Magazinrundschau - Archiv

Outlook India

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Magazinrundschau vom 04.04.2017 - Outlook India

In den siebzig Jahren seit dem Ende des Kolonialismus konnte Indien nie die Tyrannei des Feudalismus abstreifen, den traditionelle Eliten, später Briten und heute die modernen Eliten aufrecht erhalten. Outlook India hat diesem "hässlichen Inder" - der in jeder Kaste residiert - ein ganzes Heft gewidmet. "Es gibt eine neue feudale Ordnung", schreibt Pranay Sharma im Aufmacher. "Die politische Klasse mag dafür beispielhaft sein, aber ihre Granden haben kein Copyright darauf. Jeder will ein Stück. Alle Institutionen, alle Orte, alle Lebensbereiche sind von einem unheiligen Gedränge gezeichnet, das eine neue Brut hervorgebracht hat, die das Land überschwemmt: den Hässlichen Inder. ... Nehmen Sie nur den Fall von Gaikwad, dem Shiv-Sena-Abgeordneten aus Maharashtra, der einen Flugbegleiter '25 Mal' mit seinem Schuh geschlagen hat, weil der ihn nach der Landung gebeten hatte, das Flugzeug zu verlassen. Gaikwad war wütend, weil die Fluggesellschaft ihm keinen Platz in der Business Klasse gegeben hatte - auf einem Flug, in dem es keine Business Klasse gab. Woher kommt dieses Überlegenheitsgefühl bei Politikern wie Gaikwad", fragt sich Sharma, der dieses Verhalten überall beobachtet.
Stichwörter: Kolonialismus

Magazinrundschau vom 31.01.2017 - Outlook India

Das Geschäft mit der Prostitution blüht in Indien. Dabei ist Prostitution zwar erlaubt, doch das Geschäftemachen drumherum verboten. Und Menschenhandel sowieso. Und doch wird mit beidem unendlich viel Geld verdient, berichten Anoo Bhuyan, Prachi Pinglay-Plumber, Dola Mitra in ihrer Reportage: "Genau die Kräfte, die diese moderne Sklaverei eigentlich bekämpfen sollen, stecken oft mit Kidnappern, Mittelsmännern und Bordellbesitzern unter einer Decke, um weit mehr einzustecken als nur kostenlose sexuelle Gefälligkeiten. Gruppen von Bordellen in Delhi, Mumbai und Kalkutta sind die Quellen großer Einkünfte für korrupte Polizisten, Politiker und Beamte. In diesem gutgeölten System ist die Misere der Sexarbeiterinnen völlig unwichtig und wird mit von den Behörden ignoriert. Man nehme nur die Hauptstadt als Beispiel. Delhis Rotlichtbezirk, GB Road, prosperiert weniger als einen Kilometer von der Polizeistation Chandni Chowk. 'Das funktioniert nicht ohne die aktive Duldung von Polizei, Politikern und Lokalbehörden', sagt Swati Maliwal, Vorsitzende der Frauenkommission von Delhi. Sie schätzt, dass sich auf der GB Road etwa 90 Bordelle befinden, mit 5000 Frauen und 800 Kindern."

Magazinrundschau vom 22.03.2016 - Outlook India

Etwas sensationsheischend, aber interessant liest sich, was Siddhartha Mishra und Priyadarshini Sen über Ausgrabungen im indischen Ort Masol in den Vorgebirgen des Himalaya erzählt. Ein indisch-französisches Team um die Paläontologen Mukesh Singh und Anne Dam­bricourt-Malasse hat Spuren sehr früher Menschen gefunden, die an diesem Ort nicht vermutet worden wären: "Der Eureka-Moment kam 2008. Da wurde das erste Zerkleinerungswerkzeug gefunden, etwa 2,58 Millionen Jahre alt. Die 'Out-Of-Africa-Theorie' (die besagt, dass sich der frühe Mensch von Afrika kommend verbreitet hat, d.Red.) begann schon nach Funden in China und Java im Jahr 1994 in Frage gestellt zu werden. Dann passierte sogar noch etwas größeres: Dreißig Meter von Singhs Fundstelle (wurde) das Wadenbein eines rinderartigen Tiers, eines Vorläufers der heutigen Kuh, geborgen. Es hatte Schnittmarken und die Steine drumherum hatten dasselbe atemberaubende Alter. Die Gemeinschaft der Gelehrten geriet in große Aufregung. Captain Karnail Singh, Direktor des Regierungs- und Kunstmusems in Chandigarh ist überzeugt, dass die Vorgeschichte ihre Geheimnisse preisgibt. 'Die Funde haben ein großes Interesse an Vorgeschichte ausgelöst und daran, dass Indien die Wiege der Zivilisation sein könnte', sagt er." Die Autoren des Artikels zitieren allerdings auch wesentlich skeptischere Stimmen, auch aus Indien. Das Dossier wird um ein Interview mit der Forscherin Dam­bricourt-Malasse ergänzt.

Magazinrundschau vom 09.02.2016 - Outlook India

Ausgerechnet im vorwiegend konservativ-muslimischen Kaschmir lassen sich immer häufiger Frauen scheiden, berichtet Priyadarshini Sen. Unterstützung finden sie beim Supreme Court of Islamic Shariat, dem seit zwei Monaten der Großmufti Nasir-ul-Islam vorsteht. Hauptgründe für Scheidungsbegehren sind Drogensucht des Ehemanns, Gewalt in der Ehe aber auch Unverträglichkeit oder Impotenz werden als Gründe angegeben: "Es ist besonders ermutigend, sogar reformistisch, dass religiöse Oberhäupter drangsalierte Frauen unterstützen. Abdul Khaliq Haneef, ein Mitglied des Muslim Personal Board, sagte, der Islam garantiere Frauen bestimmte Rechte, die sie berechtigterweise durchsetzen könnten. 'Eine Menge Frauen haben mich um Unterstützung bei der Annulierung ihrer Ehe gebeten. Es gibt ein schnell wachsendes Bewusstsein und die Frauen sind bereit, diesen Sprung zu wagen."

In einem kurzen Interview macht Mufti Nasir noch einmal ganz klar, dass Frauen jedes Recht haben, eine Ehe, in der sie missbraucht werden, zu beenden. "Frauen sollten hervortreten, in der Gesellschaft gleichberechtigt mit den Männern und in Würde leben können. Eltern unterstützen sie oft dabei, wenn ihre Töchter gegen Ungerechtigkeiten aufbegehren. Ich habe mich in der Vergangenheit für Frauenrechte eingesetzt und möchte das auch in Zukunft tun."

Magazinrundschau vom 20.10.2015 - Outlook India

Outlook India hat den Titel seiner neuen Ausgabe den Protesten indischer Schriftsteller gegen den religiösen Hindu-Nationalismus der Modi-Regierung gewidmet, der zuletzt zwei Menschen das Leben gekostet hat. Im Interview beschreibt der Autor Kiran Nagarkar die perfide Strategie der Regierung: "Der Premierminister beherrscht den wundervollen Trick des distanzierten, völlig uninteressierten Schweigens in unangenehmen Situationen. Sein eigener Kulturminister bot eine erstaunliche Erklärung für den brutalen Mord an dem muslimischen Schmied in Dadri, der angeklagt war, Rindfleisch in seinem Kühlschrank aufzubewahren. 'Es war ein Unfall', sagte er. Nach dieser Logik hätte auch Hitler behaupten können, die sechs Millionen Toten im Holocaust seien lediglich ein Unfall gewesen. Die Reaktion des Premiers auf die schändliche Ausflucht seines Ministers war das patentierte 'Sorry, niemand zu Hause'."

Doch mit seinem Schweigen wird Modi auf Dauer nicht durchkommen, glaubt Dilip Bobb. Inzwischen kritisierten den Premier auch viele andere, Juristen, Filmregisseure oder Musiker. "In einem offenen Brief schreibt der karnatische Sänger und Autor T.M. Krishna letzte Woche an Modi: 'Heute sehen viele in diesem Land und anderswo Sie als einen Premierminister im amerikanischen Stil, und Sie scheinen diese Zuschreibung gern zu tragen. Deshalb müssen Sie auch aufstehen wie der amerikanische Präsident, wann immer Gewalt in Verbindung mit Rasse, Ethnie oder Religion ausgeübt wird, egal, wo diese Gewalt stattfindet, wer ihre Opfer sind oder wieviele Menschen sie betrifft. Die Bürger mögen mit Barack Obama nicht übereinstimmen, aber sie hören seine Gedanken. Von Ihnen hören wir nur Allgemeinplätze.'"

Unterdessen lebt Uday Prakash, der Autor, der als erster aus Protest seinen Literaturpreis zurückgegeben hat, in Angst: "'Manche sagen, ich hätte sie inspiriert, auch ihre Preise zurückzugeben. Ich antworte ihnen, wer inspiriert wird immer zum Opfer gemacht', sagt er."

Magazinrundschau vom 18.11.2014 - Outlook India

Dass Rechte und Linke heutzutage oft eine unselige Allianz eingehen, kann man am Beispiel von Malala Yusufzai studieren, dem Mädchen, das die Taliban in den Kopf schossen, weil es zur Schule gehen wollte. Seitdem führt Malala eine internationale Kampagne für das Recht aller Kinder auf Bildung. Seit sie den Nobelpreis bekommen hat, werfen ihr linke Kritiker vor, eine "Marionette" des Westens zu sein, weil sie nicht gegen Amerikas Kriege protestiert. Rechte Kritiker beschreiben sie als "trojanisches Pferd" des Westens, mit dem der Säkularismus in Pakistan eingeschleust werden soll. Außerdem haben die Taliban jetzt einen Brief veröffentlicht, in dem sie ganz genau erklären, warum es völlig in Ordnung war, Malala niederzuschießen. In der Linken hat sich nicht der geringste Protest bewegt, berichtet der pakistanische Atomphysiker Pervez Hoodbhoy, der das kaum fassen kann: "Es ist ein Rätsel. Warum findet eine solche Barbarei keine oder höchstens flüchtige Erwähnung in den heutigen linken Diskursen? Boko Harams Sexgefangene, die Enthauptungen durch den IS, die gegen Zivilisten gerichteten Selbstmordattentate der Taliban sollten alle anwidern, die an menschliche Gleichheit, Anständigkeit und Freiheit glauben. Warum schweigt die Linke, die doch auf diesen Fundamenten aufbaut? Dafür gibt es zwei Erklärungen: Erstens bewertet ein Teil der Linken die westliche Agenda ausschließlich negativ. Zweitens möchten viele Progressive ihre Komfortzone nicht verlassen, wo man alle globalen Probleme bequem auf den Westen abwälzen kann. Zwei Bösewichte - Amerika und der Islamismus - sind einfach zu viel für sie."

Außerdem schreibt William Dalrymple über die mühevolle, aber ertragreiche Restauration der Fresken in den Ajanta-Höhlen, wo sich die ältesten Malereien der indischen Kultur finden.



Wandgemälde in Höhle 17. Foto: Vu2sga (Quelle: Wikipedia)

Magazinrundschau vom 28.10.2014 - Outlook India

Die aktuelle Ausgabe von Outlook India widmet sich gänzlich dem Smartphone und seiner Rolle in der indischen Gesellschaft. "Es ist nicht bloß ein Apparat, sondern ein Komplize, ein Avatar, ein Alter Ego (ohne Ego)", schreibt Mukul Kesava in einem einleitenden Essay. Aber natürlich hat es auch eine Schattenseite: "In Wahrheit ist jedes Smartphone mit Internetzugang ein Faustischer Pakt: wir tauschen unseren Standort, unsere Verbrauchergeschichte, unsere Vorlieben, unsere Freunde und den Inhalt unserer Briefe gegen ein Sonnenbad in der digitalen Geselligkeit und die Verheißung der Allwissenheit ein. Doch im Gegensatz zu Faust stellt uns das nicht vor ein Dilemma; zum Teil, weil alle es tun, aber vor allem, weil uns gefällt, was wir dafür bekommen, und wir es nicht anders haben wollen."

Unter vielem anderen gibt es außerdem Interviews mit Jeff Bezos, Robin Jeffrey und Jason Farman; und Shovon Chowdhury spielt sehr amüsant durch, wie der indische Unabhängigkeitskampf in sozialen Netzwerken ausgesehen hätte.

Magazinrundschau vom 16.12.2013 - Outlook India

Im jüngeren Bollywood-Kino häufen sich die Darstellungen sexuell selbstbewusster und aktiver Frauen, schreibt Namrata Joshi. In der Filmbranche selbst gibt es dazu stark schwankende Meinungen: "Markiert dieses sexuelle Durchsetzungsvermögen eine weitere Errungenschaft auf dem langen Weg zur Emanzipation? Oder handelt es sich einfach nur um eine weitere Pose, die Bollywood-Heldinnen einzunehmen gezwungen sind? Während Paoli Dam zwar der Ansicht ist, dass diese neue 'Aggressivität' die heutige Realität unabhängiger und selbstbewusster Frauen wiederspiegelt, weiß sie doch auch, dass die Darstellungen noch immer am patriarchalen Kater einer von Männern dominierten Industrie leiden. ... Kein Wunder, dass bei Filmemacher Dibakar Banerji ein Hauch von Zweifel und Vorsicht mitklingt. 'Unsere Filme reflektieren die Neigungen, Werte, Vorurteile und Ansichten der Filmemacher, von denen die meisten patriarchal-feudale Männer sind. Frauen sind für sie eine wertvolle wirtschaftliche Resource und es dreht sich alles darum, sie auf kommerziell möglichst wertvolle Weise zu 'bearbeiten'. ... Wir sehen hier eine gefährliche Mischung des alten patriarchalen Systems mit dem glitzernden, modernen Kosumismus.'"
Stichwörter: Bollywood, Emanzipation

Magazinrundschau vom 15.10.2013 - Outlook India

Vor 25 Jahren wurde Salman Rushdies Roman "Die satanischen Verse" in Indien verboten. Für Anuradha Raman ein Anlass, sich das indische Verbotsverfahren näher anzusehen. Seine Erkenntnis anhand dreier ausgewählter Beispiele: Weder gibt es verlässliche oder gar nachvollziehbare Kritierien, noch ein transparent überprüfbares Verfahren. Stattdessen: nebulöse Begründungen, hin und her geschobene Verantwortlichkeiten und Druckmittel jenseits konkret ausgesprochener Bannsprüche. "Man gewinnt den Eindruck, dass Bücherverbote keinem üblichen Muster folgen. Die Gründe liegen vage hinter Schleiern - Bücher können wegen Vergehen wie Blasphemie oder Diffamierung aus dem Verkehr gezogen werden. Es ist erhellend, sich eingehender mit den Vernebelungstaktiken rund um das Verbot von Hamish Mcdonals 'The Polyster Prince' zu befassen. Schon die Kritik an Dhirubhai Ambani und Anspielungen auf Pranab Mukherjee, damals noch Minister, reichten für die damals frisch vereinte Reliance Gruppe aus, eine Unterlassungserklärung zu erwirken, verbunden mit weiteren Drohungen, dass sie alle juristisch gangbaren Möglichkeiten voll ausschöpfen würden. Das Buch verschwand dann auch. Die Behörde sagt, ihr lägen keine Informationen über das Verbot des Buches vor - sonderbar."

Außerdem bespricht Zareer Masani Ramachandra Guhas neue Biografie über Gandhis frühe Lebensjahre in Afrika. Diese zeigt ein offenbar wenig schmeichelhaftes Bild: "Wenn Südafrika für Gandhi ein Labor darstellte, um seine Philosophie des Satyagraha zu entwickeln, war es zugleich auch eine Warnung, dass sich seine tyrannische Obsession für Trivialitäten, sein klösterlicher Mystizismus und sein Rückgriff auf das Fasten als eine Art emotionaler Erpressung kontraproduktiv und entzweiend auswirken würden."

Magazinrundschau vom 10.09.2013 - Outlook India

Pranay Sharma rechnet noch für diese Woche mit einer Militärsanktion gegen Syrien. Für ihn ist Obama ein gefallener Engel: Einst weltweit gefeiert und umjubelt, schlägt ihm nun weltweit Ablehnung und Skepsis entgegen. Auch Sharma ist von der Aufrichtigkeit Obamas nicht überzeugt und reiht sich bei all jenen ein, die schon immer wussten, in welchem geopolitischen Pfeffer der Hase liegt: "Die Herangehensweise der Regierung Obama sollte im Lichte der nahöstlichen Geopolitik und unter Berücksichtigung wichtiger US-Lobbys und deren vielfältiger Verbindungen zur Region betrachtet werden. Syrien, ein starker Verbündeter Irans und über diese Verbindung mit der Hisbollah im Libanon, befindet sich mitten in einem blutigen Bürgerkrieg, in dem das Assadregime umzingelt ist von Rebellen, die das Ausland, darunter Saudiarabien und die Türkei, stützt. ... Ein Schlag gegen Syrien bedeutet für die USA eine Unterminierung der Verbindungen zum Iran und der Hisbollah."

Stichwörter: Geopolitik, Libanon
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