreten war, Gleichheit und Gerechtigkeit zu bringen. Korruption hat die A.N.C.-Spitze und ihre Geschäftspartner, weiß und schwarz, reich gemacht. Die eigentlichen Empfänger vieler Regierungsprojekte wurden desillusioniert. Während Armut nach dem Ende der Apartheid zurückging, stieg die Ungleichheit noch … Politiker, die lange dabei zusahen, wie die Korruption sich ausbreitete, sitzen jetzt an der Spitze des A.N.C. … Südafrika hat eine fortschrittliche Wirtschaft, eine freie Presse und eine Menge unabhängiger Organisationen, die alle ein Auge auf die Staatsgeschäfte haben. Aber selbst eine lebendige Demokratie konnte die Misswirtschaft nicht verhindern."

Außerdem in der aktuellen Ausgabe erkundet Linda Villarosa die Benachteiligung schwarzer Mütter und ihrer Babys in den USA: "Die Gründe für Unterschiede zwischen Schwarz und Weiß bei der Kinder- und Müttersterblichkeit sind seit Jahrzehnten Diskussionsstoff unter Wissenschaftlern und Ärzten. Doch erst seit kurzem geht man von einem schockierenden Sachverhalt aus: Für schwarze Mütter kann die unausweichliche Atmosphäre systematischen Rassismusses eine Art physiologischen Stress bedeuten, der zu Bluthochdruck und Schwangerschaftstoxikose und zu höheren Todesraten unter Müttern und Babys führt. Außerdem ist festzustellen, dass gesellschaftlicher Rassismus sich in allgegenwärtigen, andauernden rassistischen Vorurteilen niederschlägt, Unaufmerksamkeit gegenüber legitimen Beschwerden und Symptomen inklusive. Das führt zu einer schlechten Geburtenquote sogar unter privilegierten schwarzen Frauen."

Magazinrundschau vom 10.04.2018 - New York Times

Die New York Times veröffentlicht die IS-Files, interne Dokumente, die verraten sollen, warum sich der Islamische Staat im Irak so lange an der Macht halten konnte. Rukmini Callimachi gehörte zu einer Reihe von Journalisten, die Papiere aus den zerstörten Ministerien sichern konnten: "Für sich betrachtet dokumentiert jedes Papier eine einzelne Routinesache: den Transfer von Land, den Verkauf einer Tonne Weizen, eine Strafe für unpassende Kleidung. Aber insgesamt offenbaren die gefundenen Dokumente das Regelwerk eines komplexen Regierungssystems. Sie zeigen, dass die Gruppierung, wenn auch nur für einen endlichen Zeitraum, ihren Traum vor sich sah: die Etablierung ihres eigenen Staates, eine Theokratie, die sie sich als Kalifat dachten, gegründet auf ihre strengen Auslegungen des Islams. Die Welt kennt den Islamischen Staat für seine Brutalität, doch seine Soldaten herrschten nicht nur durch das Schwert. Macht übten sie mit zwei sich ergänzenden Instrumenten aus: Brutalität und Bürokratie … Diese Dokumente und Interviews mit Dutzenden Menschen, die unter dieser Herrschaft lebten, zeigen, dass der Islamische Staat seinen Bürgern mitunter den besseren Service bot als der Staat, den er ersetzen wollte. Sie legen auch nahe, dass die Militärs aus den Fehlern der USA bei ihrer Invasion des Irak im Jahr 2003 gelernt haben. Etwa aus der Fehlentscheidung, sich der Mitglieder von Saddams Partei zu entledigen. Das führte zur Ausradierung der Baathisten, höhlte jedoch auch die staatlichen Institutionen des Landes aus und schuf das Machtvakuum, das der IS zu füllen wusste."
Stichwörter: Islamischer Staat, Irak

Magazinrundschau vom 03.04.2018 - New York Times

Ganze Kleinstädte auf dem Wasser bilden die Boote von zehntausenden, in Kambodscha lebenden Vietnamesen. Diese Volksgruppe fühlt sich in beiden Kulturen zu Hause. Die Einheimischen sehen das allerdings oft anders: "In Kambodscha, wo die Konzepte von Nationalität und Ethnie unentwirrbar verflochten sind, werden die Mitglieder der vietnamesischen Minderheit als 'Yuon' bezeichnet, eine allgegenwärtige Verunglimpfung, die manchmal mit 'Wilder' übersetzt wird", erzählt der Reporter Ben Mauk in seiner Reportage für das New York Times Magazine. "Seit 1979 hält die regierende Kambodschanische Volkspartei (mit Hun Sen, einem ehemaligen Kommandanten der Roten Khmer an der Spitze), die ethnischen Vietnamesen in einer Art Limbus fest, indem sie ihnen informell Rechte mal gewährt, mal entzieht, je nachdem, wie gerade das lokale politische Klima ist. Die Oppositionspartei, die Nationale Rettungspartei Kambodschas, ist in ihrer Fremdenfeindlichkeit beständiger, sie droht die vietnamesischen Eindringlinge auszuweisen ... Der ehemalige Führer der Partei, Sam Rainsy, versprach einst, 'die Yuon-Immigranten zurückzuschicken' und vor den Wahlen 2013 erklärte er, 'wenn wir unsere Nation nicht retten, ist es in vier oder fünf Jahren zu spät - Kambodscha wird voller Vietnamesen sein. Wir werden die Sklaven Vietnams."
Stichwörter: Kambodscha, Vietnam

Magazinrundschau vom 27.03.2018 - New York Times

Nathalie Cabrol, Foto: Seti Institut
In der aktuellen Ausgabe des New York Times Magazine porträtiert die Historikerin Helen MacDonald die französische Astrobiologin Nathalie Cabrol und begleitet sie in die Atacama Wüste Chiles, wo Cabrol Leben unter extremen Bedingungen studiert, um daraus Erkenntnisse über das Leben auf dem Mars zu ziehen: "Schmal und leicht, mit kurzem silbernem Haar und einer bemerkenswerten, fein herausgemeißelten Attraktivität, erinnert die 54-jährige Cabrol an Isabella Rossellini, mit einem außerirdischen Schlag David Bowie. Ihre Augen ähneln grün-grauem polierten Granit, nachdrücklich mit Eyeliner umrandet, sogar wenn sie in der Wüste ist. Sie ist charismatisch, warm und sehr lustig, aber hat auch eine unbestimmbare, unvorhersehbare Wildheit: Mit ihr zu sprechen erinnert mich manchemal beunruhigend an Begegnungen mit Waldtieren, wenn ich nicht wusste, ob ich fliehen oder mich verteidigen sollte. ... Die Suche nach erdfernem Leben hat in den letzten Dekaden neue Richtungen genommen. Einige Theorien legen nahe, dass bis zu 100 Millionen Planeten in der Milchstraße über komplexe multizelluläre Lebensformen verfügen könnten. Wir haben gelernt, dass Planeten nicht unbedingt der Erde gleichen müssen, um Leben zu gewährleisten. Unterirdische Ozeane auf weit entfernten Monden wie Saturns Enceladus und Titan etwa könnten mikrobiologische Organismen beherbergen. Das Universum, erklärt Cabrol, ist möglicherweise voll von solch einfachen Lebensformen. Der Zweck ihrer Expeditionen ist es, Methoden zu entwickeln, solches Leben oder die entsprechenden Biomarker zu finden, Zeichen für Leben, Organismen oder die von ihnen geschaffenen Strukturen oder chemischen Verbindungen."

Magazinrundschau vom 06.03.2018 - New York Times

In der aktuellen Ausgabe des New York Times Magazine erklärt Bruce Falconer, wer die Farben macht, nicht etwa irgendein Farben-Nerd, sondern die Firma Pantone: "Farbenvorhersager wie die von Pantone haben enormen Einfluss auf die visuelle Seite der globalen Wirtschaft, den Teil, der designed, hergestellt und verkauft wird, obgleich ihre Arbeit unsichtbar bleibt. Erinnern wir uns an eine Szene aus 'Der Teufel trägt Prada', in der Meryl Streep ihrer Assistentin erklärt, wieso sie gerade einen Pullover in Coelinblau trägt: Coelinblau tauchte erstmals in einer Kollektion von Oscar de la Renta auf, so Streep im Film, wurde von anderen einflussreichen Designern aufgenommen und begann dann seinen Abstieg durch die Warenhäuser bis auf den Wühltisch, von dem du den Pulli hast, Schätzchen … In Wirklichkeit wurde die Farbe von Pantone ausgewählt. Sechs Jahre vor dem Film ernannten die Vorhersager von Pantone Coelinblau zur ersten Farbe des Jahres. In den zwei folgenden Jahrzehnten, als digitales Design und soziale Medien sich ausbreiteten, wurde die Marke Pantone weltbeherrschend. Seine Farbvorhersagen gehören zu den einflussreichsten, obwohl die Konkurrenz nicht auf sich warten ließ und mit Tumblr und Pinterest und ihrer Neigung Farbtrends aufzugreifen und sie unter ihre Followern zu verbreiten, stark zunahm. Für die Kaste der Fashion- und Industrial Designer, die Pantones Kundenstamm ausmachen, gehört die Farb- und Farbschattierungswahl zur wichtigsten Entscheidung des Jahres. Unternehmen zahlen viel Geld für den richtigen Ton, und die seltene, beinahe mystische Kunst, ihn zu treffen, ist Pantones Geschäft."

Außerdem: Wil S. Hylton trifft Leopoldo Lopez, den venezolanischen Oppositionsführer mit Hausarrest, und träumt von einem anderen Venezuela.

Magazinrundschau vom 27.02.2018 - New York Times

In der aktuellen Ausgabe des New York Times Magazines erzählt Charles Duhigg die Geschichte des britischen Preisvergleichsportals Foundem.com und seines Kampfes gegen die Google-Suchmaschine und erklärt den Sinn kartellrechtlicher Bemühungen gegen den Monopolisten: "Bei Kartellklagen geht es nicht nur um Kosten und Fairness. Es geht nicht darum, ob wir den Monopolisten lieben oder nicht. Vor einem Jahrhundert hatten die Menschen Sympathien für einen Riesen wie Standard Oil und in den 1990ern mochten sie Microsoft genauso, wie sie heute Google mögen. Kartellgesetze drehen sich um den Fortschritt, darum, wie Technologien wachsen, nicht um eine Gerechtigkeit, die Erfolg in die Schranken weist. Sie sind ein Instrument der Gesellschaft, um Start-ups zu helfen, sich gegen einen Monopolisten durchzusetzen. Wenn so ein Start-up gedeiht und selbst zum Monopolisten wird, beginnt der Zyklus von vorn. Wenn Microsoft Google vor 20 Jahren zerschmettert hätte, hätte es niemand gemerkt. Wir würden heute Bing benutzen, ohne zu ahnen, dass es einmal eine bessere Alternative gegeben hat. Stattdessen können wir uns freuen, dass eine abenteuerliche wettbewerbsrechtliche Klage das verhindert konnte und Kartellanwälte das Gedeihen von Google garantierten. Anders gesagt, wenn du Technik liebst, davon überzeugt bist, dass wissenschaftlicher Fortschritt etwas Gutes ist und du stets die neuesten Geräte kaufst, solltest du vielleicht die Kartellanwälte in deine Gebete einschließen. Es gibt keine bessere Methode, den Markt konstruktiv und kreativ zu halten, als ein Rechtssystem, das einschreitet, wenn ein Unternehmen, egal wie sehr es geliebt wird, so groß wird, dass es den Himmel verdunkelt. Wenn wir Google lieben, sollten wir hoffen, dass die Regierung es verklagt. Denn wer weiß, welche wunderbaren neuen Erfindungen in seinem Schatten auf uns warten."

Außerdem: Marcella Valdes erinnert an die Aktualität des peruanischen Schriftstellers Mario Vargas Llosa. Und Willa Paskin porträtiert die Theater-Schauspielerin Laurie Metcalf, bekannt vor allem aus der Sitcom "Roseanne".