Im Haarknoten wohnt eine Dame

Rowohlt Verlag, Reinbek 2000
Wie in ihrem 1993 erschienenen Postkartensammlung "Der Wächter nimmt seinen Kamm" variiert Herta Müller auch in ihren neuen Text-Bild-Collagen ihre Themen auf spielerisch-virtuose Weise: Gewalt und Flucht, Entwurzelung und Sehnsucht nach Heimat. Die Bildcollagen ? Gesichts- und Körperfragmente, Details aus dem Alltagsleben neben schwarzen Scherenschnittfigurinen ? geben die Stimmung vor, die Texte sind aus einzelnen, aus Zeitungen und Illustrierten herausgeschnittenen Wörtern zusammengeklebt, Bruchstücke mit optischen Akzenten und sichtbaren Fugen, die sich wie Puzzleteile erst bei der Lektüre zu einem Gesamtbild fügen. Neben den Themen von Bedrohung und Bedrängnis schlägt Herta Müller aber auch einen leichteren, unbeschwerteren Ton an: Sie spielt mit Reim und Assonanz, die die Texte bisweilen in die Nähe von Volkslied, Moritat und Bänkelsang stellen, humorvoll, aber auch makaber.

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