Magazinrundschau - Archiv

Le point

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Magazinrundschau vom 19.04.2014 - Point

Michel Houellebecq ist derzeit allgegenwärtig: Gerade hat er den Arte-Film "„L"Enlèvement de Michel Houellebecq“" (Die Entführung von Michel Houellebecq) abgedreht, in dem er sich selbst spielt, und jetzt werden seine Texte auch noch gesungen. In einem Gespräch zwischen dem Sänger Jean-Louis Aubert und Houellebecq erzählt der Musiker in Le Point, wo er auf Houellebecqs Buch gestoßen ist: in einem Tabakladen. Houellebecq meint folgerichtig zu dem Musikprojekt: "„Das ist doch was, das ein totalitärer oder vielmehr größenwahnsinniger Geist wie ich nur hinreißend finden kann: Die Vorstellung, dass jemand, ohne es vorgehabt zu haben, das Buch kauft und sich meinen Text zu Herzen nimmt, erheitert mich zutiefst. Ja, ich bin ein Größenwahnsinniger. Aber ein netter.“"

Magazinrundschau vom 14.01.2014 - Point

Der in London lebende französische Schriftsteller Gaspard Koenig diagnostiziert eine Aufspaltung des französischen Buchmarkts zu Ungunsten von Autoren und Lesern. Er attackiert die "armen kleinen Buchhandlungen", denen er vorwirft, mit Subventionen ein bestimmtes Bild der Literatur duchsetzen zu wollen - und er fordert die Abschaffung der "loi Lang", die mit der deutschen Buchpreisbindung vergleichbar ist. Die Zeiten änderten sich, meint er und schreibt: "Was man sieht: Die armen kleinen Buchhandlungen gewährleisten in den Städten der Provinz eine Funktion von kulturellen Vermittlern. Was man nicht sieht: An dem Tag, an dem bestimmte Bücher einen Euro kosten, wird sich die Anzahl der Leser automatisch erhöhen. In Großbritannien ist der Buchpreis nicht gebunden: Wenn ich Bücher über amazon.co.uk kaufe, kann ich für das gleiche Geld zwei bis drei mal mehr Bücher kaufen als über amazon.fr. Die französische Vision (für das Buch ebenso wie für die Museen) bleibt, traurig elitär, die einer geliebten, teuren Kultur, einer Kultur, die verdient werden muss."

Magazinrundschau vom 26.11.2013 - Point

Superpathetisch und très républicain wird BHL angesichts der Demos in der Bretagne, wo gegen Steuern - also gegen den in Frankreich alles steuernden (und eventuell gegen die Wand fahrenden) Zentralstaat - protestiert wird: "Der Souverän selbst, das souveräne Volk, so wie es nach Jahrhunderten die philosophische Reflexion definierte, wird sich in den trüben Wassern einer Gesellschaft auflösen, in der der Mensch des Menschen Wolf wird, wie Hobbes sie fürchtete und mit ihm fast das gesamte moderne politische Denken. Was ist Populismus? Der Pöbel, der sich an die Stelle des Vokes setzt."
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Stichwörter: Populismus, Bretagne

Magazinrundschau vom 01.10.2013 - Point

Einen kleinen, nicht immer ganz verständlichen Einblick in die Verrücktheiten der Pariser 68er-Zeit gibt Bernard-Henri Lévy in einer Hommage an Benny Lévy, dem seine Frau Léo ein Erinnerungsbuch gewidmet hat. Zur Erinnerung: Benny Lévy, das war der Extrem-Maoist, der Sartre in seinen späten Jahren begleitete - auch ins Gefängnis zu Andreas Bader - und der dann zum extrem frommen Juden konvertierte. Er war übrigens, wie Georges Moustaki, einer jener in Paris gestrandeten Juden aus Alexandria. BHL erinnert sich an jene "drollige Episode aus der 'Nacht der Barrikaden', im Mai 68, die er [Benny] eingeschlossen in einem Saal der [Elitehochschule] ENS verbringt: Fand er seinerzeit wie sein Genosse Pierre Goldman, dass die 68er nicht seriös genug waren? Wartete er als der wahre bolschewistische Führer, als den er sich imaginierierte, auf den Auftritt der Arbeiter? Oder war es schlicht sein Status als Staatenloser (eine Frage, auf die keiner seiner damaligen Genossen je gekommen wäre), der ihm Angst machte und gefährdete?"

Magazinrundschau vom 03.09.2013 - Point

Bernard-Henri Lévy hat keine Zweifel, dass die Giftgasattacken in Syrien vom Assad-Regime zu verantworten sind - und scheint schon am letzten Montag, als er die am Donnerstag veröffentliche Kolume für le Point schrieb, einiges geahnt zu haben: "Barack Obama hat vor einem Jahr den Einsatz von Giftgas zur roten Linie erklärt. Entweder sein Wort gilt etwas, dann muss er reagieren - oder er zögert und gestikuliert nur mit seinen Kriegsschiffen, dann haben sein Wort und das seines Landes keine Glaubwürdigkeit und keine Relevanz mehr, dann gratulieren wir zu den Folgen in Nordkorea und dem Iran und all den anderen Ländern, die von Massenvernichtungswaffen träumen und die in Syrien einen Testfall für die Entschlossenheit der demokratischer Länder erkennen."

Magazinrundschau vom 27.08.2013 - Point

Bernard-Henri Lévy, den man nicht gerade der Sympathie für die Muslimbrüder verdächtigen kann, lässt keines der Argumente für den Putsch der ägyptischen Generäle und die darauf folgenden Gewaltexzesse gelten: "Das ist es ja wohl nicht, was die Millionen Demonstranten auf den Straßen von Kairo und Assuan im Juli wollten. Sie wollten keine kalkulierten Massaker und 38 Erstickte im Laderaum eines Gefangenentransporter. Die ägyptischen Demokraten haben nicht zuerst im Jahr 2011 und dann im Jahr 2013 Revolution gemacht, um Mubaraks Generäle zurückkommen zu sehen, Wiedergänger ihrer selbst, die nichts gelernt, nichts vergessen haben und in ein paar Tage mehr Zivilisten getötet haben als in den furchtbaren Wochen im Januar-Februar 2011."

Magazinrundschau vom 04.06.2013 - Point

Bernard-Henri Lévy warnt in seiner Kolumne für Le Point vor Deutschenhass. Zwar findet er, "dass Mme. Merkel und die Deutschen im allgemeinen eine nicht geringe Verantwortung für die unendliche Krise Europas tragen". Aber dennoch bezeichnet er heutige Deutschlandbasher als Abkömmlinge jener Deutschenfeindlichkeit, die einst mit der Dreyfus-Affäre und später mit der Kollaboration verbunden war, im letzteren Fall auf recht paradoxe Art: "Ich denke an all jene Theoretiker und Praktiker der Infamie, die im Jahr 1940 vom Abscheu auf die 'Boches' auf die Verzückung über das Dritte Reich umgeschwenkt sind (aber war das ein Umschwenken? Waren sie nicht gleichzeitig antideutsche Nationalisten und für die Nazis? Liegt das ganze Paradox der Geschichte nicht darin, dass sie bis zum niederträchtigsten Moment der Unterwerfung ihrer Phobie gegen das Deutschland Goethes und Hegels treu blieben?)"

Magazinrundschau vom 15.01.2013 - Point

Bernard-Henri Lévy kann zwar verstehen, dass die Religionsführer ihr Wörtchen zur Schwulenehe sagen wollen, aber dass die "Stimme des Großrabbiners von Frankreichs oder des Erzbischofs von Paris schwerer wiegen soll als die vor irgendjemand anders" will ihm nicht einleuchten. "Heirat ist in Frankreich kein Sakrament, sondern ein Vertrag. Und auch wenn man letzteren durch ersteres besiegeln und vor dem Priester einen zusätzlichen Bund schließen will, dann hat das Gesetz über die Schwulenehe damit doch nichts zu tun. Niemand verlangt von Gläubigen, ihrer Doktrin zu entsagen. Aber umgekehrt kann auch niemand vom Bürger verlangen, dass er seine Lebensführung nach ihren Dogmen ausrichtet." Schade dass niemand Lévy gebeten hat, in der deutschen Beschneidungsdebatte zu intervenieren!

Magazinrundschau vom 27.11.2012 - Point

BHL wundert sich in seiner Kolumne über die Propagandaerfolge der Hamas in Frankreich: "Die kommunistische Partei fordert 'Sanktionen' gegen Israel. Die Grünen, deren Stimmen man beim Thema Syrien oder Libyen oder den Hunderttausenden Toten vergessener Kriege in Afrika und dem Kaukasus kaum hörte, fordern, dass 'Israel sanktioniert wird'. 'Pazifistische' Demonstranten, die kaum zu motivieren sind, wenn Gadhafi oder Assad töten, gehen auf die Straße - und bekennen ihre Solidarität mit der einzigen Partei, die in Palästina die Zweistaatenlösung, also den Frieden, ablehnt."
Stichwörter: Hamas, Libyen, Kaukasus

Magazinrundschau vom 05.06.2012 - Point

Dem Land steht ein strenger Sparkurs bevor, weiß Nicolas Baverez in seinem Kommentar zur Wirtschaftslage der Nation. Er zeichnet ein düsteres Zukunftsszenario: "Wachstumsstopp und Dauerarbeitslosigkeit treiben die Franzosen in die Verarmung, ihr Pro-Kopf-Einkommen wird künftig niedriger sein als das in der übrigen europäischen Union. Die Nation spaltet sich und schafft es nicht mehr, die Jugend einzubinden - 20 Prozent einer Altersklasse werden in jedem Jahr ohne irgendeine Ausbildung aus dem Bildungssystem ausgespuckt -, ebensowenig wie die Zuwanderer und deren Nachkommen. Die finanzielle Verschlechterung Frankreichs bedeutet einen Kontrollverlust über das eigene Schicksal, durch ein Land, das sich in Zukunft unter Bevormundung der Finanzmärkte und Deutschlands befinden wird."