
Es lohnt sich den
Text der
New York Times zum fünften Jahrestag des
6. Januar 2021 zu lesen. Er ist vom ganzen "editorial board" gezeichnet und schafft es in geradezu erhabener Einfachheit die
Konsequenzen der Stürmung des Kapitols herauszuarbeiten, mit der Trump 1.0 endete und mit der die Grundlagen für sein heute noch viel schlimmeres Regime gelegt wurden: "Es mag inzwischen fast vergessen sein, doch schien der Senat damals kurz davor, ihn zu verurteilen und
ihm das Amt zu entziehen", erinnern die Autoren des Textes. Es gab sowohl politische, als auch juristische Initiativen, eine zweite Amtszeit Trumps unmöglich zu machen, aber sie zerfielen. Und die
Erfahrung der Straflosigkeit bot Trump eine kostbare Munition: "Er und seine Berater kamen zu dem Schluss, dass
Einschüchterung und Gesetzlosigkeit selbst unter scheinbar aussichtslosen und manchmal illegalen Umständen zum Erfolg führen können." Sofort nach seinem Amtsantritt begnadigte Trump die übelsten Extremisten und lieferte damit eine Botschaft, die bis heute wirkt: "Wenn du das Gesetz brichst, um mich zu schützen, wirst du unterstützt. Wenn du das Gesetz gegen mich aufrechterhältst, wirst du bestraft." Die Autoren benennen am Schluss ihres Textes als einzigen Hoffnungsfaktor, dass Trumps Popularität sinkt und er demnächst
Wahlen verlieren könnte.
In einer sehr ausführlichen und höchst kenntnisreichen
Reportage erzählt C.J. Chivers, wie
Drohnen im Ukrainekrieg den Krieg an sich revolutionieren - als neue Technologie seien sie nur mit dem Maschinengewehr vergleichbar, das Ende des 19. Jahrhunderts alle Kriegführung auf den Kopf stellte. Aber wie alle Revolutionen enthält auch diese wie eine russische Puppe
mehrere Umwälzungen in einem. Denn die Entwicklung ist äußerst dynamisch und jetzt bei Drohnen angelangt, die keinen Funkkontakt mit dem Schützen mehr brauchen, weil sie ihr Ziel mit
künstlicher Intelligenz verfolgen, und zwar, wie Chivers es ausdrückt, "mit der Zähigkeit eines
besessenen Vogels" - der Abschuss erfolgt, moralisch bedenklich, ohne Zutun des Schützen, der allerdings den Vorgang noch stoppen kann. Chivers beschreibt, wie die Drohne "Bumblebee" (an der übrigens der ehemalige Google-Chef Eric Schmidt mit einem Startup beteiligt ist) in einem Versuch ein fahrendes Auto verfolgt, aus sechzig Meter Höhe oder auch aus 150 Meter Höhe, und dann zu ihm herabsinkt. Noch gibt es viele Schwierigkeiten zu überwinden. "Aber mit mehr Training und Rechenleistung könnte die
Software verbessert werden, um militärische Ziele anhand ihrer Wiederbeschaffungskosten oder ihrer Gefährlichkeit zu erkennen und zu priorisieren, oder so optimiert werden, dass sie gepanzerte Fahrzeuge an verwundbaren Stellen trifft, beispielsweise an Auspuffgittern oder an den Verbindungsstellen zwischen Turm und Rumpf. Sie könnte darauf trainiert werden, fast alles zu jagen - einen Bus, ein geparktes Flugzeug, ein Rednerpult, an dem ein Redner vor Publikum spricht, einen
Transformator, der Strom an ein Netz verteilt." Kriege schaffen solche Umwälzungen, sagt der Techniker Yurii, mit dem Chivers gesprochen hat. "Wer weiß, wohin das führen wird. Aber wenn es der internationalen Gemeinschaft Sorgen bereitet, dann hätte sie
den Krieg längst stoppen müssen."