Magazinrundschau

Ich bin nicht in Trauer. Ich habe Kummer.

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.
03.02.2009. In Le Point erinnert BHL daran, dass der deutsche Widerstand nicht nur Stauffenberg, sondern auch Zivilisten wie Georg Elser, Sophie Scholl oder Willy Brandt aufzuweisen hatte. Im Nouvel Obs weint Roland Barthes um seine Mutter. Outlook India beschreibt die Talibanisierung des IT-Staats Karnataka. Elet es Irodalom erklärt, warum die Holländer Peter Esterhazy nicht verstehen. Der New Statesman bewundert die unwahrscheinliche Ehe des Physikers Paul Dirac. In Al Ahram fordert der niederländische Schriftsteller Herman P. Spruijt mehr geistige Eigentumsrechte für arabische Schriftsteller. Prospect sieht die roten Tories kommen.

Point (Frankreich), 29.01.2009

Bernard-Henri Levy schreibt über den Film "Operation Walküre", der auch in Frankreich angelaufen ist. Er findet es durchaus problematisch, dass einer der wichtigsten Anhänger einer totalitären Sekte einen einen Heden des Widerstands gegen die Nazis spielt. Mehr noch aber stört ihn etwas anderes: Der Wald des deutschen Widerstands werde hinter dem einzigen Baum Stauffenberg versteckt. Stauffenberg habe zumindest anfänglich noch die Ideale des Totalitarismus geteilt - anders als zivile Widerständler wie Georg Elser, Sophie Scholl oder Willy Brandt: "Diese Unterscheidungen zu verwischen, darin liegt die Gefahr. Es kommt aber darauf an, sie zu akzentuieren und immer wieder die Kriegskultur der Nazis und einiger ihrer Gegner auf der einen Seite und den radikalen Antinazismus der Erben von Willy Brandt auf der anderen Seite zu sehen: Darin besteht die Aufgabe, die in diesem Film selbst eher verunklart wird. Eine Aufgabe für Deutschland. Eine Pflicht für Europa."
Archiv: Point

HVG (Ungarn), 31.01.2009

Der Berlin-Korrespondent der Wochenzeitung HVG, Bela Weyer, erwartet von "Operation Walküre" keine historische Genauigkeit. Aber nützlich findet er den Film dennoch: "Natürlich sind die etwa 200 Menschen, die sich aus der 9 Millionen starken Wehrmacht an der Verschwörung beteiligt haben, nicht allzu viel. Aber immerhin mehr, als was das Kinopublikum weltweit bislang zu sehen bekam. Und mehr als jenes Klischee, wonach deutschen Militärs in Kriegsfilmen nur die Rolle der Bösen zugeteilt werden kann, und wonach damals alle Deutschen Nazis waren, ohne Ausnahme. Dabei gab es Ausnahmen, Leute, die sich trauten, etwas gegen Hitler zu tun - wenngleich wenige."
Archiv: HVG
Stichwörter: Kriegsfilm

Guardian (UK), 31.01.2009

Paul Laity portätiert den britischen Historiker Blair Worden, der sich vorgenommen hat, die seiner Meinung nach verklärende - und vor allem von marxistischen Kollegen wie Christopher Hill beförderte - Sicht auf die Englische Revolution zu revidieren: "Ich kann nicht verstehen, was einem Ereignis, das so desaströs scheiterte und das solch eine heftige Reaktion auslöste, positiv sein soll. Der Bürgerkrieg war eine schreckliche Erfahrung für die meisten Menschen; er verursachte furchtbare Zerstörungen und Bluttaten. Und ich verstehe nicht, wie sich Menschen, die die Todesstrafe ablehnen, darüber freuen können, dass ein König geköpft wird. Wenn es zu etwas gut gewesen wäre, ja dann vielleicht... Aber ich sehe nicht, wofür das alles gut gewesen wäre, nicht einmal mit ihren Augen. Die einzige Lektion, die hier gezogen werden könnte, bezieht sich auf die Konsequenzen eines destruktiven Enthusiasmus." Außerdem, meint Worden, "waren die Royalisten viel bessere Autoren als die Parlamentarier."

Außerdem: Moira Weigel bricht eine Lanze für die Dichterin Elizabeth Alexander und ihre Politik und Poesie verbindenden Obamapoetics. Im Vorfeld einer Londoner Ausstellung über den persischen Herrscher und Begründer des schiitischen Irans, Shah Abbas I., besucht Madeleine Bunting die einstige Hauptstadt seines Reiches, Isfahan.
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Archiv: Guardian
Stichwörter: Todesstrafe

Nouvel Observateur (Frankreich), 29.01.2009

Der Nouvel Obs bringt Auszüge aus einem bisher unveröffentlichten Tagebuch, das Roland Barthes nach dem Tod seiner Mutter 1977 zwei Jahre lang führte. Das "Journal de deuil" erscheint nun bei Seuil. Barthes schreibt darin unter anderem am 5. November, zwei Monate nach ihrem Tod: "Trister Nachmittag. Kurzer Einkauf. In der Patisserie (Belanglosigkeit) kaufe ich einen 'Financier'. Die kleine Verkäuferin bedient eine Kundin und sagt voila. Das war das Wort, das ich sagte, wenn ich Maman etwas brachte, als ich sie pflegte. Einmal, gegen ihr Ende hin und nur halb bei Bewusstsein, wiederholte sie es: Voila (Ich bin da, je suis la, ein Wort, das wir uns das ganze Leben über gesagt haben). Dieses Wort der Verkäuferin treibt mir die Tränen in die Augen. Ich weine lange (zurück in der schallgeschützten Wohnung)." Und am 30. November notiert er: "Nicht von Trauer sprechen. Das ist zu psychoanalytisch. Ich bin nicht in Trauer. Ich habe Kummer."

So sehen laut Wikipedia Frankreich zwei Financiers aus. Es handelt sich um Weichgebäck. Anderenorts wird es als rechteckig beschrieben.

Economist (UK), 29.01.2009

In Paris steht der Kunstwelt ein Großereignis bevor. Die enorm wertvolle Sammlung von Yves Saint-Laurent und dessen Lebensgefährten Pierre Berge steht zur Versteigerung. Ein von Abu Dhabi unterbreitetes Pauschalangebot für all die Legers, Picassos, Ingres' etc. etc. hat Berge offenbar abgelehnt, darum wird jetzt tout Paris an der Sache beteiligt: "Christie's bereitet jetzt la grande vente vor, an drei Abenden und zwei Tagen wird versteigert, unter Leitung von acht Auktionatoren. Berühmte Kunsthistoriker wie Yves-Alain Bois von der Princeton University haben Aufsätze für den aus fünf Hochglanzbänden bestehenden Katalog verfasst, der für 200 Euro zu haben ist. Highlights der Sammlung waren im September in New York ausgestellt; weitere gibt es in London bis zum 4. Februar, dann in Brüssel, bevor sie in den Grand Palais gelangen. Dort wird die Ausstellung am Wochenende vor dem Verkauf von neun Uhr morgens bis Mitternacht fürs Publikum geöffnet sein. Die Aktivitäten im Grand Palais allein werden Christie's mehr als eine Million Euro kosten."

In einem weiteren Artikel geht es um das bestens besuchte Literaturfestival im indischen Jaipur. Besprochen werden unter anderem Simon Mawers Roman "The Glass Room" und Christoph Lavers' "Naturgeschichte des Einhorns" . Außerdem gibt's Nachrufe auf die Schriftsteller John Mortimer und John Updike.
Archiv: Economist

Outlook India (Indien), 09.02.2009

Ausgerechnet der IT-Staat Karnataka mit seiner Hauptstadt Bangalore, in der zum Beispiel der große Softwarekonzern Infosys seinen Sitz hat, scheint zu einem der Zentren eines hinduistischen Kommunalismus zu werden - mit Billigung der Regionalregierung. Outlook India macht die Ausschreitungen gegen Christen und Muslime zur Titelstory: "The Talibanisation of Karnataka". "Der bei weitestem häufigste Grund für kommunalistische Ausschreitungen bezieht sich auf die 'Vermischung' von Jugendlichen aus unterschiedlichen Communities. G. Rajashekar, Mitautor des Buchs 'The Dark Faces of Communalism' zählte zwischen Mai 2008 und heute '14 Fälle von Gewalt gegen Hindumädchen, die zusammen mit einem muslimischen oder christlichen Jungen gesehen wuren'."
Stichwörter: Bangalore

Elet es Irodalom (Ungarn), 23.01.2009

Die ungarische Literatur ist populär in Holland, seit dem Krieg sind etwa 100 Bücher übersetzt worden, im Vergleich mit anderen "kleinen" Sprachen - wie dem Tschechischen oder Polnischen - ist diese Zahl der Übersetzungen ziemlich hoch. Allerdings machen die Holländer Unterschiede: Sandor Marais wird sehr gern gelesen, Peter Esterhazy weniger. Warum das so ist, erklärt im Interview Agnes Kerekjarto, Dozentin für ungarische Literatur an der Universität Groningen. "Die sprachliche Virtuosität, wie sie Esterhazy betreibt, hat in Holland keine Tradition, sie ist dem puritanischen holländischen Sprachgebrauch fremd, weshalb Esterhazys Texte auch in der Übersetzung ungarische Texte bleiben. Er ist sozusagen ein Katholik in einer protestantischen Welt. Einem Holländer erscheint sein Stil als zu barock, zu übermäßig verziert, weil er an eine klare Linienführung, an eine direkte Rationalität und an eine Moral gewöhnt ist, und diese bevorzugt er auch. Zudem ist die holländische keine verspielte Kultur, weshalb dem Leser Esterhazys Ironie entgeht. Die Ironie ist ja im Grunde eine Frucht der Ohnmacht, sie blüht vor allem in Ländern, in denen die Menschen ihre Geschichte nicht selbst gestalten, sondern nur erleiden. In den Augen der Holländer aber sind Probleme dazu da, gelöst zu werden. Sie verstehen nicht, warum einer ironisiert, statt zu handeln."

Istvan Vancsa kommentiert die Begeisterung der Amerikaner während der Vereidigungszeremonie von Barack Obama: "Sie (die Amerikaner) haben etwas, was uns (Mitteleuropäern) fehlt, was uns schon immer gefehlt hat und was wir in absehbarer Zeit auch nicht haben werden. Sie vertrauen der Gesellschaft, in der sie leben, sie vertrauen den Grundprinzipien, den Einrichtungen und der Rechtsordnung ihrer Gesellschaft. Sie sind der Meinung, dass ihr Land, mit all seinen Fehlern, das Beste aller existierenden Länder ist, dass die Struktur der Föderation auf weisen Ideen basiert, dass ihre Gesetze der Gerechtigkeit, ihre Institutionen dem Gemeinwohl dienen. Wir halten diese Art von staatsbürgerlichen Gefühlen für ein wenig pathologisch, wenngleich alle funktionierenden Kulturen gerade darauf basieren, also auf dem Glauben an die ... - zumindest prinzipielle - Lauterkeit der Macht. Wenn all das vorhanden ist, ist es nicht ausgeschlossen, dass die eleganten Damen und Herren sich selbst vor die Karren spannen und die Steine für den Bau der Kathedrale zu Chartres höchstpersönlich herbeitransportieren".

Polityka (Polen), 30.01.2009

Im Interview mit der Polityka (hier auf Deutsch) steht Leszek Balcerowicz, von 1989 bis 1991 in den ersten nichtkommunistischen Regierungen unter Tadeusz Mazowiecki und Jan Krzysztof Bielecki Vizepremier und Finanzminister Polens, fest zu seinem Ruf eines Liberalen. Angst hatte er nicht, als er damals seine Wirtschaftsreformen durchpaukte. "Ich erinnere mich an eine sehr starke Anspannung. Mir half, dass ich mich nicht auf blinden Glauben verließ, sondern auf das Durchspielen der Varianten, die wir hatten. Ich war fest davon überzeugt, dass eine andere Strategie zum Scheitern verurteilt und unsere nur riskant war. Das reduzierte den Stress."
Archiv: Polityka

New Statesman (UK), 29.01.2009

Brian Cathcart freut sich über Graham Farmelos Biografie des französisch-schweizerisch-englischen Physikers Paul Dirac, "The Strangest Man". Farmelo, einst selbst theoretischer Physiker und jetzt Spezialist der Wissenschaftskommunikation, habe eine 'wunderbar dichte und intime Studie' über einen Mann veröffentlicht, der von Kollegen wie Heisenberg, Schrödinger oder Bohr in Ehren gehalten, von der Welt jedoch weitgehend vergessen wurde. Wir erfahren von Diracs eigenwilligen Vorlesungen, seinem Hass auf den brutalen Schweizer Vater. "Wir kommen auch dazu, Diracs oberflächlich gesehen unwahrscheinliche Ehe mit der übersprudelnden, stürmischen Margit 'Manci' Wigner zu verstehen - und wir erfahren nebenbei zwei wunderbare neue Anekdoten. Erstens, dass Dirac, als er fürchtete, er könne sich verliebt haben, das tat, was man von Akademikern erwartet: er las ein Buch zum Thema - George Bernard Shaws 'Getting Married'. Und zweitens, als Manci sich beschwerte, er weiche Fragen über Gefühle in ihren Liebesbriefen aus, schlüsselte er die Fragen methodisch in nummerierten Rastern (im Text wiedergegeben) auf und beantwortete eine nach der anderen. All dies und erstaunliche Wissenschaft, ebenso flüssig abgeliefert."

Weitere Artikel: Robbie Graham und Matthew Alford folgen dem Geld, um herauszufinden, warum Hollywood so pro-establishment ist, und Harry Mount trauert um die britische Boheme deren "Lebensräume begraben wurden, entweder unter Beton oder Handelsketten."
Stichwörter: Paul Dirac, Geld, Wissenschaft

Observator Cultural (Rumänien), 02.02.2009

Der Observator Cultural stellt in einer neuen Ausgabe seines Übersetzungsprojekts die Schriftstellerin Gabriela Adamesteanu vor. Übersetzt ist ein Auszug aus Alain Nicolas' Besprechung von Adamesteanus Roman "Verlorener Morgen" in L'Humanite. Hier ein Auszug aus dem Roman auf Deutsch: "Früher, hätte sie damals so stillgesessen, ohne aus dem Haus zu gehn, da wär ihr wohl die Decke auf den Kopf gefallen. Irgendwann hielt es sie nicht mehr, und auf ging?s. Alle klapperte sie ab, an einem Tag den einen, am andern Tag den andern, bei keinem ging sie leer aus, man redete auch noch ein Wörtchen, sie erfuhr noch das eine oder andere, denn immer nur mit diesem Holzklotz von einem Mann herumhocken, das ist ja zum Auswachsen. Mit ihm hat sie sich nie was zu sagen gehabt, was redet man denn auch mit dem Mann?!
'Der Mann braucht dich nur bis zum Gürtel kennen ...', sagt sie, und wenn die das hört, ihre Schwägerin, dann wird die gleich böse:
'Halt doch den Mund, Vica, verdammt, der Junge hört dich ... Bist eine alte Frau und hast immer noch Schweinkram im Maul ...'
'Ach herrjeh ... Und was ist, wenn er?s hört? ... Soll er doch! Wirst ihn nicht mehr lang unter deinen Röcken halten! ... Keine Sorge, bin auch in allerhand großen Häusern gewesen, ich weiß, wie auch die feinen Damen reden ... Wo immer ich herumgekommen bin, man hat mich verstanden, man tat mich mögen und schätzen, auch bei der Madam Ioaniu, was haben wir doch gelacht mit ihr und der Ivona ...' "

Lesen dürfen wir außerdem einen Auszug aus "Der immergleiche Weg eines jeden Tages" und aus dem Roman "Die Begegnung", den Carmen Musat vorstellt.

Merkur (Deutschland), 01.02.2009

Michael Rutschky wehrt sich gegen die Zukunftsfixiertheit in den Medien, die jeder Prophezeiung mehr Wert beimesse als der Analyse von Gegenwart oder Vergangenheit. "Nicht erzählenswert ist heute natürlich vor allem, was gestern Information und deshalb erzählenswert war. Gestern schmolz das Eis am Nordpol mit unheimlicher Geschwindigkeit - wissen wir schon. Heute schmilzt es langsamer. Aber wir können darauf setzen, dass es insgesamt weiter schmilzt, dass in der Zukunft ein eisfreier Nordpol droht - und insofern schafft das Prophezeien eine gewisse Sicherheit und Verlässlichkeit gegenüber dem täglichen Druck, Erzählenswertes von Nichterzählenswertem zu unterscheiden. Die Zukunft, die wir nicht kennen, das schlechthinnige Nichtwissen strahlt sogar in tiefer Schwärze eine Ruhe und Sicherheit aus, die Gegenwart und Vergangenheit komplett abgehen."

Peter Furth
sieht anlässlich seiner Lektüre von Panajotis Kondylis' 1991 erschienenem Buch "Der Niedergang der bürgerlichen Denk- und Lebensform" die bürgerliche Demokratie von einer neuen Gesellschaftsformation abgelöst: der Massendemokratie. "Liberalismus und Bourgeoisie haben in Kondylis? Sicht nicht gesiegt, sondern sind wie der Kommunismus an ihr Ende gekommen, und die Massendemokratie ist als Resultat des Kampfes der Systeme ein neues Drittes, eine neue Gesellschaftsformation, mit Kapitalismus, aber ohne Bourgeoisie und ohne Proletariat."

Außerdem im Print zu lesen ist Andrew Sullivans Bekenntnis "Warum ich blogge", den der Merkur von Atlantic Monthly übernimmt. Eduard Kaeser diskutiert Nicholas Carrs Artikel "Macht Google uns dumm?", ebenfalls aus Atlantic Monthly.
Archiv: Merkur

Espresso (Italien), 29.01.2009

Das bettelarme Institut francais in Berlin ruft um Hilfe, die Institute in Neapel und Sarajevo stehen kurz vor der Schließung. Frankreich spart seine Kultur kaputt, fürchtet der marokkanische Schriftsteller Tahar Ben Jelloun in einem Beitrag, der noch vom Ende des vergangenen Jahres stammt, aber nach wie vor trägt. Der sparwütige Sarkozy sollte sich das jedoch zweimal überlegen, meint er. Sieht man doch an den Preisträgern des Prix Goncourt und des Prix Renaudot, dass die französische Kultur nicht mehr im Kern, sondern nur noch an ihren Rändern lebt. "Frankreich hat ein wenig gebraucht, um zu begreifen, dass seine Sprache mehr außerhalb seiner Grenzen gesprochen und benutzt wird als innerhalb. Dort draußen befinden die Literaturen, die ihre so unterschiedlichen Visionen und Bilder auf Französisch beschreiben. Das gilt für diverse Länder Afrikas, der arabischen Welt, vor allem des Maghreb, das gilt für Kanada, für Belgien und für die Schweiz, die Antillen nicht zu vergessen. Sie alle zusammen bilden einen Reichtum, der eine Sprache und eine Zivilisation ernährt und am Leben hält. Das Konzept der Frankophonie, wie das der Negritude, blüht im Umfeld von Kultur und Politik besonders auf und stellt ein Konzept dar, mit dem Frankreich wieder in die Interessen und die Lebenswelt seiner Ex-Kolonien eintauchen und die Beziehung mit ihnen am Leben halten kann."
Archiv: Espresso

Al Ahram Weekly (Ägypten), 29.01.2009

Bei seinem Besuch auf der Internationalen Buchmesse in Kairo war der der Präsident der International Publishers Association (IPA), setzte sich der niederländische Schriftsteller Herman P. Spruijt vehement dafür ein, die Urheberrechte in der arabischen Welt zu fördern, deren Fehlen die internationalen Geschäfte zu behindern scheint. Auf einer Pressekonferenz fragte er ärgerlich: "Warum wird Ägypten mit einer winzigen Anzahl von Schriftstellern und Büchern in den internationalen Markt eingeführt, trotz seiner langen Geschichte im Publizieren und seines großen kulturellen Reichtums auf diesem Gebiet? Wie kann die Zahl der CIBF-Besucher zwei Millionen erreichen und die Zahl der internationalen Verleger und Fachleute gering bleiben? Warum kann Schottland über rund 14.000 Bücher im Internet verfügen, während die arabische Welt unbeachtet bleibt? Warum liegt die Anzahl der Layout-Fachleute von internationalem Standard in der arabischen Welt, in Afrika und Lateinamerika bei weniger als fünf Prozent der Norm andernorts?" Seine Antwort: "Wenn wir es ernst damit meinen, Veröffentlichungen in der arabischen Welt zu fördern, ist es sehr wichtig, ernsthafter das geistige Eigentumsrecht voranzutreiben und seine Bedeutung und seinen Wert für die verschiedenen Gemeinschaften der arabischen Welt hervorzuheben."

Nehad Selaiha hat unterdessen gewissenhaft einige "aufgewärmte Snacks" beim siebten Festival des Jeunes Createurs in Kairo ertragen.

Folio (Schweiz), 02.02.2009

Parallelwelten ist das Themas dieses Hefts. Inmitten von Weltwirtschafts-Kapriolen scheint sich Geld in Luft aufzulösen. Der Autor Misha Glenny, der in seinem Buch "McMafia" das organisierte Verbrechen unter die Lupe nahm, beleuchtet nun den kuriosen Fall des brasilianischen Bankers Nelson Sakaguchi. Der sich ließ - offenbar unwissentlich - in nigerianische Scheingeschäfte verwickeln, schloss sich einer dubiosen Sekte und veruntreute hunderte Millionen Dollar. Während die westliche Bankenwelt sich blind stellte: "'Es besteht kein Zweifel daran, dass erst Lloyds und dann auch Citibank alle zu jener Zeit bestehenden Verhaltensregeln über Kontoeröffnungen und den Empfang und Versand von Geldern ignoriert haben', erklärt Domingos Refinetti, der von Noroeste in Sao Paulo mit den Rückforderungen betraute Anwalt. 'Wenn man in dieser Größenordnung mit Nigeria Geschäfte macht, muss man sich die Frage stellen, ob diese Gelder nicht illegalen Ursprungs seien. 70 Millionen Dollar wurden im Laufe eines Jahres über Llodys abgewickelt, 50 Millionen innerhalb weniger Monate über die Citibank ? Die Banken drückten einfach beide Augen zu und winkten das Geld durch.'"

Außerdem: Anja Jardine porträtiert den Tschechow-Übersetzer Peter Urban und entdeckt Parallelen zwischen zwischen dem russischen Volksdichter und seinem deutschen Interpreten. Und Luca Turin grübelt über echte Stinker - Celebrity Parfüms.
Archiv: Folio

Prospect (UK), 01.02.2009

Bernard Avishai weist darauf hin, dass sowohl die palästinensische als auch die israelische Seite aus widersprüchlichen ideologischen Blöcken besteht. Jeder Vermittlungsversuch Obamas, meint er, müsse sich das zunutze machen: "Die meisten wissen, dass Palästina aus, grob gesagt, zwei Einheiten besteht: der West-Bank-Mehrheit, nominell geführt von der Palästinenserbehörde, in Wahrheit aber von einer säkularen Geschäfts- und Angestelltenklasse in Ramallah - und auf der anderen Seite einer islamistischen Minderheit, geführt von der vielleicht pragmatischen, ganz zweifellos aber auch totalitären Hamas. Was wir lernen müssen, ist, dass auch Israel aus zwei Einheiten besteht... Da ist die knappe säkulare Mehrheit, eine hebräischsprachige Republik mit Zentrum Tel Aviv, die immer stärker von den Verbindungen zur Außenwelt profitiert... Die seit 1967 gültige zionistische Siedlungspolitik, verbunden mit gesetzlichen Privilegien für die Orthodoxe, haben jedoch einen riesigen Staat im Staat hervorgebracht: sein Zentrum ist Jerusalem, er ist vorwiegend theokratisch und zutiefst verstrickt in die noch immer andauernde Besiedlung der West Bank."

Weiteres: Phillip Blond sieht die "roten Tories" kommen (auf dem Cover dazu: Margaret Thatcher che-guevara-style. Eric Kaufman beschreibt in seinem Nachruf, wie Samuel Huntington zum akademischen Außenseiter wurde, der er eigentlich sein Forscherleben lang war. Besprochen werden Roberto Bolanos Roman "2666" und die trotz einer gewissen Zusammenarbeit mit ihrem Gegenstand offensichtlich erfrischend respektlose Rupert-Murdoch-Biografie von Michael Wolff, "The Man Who Owns the News".
Archiv: Prospect