
Tom Stevenson liest drei Bücher, die sich mit
Xi Jinping befassen bzw. dessen Vater Xi Zhongxun. Insgesamt, findet er, kommt Xi zu schlecht weg: Er sei weder ein neuer König, noch einfach ein Nationalist, der den Westen hasse, wie der ehemalige australische Premierminister Kevin Rudd in seinem Buch behaupte. Xis Brutalität nimmt Stevenson zur Kenntnis, doch benimmt sich eine andere Großmacht nicht gerade viel schlechter? "In seinen Reden spricht Xi von einer '
unabhängigen Friedenspolitik' und einem Bekenntnis zur UN-Charta. Chinas Global Governance Initiative soll 'Demokratie in den internationalen Beziehungen', Multilateralismus und Rechtsstaatlichkeit fördern. Für Rudd laufen diese Verpflichtungen jedoch lediglich darauf hinaus, 'die internationale
moralische Überlegenheit' anzustreben. Dahinter verbirgt sich ein ehrgeiziges 'Megaprojekt zur Neugestaltung des gesamten internationalen Systems'. Er spekuliert ohne konkrete Beweise, dass China versuchen könnte, die UN-Charta durch eine 'neue, auf China ausgerichtete Struktur' zu ersetzen. Diese Ansicht wird in gewisser Weise durch
Chinas territoriale Ansprüche auf Inseln im Südchinesischen Meer, seine Übergriffe auf den taiwanesischen Luftraum und seine Grenzkonflikte mit Indien gestützt. Als Xi im September zusammen mit Putin und Kim Jong-un auf der Balustrade des Tiananmen-Tors posierte, um den achtzigsten Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs zu feiern, reagierten die China-Falken in den USA heftig. Aber China ist dem
Status quo der internationalen Institutionen stärker verpflichtet als Amerika. Man würde vergeblich nach Berichten suchen, dass China tagelang Somalia bombardiert, Luftangriffe auf unbekannte Boote in der Karibik fliegt oder den Präsidenten eines anderen Landes entführt und nach Peking verschleppt."
Thomas Meaney
rekapituliert im Rahmen einer Besprechung eines Buches von Sam Tanenhaus die Karriere
William F. Buckleys. Der war einerseits ein passionierter Polemiker der amerikanischen Konservativen, dessen Zeitschrift
National Review gegen die Bürgerrechtsbewegung Stellung bezog und jede Menge antikommunistischer Feldzüge führte; und andererseits ein New Yorker Dandy, der den von ihm verachteten Liberalen in vieler Hinsicht näher war, als er selbst zuzugeben bereit war. Sein Einfluss auf die jüngere Geschichte der amerikanischen Rechten ist nicht zu unterschätzen, meint Meaney: "Als Trump erstmals an die Macht kam, war es unter der republikanischen alten Garde - darunter Buckleys Sohn Christopher - üblich,
Buckleys Eleganz und Mäßigung mit Trumps Vulgarität und Extremismus zu kontrastieren. Als Beweisstück wurde stets ein Essay Buckleys aus dem Jahr 2000 genannt, in dem er feststellte, dass die Nation anfällig für demagogische Kräfte sei - wenngleich er glaubte, dass Trump zumindest niemals ein hohes Amt bekleiden würde. Aber ist es nicht so, dass kaum jemand mehr Vorarbeit für MAGA geleistet hat als Buckley?"
Mit einem anderen äußerst amerikanischen Lebenslauf
beschäftigt sich Chal Ravens:
Britney Spears war nach ihrem Durchbruch 1999 ein paar Jahre lang der größte Popstar der Welt, bevor sie mit einem öffentlichen Zusammenbruch ins Bodenlose stürzte. Sie wurde geschieden, verlor das Sorgerecht für ihre Kinder und schließlich, mit 26 Jahren, entmündigt und in der Folge ein Jahrzehnt lang von ihrem Vater und dessen Armee von Anwälten kontrolliert wurde; heute ist sie wieder #freeBritney. Ravens überlegt sich, nach Lektüre einer Spears-Biografie von Jeff Weiss und Spears' Autobiografie "The Woman in Me", ohne viel Sympathie für den Popstar, was das alles zu bedeuten hat: "Als Kind sexualisiert und als Erwachsene infantilisiert, versuchte Britney mit ihrem
Status als Sexsymbol klar zu kommen, indem sie in Interviews so tat, als sei sie keines. ... Ironischerweise war Weiblichkeit immer ein Kostüm, das Britney nur unbeholfen trug. Sie war Basketballspielerin, keine Cheerleaderin; ein selbsternannter Wildfang; albern statt anmutig. Ihr Sexappeal war von Janet Jackson und Madonna entliehen, doch sie
schrieb ihre Hausaufgaben ab, ohne die Aufgaben zu lösen. Sie wirkte nicht kaltblütig genug für das Showbusiness".