

Joseph Vogl
Über das Zaudern
Diaphanes Verlag, Zürich 2007
Der Band dokumentiert die erweiterte Fassung der Antrittsvorlesung Joseph Vogls an der Humboldt-Universität zu Berlin. Ausgehend von Freuds "Moses des Michelangelo" entwickelt Vogl nicht nur eine Theorie des Zauderns, sondern stellt ein veritables Zaudersystem vor. Die Zauderfunktion tritt als kontrapunktischer Begleiter einer das Abendland prägenden Geschichte der Tat in Erscheinung. Dies lässt sich über die "Orestie" und Schillers "Wallenstein" bis zu den "Titanen" des Zauderns im 19. und 20. Jahrhundert verfolgen, ob es nun Melvilles Bartleby ist oder Musils "Mann ohne Eigenschaften". Das Zaudern ist dabei keineswegs als simple Suspension des Handelns zu begreifen. Vielmehr markiert es die Schwelle zwischen Handeln und Nichthandeln, an der sich ein Zwischenraum reiner schöpferischer Potenz und Kontingenz auftut.