
In einem sehr interessanten Artikel
beschreibt Anand Teltumbde ausführlich die vier Hauptbewegungen, die sich mit dem
Kastenwesen in Indien auseinandersetzen: Die
Draviden, die
Dalit-Bewegung unter der Führung von Ambedkar, die
Kommunisten und die
Hindutva-Bewegung, die u.a. von der Modis Regierungspartei BJP vertreten wird und als einzige nicht die Abschaffung des Kastenwesens zum Ziel hat, sondern dessen Konsolidierung. Die anderen drei waren nur mittelerfolgreich: Draviden und Dalit haben es in Südindien zwar geschafft, die
Macht der Brahmanen drastisch einzuschränken, doch haben jetzt die
mittleren Kasten übernommen, die kaum weniger kastenbewusst sind und die Dalit weiterhin diskriminieren. Die Kommunisten haben überhaupt kein Konzept, weil sie nur in Klassen, nicht in Kasten denken, letztere aber erstere in Indien immer überlagern, so Teltumbde. Über die Abschaffung der Kasten hat am radikalsten der 1956 verstorbene
Bhimrao Ramji Ambedkar nachgedacht: "Ambedkars Bruch sowohl mit dem Hindu-Reformismus als auch mit dem marxistischen Ökonomismus prägte den unverwechselbaren Charakter der Bewegung. Im Gegensatz zu Hindu-Reformern wie Gandhi, die die Unberührbarkeit abschaffen und gleichzeitig die Varna (umgestaltet als Arbeitsteilung ohne Hierarchie) beibehalten wollten, argumentierte Ambedkar, dass die Unberührbarkeit keine Anomalie, sondern die logische Konsequenz des Kastensystems sei. 'Das
Kastensystem', schrieb er, 'ist keine Mauer aus Ziegelsteinen ... es ist eine Vorstellung,
eine Geisteshaltung.' Da es in den hinduistischen Schriften verwurzelt war, konnte es nicht reformiert werden; es musste zusammen mit seinen religiösen Grundlagen
zerstört werden. ... Die Unterdrückung durch das Kastensystem, so betonte er, sei gleichzeitig wirtschaftlicher, kultureller, psychologischer und spiritueller Natur und erfordere daher eine Transformation in all diesen Bereichen. Ambedkars Vision verband somit konstitutionelle Demokratie mit Minderheitenrechten, Reservierungen in Bildung, Beschäftigung und Politik als kompensatorische Gerechtigkeit, Bildung als Mittel zur Schaffung eines Gegenbewusstseins, religiöse Konversion - gipfelnd im
Buddhismus - zur Ablehnung der moralischen Ordnung des Hinduismus und wirtschaftliche Neuordnung nach sozialistischen Prinzipien." So weit wollte offenbar niemand außer ihm gehen. Dennoch ist Teltumbde überzeugt, dass nur
eine Revolution das Kastenwesen zerstören kann.
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alle weiteren Texte zum Thema, die sich vor allem mit der dravidianische Politik im südindischen Bundesstaat
Tamil Nadu beschäftigen, wo demnächst gewählt wird.