Magazinrundschau

Die Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.
03.05.2005. Im polnischen Magazin Ozon stößt Andrzej Stasiuk an seine Toleranzgrenze. In Reportajes sieht Francis Fukuyama die Europäer kurz vor dem Ende der Geschichte. In der Gazeta Wyborcza verkündet Adam Michnik die polnische Variante der Kapitalismuskritik: non serviam. Der Merkur empfiehlt gegenüber dem Iran ein wenig "tough love". In Le Point singt Bernard Lewis ein Lob auf die Empfindlichkeit. In Nepszabadsag warnt der kanadische Anwalt von Yukos-Chef Chodorkowskij vor einem Schröder-Putin-Pakt. Das TLS weiß, warum Künstler Wittgenstein lieben. Folio stirbt in schwarzweiß. In der New York Times erklärt Thomas L. Friedman: Die Welt ist eine Scheibe.

Ozon (Polen), 28.04.2005

Ein neues Magazin ist in Polen seit letzte Woche auf dem Markt - die Wochenzeitschrift Ozon. Weniger Tagespolitik, mehr gesellschaftliche und kulturelle Themen scheinen das Profil auszumachen. Der Schriftsteller Andrzej Stasiuk war zum Beispiel im slowenischen Ljubljana und berichtet von einem ehemaligen Gefängnis das von Künstlern umgestaltet wurde und jetzt als hippes Hostel fungiert. "Ehrlich gesagt war ich nicht begeistert. Ich konnte nicht schlafen, weil mir bewusst wurde, dass die Popkultur mit einer unreflektierten Freude sich so etwas Obszönes und Zweideutiges wie ein Gefängnis aneignet. Der Dreck, der Gestank, die Erniedrigung, die Einsamkeit und der Fluch wurden wie mit einem Zauberstab in ein 'space of freedom with the inspiration' verwandelt - für 20 Euro in einer Zweibettzelle."

Weitere Artikel: Tomasz P. Terlikowski fragt in der Titelgeschichte, ob es in Polen einen neuen Patriotismus gebe. "Der aktuelle Patriotismus ist anders als der von vor 20-30 Jahren, als wir für die Freiheit gekämpft haben. Heute geht es um die kleinen Dinge, um die Pflege der positiven Werte". Ein Porträt ist Alex Dancyg gewidmet. Der in Warschau geborene Kibbuznik schult Reiseführer von israelischen Schulgruppen, die nach Polen zum "Marsch der Lebenden" fahren. "Es ist nicht leicht, jungen Israelis die komplizierten Beziehungen beider Nationen zu erklären. Die gemeinsame Geschichte von Polen und Juden ist aber viel mehr als der Holocaust", erklärt Dancyg.

Archiv: Ozon