

Karsten Linne
Deutschland jenseits des Äquators. Die NS-Kolonialplanungen für Afrika
Ch. Links Verlag, Berlin 2008
1918 endete de facto die deutsche Kolonialgeschichte, nicht aber der deutsche Traum von Kolonien. So etablierte sich in der Weimarer Republik und noch weitaus stärker im "Dritten Reich" eine einflussreiche kolonialrevisionistische Bewegung. Die Wiedergewinnung der ehemaligen deutschen Kolonien, die mit neu zu erwerbenden Gebieten zu einem mittelafrikanischen Kolonialreich ergänzt werden sollten, wurde nicht nur propagiert. Spätestens ab 1936/37 gab es geheime Planungen, die für alle relevanten Bereiche detaillierte Vorschläge zur Ausgestaltung der Kolonialpolitik unterbreiteten.Nach dem militärischen Sieg über Frankreich wurden diese Planungen intensiviert und zu einem integralen Bestandteil des deutschen Strebens nach der Weltherrschaft. Die Kolonien sollten in erster Linie der ergänzenden Versorgung der deutschen Wirtschaft mit Rohstoffen und Kolonialprodukten dienen. Angesichts des Arbeitermangels in Afrika erhoben viele Planer die Arbeits- und Sozialpolitik zum "Schlüsselproblem" einer künftigen Kolonisation.