

G. K. Chesterton
Ketzer. Eine Verteidigung der Orthodoxie gegen ihre Verächter
Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 1998
Aus dem Englischen neu übersetzt von Monika Noll und Ulrich Enderwitz. Reaktionär? Aber natürlich war Chesterton ein Reaktionär! Mit zwölf Jahren Heide, mit sechzehn Agnostiker, mit dreißig Katholik-, und mit sechzig schwärmt er fürs Mittelalter. Die Erbsünde hält er für eine Selbstverständlichkeit, und den Menschen für das einzige Tier, das Dogmen herstellt. Bäume, behauptet er, haben keine Dogmen. Steckrüben lassen alle Meinungen gelten. Und jede Wahrheit verwandelt sich in ein Dogma, sobald sie angegriffen wird. Und so definiert jeder Zweifler eine Religion. Aber was Chesterton an der Orthodoxie anzog, war keineswegs die Sicherheit, die sie bietet. Er witterte den Skandal, den sie, sobald man sie ernst nimmt, für den normalen Menschenverstand bedeutet. Damit verglichen wirken die meisten Ketzereien harmlos. Die materialistische Vernunft, vertreten durch seine Zeitgenossen H. G. Wells und Bernard Shaw, sieht tatsächlich ziemlich alt aus, wenn ein frommer Freigeist wie Chesterton gegen sie antritt.