Magazinrundschau - Archiv

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377 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 38

Magazinrundschau vom 20.10.2026 - HVG

Die leitende Publizistin der Zeitung SME in Bratislava, Beáta Balog warnt in einem Gastkommentar einerseits die ungarische Öffentlichkeit vor zu hohen Erwartungen beim Zur-Rechenschaft-Ziehen der Vertreter der Orbán-Regierung. Andererseits mahnt sie die Regierung, dass die Aufdeckung der systematischen Korruption der Vorgängerregierung die Aufgabe der Behörden sei und nicht mit der Regierungsarbeit verwechselt werden dürfe. Hierfür weist sie auf strukturelle Ähnlichkeiten mit der Slowakei (während der Matovic-Regierung) hin, vor und nach der Rückkehr des slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico an die Macht: "Matovic hat bei seinen Wählern übertriebene Erwartungen geweckt. Viele haben nicht verstanden, dass eine Festnahme durch die Polizei noch lange nicht bedeutet, dass die betreffende Person auch verurteilt wird. Er machte den Fehler, die Festnahmen als seine eigenen Erfolge zu feiern. Als Robert Fico dann wieder an die Macht kam, wurde die Rache für die Festnahmen zum wichtigsten Ziel der Regierungspolitik. Beim Lesen der Nachrichten aus Ungarn wird mir bewusst, dass die Slowakei im Vergleich zu Orbáns Mafia-Staat noch ein blutiger Anfänger ist. Die neue ungarische Regierung muss einen weitaus größeren Stall ausmisten, als Fico hinterlassen hat. Es gibt ungarische staatliche Institutionen, die bis auf die Grundmauern abgerissen werden müssen, und es wird nicht ausreichen, ein oder zwei Personen zu entlassen, sondern die gesamte Belegschaft, die der Macht diente, muss aufgelöst werden. Das Vertrauen in den öffentlichen Dienst muss wiederbelebt werden, und die Wähler müssen davon überzeugt werden, dass die Regierung tatsächlich dient und nicht herrscht. Péter Magyar steht unter enormem Druck seitens der Wähler. Derzeit wird sein Erfolg noch an der Zahl der verhafteten Fidesz-Politiker gemessen. Doch bei der endgültigen Bilanz nach der Frage, was für ein Ministerpräsident er war, wird dies nicht ausschlaggebend sein. Matovic könnte dazu einiges erzählen."

Magazinrundschau vom 13.10.2026 - HVG

Im Gespräch mit HVG ist die Soziologin Kim Lane Scheppele, die sich an der Princeton University mit der Erforschung des ungarischen politischen Rechtssystems beschäftigt, hingerissen von den Veränderungen, die es in Ungarn seit der Wahl von Péter Magyar und seiner Tisza-Partei bereits gegeben hat: "Vielleicht ist es noch zu früh, das zu sagen, aber die neue Regierung ist fantastisch. Es ist, als hätten sich die Dinge bereits verändert. Was in diesem Jahr geschah, war eine Volksbewegung, während das, was 1989 geschah, eher ein glücklicher 'historischer Zufall' war. Die Sowjetunion hatte beschlossen, sich in mehreren Etappen aufzulösen. Jetzt hingegen musste man für den Wandel kämpfen, und deshalb empfindet ihn jeder als sein eigenes Werk. Der öffentliche Diskurs hat sich völlig belebt, wozu auch gehört, dass in den sozialen Netzwerken Massen die Regierung angreifen, wenn sie eine Entscheidung trifft, die ihnen nicht gefällt. Und wie ich höre, antwortet die Regierung auf die Anrufe von Journalisten genauso wie auf die der Botschaften. (…) Im Idealfall wird es bis 2030 ein neues Wahlgesetz mit proportionaler Vertretung geben, und meiner Meinung nach wird sich die Tisza in drei, vier, vielleicht sogar fünf Parteien aufspalten. Es werden neue Kräfte zurückkehren, welche jetzt die Vielfalt innerhalb der Tisza verkörpern, nicht die alten. Bis dahin muss die Tisza jedoch geschlossen bleiben, solange das neue Wahlgesetz und die neue Verfassung noch nicht fertiggestellt sind. Diese beiden sind die Garantie für die Entstehung einer neuen Demokratie."
Stichwörter: Scheppele, Kim Lane, Tisza, Ungarn

Magazinrundschau vom 06.10.2026 - HVG

Der Historiker und designierte Botschafter Ungarns in Frankreich Balázs Ablonczy spricht mit Peter Hamvay über die ungarische Rechte, den Kulturkampf (in Ungarn) sowie über die Krise des Westens: "Ich möchte mich nicht als 'Fidesz-Waisen' betrachten (…). Die ungarische Rechte hat sich in der letzten Zeit in eine ziemlich verschlossene, frustrierte politische Richtung bewegt, die in vielerlei Hinsicht dem Programm der nationalen Selbstzweckorientierung der ersten Hälfte der 40er Jahre ähnelte, was - wie auch die historischen Erfahrungen zeigen - lebensgefährlich ist. Aber glücklicherweise funktioniert das nicht mehr, das sehe ich auch an meinen eigenen Kindern. (…) Ich vertraue darauf, dass der Kulturkampf lediglich eine Auseinandersetzung zwischen einigen hundert oder tausend Intellektuellen ist. Deren Zahl - so traurig es auch ist - immer weiter abnimmt; zumindest deuten die Statistiken für mich darauf hin, dass nur ein Prozent der Bevölkerung monatlich mindestens ein Buch kauft. Aber selbst die Kulturkonsumenten entscheiden sich nicht anhand dieser Fronten, sondern schauen alle dasselbe Streamingportal. (…) Der westlichen liberalen Demokratie geht es zwar nicht gut, das steht außer Frage, aber ich gehöre nicht zu den Pessimisten. Seit 100 bis 150 Jahren spricht die Intelligenz vom Untergang des Abendlandes, während die Errungenschaften des Westens - die soziale Marktwirtschaft, die Meinungsfreiheit, die Toleranz und die Menschenrechte - diese Kultur dennoch zusammenhalten. Auch in den 1930er Jahren wurde versucht, Alternativen zur liberalen Demokratie zu finden - die Ergebnisse sind bekannt. Sicherlich hat Europas Anteil an der Weltwirtschaft und an der Innovation abgenommen, aber schon im 16. Jahrhundert war Chinas Anteil an der Weltwirtschaft viel größer, bis Europa dann den Kapitalismus erfand."
Stichwörter: Ablonczy, Balazs, Ungarn

Magazinrundschau vom 29.09.2026 - HVG

Die neue Regierung hat das Budapester Museum "Haus des Terrors", ein von der Fidesz errichtetes Museum zur Erinnerung an die kommunistische Herrschaft in Ungarn, vorübergehend geschlossen und die führende Historikerin der Fidesz, Mária Schmidt, von all ihren Posten enbunden. Árpád W. Tóta denkt aus diesem Anlass über die "Rolle der Kommunisten" in der Erzählung der Fidesz-Partei nach: "In der Geschichtsschreibung der Fidesz ging es nie um die Vergangenheit, sondern um die Gegenwart und die nächsten Wahlen. Der Gegner war entweder die Sozialistische Partei Ungarns oder deren Verwandte, Abkömmlinge und Geschäftspartner (…). Doch nun steht der Fidesz kein einziger Kommunist mehr gegenüber. Wer noch aus der 'Stasi' übriggeblieben ist, steht auf ihrer Seite, wenn auch mittlerweile ohne Entlohnung. Die neue Kraft, die sie vernichtend geschlagen hat, verfolgte nur ein einziges Prinzip, und das war nicht der Marxismus, sondern dass sie nicht mit der alten Opposition verhandelte, schon gar nicht mit den Sozialisten. (…) So hat das 'Haus des Terrors' eigentlich auch in der Strategie von Fidesz seine Daseinsberechtigung verloren - theoretisch. Nur dass sie nichts anderes können. Das ist ihre einzige Metaphysik: Sie liefern sich einen Kampf mit den Kommunisten. Sie existieren nur, damit nicht die Kommunisten an die Macht kommen. Das haben sie schon früher in populistische Parolen umgewandelt, zum Beispiel mit der Behauptung: 'Der Liberale ist ein Kommunist mit Hochschulabschluss.' Und jetzt heißt es, wir lebten in einer digitalen neokommunistischen Räterepublik. Es gibt keine Kommunisten mehr, und das entzieht der Fidesz ihre Daseinsberechtigung und wird sie verkümmern lassen, so wie die Partisanenvereinigung Jahrzehnte nach dem Weltkrieg verkümmert ist."
Stichwörter: Fidesz, Ungarn

Magazinrundschau vom 15.09.2026 - HVG

Norbert Olah, Ex Machina. Apollo Galerie. Ausstellungsplakat


Anlässlich der Eröffnung seiner aktuellen Ausstellung "Ex Machina" in der Budapester Apolló Galerie, spricht der Rom-Künstler und Aktivist Norbert Oláh im Interview mit Mercédesz Nagy unter anderem über die Verortung der zeitgenössischen Roma-Kultur. "Vielleicht sind unsere Erwartungen an die Mehrheitsgesellschaft zu hoch, denn es ist nicht sicher, dass jeder von einem Moment auf den anderen versteht, was es bedeutet, Roma zu sein. Aber es ist schon viel einfacher, einen Weg zu finden, sich dem Aktivismus anzuschließen. Wer als junger Künstler in diese Gemeinschaft kommt, hat das Ziel, einen Teil der ungarischen zeitgenössischen bildenden Kunst mitzugestalten. Es geht nicht darum zu sagen: 'Wir sind draußen oder wir sind drinnen', und schon löst sich das Ganze auf. Wenn wir uns als Aktivisten definieren, dann sagen wir damit auch, dass wir keine Fürsprecher der Zigeuner sind und nicht die Roma-Kultur in ihrer ganzen Breite vertreten. Wir repräsentieren einen kleinen Ausschnitt der äußerst bunten und facettenreichen Roma-Kultur: die progressive zeitgenössische Roma-Kunst. Und diese ist wiederum Teil der zeitgenössischen ungarischen und europäischen Kultur." (Mehr über Norbert Oláh bei der Deutschen Welle)
Stichwörter: Olah, Norbert, Roma-Kunst, Ungarn

Magazinrundschau vom 01.09.2026 - HVG

Der Schauspieler und Regisseur Renátó Olasz spricht über die Prozesse der Filmschaffens unter Orbán: "Auch wenn der klassische Weg im Filmgeschäft darin besteht, ein Drehbuch zu schreiben und sich damit zu bewerben - wenn wir aber ohnehin kein Geld vom Filminstitut bekommen, wozu dann die Bewerbung, und warum sollten wir dann nicht einmal anders als gewohnt arbeiten? Frei, so wie wir es wollen. 'Vielen Dank an die ungarische Regierung, dass sie das Immunsystem des ungarischen Films gestärkt hat', richtete Szabolcs Hajdu auf dem diesjährigen Filmfestival noch eine Botschaft an die Fidesz-Regierung. Auch ich 'verdanke' es den letzten sechzehn Jahren, dass wir alle Mitwirkenden für meinen Film kostenlos bekommen haben. Es war eine wunderbare Erfahrung zu erleben, dass es Menschen gibt, die ihr Geld anderswo verdienen und nebenbei sehr gerne Talente fördern, damit das Filmhandwerk weiterbesteht. Gleich zu Beginn habe ich die Crewmitglieder gefragt: 'Das ist nun eine Art Film, für den es kein Drehbuch geben wird, wir werden improvisieren, und ihr werdet kein Geld verdienen, aber ihr bekommt Unterkunft, Verpflegung, Benzingeld und könnt frei kreativ sein. Habt ihr Lust darauf?' Zum Glück hatten sie das."

Magazinrundschau vom 25.08.2026 - HVG

"Bitte tretet nicht rückwärts", ruft die Medienwissenschaftlerin Veronika Kövesdi ungarischen Künstlern zu. Statt der abgewählten Regierung irgendwelche Parolen hinterherzuwerfen, gelte es in die Zukunft zu schauen: "Nicht jeder beliebte Künstler muss eine politische Meinung äußern. Wer dies jedoch bisher getan hat, sollte jetzt nicht damit aufhören. In den letzten Jahren haben sehr viele junge Menschen aufmerksam verfolgt, was mit dem Land geschieht, und das ist eines der besten Dinge, was passieren konnte. Es wäre schade, ihre Aufmerksamkeit zu verlieren. Ein Musiker, sprach sich vorher oft und entschieden gegen das Orbán-Regime aus, bereits als es noch etwas zu verlieren gab, und tat dies auch jetzt auf dem Sziget-Festival. Allerdings ist es nicht sicher, ob es die beste Fortsetzung war, dass er zu seinem Publikum sagte: 'Wer nicht tanzt, ist ein Fidesz-Anhänger.' Zugegeben, von der Bühne aus, zwischen zwei Songs, klingt der Satz 'Wer nicht tanzt, kann seinen eigenen politischen Standpunkt nicht formulieren, ohne den Namen einer Partei oder eines Politikers zu erwähnen' weniger gut. Auch der Unterhaltungswert von 'Bringt die Hochschulbildung in Ordnung!' ist wesentlich geringer, und ich glaube, dass diese Sätze vielleicht gar nicht so recht zu dem sorgfältig ausgearbeiteten Image eines Künstlers passen. Aber nur weil ich bei einem Konzert wie Bileams Esel dastehe, weil mir die Musik nicht so gut gefällt, dass ich dazu tanzen würde, bin ich noch lange kein Fidesz-Anhänger. (…) Denn das ziellose und ergebnislose 'Orbán-Bashen' betrachte ich als eine interessengeleitete und gewinnorientierte Ausnutzung der Aufmerksamkeit. Wir haben gerade erst begonnen, uns aus jenem Sumpf der öffentlichen Debatten herauszuwinden, in dem man nicht argumentieren, sondern nur fluchen oder loben konnte. Ich verstehe, dass damit noch eine Weile Geld zu verdienen ist (…)."
Stichwörter: Kövesdi, Veronika, Ungarn

Magazinrundschau vom 11.08.2026 - HVG

Die anhaltende Hitzewelle und der damit einhergehende Niedrigwasserpegel der Donau lösten in Ungarn eine Energiekrise aus, denn die Leistung des einzigen AKW des Landes in Paks musste mangels Kühlwasser erheblich gedrosselt werden. Parlamentspräsidentin und Interimsstaatspräsidentin Ágnes Forsthoffer rief angesichts der Krise die Parlamentsparteien sowie weitere Repräsentanten der Zivilgesellschaft dazu auf, im Rahmen eines runden Tisches Strategien zur Bewältigung der Krise auszuarbeiten. Der Aufruf überraschte die meisten Akteure, denn in den vergangenen Jahren gab es solche meinungsbildenden und entscheidungsvorbereitenden Foren nicht. Die Publizistin Boróka Parászka sieht darin eine - wenn auch geringe - Chance zu einem anderen Umgang mit politischen Gegnern: "Bis zum Regierungswechsel haben wir uns der Illusion hingegeben, dass, wenn die staatlichen Anzeigekampagnen verschwinden und die Propagandamaschinerie zum Stillstand kommt, auch der Hass langsam verfliegt. Aber warum und wovon sollte er aufhören? Tatsächlich wissen wir nicht, welche mittel- und langfristigen Spuren diese Art von Politik hinterlassen hat. ... Die Situation der ungarischen Gesellschaft ist insofern einzigartig und zum Verzweifeln, weil es hier über anderthalb Jahrzehnte hinweg kaum eine Alternative zur alles überdeckenden staatlichen Propaganda gab. Jeder ist hinter irgendeiner Frontlinie festgefahren, jeder steht jemandem entgegen - in der Regel genau demjenigen, mit dem er im Interesse eines so sehr ersehnten funktionierenden Landes eigentlich zusammenarbeiten müsste. Die Bürgergemeinschaft ist heute noch immer nur eine Illusion. ... Es sei denn, es kommt unerwartet, an unerwarteter Stelle zu einer Wende. Zum Beispiel, dass die Parteien im ungarischen Parlament wieder lernen, sich an einen Tisch zu setzen. Und an diesem Tisch miteinander sprechen, im Wissen, dass es etwas gibt, das größer ist als sie selbst."
Stichwörter: Ungarn

Magazinrundschau vom 04.08.2026 - HVG

Der Schriftsteller András Cserna-Szabó spricht anlässlich der Veröffentlichung seines neuen Romans ("Anya csak egy nincs" - Mutter gibt es nur eine nicht, Helikon 2026) im Interview mit Tamás Ligeti Nagy über die Erwartungen an einen Schriftsteller als öffentlichen Intellektuellen: "An Schriftsteller wird hierzulande die Mindestanforderung gestellt, dass wir die Zukunft kennen, dass wir Wahrsager und Propheten sind. Ich bin kein Wahrsager, ebenso wenig wie unser Nationalheld Petőfi, und ich werde es auch nie sein. Ich betrachte mich als Fachmann für Textgestaltung, als Handwerker, als Dienstleister, dessen Aufgabe es ist, Geschichten zu schreiben. Darin bin ich versiert, das tue ich Tag für Tag: Ich stehe an der Werkbank und feile, säge und schlage Nägel ein. Ich sehe die Zukunft nicht voraus, ich will nicht vorschreiben, wie dieses Land geführt werden sollte, und ich schreibe keine politischen Kommentare. Es gibt Leute, die sich damit auskennen, ich gehöre nicht dazu. Ich schreibe keine Gedichte und schaffe keine Skulpturen, weil ich mich auch damit nicht auskenne. Márai rät, der Schriftsteller solle hinter seinem Roman verschwinden, nicht politisieren, schon gar nicht auf kleinliche Weise. Ich versuche, mich daran zu halten. Márai sagt auch, der Schriftsteller solle nicht in Erscheinung treten, sich nicht in den Vordergrund drängen. Das ist für mich schon schwieriger einzuhalten. Der Schriftsteller ist ein Gefangener einer besonderen Schizophrenie: Er möchte sich einerseits hinter seinem Schreibtisch verstecken, brennt aber gleichzeitig vor dem Wunsch, seine Seele zu offenbaren. Ich koche gerne Letscho oder Kutteln, unterhalte mich mit Lesern über Bücher und Essen und lese Kurzgeschichten vor. Wenn das Selbstverherrlichung ist, dann bitte ich um Verzeihung. Vor allem bei Márai."

Magazinrundschau vom 28.07.2026 - HVG

Dóra Matalin unterhält sich für ein Porträt Judit Bergs mit dieser in Ungarn erfolgreichen Schriftstellerin, die letzten Monat zur stellvertretenden Staatssekretärin für Literatur und öffentliche Bildung ernannt wurde, über ihre neue Aufgabe: "Das Verlagswesen und die öffentliche Bildung liegen in Trümmern", sagt Berg. "Es gibt unzählige dringende Aufgaben, zum Beispiel die Übersetzungsförderung, die früher ein gut funktionierender Apparat für die Veröffentlichung ungarischer Literatur im Ausland war, aber seit Jahren keinen Cent mehr erhalten hat. Viele gute ungarische Bücher erscheinen deshalb nicht im Ausland. Auch anspruchsvolle Literaturzeitschriften benötigen Soforthilfe, da sie kurz vor dem Aus stehen. Die Liste der akuten Aufgaben ist schier endlos. (…) Eine Nation, deren Bürger nicht zu verstehendem, vertieftem Lesen fähig sind und in der die Zahl der funktionalen Analphabeten hoch ist, erleidet langfristig wirtschaftliche Nachteile. Die Kultur trägt dazu bei, dass wir in einem offenen, frei denkenden und humanen Land leben. In allen Bereichen der Kultur fand eine unglaubliche Verschwendung statt, Milliarden flossen in private Taschen, für Nichts. Mit so viel Geld könnte man fast schon Wunder vollbringen."
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