

Susan Neiman
Das Böse denken. Eine andere Geschichte der Philosophie
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004
Aus dem Amerikanischen von Christiana Goldmann. Das Böse stellt die menschliche Vernunft auf eine harte Probe, denn es bringt unsere Zuversicht ins Wanken, dass der Lauf der Welt einen Sinn ergibt. Für die Europäer des 18. Jahrhunderts war das Erdbeben von Lissabon im Jahre 1755 manifester Ausdruck des Bösen, während wir heute das Böse ausschließlich als Folge böswilligen, ja grausamen menschlichen Handelns begreifen - und Auschwitz als dessen extremste Verkörperung. Wieviel Sinn steckt also in einer Welt, in der Unschuldige leiden? Ist das Böse tiefgründig oder banal? Ist das Böse überhaupt verstehbar, und wenn ja, sind wir gar moralisch zu einem solchen Verständnis verpflichtet? Susan Neiman zeigt in ihrer historisch wie systematisch profunden Studie, die bei dem Erdbeben von Lissabon einsetzt und bei Auschwitz und dem 11. September endet, dass diese Fragen die moderne Philosophie von der Frühaufklärung bis in die Gegenwart, von Voltaire bis Hannah Arendt, wie ein roter Faden durchziehen und nachhaltig geprägt haben. Entstanden ist eine Geschichte des Nachdenkens über das Böse, die zugleich eine andere Geschichte der Philosophie ist.