
Im
Interview mit Zsuzsa Mátraházi spricht die
Schauspielerin Dorka Gryllus u.a. über ihre Erfahrungen als Regisseurin und ihr Leben in Budapest und in Berlin. "Ich glaube nicht, dass das Regieführen eine Flucht nach vorne ist. Wäre ich mutiger gewesen, hätte ich mit neunzehn, als ich am Set von 'Sátántangó' beschloss, Schauspielerin zu werden, gesagt, dass ich Filmregisseurin werden will. Aber damals wurden wir darauf trainiert,
hübsch und niedlich zu sein und keine eigenen Ideen einzubringen. Als ich einmal zu einem Regisseur sagte: 'Hör mal, ich habe darüber nachgedacht…', unterbrach er mich: 'Ach, Dorka,
denk bloß nicht nach.' Es hat lange gedauert, bis ich anfing das, was ich mir ausdachte, als wertvoll zu empfinden. (…) Ich habe viel an
Béla Tarr gedacht, als er starb, und mir erneut Interviews mit ihm angesehen. Diese Art von
künstlerischer Hartnäckigkeit, Selbstbewusstsein und Kompromisslosigkeit, die er ausstrahlte, war mitreißend und wunderbar. Bei diesen Dreharbeiten, als ich neunzehn war, verspürte ich Euphorie. Das Gefühl, dass dort im Schlamm, im Dreck
etwas ganz Großes geschieht, dass das das Leben ist. (…) In Ungarn sind meine Wurzeln stark, ich bin Teil des Netzwerks, viele kennen meine Eltern, ich kenne auch ihre Familien. Hier bin ich zu Hause, aber diese Art des freien Denkens, die ich
in Berlin erlebe, ist ein notwendiger Teil meines Lebens. (...) Die Kommunikation ist dort direkt, während die Ungarn immer um den heißen Brei herumreden und ihre Meinung hinter den Sätzen verstecken."