Magazinrundschau - Archiv

HVG

353 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 36

Magazinrundschau vom 10.02.2026 - HVG

Die Sozialwissenschaftlerin Andrea Szabó beschreibt weniger als drei Monaten vor den anstehenden Parlamentswahlen verbale Entgleisungen der Regierungspartei Fidesz während des Wahlkampfs, die unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen, die Auslandsungarn, die Romabevölkerung, die verarmte ländliche Bevölkerung sowie die GenZ verunsichern oder gar entfremden: "Die Jugend lebt nicht in Fernsehstudios, sondern auf TikTok und Instagram. Dort wird Politik nicht mit Respekt behandelt, sondern sofort auf ihre Glaubwürdigkeit geprüft. Gerade deshalb ist die Geste besonders vielsagend, wenn Orbán - angesichts der Abkehr der Jugendlichen - die Eltern auffordert, 'mit ihren Kindern zu sprechen', weil die Rabauken nicht für die Fidesz stimmen wollen. Diese Aussagen (und der dahinterstehende Reflex) zeigen eindrücklich die Kluft zwischen den Generationen: Als wären junge Wähler keine autonomen Bürger, sondern ein 'Umerziehungsprojekt' innerhalb der Familie. Als wäre politische Entscheidung keine Frage der Überzeugung, sondern der Disziplinierung. (…) Die Fidesz gerät derzeit nicht deshalb in Schwierigkeiten, weil sie nach langer Zeit einen echten Gegner hat. Sondern weil sie die Kontrolle über das Tempo verliert und unter Zeitdruck eine Reihe von Äußerungen und Gesten macht, die gleichzeitig Roma, Menschen mit niedrigem Status, die ungarische Minderheiten in den umliegenden Ländern und jüngere Generationen vor den Kopf stoßen. Diese vier Gruppen können aus unterschiedlichen Gründen und in unterschiedlichen Sprachen, aber in die gleiche Richtung tendieren: Sie wollen nicht länger Statisten in einem hektischen Wahlkampf sein. Es sind noch siebzig Tage bis zu den Wahlen. In dieser Phase geht es nicht mehr darum, wer was sagen will. Sondern darum, was bereits gesagt wurde - und wessen Würde dabei verletzt wurde."

Magazinrundschau vom 03.02.2026 - HVG

Der Kameramann Gergely Pálos führte beim letzten Film der Regisseurin Ildikó Enyedi ("Silent friend") Kamera und erzählt im Gespräch mit Zsuzsa Mátraházi von der die Zusammenarbeit: "Das Fotografieren der Pflanzen war am schwierigsten, weil man der Natur sehr ausgeliefert ist. Im Marburger Teil war gerade Frühling, und nicht nur das Licht änderte sich von Stunde zu Stunde, sondern auch die Umgebung und die Aussicht. Mehrmals kam es vor, dass wir so weitermachen wollten, wie wir es uns am Vortag vorgestellt hatten, und dachten, wie schön das aussehen würde, aber als wir dann dort ankamen, war alles anders, die Blumen hatten sich geöffnet, die Blätter waren größer geworden. Wir mussten uns schnell etwas anderes einfallen lassen. (…) Es war an sich eine Belohnung, mit Ildikó Enyedi arbeiten zu dürfen. Natürlich bemüht man sich während der Dreharbeiten, das bestmögliche Ergebnis zu erzielen, und hofft, dass viele Menschen den Film sehen werden, aber man denkt nicht an Anerkennung. In Venedig habe ich mich auch darüber gefreut, dass 'Der stille Freund' für das Festival ausgewählt wurde, und insgeheim habe ich mir gedacht, wie schön es wäre, einen Preis zu gewinnen, aber da so viele große Namen dabei waren, habe ich diesen Gedanken schnell verdrängt. Dann war ich einfach nur erstaunt.

Magazinrundschau vom 26.01.2026 - HVG

Peter Hamvay unterhält sich mit dem Soziologen Imre Kovács über die Parlamentswahlen, die im April 2026 anstehen. Dabei geht es auch um gesellschaftliche Dynamiken bei der Formung von Parteisympathien, insbesondere in ländlichen Regionen: "Der Zustand der Armut hängt nicht nur vom Einkommen ab", meint dazu Kovács, "sondern auch vom Zugang zu Wissen, von Beziehungen, alltäglichen Fertigkeiten und zivilisatorischen Errungenschaften, die für ein lebenswertes, annehmbares Leben notwendig sind, bzw. vom Entzug dieser Dinge. (…) ich sehe dies eher als eine Klient-Patron-Beziehung, in der Gegenseitigkeit und eben nicht Unterwerfung ausschlaggebend ist. Der Patron kann auch ein Arbeitgeber sein, muss es aber nicht unbedingt. Er ist jedoch derjenige, der in offiziellen Angelegenheiten handelt, einen offiziellen Brief zugänglich macht, einen Antrag schreibt und dem Klienten hilft, wenn er in Schwierigkeiten gerät. Wenn der Klient vom Patron nicht die erwartete Unterstützung und Hilfe erhält, sucht er sich einen anderen. Die Klient-Beziehung ist keine rechtlich oder gewaltsam erzwungene Zusammenarbeit. Damit ist das Attribut 'feudal' nur eine Zuschreibung von Außenstehenden, vor allem städtischen Schichten, die so versuchen, eine eigentlich weit verbreitete Kommunikationsmaßnahme in der ländlichen Welt als minderwertig einzustufen und dieser beispielsweise für den Ausgang von Wahlen im Voraus die Verantwortung zuzuschreiben. (…) Bei den Ärmsten funktioniert fast ausschließlich eine Klientel-Patronage-Beziehung als Quelle der Hilfe. … Sie wählten Fidesz nicht unbedingt aus Unwissenheit oder Angst, sondern in ihrem eigenen wohlverstandenen Interesse. Ich halte es jedoch für offen, ob dies auch im April 2026 noch in gleichem Maße der Fall sein wird."
Stichwörter: Ungarn, Kovacs, Imre

Magazinrundschau vom 20.01.2026 - HVG

In HVG nimmt der junge Regisseur Jákob Ladányi Jancsó Abschied von Béla Tarr, stellvertretend für dessen Schüler: "Als ich Castings machte und ihm die Aufnahmen brachte, sagte er immer nur: 'gut', 'nicht gut', und man konnte ihm nie eine Begründung entlocken, denn er urteilte nach seinem Bauchgefühl. Und am Ende hatte er immer Recht. Er sah den Menschen sehr präzise und mit tiefer Empathie, das war sein Geheimnis. Auch uns, seine Schüler. Zu jedem hatte er eine gänzlich andere Beziehung, denn er hatte keine festen Methoden. Für ihn waren diese Beziehungen zwischenmenschlicher Natur, die jeweils ihre eigenen Dynamiken hatten. Das bedeutete natürlich nicht, dass er ein netter, in allem unterstützender Lehreronkel war. Er konnte sehr streng, ja sogar grausam sein. Ein Problem oder ein Gedanke hielt ihn oft die ganze Nacht wach, und dann rief er an. (...) Oft weckte er mich mitten in der Nacht mit einer Idee oder einem Gedanken. Einmal, weil ihm etwas nicht gefiel. Im Halbschlaf antwortete ich ihm: 'Fick dich, Béla, wenn du mich schon mitten in der Nacht weckst, könntest du dann wenigstens ein bisschen netter sein?' Darauf antwortete er, dass es in diesem Moment ein Problem wäre, wenn er nett wäre, denn das würde bedeuten, dass er nicht mehr an mich glaube. Zu meinem Glück war er nie nett. Aber seine Unterstützung, seine Aufmerksamkeit und seine Lehren werden mein Leben bis zum Ende prägen. (…) Er hat mir gezeigt, mit welcher Haltung man leben und Filme machen muss und nicht das 'wie'. Zum 'wie' sagte er immer nur, wir sollten Neues schaffen und unsere eigene Sprache finden. Er hat uns immer dazu ermutigt, aus der Reihe zu tanzen und mutig zu sein. Oft hat er uns wütend zugerufen: 'Ihr seid die Jungen, schnappt euch ein verdammtes Handy und erfindet die Filmsprache neu!' Und er war wirklich punkiger und rebellischer als alle anderen. Er hasste die Filmindustrie, hat sich ihr nie unterworfen, genauso wenig wie irgendeinem System, der Zensur oder der Politik. 'Auf den Knien kann man nicht leben und niemals einen echten Film machen.'"

Magazinrundschau vom 13.01.2026 - HVG

Die deutschen und ungarischen Einwohner wurden in der Tschechoslowakei wegen der von den Besatzern während des Zweiten Weltkriegs verursachten Zerstörungen nach 1945 kollektiv für schuldig erklärt, deportiert und ihres Eigentums beraubt. Die bis heute geltenden Beneš-Dekrete, die der Vergeltung dienten, wurden jetzt in der Slowakei von der Regierung Fico erneut aktiviert (mehr dazu in der FAZ). Die ansonsten als "Beschützer der ungarischen Minderheiten im Ausland" auftretende Orbán-Regierung schweigt bisher. István Riba erläutert die Hintergründe der Dekrete und der neuen Gesetze: "Die slowakischen Behörden legen heute Hand auf bestimmte Grundstücke, weil sie der Meinung sind, dass diese 1945 hätten beschlagnahmt werden müssen. Wenn dies damals aus irgendeinem Grund nicht geschehen war, wird das heute auf der Grundlage des Prinzips der kollektiven Schuld durchgesetzt. (...) All dies wurde durch das Dekret Nr. 108 von Beneš gekrönt, auf dessen Grundlage die 'Feinde' der Republik, die Einwohner ungarischer und deutscher Nationalität und die mit ihnen verbundenen juristischen Personen (z. B. Kirchen, Vereine) ihrer noch verbliebenen Ländereien sowie ihres gesamten beweglichen und unbeweglichen Vermögens enteignet werden konnten. (…) Obwohl die Beneš-Dekrete inzwischen durch mehrere Gesetze außer Kraft gesetzt wurden, sind sie weiterhin Teil der tschechischen und slowakischen Rechtsordnung, da keines von ihnen offiziell für ungültig erklärt wurde. Bei den Restitutionsentscheidungen nach 1990 wurde auch darauf geachtet, dass die Möglichkeit der Wiedergutmachung nicht für zwischen 1945 und 1948 enteignetes Eigentum gilt. Dennoch konnten viele ungarische Familien ihr Land zurückerhalten, gerade weil die Enteignung, gelinde gesagt, nicht vollständig durchgeführt werden konnte. Was damals versäumt wurde, will der slowakische Staat heute nachholen und durch behördliche Entscheidungen oder gerichtliche Schritte erzwingen, dass auf der Grundlage des Prinzips der Kollektivschuld ehemalige Rechtsvorschriften zur Enteignung von Landbesitzern herangezogen werden. Als politische Stütze dafür dient auch das jetzt verabschiedete Gesetz, das Kritikern der Beneš-Dekrete mit Gefängnisstrafen droht."
Stichwörter: Benes-Dekrete, Slowakei

Magazinrundschau vom 06.01.2026 - HVG

Im Interview mit Márton Gergely zieht der ehemalige Ministerpräsident Ungarns (2009-2010), der Ökonom Gordon Bajnai, vor den kommenden Wahlen (voraussichtlich im April 2026) eine Bilanz der Orban-Regierung: "16 Jahre sind mehr als genug Zeit, um eine Regierungsarbeit zu bewerten. Nach so vielen Jahren kann und muss man diese Regierung für die Bildung, das Gesundheitswesen, die wirtschaftlichen Aussichten, den Lebensstandard oder auch die Abwanderung zur Rechenschaft ziehen. Ebenso dafür, wie wir die einmaligen Chancen genutzt haben, die uns der EU-Beitritt geboten hat. Nach objektiven Kriterien schneidet Ungarn gemessen an seinen Möglichkeiten viel schlechter ab, als die Länder, die zusammen mit uns der EU beigetreten sind, und sogar die später hinzugekommenen Länder, die uns fast alle eingeholt und überholt haben. Dabei sehe ich nicht, dass diese weniger Souveränität oder größere Migrationsprobleme hätten als Ungarn. Und doch schneiden sie bei den Korruptionsindikatoren besser ab, sie holen sich die ihnen zustehenden EU-Gelder, bei ihnen hat sich die Abwanderung umgekehrt, ihre Wirtschaft wächst schneller. Während dort Regierungen von rechts und von links kamen und gingen, haben sie unsere seit 16 Jahren stabile Regierung in ihren Leistungen übertroffen."
Stichwörter: Ungarn, Bajnai, Gordon

Magazinrundschau vom 15.12.2025 - HVG

András Szegő, der Lektor des diesjährigen Literaturnobelpreisträgers László Krasznahorkai beim Verlag Magvető, erklärt im Interview mit Zsuzsa Mátraházi u.a. eventuelle Herausforderungen beim Sich-Einlassen auf die Texte des diesjährigen Literatur Nobelpreisträgers. "Ich höre dieses Vorurteil der Leser (über lange Sätze) oft, aber ich kann es widerlegen. Man kann sehr wohl mit diesen Sätzen reisen, und gerade das macht sie so vertraut - dass sie sich auf die richtige Weise drehen. Der einflussreiche Kritiker Péter Balassa beschrieb 'Satanstango' als Lebewesen, als ewigen Bewegungsapparat. Krasznahorkai versteht es auf beeindruckende Weise, mit der Geschichte zu spielen: Einmal befinden wir uns im Bewusstsein des Erzählers, dann sehen wir plötzlich dieselbe Szene von außen, so wie man bei den besten Kameraleuten nicht erkennen kann, wo der Schnitt im Film ist, weil sie einen Trick anwenden. Es handelt sich eigentlich um falsche lange Sätze, weil Krasznahorkai oft nicht dort einen Punkt setzt, wo er es könnte, aber wir gehen mit ihm weiter. Die Welt dreht sich weiter, wie der Titel eines seiner Bücher sagt. Darüber hinaus sind es keine so langen Sätze wie in Nádas' 'Buch der Erinnerungen' oder in bestimmten Büchern von Hrabal und Thomas Bernhard oder in den Werken von Cormac McCarthy, der in seinen endlosen Texten nicht einmal Kommata gesetzt hat. Man muss sich nur ein wenig auf Krasznahorkais Sätze einlassen, die Außenwelt ausblenden, und schon wird man von der Langsamkeit, den unerwarteten Höhen und Tiefen der Texte, die intim werden, mitgerissen. Ich würde allerdings nicht empfehlen, ein Ei zu kochen, mit dem Vorsatz, dass man in der Zwischenzeit diesen Satz noch lesen kann. Die Küche könnte abbrennen."

Magazinrundschau vom 09.12.2025 - HVG

Die Urbanistin und Kulturhistorikerin Borbála Koniorczyk veröffentlichte vor kurzem ein Buch über bekannte und weniger bekannte Frauen mit starken Persönlichkeiten des vergangenen Jahrhunderts in Budapest. Im Gespräch mit Dóra Matalin reflektiert sie über die Entwicklung des Frauseins im und seit dem 20. Jahrhundert sowie über die dominierenden Narrative der Männer im Stadtbild: "Mich interessiert das Schicksal von weit mehr Frauen, als dass man ihnen allen ein Denkmal setzen könnte, aber ein Buch kann man über jeden schreiben. Es ist wichtig zu sehen, dass die räumliche Repräsentation von Frauen nicht nur in Budapest schwach ist, sondern dass es überall weniger Denkmäler für sie gibt und weniger Straßen nach ihnen benannt sind. Die Stadt spiegelt wider, wie Geschichte geschrieben wird, sie ist eine räumliche Projektion der Tatsache, dass über Jahrhunderte hinweg Männer im Vordergrund standen und ihre Geschichten weitergegeben wurden.
Stichwörter: Ungarn, Koniorczyk, Borbala

Magazinrundschau vom 02.12.2025 - HVG

Die in Berlin lebende, aus Siebenbürgen stammende ungarische Regisseurin Réka Kincses spricht im Interview unter anderem über die gefühlte Situation der ungarischen Minderheit im rumänischen Siebenbürgen angesichts der politischen Situation in Ungarn: "Die Mehrheit der ungarischen Minderheit in Siebenbürgen ist vielleicht noch nicht reif für den politischen Wandel in Ungarn. Die Ängste sind groß, das Bedürfnis nach Stabilität ist größer, ebenso wie das Gefühl der Bedrohung. Es ist nicht leicht, die Psychologie einer Minderheit zu verstehen, wenn man selbst noch nie in einer solchen Situation des Ausgeliefertseins war. In Berlin zum Beispiel, wo das Umfeld viel aufgeschlossener ist als in Budapest, musste ich oft erklären, dass ich zwar aus Rumänien komme, aber Ungarin bin. Die Reaktion war immer: 'Ja, ja, warum muss man so darauf herumreiten? Wenn du aus Rumänien kommst, bist du eben Rumänin, und damit hat sich's.' Ich fand das empörend, obwohl ich zu Hause mit meiner Familie stets darum gekämpft hatte, dass wir nicht ständig unsere ungarische Identität zur Schau stellen. Meine Erfahrungen mit Diskriminierung haben mir sehr dabei geholfen, die manchmal übertrieben wirkenden Narrative anderer Minderheitengruppen zu verstehen. Es ist leicht zu urteilen, vor allem wenn man zur Mehrheit gehört."
Stichwörter: Kincses, Reka

Magazinrundschau vom 25.11.2025 - HVG

Bestellen Sie bei eichendorff21!
Der Journalist und Historiker Tamás Szőnyi veröffentlichte vor Kurzem ein populärwissenschaftliches Sachbuch über die Überwachung von Musikern und Kulturschaffenden zwischen 1945 und 1990 durch die Dienste der ungarischen Staatssicherheit. Im Interview mit István Balla spricht er über sein Buch und über die wiederholt aufgeworfenen Fragen zur Öffnung der Akten der Dienste. "Die westliche Unterhaltungsindustrie und die Gegenkultur der Nachkriegszeit galten, nachdem sie hinter den Eisernen Vorhang eingesickert waren, als kapitalistischer Virus und Verderber der Jugend. In den 1940er und 1950er Jahren wurde Jazz als gefährliches Produkt der dekadenten westlichen Ideologie bezeichnet, später dann Rock 'n' Roll. Danach milderte sich diese Haltung zwar, aber populäre Musik wurde weiterhin als Mittel zur 'westlichen Verweichlichung' angesehen. So war sie immer auch mit Politik verbunden, denn man musste etwas unternehmen, um 'die Jugend richtig zu erziehen'. (…) Meistens wird die Öffnung der Akten der Geheimdienstagenten aus Unwissenheit oder als wohlklingender Parole gefordert. Doch zum einen ist es nicht wahr, dass die Akten nicht öffentlich sind. Zehntausende Menschen haben die sie oder ihre Familien betreffenden Unterlagen erhalten und erhalten sie weiterhin, einschließlich der Identifizierung der IMs. Dies geschieht nicht öffentlich, sondern im Rahmen eines Informationsausgleichsprozesses, an dem ausschließlich die Betroffenen beteiligt sind. Andererseits hätten die vielen hundert Studien und Bücher, die sich mit diesen Dokumenten befassen, nicht entstehen können, wenn die Akten im Historischen Archiv der Staatssicherheitsdienste nicht öffentlich und recherchierbar wären. Die Akten sind also einsehbar. Das Problem ist die Vollständigkeit. Ein Teil der Dokumente befindet sich weiterhin bei den nationalen Sicherheitsdiensten, deren Veröffentlichung wäre wirklich von Bedeutung."