

Mary Shelley
Frankenstein oder Der moderne Prometheus. Die Urfassung
Patmos Verlag, Düsseldorf 2006
Mit Materialien zur Entstehung und Rezeption, Anmerkungen, Nachwort und Zeittafel. Aus dem Englischen von Alexander Pechmann. Seit 200 Jahren begeistert Mary Shelleys Frankenstein die Leser. Unzählige Bühnenadaptionen und Verfilmungen machten den Stoff populär, vermittelten aber auch ein verzerrtes Bild des Originals. Das Interessante an der Urfassung: die Autorin ist weniger am Klischee des wahnsinnigen und gotteslästerlichen Wissenschaftlers interessiert als vielmehr am Bild eines Menschen, der sich als Wohltäter beweisen will, der aber an der Last seiner Verantwortung scheitert und sich ihr am Ende trotzdem stellen muss. Die Urfassung von Frankenstein verweigerte sich den moralischen Konventionen ihrer Zeit. Aus heutiger Sicht scheint sie in vielen Aspekten moderner als die überarbeitete Fassung von 1831 - als überraschend hellsichtige Allegorie auf die Entstehung des Bösen durch Ausgrenzung und Vernachlässigung.