

Harald Müller
Weltmacht Indien. Wie uns der rasante Aufstieg herausfordert
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2006
Indien ist ein erwachender Gigant. Jahrzehnte hatte ein verfehlter Staatssozialismus zu Wachstumshemmnissen geführt. Nie hatte die tatsächliche Weltstellung des Landes dem Ehrgeiz seiner Eliten entsprochen. Immer hatte es im Schatten der aufstrebenden Macht Chinas gestanden, in einer Schmuddelecke der Weltpolitik.Doch inzwischen haben energische Reformen die alten Fesseln gesprengt. Seit fünfzehn Jahren wächst das Bruttosozialprodukt mit Werten zwischen fünf und acht Prozent. Im Zuge dieses Erfolgs hat sich ein Mittelstand von 200 bis 300 Millionen Menschen entwickelt. Dieser Mittelstand gibt der erstaunlich robusten indischen Demokratie nun auch eine solide soziale Grundlage. Aber die Kluft zwischen Arm und Reich ist noch lange nicht geschlossen, und die Gegensätze zwischen fortschrittlicher Stadt und rückständigem Land enthalten nach wie vor Stabilitätsrisiken.